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Cycle 1.0

GeschichteDrama, Tragödie / P18 / MaleSlash
Emma Ludbrook Jared Leto OC (Own Character) Shannon Leto Tomislav "Tomo" Milicevic
13.05.2012
01.07.2020
66
127.793
4
Alle Kapitel
208 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
01.06.2015 2.938
 
So,

vielen dank an Uninona, Mrs Schoko und Träumerli für eure Reviews und allen Schwarzlesern fürs reinklicken. Danke auch noch mal für eure Geduld. Manchmal ist es zum Mäuse melken mit dem echten Leben.
Heute geht es mit Jon weiter :) Ich hoffe es gefällt euch :)
Viel Spaß :)

by the way: ich persönlich hätte nichts gegen den ein oder anderen Stern einzuwenden ;) Also wer mag :P
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Chapter Fifty-Five (Jon Pov)

Ich fasse  es immer noch nicht.

Dabei hatte ich eine ganze Nacht, mich an den Gedanken zu gewöhnen.  An eine Menge Gedanken, um genau zu sein. Den, nicht mehr ‚nichtexistent‘ zu sein. Den, in die Rolle eines Mannes zu schlüpfen, der so viele Talente und Interessen hat und eine so beeindruckende Aura, dass ich nicht mal den Hauch einer Idee habe, wie ich dieser Mammutaufgabe  gerecht werden soll. Den, an ein oder mehrere Tattoos.  Natürlich verstehe ich, warum Jay diesen Schritt für nötig hält. Man stelle sich vor es geht ihm wirklich nicht gut, oder er hat einfach keine Zeit und wir müssten erst Stunden damit zubringen, sie aufzumalen. Es wäre einfach uneffektiv. Ihr Fehlen mit langen Ärmeln zu tarnen wäre zwar möglich, aber äußerst risikobehaftet und es würde meine Einsatzmöglichkeiten sehr einschränken. Also bin ich selbst dazu bereit, auch wenn ich es Zeit meines Lebens vermieden habe, mich derart zeichnen zu lassen.

Was mich viel mehr umtreibt ist, wie sicher Jared sich meiner Zustimmung war, schon bevor er mir sein sogenanntes Angebot unterbreitete. Auch wenn ich selbst kein Freund von Körperschmuck aller Art bin – zumindest an mir – ist mir klar, dass Jay nicht irgendeinen Stümper an seine Haut lassen wird. Ebenso klar ist mir, dass ein wirklicher Künstler auf seinem Gebiet nicht leicht zu bekommen ist. Ich habe es erlebt, dass einige meiner Mädchen Wochen, teilweise Monate auf einen Termin gewartet haben. Wie lange also hat er diesen Schritt schon geplant, wohl wissend, dass ich nicht ablehnen werde? Und warum hat er nicht im Vorfeld mit mir darüber gesprochen? Was mich an dem ganzen Ablauf am meisten stört – nein, nicht stört, sondern wirklich verletzt – ist, dass er mir gedroht hat. Ganz offen. Ohne den Hauch eines Zögerns. Seine Worte klingen mir jetzt noch in den Ohren und sie trafen mich so hart, als habe er mich geschlagen. Dass er seinen Entschluss offensichtlich schon vor einiger Zeit gefasst hat – möglicherweise in dem Moment, als er mich das erste Mal sah und er die Ähnlichkeit erkannte – schmerzte sogar noch mehr. Hätte ich nicht gesessen, wäre ich sicher umgefallen. So aber saß ich einfach nur da, nachdem er gegangen war, starrte blicklos auf die Tür durch die er gerade verschwunden war und anschließend auf die Papiere in meinen Händen und verstand nicht, wie ich hatte so blind sein können.

Wie oft hatte ich gezweifelt? Wie oft hatte ich ein ungutes Gefühl gehabt, es aber verdrängt. Nicht nur, weil Jared meine einzige Chance war ein Leben zu führen, das nicht unweigerlich die anderer zerstört, sondern weil ich ihm glauben wollte. Ich fühlte mich ihm so verbunden, dass ich nichts mehr wollte, als ihm zu vertrauen. Hoffnung… ein beschissener Ratgeber… ich hätte es besser wissen müssen.

Natürlich machte ich in dieser Nacht kein Auge zu. All die alten Ängste, die ich in den letzten Monaten so mühsam abgelegt hatte, waren auf einmal wieder da. Entsprechend müde aber beinahe dankbar, etwas tun zu dürfen, schleppte ich mich um acht unter die Dusche und zog mich an. Die Treppen ins Erdgeschoss überwand ich mit dem Elan eines Häftlings auf dem Weg zu seiner Exekution. Natürlich war Jared längst auf den Beinen, hatte sogar Frühstück gemacht und empfing mich mit dem strahlendsten Lächeln, das ich seit langem an ihm gesehen habe. Doch so sehr ich die gemeinsamen Mahlzeiten auch vermisst hatte, Essen war so ziemlich das Letzte wonach mir der Sinn stand. Also knabberte ich mehr aus Höflichkeit an ein wenig Obst und hielt mich ansonsten an meinen Kaffee, während Jay vor sich hinplapperte wie ein Wasserfall. Davon, was für eine Legende der Mann sei, der gleich käme um sich unserer Haut zu widmen, über all die Projekte die er plante und darüber, dass es doch eine gute Idee wäre das Gästezimmer umzugestalten, damit es mehr meinen Vorlieben entspräche. Schließlich sei es ja mein Zuhause.

Es war schön ihn wieder aufblühen zu sehen, als habe man ihm eine riesige Last von den Schultern genommen. Ihn lächeln zu sehen, tat gut. Ich hörte nur mit halbem Ohr zu, mehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt als mit Jays Ausführungen, und musste mir eingestehen, dass meine vielleicht sogar berechtigte Wut auf ihn dahinschmolz wie Butter in der Sonne.  War ich nicht selbst besorgt gewesen, weil er so dahinzuschwinden schien? Hatte ich nicht selbst verzweifelt einen Weg gesucht, ihm zu helfen? Wie viel größer mochte sein Elend gewesen sein als er feststellen musste, dass er seinem Leben nicht mehr gewachsen war? Wer war ich – ausgerechnet ich – ihn wegen seiner Verzweiflungstat zu verurteilen?  Hatte ich nicht selbst sehr viel grausamere Dinge getan, um zu überleben? Noch schlimmer, denn irgendwann war es nicht mehr ums Überleben gegangen sondern darum, meine Gier nach Macht und Besitz zu befriedigen. Und ich hatte es getan, ohne auch nur den geringsten Hauch von Reue zu empfinden, während ihm das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben stand, als wir sprachen.

Nein, ich habe keinerlei Recht ihn zu verurteilen, ihn gar zu hassen dafür, dass er mich gelinkt hat.  Allerdings werde ich meinem Register an Eigenschaften des Jared Leto den einen oder anderen Eintrag hinzufügen müssen, den ich im Umgang mit ihm zukünftig beachten sollte. Und so ringe ich mir ein kleines Lächeln ab, als er mich fragt ob es mir gut geht, während der Tätowierer, den Jay mir schlicht als Mark vorgestellt hat, sein Equipment bereit macht.  Ich nicke, obwohl das Surren der Maschine mir den Magen umdreht. Es erinnert unangenehm an den Bohrer beim Zahnarzt und die Erklärungen des Künstlers was die Funktionsweise angeht, machen es nicht besser.

„Es klingt schlimmer, als es ist“, versucht Jay mich zu beruhigen. Natürlich ist ihm mein Unbehagen nicht entgangen. „Du schaffst das schon.“ Damit tritt er einen Schritt näher und zieht sich einen der Wohnzimmerstühle heran, damit ich mich setzen kann.

„Nein, lass ihn sich hinlegen“, mischt Mark sich ein. „Nicht dass er uns umkippt.“

Ich bin nicht sicher, ob er ernsthaft mit dieser Möglichkeit rechnet, oder scherzhaft gemeint war. Aber Jared nickt zustimmend, kickt den Stuhl achtlos beiseite und schiebt mich stattdessen resolut in Richtung Sofa. Ich muss zugeben, ich bin ein wenig beleidigt.

„Ich kippe bestimmt nicht um“, protestiere ich und straffe die Schultern. „Nicht wegen ein paar Nadeln.“

„Wahrscheinlich nicht“, stimmt Jay mir versöhnlich zu, breitet aber nichts desto trotz vorsorglich ein paar Wolldecken über die Couch. „Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht, und ein langer Farbstreifen quer über den Arm sähe sicher nicht schön aus. Ich zumindest möchte keinen Krickelstreifen auf meinem Arm, und ich müsste es dir ja dann nachmachen. Also sein ein braver Junge, zieh das Hemd aus und leg dich hin.“

Am liebsten würde ich ihm für den Spruch den Hals umdrehen, kann mich aber gerade noch so zurückhalten.

„Ich geb dir gleich braver Junge“, grummele ich leicht ungehalten, was ihm keine stärkere Reaktion als ein freches Grinsen entlockt, mache aber dennoch den Oberkörper frei, hänge das Hemd ordentlich über die nächste Stuhllehne und lege mich so auf den Rücken, dass Mark möglichst problemlos an mein Handgelenk kommt.

Mir ist tatsächlich verdammt mulmig. Eigentlich wäre es mir lieber gewesen, er hätte bei Jared angefangen damit ich wenigstens ungefähr weiß, was auf mich zukommt. Aber selbiger hatte einfach verkündet ich sei zuerst dran, ohne mich auch nur nach meiner bescheidenen Meinung dazu zu fragen. Also liege ich jetzt hier und versuche, mich zu entspannen, während Mark mein Handgelenk gewissenhaft und großflächig desinfiziert und dabei mit ruhiger Stimme erklärt, was er tut und mich eindringlich darum bittet still zu halten und Stopp zu sagen, sollte ich eine Pause brauchen. Ich habe die Augen geschlossen und versuche herauszufinden, warum mein Herz rast wie ein Dampfhammer und mir der kalte Schweiß ausbricht, obwohl noch gar nichts passiert ist. Eigentlich hatte ich gedacht, er würde zumindest vorzeichnen, ehe er anfängt mich mit der Nadel zu malträtieren. Doch kaum habe ich genickt, lässt mich das durchdringende Summen der Maschine zusammenzucken.

Schon die ersten Linien sind furchtbar unangenehm. Es brennt und ich habe das fiese Gefühl die Zahnarztbohrer-Vibrationen in jedem Knochen meines Körpers zu spüren. Stillhalten fällt mir gerade verdammt schwer. Am liebsten würde ich aufspringen und weglaufen.

„Wie lange wird das dauern?“ erkundige ich mich zwischen zusammengebissenen Zähnen und frage mich innerlich wie ich auch nur zehn Minuten aushalten soll.

„Ein paar Stunden schon, alles in Allem“, erwidert Mark abwesend. „Versuch ruhig zu atmen und an was Anderes zu denken, wenn es dir hilft. Einige konzentrieren sich auch auf die Nadel - sagen es hat was Hypnotisches an sich und dass man sich an den Schmerz gewöhnt.“

Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass auch nur eine der beiden Methoden mir helfen wird, aber mir ist im Grunde gerade jedes Mittel recht.

„Okay“, nuschele ich möglichst leise, kann aber nicht verhindern dass meine Stimme zittert. Ich schlucke und drehe den Kopf Richtung Lehne - um zu vergessen und vor allem um die Tränen zu verbergen, die hinter meinen Augen brennen.  

Dumpf frage ich mich, ob Jared bewusst ist, was er mir antut. Vermutlich nicht, sonst hätte er vielleicht nach einer weniger schmerzhaften und vor allem endgültigen Alternative gesucht. Wenigstens hoffe ich, dass ihm einfach nicht klar ist wie elend ich mich fühle. Schließlich hatte ich mich gerade innerlich mit ihm versöhnt und will nicht glauben, dass er wirklich so rücksichtslos ist. Aber er hat selbst so viele Tätowierungen, dass es in seiner Weltsicht wohl keine große Sache ist. Dabei legt er in mancherlei Hinsicht eine derartig kindliche Unschuld an den Tag, dass er schlicht vergisst sich Gedanken über das Seelenleben anderer zu machen. Die Schmerzen und meinen durchdrehenden Kreislauf allerdings macht all das auch nicht besser, sodass ich Mark schließlich um eine Pause bitten muss, noch ehe das erste Motiv auch nur halb fertig ist. Eigentlich will ich gar nicht hinsehen, aber ich kann auch nicht ewig Löcher in den Couchbezug starren.

„Danke“, hauche ich noch eine Spur zittriger, als Mark die Linie, an der er gerade gearbeitet hat vollendet, die Maschine absetzt und zum gefühlt zweihundersten Mal heute Blut und Farbe wegwischt.

Er antwortet nicht, sondern brummelt nur irgendetwas Unverständliches in seinen nicht vorhandenen Bart. Auch wenn ich das nicht für möglich gehalten hätte, sieht er jetzt noch um Einiges zweifelnder aus, als zu Beginn. Jared dagegen sitzt entspannt in seinem Sessel, lächelt vor sich hin und wirkt dabei wie ein rundum zufriedener Kater, der gerade ein Schälchen Sahne ausgeleckt hat. Einerseits würde ich alles dafür geben zu wissen, was gerade in seinem Kopf vorgeht. Andererseits bin ich ganz und gar nicht sicher, dass es mir gefallen würde. Seine Augen ruhen auf mir, doch ich kann den Ausdruck darin nicht wirklich deuten. Alles was ich weiß ist, dass ich mich noch eine Spur unbehaglicher fühle. Mein Mund ist staubtrocken. In der Absicht aufzustehen um mir ein Glas Wasser zu holen und damit wenigstens kurz Jays unheimlichem Blick zu entkommen, setze ich mich auf. Prompt wird mir so schwindelig, dass ich nun wirklich dankbar für das Sofa unter mir bin.

„Oh“, murmele ich schwach, widerstehe der Versuchung mich wieder hinzulegen aber gerade so und kralle stattdessen die freie, nicht schmerzende Hand in die Polster.

Jared ist, obwohl er so verklärt gewirkt hat, sofort auf den Beinen und an meiner Seite, noch bevor ich einen klaren Gedanken fassen kann.

„Immer langsam mit den jungen Pferden“, sagt er sehr leise und sehr beruhigend, während er sich neben mich setzt und vorsichtig einen Arm um meine Schulter legt, um mich zu stützen. Streng genommen wäre das zwar nicht nötig – so schlimm ist es dann doch noch nicht – aber aus irgendeinem Grund fühlt es sich gut an. Sicher. Wieso auch immer. So gut, dass ich mich gegen ihn lehne und die Augen schließe um darauf zu warten, dass die Welt aufhört sich um mich zu drehen. „Geht es einigermaßen?“, erkundigt er sich besorgt, nachdem wir eine Weile dagesessen haben ohne etwas zu sagen.

„Hmmmmm“, mache ich  zustimmend und setze mich gerader hin, auch wenn ein winziger, aber penetranter Teil von mir sich gerne noch länger in seinen Arm gekuschelt hätte.

Aber ich brauche ein Glas Wasser – dringend.  

Jared zieht eine Augenbraue hoch und mustert mich intensiv. „Bist du sicher? Du bist ganz blass“, hakt er dann nach. „Ich sagte doch du solltest mehr Essen als drei Bissen Apfel“, tadelt er mich seufzend, als sei ich ein unvernünftiges Kind und er ein besorgter Vater.

„Hab ich nicht gehört, und mir war nicht nach Essen“, verteidige ich mich teils erbost, teils belustigt. Er muss gerade von unzureichender Nahrungsaufnahme reden. Ausgerechnet er, der die Mahlzeiten gleich Rudelweise ausfallen lässt weil er zu beschäftigt, zu besorgt oder wahlweise zu müde ist um daran zu denken.  

„Unvernünftiges Ding“, grummelt er fast schon beängstigend liebevoll. „Dann iss wenigstens jetzt was. Was möchtest du haben?“

„Wag es meinen Arbeitsplatz mit irgendwelchen Fressalien zu kontaminieren und ich tätowier dir was Passendes mitten auf die Stirn, Mister Leto“, schaltet sich Mark, dessen Anwesenheit ich beinahe vergessen hatte, ungehalten ein. „Einen großen, pinken Schwanz eventuell - als Hinweis darauf mit welchem Körperteil du denkst.“

Während ich – zumindest als Angesprochener – auf diese Verbalattacke ziemlich beleidigt reagiert hätte,  guckt Jared nur einen Augenblick verwirrt, blinzelt ein paar Mal und bricht dann in schallendes Gelächter aus.

„Oh ja, das wäre DER Bringer“, japst er, nachdem er sich halbwegs beruhigt hat. „Wenigstens werde ich dann ganz sicher nicht mehr gefragt ob ich auf Männer oder Frauen stehe. Sehr gute Idee. Vielleicht sollte ich das Twittern oder so.“

„Twitter was du willst, aber ich bin ziemlich sicher dass dein Freund nicht scharf auf eine hübsche Infektion ist. Also bitte geht in die Küche zum Essen. Nen Kaffee würde ich übrigens auch nehmen, sieht aus als wäre erst mal Pause angesagt, es sei denn du willst ihn hier…“ damit deutet er  auf mich und zieht vielsagend die Augenbraue hoch. „…gleich vom Boden aufkratzen.“

Nur zu gerne würde ich jetzt widersprechen, allerdings fürchte ich der gute Mann hat Recht. Erstens fühle ich mich wie ausgekotzt und zweitens scheint er kompetent genug, um das beurteilen zu können. Also rappele ich mich hoch, während die beiden sich weiterhin freundschaftlich-charmante Beleidigungen an den Kopf werfen. Wäre mir nicht immer noch leicht schwindelig, würde ich glatt den Kopf darüber schütteln. Stattdessen flüchte ich, so schnell meine wackeligen Knie es erlauben, in die Küche. Hunger hab ich zwar noch immer nicht, aber vermutlich liegt Jared nicht so falsch mit seiner Annahme ein wenig Energiezufuhr täte mir gut. Seufzend lasse ich mich auf den erstbesten Stuhl fallen. Mark und Jay folgen mir natürlich auf dem Fuße, sodass ich nicht einmal dazu komme, mir eine Scheibe Brot zu nehmen ehe Jared mir zuvorkommt.

„Was drauf?“, erkundigt er sich sachlich und lässt den Blick über den Tisch schweifen.

„Ich kann das selbst, Jay“, erwidere ich statt einer Antwort. So nett seine Fürsorge auch ist, so sehr geht es mir jetzt schon auf die Nerven.

„Ich weiß“, nickt er, meinen leicht angesäuerten Tonfall geflissentlich ignorierend. „Also was möchtest du drauf haben?“

„Käse, Gurken... irgendwas“, gebe ich resigniert zurück.

„Welchen Käse?“, fragt er unschuldig weiter und sieht dabei aus, als würde es ihm tatsächlich Spaß machen mich zu ärgern. Da ist dieses Glitzern in seinen Augen, das er sonst nur hat, wenn er irgendetwas ausheckt. „Wir haben Käse… Käse...und… mehr Käse.“ Damit schnuppert er demonstrativ an einem nach dem anderen und verzieht so theatralisch das Gesicht, dass ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.  „Riechen alle… käsig“, informiert er mich dann liebenswürdig. „Also?“

„Gib mir den Cheddar“, grinse ich versöhnt. „Das ist der käsig riechende orangene“, füge ich auf seinen ratlosen Blick hin noch hinzu.

„Geht doch“, feixt er, während er mit hochkonzentriertem Gesichtsausdruck beginnt das Sandwich zu belegen. „Mit Liebe gemacht und so“, sagt er dann halb im Scherz, als er mir den Teller reicht.

Eine Aussage, die ich ihm schon allein deswegen sofort glaube, weil er so einen Aufwand nie für sich selbst betreiben würde.

„Danke“,  gebe ich lächelnd zurück und verkneife mir dabei die Anmerkung, dass ich eigentlich keine Sandwichcreme mag.

Mark, der mit einem dampfenden Kaffeebecher bewaffnet an der Arbeitsplatte lehnt und die Szenerie sichtlich amüsiert verfolgt, wirft Jareds Hinterkopf einen äußerst merkwürdigen Blick zu, wünscht mir aber nur einen guten Appetit, ehe er sich wieder hinter seiner Tasse versteckt. Irgendetwas ist mir definitiv entgangen, auch wenn ich nicht den leisesten Hauch einer Ahnung hab, was das sein könnte.  Ist mir allerdings auch relativ egal, im Moment wenigstens. Schon beim ersten Bissen merke ich, was für einen Hunger ich eigentlich habe, sodass ich für die nächsten Minuten ausschließlich mit Abbeißen, Kauen und Schlucken beschäftigt bin. Ein weiteres Sandwich und zwei Gläser Wasser später fühle ich mich um Längen besser und so bereit die Tattoosession fortzusetzen wie ein Mensch, der das nicht freiwillig, tut nur sein kann. Es tut immer noch weh und es bessert sich auch nicht signifikant, als Mark das Bild auf meinem Handgelenk beendet und sich meinem linken Unterarm zuwendet, obwohl diese Stelle laut seiner Aussage weniger empfindlich sein sollte.  

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Ich hoffe es ist einigermaßen stimmig, da ich tatsächlich jetzt so lange kein C1 Kapitel mehr geschrieben habe, wie ihr warten musstet (ich musste ja mit warten)
Feedback wäre nice :) Solltet ihr Kommentare für Karin haben, die ja die Jared kapitel schreibt, lasst sie einfach hier ich leite sie dann weiter ;)

LG
Amy
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