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Cycle 1.0

GeschichteDrama, Tragödie / P18 / MaleSlash
Emma Ludbrook Jared Leto OC (Own Character) Shannon Leto Tomislav "Tomo" Milicevic
13.05.2012
01.07.2020
66
127.793
4
Alle Kapitel
208 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
13.05.2012 1.897
 
Herzlich Willkommen in Kguarani und meinen leicht schrägen Gehirnwindungen :)

Die Jungs vom Mars und alle real existierenden Personen aus deren Dunstkreis gehören nur sich selbst,
Alle anderen entspringen unserer Fantasie.
Alles ist reine Fiktion und nein, wir verdienen damit kein Geld.
Reviews / Feedback sind sehr sehr willkommen, da alleine die Art und Weise, wie wir zusammen schreiben schon ein Experiment ist. Also lasst uns auf jeden Fall wissen was ihr denkt, auch wenn euch etwas nicht gefällt. Verbesserungsvorschläge etc werden gerne angenommen.
Ein besonderes Dankeschön geht natürlich an Hator, unsere fleissige und konstruktive Betaleserin.

Die links zu den anderen FFs dieser - ich nenne es jetzt mal Reihe:
Cycle (One Shot - Shannon POV): http://www.fanfiktion.de/s/4f8422090001ea3306d00bbf
Cycle 2.0 (Shannon POV): http://www.fanfiktion.de/s/4f8600630001ea3306d00bbf
Beide Geschichten Erzählen die Geschichte NACH dieser hier :) Wer sich also überraschen lassen will, der lässt am besten die Finger davon (auch wenn wir uns natürlich über jeden Leser und jede Review freuen)

Updates wird es denken wir 2 x wöchentlich geben ;) wir haben noch viel zu tun.
Also, viel Spaß und wir hoffen euch ein bisschen unterhalten zu können

KGuarani & Amazia
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Chapter One

Müde schlage ich die Augen auf – ein Blick auf den ziemlich betagten Wecker sagt mir, es ist 2 Uhr früh – viel geschlafen habe ich nicht gerade. Allerdings ist das in meiner Situation auch nicht so einfach – die Sache mit dem Schlafen. Kaum hat sich das Gehirn aus dem Traum– in den Wachmodus hochgerappelt, ist diese unterschwellige Angst wieder da. Jedes Geräusch lässt mich zusammenzucken. Und davon gibt es in diesem sogenannten Hotel wirklich viele. Ruhig ist eindeutig anders. Aber hier ist es wesentlich unwahrscheinlicher gefunden zu werden als in was Teurerem. Niemand fragt hier nach, ob der Name, unter dem du eincheckst, dein richtiger ist. Eigentlich wirst du kaum beachtet. Alle hier sind viel zu sehr mit Überleben beschäftigt, um sich um einen einzelnen und unscheinbaren Typen zu kümmern, der genauso abgewrackt aussieht wie alle anderen hier. Ich habe eine gute Wahl getroffen, denke ich – dies hier ist genau der richtige Ort, um unsichtbar zu werden. Der kleine Haken an der Sache ist nur, dass ich mir selbst diesen Laden hier eigentlich nicht leisten kann. Ich habe nicht einen müden Penny in der Tasche, nicht einmal einen Ausweis oder Führerschein. Ich besitze nur noch das, was ich am Leibe trage. Meine Jeans, ein T-Shirt, einen alten Hoodie, in dem ich normalerweise im Leben nicht auf die Straße gegangen wäre, und meinen abgewetzten Parka, von dem ich mich aus irgendeinem Grund nie trennen konnte. Das ist alles, was mir geblieben ist.
An Schlaf ist ohnehin nicht mehr zu denken, also kann ich mich genauso gut ein wenig frisch machen und sehen, dass ich hier wegkomme – Um diese Uhrzeit stehen zumindest die Chancen gut, dass ich mich unbehelligt und ohne Nachfragen nach der Miete an der „Rezeption“ vorbei mogeln kann. Ich habe zwar keine Ahnung, wohin ich gehen könnte mitten in der Nacht, bei diesen Temperaturen, aber alles ist besser als hier herumzusitzen und über Dinge zu grübeln, die lieber begraben werden sollten. Also schleppe ich mich in das kleine, nicht unbedingt saubere Bad, das im Übrigen den einzigen Luxus in diesem Zimmer darstellt, denn selbst einen Fernseher oder ein Radio gibt es hier nicht. Die einzige Unterhaltung ist die unvermeidliche Bibel in dem altersschwachen Nachttisch, an dem schon der Lack abplatzt und dessen Tür nicht mehr richtig schließt.
Ich stehe vor dem teilweise blinden Badezimmerspiegel und spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht, um das unangenehme Brennen und das Gefühl von Sandpapier unter den Lidern loszuwerden. Nicht dass es wirklich helfen würde, aber zumindest fühle ich mich ein wenig wacher. Ich wische mir mit meinem Ärmel notdürftig über das Gesicht – den Handtüchern hier traue ich ganz und gar nicht, wer weiß, wie lange die hier schon hängen – und schaue in den Spiegel, mache eine Bestandsaufnahme meines Zustandes sozusagen. Fahle haut, tiefe Augenringe, meine sonst so sorgfältig frisierten braunen Haare fallen mir strähnig in die Stirn, das ohnehin schon ziemlich intensive blau meiner Augen leuchtet durch die Rötungen vom Schlafmangel noch mehr. Ich habe eindeutig schon bessere Zeiten erlebt. Ich finde, ich passe hervorragend hierher, wäre meine Lage nicht so dramatisch, erschiene dieser Moment schon fast lyrisch – filmreif. Doch leider ist mein Leben kein Film und mir ist alles andere als lyrisch zumute.
Fahrig ziehe ich mir die Kapuze über den Kopf und schlüpfe in meinen Parka. Ich werde mir definitiv den Hintern abfrieren da draußen. Selbst für Schnee ist es zu kalt, aber eigentlich ist es mir egal, eigentlich ist mir alles egal, bis auf eine einzige Sache: Man darf mich nicht finden.

„Willst'n hin?“ blafft mich der heruntergekommene Typ an, der hier scheinbar als Nachtportier fungiert.
„Frische Luft schnappen.“, gebe ich zurück, wohlweislich ohne ihn direkt anzuschauen.
„Bisschen kalt für ´ne Nachtwanderung, findeste nich?“, lallt er weiter – offensichtlich ist er ziemlich betrunken, was ich mal als Vorteil für mich verbuche.
„Jaaahhh, das kannst du laut sagen.“, antworte ich gedehnt und ziehe meine Kapuze noch etwas tiefer ins Gesicht. „Kann aber nicht schlafen bei dem Geräuschpegel, der hier herrscht.“, füge ich mit einem vielsagenden Blick in Richtung Treppe hinzu.
„Nix gewohnt, was? Iss doch noch garnix, müsstest das mal erleben, wenn´s hier wirklich voll iss. Fast schon ruhig heute.“, kichert er, bekommt einen Hustenanfall und versprüht gelblich grüne Schleimspritzer auf der Scheibe, die uns trennt. Dem Himmel sei Dank für arme, abgewrackte Junkies, die auch das mieseste Loch für einen Überfall wert halten. Trotzdem habe ich das Gefühl, mich gleich übergeben zu müssen.
„Solltest aufpassen da draußen, iss ´ne üble Gegend.“, rät er mir in diesem, wie er glaubt, väterlichen Tonfall, den ich nur zu gut kenne und bei dem ich mir sicher bin, dass er mich sehr viel jünger schätzt als ich tatsächlich bin. Das passiert mir häufig, ich sehe jung aus. Das ist Teil meines Problems.
„Kannst auch hier bleiben. Iss wärmer und Schnaps iss auch da.“, fährt er prompt fort.
„Ich weiß das zu schätzen, aber ich kann schon auf mich aufpassen.“, antworte ich möglichst höflich und mache mich schleunigst aus dem Staub.
„Wie du willst, Kleiner.“, lallt er mir noch hinterher und dann stehe ich draußen in der eisigen Winterkälte. Mein Magen revoltiert immer noch. Gleichzeitig wäre es tatsächlich verführerisch eine Zeit lang mein Denken einfach abzuschalten. Allerdings mache ich mir keinerlei Illusionen darüber, dass hier niemand etwas zu verschenken hat. Und ich bin nicht bereit, den viel zu hohen Preis für dieses kurzweilige Vergessen zu zahlen. So tief bin ich dann doch noch nicht gesunken.
Ohne darauf zu achten, in welche Richtung ich eigentlich gehe, laufe ich drauf los, die Hände tief in den Taschen meines Parkas vergraben, während mein Atem als kleine Dampfwolke vor meinem Gesicht aufsteigt. Es ist wirklich schweinekalt, selbst für New York im Winter. Die Straßen sind wie leer gefegt – kein Wunder, bei dieser Witterung würde man nicht mal einen räudigen Köter vor die Tür jagen. Wenigstens merke ich es auf diese Weise sofort, sollte mir jemand folgen. - Man ist ja auch für kleine Gaben dankbar.  
Nur habe ich immer noch keinen blassen Schimmer, wie es jetzt weitergehen soll. Ich habe nach wie vor kein Geld, keine Kreditkarten – die mir selbst, wenn ich welche hätte, nichts nutzen würden, da sie einfach zu viele Spuren hinterlassen. In mein Appartement kann ich nicht, nicht mal um ein paar Sachen zu holen. Denn dort werden sie mir mit Sicherheit auflauern. Es gibt einen einzigen Menschen, dem ich genug traue, um mir von ihm helfen zu lassen, sofern er das denn überhaupt kann. Aber auch diese Möglichkeit habe ich nur in der Theorie, denn ich kann ihn unmöglich mit hier reinziehen. Ich kann nicht riskieren, dass ihm irgendetwas zustößt, weil er mir helfen wollte.
Nein – auch aus dem Leben meines kleinen Bruders muss ich spurlos verschwinden. Es bricht mir das Herz – so kitschig sich das anhört – Aber ich muss es um seinetwillen genauso tun wie um meinetwillen. Er hat Eine Frau und 2 Kinder und führt ein normales bürgerliches Leben. Eins von der Sorte, die mir immer furchtbar langweilig und spießig vorkamen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich ihn mal darum beneiden werde.
Zum ersten Mal seit meinem 12. Lebensjahr bin ich so etwas wie dankbar dafür, dass unsere Eltern nicht mehr am Leben sind. Wenigstens müssen sie nicht mit ansehen, was aus mir geworden ist. Wie eng Triumph und totales Versagen doch beieinander liegen. Vor einem Jahr war meine Welt noch völlig in Ordnung. Dafür brachte es mein Job unausweichlich mit sich, dass die Leben anderer den Bach runtergingen. Manch einer würde es sicher so sehen. Aber jeder bestimmt selbst, welchen Weg er wählt. Jeder von uns trifft seine eigenen Entscheidungen und muss mit den Folgen seines Handelns leben – oder eben nicht. Ironie des Schicksals, dass ich mich heute in der umgekehrten Position wiederfinde. Der Jäger ist zum Gejagten geworden.

Nachdem ich gefühlte Stunden durch die teils dunklen, teils hell erleuchteten Straßenzüge gewandert bin, finde ich mich auf einem der großen Wahrzeichen dieser Metropole wieder. Die  steinernen Pfeiler der Brooklyn Bridge ragen hell erleuchtet in den klaren Himmel. Dieser Ort hat schon immer eine magische Anziehungskraft auf mich ausgeübt Hier kann ich nachdenken, auf den East River hinunterschauen, mich sammeln und Kraft tanken. Das mich meine Schritte heute wieder hierher geführt haben, kommt mir wie ein Wink des Schicksals vor. Ich kann den Verkehr auf den beiden Fahrbahnen unter mir vorbeirauschen hören, obwohl es natürlich viel stiller ist als tagsüber. Trotzdem stimmt es, was man über den Big Apple sagt. Diese Stadt schläft nie.
Hier oben bin ich dem Wind schutzlos ausgeliefert. Eigentlich dachte ich bis gerade noch, ich könne nicht noch mehr auskühlen, doch nun fegen mir die eisig kalten Böen die Kapuze vom Kopf und zerzausen meine Haare. Die Kälte sitzt mir wirklich in allen Knochen. Ich bin viel zu dünn angezogen für diese Temperaturen – nicht dass ich irgendeine Wahl gehabt hätte, was das Outfit angeht. Aber ich hätte mir bei meinem überstürzten Abgang doch wenigstens eine Winterjacke greifen können. Doch nein – es musste ja der Parka sein. Der Himmel allein weiß, warum ich so daran hänge. Jedenfalls sind meine Finger so steif gefroren, dass ich das Geländer kaum fassen kann, um mich auf eine der Streben zu ziehen, die in regelmäßigen Abständen die Fahrbahn überspannen,  die mich von meinem geliebten East River trennt. Ich brauche mehrere Versuche, weil meine kalten Finger immer wieder abrutschen und auch meine Beine mir scheinbar nicht mehr so ganz gehorchen wollen. Aber was macht es schon, dass es kalt ist oder dass das, was ich gerade tue, wie Wahnsinn aussieht. Ich kann nirgends mehr hin. Ich kann mich nicht verstecken, ich kann nicht weglaufen und alles andere wäre ein aussichtsloser Kampf, den ich schon verloren habe, bevor er überhaupt beginnt.
Es gibt keine bewusste Entscheidung, kein Nachdenken über das Für und das Wider. Das Ende wird unvermeidlich kommen. Wenigstens spiele ich hier oben nach meinen Regeln. Ich werde nicht warten, bis man mir auch noch diese Möglichkeit nimmt. Und da ich nur die Wahl habe zwischen einem schnellen, schmerzlosen, wenn auch kalten Tod im winterlichen East River und einem langsamen, erniedrigendem und sicherlich äußerst schmerzhaftem Ende in irgendeinem Kellerloch, fällt mir dieser Schritt nicht sonderlich schwer.

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So, das war also Kapitel Nummer eins.. wir sind sehr gespannt was ihr so denkt :)
LG
Mrs Hunter ;)
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