Riesenrad

von Xanokah
KurzgeschichteAllgemein / P6
13.05.2012
13.05.2012
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RIESENRAD
Eine Kurzgeschichte zu Schwarz und Weiß 2


Die Eingangstore von Rayono City lagen hinter mir, vor meinen Augen breitete sich eine große Stadt aus, deren Häuser mit Leuchtreklametafeln und Neonlichtern geschmückt waren. Überall war es strahlend hell, wahrlich die Stadt des Elektro-Arenaleiters.
Ich sah mich um, vor mir lag das Pokémon Center, links von mir ein prunkvolles Theater und rechts von mir erstreckte sich die Arena.

Zielstrebig begab ich mich zu eben dieser, doch meine Hoffnung auf einen guten Kampf wurden augenblicklich zerschlagen. „Arena heute geschlossen. Besucht doch den Park~★!“ stand auf einem Schild, das an der verschlossenen Tür angebracht war.

Der Park?, schoss es durch meinen Kopf. Hinter der Arena lag ein Vergnügungspark, laute Stimmen und Lachen schallten bis an mein Ohr. Zwar nicht gerade die Art von Spaß, die ich mir vorgestellt hatte, aber warum nicht?

„Hey, du da, Lust auf eine kleine Fahrt auf dem Riesenrad? Paare haben heute kostenlosen Eintritt!“, rief ein dicker Mann, der mit schweren Schritten auf mich zu kam.

Paare? Ich bin doch alle--

„Klar, warum nicht, ich liebe das Riesenrad“, erwiderte plötzlich eine jugendliche Stimme hinter mir.

Ich fuhr erschrocken herum. Hinter mir stand ein junger Mann mit langen, grünen Haaren, dessen schwarze Kappe tief ins Gesicht gezogen war.

Der dicke Mann lachte. „Na gut, dann steigt ein!“

Ehe ich mich versah, packte der Junge meinen Arm und zog mich in eine der Kabinen des Riesenrads, die Türen schlossen sich und wir wurden langsam in die Lüfte getragen.

Es ging alles so schnell, ich konnte kaum klar denken. Der Junge schien meine Unsicherheit zu bemerken, lockerte den Griff um meinen Arm jedoch nicht.

„Keine Angst, uns passiert hier oben nichts.“

Er lächelte mich an, ich nickte zögernd.

„Ich liebe das Riesenrad. Man erhebt sich als kleines Lebewesen in die Höhe und am höchsten Punkt stellt man fest, dass man sich doch nur im Kreis dreht. Faszinierend, findest du nicht?“

Ich sah aus dem Fenster, versuchte ihn zu ignorieren. Der Kerl war doch völlig bescheuert.

„Das ist ein bisschen, wie mit Pokémon und Menschen, nicht wahr? Pokémon drehen sich auch immer nur im Kreis, sie werden von den Menschen versklavt und können nie über sich hinaus wachsen.“

Sein Griff wurde stärker, ich verzog das Gesicht. Der Junge kam jedoch noch näher an mich heran.

„Aber weißt du, vor ein paar Jahren hat mir jemand das Gegenteil bewiesen. Auch unter der Herrschaft der Menschen können die Pokémon glücklich leben. Sind deine Pokémon glücklich?“

Ich versuchte mich von seinem Griff zu lösen. Der Junge lachte und las von mir ab.

Nach unendlich vielen Augenblicken näherte die Kabine sich wieder dem Boden und bis sich die Türen öffneten, starrte der Junge mich an, wartete auf eine Antwort.

Als der dicke Parkmitarbeiter uns deutete, unsere Plätze zu verlassen, eilte der Junge mit einem unheimlichen Lächeln aus der Kabine und drehte sich noch einmal zu mir um.

„Du erinnerst mich ziemlich an diesen Jemand. Diese Person war genauso schweigsam wie du.“

Dann verschwand er. Komischer Typ.
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