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Iron and Ice

von maniacs
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
05.05.2012
05.05.2012
1
1.541
5
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Sein Atem beruhigte sich nur langsam. Das eben war knapp gewesen. Zu knapp. Ohne Rogers rechtzeitiges Eingreifen hätten ihn die Rotoren des riesigen Schiffes sicher in Stücke gerissen, Anzug hin oder her. Dabei hatte er noch so viel zu sagen, zu offenbaren. Hatte er?

Eine plötzliche Erschütterung und ein lautes Brüllen ließen die Wände und den Boden erzittern. Hulk. Doch es war ihm egal. Sollten sich die Anderen mit ihm herumschlagen. Er hatte seine Pflicht fürs Erste erfüllt, seine Kehle brannte und sein Körper lechzte nach einem starken Brandy. Ein Anflug von Müdigkeit überkam ihn. Ohne es wirklich bemerkt zu haben, hatte er sich, seinen Körper und seine Seele nach dieser teuflischen Flüssigkeit abhängig gemacht. Immer wieder hatte ihn Pepper gewarnt. Pepper. Er sollte sich bei ihr entschuldigen. Für was? Er wusste es nicht. Schon seit einiger Zeit hatte er dieses Gefühl. Irgendetwas lief falsch, vollkommen falsch.

Es lag nicht an ihr. Sie war vollkommen, perfekt, engelsgleich.

Es war seine Schuld. Wie immer.

Dies war sein Fluch. Genie, Reichtum, Macht, das alles konnte so unbedeutend werden, angesichts so etwas wie Liebe und Vertrauen. Doch sein Herz hatte sich für diese Dinge schon vor sehr langer Zeit verschlossen. Und obwohl Pepper etwas in ihm berührt hatte, so war dies doch nicht mächtig genug, um diese kalte Schicht aus Eisen und Metall zu durchdringen, die sich nicht nur um seinen Körper, sondern auch um sein Herz gebildet hatten. Er war nicht wirklich fähig, zu lieben, geliebt zu werden.

Verwundert blieb er stehen. Ehrlichkeit war sonst nicht seine Art, die Dinge zu betrachten. Selbstverleumdung, Verachtung und Abscheu gegenüber seiner eigenen Person waren da schon eher die Regel.

Wie in Trance tippte er die Zahlenkombination in einen kleinen Bildschirm, die ihm Zugang zu allen Räumen des Schiffes gewährte. JARVIS hatte mal wieder ganze Arbeit geleistet. Ein bitteres Lachen entwich seinen Lippen, als er daran dachte, dass sein hochintelligentes Computersystem irgendwann sicher seinen Platz übernehmen könnte. Seine Villa und den Anzug beherrschte JARVIS ja auch schon, war also nur eine Frage der Zeit, bis er auch seinen Körper kontrollieren und ausfüllen würde. Niemand würde ihn wirklich vermissen, oder?

„So viel Selbstverachtung, Stark?“, durchbrach plötzlich eine dunkle Stimme seine Gedanken. Er schreckte auf, versuchte seine Verwirrung zu überspielen, was ihm kläglich misslang. Verdammt, warum in aller Welt musste er auch ausgerechnet  in den Sicherheitstrakt laufen? Nun sah er sich mit den grünen Augen des Gottes konfrontiert, die ihm geradewegs in seine schwarze Seele zu blicken schienen. Wahrscheinlich wartete er immer noch auf eine Antwort.

„Brauche nur nen‘ starken Drink, dann hat sich das gegessen …“ Seine Stimme war ungewohnt rau und leise, doch er scherte sich einen Dreck darum, was dieser Mistkerl von ihm hielt. Tat er das?

„Weil dadurch auch alle Probleme gelöst sind, nicht wahr?“ Er verkrampfte sich kurz, bevor er weiter ging, in Richtung der gegenüberliegenden Tür, seiner Freiheit. Was dachte er denn da? Loki war der Gefangene hier, nicht er. Ist das so, ja? Er atmete tief durch, bevor er nochmals anhielt.

„Und du hast damit Erfahrung? Der Gott des Unheils, Verursacher alles Bösen, hat Sorgen und Probleme, die auch er in Alkohol zu ertränken sucht?“ Wütend drehte er sich um, nur um den Hauch von Betroffenheit zu sehen, der kurz über Lokis Gesicht flackerte. Die erwartete Genugtuung blieb aus. Stattdessen fühlte er sich schlagartig unwohl. Warum genau, konnte er nicht wirklich sagen.

„Weit verfehlt, Ironman. Es ist nicht Kummer, oder Enttäuschung, oder wie auch immer ihr eure lächerlichen Sorgen nennen wollt. Es ist Wut, die euch alle schon bald das Leben kosten wird.“ Ein bösartiges Lächeln zierte nun seine dünnen Lippen.

„Mach was du willst, aber lass mich in Ruhe. Jemanden wie dich kann ich im Moment am wenigsten gebrauchen.“ Er wandte sich um und stürmte schon fast zu der Tür, die ihn und seinen geliebten Brandy trennte. Wie ging nochmal dieser verflixte Zahlencode?

„Ich denke du irrst dich. Tatsächlich bin ich der Einzige, der deine Situation … nachvollziehen kann.“ Seine Hand ballte sich zur Faust, als das Display zum dritten Mal rot aufleuchtete. Zugang verweigert. Er wirbelte herum, nur um festzustellen, dass sich der Schwarzhaarige lässig gegen die Scheibe gelehnt hatte.

„Wie zum Teufel meinst du das?“

„So, wie ich es gesagt habe. Ich kann hinter deine Fassade schauen, Stark. Ob du willst oder nicht, der Magnet in deiner Brust kann das nicht verhindern. In diesem Zustand bist du für mich wie ein offenes Buch.“

„Dann lies du mal schön. Scheiß Magie …“ Auf eine seltsame Art fühlte er sich ausgelaugt und lehnte sich mit dem Rücken an die kühle Wand, Loki dabei nicht aus den Augen lassend.

„Es braucht nun wirklich keine Zauberkraft, um das zu können. Selbstzweifel, Hass und Einsamkeit stehen dir praktisch auf die Stirn geschrieben. Wenn sich niemand die Mühe macht, genauer hinzuschauen …“, er brach ab, seine Stimme zum Ende hin brüchig geworden. Erstaunt blickte Tony auf. Was war es, das er gerade im Ton des Schwarzhaarigen geglaubt hatte zu hören? Was war es, das Loki immer zu umgeben schien? Langsam stieß er sich von der Mauer ab und näherte sich bedacht der Glaswand. Die smaragdgrünen Augen schienen ihn wie einen Magneten anzuziehen, langsam, aber intensiv. Seine Schritte hallten durch den großen Raum, vibrierten in seinen Ohren. Leuchteten die Augen des Gottes immer so hell?

Schließlich blieb er direkt vor der Scheibe stehen, blickte nach oben in das schmale, kantige Gesicht des Größeren, nur wenige Zentimeter von seinem entfernt.

„Ich weiß, wie es sich anfühlt. Wie es ist, nie gut genug zu sein. Doch es liegt nicht in unserer Natur, es allen recht zu machen, Stark. Es würde dich letztendlich nur zerstören, vertrau mir.“ Vertrauen? Aber wie? „Weil wir uns sehr ähnlich sind, Tony.“ Seine Stimme … So sanft, gefährlich und umschmeichelnd … Er konnte kaum noch klar denken. Der Raum um ihn verschwamm, nur diese dunklen Augen schienen ihn noch zu halten. Ein Ruck ging durch seinen Körper, als seine Brust plötzlich nach vorne gezogen wurde. Verklärt blickte er nach unten. Seine Hand … seine Magie. Lokis Finger lagen auf der Scheibe, auf der Höhe des Reaktors in seiner Brust. Blaues Licht, vermischt mit Elektrizität, verband ihre Körper. Er konnte genau sehen, wo sich die Magie und die Energie des Magneten in der Scheibe trafen, verschmolzen, flackerten. Wieder hob er den Kopf und sah dieses Lächeln auf den Lippen des Anderen. Nicht so kalt, wie er vorgibt, zu sein.

„Ich sagte doch, wir sind uns ähnlich, Tony. In deiner Nähe kann ich meine Magie wieder benutzen, die dieser Glaskäfig eigentlich unterdrücken sollte.“ Tony. Tony. Hatte sein Name jemals so schön geklungen? Er spürte, wie Lokis Magie seinen Körper erfasste, durch seine Adern kroch. Er wusste, er konnte es verhindern, den Anderen zurückdrängen. Wollte er das wirklich? Nein. Ganz gegen seine Erwartungen fühlte sich alles in ihm warm an. Nicht kalt. Warm. Fast heiß. Automatisch schloss er die Augen, warf seinen Kopf zurück, als die Magie durch seinen Hals, hinauf in seinen Kopf glitt. Fast hätte er laut aufgestöhnt. So intensiv.

„Mehr. Loki, bitte“, war das Einzige, was er noch herausbrachte. Unter halb geschlossenen Lidern konnte er das blasse, anmutige Gesicht des Gottes erkennen, sah, wie dieser langsam auf die Wand, die sie beide trennte, zuging. Das Glas schmolz um dessen Gestalt, gewährte ihm Freiheit aus diesem Käfig. Das nächste, was er spürte, war das kühle Gold von Lokis Rüstung und die weichen Lippen des Gottes auf seinen. Wenn mich das auf der dunklen Seite erwartet, dann nur zu gerne! Verlangend öffnete er den Mund und sofort spürte er die geschickte Zunge des Schwarzhaarigen, die seine zu einem unausgeglichenen Kampf herausforderte. Diesmal stöhnte er und presste sich noch näher an Loki, der seine Arme um ihn schlang und besitzergreifend küsste. Pepper! Schuldbewusst zuckte er zusammen.

„Nicht, Tony. Sie hätte dich nie halten können. Du bist frei, ungebunden, allen überlegen. Sie ist nur ein Mensch.“ Und obwohl er wusste, dass dies nicht der Wahrheit entsprach, dass Pepper ihm so viel mehr bedeutete, konnte er nicht anders, als dieser Engelszunge Glauben zu schenken. Stattdessen lehnte er sich wieder nach vorne, lechzte nach den Lippen des Gottes. Nur noch eine hauchzarte Berührung, dann verschwand der schmale Körper vor ihm und er fiel ungebremst nach vorne, direkt durch die Scheibe. Seine Landung wurde etwas aufgefangen durch die restliche Magie in seinem Körper, doch auch diese verschwand nach seinem Aufprall. Und trotzdem. Er wand das Gesicht, sah Loki vor der Glasscheibe, mit einem wehmütigen Lächeln auf den Lippen.

„Wir sehen uns wieder, Tony Stark. Nicht morgen, aber schon bald. Und dann gehörst du für immer mir.“ Weil er sich nimmt, was er will. Weil er es kann. Weil ich es nicht verhindern werde. Benebelt und hilflos sah er zu, wie die hohe Gestalt des Gottes durch die Tür verschwand, ohne sich ein letztes Mal umzusehen.

Und wieder diese Leere.

Und wieder Stille.

Wieder allein.



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Ich hoffe, euch hat dieser kleine Oneshot gefallen.
Der Film "The Avengers" war der absolute Hammer, deswegen musste ich auch gleich meine Gedanken aufschreiben.

Persönlich finde ich, dass die Beiden super zusammen passen würden.
Beide mit Vaterkomplexen, Ehrgeiz und Genie ♥

P.s. Ich bin wirklich nicht der Typ, der um Reviews bettelt, aber eine ganz kurze Rückmeldung wäre soo toll! Weil schon ziemlich viele diese Story aufgerufen haben, und naja .. :/
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