Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Alles wird gut?!

von Komet68
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
04.05.2012
25.06.2012
52
61.278
4
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
04.05.2012 721
 
1. Alles auf Anfang

Katjas Welt war völlig aus den Fugen geraten. Nur langsam passten die Puzzleteile wieder zusammen. Zwölf lange Jahre waren Tino und sie ein Paar gewesen. Zwölf lange Jahre und am Ende blieb nur ein großer Scherbenhaufen voll mit Verletzungen und Enttäuschungen übrig. Wie verliebt waren sie doch gewesen. Es hatte einfach alles gepasst.

Alle haben in ihnen das Traumpaar der Universität gesehen. Gleich am ersten Tag des Semesters bei einer Einführungsveranstaltung waren sie einander über den Weg gelaufen, das heißt eigentlich war Tino auf Katja aufmerksam geworden, weil sie so laut mit den Zähnen klapperte in ihrer dünnen Bluse in der ungeheizten kalten Aula der Alma Mater.

„Wollen Sie meine Jacke haben, schöne Frau?“, hatte Tino sie gefragt und mit dem ersten Blick in seine Augen war es um sie geschehen.

‚Schöne Frau’ hatte noch kein Mann zu ihr gesagt. Katja war immer die unscheinbare graue Maus, die keiner bemerkte, die liebe Freundin für alle und Jeden, zu der man kam, um sich auszuheulen, wenn es mit der Liebe mal wieder nicht funktionierte, aber ganz sicher sah niemand – und schon gar kein Mann – eine ‚schöne Frau’ in ihr. Und nun das: der Traummann schlechthin – groß, blond, gut gebaut, mit einem so charmanten Lächeln – stand vor oder besser gesagt saß er neben ihr und schenkte ihr seine volle Aufmerksamkeit und bemühte sich um sie, damit sie nicht mehr fror. Von der Rede des Rektors bekam Katja nichts mehr mit, denn die Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzten längst Samba.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Die Hormone knockten den Verstand mit einem satten linken Haken aus und so dauerte es nicht lange und Katjas Liebesglück mit Tino wurde durch die Ankündigung eines neuen Erdenbürgers gekrönt. Sie zogen zusammen in eine kleine Wohnung, noch vor der Geburt der kleinen Anna wurde geheiratet und kein Problem konnte ihrer Liebe im Weg stehen. Es lief alles perfekt. Im Anschluss an das Studium hatten Katja und Tino das Glück, dass sie beide an der gleichen Schule als Lehrer anfangen konnten.

Und irgendwann nach ein paar Jahren grenzenlosen Glücks bekam diese heile Welt Risse, anfangs waren es nur ganz feine und kaum sichtbare, aber irgendwann waren sie nicht mehr zu übersehen.

Aber über die Ereignisse der letzten Monate wollte sie jetzt nicht nachdenken. Sie  wollte nur nach vorn sehen und neu anfangen. Heute sollte Katjas erster Arbeitstag in der neuen Schule sein. Bisher hatte sie nur wenige Kollegen in der Vorbereitungswoche zum Ende der Sommerferien kennen gelernt. Sicher war sie aufgeregt und gespannt, was sie erwarten würde. ‚Wie werde ich mich mit den Kollegen verstehen? Werde ich mit den Schülern klar kommen?’ Da sie wie immer in solchen Situationen den Knopf zum abschalten der Gedanken nicht fand, hatte sie schlecht geschlafen und auch der morgendliche Versuch im Bad, die Spuren einer schlafarmen Nacht zu beseitigen, war gescheitert. Aber es half ja nichts, um 8 Uhr begann ihre erste Stunde in der 10a und da galt es fit zu sein und den Schülern wenige Angriffspunkte für Attacken welcher Art auch immer zu bieten. Auch oder ganz besonders hier galt: der erste Eindruck zählt und wenn der daneben geht, ist nicht mehr viel wieder gut zu machen. Vor Unterrichtsbeginn betrat sie als erstes das Lehrerzimmer, wo sie von den anderen Lehrern begrüßt wurde. Viele neue Gesichter und Namen wurden ihr vorgestellt, aber ein Mann machte auf Anhieb einen äußerst sympathischen und liebenswerten Eindruck – Frank Möller, der nicht ganz schlanke aber immer gut gelaunte Sozialarbeiter der Schule.

„Willkommen im Irrenhaus, Frau Kollegin! In welcher Klasse geben Sie denn ihren Einstand?“, tönte es Katja fröhlich entgegen.

„Ich habe in der 10a Deutsch.“

„Oh mein Gott! Na dann wünsche ich Ihnen viel Spaß!“, erwiderte Frank und verdrehte dabei die Augen.

Beruhigend war das ja nicht gerade und nach den ersten Unterrichtsstunden in dieser Klasse wusste Katja auch warum. Wer sich hier nicht von Beginn an Respekt verschaffte, wurde gnadenlos untergebuttert und so hatte die aus 18 Jungen und nur 6 Mädchen bestehende Truppe schon einige Lehrer verbraucht. Aber mit der Zeit gelang es Katja, einen Draht zu den Schülern aufzubauen, so dass es ihr nach und nach immer mehr Spaß machte, hier zu unterrichten. Aber die Arbeit mit den Schülern war nicht der einzige Grund, warum sie sich jeden Tag freute, wenn sie das Schulhaus betrat…
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast