Cats II - How It Went On

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
Demeter Mr. Mistoffelees Mungojerrie Munkustrap Pouncival Tumblebrutus
01.05.2012
07.07.2013
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Ich hab ernsthaft in Erwägung gezogen euch das volle Ausmaß meiner Beklopptheit und akuten Manie zu offenbaren und euch an einem Gespräch mit der einen oder anderen Katze teilhaben zu lassen, aber dafür ist es einfach noch zu früh. Ich will euch ja keine Angst machen…
Als Alternative habe ich diese Geschichte für euch. Sie ist noch in Arbeit und das erste was ich jemals zu Cats geschrieben hab, also vielleicht noch nicht SO gut. Aber – es ist mein Baby, also bitte nicht zu überkritisch sein. Aber trotzdem konstruktiv, das verkraft ich schon!

Damit ist es also so weit. Nach ewig langer totaler FF-Abstinenz – tatsächlich sind es Jahre! – bin ich wieder da und das auch noch auf einem Gebiet an das ich bis vor kurzem nicht mal im Traum gedacht hätte. Wenn dieser Abend nicht gewesen wäre, ich wäre sicher nie auf die Idee gekommen.
Ich habe dagegen angekämpft, immerhin hätte ich ja „Wichtigeres“ zu tun, aber die Schreiber unter euch werden folgendes verstehen: Es gibt Ideen, die verblassen mit der Zeit, weil sie ohnehin nicht von Bedeutung waren und dann sind da noch die, die dir aus dem Nichts einschießen und dich nicht mehr loslassen bis du ihnen zugestehst was ihre Bestimmung ist: Niedergeschrieben zu werden.
Wow, das klingt jetzt ziemlich melodramatisch, aber so ist es nun mal. Ich hab noch überhaupt keine Ahnung wohin das hier letztendlich führen wird, geschweige denn ob es gut genug wird damit auch nur irgendwer es lesen möchte. By the way: Es ist auch nicht betagelesen, weil ich niemanden hab dem ich das ernsthaft antun möchte. Die Einzige, die mir auch nur ansatzweise in den Sinn kommen würde hat ebenfalls „Wichtigeres“ zu tun und ihre eigenen Unwichtigkeiten, die sie davon abhalten.
Ja… alles was ich schon jetzt mit Sicherheit sagen kann ist, dass das jetzt raus muss sonst werd ich noch wahnsinnig.
Und in diesem Sinne: Lasst den Wahnsinn beginnen!



1. Jellicle Cats

Man sollte meinen, dass die Geschichten, die es über einen Schrottplatz zu erzählen gibt äußerst begrenzt sind. Man(n) meint das vielleicht, aber Katz’ weiß es besser. Eine Katze weiß, dass gute Geschichten immer auf Schrottplätzen spielen und nicht selten mit einem grauen Tigerkater beginnen, der nachts zwischen Abfallbergen umherstreift.

Sein Weg führte ihn vorbei an Unmengen an abgenutzten Möbeln, gigantischen Altmetallbergen und allem möglichen Unrat von dem niemand mehr so genau wusste wozu er mal gut gewesen war. An einem besonders schäbigen Schaukelstuhl bog er ab und sprang auf die Motorhaube eines ausgeschlachteten Autos. Vor ihm erstreckte sich die einzige etwas größere freie Fläche weit und breit. Sein Blick schweifte umher und blieb an einer ausrangierten Waschmaschine hängen. War da nicht gerade eine Bewegung?

„Auf Rundgang Nummer 127 des heutigen Abends irgendwas Außergewöhnliches entdeckt, Munk?“ Munkustraps Miene hellte sich etwas auf, denn nun wusste er genau wer gleich hinter der Waschmaschine auftauchen würde.
Tatsächlich kam wie erwartet ein schwarz-weiß gefleckter Kater zum Vorschein und steuerte auf Munkustrap zu. Mit einem eleganten Satz landete er auf der Motorhaube des Autos und setzte sich neben den Tigerkater.

„Du bist früh dran, Alonzo.“
„Danke, deine innigen Begrüßungen freuen mich immer wieder. Es erwärmt mir jedes Mal das Herz, wenn – was beim größten Mäusebraten dieser Welt starrst du da an?!“ Er folgte Munkustraps Blick, der noch immer an der Waschmaschine hing.
„Ich weiß nicht so recht… irgendwas war da drüben.“
„Ähm… ich?“
„Nein, schon bevor du gekommen bist…“ Munkustrap sprang von der Motorhaube und schritt auf die Waschmaschine zu.
„Du bist ja paranoid.“
Der Tigerkater blieb stehen und wandte sich wieder seinem Freund zu. „Vorsichtig, ja. Paranoid ist es erst, wenn da hinten nichts ist.“ Damit setzte er seinen Weg fort und Alonzo blieb nichts anderes übrig als sowohl verständnis- als auch machtlos den Kopf zu schütteln.

„Hey Munki, so wie du das Ding anschaust könnte man meinen du hast so was noch nie gesehen.“ Munkustrap verdrehte genervt die Augen und war nicht im Geringsten überrascht als Rumpelteazer von der Spitze eines Müllberges herunterstieg und zwischen ihm und der Waschmaschine zum Stehen kam.
„Also“ Rumpelteazer legte eine Pfote um Munkustraps Schultern und zeigte mit der anderen auf das Gerät. „Das ist eine Waschmaschine. Spricht mir nach: WAAASCHMAASCHIIINE.“ Munkustrap wandte ihr langsam den Kopf zu und bedachte sie mit einem Blick, den wohl nicht einmal Macavity ohne weiteres eingesteckt hätte. Rumpelteazer verstand, dass sie den Bogen überspannt hatte und verzog sich – plötzlich sehr kleinlaut – in eine Ecke des Platzes. Einen Moment später saß auch schon ihr Bruder neben ihr und grinste sie schadenfroh an. Dafür verpasste sie ihm einen Schlag, der sein Lächeln augenblicklich verschwinden ließ. Mungojerrie rieb sich die Brust und murmelte etwas, das sehr nach „Zicke“ klang.

Munkustrap warf noch einen letzten vernichteten Blick in Richtung der Geschwister und wandte sich wieder der Waschmaschine zu, als ein Schatten auf ihn fiel. Er drehte sich suchend um und entdeckte auf der Spitze eines Müllberges einige Gestalten, die sich dunkel gegen das Mondlicht abhoben.
Zwei der Katzen lösten sich aus der Gruppe und machten sich an den Abstieg. Munkustrap konnte nicht wirklich sehen um wen es sich handelte, aber das war auch gar nicht nötig. Die Art wie einer der Schatten die Pfote hob und der Schwanz des anderen leicht nervös zuckte genügte ihm um zu wissen, dass es sich um Bombalurina und Demeter handeln musste.

Als die beiden auf den Platz traten konnten die anderen Katzen sie endgültig erkennen. Demeter ging zu Munkustrap und begrüßte ihn innig.
Ein plötzlicher dumpfer Knall ließ Demeter zusammenzucken und Munkustrap drehte sich erneut um. Die Spitze des Müllbergs war nun wieder leer, aber in der Mitte des Platzes standen Pouncival, Tumblebrutus und Plato. Offensichtlich waren die drei Kater in einem Satz herunter gesprungen, vermutlich mit mindestens dreifachen Saltos oder anderen Kinkerlitzchen. Munkustrap hatte für derlei Angebereien kein Verständnis. Immerhin war er dieser Phase schon längst entwachsen und wenn man ihm selbst glaubte, hatte er wohl nie eine vergleichbare gehabt.

Die drei Jungkater wählten einen alten Reifen als Sitzplatz und schienen vorerst still zu halten. Munkustrap wandte sich wieder Demeter zu – doch die war weg. Sie hatte sich in ihrem Schreck wieder Bombalurina angeschlossen, die neben Alonzo auf der Motorhaube Platz genommen hatte.
Munkustrap atmete schnaubend aus und wollte sich gerade wieder der Waschmaschine widmen als Schreie die Stille zerrissen.

„Wir sind da, wir sind da! Wir sind nicht zu spät!“
Victoria kam um die Ecke geschossen und konnte sich gerade noch rechtzeitig vor Munkustrap einbremsen. Etcetera und Electra brachten nicht ganz so viel Grazie auf, schlitterten an ihrer Freundin vorbei und knallten mit dem Kater zusammen. Jemima kam einen Moment später neben Victoria zum Stehen und sah besorgt auf das Katzenknäuel zu ihren Füßen.
Als Munkustrap seine Sinne wieder beisammen hatte, versuchte mit dem höchstmöglichen Maß an Würde auf die Beine zu kommen.
Electra und Etcetera indes verkrümelten sich möglichst unauffällig zu Jemima und Victoria, die sich inzwischen vor der Waschmaschine niedergelassen hatten.

„Ich hab doch gesagt, dass wir noch Zeit haben. Wir hätten uns gar nicht so beeilen müssen, er ist noch gar nicht da!“, zischte Jemima.
„Das seh’ ich jetzt auch!“, fauchte Etcetera zurück.
„Ganz recht.“ Munkustraps Einmischung brachte die Kitten zum Schweigen. „Old Deuteronomy ist noch nicht hier und damit gibt es auch keinerlei Begründung für einen derart übereilten Auftritt.“
Jemima öffnete schon den Mund um etwas zu erwidern, entschied sich dann aber doch anders. Electra hingegen konnte es sich nicht verkneifen ihren Freundinnen einen „Der peilt mal wieder überhaupt nicht worum es hier wirklich geht“-Blick zuzuwerfen.

„Ganz recht, Munkustrap, weis sie zurecht. Das war bei weitem kein Verhalten, das einer Jellicle Cat würdig gewesen wäre.“ Jennyanydots kam gefolgt von Skimbleshanks näher, nickte Munkustrap aufmunternd zu und baute sich vor den Kitten auf.
„So, und nun-“
„Schon gut, Jenny, ich glaube sie haben es verstanden.“ Mit sanfter Gewalt schob Skimbleshanks sie weiter und bugsierte sie auf eine freie Fläche zwischen dem Autowrack und dem ausrangierten Reifen. Gerade als er sich selbst auch setzen wollte bemerkte er einige kleine Geröllbröckchen, die den Abhang hinunterkullerten. Auch die anderen Katzen wandten ihre Blicke bergauf.

Ein schmächtiger schwarzer Kater gab sich dort alle Mühe sicheren Halt zu finden, was er durch mehrmaliges kräftiges Auftreten kontrollierte. Munkustrap fragte sich schon warum der sonst so wendige Kater so lang brauchte um einen gewöhnlichen Müllberg hinunter zu steigen, als der Grund dafür auftauchte.
Langsam hievte sich Old Deuteronomy den Abhang hinunter, stets von Quaxo gestützt. Darum also hatte sich dieser seiner Standfestigkeit so ausführlich versichert.

Die beiden Kater kamen ein Stück über Skimbleshanks und Jennyanydots zum Stehen und ließen sich schwer atmend nieder. Munkustrap ließ den Blick durch die Runde schweifen und bemerkte, dass alle anderen nur noch warteten bis Old Deuteronomy wieder zur Ruhe kam. Der machte nur eine kurze auffordernde Geste mit der Pfote und schnaufte ein letztes Mal durch. Es war also so weit.

Munkustrap warf sich vor den anderen in Pose. „Jellicle Cats meet once a year. “
“Ja, und zwar gestern, du Angeber.” Alle Blicke fuhren hoch zum Schaukelstuhl in dem es sich ein Kater mit üppiger Mähne bequem gemacht hatte.
„Er ist da!“
Munkustrap warf den verzückten Kitten einen Blick zu, der sie verstummen ließ.
„Ja, wie dem auch sei…“, versuchte er die Situation zu retten, doch da standen auch schon Mungojerrie und Rumpelteazer links und rechts von ihm und warfen sich in eine theatralisch übertriebene Pose, die der von Munkustrap ähnlicher war als diesem lieb gewesen wäre.

„Jellicle Cats meet every night. “, fing Rumpelteazer an und warf eine Pfote um Munkustrap.
“Jellicle Cats are not so bright.”, ergänzte Mungojerrie und tat es seiner Schwester gleich.
Munkustrap hatte Probleme beide gleichzeitig mit Blicken zu erdolchen weshalb er sie mit einer schnellen Bewegung jeweils im Genick packte und so auf ihre Plätze verwies.
Die meisten anderen Katzen versuchten mit mehr oder weniger Erfolg ein Kichern zu unterdrücken. Nur Quaxo stieg mit einem seltsamen Gesichtsausdruck das letzte Stück bis zum Platz hinab.

Unten angekommen wandte er den Kopf in alle Richtungen und schnupperte. Als Munkustrap näher an ihn herantrat wurde auch er ausgiebig begutachtet. Auf seinen fragenden Blick hin meinte Quaxo nur stirnrunzelnd: „Irgendwas stimmt hier nicht…“
Aus Richtung des Autos kam ein Geflüster, das schwer nach „Paranoider Nummer 2“ klang. Munkustrap beachtete es nicht weiter und heftete seinen Blick wieder auf die Waschmaschine. Die Kitten, die davor saßen, warfen sich verunsicherte Blicke zu.

Munkustrap wollte Quaxos Aufmerksamkeit gerade auf das Gerät lenken als Old Deuteronomy sich räusperte. Das brachte den schwarzen Kater dazu sich prompt dort wo er eben noch gestanden hatte zu setzten und seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Patriarchen zu lenken. Munkustrap warf der Waschmaschine noch einen letzten misstrauischen Blick zu. Dann tat er es Quaxo nach und lauschte den Worten des alten Katers.

Every cat must have a soul
Somewhere deep inside
Where all his hurts and grievances
Are buried with his pride

Where he decides the good and bad
The wrong way from the right
And where his judgement carefully
Is hidden from our sight

A cat must have a secret place
Where every thought abides
A sort of close acquaintances that
He trusts in and confides

Stille. Jede Katze war mit ihren eigenen Gedanken und dem was Old Deuteronomy gesagt hatte beschäftigt. Der Patriarch machte indes eine wohlwollend wegschickende Pfotenbewegung und verschwand hinter der Waschmaschine. Damit war das Treffen offiziell beendet.
Langsam setzten sich die ersten Katzen wieder in Bewegung und machten Anstalten sich auf den Heimweg zu begeben. Munkustrap sah ihnen nach als ein kurzes scheinbar schon lang unterdrücktes Niesen seine Aufmerksamkeit erneut auf die Waschmaschine lenkte. Diesmal hatten es wohl auch die anderen bemerkt, denn die Blicke sämtlicher Jellicles waren entweder auf Munkustrap oder die Waschmaschine geheftet.

Als Munkustrap langsam auf die Waschmaschine zuging bemerkte er, dass Alonzo bereits an seiner Seite war. Selbst Tugger hatte sich die Mühe gemacht von seinem Lieblingsplatz hinab zu steigen und flankierte Munkustraps andere Seite. Die drei Kater blieben ein Stück vor dem Gerät stehen und Munkustrap suchte Quaxos Blick.
Der hatte allerdings nur Augen für die Waschmaschine und betrachtete sie mit einem schwer zu deutenden starren Ausdruck. War es Angst, Ärger über die eigene Unvorsichtigkeit oder doch etwas ganz anderes? Munkustrap konnte es nicht mit Sicherheit sagen.

Der Tigerkater ließ ein kurzes knurrendes Geräusch hören um die Aufmerksamkeit des anderen auf sich zu ziehen. Quaxo jedoch rührte sich keinen Millimeter, nur eines seiner Ohren zuckte kurz in Munkustraps Richtung. Dennoch schien er verstanden zu haben, denn er hob langsam eine Vorderpfote, streckte sie ein Stück nach vorne – ganz so als wollte er einen Schritt machen – und zog sie dann schnell und kraftvoll zurück. Augenblicklich krachte die Tür der Waschmaschine auf den Boden und begrub selbige in einer Staubwolke.



So. Kaum zu glauben ich hab’s wirklich getan und es ist bei weitem länger geworden als es geplant war. Ganz schön zeitaufwändig so einen Haufen Katzen an denselben Ort zu bugsieren. Soviel also zu den „wichtigeren“ Dingen, die ich in dieser Zeit hätte tun sollen. Naja, was soll’s, wenn es hilft die Stimme in meinem Kopf wenigstens eine Zeit lang zum Schweigen zu bringen, seh’ ich die verbrauchte Zeit einfach als Investition. Als ob die jemals die Klappe halten würde…
Und weil das eben mit ziemlicher Sicherheit nie passieren wird, wird’s wohl demnächst auch eine Fortsetzung geben. Ich hab zwar noch nicht mal ansatzweise eine Ahnung wie ich dort hinkommen soll wo ich hin will ohne zu viel zu sagen, aber zumindest den Inhalt der Waschmaschine will ich euch dann doch verraten.

PS: Das von Old Deuteronomy zitierte Gedicht stammt leider nicht aus meiner Feder, ich hab es nur minimal abgewandelt. Ich kann euch leider auch nicht sagen von wem es ist, da der Autor meines Wissens nach unbekannt ist.
Gegen eine Übersetzung hab ich mich entschieden, weil nun mal jeder Text in der Originalsprache am besten wirkt. Für diejenigen, die mit Englisch nicht so viel am Hut haben, hier trotzdem der Versuch einer Übersetzung:

Jede Katze muss eine Seele haben
Irgendwo tief drinnen
Wo all ihr Schmerz und die Kümmernisse
Mit ihrem Stolz begraben werden

Wo sie unterscheidet, was gut und was schlecht
Den falschen Weg vom richtigen
Und wo ihr Urteil vorsichtig
Ist versteckt vor unseren Blicken

Eine Katze muss einen geheimen Platz haben
Wo alle Gedanken fortbestehen
Eine Art engen Vertrauten welchen
Sie vertraut und sich mitteilt

Joah, wie gesagt, ein Versuch…

PPS: Ihr hab sicher bemerkt, dass ich den Namen Quaxo verwendet habe. Damit ist natürlich derselbe Kater gemeint wie mit Mistoffelees. (Nein, das sind nicht zwei verschiedene!) Ich bevorzuge einfach diesen Namen, weil ich dabei an weiße Stulpen denken muss – und grinse. Und es wird noch mal von Bedeutung sein…

Damit verabschiede ich mich jetzt aber endgültig.
Bis zum nächsten Kapitel,
lg Mino
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