Memories Ache

KurzgeschichteAllgemein / P12
Deputy Jo Lupo
27.04.2012
27.04.2012
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2.007
 
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27.04.2012 2.007
 
A/N: Zuallererst es freut mich so, dass sich für meinen ersten OS ein paar Leser gefunden hatten. Überglücklich war ich über die Reviews, mit den ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Vielen vielen lieben Dank =D
Wow, Staffel 5!!! Die ersten beiden Folgen haben mich geschockt! Meine Inspiration hängt aber immer noch in Staffel 4 herum, wo auch diese Geschichte angesiedelt ist.
Summary: Jo/Zane Oneshot ... Der Tag, an dem ihr Haus das erste Mal in der neuen Zeitlinie zerstört wurde....
Spoiler: 4x04 "The Story of O2"
Disclaimer: Mir gehört nichts außer meiner Fantasie und der Hoffnung, dass Jo & Zane in der neuen Staffel doch noch ihr Happy End bekommen.


Memories Ache


"Every now and then my memories ache

With the empty ideas of the ones we'd made." *


Der Tag, an dem ihr Haus das erste Mal in der neuen Zeitlinie zerstört wurde, war seltsamerweise auch der Tag, an dem ein Hoffnungsschimmer in Jo Lupos Herz zurückkehrte.
Wenn auch nur vorübergehend.
In Form eines in Zeit und Raum verloren geglaubten Kosenamens.
Jojo.
Zane Donovan hatte sie so genannt. Auch wenn es in der Hitze des Gefechts geschehen war und er sich nichts dabei gedacht haben mochte - außer sie ein bisschen ärgern zu können.
Für Jo war es dennoch ein Silberstreifen am Horizont eines ansonsten völlig verkorksten Tages, der damit endete, dass eine fehlgeleitete Rakete ihr kleines Eigenheim in die Luft jagte.
Nachdem sie die Löscharbeiten an den Überresten ihres Hauses überwacht hatte und dabei ernüchternd feststellen musste, dass so gut wie nichts von ihren Habseligkeiten zu retten war - was das Feuer nicht erwischt hatte, hatte das Löschwasser erledigt - brauchte Jo erst einmal einen starken Drink.
Niedergeschlagen begab sie sich ins Cafe Diem, ließ sich am Tresen nieder und bestellte einen doppelten Ouzo. Ihre Laune verschlechterte sich, als ihr auffiel, dass sie von den anderen Gästen mehr oder weniger unauffällig angestarrt wurde, auch wenn keiner es wagte, sie anzusprechen. Sicher hatte die Neuigkeit ihres zerstörten Hauses dank Vincent, der alten Tratschtante von Eureka, schon die Runde durch die halbe Stadt gemacht.
Besagter Koch bediente sie daher mit größter Vorsicht und einem reuevollen Ausdruck in den Augen, bevor er sich schnell wieder aus ihrer Schussreichweite verzog. Jo verspürte jedoch keine Lust auf Theater. In so einem Augenblick hätte sie sich liebend gern in ihr Häuschen zurückgezogen, um den mitleidigen Blicken und Getuschel zu entgehen - leider fiel ihr schnell wieder ein, dass sie kein Haus mehr hatte, in das sie sich verkriechen konnte.
Larry!, dachte Jo an den Schuldigen und unterdrückte ein wütendes Grollen. Kein Dach mehr über dem Kopf zu haben brachte ein weiteres Problem mit sich - sie musste einen Platz zum Übernachten finden. Sicherlich würden ihre Freunde sie bereitwillig aufnehmen, Fargo hatte es ihr bereits angeboten, doch Jo war zu unabhängig und dickköpfig, um sich anderen aufzudrängen - und keinesfalls würde sie auf Fargos Couch schlafen, eher würde sie im Freien kampieren!
Jo bestellte sich einen weiteren Ouzo. Das Getränk wärmte sie von Innen beinahe so gut wie die Erinnerung an Zanes Stimme, als er ihren Kosename gesagt hatte.
Wie aufs Stichwort erschien besagtes Computergenie in der Tür zum Cafe, spähte durch den Raum, entdeckte sie am Tresen und setzte sich ohne zu Fragen zu ihr. Beinahe hätte Jo sich an ihrem Getränk verschluckt - so etwas hatte er bisher noch nie getan, aktiv ihre Gesellschaft gesucht - zumindest nicht in dieser Zeitlinie - und Jo fragte sich unweigerlich, was dahinter stecken mochte. Wahrscheinlich suchte er nur die nächste Gelegenheit, sie zu verspotten.
Ja, er hatte sie Jojo genannt, deswegen würde sich nicht plötzlich alles zwischen ihnen ändern, oder?
Zane schien sich weniger Gedanken über sein Verhalten und die dahinter steckenden Motive zu machen, als er den Hocker neben ihr beanspruchte und sie in ein zwangloses Gespräch verwickelte.
Auch ein Novum in dieser Zeitlinie.
"Ich habe Ihr Haus gesehen", sagte er. "Oder besser gesagt das, was Larry von ihm übrig gelassen hat. Diesmal hat der Trottel ganze Arbeit geleistet." Er trommelte nebenbei auf der Tischplatte herum. Bei jedem anderen hätte Jo diese Geste auf flatternde Nerven geschoben, bei Zane nicht.
Sie lächelte gezwungen und starrte in ihr Glas - gerade als sie es geschafft hatte, Fargos übereifrigen Assistenten aus ihren Gedanken zu verdrängen - oder den hartnäckigen Drang, die größte und gemeinste Knarre aus dem Waffenlager bei GD zu holen und ...
Aber sie schweifte ab, was Zane nicht zu entgehen schien. Sie bemerkte, wie er sie von der Seite anschielte, ein schwer zu deutender Ausdruck in den Augen.
"Was machen Sie hier?" stellte Jo die Frage, die ihr in diesem Augenblick auf der Seele brannte. Es war nicht wirklich seine Anwesenheit im Cafe, die sie verstörte, sondern das "hier" - das neben ihr sitzen und sich mit ihr auf eine Art unterhalten, die sie beinahe wie Freunde erschienen ließ, was sie in dieser Zeitlinie nicht waren. "Ich dachte, Sie würden irgendwo Ihre wieder gewonnene Freiheit feiern. Oder sich noch von Ihrer Sauerstoffvergiftung erholen."
"Na ja, ich wollte nur sehen, ob ich irgendwas für Sie tun kann. Sie haben mir heute den Hintern gerettet, also schulde ich Ihnen einen Gefallen."
"Ich wäre schon zufrieden, wenn Sie zwei Tage keinen Mist bauen", meinte Jo ohne große Hoffnung, dass er sich daran halten würde. 24 Stunden vielleicht, aber nicht länger.
Zane lachte mit gespielter Empörung. "Autsch, ich war nicht derjenige, der heute den Mist gebaut hat. Ich war nur ein unschuldiges Opfer."
"Sie haben den Sky Cruiser geschrottet", erinnerte Jo ihn.
Bei dem Gedanken an seinen Absturz am Morgen zog sich in ihr alles zusammen. Sie hatte dabei dieselbe Angst verspürt wie bei dem alten Zane, wenn er in Gefahr geraten war. Ihr Kopf versuchte zu unterscheiden, doch ihrem Herz fiel das nicht so leicht. Wenn sie Zane ansah, sah sie zuallererst ihn, nicht diese oder jene Version seiner Selbst, einfach nur Zane.
Welcher in diesem Moment völlig sorglos die Schultern zuckte, als würde er jeden Tag Millionen Dollar - Projekte schrotten.
Was er tatsächlich manchmal auch tat...
"Unabsichtlich", betonte er. "Und wenn ich mich recht entsinne, hätte ich es nicht getan, hätten wir das mit dem Sauerstoff vielleicht nicht rechtzeitig gemerkt und Eureka wäre jetzt Toast. Ich bin quasi der Held des Tages." Er sah sie selbstgerecht an und ließ seine Augenbrauen auf und ab tanzen.
Jo verdrehte nur die Augen. Würde sein Ego noch größer werden, würde es ein eigenes Sonnensystem bilden. Mit Planeten und jeder Menge unkontrollierbarer Asteroiden auf Kollisionskurs.
"Aber keine Sorge wegen Larry", meinte er dann und ließ seinen Blick in die Ferne schweifen, beinahe so, als würde er über etwas Wichtiges nachdenken, das noch in den Sternen geschrieben stand. "Ich habe das Gefühl, dass er genau das kriegen wird, was er verdient!"
Bei Jo schlugen automatisch die Alarmglocken, wenn der Mann neben ihr so etwas sagte.
"Zane!" warnte sie ihn und sah ihn so streng an wie möglich. Bei den meisten Leuten wirkte dieser Blick einschüchternd, wie ein Tritt in die Magengrube, nur Zane schien irgendwie immun gegen ihren "Vollstrecker"-Blick und ließ sich davon nicht beeindrucken. "Wehe, Sie haben irgendetwas Dummes vor!"
Seine Streiche waren berühmt und berüchtigt bei allen Kollegen und hatten unlängst dafür gesorgt, dass die Wenigsten mit ihm arbeiten wollten. Es würde nur zu ihm passen, dass er so eine Gelegenheit, Larry eins auszuwischen, nutzen würde. Jos zerstörtes Haus wäre nur ein Vorwand.
Er sah sie wieder an und lehnte sich näher. Jo hatte Mühe ruhig zu bleiben. Ein Teil von ihr wollte sich an ihn lehnen, ein anderer wollte so schnell wie möglich die Flucht ergreifen. Sie entschied sich für keines von beidem und blieb stocksteif sitzen, während Zane ihren persönlichen Freiraum bewusst ignorierte.
"Ich??? Ich doch nicht. Wenn Larry irgendein Missgeschick passiert, ist das einfach schlechtes Karma." Er grinste sie schelmisch an, ein listiges Funkeln in seinen azurblauen Augen, und versuchte nicht einmal eine Unschuldsmiene aufzusetzen.
Dieses verfluchte Lächeln, das Polkappen zum Schmelzen bringen konnte, Schiffe zum sinken, und bei braven Special Forces - Mädchen die Knie weich wie Butter werden ließ. Wieso gelang es ihr nicht so immun gegen ihn zu sein wie er es war?
Auch wenn ihr Haus immer noch in Trümmern lag und sie keine Ahnung hatte, wo sie schlafen sollte und das Objekt ihrer Begierde genau vor ihr saß und doch unendlich außer Reichweite, fühlte sich Jo etwas besser. Denn er hatte sie Jojo genannt - in dieser Zeitlinie - und das würde sich nicht wieder ausradieren lassen. Vielleicht steckte der alte Zane wirklich noch in ihm.
Vielleicht, ja, nur vielleicht.
Auch wenn er sich nicht erinnerte.
Aber dies war Eureka, wo schon ganz andere Dinge möglich geworden waren...
Zane bestellte Essen zum Mitnehmen. Kaum dass Vincent ihm die Essenscontainer ausgehändigt hatte, wollte er sich wieder auf den Weg machen, doch Jo musste an noch etwas anderes denken, dass er an diesem Tag zu ihr gesagt hatte - oder beinahe gesagt hatte. Etwas, was ihr schon die ganze Zeit im Hinterkopf herumspukte und worüber sie unbedingt Klarheit brauchte, bevor der Tag vorüber war, sonst würde es sie noch um den Schlaf bringen.
Und Schlaf hatte sie nach so einem Tag wirklich nötig.
"Hey, Zane", rief Jo ihn zurück. Er verharrte an der Tür und wandte sich ihr noch einmal zu. "Bevor wir im Auto ohnmächtig geworden sind, was hatten Sie da sagen wollen? Über mich und dieses Gefühl, das Sie manchmal haben?"
Sie hielt unbewusst den Atem an, während sie auf seine Antwort wartete. Welche Antwort sie erwartete oder erhoffte war ihr selbst unklar.
Jojo, der Kosename pulsierte durch ihren Kopf im Takt ihres pochenden Herzschlages.
Der junge Computerhacker musterte sie nachdenklich, die Zungenspitze klemmte zwischen seinen Zähnen und er legte den Kopf dabei schief, als versuchte er sie wie eines seiner Physikprobleme zu studieren. Was er in ihr sehen mochte - oder eher nicht sah...
Es sah fast so aus, als würde er ihr ernsthaft antworten wollen. Aufrichtig. Doch schnell verschwand der offene Ausdruck aus seinem Gesicht wieder. Stattdessen erschien dieses sardonische Grinsen, das für diesen Zane so typisch war, und ihr wieder klar machte, dass sie es mit einem anderen Mann als in ihren Erinnerungen zu tun hatte und sie keine ehrliche Erklärung erwarten konnte. Dass sie sich nicht gut genug kannten, damit er ihr sein Herz ausschüttete. Dass sie im Grunde keine Freunde waren und all die Gründe, warum der andere Zane sie geliebt haben mochte, nicht länger vorhanden waren.
Er zuckte mit den Schultern. Was immer er im Auto hatte sagen wollen, er entschied sich dagegen, es mit ihr zuteilen.
"Nicht so wichtig, Lupo. Manchmal scheint es nur so, als hätte der Zauberer von Oz Ihnen tatsächlich ein Herz gegeben." Vielleicht war es wirklich nicht wichtig. Vielleicht gab sie dem Ganzen einfach eine größere Bedeutung, als es verdient hatte - genau wie dem Umstand, dass er sie Jojo genannt hatte.
Es war nur ein Name.
Zane winkte ihr noch einmal zu, bevor er das Cafe verließ, sich auf sein Motorrad schwang und davon brauste. Wahrscheinlich zu einem Date mit irgendeiner leicht zu beeinflussenden Laborantin.
Ja, und manchmal scheint es, als hätte er dir auch eins gegeben, dachte Jo bitter, dachte an den kurzen Ausdruck der Verletzlichkeit in seinen Augen zurück, als er in ihrer Gefängniszelle gestanden und sie versucht hatte ihm klarzumachen, dass mehr in ihm stecken konnte als der notorische Kriminelle.
Jo musste seufzen.
Vielleicht war an diesem Tag doch nichts anders.
Sie trank den letzten Rest Ouzo und beschloss die Nacht im Büro des Sheriffs verbringen - Carter hatte sicher nichts dagegen, seine Pritsche zu teilen, und morgen würde sie sich um eine neue Bleibe kümmern.
Und wenn Larrys Computer-Equipment am nächsten Tag von Viren und Spam überrannt wurde und er für den Rest der Woche mysteriöserweise dem sagenhaft "beliebten" Schleimlabor zugeteilt worden war, wäre es, wie Zane gesagt hatte - einfach schlechtes Karma...
~ Fin

* Adele “Now and then
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