Die Farbe der Kirschblüten

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Subaru Sumeragi
26.04.2012
26.04.2012
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Wuh, meine erste X/1999-FF :D Und ich kann einen Punkt meiner "Geplant"-Liste streichen! Yaaay!! ^^
Mal ein kleiner OneShot, der theoretisch hätte passieren können, über zwei Menschen, die sich im Leben zweimal begegnen und einen Baum, der alles beobachtet. Ich hoffe, die Erzähler-Perspektive ist nicht zu verwirrend und falls es jemand nicht weiß, Shaolan Li ist der Main-Charakter in Card Captor Sakura und Tsubasa Reservoir Chronicle. Ich beziehe mich hier allerdings auf Tsubasa "Shaolan" Li aus TRC, genauso wie Kimihiro Watanuki.
Und jetzt genug geredet, viel Spaß mit dem kleinen OneShot.
lg Jolly Roger
P.S. Der Kirschsaft ist für ElvenStar, falls sie das hier liest ^^
P.P.S. Ich freue mich über Lob genauso wie über Kritik =)


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Kirschblüten sind weiß. Ursprünglich sind sie schneeweiß. Weißt du, warum sie trotzdem diesen zarten, rosanen Farbton annehmen?



***



Als es an der Tür klingelt, bist du gerade am kochen. Langsam legst du das Messer neben das Brett und starrst die Tür an. Du wohnst noch nicht lange hier, aber die Zeit, in der Nachbarn ihre Pseudo-Besuche machen, ist schon vorbei (nicht, dass viele gekommen wären, aber das kümmert dich nicht mehr). Und sonst fällt dir niemand ein, der dich besuchen könnte, ausgerechnet heute. Sie sind alle tot. Trotzdem wischt du deine Hände an einem Tuch ab, gehst durch den Flur und öffnest die Tür.
Dein Besuch ist ein kleiner Junge.
Du schätzt ihn auf sieben, vielleicht acht, keinesfalls älter. Seine braunen Haare hängen ihm ein wenig ins Gesicht und über seine Wange zieht sich ein blutiger Kratzer. Nichts ungewöhnliches für einen kleinen Jungen. Vielleicht hat er sich beim Spielen verletzt. Aber seine Augen. Seine Augen sind anders als die von anderen Kindern in seinem Alter. Obwohl sie auch braun sind, sind sie nicht dunkel, sondern hell. Und hinter ihnen verbirgt sich ein Schmerz, der dir irgendwoher bekannt vorkommt. Er grüßt höflich und verbeugt sich sogar. Seine Manieren beeindrucken dich auf eine Weise, von der du dachtest, du hättest sie nicht mehr.
„Guten Abend. Entschuldigen Sie bitte, wenn ich störe, aber sind Sie Sumeragi Subaru?“, fragt er ganz unschuldig und lächelt ein wenig. Du bist überrascht. Es kommt nicht oft vor, dass einer deiner Klienten so jung ist. Trotzdem nickst du stumm und ohne Lächeln.
„Ja, bin ich. Und du bist?“
Reine Routine. Immer wieder von vorne. Du kennst es und du hasst es. Vorallem heute.
Der Junge errötet ein wenig und nestelt mit seinen Fingern am Saum seines Shirts.
„Li Shaolan“, ist seine Antwort, „Ich soll Ihnen etwas von Yûko-san bringen.“
Seine Stimme zittert ein bisschen und du merkst, dass er flach atmet. Zu flach. Und irgendwie sieht er auch ganz schön blass aus. Es kann nicht vom Treppensteigen kommen, du wohnst nur im dritten Stock. Normalerweise sollten Jungen wie er energiegeladen sein, vollkommen aufgedreht und kraftstrotzend. Dir fällt auf, dass er seinen linken Arm merkwürdig angewinkelt hat und irgendwie verkrampft dasteht. Als wäre er verletzt.
Einen Moment zögerst du noch, aber eigentlich weißt du schon, dass du verloren hast. Gegen all die Farben, die da in dir sind, hat das Grau keine Chance. Obwohl es dir so besser gehen würde.
Jetzt lächelst du doch freundlich.
„Komm doch rein, Shaolan-kun. Von Yûko-san bis hier her ist es ein weiter Weg. Möchtest du etwas trinken?“
Ein wenig Erleichterung huscht ganz kurz über sein Gesicht, dann zögert und bewegt sich trotzdem.
Du gehst einen Schritt zur Seite und wartest, bis der Junge in deinem Flur steht. Dann schließt du die Tür und gehst zurück in die Küche. Mit einer Handbewegung deutest du ihm an, dir zu folgen. Er zögert wieder, aber dann kannst du seine vorsichtigen Schritte hinter dir hören. Er humpelt ein wenig.
„Ich war gerade dabei zu kochen“, entschuldigst du das Chaos aus Gemüse, Töpfen und Fisch, das in deiner Küche herrscht.
„Es riecht gut“, bemerkt der Junge und errötet leicht. Wieder lächelst du und dein Gesicht fühlt sich an, als würde es zerreißen, aber es ist dir egal.
Du holst zwei Gläser aus dem obersten Schrank und stellst sie auf den Tisch.
„Was möchtest du trinken?“, fragst du, „Ich habe normalerweise nur Wasser, aber irgendwo müsste noch eine Flasche Kirschsaft rumstehen.“ Den Vorrat an Alkohol verschweigst du. Er ist gut verschlossen, dritter Schrank von links, ganz oben.
„Wasser ist gut“, sagt dein Gast bescheiden während er sich auf den Stuhl setzt, den du ihm anbietest. Du schenkst ihm und dir ein, beobachtest, wie er langsam trinkt, rührst dein Glas aber nicht an. Stattdessen nimmst du wieder das Messer in die Hand und schneidest weiter die Karotten.
Dir ist klar, dass es unhöflich ist, aber du kannst nicht anders. Deine Hände brauchen etwas zu tun, sonst drehst du durch, heute.
Nach einiger Zeit der Stille fällt dir wieder ein, wieso Shaolan genau jetzt in deiner Küche sitzt und du hältst inne. Du drehst dich um und lehnst dich mit dem Rücken an die Kante der Arbeitsfläche.
„Was sollst du mir denn von Yûko-san bringen?“, fragst du neugierig und zwingst dich nocheinmal zum Lächeln.
Dein Besucher erwidert das Lächeln und holt etwas aus seiner Hosentasche. Es ist ein kleiner Plastikbeutel, der bis zur Hälfte mit einem rötlichen Pulver gefüllt ist. Dein erster Gedanke ist zu absurd, um ihn wirklich zu denken.
Vorsichtig nimmst du den Beutel entgegen und wiegst ihn prüfend in den Händen. Als du ihn öffnest und an dem Pulver riechst, musst du blinzeln.
„...Paprika?“, presst du zwischen den Zähnen hervor. Und dein erster Gedanke hat sich eben bewahrheitet.
Shaolan zuckt hilflos mit den Schultern.
„Ich weiß nicht. Sie hat nur gesagt, ich soll dir das geben, von deiner Schwester.“
Vor Schreck lässt du das Gewürz fast fallen.
Stumm starrst du das Päckchen an und du spürst, wie dir die Tränen kommen, die du den ganzen Tag zurückhalten wolltest. Schnell drehst du dich um, damit der Junge sie nicht sieht. Plötzlich weißt du, dass der Alkohol, den du versteckt hast, heute nicht reichen wird. Niemals reichen wird.
Du schluckst den Kloß runter, der dir im Hals steckt.
„Vielen Dank, Shaolan-kun. Möchtest du vielleicht...möchtest du mir beim Essen Gesellschaft leisten?“, fragst du mit fester Stimme. Innerlich bebst und zitterst und schreist du.
„Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Sumeragi-san...“, kommt die schüchterne Antwort und irgendwie bringt dich das zum lächeln. Du nickst.
„Es macht mir nichts aus. Aber bitte, nenn´ mich ´Subaru´ und sag ´du´ zu mir, okay? Sonst komme ich mir so alt vor“
„O-okay, Subaru-san“, sagt er und du kannst das Lachen hören, das ihm im Gesicht liegt. Und als du weiter Karotten schneidest, steht er plötzlich neben dir und linst über die Arbeitsplatte.
„Kann ich dir helfen?“
Du kannst ihm den Wunsch nicht abschlagen und schon steht da ein kleiner Hocker und auf ihm ein Junge, der konzentriert die Karotten für dich zu Ende schneidet, während du den Fisch filetierst.
Irgendwann fängst du ganz von selbst an zu reden.
„Paprika war das Lieblingsgewürz meiner Schwester. Es wird hier in Japan zwar nicht oft benutzt, aber es passt gut zu manchen Gerichten.“
Vielleicht ist es die Tatsache, dass Shaolan dich jetzt ansieht und seine Augen so aufmerksam zuhören zu scheinen, dass die Worte einfach weiter aus deinem Mund kommen.
„Früher habe ich es immer extra importiert, um ihr eine Freude zu machen. Jedes Jahr an ihrem Geburtstag.“
Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass du dir all das einfach von der Seele reden musst.
„Aber in den letzten Jahren habe ich das nicht mehr getan.“
Du siehst die Frage, die sofort hinter Shaolans Stirn auftaucht und wappnest dich für das, was du gleich sagen musst.
„Warum hast du das nicht mehr gemacht? Hast du dich mir ihr gestritten?“
Es trifft dich trotzdem hart.
Auf dem Gesicht des Jungen liegt eine Art Mitgefühl, das er doch gar nicht haben dürfte, weil er dich seit zehn Minuten kennt und in deinem Leben nichts verändern kann, aber es trotzdem möchte.
„Nein“, sagst du ruhig, „Sie ist tot.“
Vor Schreck lässt Shaolan das Messer fallen und es landet klirrend auf dem Boden. Schnell bückt sich der Kleine und hebt es auf.
„D-Das tut mir leid, ich hätte nicht...nicht fragen sollen...und...es geht mich nichts an und...es tut mir leid“, stammelt er mit hochrotem Kopf und du siehst die Verzweiflung in seinen Augen.
Deshalb zwingst du dich, beruhigend zu lächeln.
„Ist schon in Ordnung. Es ist schon ein paar Jahre her und du konntest es ja nicht wissen.“
Du zögerst, unsicher, ob du noch mehr erzählen sollst, aber heute ist nicht dein Tag und deine Zunge weiß das, deshalb bewegt sie sich weiter, ohne, dass du es verhindern kannst.
„Seitdem koche ich jedes Jahr an ihrem Geburtstag ihr Lieblingsessen.“
Unter dem Messer verschwindet die erste Zwiebel und du merkst schon, wie das Gas deine Augen zum tränen bringt.
„Und immer mit Paprika. Paprika und Zwiebeln. Die Paprika, weil sie so verrückt danach war. Und die Zwiebeln, weil ich so weinen konnte, ohne mich schwach fühlen zu müssen.“
Energisch wischt du dir mit dem Ärmel über die Augen um die Tränen wenigstens jetzt fernzuhalten, weil du weißt, dass sie nichts mit den Zwiebeln zu tun haben. Nicht sehr effektiv. Aber von Salz im Essen konntest du noch nie genug bekommen. Da kannst du bei den Zwiebeln anfangen.
„Ich...ich sollte darüber hinweg kommen, aber...es geht nicht. Weil es...weil es irgendwie...“, du holst tief Luft, „...meine Schuld ist.“
Du hast es gesagt. Zum ersten Mal seit fünf Jahren hast du diese einfache Tatsache über die Lippen gebracht und es fühlt sich gut an. Nicht auf eine Weise, die dir sagt, dass der Schmerz irgendwann vorbei gehen wird. Sondern auf eine Art, die dir eine Last nimmt, die du immer mit dir herum getragen hast.
Während deine Sicht immer weiter hinter den Tränen verschwimmt, spürst du eine kleine Hand, die sich auf deine legt und dir das Messer aus den Fingern nimmt. Dann wirst du zu einem Stuhl geführt, deine Beine bewegen sich von selbst und eigentlich ist es dir egal. Du setzt dich und langsam kommt dein Bewusstsein zu dir zurück. Du fährst dir einmal über die Augen und als du sie wieder öffnest treffen sie auf zwei braune Augen, die so unendlich klug wirken, dass du dich fragst, wer von euch beiden das Kind ist.
Shaolan kauert vor dir auf dem Boden, die Arme um die Beine geschlungen, und wirkt genauso niedergeschlagen, wie du dich fühlst. Lange Zeit sagt keiner von euch ein Wort, dann ist er es, der das Schweigen bricht.
„Ich...ich weiß, wie du dich fühlst. Oder...zumindest kann ich es mir vorstellen“, flüstert er und senkt den Blick. Er klingt so unendlich traurig und in dir regt sich das Bedürfnis, ihn ganz fest in die Arme zu nehmen.
„Ich habe etwas dummes getan...und jetzt ist jemand, der mir sehr wichtig ist, in furchtbarer Gefahr. Und wenn ich es nicht schaffe, ihn zu retten, dann wird er auch sterben.“
Er holt einmal tief Luft und schließt die Augen. Dann hebt er den Kopf und in seinem Blick ist keine Spur von Trauer oder Schuld mehr zu erkennen. In ihm liegt die pure Entschlossenheit.
„Aber ich werde alles tun, damit mein Wunsch in Erfüllung geht. Und so lange darf ich nicht aufgeben.“
Du wartest, ob er noch etwas sagt, aber Shaolan schweigt wieder. Und du hast Zeit, nachzudenken.
Auch du hast einen Wunsch. Einen Wunsch, der sich unbedingt erfüllen muss. Weil sonst das ganze Theater, das du täglich abziehst, keinen Sinn mehr hätte. Deshalb nickst du.
„Du hast recht. Ich habe auch etwas, das ich mir wünsche. Und ich werde auch nicht aufgeben.“
Shaolan lächelt. Du lächelst auch.

Ihr esst im Wohnzimmer.
Du sitzt mit dem Rücken zum Fenster, obwohl du die Wohnung nur wegen dem Ausblick gemietet hast. Aber der Gast ist immer der König, auch, wenn er in diesem Fall kein Kunde ist. Und du siehst den bewundernden Blick, mit dem Shaolan immer wieder aus dem Fenster sieht.
„Es ist wunderschön“, sagt er schließlich, als seine Stäbchen sauber über der Schüssel liegen und auch du fertig mit dem Essen bist.
„Die Kirschblüten, meine ich...“
Du drehst dich um, nur, um den vertrauten Anblick zu sehen, der dich immer verfolgt. In jeder wachen Sekunde, in jedem Traum, immer.
Diese rosanen Blüten, die vor deinem Fenster hin und her tanzen und die Luft so schön durchsetzen.
Du kannst nicht anders, du musst die eine Frage stellen, die dein ganzes Leben bestimmt, wie es dir vorkommt.
„Kirschblüten sind weiß. Ursprünglich sind sie schneeweiß. Weißt du, warum sie trotzdem diesen zarten, rosanen Farbton annehmen?“
Er schüttelt den Kopf. Und du seufzt fast ein wenig enttäuscht. Du hast so sehr auf eine zweite Antwort gehofft.
„Sie trinken das Blut der Toten, die in der Erde begraben liegen.“
Du siehst, wie sich Shaolans Augen vor Entsetzen weiten und sich Unglauben zwischen all das Entschlossene und Gute mischt.
„Aber...das ist furchtbar! Wer sagt so etwas?!“
„Die Person, die mir am allerwichtigsten ist.“
Die Worte verlassen deinen Mund noch ehe du den Gedanken gefasst hast. Trotzdem weißt du, dass sie wahr sind. Genauso wie du weißt, dass Shaolan es versteht.

„Sie hätte etwas anderes gesagt.“
Shaolan dreht sich ein letztes Mal um, als er bereits wieder im Treppenhaus steht und gehen will.
„Die Person, die mir am allerwichtigsten ist, sie hätte etwas anderes gesagt.“
Als er weg ist, lehnst du dich gegen den Türrahmen und starrst noch lange Löcher in die Luft während du dir überlegst, was für andere Antworten es noch geben könnte.



***




Als es an der Tür klingelt, kommst du gerade von einem Auftrag. Du hattest schon lange keinen Besuch mehr, nicht, seit der Sache mit deinem Wunsch. Irgendwie hast du ein Déjà-vu und als du die Tür öffnest, bist du überrascht.
Weil da kein kleiner Junge steht.
Sondern ein großer.
Die Haare haben noch immer diesen einzigartigen Braunton. Die Augen sind dieselben, wie vor fünf Jahren. Nur dass sie jetzt überlaufen vor Freude.
Einen Augenblick siehst du ihn stumm an. Dein Mund ist leicht geöffnet, aber du bringst keinen Ton hervor.
„Guten Abend, Subaru-san“, fängt der große kleine Junge an, „Ich soll etwas von Kimih- ich meine, Watanuki-san bringen“, verbessert er sich schnell und grinst dich dann an.
„Shaolan-kun?!“, bringst du schließlich hervor und weißt, wie dämlich du aussehen musst. Aber du bist ehrlich überrascht. Es ist ein Jahr her, seit der kleine Junge durch deine Tür gegangen ist. Und jetzt ist er doppelt so alt. Irgendwie sagt dir dein Gefühl, dass da Magie mit im Spiel ist, aber du hast keine Ahnung.
„Lange nicht gesehen, nicht wahr? Obwohl, das weiß ich nicht, weil die Zeit zwischen den Welten anders verläuft.“
Da ist sie, deine Antwort.
Shaolans Blick fällt auf dein Shirt. Dieses dumme Ding, das du noch an hast und das noch mit Blut besprenkelt ist. Als du siehst, wie bleich er plötzlich wird, beeilst du dich, seiner Frage zuvor zu kommen.
„Keine Sorge, ich streiche nur gerade mein Schlafzimmer. Das ist Farbe.“
Es überrascht dich selbst, wie einfach dir die Lüge über die Lippen kommt. Noch eine Sache, die sich innerhalb von einem Jahr geändert hat.
Shaolans Blick bleibt skeptisch, aber er vertraut dir genug, um nicht weiter nachzufragen.
Die nächste Frage könntest du dir auch sparen, aber du musst sie trotzdem stellen.
„Was sollst du mir denn bringen?“
Und natürlich greift er in seine Hosentasche und zieht einen kleinen Plastikbeutel hervor, der bis zur Hälfte mit einem roten Pulver gefüllt ist. Paprika.
„Von deiner Schwester.“
Du schluckst schwer. Nur mit Mühe kannst du die Tränen zurückhalten, obwohl du sie doch nie wieder zulassen wolltest. Nicht jetzt, wo du nicht mehr der bist, der du noch vor einem Jahr warst.
„Watanuki hat mir gesagt, dass es hier nur ein Jahr her ist. Es tut mir immernoch leid.“
Er sieht wirklich traurig aus.
Du zuckst nur mit den Schultern.
„Es hat mich gefreut, dich nocheinmal zu sehen, Subaru-san“, sagt Shaolan und jetzt lächelt er wieder so offen und ehrlich, wie vor einem Jahr, als er zum ersten Mal hier stand.
Er dreht sich um und will gehen, noch ehe du dich von ihm verabschiedet hast, aber dann zögert er und bleibt nocheinmal stehen.
„Ach, übrigens, Subaru-san...ich habe sie gefragt. Die Person, die mir am allerwichtigsten ist.“
Er holt tief Luft und auch du verkrampfst dich, weil du die Antwort gleichzeitig fürchtest und herbeisehnst.
„Die Kirschblüten sind rosa, weil sie die blutigen Tränen derer trocknen, die um einen geliebten Menschen weinen.“
Dann verschwindet er und irgendwie weißt du, dass er nicht mehr zurückkommen wird.



***




Die Antwort des Jungen gefällt dir. Ich sehe es in deinen Augen als du dich gegen den Türrahmen lehnst, genau wie vor einem Jahr, und in deine leere Wohnung starrst. Die Antwort hat etwas tröstendes. Ich mag sie auch.
Du wünscht dir, sie wäre wahr. Damit du nicht mehr der sein müsstest, der du in einem Jahr geworden bist, sondern wieder der sein kannst, der du mal gewesen bist. All das Grau hat gewonnen und irgendwie sehnst du dich jetzt nach den Farben, die du so verabscheut hast. Aber du weißt auch, dass die Farben nicht mehr das sind, was sie einmal waren, weil dein Wunsch nicht mehr in Erfüllung gehen kann. Trotzdem ist dir eine Farbe geblieben. Und die wirst du nie mehr los.
Ich beobachte dich schon lange. Durch den Schleier aus rosa und weiß und grün und braun.
Seit du in dieser Wohnung wohnst. Ich weiß alles über dich. Und ich weiß, das Yûko und Watanuki den kleinen und den großen Jungen nicht nur durch Zufall vorbeigeschickt haben. Er sollte etwas in der verändern, so wie du sicher etwas in ihm verändert hast. Weil Begegnungen immer etwas verändern.
Ich bemerke die Blicke, die du mir immer zu wirfst. Diese Mischung aus Trauer, Wut, Hass, Furcht und Liebe.
Wäre die Antwort des Jungen wahr, dann würdest du mich nicht mehr so ansehen.
Sondern du würdest vor mir stehen und deine Augen würden verraten, was wirklich immer in dir vorgeht.
Ich wünsche mir wirklich, dass der Junge recht hat.
Damit du in mir nicht mehr das Monster siehst.
Sondern etwas tröstendes.
Damit ich nicht mehr das Blut der Toten in der Erde trinken müsste.
Sondern deine blutigen Tränen trocknen könnte.
Ich hoffe wirklich, der Junge hat etwas in der verändert.
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