Freigemacht

KurzgeschichteAllgemein / P12
Deputy Jo Lupo
26.04.2012
26.04.2012
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26.04.2012 993
 
A/N: Nummer Zwei der Holiday Fic Requests 2011. Nummer Eins kann in der Leverage-Kategorie oder in meinem Profil gefunden werden. War aber doch kein prompt von -leah. Ich bin aber auch die Frau mit dem drittschlechtesten Gedächtnis der Welt, deswegen ist das hoffentlich entschuldigt.

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Freigemacht


“Cryptic words meander
Now there is a song beneath the song
One day you'll learn
You'll soon discern its true meaning
An interesting detachment
A listless poem of love sincere
Desire, despair
Overlapping melodies.”

Maria Taylor, “Song Beneath The Song”


Das Leben ist nicht gerecht, sagen sie. Es ist nur gerechter als der Tod, hat William Goldman einmal hinzugefügt. Es ist alles Bullshit, kann sie ihnen sagen.

Es kotzt sie an, diese Unfähigkeit, das Leben einfach zu akzeptieren, wie es ist und einfach weiterzumachen. Es kotzt sie an, dass ihre Gründe dafür rein persönlich sind. Es kotzt sie an, dass sie ein Für Immer wollte.

Sie wollte ein Für Immer und hat umgeschriebene Geschichte bekommen. Sie hasst diese neue Geschichte. Sie hasst es, dass Zane sie erst gehasst hat und jetzt nur nochvon ihr weg will. Sie hasst es, dass sie trotzdem angefangen hat, mit ihm zu schlafen. Sie hasst es, dass sie nie ja gesagt hat, als er sie noch geliebt hat. Sie will nach hause.

Deswegen sitzt sie jetzt am Steuer ihres Wagens, hat Eureka verlassen. Um weg vom Fokus der veränderten Geschichte zu kommen. Sie haben ihr mal gesagt, dass die Geschichte dieses Universums der, die sie kennt, umso ähnlicher wird, je weiter weg sie von Eureka ist. Vielleicht wird sie sich irgendwo da draußen wieder wie sie selbst fühlen. Vielleicht wird sie irgendwo da draußen in der Lage sein, Zane zu vergessen und all das, was sie für ihn empfindet, hier und in der ersten Version ihrer Geschichte.

Sie hat gesagt, dass sie sich selbst finden will. Sie hasst es, dass sie das getan hat. Es klang billig und es war gelogen. Sie weiß, wer sie ist. Sie weiß nur nicht mehr, wer all die anderen sind. Sie dachte, dass sie sich daran gewöhnen wird, so wie Carter und der Rest, aber das hat sie nicht. Sie hat niemandem gesagt, dass sie ihren neuen Job hasst, obwohl sie doppelt so viel verdient, wie in ihrem alten Job. Sie schätzt nicht den neuen, sondern vermisst den alten.

Also ist sie ins Auto gestiegen, als die Expedition aufgebrochen ist, um nur wegzukommen. Sie könnte jetzt seit dreißig Minuten gefahren sein oder dreißig Tage und es ist ihr egal. Genauso, wie es ihr egal ist, dass sie sich nicht mal verabschiedet hat. Nicht so richtig jedenfalls, aber Carter wird es schon wissen. Er wird es verstehen. Vielleicht wird er der Einzige sein, aber er ist auch der einzige, der zählt.

Als sie eine einsame Figur aus ungefähr 500 Metern am Straßenrand entdeckt, konzentriert sie sich auf die Straße. Als die Figur sich auch nach 250 Metern nicht bewegt hat, melden sich ihre Instinkte. 100 Meter weit weg und sie fängt an zu überlegen, ob sie halluziniert. Bei 50 Metern verraten ihre Füße sie, indem sie auf die Bremse steigen, nicht aufs Gas.

„Möchtest du irgendwo hin, Josephina?“ sagt er mit einem Grinsen und wo kommt der bitte her und warum hat sie ihre Türen nicht verriegelt, sobald sie sein Gesicht erkannt hatte? Sie antwortet nicht. „Ich bin kein Produkt deiner Fantasie, weißt du. Du kannst mit mir reden.“

Sie sieht ihn böse an.

Er grinst noch ein bisschen breiter. „Du hast mir nie alle meine Fragen beantwortet. Hab mir gedacht, dass ich nicht gehen konnte, ohne alle meine Antworten zu kriegen.“

Sie blinzelt.

„Josephina?“ Kann er nicht endlich damit aufhören, sie so zu nennen? Ihr Zane hat das immer getan und trotz allem ist dieser es nicht. Ihrer, um genau zu sagen. Er gehört nicht ihr.

Sie umfasst das Lenkrad fester. „Du solltest nicht hier sein.“

Ein Hauch Nonchalance. „Wann hat mich das je davon abgehalten, irgendwo zu sein?“ Er könnte alles sein. Ein Hologramm. Ein Klon. Ein Roboter. Sie kann sich einfach nicht selbst dafür hassen, zu hoffen, dass er echt ist. „Ich wusste doch, dass du das nicht beantworten kannst. Also verlässt du Eureka, ja?“

Er hat kein Recht dazu, verletzt zu klingen. „Du wolltest doch auch gehen.“

„Darum geht es hier aber nicht, Jo.“ Sie fragt nicht, worum es dann geht. Das weiß sie schon. „Wo willst du hin?“

Die Antwort kommt schnell. „Geht dich nichts an.“

„Oh, in Ordnung, dann sagst du es mir eben nicht. Überrasch mich.“ Sie versteht nicht, wo das hier hinführen soll. Ihr Gehirn kann das nicht verarbeiten, wie die Geeks in den Laboren bei GD sagen würden. „Also, worauf wartest du denn noch? Da ist eine Straße vor uns, die befahren werden will.“

Das ist Zane, denkt sie. Das ist der wahre Zane. Es gibt keine Möglichkeit, dass er nicht Zane ist. Es fühlt sich wie ein Schlag in die Magengrube an. „Warum?“

Er neigt den Kopf zur Seite, nur ein bisschen. „Warum was, Jo?“ Warum bist du zurückgekommen, warum bist du nicht auf dem Weg zum Titan, warum siehst du so sehr wie er aus? „Und ich könnte es dir vielleicht erzählen. Wenn du nur endlich anfangen würdest, zu fahren.“

Sie will die Antwort nicht wissen. Der einzige Grund, warum sie wieder losfährt ist, dass sie es leid ist, zu lange an einem Ort zu verbleiben. Sie braucht einfach nur Bewegung, um denken zu können. Also setzt sie sich in Bewegung. Er fängt nicht an zu erzählen. Stattdessen macht er es sich bequem. Auch gut. Sogar besser. Wenn sie ihn schon nicht so los wird, wie sie eben Eureka losgeworden ist, hat sie wenigstens Zeit, eine Strategie zu finden, wie sie mit der neuen Variablen in der Gleichung umgeht. Wenigstens heißt es, dass sie nicht mehr feststeckt. Und sie hat Zane als Gesellschaft, selbst, wenn es nicht ihr Zane ist, noch nicht. Könnte schlimmer sein. Sie lächelt.
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