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Perfectly Imperfect

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Chester Bennington Mike Shinoda
25.04.2012
31.12.2013
17
66.607
4
Alle Kapitel
48 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
25.04.2012 3.625
 
Willkommen bei 'Perfectly Imperfect'!

Autor: Rayden
Beta: LilyTiger, danke dir. :)     
Arbeitstitel: Qwerf
Titel: Perfectly Imperfect
Rating: P16 evtl. 18 Slash
Progress: 17/Complete
Posts: unregelmäßig
Pov: Author

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Perfectly Imperfect
  -  Kapitel 1


Hin und wieder wurde die Stille unterbrochen, als Brad Delson über die Saiten seiner alten Gitarre aus der Anfangszeit ihrer Band, strich. Er saß in einem der Drehstühle, die sie ihm Studio hatten. Mit der Zeit war der Gitarrist hinab gerutscht, sein Lieblingsinstrument hatte er dabei stets in seinem Schoß. Durch eine ganze Weile des Wartens, war ihm langweilig geworden und er dachte sich er könnte die Gitarre mal wieder etwas stimmen.

Brad war nicht alleine, seine Bandkollegen waren auch bei ihm. Mike Shinoda wie üblich vertieft in etliche Tonspuren vor dem Mac. Das Einzige was man von ihm mitbekam, waren die gelegentlichen Ausflüche, aber besonders das fast schon nervige Klicken der Maustasten, das ab und zu ziemlich hektisch werden konnte. Manchmal jedoch, drehte er die Lautstärke auf und man konnte die Melodie durch die Kopfhörer leicht erahnen. Brad nickte dann oft anerkennend, was der Emcee nie mitbekam, da er mit dem Rücken zu ihnen saß. Nützte ohnehin nichts, da ihr Multitalent es sowieso erneut abänderte.

Während Mike eine Melodie zum bestimmt siebten Mal überarbeitete und Brad darüber nur belustigt den Kopf schüttelte, da er es mittlerweile schon lange aufgegeben hatte sich über Mikes sicherlich zu sehr ausgeprägten Perfektionismus zu ärgern, waren Hahns Hell und Fire Phi gerade dabei sich bei Texas Hold ‘em Poker zu messen. Dave saß auf einem Stuhl an der kurzen Seite des Tisches und ihm direkt gegenüber Joe auf der Eckbank. Sie starrten einander skeptisch an, ihre Münder verzogen sich kein bisschen und es schien so als müssten sie nicht einmal blinzeln.

Sie kamen gerade zum Showdown, nachdem Rob verzweifelt seine Pokerkarten verdeckt weggeworfen hatte und ausgestiegen war. Der Jüngste der Runde hatte nicht das beste Pokerface, doch es machte Spaß und auch wenn es beinahe nie vorkam, dass er gewann, spielte er gerne mit. Auch wenn er oft passte, wenn es ihm schließlich zu heikel wurde. Genauso wie eben. Er hatte nicht die schlechteste Hand, aber er war sich sicher dennoch nicht gewinnen zu können und vor allem nachdem Joe und Dave ihre Einsätze immer mehr erhöht hatten. Er hatte sich lieber zurückgezogen, seine Brille ein wenig zurecht gerückt und sein noch aufgeschlagenes Buch, das er während der Pokerrunde neben sich gelegt hatte, zur Hand genommen.

Hahns Hell und Fire Phi studierten ihre zwei Hole-Cards, die sie in ihren Händen hielten, dann flog ihr Blick zu den fünf Community-Cards, die offen in der Mitte des Tisches lagen, überlegend wie sie nun die bestmöglichste Kombination bildeten, um den anderen zu stechen und den Pot einzusacken.

Beide breit und schelmisch grinsend legten sie, jeder sich des Sieges sicher, die Karten auf den Tisch. Es war ein Full House und ein zwei Ränge niedriger Straight. Es konnte nur einer gewinnen.
„Uh, verdammt ich nenne mich nicht umsonst Hahns Hell!“, blurrte Joe euphorisch aus. Mit strahlendem Gesicht breitete er seine Arme aus und holte sich den Pot. Ein ganzer Haufen Chips lag nun vor ihm.

Während Rob nur kurz aufsah und über sein Buch hinweg grinste, murrte Dave nur etwas enttäuscht. Sich diese Niederlage nicht gefallen lassend, schnappte er nach den Karten und begann sie für eine neue Runde zu mischen. Nachdem ihr Sänger sie noch immer nicht beglückte, hatten sie auch nichts Besseres zu tun. Schließlich auf die Uhr sehend, fragte er dann:  „Kommt Bennington heute überhaupt noch?“

„Er ist doch immer zu spät. Nichts Neues.“, antwortete ihm Brad, der nebenbei ein paar Saiten spielen ließ und noch ein wenig mehr an einem der sechs Wirbel drehte. Erwartend probierte er es erneut, doch nachdem er wieder seine Mundwinkel unzufrieden verzog und die Stirn skeptisch runzelte, dehnte er sie noch ein wenig mehr. Das angefangene Gespräch mit Dave war dabei schnell wieder vergessen und er konzentrierte sich erneut vollkommen auf das Stimmen.

„Aber noch keine knappen zwei Stunden.“, meinte Dave dennoch und fragte Rob lautlos, durch einen kurzen Deut mit dem Zeigefinger, ob er wieder in die neue Pokerrunde mit einsteigen möchte. Der Drummer lehnte allerdings kopfschüttelnd ab und widmete sich wieder dem forensischen Anthropologen Dr. David Hunter, der gerade dabei war an den Verwesungen einer Frau festzustellen, wie lange diese nun schon genau tot war.

„Du meinst, dann ist es schon eins?“ Joe, der gerade aus reiner Provokation die Chips nachzählte, erhob den Kopf und stierte, trotz der Frage, selbst auf die Uhr. Er nickte und stand schließlich ohne etwas verlauten zu lassen auf. Der Koreaner hatte ein schwarzes T-Shirt mit grauen waagerechten Linien und eine locker hängende dunkelblaue Jeans an, von der er Falten hinaus strich und sich dann seine schwarze Lederjacke von der Bank nahm und auch diese anzog.

Als der DJ aus der Tür verschwinden wollte, sprang Dave auf und ließ die Karten achtlos fallen. Er holte seinen Freund schnell ein und legte ihm eine Hand auf die Schulter, um ihn aufzuhalten. „Wo willst du hin?“

Joe sah ihn etwas verdutzt an. „Na, ich geh uns Pizza holen und Mike braucht um die Uhrzeit meist erneut Kaffee. Und wenn ich schon unterwegs bin, bring ich den auch noch schnell mit.“

„Mh gut, bring mir ‘ne Hawaii mit und ich will später eine Revanche!“, bestand Dave auf etwas, dass Joe ohnehin wusste. Der Bassist grinste ihn an und mit einem freundlichen Schlag auf das Schulterblatt, ließ er ihn wieder alleine.

-

Nach gut einer weiteren Stunde in der Chester noch immer nicht aufgetaucht war, kam auch Joe wieder zurück. Sechs Pizzaschachteln balancierte er mit einem Sixpack Bier oben drauf und einem großen schwarzen Kaffee von Coffee Fellows.
Der DJ hoffte, er würde Mike dennoch eine Freude machen, auch wenn sein Kaffee einmal nicht von Starbucks war. Aber er hatte keine Lust gehabt, extra einen Umweg zu fahren, somit musste sich der Emcee nun mit Coffee Fellows zufrieden geben. Von welchem Coffeeshop die, mit Arabica-Bohnen gemachte schwarze Brühe nun war, war im Prinzip auch egal. Hoffte Joe zumindest, denn er kannte seinen Freund und dieser würde wahrscheinlich jeden Umweg in Kauf nehmen, um zu seinem Lieblingsgeschäft zu kommen.

Erleichtert ausschnaufend stellte er alles auf den Tisch ab und fing an auszuteilen. Für Rob Bourdon und Brad Delson hatte er Thunfisch Pizzen. Die beiden nahmen die Schachteln und bedanken sich, jedoch nicht ohne leicht skeptische Blicken, als sie die Pappdeckel hochhoben. Aber nach all den Jahren wusste Joe nun endlich, was für seine beiden jüdischen Freunde koscher war und sie demnach essen durften. Weswegen er nun auch stolz grinste, als sie ohne Bedenken in das erste Stück bissen. Dave übergab er, die von ihm heiß ersehnte Pizza Hawaii, bevor er Mike vorsichtig an der Schulter an stupste.

Mike Shinoda war noch immer vertieft in seine Arbeit. Er verstand nicht warum sie unbedingt auf Chester warten sollten, damit verloren sie nur unnötig Zeit, die sie eigentlich nicht unbedingt hatten. Aber es brachte nichts sich aufzuregen oder auf den Sänger sauer zu sein, er würde das nächste Mal wieder zu spät sein und sich mit einem dämlichen Grinsen dafür entschuldigen.
Innerlich zuckte er ein wenig zusammen, als Joe ihn aus seinen vertieften Gedanken holte. Und er war schon dabei ihn dafür zu Recht zuweisen, als er allerdings auch schon mit einer Pizza und Kaffee konfrontiert wurde. Schmal lächelnd nahm er die Kopfhörer ab und während er sich zu seinen Bandkollegen drehte, nahm er von dem Koreaner das Essen sowie seinen Kaffee mit einem dankbaren Kopfnicken entgegen.

„Fellows?“, merkte Mike keineswegs wütend, sondern nur überrascht an, als er den Coffee-to-go Becher in seiner Hand drehte und das aufgedruckte Logo mit einer leicht hinaufgezogener Braue begutachtete.

„… uhm, lag auf dem Weg.“, antwortete Joe ein wenig kleinlaut, als er bereits an seinem alten Platz zurück war und sich gerade über seine Calzone hermachen wollte, seinen Blick nicht zu Mike wendend.

Langsam nahm der Halbjapaner einen Schluck von dem heißen Getränk und zuckte mit den Schultern. „Okay.“

Joe ging nicht weiter darauf ein, er war froh, dass es für den Emcee scheinbar in Ordnung war. Dann fiel ihm allerdings die letzte Pizzaschachtel auf, die er fast vergessen hätte und die ein wenig verlassen wirkend noch immer in der Mitte des Tisches lag. „Ich weiß nicht, ich hab jetzt auch eine Pizza für Chaz.“, meinte Joe schulterzuckend, „Hoffte eigentlich, er wäre mittlerweile endlich mal aufgetaucht.“

„Dreieinhalb Stunden ist wohl sein neuer Rekord.“, kam es leicht zynischen und mit vollem Mund von Brad.

„Er weiß aber doch Bescheid?“, fragte Rob, nachdem sie normalerweise jeden Montag ein Bandmeeting abhielten und sie diese Woche auf Grund des minimalen Zeitdrucks, mehr oder weniger spontan noch einmal extra zusammen gekommen waren, war er sich dabei nicht ganz sicher.

Mike hob seine Hand und nickte. „Hab ihm vorgestern angerufen. Er meinte es wäre kein Problem.“, ergänzte er schließlich noch, nachdem er runter geschluckt hatte. Genau in dem Moment, als man aus dem Flur Gummisohlen über den Linoleumboden quietschen hörte. Sie hielten inne und sahen zur Tür. „Hm, wenn man vom Teufel spricht“, murmelte Mike.

„Wird auch echt mal Zeit“, kam es von Brad, noch bevor sich wenige Sekunden später die Tür öffnete. Die fünf Bandkollegen hielten noch immer inne, besonders als sie Tyler Lee Bennington sahen, der freudestrahlend noch immer an der kühlen Klinke hing, bis er die Tür bis zum Anschlag geöffnet hatte.

„Hallo“, quietschte der Fünfjährige, erfreut darüber die Freunde seines Vaters zu sehen, als er seine Jacke wieder richtete, die etwas hinauf gerutscht war, als er sich nach der Klinke gestreckt hatte.

Die fünf Bandkollegen sahen einander verdutzt an, zumal sie nicht wussten was das sollte. Schließlich trafen sie sich zum Arbeiten und so gern sie den kleinen Bennington auch mochten, sie müssten auf ihn Acht geben und dies wäre nicht sehr produktiv gegenüber dem Album. Schulterzuckend rutschte Joe auf der Bank etwas zur Seite und klopfte mit der Hand auf den nun freien Platz. Tyler verstand und kichernd nahm er neben dem DJ Platz und umarmte ihn sogar noch von der Seite. „Hallo, Joey!“

Grinsend strich er dem Jungen durch die Haare. „Hey, kleiner Mann.“, begrüßte er ihn und die anderen schlossen sich schließlich noch immer leicht verwirrt der Begrüßung ebenfalls an.

„Hey nicht, meine Haaaare.“, quietschte Tyler erneut, als er sich schnell wieder von dem DJ löste und seine Hände schützend auf seinen Kopf legte.

„Wie der Vater.“, lachte Joe nun. „Wenn wir schon von ihm sprechen, wo ist dein Daddy denn?“

„Hier.“, kam es von dem Sänger, noch bevor sein Sohn auf die Frage antworten konnte. Die Blicke der Band flogen zurück zur Tür, die der Shouter gerade mit dem Fuß schloss und dabei versuchte nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Die Verwirrung seiner Freunde stieg dabei noch um einiges mehr an, als sie den Älteren sahen. Chester Bennington war wie üblich in einer schwarzen, engen Jeans und einem körperbetonten, grauen V-Neck-Shirt gekleidet, über seiner Schulter hatte er seine braune, lederne Männertasche geschlungen und auf der Nase trug er seine Sonnenbrille.
Nichts verwundernswertes. Wenn da nicht der grüne Rucksack von Tyler, an seinem Rücken, die Babytasche, die über seiner eigenen hing und das weiße Babykotztuch auf der noch freien Schulter wären. Während er in jeder Hand einen modernen Babykorb, mit dem neuesten Zuwachs der Bennington Familie, trug.

„Noch mehr Kinder.“, rutschte es Mike leise heraus, als seine geweiteten Augen auf den Zwillingen lagen. Seine Hand, die seit Tyler hereingekommen war, beinahe wie eisern ein Stück Pizza vor seinem Gesicht in der Schwebe hielt, ließ er langsam zurück in die Schachtel, auf seinem Schoß sinken.  Er hatte gar nicht mitbekommen was er sagte, zu perplex war er noch, als er auch schon einen warnenden Seitenhieb von Brad bekam, der sich dazu zu ihm herüber gelehnt hatte.

Chester allerdings bekam all das gar nicht mit. Erschöpft hatte er die Mädchen neben sich gestellt, als er sich selbst auf einen noch freien Stuhl fallen ließ. Er nahm die Sonnenbrille ab und ließ sie unachtsam auf den Tisch fallen und fuhr sich dann fahrig übers Gesicht. „Sorry Leute, ich… ich musste Ty von der Vorschule abholen und unser Kindermädchen fährt heute übers Wochenende mit ihrer Familie weg.“, murmelte er leise vor sich hin, als er nun auch gemächlich sämtliche Taschen abnahm und sie auf die andere Seite neben dem Stuhl ablegte.

Nachdem es bestimmt noch zwei weitere Minuten still blieb, in denen Chester müde seine Stirn massiert hatte, war Mike der erste der sich wieder das Wort zu erheben traute und nach der üblichen Alternative fragte, die aus irgendeinem Grund keiner aussprechen wollte. „Und… ich mein, was ist mit Talinda?“

Es war eigentlich kaum merklich, aber sie kannten Chester nun lange genug, um mitzubekommen, wie sich sein gesamter Körper bei der Erwähnung von seiner Frau anspannte. Der Sänger wusste augenblicklich, dass es seine Freunde mitgekriegt hatten und er versuchte es zu überspielen. Ein wenig zu schnell griff er nun neben sich und hob Tyler’s Rucksack auf seinen Schoß. Während der Sekunden in denen er diesen öffnete und ein Heft heraus zog, hoffte er auf eine geeignete Antwort. „Tyler, mach doch die Matheaufgabe zu Ende, von der du mir erzählt hast.“, murmelte er und schob seinem Sohn das grüne Geheft  und einen Bleistift entgegen. Seinem Vater gehorchend begann er mit einem eifrigen Nicken.

„Chester?“, forderte Mike, nun wieder etwas mehr gefasst, erneut eine Antwort ohne die Frage noch einmal stellen zu wollen.

„Sie hat einen… geschäftlichen Termin. Und ist übers Wochenende nicht zu Hause.“, erhielt Mike ein wenig patzig zurück. Chesters Blick flog sofort zu seinem Sprössling. Irgendwie warnend, doch dieser war bereits in Additions- und Subtraktionsaufgaben vertieft, die für ihn wahrscheinlich noch wie höchstes Algebra vorkamen.

„Ich will nichts dagegen sagen, Chester, aber wir wollen hier eigentlich arbeiten! Was ist denn mit Jamie? Also… er ist doch nun schon alt genug.“, konterte der Emcee zurück. Diesmal selbst etwas mehr genervt, weil er sich durch die Tonlage seines Freundes leicht angegriffen gefühlt hatte. Zudem sah er irgendwo nicht ein, dass er sich so sehr verspätet hatte und sie deswegen nicht wirklich fortfahren hatten können und nun saß er, scheinbar vollkommen übermüdet, mit seinen Kindern da, die auf jeden Fall ihre Arbeit bedeutsam beeinträchtigen. Es waren nun mal Kinder. Die allesamt ihre Aufmerksamkeit brauchten und unterhalten werden wollten. So süß, nett und lieb sie auch sein mochten, ins Studio gehörten sie Mikes Meinung nach nicht.

„Elka hat die beiden Großen abgeholt.“, nuschelte der Shouter, gelangweilt davon sich rechtfertigen zu müssen. Als würde er es nicht selbst wissen, dass es nicht das Beste war die drei mit sich zunehmen, doch hätte es eine andere Möglichkeit gegeben hätte er diese gewählt.

Mike schnaufte durch die Nase aus, als er seine Augen rollte. Es passte ihm überhaupt nicht. „Das Album-“

„Ja, verdammt nochmal, das Album! Ich weiß, Michael.“, schrie er wütend aus, als es ihm nun zu viel geworden war und er sich ruckartig auf seinem Stuhl umgedreht hatte und nun Mike mit gefährlichem Blick niederstarrte. „Tut mir Leid, das die Kids hier sind, okay?“, brummte er nun wieder etwas leiser, als Tyler von seiner Aufgabe aufgeschreckt war und er seinen Vater mit großen Augen anstarrte. Auch die Zwillinge fingen leise das Quengeln an, als sie so abrupt aus ihrem Schlaf gerissen worden waren.

Seufzend brach er den Blickkontakt mit dem Halbjapaner ab und sah kurzzeitig auf den Boden, bevor er ergeben durchatmete und sich zurückdrehte. Mit hochgezogenen Augenbrauen forderte er Tyler nickend auf weiterzurechnen.  Dann beugte er sich zu Marissa und Julia hinunter, er begann die Babykörbe hin und her zu wiegen. „Shhh, Daddy wollte euch nicht wecken. Schlaft wieder ein.“, sing-sangte er und nach ein paar Sekunden waren die beiden tatsächlich wieder ruhig, wenn auch nicht ganz eingeschlafen.

„Chester, uhm… ich, ich hab dir vorhin auch eine Pizza mitgebracht. Ist bestimmt noch warm.“, versuchte Joe die angespannte Stimmung wieder etwas zu locker, als er mit einem leicht hilflos wirkendem Lächeln, die Schachtel vorsichtig zu ihrem Sänger schob.

Leicht gezwungen lächelnd, nahm der Älteste der Runde die Pizza an. „Hast du Hunger, Ty?“, fragte er seinen Sohn,  als er bereits die Schachtel geöffnet hatte und ein Stück der Pizza herausnahm und ihm schließlich hinhielt. Tyler Bennington war noch immer leicht eingeschüchtert von dem erhobenen Ton seines Vaters, da er dies nur sehr selten von ihm mitbekam. Zögerlich nickend nahm er das Pizzastück an. „Aber pass auf dein Heft auf.“, warnte Chester ihn nun wieder mit der gewohnt sanften Stimme, und zog es dann doch noch selbst etwas weg.

-

Fünf leere Pizzaschachteln waren zurück übereinander gestapelt in der Mitte des Tisches. Chester hatte seine bis auf zwei Stücke, die er Tyler überlassen hatte, nicht angerührt. Er meinte er hätte weder Hunger noch Durst und sie sollten nun endlich beginnen. Zu Mikes Erfreuen funktionierte dies äußerst gut. Tyler hatte brav seine Hausaufgaben erledigt und Marissa und Julia waren wieder in einen ruhigen Schlaf gefallen. Was nur wenige Unterbrechungen abverlangte.

Mike und Chester hatten sich soweit wieder beruhigt, dennoch waren keine Sätze zwischen ihnen gefallen, die nicht hätte sein müssen. Somit hatten sie ihre Konversation ausschließlich auf neue Lyrics beschränkt, die sie diskutierten, abänderten oder vervollständigten, bevor sie diese an Rob, Brad, Joe und Dave weitergaben, um auch dessen Meinungen und Ideen zu hören. Kein Song war beendet, wenn nicht alle ihre Zustimmung dazu gaben. Joe berichtete über eine neue Videoclip Idee, eines der bereits fertig gestellten Songs, der auf der Auswahlliste der möglichen Albumauskupplungen stand.

„Möchtest du mithelfen?“, fragte Mike Shinoda, nachdem er sich genervt seufzend auf seinem Drehstuhl umgedreht hatte. Seit gut fünf Minuten stand Tyler hinter ihm und schaute fasziniert zu, wie sein Vater gerade Lyrics einsang. Er hatte mit sich gerungen und eigentlich befunden, dass der Fünfjährige nun wirklich nichts am Mischpult zu hantieren hatte. Doch die stechenden Augen, die auch oft genug zu ihm und seiner Arbeit geflogen waren, nervten ihn und er gab nach.

„Mhm.“, gab Tyler kurz zurück und Mike nahm ihn auf den Schoß. Seinen linken Arm hielt er sicher um den dünnen Oberkörper des Jungen geschlungen, während er über dessen Schulter sah und mit der rechten Hand zeigte er ihm welchen Regler er benützen sollte. „Schieb diesen hier ganz langsam rauf und ich sag stopp.“, murmelte der Emcee.

Tyler sah erst etwas unsicher zu Mike, erst als dieser ermutigend nickte, beugte er sich etwas vor, um den Regler zu erreichen. Aufgeregt schlossen sich seine zierlichen Finger um diesen und ganz langsam begann er ihn noch oben zu schieben, so wie es Mike von ihm verlangt hatte.

„Okay, das reicht. Jetzt den hier, auch nach oben.“, flüsterte der Ältere und deutete auf einen weiteren Regler. Chesters Sohn grinste und mit leuchtenden Augen, nickte er. Mike musste dabei grinsen. Zu sehen wie sich Tyler darüber freute ihm zu helfen, ließ seine Bedenken verblassen.

Dave und Joe waren wieder zurück in ihre Rollen als Fire Phi und Hahns Hell gerutscht, als sie erneut eine Runde Poker spielten, da sie für den Moment nichts zu tun hatten. Rob war vertieft in sein Buch und Brad war nun dabei seine alte Gitarre nach dem Stimmen auf Hochglanz zu polieren. Nur für einen Moment schoben sie ihre Tätigkeiten beiseite und belächelten warmherzig, das Bild von ihrem Emcee und Chesters Sohn. Mike hatte großen Gefallen daran gefunden, dem Jungen alles aufzuzeigen und auch zu erklären. Auch Tyler zeigte Interesse und befolgte alle Anweisungen mit breitem Grinsen.

„Siehst du den Knopf dort, halte diesen gedrückt und sag deinem Daddy, dass er rauskommen kann und das er einen guten Job gemacht hat, ja?“, beorderte der Halbjapaner ein letztes Mal, als er seine Hand durch den brauen Mohawk vor sich fuhren ließ.

„Daddy! Ich soll von Mike sagen, dass du rauskommen kannst und das du gut warst.“, schrie er schon fast euphorisch aus, als er seinen Zeigefinger so stark auf den Knopf gedrückt hielt, das seine Fingerkuppe schon weiß unterlief.  „Ja, genau.“, lachte Mike und hob den jungen Bennington von seinem Schoß, der auch gleich zu der Glastür rannte, aus der gerade ebenfalls lachend Chester trat. Tyler umarmte ihn und der Sänger strich ihm kurz über den Rücken.

Mike wandte sich zurück zu seinem Mac und fing sofort damit an, die eingesungen Lyrics weiterzubearbeiten. Die anderen Instrumente, die von seinen Bandkollegen ebenfalls schon eingespielt worden waren einzufügen und Chesters akustische Version des Songs zu vervollständigen.
„Okay, Chaz… könntest du die erste Strophe im zweiten Absatz noch einmal einsingen?“, fragte Mike nach einer ganzen Weile, während seine Augen noch immer gebannt auf den Bildschirm starrten. Es dauerte immer etwas bis ein Song für Mike gut genug klang und nicht selten kam es deswegen vor das Chester oder einer der anderen noch mal in den Aufnahmeraum mussten.

„Chester?“, fragte der Halbjapaner erneut, nachdem der andere sich nicht zurück begeben oder ihm gar geantwortet hatte. Brads Aufmerksamkeit hatte dies zufolge und somit sah dieser auf und grinste. „Mike, ich denke es reicht für heute.“, antwortete der Gitarrist anstelle des aufgeforderten Sängers.

„Was wieso? Wir haben’s gerade einmal halb sechs.“, murrte der Emcee, als sich Brad bereits auf seinem Bürostuhl zu Mike rollen ließ und mit dem Zeigefinger auf ihre Couch deutete. Mal wieder etwas genervt sah sich der Ältere um. Tyler saß dort versunken in eine andere Welt, die er auf seinem Nintendo 3DS spielte. Gleich neben ihm war Chester etwas auf der Couch hinab gerutscht, fast schon liegend  war er zusammen mit Marissa und Julia in jeweils einem Arm und an seiner Brust gekuschelt, eingeschlafen. Kopfschüttelnd drehte er sich zurück. Nur widerwillig gab er sein Einverständnis.  „Okay schön, dann lassen wir es eben für heute.“

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