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...pretend that airplanes in the night sky are like shooting stars? I can really use a wish right now...

GeschichteAllgemein / P12
Amerika England Preussen Russland Spanien Süd-Italien
24.04.2012
06.09.2013
17
23.590
 
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24.04.2012 1.421
 
Li Xiao Chun/ Leon = Hong Kong , da er ja einerseits Chinese ist, aber andererseits von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1995 bei England wohnte.
Stephan = Island
Yao = China
Mei Mei = Taiwan
Im Yong Soo = Korea...

Auf Russia-chans Wunsch hin geschrieben, also ist es auch ihr gewidmet:)
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Vorsichtig linste er um die Ecke, bemüht lautlos, zitternd. Adrenalin rauschte durch seine  Adern, erregte ihn, brachte ihn dazu stockend zu atmen. Warum fürchtete er sich, warum versuchte er zu erreichen, dass Island ihn  nicht bemerkte? Hong Kong war nicht sicher, warum er sich so verhielt, er wusste nur, dass er nur Island sehen wollte, aber er traute sich nicht ihn anzusprechen.

Sie waren doch Freunde, es war albern, dass er nicht mutig genug war seinen Freund normal anzusprechen, aber sein Herz schlug ihm bis zum Hald, seine Kahle erschien wie zugeschnürt – es war wie in einem dieser klischeehaften Liebesfilme, wie er fand. Warum dachte er denn an solche blöden Filme? Warum dachte er an Liebe?  Das war albern! Warum, warum, warum, warum?

Leon verstand die Welt nicht mehr, wieso sollte er sich in einen Mann verlieben? Das war unmoralisch, das hatte ihm England doch immer gesagt! Man verliebt sich nur in Frauen oder diese in Männer, aber nicht anders! Sie verlobten sich, heirateten, der Mann arbeitete, die Frau kümmerte sich um Haus und Kinder, beide verübten ihre ehelichen Pflichten! So sollte es sein.

Sollte.... Nein! Nein, er durfte das nicht denken, es ging nicht! Verzweifelt legte er seinen dunklen Schopf in seine Hände, schüttelte wild seinen Kopf, sodass sein ganzer Körper geschüttelt wurde, murmelte vor sich hin als ob ihn großer Schmerz quälen würde. Langsam glitt er an der Backsteinmauer hinunter, hinunter auf den dreckigen Boden, um den er sich nicht mehr scherte, er war so verwirrt!

Die Sommersonne lachte unverschämt und guckte verständnislos auf ihn, fragte warum er sich so einen Kopf machte, am liebsten hätte er geschrien, dass es unmoralisch war, unmoralisch, aber Island hätte ihn noch gehört.  Wimmernd kämpfte er mit sich, wand sich im dichten Netz seiner Gedanken, die ihn einschnürten und einen Käfig aus Worten bildeten, er konnte nicht ausbrechen, diese Möglichkeit blieb ihm verwehrt, da das Gewirr schon zu dicht war.  

“ Li Xiao Chun? Leon? Hong Kong?  Was machst du da?”, fragte ihn eine sehr bekannte Stimme, als ein Schatten ihn vor der Sonne und deren Grinsen beschützte. Bald schon so  träge, dass man die Bewegung schon gar nicht mehr wahrnahm, hob der Chinese den Blick, welcher über von unten nach oben über die ganze Figur wanderte bis er am Gesicht hängen blieb, er realisierte es nach wenigen Augenblicken, dass sein Geliebter... nein, sein Freund ihn bereits entdeckt hatte und sich besorgt zu ihm beugte.  

Wie sehr er sich doch nun freute das altbekannte Gesicht freute! Wie sehr er sich doch freute ihn zu sehen! Sein Herz machte einen Sprung, blühte wie die tao hua im Frühling auf und zeigte sich so wie es war, liebend und liebenswert... Was dachte er da wieder? Wenn er ehrlich war, empfand er wirklich anders für den Aschblonden, der ihm jetzt die Hand anbot, um ihm aufzuhelfen, egal wie sehr er und seine Moralvorstellungen sich dagegen sträubten.  

“Danke”, flüsterte er und ergriff die blasse Hand des jüngeren Isländers, der ihm sofort aufhalf, “mir geht es gut, denke ich.... Nihao, was machst du in England, du bist doch gar keine seiner Kolonien mehr...”, fuhr er weiter fort und sah ihn die kühlen baluen Augen seines  Gegenübers, die ihm so warm erschienen, anzustrahlen schienen.  

Wie schön... schon wieder! Ein Seufzen entfuhr ihm, als er sich durch die buschigen dunkelbraunen Haare fuhr, er verstand sich nicht, aber sein Herz versuchte ihm mit allen Argumenten zu verdeutlichen, wie die Wahrheit seiner Gefühle aussah, wie dieser klare, kristallklare See seiner Seele aussah.  Er war ein Gewässer der Zeit: im Fluß des Lebens wäre ihm irgendwann, sei es durch einen Zufall, eine kleine Geste, ein Blick, ein Wort, eine Person, einen Geistesblitz, selbst erschienen, wie klar seine Emotionen doch waren.

“Dir liegt etwas auf der Seele...”, murmelte Stephan und betrachtete ihn aufmerksam, suchte in seinen kakaofarbenen Augen nach einem Hinweis. “ Nun... lass uns mal etwas in Richtung des Parkes gehen,” - er setzte sich in Bewegung, wobei er die dunkle Hand Hong Kongs in der seinen hielt- “ich bin in England, weil ich dich besuchen wollte. Ich weiß, dass du dich an Arthur gewöhnt hast, ihn nicht mehr ganz so schrecklich findest, aber ich weiß ebenso, dass du China vermisst. Du musst einfach noch mal reden, ohne, dass du fürchten musst, das England dich knebelt”, kicherte er und schaute verschmitzt in die schmalen Augen des Gezogenen, der ihn überrascht blinzelnd anstarrte.

Hatte er das gerade wirklich gehört? Er war nur deshalb nach Hamshire gekommen? Ein Glücksgefühl erfüllte ihn, die Sonne war nicht mehr ganz so grausam und unverschämt wie er fand, aber diese schwazen Schmetterlinge, die in seinem Geist herumschwirrten waren noch nicht vertrieben. Wenn England herausfinden würde, wie er für Island empfand... Er schüttelte sich, sodass seine Haare folgen, sodass all diese bösen Dinge aus seinem Kopf geschleudert wurden. Es fühlte sich gut an seine Hand zu halten. Selig lächelte er.

“Warum denkst du nur so viel nach?”, fragte Stephan lachend, woraufhin er errötete.  Er hatte ihn schon wieder erwischt... Was hätte er auch dagegen tun können? Er kannte ihn zu gut. So war es schon immer gewesen, egal wann, sie kannten sich schließlich schon seitdem sie ziemlich klein gewesen waren. “Wie lange hast du denn Zeit? Musst du nicht arbeiten? Und was sagt dein Chef überhaupt zu deinem plötzlichen Entschluss in Londons Vororte zu reisen, um die Personifikation einer chinesischen Stadt zu sehen?” Es interessierte ihn wirklich, sein Vorgesetzter hätte ihn für  verrückt erklärt, wenn er nur in Erwägung gezogen hätte so etwas zu tun...

Mittlerweile waren sie im Schutz der Bäume angekommen, einen Blick dorthin zu werfen war nicht einfach, man musste sich den Hals verrenken, um sie überhaupt sehen zu können, auch der Schatten hieß sie freudig willkommen.

Für England war es ungewöhnlicherweise heiß, viele männliche Engländer liefen mit entblößtem Oberkörper durch die Straßen, lachten und tranken Bier, die Mädchen liefen in knappen, notdürftig deckenden Kleidungsstücken durch die Gegend, was beide jungen Männer verschämt wegblicken ließ, wohingegen andere pfiffen. Waren sie wirklich normal?

Schnell  verscheuchte er den Gedanken, bließ ihn fort, sodass er wie eine schwarze Feder vom Wind getrieben durch die Luft schwamm und ihn die Ferne trieb, außerhalb seiner ganzen Reichweite. Leon lachte. “Nun, ich arbeite natürlich, ich hatte ihm erklärt, dass ich etwas mit England klären muss, aber ich habe ehrllich gesagt nicht so viel Lust mich mit ihm herumzuschlagen..., aber es muss sein, weil ich sonst Ärger bekomme”, erklärte Stephan verlegen und kratze sich am Hinterkopf, er sah süß aus....

So wie sein Herz raste, blieb nur eine einzige Interpretation, die so offensichtlich war... wie in diesen Klischee-Geschichten, die er schon hin und wieder gerne las.... “Ich verstehe... Nun, dann lass uns besser reden, bevor ich dich nie  wieder sehe...”, er pausierte und prüfte  zögerlich die Blicke des Isländers, es lag etwas besonderes in seinem Blick, etwas, von dem er wusste, was es war, aber es nicht definieren konnte. Es fiel ihm schwer.

“Du hast recht. Ich vermisse China. Ich vermisse China, ich vermisse Yao, ich vermisse Im Yong Soo, Mei Mei, Kiku,ich vermisse die Wärme, Chinesisch, ich vermisse alles, ich vermisse... dich. Von allen Kolonien, die einmal Arthur gehört hatten, vermisse ich dich am allermeisten. Ich kann es nicht definieren oder erklären, es ist eine Gewissheit, die ich habe, ich weiß, dass du besonders für mich bist.” Eine Träne kullerte über seine Wange, schmerzerfüllt, verzweifelt versuchte sie ihn zu liebkosen, zu trösten, aber sie wurde weggewischt.

“Ich bleibe bei dir”, flüsterte Stephan rau und legte einen Arm um seine Schultern. Es tat besser als alles andere auf dieser ganzen Welt. Nie, nie hätte Hong Kong gedacht, dass so etwas passieren würde, dass so etwas nur in naiven Fantasien von Kindern geschehen würde, aber  es geschah auch gerade.  In der Realität. Stundenlang saßen sie so da, redeten, redeten und schwiegen, vielleicht erschien ihm diese Zeit wie nur wie Stunden, aber er war sich sicher, dass er sich nicht täuschte.

Am Ende dieser Begegnung war jedoch nichts passiert, kein Kuss, keine anderen Ausrutscher, aber eines war ihm klar geworden:

Er hatte die Gewissheit, dass er Stephan liebte.


Noch lange sah er hinter ihm her, auch als er bereits verschwunden war.


Es fühlte sich gut an.



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Wünsche werden immer noch angenommen;)
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