Ein letztes Mal

KurzgeschichteDrama, Romanze / P12
24.04.2012
24.04.2012
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Ein letztes Mal. Eine Gedanke in meinem Gedankenwirrwar.... Eine Geschichte, die mich selbst traurig macht.





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„Ich muss gehen.“

„Ich weiß.“

„Ich werde nicht zurückkehren.“



„Ich weiß.“



Sie sah in seine Augen und erblickte die Tränen auf seinem Gesicht. Die Tränen, die auch ihre Haut benetzten.
Nein, er würde nicht zurückkehren. Sie wusste es, genauso wie er es wusste. Er würde in die Schlacht ziehen von der sie alle wussten, dass sie aussichtslos war.
400 gegen 10.000. Es waren alte Männer und Kinder zusammen mit den wenigen Soldaten die sie hatten und alleine dies war eine Tragödie.
Es war eine Schlacht, bei der es nicht darum ging zu gewinnen… Tief vergraben in ihren Herzen wussten sie alle das.
Es war eine Schlacht der Ehre und sie konnte nicht verhindern, dass er gehen würde. Er würde seine Männer anführen. An der Front würde er kämpfen und… fallen.
Sie konnte nicht so tun als hätte sie Hoffnung. Schließlich gab es auch keine für sie selbst.
Er und seine Männer würden fallen und wenn sie fielen würden die Mauern unter der Kraft von 10.000 Gegnern brechen und sie alle wären zum Tode verdammt.
Auch sie.
Sie würde tun was sie versprochen hatte. Sie würde fliehen.
Durch eine geheime Passage würde sie mit ein paar Vertrauten die Festung verlassen und reiten soweit sie ihre Pferde trugen.
Aber letztendlich würde auch das nutzlos gewesen sein und sie würde ihn wieder sehen. Am Ende würde sie zusammen sein.
Am Ende.
Und jetzt.
„Bleib. Bitte. Es bleiben ein paar Stunden bis zum Sonnenuntergang. Sie werden nicht vor Mitternacht hier sein…“
Sie sah ihm an, dass er schon nachgegeben hatte. Sah, dass es schon die ganze Zeit über klar gewesen war, dass er bleiben würde.
Und so streifte er sich das Hemd von den Schultern und umschloss ihr Gesicht mit seinen Händen.
„Ein letztes Mal…“
Ihre Lippen trafen sich und seine schmeckten, wie ihre eigenen, nach Tränen.

Sie küssten sich. Sie liebten sich. Sie weinten. Und dann liebte sie sich erneut.

Und wieder und wieder sagten sie dieselben Worte. Immer wieder, als könnten sie dadurch alles ändern.
„Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch. Vergiss es nicht! Bis zum Ende.“
Als könnten sie die Welt zum Stillstand bringen und für immer in diesem Moment verweilen.
Als würde es helfen.

Sie klammerten sich aneinander und obwohl sie wusste, dass er doch gehen würde stellte sie sich vor, dass er es nicht tat.
Dass er hier bei ihr blieb und sie gemeinsam den Tod erwarteten. So wie sie zusammen ihr Leben hätten leben dürfen.
Sie hätten wohl geheiratet. Kinder bekommen. Was hätten sie nicht alles tun können.
Und nun waren sie hier. Sie war er 18 und er 21. Wer hätte gedacht, dass alles enden würde bevor es begann?

Sie würde ihm nicht erzählen, was in ihr heranwuchs. Es gab genug, um das er trauerte.
Diese Last würde sie alleine tragen und wenn sie überlebte. Falls sie überlebte. Dann würde ihr Kind wissen, was sein Vater getan hatte.
Es würde erfahren, dass er bis zum Ende gekämpft hatte. Für sie. Unwissentlich: Für sie beide.




Erst als der Mond sein schwaches Licht in den Raum warf holte die Zeit sie ein.

„Es wird Zeit.“
Das Kettenhemd und die restliche Rüstung die er angelegt hatte zeigte ihr erneut  wohin er gehen würde.
Was er tun würde.
Nein… Nein. Nein!
Sie klammerte sich an ihm fest und ließ ihren Tränen erneut freien Lauf.
„Liebes…“
„Versprich mir… Du musst zurückkehren! Versprich, dass du zurückkehrst!“
Sanft strich er über ihr Haar und sah sie aus traurigen Augen an als er sich erneut neben ihr Lager kniete.

„Ich versprechen es. Ich werde alles dafür tun zu dir zurückzukehren!“
Und als er sie ein letztes Mal an sich zog und küsste bevor sie schließlich verließ wussten beide, dass er dieses Versprechen brechen würde…




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