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Spidermans Erbe 2 - Das Dunkle Geheimnis

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
24.04.2012
21.01.2013
9
12.342
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24.04.2012 1.751
 
„Das ist doch nicht zu fassen!“
Mike schritt in Grace’ Zimmer auf und ab und gestikulierte wild mit den Händen. Das blonde Haar des schlaksigen Jungen hüpfte hin und her, als er sich immer wieder umdrehte, um in die entgegengesetzte Richtung zu laufen, nur um an einem bestimmten Punkt wieder umzudrehen und wieder in die andere Richtung zu laufen.
„Du machst mich verrückt mit dieser Rennerei“, murmelte Grace, doch Mike schien sie gar nicht wahrzunehmen. Er brabbelte eine Weile Unverständliches vor sich hin, bevor er sich vor Grace stellte und sie kurz so ansah, als hätte er ihre Anwesenheit erst eben bemerkt. Dann aber trat wieder der nachdenkliche Ausdruck auf sein Gesicht.
„Wieso gibt es zwei Spidermans? Es ist einerseits unfassbar, dass wir nun von zwei Superhelden beschützt werden. Was aber noch verrückter ist … es ist zweimal derselbe Superheld!“
Grace seufzte und spürte Gewissensbisse in sich aufkommen. Sie wusste genau, warum es zwei Spidermans gab und wer die beiden waren, das wusste sie auch. Und trotzdem musste sie es Mike vorenthalten und die Ahnungslose spielen, denn das hätte sonst gefährliche Konsequenzen für ihn. Das konnte sie ihm unmöglich antun.
Seit Grace Spiderman, ihrem Vater Peter Parker, bei seinen Einsätzen zur Seite stand, hatte sie ein wohl behütetes Geheimnis, das sie jedem vorenthalten musste, denn es diente der eigenen Sicherheit der Menschen um sie herum. Außer ihrer Familie wusste niemand von ihrer und Peters geheimen Identität, und das war gut so.
„Kannst du dir das erklären?“
Grace seufzte und legte ihren Kopf auf ihrem Arm ab, der auf die Kante ihres Schreibtisches gestützt war.
„Wie oft haben wir das schon durchgekaut, Mike? Du musst doch einsehen, dass wir auf keinen grünen Zweig kommen.“
„Wir müssen aber! So leicht gebe ich nicht auf. Wir sollten Spiderman und seinen Gehilfen verfolgen, um zu sehen, wo sie wohnen …“
„Bist du verrückt?!“ Kopfschüttelnd sah Grace Mike an. „Die beiden haben eine Höllengeschwindigkeit, wir können sie unmöglich verfolgen. Und außerdem finde ich, dass auch die beiden Spidermans eine … eine Privatsphäre haben.“
Entgeistert starrte Mike seine beste Freundin an, trat dann aber ans Fenster und sah hinaus auf die leere Straße. Grace erhob sich von ihrem Stuhl und stellte sich neben ihn.
„Du wolltest immer alles über Spiderman herausfinden … alles. Und jetzt, von einem Moment auf den anderen, änderst du deine Meinung einfach mal komplett? Was ist denn nur los, Grace?“
In Grace’ Zimmer hatten die Zeichnungen, Berichte und Fotos von Spiderman stark abgenommen. Sie fand es nun nicht mehr so interessant, alles zu analysieren, denn sie selbst war nun Spiderman – besser, seine Gehilfin. Aber sie konnte sich nicht anders nennen, weil das eine Beleidigung für den Namen ihres Vaters wäre, denn schließlich hatte sie den Superhelden komplett kopiert. Und so musste sie auch den Namen behalten, auch wenn sie kein Mann war.
„Es ist … einfach alles ein wenig anders geworden, Mike. Ich bin aus meiner Spiderman-Phase draußen, glaube ich. Größtenteils zumindest.“
„Ach, es war nur eine Phase? Dann bin ich also auch nur eine Phase?“
„Nein!“, rief Grace empört und boxte Mike böse gegen die Schulter, sodass er zu ihr sah. „Wie kannst du das nur denken?“, fügte sie flüsternd hinzu.
Mikes Lippen verzogen sich zu einem geraden, schmalen Strich, und er drehte den Kopf wieder zur Straße hin.
„Mike“, startete Grace einen zweiten Versöhnungsversuch, „du bist das Wichtigste in meinem Leben, und das wird sich so schnell auch nicht ändern.“
„Das hast du bei Spiderman sicher auch gedacht“, war seine Antwort.
„Bitte, hör endlich auf damit!“
So langsam wurde Grace wütend, und Mike schwieg. Warum wollte er es nicht verstehen?!
Sie erinnerte sich gerade an das erste Date von ihnen, keine zwei Wochen zuvor an dem Abend, als ihr Vater vom Krankenhaus zurückgekommen war. Wie schön war da alles gewesen! Mike
und sie hatten den Abend in einem feinen Restaurant verbracht, viel gelacht und sich so noch näher kennen gelernt. Zusammen waren sie nicht, nein, sie waren kein Paar. Doch Grace spürte, dass sie mehr für Mike empfand als nur Freundschaft. Ob er auch so fühlte, wusste sie nicht, aber alles deutete darauf hin. Momentan wuchs ihr alles aber über den Kopf hinaus, da die Schule noch nie so anstrengend gewesen war – und dazu kam noch ihre Aufgabe als Spiderman Nummer zwei. Dass sie ihr Geheimnis Mike nicht anvertrauen konnte, belastete sie sehr, doch es war das Beste für ihn. Manchmal musste man eben Opfer bringen.
Mike nahm vorsichtig eine von Grace’ roten, lockigen Haarsträhnen und spielte gedankenverloren damit. Seine Berührung löste bei Grace ein Kribbeln aus, das sich rasch in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Es war ihr wohl bekannt, denn das taten Mikes Berührungen immer. Und doch war es wieder so überwältigend, dass sie die Augen schloss.
„Grace?“, begann Mike langsam und leise. Er sah ihr jetzt direkt in die Augen.
„Ja?“
„Hast du … hast du Lust, heute Abend mit mir auf eine Party zu gehen? In der Disco zwei Straßen weiter feiert heute mein Cousin seinen achtzehnten Geburtstag und er hat mich eingeladen.“
Grace war überrascht, sagte jedoch zu. Eine Party! Das klang vielversprechend. Außerdem konnte sie so endlich Abstand nehmen von dem ganzen Superhelden- und Schulstress.

Um kurz vor acht klingelte es an der Haustür.
Grace sprang leichtfüßig die Treppe hinab und winkte ihrer Mutter MJ lässig zum Abschied.
„Wo geht’s denn hin, junge Dame?“, fragte MJ, die gerade am Tisch saß und Papierkram erledigte.
„Auf eine Party. Mit Mike.“ Grace’ Gesichtfarbe nahm einen leichten roten Ton an.
„Na dann, viel Spaß. Bleib aber nicht zu lang weg, ja? Und keinen Alkohol“, fügte ihre Mutter drohend hinzu.
Schnaubend verdrehte Grace die Augen. Ihre Mutter wusste doch, dass sie die Finger von solchem Zeug ließ. Zu oft war sie in der Schule oder auf Feiern Zeugin von diesem schrecklichen Getränk geworden. Oft waren Klassenkameraden von ihr in der Mittagspause mit Alkoholflaschen auf dem Schulgelände aufgetaucht, schwankend und Wirres vor sich hin brabbelnd. Sie hatten alle ihre Strafe erhalten. Zu Recht, wie Grace fand.
Also nickte sie ihrer Mutter nur brav zu und öffnete Mike die Tür.
„Hey“, grüßte dieser, während Grace sich die Schuhe band und in ihre dünne Jacke schlüpfte. Es war ein warmer Abend.
Die beiden Teenager schlenderten in einem gemütlichen Trott zur nahegelegenen Diskothek, wo sie mühelos eingelassen wurden, nachdem der Türwächter Mikes Namen auf einer Gästeliste abgehakt hatte und Grace’ Namen dahinter ergänzt hatte.
Drinnen war es ziemlich stickig und ziemlich voll. Mikes Cousin musste ziemlich viele Leute eingeladen haben, denn für besondere Anlässe wurde die Disco auch vermietet. Dann durften dort nur eingeladene Leute hinein.
„Hey, Mike!“, rief ein schwarzhaariger junger Mann und kam auf die beiden zu.
„Hi, Justin!“ Mike klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Alles Gute!“
„Danke!“ Justins Blick blieb auf Grace hängen. „Und wer ist das?“, fragte er grinsend. „Deine Freundin?“
Mike lief leicht rot an, schüttelte aber den Kopf. „Nein, wir sind nur Freunde.“
„Oh, achso. Okay, dann bis später.“ Grinsend drehte Justin sich um und begrüßte schon die nächsten Ankömmlinge.
Grace und Mike suchten sich einen Platz an der Bar. Grace bestellte dort ein Glas Wasser.
„Kein Alkohol?“, fragte Mike und seine Augenbrauen zuckten verwundert.
„Nein, ich lasse die Finger von so etwas. Macht nur Ärger. Beziehungen gehen deswegen in die Brüche.“
Scheinbar hatte Mike den Wink verstanden, denn als der Barkeeper ihn nach seiner Bestellung fragte, räusperte er sich kurz und sagte dann: „Ähm, für mich nur ein Glas Wasser.“
Innerlich musste Grace grinsen. Mike verzichtete für sie auf Alkohol. Er musste sie wirklich
mögen.
„Lust zu tanzen?“, fragte Mike nach einer Weile. Grace kicherte und antwortete mit Ja. Als Mike ihr die Hand hinstreckte, ergriff sie diese erst zögerlich. Doch als er sie danach mit einem wunderschönen Lächeln anlächelte, ließ Grace ihre Hemmungen fallen und drückte seine Hand ganz kurz. Dann begaben sich die beiden auf die Tanzfläche.
Dort wurde gerade ein Partyhit gespielt, der ziemlich aktuell war. Grace mochte diesen Song, obwohl sie nicht auf die Musik von heute stand.

So come on, spin me around!
I don't wanna go home!
Cause when you hold me like this
You know my heart skips, skips a beat!


Mike riss sie plötzlich in seine Arme und wirbelte mit ihr in einem zackigen Tempo über die Tanzfläche, auf der sich Lichtkegel aller Farben schnell drehten.
„Mike!“, kreischte Grace überrascht, aber da drehte sich auch schon alles um sie herum. Mike und sie begannen plötzlich zu lachen, und dann fand auch Grace in den Rhythmus des Liedes und wirbelte mit Mike noch schneller als zuvor herum. Es war ein Wunder, dass sie mit niemandem zusammenstießen.
Grace hatte sich zu Hause einen Rock und eine dünne Hose darunter angezogen, doch in ihnen konnte sie sich trotzdem gut bewegen, wie sie feststellte. Und unter ihrer längeren Weste und ebendiesem Rock samt der Hose trug sie ihren Superheldenanzug.
Nachdem ihr Vater Grace als zweiten Spiderman akzeptiert hatte, hatte er ihr erklärt, dass er den Anzug immer unter seinen Kleidern trug. Die Handschuhe, die Stiefel und die Maske verwahrte er sicher in einer Innentasche seiner Kameratasche. Grace bewahrte die Maske, die Handschuhe und die Stiefel in ihrer Handtasche auf, die sie auf dem Bartisch zurückgelassen hatte.
Diese Art sich zu kleiden diente nur dem schnellen Eingreifen, denn manchmal kamen die Situationen, in denen Superhelden gebraucht wurden, schneller, als einem lieber war.
Als Nächstes wurde ein etwas langsameres Lied gespielt. Mike und Grace wurden ebenfalls langsamer, bis sie sich schließlich vollkommen außer Atem wieder an der Bar niederließen.
„Na … das war doch … echt super!“, keuchte Mike fröhlich und trank sein Glas Wasser in einem Zug leer.
Auch Grace lächelte keuchend und nahm einen großen Schluck aus ihrem Glas.
„Du kannst gut tanzen“, meinte sie nach einer kurzen Verschnaufpause.
„Danke. Du bist aber auch ziemlich gut.“
Als Mike ihre Hand berührte, kribbelte Grace’ ganzer Körper erneut. Sie lächelte und drehte den Kopf verlegen weg.
Und dann geschah alles gleichzeitig.
Die Türen der Diskothek wurden aufgerissen und ein eisiger Wind wehte herein, trotz der lauwarmen Nacht. Ein riesiger, dunkel gekleideter Mann mit einem Umhang stand dort, die beiden Wächter in seinen übergroßen Händen am Kragen haltend.
Grace’ Spinnensinne waren sofort geweckt. Bevor sie es sich versah, war sie um die nächste Ecke zur Toilette gerannt und riss sich die Klamotten vom Leib. Innerhalb von wenigen Sekunden war sie in Stiefel, Handschuhe und Maske geschlüpft und hatte die Klamotten in ihrer Tasche gestopft, die sie in der abgeschlossenen Kabine zurückließ.
Dann stürmte sie zurück in den großen Raum mit der Tanzfläche, in dem alle durcheinander schrien.
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