Meine virtuelle 4. Staffel

von Nicolle25
GeschichteKrimi / P16
Eva Mayerhofer Jan Brenner Klaus Frings Kriminaldirektor Ritter Leonie Bongartz
24.04.2012
07.07.2012
8
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Köln erwachte langsam aus der Nacht, als ein einsames und altes Boot den Rhein runter fuhr.
„Und wieso brauchtest du so lange für deinen Kaffee? Haste die Bohnen noch pflücken müssen oder was!“ Rief Rob zu seinem Kumpel.
Es wurde schon langsam hell am Horizont, als sie über den Rhein schipperten. Das machten sie gelegentlich, wenn sie mal wieder illegal angeln gingen. Deswegen fuhren sie immer vor Sonnenaufgang los, um danach wieder zu Hause zu sein. Bis jetzt wurden sie noch nicht gefasst und das sollte auch so bleiben. Sie taten es ja nicht regelmäßig und außerdem war ihr Kutter sehr leise. Sie hatten ihn selber aufgebaut, was aber schon viele Jahre zurücklag. Sie waren Freunde aus Kindertagen und diese Freundschaft würde bis zum Tod halten. „Und was ist mit dir? Ich habe bestimmt ne halbe Stunde auf dich warten müssen, bist du endlich vorbeikamst.“ Schrie Sam zurück.
Beide trugen dunkle, herunter gekommene Kleidung, die schon so einige Abenteuer der beiden überlebt hatten.
„Das stimmt gar nicht.“ Wendete sich Rob wieder nach hinten zu seinem Freund. „Ich bin nur 5 Minuten später gekommen, höchstens.“ An das rasieren, dachte er heute früh nicht, denn in seinem Gesicht machte sich ein ungepflegter Rasen von Bartstoppeln breit. Hie und da erkannte man auch schon einzelne graue Haare.
„Das glaubst du wohl selber nicht, man!“ Meinte nun Sam dazu. Sein Gesicht sah wettergegerbt aus, von zuviel Arbeit unter freiem Himmel.
Es war nicht wirklich ein Streit, zwischen den beiden. Sie liebten nur solche Gespräche. Ihre Frauen schüttelten nur den Kopf, wenn sie die beiden beobachteten und Ausstehende würden denken, sie gingen sich gleich an die Gurgel. Aber das war in all den Jahren noch nie vorgekommen. Es war kühl um diese Zeit, also zog Rob den Reißverschluss seiner wasserdichten Jacke bis ganz hoch. Er hasste die Zeit, die bald kommen mochte. Graues, verregnetes und vorallem kaltes Wetter. Schließlich ging es langsam auf den Herbst zu.
Sie stritten sich weiter über alles, was ihnen einfiel, als Sam etwas im Wasser schwimmen sah. Es war rot und glänzte. Wieder sah er ein Stück von etwas undefinierbaren vorbei schwimmen. Sam trat näher an die Reling und schaute genauer hin. „Und ob das so war, schließlich habe ich auf meine Uhr geschaut.“ Und um das zu untermalen zog er den Ärmel seiner Jacke hoch und schaute auf seine Armbanduhr. Seine Stirn legte sich in Falten, dann legte er sein Ohr auf das Metall drauf und schüttelte sie dann anschließend. „Hmm, muss wohl kaputt sein.“ Meinte er zu sich selbst und tippte noch mehrmals auf das Glas.
„Verdammt.“ Rief Sam plötzlich.
Rob sah auf und blickte zu Sam hinüber, der sich gewaltig tief über die Reling gelehnt hatte. „Was ist los?“
Wollte Rob wissen und lief ebenfalls zur Reling herüber. Er traute seinen Augen kaum. Auf dem Rhein schwammen Schrottteile herum.
„Was ist das?“ Schrie Rob zu seinem Kumpel rüber. Dieser zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung.“
Nun kam eine größere Platte angeschwommen und irgendetwas lag darauf. Rob und Sam sahen sich wieder an. Als das Teil näher kam kniff Rob seine Augen zusammen, um besser sehen zu können. „Was liegt da drauf?“
Sam's Augen weiteten sich, er besaß bessere Augen als sein Kumpel und machte einen Menschen auf der Platte aus. Und es war auch keine einfache, rote Platte, sondern es sah eher nach einer Kühlerhaube aus.
In der nächsten Sekunde erinnerte er sich an die Radionachrichten von gestern Abend, als sie davon erzählten, dass ein roter BMW mit zwei Insassen in den Rhein gestürzt war. Sam wußte nicht so genau, was er tun sollte.
„Es ist ein Mann.“ Schrie Sam zu Rob herüber.
„Was?“
„Na, weißt du noch, gestern? Es kam doch in den Nachrichten.“
Daran erinnerte sich Rob.
„Was machen wir jetzt?“
Sam zuckte mit den Schultern.
Rob erinnerte sich, als seine Frau die Abendnachrichten anschaute und betrübt da saß. Es war ein kleiner Sprung zum Steuer und er fuhr zu dieser Platte hin. Vielleicht war der Mann noch am Leben? Es war eine Sache unerlaubt zu fischen, aber eine andere einen Menschen sterben zu lassen.
„Hol ihn mit dem Haken rein.“ Schrie er zu seinem Kumpel. Dieser nickte und holte den langen Stab mit dem Haken unten dran. Als sie dann nahe genug heran gesteuert waren, versuchte Sam den Mann zu erwischen und an Board zu ziehen. Mehrmals verfehlte er ihn und fluchte leise vor sich hin.
Als der Mann dann drohte unter zugehen, erwischte er ihn und zog heftig daran. „Hilf mir.“ Schrie er zu Rob hinüber. Dieser schaltete den Motor aus und lief hinüber zu seinem Freund. Mit vereinten Kräften zogen sie den Mann an Board und verloren fast das Gleichgewicht dabei. Nun lag ein nasser und großer Mann vor ihnen auf dem Bauch. Dieser trug eine blaue Jeanshose und eine dunkle Lederjacke. Keine Bewegung war zu vernehmen. Die Haare klebten in seinem Gesicht, somit konnten sie auch nicht die Person identifizieren.
Sam und Rob sahen sich an. Da faste sich Robs Freund ein Herz und ging mit seiner Hake zu dem leblosen Körper hinüber und tippte ihn damit an. Nichts geschah. Wieder tippte er ihn an und auch diesmal kam keine Reaktion. Er schnaubte. Was ist, wenn sie jetzt hier eine Leiche an Board geholt hatten, was würde mit ihnen geschehen? Angeln auf dem Rhein schien nun eins ihrer kleineren Probleme zu sein.
Rob schnaubte ebenfalls und ging an Sam vorbei. „Das kann man doch gar nicht mit ansehen.“ Und mit einem kräftigen Ruck, drehte er den Mann auf den Rücken.
Sofort stieß ihnen das Halfter auf der linken Seite in die Augen. Offensichtlich musste es der vermisste Polizist sein, der noch gesucht wurde. Seine Hände sahen rot aus und die Nägel färbten sich schon langsam bläulich. Rob kniete sich neben den reglosen Körper und fühlte den Puls an der Halsschlagader. Der Körper war eiskalt.
„Er blutet.“ Meinte Sam und zeigte auf eine große Wunde im Unterbauch.
„Und er lebt.“
„Und was machen wir jetzt?“
Rob stand wieder auf und sah über den Rhein. „Wenn wir ihn sterben lassen, sind wir schuldig am Tot eines Polizisten.“ Meinte dieser zu seinem Freund gerichtet.
Sam nickte und trat an die Steuerung. „Dann wollen wir mal keine Zeit verlieren.“ Er wendete den Kutter und steuerte auf das Festland zu. Während der Fahrt nahm er sein Handy und rief den Notruf. Rob indessen holte eine Decke, um den sichtlich an Unterkühlung leidenden Mann zu wärmen.




Dr. Ritter, Frings und Eva liefen aufgebracht im Wartebereich des Krankenhauses hin und her. Vor gut einer halben Stunde wurde Dr. Ritter angerufen, dass man seinen Kommissar aus dem Rhein gezogen hatte. Nun standen sie hier alle herum und warteten auf Neuigkeiten.
Da flog plötzlich die Tür auf und eine aufgeregte Leo Bongartz rannte in den Wartebereich zu ihren Kollegen hinüber. „Wo ist er?“ Fragte sie völlig außer Atem. Die Kommissarin war krank geschrieben und weilte somit zu Hause, als ihr nächst höherer Chef anrief. Eigentlich wollte dieser ihr nur mitteilen, dass Brenner gefunden wurde und er sie auf den Laufenden hielt. Aber da rannte Dr. Ritter gegen eine Mauer. Sie hatte all die Jahre nicht nur an Brenners Seite überlebt, weil sie nett und freundlich war. Sondern vor allem, weil sie so stur sein konnte wie er.
Leo rief sich ein Taxi, welches sie auf den schnellsten Weg zum Krankenhaus fahren sollte. Als der Taxifahrer sich weigerte, Verkehrsregeln zu brechen, zeigte Leo ihm ihren Dienstausweis und bot ihm 40 Euro extra an, wenn er es in 15 Minuten schaffen sollte. Dieser überlegte nicht lange und trat aufs Gaspedal. In seiner Branche konnte er Extra Geld gut gebrauchen.
Die ganze Zeit unterwegs betete sie zu Gott, dass Brenner noch lebte. Eigentlich war Leo keine Gläubige, aber so war es ja immer mit den Menschen. Wenn etwas schreckliches passiert war, dann beteten sie zu Gott. Die Taxifahrt war schier unendlich und sie glaubte schon ewig unterwegs zu sein, als das Auto mit einem harten Stopp anhielt. Sie waren da. Der Taxifahrer strahlte stolz und drehte sich zu ihr herum. "13 Minuten und 26 Sekunden." Meinte er grinsend.
Leo nahm das gar nicht mehr wahr, sie stieg aus, gab ihm Geld in die Hand und rannte so schnell sie mit ihrem verletzten Arm konnte in das Krankenhaus hinein.

Die Suchmannschaft hatte gestern noch Stundenlang vergebens nach ihrem Partner gesucht. Sie fanden nur das Autofrack, aber im Inneren war keine Spur von dem Kommissar zu entdecken. Die Suche wurde dann in der Nacht eingestellt. Um am nächsten Morgen wieder aufgenommen zu werden

Eva kam auf sie zu und legte ihr mitfühlend eine Hand auf die Schulter. "Sie untersuchen ihn noch." Das war alles, was man ihnen gesagt hatte. Keine Einzelheiten, wie es um ihn stand oder wann sie ihn sehen konnten, gar nichts. Leo schaute sich um und stemmte ihren rechten Arm in die Seite. Ihre Lunge verlangte nach Sauerstoff, dass es schon weh tat. Ihr linker Arm schmerzte aber dieses Signal schaltete sie aus. Sie war Polizistin und das war nicht ihre erste Schusswunde. Was sollte sie jetzt hier tun, warten? Das war nicht ihre Art. Sie erkannte eine Tür auf welche in großen Buchstaben „OP Eingang“ stand. Ohne auch nur ein Wort zu sagen, wusste sie, was sie zu tun hatte. Ihre Kollegen konnten gar nicht so schnell reagieren, wie Leo hinter dieser Tür verschwand.
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