Avatar - Die neue Gefahr

von MelAnnie
GeschichteFantasy, Suspense / P16
21.04.2012
17.04.2017
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Jake öffnete die Augen. Im ersten Moment wusste er nicht, wo er war, was überhaupt geschehen war. Sekunden später fiel es ihm wieder ein. Er setzte sich auf und sah nach oben. Ja, da war der Baum, Eywa, unter dem er lag - und er konnte neben sich seinen menschlichen Körper sehen; seinen toten menschlichen Körper…

Er hatte es tatsächlich geschafft. Er war wieder geboren worden. Und er fühlte sich.. Ja, wie eigentlich? Er konnte seine Gefühle im ersten Moment nicht beschreiben. Langsam sah er sich um. Die Na´vi standen und knieten um ihn herum - und dann spürte er eine Umarmung. Er wusste sofort, um wen es sich handelte: Neytiri. Jake erwiderte sie. Jetzt durchflutete ein Glücksgefühl seinen Körper. Sein Geist war tatsächlich in den Avatar gefahren. Jetzt war er ein Mitglied der Gemeinschaft. Nicht nur ein gelegentlicher “Gast”, dessen Reise endete, wenn er aus dem “Traum” erwachte oder jemand ihn gewaltsam heraus riss…

Langsam stand Jake auf. Er lächelte und Neytiri lächelte zurück. In ihren Augen stand Liebe. Er zog sie an sich und küsste sie. Er war so voller Glück; er wollte schier zerbersten. Dann spürte er Hände auf seinen Schultern. Etwas widerwillig zog er sich von Neytiri fort und drehte sich um. Hinter ihm stand Tsu´tey. Der Krieger lächelte ebenfalls. “Herzlich Willkommen, Jake-Sully” sagte er. Jake nickte, er war kaum in der Lage, seine Gefühle in Worte zu fassen. Dann kamen alle anderen Mitglieder des Stammes, die sich um ihn herum versammelt hatten, und begrüßten ihn als einen der ihren.

Dann war das Ritual, das wohl jedes Mal praktiziert wurde, wenn Eywa eine Wiedergeburt ermöglicht hatte, vorüber. Für einen kurzen Augenblick wurde er traurig, als er an Grace dachte, die es nicht geschafft hatte. Weshalb Eywa ihm die Chance gewährt hatte und ihr nicht, war ihm nicht bewusst, aber es war auch müßig, darüber nachzudenken. Es war eben so. Schließlich lösten sich die Na´vi von ihm und sie gingen zurück zu ihrem Lager. Jake wusste, dass noch viel vor ihnen lag, jetzt, wo er einer der ihren war. Sie mussten das von den Menschen zerstörte Dorf wieder aufbauen - Jake registrierte, dass er bereits jetzt an “die Menschen” dachte, und dabei eine fremde Spezies vor Augen hatte, obwohl er vor noch nicht allzu langer Zeit selbst noch dazu gehört hatte. Es würde Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern, doch sie würden es schaffen, davon war er überzeugt.

Doch bevor sie anfingen, hatte er etwas anderes vor. Er und Neytiri sahen sich an und beide wussten, dass sie an das selbe dachten. Sie nahmen sich an die Hand und kehrten den anderen Mitgliedern ihres Stammes den Rücken. Was sie nun tun wollten, brauchte keine Zeugen…

Es war eine wunderschöne Nacht, die beide unter einem sternenklaren, dunkelblauen Nachthimmel verbrachten. Für Jake war es die romantischste Nacht, die er jemals erlebt hatte. Er und Neytiri waren füreinander geschaffen; sie gehörten zusammen, das wusste er jetzt. Im Grunde hatte er es immer gewusst..

Dann war auch die Nacht vorbei, der Morgen dämmerte und so schwer es ihnen auch fiel, aber Jake und Neytiri mussten sich voneinander lösen und zu den anderen und ihrem Dorf zurück kehren. Sie hatten viel Arbeit vor sich, und heute würden sie damit beginnen, die ersten Spatenstiche zu errichten; dort, wo die Menschen alles zerstört hatten. Sie wollten ihre Heimat wieder aufbauen, und als erstes brauchten sie Werkzeug, um damit anfangen zu können…


Es waren harte Tage die folgten, sie waren beinahe Tag und Nacht damit beschäftigt; dort, wo einmal der Lebensbaum gestanden hatte, war ein riesiger Krater entstanden und keiner von ihnen wusste, wie sie es wieder hinbekommen sollten. Auch die dort ansässigen Tiere hatten ihre Heimat verloren und mussten sich eine neue Bleibe suchen. Doch sie begannen als erstes damit, neue Saat zu streuen; die Erde war fruchtbar, was sie mit Freuden und Erleichterung registrierten. Und auch, wenn sie wussten, dass es noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, dauern würde, und vermutlich auch nie wieder so aussehen würde wie zuvor, so gaben sie dennoch die Hoffnung nicht auf, zumindest einen Teil davon wieder aufblühen zu lassen.