Ich brauche dich

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
20.04.2012
20.04.2012
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Ich wollte heute ans Meer. Unbewusst. Es fiel mir erst vorhin ein. Als wir darüber sprachen. Wie gut es mir getan hätte. Viel besser, als sich mit den anderen zu treffen. Es hätte mein Herz nicht nur provisorisch mit einem Pflaster versehen. Nein, das Meer hätte es in sich eingehüllt. Es fest umschlossen und jede Erschütterung für die nächsten Wochen abgehalten. Einzig das Bild, welches es in meine Seele gebannt hätte, wäre heilend für mich gewesen. Aber das geht nicht. Und je mehr ich mich danach sehne, desto schmerzhafter wird es.
Ich hätte dich gebraucht. Ich brauche dich noch immer. Ich hatte gehofft, du würdest es hören. Aus meiner Stimme heraus. Ich hatte es gehofft. Ich habe geschrien, lautlos. Ich habe geweint, trocken. Ich habe getobt, bewegungslos. Du hast es nicht bemerkt. Wie solltest du auch? Es ist so dumm, von mir anzunehmen, dass du all dies bemerken würdest. Immerhin ist es ja meine Absicht, dass es niemand bemerkt. Ich will ja gar nicht, dass man hinter meine Mauer schaut.
Oder?
Manchmal... da wünsche ich es mir schon. Das jemand leise und vorsichtig um diese gigantische Mauer schaut und mich dahinter wimmernd und wiegend findet. Mich nimmt und einfach nur festhält. Mir zeigt, dass diese Welt nicht so grausam ist, wie ich manchmal denke.

Geht es uns nicht allen so? Haben wir nicht alle den Wunsch, dass man verstanden wird, ohne etwas sagen zu müssen? Aber haben wir nicht auch alle Angst davor?
Man möchte gefunden werden und hat doch Angst davor.
Wenn du mir in die Augen geschaut hättest, was hättest du da gesehen? Trauer? Wut? Selbsthass? Verzweiflung? Hilferufe? Wahrscheinlich. Aber hätte es dir auch etwas bedeutet? Oder wärst du zurückgewichen? Hättest mich stehen lassen? Hättest dich wieder auf die andere Seite der Mauer verzogen und zugesehen, wie sie noch dicker und noch höher und noch breiter wird? Hättest du?

Ich brauche dich...