Der Test der Zeit Band VII "Chroniken der goldenen Kabale"

von Nakago
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
17.04.2012
10.07.2012
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Der Test der Zeit
Teil VII
Chroniken der goldenen Kabale

Prolog

28. Tarsak 735TZ Das Jahr des Propheten Kinds Mondtal

„Sprung!“ Mili quietscht laut auf, als wir in einem Augenblick eine Strecke zurücklegen, für die ich einst mit dem nichtsnutzigen Jondan fast ein halbes Jahr gebraucht habe. Sanfte Hügel mit kurzem Gras umgeben uns, vor uns liegt ein kleines Würfelförmiges Anwesen aus Bruchstein, mein Geburtshaus. Es ist immer noch von einer Dornenhecke umgeben, die Tore stehen offen, Rauch kommt aus dem Kamin, ist ja bald Essenszeit und meine Mutter kocht bestimmt das Mittagessen.

„Das ist ein Bauernhof?“ fragt mein Töchterchen etwas verzagt, da der hier so anders aussieht, als die, welche um Chondathan liegen.
„Das ist ein Wehrbauernhof. Diese Gegend ist noch recht wild, nicht so zivilisiert wie die Umgebung von Chondathan. Deswegen sind die Fenster erst im ersten Stock und nach außen nur wenig mehr als Schießscharten. Es ist ziemlich Dunkel in so einem Haus. Aber trotzdem kann es sehr gemütlich sein“ Ich spüre die tastende Hand von Milindra und halte sie fest. Mein Herzschlag hämmert bis zum Hals, meine Kehle ist trocken und meine Hände schweißnass. Ich rücke fahrig meinen Rucksack zurück und spreche ein schnelles Gebet an Tymora. Mili fällt mit ein und führt die gleichen Gesten aus, da sie auch silbernes Amulett mit dem Antlitz der Dame trägt. Das war ihr Geburtstagsgeschenk zum Sechsten. Auch trägt sie Lucrezias Amulett, da ich inzwischen das von Bekka trage, weil es einfach besser vor den Widrigkeiten des Abenteuererseins schützt.

„Deine Mama wird sich bestimmt freuen. Dein Papa auch“, versucht Mili mir Mut zu machen und sie ist es, die den ersten Schritt auf das Gehöft zu macht und an meinem Arm zerrt. Ich reiße mich zusammen und schließe auf. Langsam laufen wir Hand in Hand auf das Gehöft zu. Es wirkt so klein, so karg auf mich. Ein großer Hund, den ich nicht kenne, schlägt an und zerrt wie Wild mit gefletschten Zähnen an seiner Kette. Ein Junger Bursche ohne Schuhe und offenem Hemd kommt aus dem Eingangsbereich heraus gelaufen, er trägt eine Mistgabel in der Hand, kommt er doch aus dem Kuhstall. Es dauert einige Herzschläge, bis ich realisiere, dass es sich um meinen jüngsten Bruder Athuder handelt.
„Du bist groß geworden, Athuder.“ Als ich ihn zum letzten mal gesehen hatte, war er noch ein frecher Rotzbengel gewesen.
„Kenn ich sie, werte Dame?“
„Ich bins, Kaira!“
„Kaira? Wir dachten, du wärst tot!“ Er senkt die Mistgabel etwas und schaut mich kritisch an. Von hinten her kommen weitere Leute. Ich erkenne meine jüngste Schwester Elearie, auf dem Arm trägt sie einen Säugling, ein kleiner Junge hängt an ihrem Rockzipfel und schaut mich mit großen Augen und laufender Nase an. Und dann sehe ich meinen Vater heraushumpeln. Er ist Alt geworden, so schrecklich Alt.
„Kaira? Den Göttern sei Dank, du lebst noch!“ Er kommt auf mich zu und umarmt mich. Dann gibt es ein allgemeines großes Hallo.

„Wo ist Mutter?“ Betretenes schweigen antwortet mir.
„Sie ist letztes Jahr gestorben. Schweres Fieber, ging sehr schnell zu Ende mit ihr. Alle ihre Kinder waren da, na ja, bis auf dich halt.“ Ich höre den bitteren Vorwurf in seiner Stimme.
„Das tut mir Leid. Ich war sehr beschäftigt.“ Und das ist noch nicht mal gelogen. Die Welt vor den Tsochhari retten, Westtor befreien, Serenius wiederbeleben. Das hat alles viel Zeit gekostet.
„Und wer ist das kleine Fräulein bei dir?“
„Ich bin Milindra Rea, aber alle sagen nur Mili zu mir, Großvater.“ Sie macht dabei lächelnd einen höflichen Knicks. Das bricht das Eis und wir betreten den Hof. Es wirkt alles so Eng auf mich, so muffig. Ich hatte alles viel größer in Erinnerung. Zuerst muss ich erzählen, wie es mir ergangen ist. Ich schöne einiges, lasse das eine oder andere aus. Berichte aber Ausführlich von den Kämpfen gegen die Kreegoger, gegen die Tsochhari und die Befreiung von Westtor. Aber ich kann deutlich spüren, dass sie mir nicht so richtig glauben wollen. Aber dann komme ich zum eigentlichen Grund meines Besuches.
„Ich möchte euch zu meiner Hochzeit einladen, die bald stattfinden wird. Ich werde einen Glücksboten der Tymora heiraten! Und zwar den amtierenden Hohepriester zu Chondathan!“

17. Kytorn 735TZ Das Jahr des Propheten Kinds Chondathan

Xana kann es nicht lassen und zupft zum hundertsten mal an meinem Hochzeitkleid herum, obwohl es eigentlich perfekt sitzt. Man könnte gerade meinen, es wäre ihre Hochzeit. Da es meine zweite ist, bin ich etwas ruhiger, auch wenn ich natürlich auch ziemlich hibbelig bin. Heute gehe ich ein weiteres mal den Bund der Ehe ein. Diesmal wird es besser sein, ich bin nicht schwanger, ich habe ihn nicht gezwungen, mich zu heiraten. Es fühlt sich einfach richtig an, auch wenn mein Bräutigam etwas älter ist. Es wird klappen! Es muss einfach! Möge mir Tymora in dieser wichtigen Angelegenheit lächeln.

Es klopft an der Tür und Serenius streckt nach einem kräftigen „Herein!“ aus Xanas Mund vorsichtig seinen Kopf herein. „Alles ist bereit! Die Gäste warten schon.“
„Gut, wir kommen!“ Ich stehe auf, nehme meinen Brautstrauß und es kann losgehen. Hieronymus schaut uns groß und meint, „Tante Kaia hübsch!“ So ein süßer kleiner Fratz, nur mit dem R hat er noch so seine Probleme. Draußen wartet schon die weiße Kutsche auf mich, obwohl es nicht weit ist zum neuen großen Tempel der Tymora. „Sprung!“ meint Xana und springt mit ihrer Familie schon mal vor.  Dort angekommen, wartet schon die Horde kleiner Blumenmädchen auf mich. Mili ist eine davon, die anderen sind ihre Cousinen, die wir, sprich Xana und ich gemeinsam mit Teleportation aus dem Mondtal hier her geschafft haben. Mein Vater in einem prachtvollen Gewand wartet schon auf mich, nimmt mich an den Arm und geleitet mich begleitet von herrlicher Musik durch die Reihen der Gäste zum Altar.

Dort wartet mein Bräutigam auf mich. Er trägt eine glänzende Ritterrüstung, mit einem weißen Wappenrock, auf dem das lächelnde Antlitz Tymoras golden prangt. Glücksbote Garn Larund, der amtierende Hohepriester zu Chondathan, so lange wie Ryan auf Missionarsreise ins ferne Kara-Tur ist. Sein Trauzeuge, Hauptmann Bregg hat sich ebenfalls in Schale geworfen, macht aber einen etwas verkatetern Eindruck. Der Junggesellenabschied am Tag zuvor war doch wohl etwas wilder. Xana, als meine Trauzeugin, steht ebenfalls in der Nähe des Altars. Serenius, der seinen Sohn auf dem Schoss hat, sitzt in der ersten Reihe der Gäste, direkt neben Dolon und Xanas Mutter. Auf der anderen Seite sitzt meine komplette Familie, also alle meine sechs Brüder mit fünf Frauen und einem guten Dutzend Kinder. Meine beiden verheirateten Schwestern samt Ehemänner und mit ihren fünf Kindern. Ein Teil der Mädchen hat begeistert Blumen auf den Weg geworfen und klettern nun zu ihren Eltern auf die Bänke. Von den Schildstürmern sind auch die restlichen überlebenden Mitglieder und deren Angehörigen. Garns Geschwister und deren Ehepartner mit Kindern sind ebenfalls da. Auch eine größere Ansammlung von Cousinen im Heiratsfähigen Alter. Magister Havard Repp hat sich leider nicht aus der Akademie locken lassen, aber seine Nichte Merelle und ihr Verlobter sind dafür da. Dazu noch einige Angehörige der Schildwacht, unter anderem Sonderermittler Wolfram Thorsten.

Das Hauptschiff des neuen Tymoratempels ist inzwischen fertig gebaut, die Deckenmalerei beendet, nur die Wandmalereien sind noch nicht fertig gestellt. Es ist ein wirklich schmucker Tempel geworden, welcher der lächelnden Dame wirklich Ehre macht. Die alternde Schreinvorsteherin vom Schrein am Thargrams Weg in der Innenstadt nimmt die Trauung vor. Ich bin wirklich froh, dass es nicht Ryan ist, der die Zeremonie vornimmt. Er ist sicherlich ein treuer Kamerad, aber es gab in der Vergangenheit einige Ereignisse, die ein sehr dunkles Licht auf ihn geworfen haben. Niemand ist perfekt, aber ich erwarte von einem Streiter des Guten, dass er nicht mit der ersten daher gelaufenen Sukkubus ins Bett hüpft und danach noch lauthals verkündet, wie Toll so eine Sukkubus vögeln kann. Verdammnis!

Die ältere Priesterin hält eine schöne Rede, die nicht zu lang, und auch nicht zu kurz ist. Man merkt ihr an, dass sie schon viele Paare verheiratet hat. Sie erinnert, dass man gemeinsam immer stärker ist, dass es gute wie schlechte Zeiten gibt, dass Liebe bedeutet, den anderen zu akzeptieren. Schließlich geben Garn und ich unsere Versprechen, tauschen die Ringe und küssen uns unter dem Jubel unserer Familien. Xana und Hauptmann Bregg setzen ihre Unterschrift unter die Heiratsurkunde und der offizielle Teil ist damit erledigt. Glücklich!

Der Rest des Tages ähnelt sehr Xanas Hochzeit, da wir auch die gleiche Wirtschaft genommen haben, weil sie einfach vom Tymoratempel aus gesehen sehr günstig liegt und eine gute Küche bietet. Den Brautstrauß fängt eine von Garns unzähligen noch unverheirateten Cousinen auf, was diese laut aufquietschen lässt.

Kapitel 1
Die Insel des Schreckens

5. Mirtul 737 TZ Das Jahr des Purpurnen Wurms Chondathan

Es ist ein recht trüber Tag, als Ryan und ich den Friedhof außerhalb der Stadt betreten. Der Schicksalswächter ist er seit einigen Tagen wieder in der Stadt. Über seine Reisen in den fernen Osten bleibt er äußerst Wortkarg. Aber schön war es wohl dort nicht, er macht einen ausgezehrten und etwas enttäuschten Eindruck. Zwischen den Zeilen kann ich lesen, dass der Sohn des Himmels ihn wohl nur als Marionette benutzen wollte und er nicht wirklich etwas erreicht hat. Bürgerkrieg herrscht nun dort in diesem so fernen Reich zwischen den Clans, was das auch immer bedeuten mag. Ich bin über seine Ankunft nicht besonders glücklich, da nun mein Ehemann nicht mehr der Tempelvorsteher der Gemeinde ist, wo Garn doch in den letzten Jahren so fleißig war, trotz dem anhaltenden Störfeuer des Waukeen Tempels, der uns das Leben recht schwer gemacht hat. Der Preis von Weihrauch und andere rituellen Materialien hat sich vervielfacht. Den Preisanstieg kann ich aber teilweise umgehen, in dem ich direkt in Arrabar in Chondath einkaufen gehe und so die Zwischenhändler, welche der Waukeenkirche hörig sind, umgehen kann.

Hier erlebten wir unser erstes gemeinsames Abenteuer, sechs lange Jahre ist das nun her. Viel ist geschehen, aus dem kleinen Zimmermädchen von damals ist eine respektable und vermögende Frau geworden, die ein eigenes Anwesen mit einem richtigen Magierturm besitzt. Mili ist jetzt acht Jahre alt und ein aufgewecktes Kind geworden. Ihr Brüderchen Alarion, benannt nach meinem Vater krabbelt inzwischen wie wild durch das Haus und ist sogar schon mal dem Kindermädchen entwischt. "Ganz die Mama", hat Garn dazu gemeint. Auch Xana hat einen zweiten Sohn bekommen, der genau so lebhaft wie der überaus freche Hieronymus zu sein scheint. Aber hier auf dem Tempelgelände des Myrkul scheint sich wenig getan zu haben. Auf einem halb eingesunkenen Grabstein hockt die unheimliche Müllerstochter und dreht ihre Sense hin und her. Sie blickt kurz auf, ignoriert uns dann aber, ich tu es ihr gleich.

Wir werden schon erwartet und in den Haupttempel eingelassen. Vier Tote sind hier aufgebahrt, niemand den ich kenne, wahrscheinlich wird demnächst hier eine Totenfeier abgehalten werden. Ein junger Priester, an seinem Gang erkenne ich das, da sich Myrkulpriester ja prinzipielle mit einer Schädelmaske maskieren, bringt uns zum Hohepriester des Tempels, der als Zeichen seiner Amtswürde einen Stab aus Menschenknochen trägt. Wir werden freundlich begrüßt, schließlich hat er uns ja auch gerufen und der Hohepriester erzählt mit hohl klingender Stimme, dass die Toten, jammern, singen und sprechen. Aha?

„Unheilige Dinge geschehen, Goldene Dolche berauben die Toten, Schattengestalten huschen zwischen den Ebenen. Sie versuchen mit Gold Dinge zu kaufen, die man nicht kaufen kann. Eine finstere Kabale bedroht das Gefüge der Welt, so sprechen die Toten.“ OK, und was soll das bedeuten? Nun ja, Omen muss man eben selber deuten und bekommt sie nicht mit der Auflösung geliefert. Wäre ja auch wohl sonst zu langweilig.

Nun gut, wir bedanken uns für die Ominöse Warnung, mit der wir erst mal recht wenig anfangen können. Aber mich deucht, dass dies ein weiteres Abenteuer für die Wagemutigen bedeutet. Auf dem Rückweg regt Ryan an, die Wagemutigen, die sich noch in der Stadt befinden, zusammen zu rufen und seine Wiederkehr zu feiern. Nun, Lia ist in den Elfenlanden verschwunden und noch nicht wieder zurück gekehrt. Dolon war auch öfters auf Reisen, müsste sich aber wieder in der Stadt befinden. Xana geht voll in ihrer Rolle als Hausfrau auf. Gemeinsam haben wir eine Zeitlang versucht, einen kleinen Service aufzubauen, der eine direkte Teleportationsroute von Chondathan nach Arrabar aufrecht gehalten hat. Allerdings hat sich das nicht wirklich gelohnt, hat aber doch geholfen, unseren Lebensstandart zu verbessern. Mir ist es gelungen, mein Anwesen in Westtor sehr profitabel an den Mann zu bringen und in der Lagerstadt ein großes Grundstück zu erwerben, dass gar nicht weit von Xanas Haus und dem neuen Tempel der Tymora liegt. Viele der Söldnerkompanien sind abgewandert nach Westtor oder in andere Konfliktherde. Dadurch ist viel Raum frei geworden und inzwischen bauen auch andere angesehene Bürger aus der Mittelschicht dort ihre Anwesen. Und einige der Anlagen können sich durchaus mit den Palästen der Adligen messen, was natürlich deren Neid und Missgunst entfacht. Inzwischen ist eine Erweiterung der Nordmauer konkret im Gespräch, was mich natürlich äußerst freut.

5. Mirtul 737 TZ Das Jahr des Purpurnen Wurms Chondathan

„Dieser Dämonen….., du weißt schon, will tatsächlich, dass ich mit meinem geliebten Serenius und den Kindern ins Brunnenhaus gehe um mit ihm seine Wiederkehr nach Chondathan zu feiern? Von mir aus hätte er im fernen Osten bleiben können! Ich habe gehört, die Männer können sich dort so viele Frauen halten, wie sie verzahlen können. Das muss doch für ihn das Paradies auf Toril gewesen sein.“ Xana hat die bösen Worte, die zuletzt zwischen ihnen fielen, nie vergessen oder gar vergeben. Wir befinden uns in ihrem Wohnzimmer und ihr jüngster Sohn Callandros krabbelt forschend über den Teppich der maunzenden Katze aus der "goldenen Gelegenheit" hinter her, die über die ungeschickte Aufmerksamkeit des kleinen Rabauken gar nicht froh ist. In einer Ecke spielt Hieronymus konzentriert mit bunten Bauklötzchen und stapelt sie zu einem Turm.

„Es ist ja nicht nur Popanz Ryan, sondern auch Dolon ist wieder da. Und ich denke auch, dass es vielleicht an der Zeit ist, dass Geschehene neu zu bewerten. Verzeih ihm, denn er ist ein Trottel, der es nur gut meint, aber sich manchmal so absolut dämlich anstellt, dass seine eigentlich gute Absicht nach hinten losgeht. Und in meinem Herzen glaube ich auch, dass es letztendlich so besser war, dass Serenius von einem lebenden Heiligen seines Glaubens ins Leben zurück gerufen wurde, als von irgendjemand anderem. Sei er nun Tyr, Moradin oder Tymora Kleriker.“

„Im letzten Punkt hast du sicherlich Recht, aber Ryan hat mir in der schlimmsten Stunde großen Schmerz verursacht. Er hätte ja von mir haben können, was er will, aber nichts von meinen Kindern! Das war einfach nur erbärmlich mies und wirklich fies!“ Callandros hat es inzwischen aufgegeben, der Katze hinter her zu krabbeln und hat sich gefährlich nahe dem Bauwerk seines Bruders genähert und betrachtet das mit großen Augen.

„Ja, da gebe ich dir Recht. Erst als strahlender Held selbstlos was anbieten und dann im letzten Moment noch Bedingungen stellen. So was gehört sich einfach nicht, aber du kennst ihn ja. Was sich gehört oder nicht, so was ist für Ryan ein Buch mit Sieben Siegeln.“

„Hat man ja in der "goldenen Gelegenheit" gesehen. Nun gut, ich werde mit den Kleinen kommen. Schließlich haben wir ja immerhin einiges gemeinsam erlebt und manchmal hatte er ja durchaus auch lichte Momente.“ In dem Moment schnappt sich Callandros einen der bunten Bauklötzchen und der ganze Turm stürzt unter protestierendem Geschrei von Hieronymus ein. Dieser knufft sofort seinen Bruder, der das nicht witzig findet. Bevor die Situation eskaliert, lässt sie ihren Kleinsten zu sich hin schweben und nimmt ihn tröstend auf den Schoss. Da hat Xana nun was zu schlichten und verabschiede mich. Ich brauche gar nicht lange, um zu meinem neuen Haus zu gelangen, da ich nur knapp hundert Schritt von ihr entfernt wohne.

Mein Zuhause ist inzwischen ein herrliches Anwesen, umgeben von einer hohen steinernen Mauer. Das Hauptgebäude ist gemauert und ich habe zwei Stockwerke unter einem ausgebauten Dachstuhl mit richtigem Ziegeldach, auf dem typischen steinernen Wasserspeier kauern, wie es hier nun mal üblich ist. Der Hauptflügel besteht aus einem großen Empfangsraum mit offener Treppe nach oben und einer großen Kapelle zu Ehren Tymoras, die groß genug ist, um etwa Zwanzig Gläubigen Platz zu bieten. Die Wand trägt schon zum Teil Malereien, welche verschiedene denkwürdige Szenen der Wagemutigen zeigen. Die Fenster sind aus buntem Glas.

Der linke Flügel beherbergt im Erdgeschoss ein großes gemütliches Wohnzimmer und ein gemeinsames Arbeitszimmer mit zwei Schreibtischen und Bücherregalen an den Wänden, die aber noch recht leer sind. An einer der Wände hängt ein schönes Bild meiner Familie. Mein Mann Garn nimmt in der prächtigen Ritterrüstung des Engelsjägers die rechte Seite ein, Mili steht in einem hübschen Kleid in der Mitte, wo sie lächelnd ein Blumenbiquet in der Hand hält. Auf der linken Seite sitze ich in einem grünen Kleid auf einem Stuhl und halte meinen kleinen Alarion. Im oberen Geschoss befindet sich unser gemeinsames Schlaf und mein Ankleidezimmer, die betuchte Frau von Welt hat so was halt. Der rechte Flügel wird von einem großen Speisezimmer, der Küche, der Speisekammer und einer Treppe zum Wein und Vorratskeller eingenommen. Darüber befinden sich die Zimmer der Kinder und der drei Bediensteten. Direkt neben dem Haupthaus ragt ein schlanker Magierturm auf, den ich im Stil eines Klingenturms habe errichten lassen, welches mit einer kleinen überdachten Brücke mit dem Haupthaus verbunden ist. Im Kellerraum des Turmes habe ich ein große Badebecken im Boden eingelassen, gespeist von einer eigenen kleinen Quelle. Das Erdgeschoss enthält einen Empfangsraum, wo ich Kunden berate, welche magische Dienste von mir kaufen möchten. Im mittleren Stock habe ich ein kleines Alchemistisches Labor eingerichtet. Der Rest des Turmes ist fast leer. Ich versteh eh nicht so ganz, was an einem Turm so praktisches für einen Magier sein soll, aber es gehört aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen zu unserem Berufsstand irgendwie dazu.

5. Mirtul 737 TZ Das Jahr des Purpurnen Wurms Chondathan

Ich war ein halbes Jahr für die Gemeinschaft der Fünf tätig gewesen, dass war direkt nach unserer Suche nach einem Hohepriester des Auppensers gewesen. Der Bruderschaft der ungesehen Seher war mit dieser Nebenaufgabe einverstanden, weil ich so tiefen Einblick in die Interna der Gemeinschaft der Fünf gewinnen konnte. Meine primäre Aufgabe war die Verwaltung mehrerer weit entfernter Kontore, die ich dann via Teleportation besucht habe. Abends bin ich dann zum mein kleinen Schätzchen zurückgekehrt und habe die Abende oft mit Spielen verbracht. War eigentlich eine recht öde Aufgabe, die nur durch einige Überfälle von Piraten oder Räuberbanden, die ich abwehren durfte, etwas aufgepeppt wurde. Wahrscheinlich war ich auch aus diesem Grund angeheuert worden. In der Zwischenzeit hatte ich dann etwas mit Glücksboten Garn angebandelt. Zuerst wusste der arme Tropf gar nicht, was ich von ihm wollte, aber das habe ich doch schnell klar gemacht.

Warum ausgerechnet Glücksbote Garn? Nun ja, ich werde nicht jünger, auf eine Versöhnung mit Jondan gibt es keine Hoffnung mehr, dazu ist der Kerl zu sehr ein Arschloch. Ich will eine richtige Familie, Mili braucht einen Vater und ich will auch noch ein paar Kinder haben. Aber nicht mehr als vier, zwei Mädchen und zwei Jungen halte ich für ein gutes Ziel. Ryan und Dolon haben sich in der goldenen Gelegenheit für alle Zeiten als potentielle Ehemänner disqualifiziert, als sie nicht nur mit den Sukkubi mitgegangen sind, sondern danach noch damit vor uns geprahlt haben, wie toll das mit denen war. Das hat mehr als nur wehgetan. Auf einen Adligen brauchte ich auch nicht zu warten, als Tochter eines Freissassen mit unbekanntem Hintergrund war ich disqualifiziert, ganz abgesehen davon, dass ich geschieden bin. Das ich jemals in den Adelsstand erhoben werden würde, ist auch fraglich. Manchem Abenteurer gelang zwar so ein Kunststück, aber das war eher selten. Ein Händler wäre natürlich eine Möglichkeit gewesen, aber ich kenne recht wenige unverheiratete Händler im akzeptablen Alter und die wo ich kenne, sind langweilige Pfeffersäcke oder schon viel zu Alt. Letztendlich blieb für mich nur noch ein akzeptabler Kandidat übrig, eben Glücksbote Garn. Er ist nur wenig Älter als ich, sieht eigentlich recht schnuckelig aus, ist ein erfahrener Abenteurer, ein Kleriker meiner Schutzgöttin und ich mochte ihn. Inzwischen habe ich ihn auch lieben gelernt, meinen süßen Brummelbär. Er ist ein guter Ehemann, ein liebevoller Vater und er ist aus dem Alter raus, wo man jeder Maid mit tiefem Ausschnitt hinter her pfeift.

Dann habe ich den süßen Garn geheiratet und dieses Anwesen geplant und gebaut. Finanziert habe ich es mit dem günstigen Verkauf meiner Villa in Westtor, die ich als Beuteanteil noch bekommen hatte. Eine Zeitlang haben Xana und ich versucht, so etwas wie ein Post und Personenbeförderungsdienst zwischen den Kolonien und dem Mutterland Chondath aufzubauen. Aber wir hatten nur mäßigen Erfolg, hat aber wenigstens gereicht, um einen gehobenen Lebensstandard zu etablieren. Ich beschäftige nun eine leicht rundliche Köchin, ein fleißiges Zimmermädchen, ein nettes Kindermädchen und einen Halborkischen Pförtner, der sich auch um die Pferde und etwas um den Garten kümmert. Man kann sagen, Tymora hat mir wirklich gelächelt.

Letztes Jahr im Herbst habe ich dann Alarion geboren. Diesmal mit einem überaus besorgten Ehemann um mich herum, der besonders im letzten Monat der Schwangerschaft dachte, ich würde jeden Augenblick bei der leisesten Aufregung zerplatzen. Xana war nur kurz vor mir Schwanger geworden, so dass unsere süßen kleinen Stinkerchen nur drei Zehntage auseinander zur Welt kamen. Und was für ein süßes kleines Baby Alarion, benannt nach meinem Vater, doch ist. Er hat wuschlige rote Haare und grüne Augen. Inzwischen ist er entwöhnt und mein Kindermädchen sorgt sich um ihn, wenn ich mich um meine Geschäfte kümmere. Und davon habe ich einiges am laufen, schließlich bin ich immer noch eine Schwester in der Bruderschaft der ungesehen Seher und mit einem hochrangigen Priester der Tymorakirche verheiratet. Ich habe meinen Mann sehr bei seinen Projekten unterstützt, besonders dann, wenn die Waukeenkirche uns Knüppel zwischen die Beine geworfen haben. Irgendwie haben die den Bau des Tempels in Westtor als persönlichen Angriff aufgefasst. Auf alle Fälle habe ich das Kasperletheater wieder reanimiert und ein Dutzend Stücke geschrieben, die ich mit anderen wahren Gläubigen und manchmal sogar mit Xanas Unterstützung aufführe, die mit ihrer Magie für Spezialeffekte sorgte, da hat sie ja einiges drauf, wie tanzende Lichter und Glitzerstaub. Was den Kindern natürlich immer unglaublich gut gefällt.

In den letzten Wochen meiner Schwangerschaft fand ich endlich die Muße, die Erlebnisse der Wagemutigen im Krieg gegen Westtor in Buchform zu bringen und es zu veröffentlichen. Ich habe mich dabei auf die Ereignisse um Köhlerheim beschränkt, also die beiden Schlachten und unseren Ausflug in die Schicksalswelt. Dabei nahm ich kein Blatt vor dem Mund und beschrieb dabei ausführlich die Leiden und Entbehrungen der geschundenen Zivilbevölkerung. In den normalen Berichten kommt das nämlich viel zu kurz. Verdammnis!

Schließlich gehen am frühen Abend unsere Familien, also Serenius, Garn, Xana, Hieronymus, Mili, Alarion und Xanas jüngstem Callandros, die letzten werden von uns Müttern getragen, gemeinsam zum Brunnenhaus. Hier hat sich wenig verändert. Der Teufel über dem Brunnen schaut genau so aus wie vor sechs Jahren. Renya Harloff, die Wirtin des Brunnenhauses hat inzwischen graue Strähnen im Haar, aber immer noch ein sonniges Gemüt und leitet erfolgreich ihre gut besuchte Schenke. Ryan und Dolon tauchen schließlich auch auf. Es ist irgendwie traurig, dass die beiden noch keine Familie gegründet haben. Xana verhält sich anfangs sehr abweisend gegenüber dem Hohepriester der Tymora, der mit seinen recht jungen Jahren doch weit aufgestiegen ist. Viel weiter jedenfalls als Dolon, der trotz seiner Erfahrung einen recht niedrigen Rang im Klerus bekleidet. Irgendwie fehlt da etwas das Interesse an einer Kariere. Aber dann taut Xana doch auf und wir lachen gemeinsam über die witzigeren Momente unserer Laufbahn als Abenteurer und Weltenretter. Der Schicksalswächter lässt sich nicht lumpen und übernimmt die Bezahlung des Gelages. Wir reden über alte Zeiten, während an anderen Tischen auch lustige Anekdoten erzählt werden.

„Der Kerl zog ein Messer, ein kleines Messer. Da lachte ich und fragte ihn, ob das alles wirklich ein Messer wäre. Nein, meint dieser, dass ist mein Nagelmesser, dass ist mein Messer! Dann zog der Kerl doch ne Klinge raus, die schon an ein Kurzschwert erinnerte. Ha, meinte ich, deins mag länger sein, aber ich hab zwei davon! Nun, da bin ich auf ihn losgegangen und das Blut spritzte zu allen Seiten. Mein Blut, da sein Messer halt doch länger war.“ Allgemeines Gelächter am Nachbartisch. Es ist abzusehen, dass Mili und Hero heute viele neue Worte lernen werden. Weia!

Unser Schicksalswächter kommt schließlich auf die sich umgreifende Gier zu sprechen, die er meint, in dieser Stadt um sich geht. Da erzählt er mir nichts Neues. Diese Stadt Chondathan galt schon immer als äußerst arbeitsam und geschäftstüchtig. Man sagt, der erste Gedanke eines Chondathaners am Morgen würde dem Geld verdienen gehören und sein letzter Gedanke am Abend auch. Wenn ein Chondathaner Probleme hat, einzuschlafen, so zählt er im Geiste Goldmünzen und nicht Schafe, wie sonst überall in Faerun. Ich finde daran höchstens was im Bezug auf die Worte des Hohepriesters der Myrkulkirche beunruhigend, aber das was Ryan bemängelt, ist eigentlich der Normalzustand dieser Stadt.

Dolon rückt schließlich mit der Nachricht heraus, dass er vielleicht unsere Hilfe benötigen könnte. Sein Tempel hat ihn ausgeschickt, um mysteriöse Vorkommnisse auf der Insel Presbur zu untersuchen, in die wohl eine Söldnergruppe namens Romanti Zostaar aus Damara verwickelt ist. Eine gewisse Nira Ilvastan hat die angeheuert. Der Name der Söldnergruppe ist mir gänzlich unbekannt, aber die gute Frau Ilvastan ist an der Drachenküste und in den Kolonien wohl bekannt. Offiziell schimpft sie sich Geschichtsgelehrte, welche wissenschaftliche Ausgrabungen macht, was im Klartext bedeutet, dass sie unter dem dünnen Deckmäntelchen als Historikerin alte Gräber, Ruinen und Kultstätten plündert. Genau das eigentlich, was ich mir einst unter einem erfüllten Abenteuerleben vorgestellt habe.

„Das hört sich ja alles recht ominös an, ich denke, wir Wagemutigen sollten da mal  nach dem rechten sehen!“ meine ich schließlich nach kurzem überlegen. Vielleicht fällt ja was von der Beute an uns ab, wenn wir da mal nach dem rechten sehen. Ist jedenfalls mein erster Gedanke. Ich lasse zwar ungern meinen ganz Kleinen alleine, aber er ist entwöhnt und das Kindermädchen ist wirklich eine liebevolle Person. Und Garn ist ja auch noch da, der sich nur zu gerne um seinen Sohn kümmern wird.
„Mama! Will aber nicht, dass du wieder weggehst.“ Mili zieht einen Flunsch.
„Aber Onkel Dolon braucht unsere Hilfe und wenn jemand in Not ist, muss man ihn nun mal helfen. Das gehört sich einfach so. Außerdem bist du ja inzwischen ein großes Mädchen und Papa ist ja auch noch da. Und der kleine Alarion.“
„Na gut, aber versprich mir, dass du gesund nach Hause wieder kommst.“ Das tu ich doch nur zu gerne und gebe ihr einen dicken Schmatz. Nachdem dies geklärt ist, verbringen wir noch einen vergnüglichen Abend im Brunnenhaus. Ich setze mich schließlich ab und besuche die Bruderschaft der Seher. Zum einen, um mich abzumelden, zum anderen, um ein paar Nachforschungen anzustellen.

Über die Insel Presbur ist recht wenig bekannt. Sie ist schon seit langer Zeit besiedelt, war bisher aber immer unabhängig, da es außer Schafe und Gras nichts gibt, was auf der Insel gedeiht. Die Insel selbst ist etwa 400 Meilen von Chondathan in Richtung Pirateninseln gelegen, entfernt. Durch hohe Klippen und tückische Untiefen ist die Insel praktisch isoliert, Handel findet nur ganz wenig mit den Einheimischen statt, die Wolle gegen Waren tauschen. Der Austausch findet mit Ruderbooten an dem einzigen Punkt statt, wo Boote mit wenig Tiefgang bei Flut anlanden können. Bis ins 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung war die Insel immer wieder von Monstern heimgesucht worden, die wohl aus dem Unterreich kamen. Danach hat sich das aber gelegt. Hört sich nicht gerade berauschend an. Mal sehen, was und dort erwartet.

10. Mirtul 737 TZ Das Jahr des Purpurnen Wurms Presbur

Die See geht schwer und starker Regen trommelt auf das Deck des Zweimasters Ritterbar, welcher vom Tempel des Tempus unserer Expedition zur Verfügung gestellt wurde. „Bei diesem Wetter anzulanden ist reiner Wahnsinn!“ meint Kapitän Ernart, ein ergrauter Haudegen der Meere, der einen kompetenten Eindruck macht. „Da habt ihr Recht, bringt uns auf eine Viertel Meile heran und wir gehen über einen magischen Weg hinüber.“ Dunkel ragt die zerklüftete Steilküste vor uns auf. Ein wahres Trommelfeuer aus Blitzen geht auf die Insel hernieder. Erdstöße durchlaufen die Insel und Felsen krachen polternd ins Meer. „Wir werden drei Tage vor der Küste hier auf euch warten“, erklärt uns der Kapitän der Ritterbar zum Abschied.

Xana lässt uns einen Kreis bilden und wir springen auf die Insel. Wir kommen auf den Klippen oben an, der Regen schränkt unsere Sicht ziemlich ein, aber die Gruppe Menschen vor uns sehen wir trotzdem. Es handelt sich um eine Handvoll bewaffneter und eine Gruppe von etwa zwanzig in ärmliche Bauerntracht gekleidete Menschen. Einer der bewaffneten entpuppt sich als Holt Brennal, der nach der Kampagne gegen Westtor eben in dieser Stadt geblieben ist. Da ich von seinen Fähigkeiten nie wirklich überzeugt war, hält sich meine Freude in Grenzen.

Wenigstens kann er uns in etwa erklären, was sich auf der Insel zugetragen hat. Vor etwa vier Zehntagen ist er mit den Söldnern der Romanti Zostaar hier angelandet. Die Expedition hat gezielt alte Ruinen auf der Insel aufgesucht. Die Einwohner warnten sie, an den alten Ruinen Hand anzulegen, aber wegen eines Ammenmärchens wollten sie nicht auf ihre Beute verzichten. Schließlich kam es, wie es kommen musste. Die alten Hüter der Ruinen sahen nicht mehr länger Tatenlos zu, wie ihre heiligen Stätten aus reiner Gier geschändet wurden und schlugen brutal zurück. Bei den Hütern scheint es sich um einen Stamm Oger, angeführt von vier verbrüderten Oger Magi zu handeln und die entfesselten wortwörtlich die Elemente. Mit den Ogern wurden sie unter schweren Verlusten fertig, aber nicht mit den vier Brüdern. Nachdem eine Offensive gegen die Oger Magi fehlgeschlagen war, wurde beschlossen, die Insel zu evakuieren und zwar auch die Eingeborenen, die jetzt unter diesen widrigen Umständen besonders leiden müssen. Und wieder mal zeigt sich, dass bei allem der kleine Mann bezahlt. Verdammnis!

Nach kurzem hin und her schließen wir uns der Gruppe an, da sie direkt zu ihrem Hauptquartier auf der Insel marschieren. Wir Wagemutigen setzen sich an die Spitze und harren der Dinge, die auf uns niederprasseln werden. Und wir brauchen auch nicht lange zu warten, bis wir auf einen der wütenden Ureinwohner treffen. Es handelt sich hierbei um einen mehrfach gehörnten Oger Magi, der uns den Tod im Namen von Imex verspricht. Imex gilt in informierten Kreisen als ein Elementarprinz und ist für manche primitive Wesen durchaus so was wie ein Gott. Und der liebe Oger Magi hat auch ein paar seiner Freunde mitgebracht, die mit uns spielen wollen. Direkt vor uns manifestiert sich ein Feuersturm. Zur Linken und zur rechten erscheint je ein vierbeiniges Wesen, das wie ein mutierter kleiner Drache wirkt. Dazu je noch ein Elementar und ein geschupptes rotes Wesen. Der Anführer steht leicht rechts und so sind wir beinahe umzingelt. Gerade noch rechtzeitig können wir verschiedene Schutzzauber hochziehen, bevor der Tanz beginnt.

Da wohl die Zeit für Verhandlungen nicht gegeben ist, beginne ich den Kampf, in dem ich einen der mutierten Drachen eine große Kugel aus Säure in der vermuteten Höhe des Herzens in den Balg treibe. „Flieg und Sieg!“ Die Bestie knickt sichtlich ein, aber Holt muss ihr noch den Gnadenstoß geben. „Möge Tymora den Wagemutigen beistehen!“ predigt Ryan und schwingt herausfordernd seinen neuen heiligen Streitkolben. Dolon rennt auf den linken Elementar zu und gibt ihm Windseher zu kosten, was den aber kalt lässt. Dann regnen erstmal Feuerbälle auf uns herab. Ich bin am hin und her springen und kann dem gerade so entkommen. Das rechte Feuerelementar kommt auf mich zu gerannt und eine Feurige Faust schlägt nach mir. „Geschützt vor Feuer!“ rufe ich noch und mein Mantel verhindert, dass ich in Flammen aufgehe. Das andere Drachenvieh speit eine Feuerlohe auf Xana, die aber gekonnt ausweicht und ihr Ring der Feuerresistenz tut das übrige, um aus diesem Inferno lebendig heraus zu kommen. „Beeilt euch!“ ruft sie uns enthusiastisch zu und ihre Magie lässt ihren Worten unsere Taten folgen. Die flammende Säule bewegt sich auf Ryan zu und verschlingt ihn. Elementare Kräfte zerren an ihm und schleudern ihn wild um die eigene Achse herum. Verdammnis!

10. Mirtul 737 TZ Das Jahr des Purpurnen Wurms Presbur

Mit einem Flick Flack löse ich mich von dem Elementar, dass mich gehauen hat und laufe etwas auf den gehörnten Anführer zu. Ich bringe ihn gekonnt aus dem inneren Gleichgewicht und haue ihm mit voller Wucht eine maximierte große Säurekugel zwischen die Hörner. Ich treffe absolut präzise, die Kugel durchschlägt den Kopf und sprengt Regelrecht die Hintere Schädeldecke auf. Mit offenem Mund und gebrochenen Augen sinkt der gewaltige Oger Magi in die Knie und fällt dann um. Sein Gehirn hat sich vollständig aufgelöst. Volltreffer, Tymora hat mir mal wieder gelächelt.

(Das war eine maximierte große Säurekugel, die mit einer bestätigten 20 traf, was schon mal schlappe 156 Schadenspunkte verursachte, dazu kamen noch fast maximale 32 Punkte aus 6W6 Hinterhältigem Angriff, was zu sensationellen 188 Schadenspunkte mit einem einzigen Angriff führte. Happy!)

Holt rennt in das Elementar rein und bindet es erstmal, da er viele Spiegelbilder hat, wird er den Kampf wohl auch alleine durchstehen. Dolon und Ryan kabeln sich nun mit der flammenden Säule, die wohl doch irgendwie einen eigenen Willen zur Vernichtung zu haben scheint. Ryan ist es in der Zwischenzeit gelungen, aus dem Zentrum der Säule zu entkommen. Xana wirft eine eisige Sphäre zwischen Elementar und geschupptes Vieh auf meiner Flanke, was das geschuppte Monster dazu animiert, auf Xana, die viel zu Nahe bei den Zivilisten steht, einen Feuerball zu werfen. Etwa ein halbes Dutzend Siedler vergeht in der Flammenlohe, während Xana nur mit angesengten Haarspitzen daraus wieder erscheint. Dieser komische Feuersturm wird nun etwas kleiner, nachdem Ryan sich erfolgreich daraus hervor gekämpft hat. Dolon wechselt von seiner Streitaxt auf das Schwert des Blauen Ritters, eines mächtigen Zweihänders mit der Fähigkeit, Magie zu bannen.

Ich sause in Richtung Xana und heize dem komischen kleinen mutierten Drachen ordentlich mit einer kleinen Kugel aus Säure ein. Gefällt ihm gar nicht und die hübsche Hexenmeisterin lässt sich nicht lumpen und haut gleich mal sechs eisige Strahlen auf das Vieh drauf. Das ist zuviel für das Ding und zerplatzt regelrecht. Damit sind schon drei Gegner ausgeschaltet. Dolon und Ryan kommen aber bei dem Wirbelstürmchen aus lohenden Feuer und dem zähen Elementar einfach nicht weiter. Wenn was nicht ordentlich Böse ist, habe die echt Schwierigkeiten da was auszurichten. Besonders Ryan sieht mit seinem heiligen Streitkolben und dem recht mächtigen Stärkegürtel nur wenig Land. Holt prügelt sich mit mäßigem Erfolg immer noch mit dem Feuerelementar und seine Spiegelbilder schrumpfen recht schnell zusammen. Da sind die Männer der Gruppe wohl in die Blocker des Gegners hineingerannt und stecken jetzt fest.

Die beiden geschuppten Monster kommen näher und traktieren uns mit weiteren flammenden Strahlen. Das ist nicht gut. Aber Xana juchzt auf, da sie nun ein paar Ziele auf einer Linie hat. Dolon macht aber mit einem wahren Schlaghagel dem Vorhaben zunichte, in dem er endlich das Elementar totschlägt. „Überschlagblitz!“ ruft die hübsche Hexenmeisterin und die Feuersäule bricht endlich zusammen. Jetzt steht nur noch ein Elementar, das gerade das letzte Spiegelbild von Holt zerschlagen hat und zwei der Echsenartigen Wesen. Aber die sind auch nicht mehr wirklich ein Problem für uns. Innerhalb weniger Herzschläge fallen auch diese unserer Vergeltung zum Opfer. Es wäre ein Glorreicher Sieg, wenn mehr Zivilisten ihr Leben behalten hätten. Ich durchsuche schnell die Toten und finde nur beim Anführer was Wertvolles, nämlich ein Meisterhaft gearbeiteten Zweihänder in Ogergröße und einen brennenden Mantel, den ich vorsichtig zusammenlege.

Wir sammeln die Zivilisten ein, sprechen ein kurzes Gebet für die verstreuten und bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Zivilisten, die ihr Leben bei diesem Überfall verloren haben. Für eine Beerdigung fehlt uns die Zeit, da drei weitere Oger Magi jederzeit auftauchen könnten. Möge Myrkul und ihre Schutzgottheiten ihnen gewogen sein. Ryan spricht noch seinen Segen und wir brechen auf zu der Hauptsiedlung dieser öden Insel. Der Marsch durch den strömenden Regen verläuft schweigend, der ununterbrochene Donner der Blitze schmerzt in unseren Ohren und es ist ein Wunder, dass wir nicht einmal auf unserer Wanderung getroffen werden. Schließlich erreichen wir eine halbwegs gesicherte Siedlung, in der sich dutzende von Zelten um ein paar Katen scharen, umgeben und einem improvisierten Wall. Nichts was einem ernsthaften Angriff standhalten würde, aber besser als gar nichts.

Wir werden dem Anführer der Romanti Zostaar vorgestellt, einem wackeren Haudegen in eisernem Brustpanzer, grauem Schnurbart und einem Grün leuchtenden Zweihänder. Er hat einen so starken Damara Dialekt drauf, dass ich schließlich in seine Sprache wechsle, um etwas Zeit zu sparen. Dabei bringt die Unterhaltung recht wenig, da er auch nur ein Befehlsempfänger ist, als werden wir zum Obersten Zahlmeister der Waukeen mit dem Namen Sorad Pahwi weiter gereicht, der auch gleich eine Konferenz in seinem prächtigen Zelt einberuft. Dort treffen wir auch Nira Ilvastan, die berüchtigtste Grabräuberin der Drachenküste. Sieht so aus, als wäre die Waukeenkirche der eigentliche Drahtzieher hinter diesem ganzen Dilemma.

10. Mirtul 737 TZ Das Jahr des Purpurnen Wurms Presbur

Die Frau ist ein paar Jährchen älter als ich, macht aber in ihrer schwarzen beschlagenen Lederrüstung einen wehrhaften Eindruck. Der eigentliche Anführer, Oberster Zahlmeister Sorad Pahwi ist recht Jung für seinen ausufernden Titel und macht einen aalglatten Eindruck. Schicksalswächter Ryan kann es nicht lassen und prescht sofort vor, in dem er den Zahlmeister mit Vorwürfen über das Verantwortungslose Verhalten der Expedition überhäuft. Daraufhin bekommen wir einen Vortrag über Wirtschaftskunde und Kosten Nutzen Analysen zu hören. Sicherlich recht interessant, aber Menschenleben sind nun mal nicht so einfach in Zahlen zu fassen. Ich versuche etwas zu bohren, ob etwas Besonderes gesucht worden ist, was aber abgestritten wird.

Dafür erzählt er uns, dass er die goldene Klinge führt und das mit Gold alles zu erreichen ist, was man nur will. Bei diesen Worten schauen Ryan und ich uns bezeichnend an. Goldene Dolche, die mit Gold Dinge kaufen, die nicht zu kaufen sind. Das waren die Worte der Toten, die uns der Hohepriester des Myrkultempels zu Chondathan übermittelt hat. Da werden wir wohl noch etwas auf den Zahn fühlen. Aber es gibt noch anderes zu bereden. Die Insel ist nicht zu halten und muss evakuiert werden. So wie es aussieht, geht die Bedrohung von vier Oger Magi Brüdern aus, welcher ein jeder eines der vier klassischen Elemente repräsentiert. Einen davon haben wir ja getötet. Der Oger Magi der Luft soll der Anführer sein. Es gibt eine hitzige Diskussion, ob wir die Oger und ihre Schergen aktiv jagen sollen oder ob wir uns auf Verteidigung der letzten Siedlung beschränken sollen.

Ich gebe zu bedenken, dass die Aggression eindeutig von den Menschen ausging. Immerhin lebten die Menschen und die Oger dieser Insel parallel drei Jahrhunderte in Frieden und wenn einige raffgierige Menschen nicht die Kultstätten der Oger entweiht hätten, wäre immer noch Frieden. Es ist sogar kurz eine Diplomatische Mission im Gespräch, aber die Rede ich sofort aus. Die Zeit für eine friedliche Lösung ist schon lange vorbei. Spätestens in dem Moment, wo wir einen der Anführer getötet haben. Nach etwas hin und her wird eine Strategie der Verteidigung beschlossen. Sogar Dolon ist dieser Meinung, was mich wundert, da Tempus doch lehrt, den Konflikt aktiv zu suchen. Nun ja, bin deswegen nicht sauer auf Dolon.

Xana und ich bieten an, wenigstens die kleinen Kinder schon mal zu Evakuieren. Nach kurzen Beratungen wird beschlossen, die Kinder direkt zum Tempel nach Westtor zu schaffen. Der Oberste Zahlmeister wird eine entsprechende Nachricht absetzen und uns ankündigen. Ich einige mich mit Xana auf einen Sprungpunkt, den wir gut kennen, nämlich das Haus, wo wir eine Nacht verbracht haben. Also suchen wir die erste Acht Kinder aus, darunter ein fast erwachsenes Mädchen als Anführerin und Hüterin der Kleineren und teleportieren fehlerfrei nach Westtor. Ohne Probleme kommen wir zu dem Imposanten Gebäude des neuen Tempels. An Gold mangelt es denen garantiert nicht, ist doch das gewaltige Kuppeldach mit Gold belegt. Ich muss neidvoll zugeben, daneben sieht der Tymoratempel, den Ryan ganz manierlich hoch gezogen hat, wie eine Bruchbude aus. Verdammnis!

Wir nutzen die Gelegenheit, uns von einem hochrangigen Kleriker den Tempel zeigen zu lassen und überzeugen uns, dass die Kinder gut untergebracht sind. Auch nehmen wir noch ein reichliches Mahl in deren opulenten Speisesaal ein. Selbst die Teller sind vergoldet, dass nenne ich mal verschwenderisch. Eins muss man denen von Waukeen wirklich lassen, die wissen, wie man Eindruck schinden kann. Nur Schade, dass dieses Gold mit dem Blut Unschuldiger bezahlt worden ist. Finsternis!

Xana teleportiert uns zurück und sie macht noch vier weitere Fuhren, so dass alle kleinen Kinder unter Zehn Jahren nun in Sicherheit sind. Jetzt müssen wenigstens nicht auch noch die ganz kleinen Bewohner dieses kargen Eilandes den ultimativen Preis für die Gier der Waukeen Kirche bezahlen. Und als kleinen Nebeneffekt haben wir auch dafür gesorgt, dass wieder etwas mehr Platz im Lager herrscht, so dass wir nun auch eine Unterkunft finden.

Natürlich bin ich Neugierig noch etwas über die wirklichen Hintergründe heraus zu finden. Ich setze Ryan darauf an, die gute Frau Ilvastan etwas abzulenken, so dass ich in ihr Zelt ungesehen hineinkomme. Sie geht recht nachlässig mit ihren Unterlagen um, wie ich bald feststelle. Als liegt kreuz und quer. Ich sichte die Unterlagen, hier und da eine Pseudowissenschaftliche Abhandlung über die geplünderten Kultstätten, wahrscheinlich als Nachweis für potentielle Käufer jenseits der Waukeenkirche. Nichts was wirklich weiter hilft. In einer Tasche finde ich schließlich eine Art Tagebuch, so wie ich es auch führe. Die Frau war in den letzten Jahr recht umtriebig, kein Wunder, dass sie sich den entsprechenden Ruf erarbeitet hat. Interessanter weise war in der Vergangenheit auch das Hydra Handelshaus mal ein Sponsor ihrer Ausgrabungen gewesen. Jasper Janus hat ja nie ein Hehl daraus gemacht, dass er alte Gegenstände des untergegangen Jhaamdaths sammelt.

Diese Expedition ist von der Waukeen Kirche finanziert worden. Sie ist Hinweisen über Figürchen aus Diamant nachgegangen, die sie aber anscheinend nicht gefunden hat. Allerdings kam sie auch nicht dazu, alle potentielle Ausgrabungsstätten auszuplündern, da die Oger ihrer Expedition durch ordentlich eingeheizt hat. Und was auch noch interessant ist, dass die Gemeinschaft der Fünf sie für eine weitere Expedition in den kommenden Wochen schon fest gebucht hat, um was es sich genau dabei handelt, geht aus ihren Aufzeichnungen nicht hervor, der Ort scheint sich dabei aber an der Küste unserer Kolonie zu befinden. Interessant.

11. Mirtul 737 TZ Das Jahr des Purpurnen Wurms Presbur

Wir verbringen ein höchst ungemütliche Nacht auf der Insel, die zum Glück ohne Zwischenfälle von statten geht. Holt erzählt, dass er noch mal zu der Stelle zurück gegangen sei, wo der Überfall statt gefunden hat und dort beobachtet hat, wie die Leiche des von mir getöteten Anführers geborgen wurde und wie ewige Rache geschworen wurde. Weia!

Da ich gerne noch das Zelt des Zahlmeisters untersuchen würde, Gestern war dazu keine Gelegenheit mehr, bitte ich Ryan mal wieder den Zahlmeister abzulenken. Das mach Ryan gerne und verwickelt den Waukeen Priester gekonnt in eine Sinnlose Theologische Diskussion, von der ein Laie Ohrenbluten bekommt. Ich schleiche mich in das prächtige Zelt, dass mehr kosten dürfte, was diese Insel an einem Jahr an Wolle erwirtschaften kann. Auch die Einrichtung ist nur vom feinsten. Sein Reiseschreibtisch ist wertvoller als der, welcher bei mir im Arbeitszimmer steht. Und der war auch nicht gerade von der Stange. Hier ist alles ordentlich verstaut. Die zugänglichen Unterlagen behandeln Abrechnungen und Kostenanalysen dieses Unternehmens, was mir aber keinerlei neue Erkenntnisse vermittelt. Es gibt aber eine goldene Truhe, die mit einer magischen Falle gesichert ist. Ich verbringen Fünf Minuten damit, die magische Rune zu studieren. Schließlich komme ich zu dem Schluss, dass ich keine Möglichkeit habe, sie zu umgehen. Ich könnte sie zwar zerstören, aber damit wäre klar, dass jemand an der Truhe war. Mir ist das Risiko einer Eskalation in dieser prekären Situation einfach zu hoch, so dass ich mich einfach zurück ziehe. Ryan setzt trotz meines Zeichens, dass er aufhören kann, seine fruchtlose Diskussion mit der Konkurrenz fort. Ist wohl so ne Kleriker Sache, die ich nicht nachvollziehen kann.

Und gegen Mittag findet dann auch der lang erwartete Angriffe auf das Hauptlager statt. Auf einer Hügelkuppe erscheint ein weiter Oger Magus in Begleitung von zwei Erdelementaren, welche anfangen, das Lager mit Steinen zu bewerfen. Xana Revanchiert sich mit einem Kugelblitz, ich werfe einen Feuerball. Der Oger versinkt in der Erde, seine Elementare setzen die Bombardierung des Lagers fort. Holt spurtet mit seinem Bogen der Bedrohung entgegen. Hätte er einen Augenblick gewartet, hätte ich ihn direkt mit vor die Elementare nehmen können, so wie Dolon und Ryan. Wir kommen wenige Meter vor den Steinewerfern entfernt an. Nach einem kurzem Moment der Desorientierung greifen die beiden Kleriker je eines der Viecher an. „Bei Tempus! Nimm das!“ „Bei Tymora!“

Da die Elementare sich wohl einsam vorkommen, tauch zwei weitere seltsame Kreaturen auf, die keiner von uns irgendwie einordnen kann. Erdschlange würde vielleicht noch am ehesten passen. Da die Kleriker im Weg stehen, kriegen die erstmal die Haue ab. Diese Monster schlagen Wunden, die sich nicht mehr von alleine Schließen. Xana gibt uns aus der Ferne weitere Unterstützung in Form von Spähren oder Kugelblitzen, während Holt auf seltsamen Bahnen laufend uns langsam, aber sicher näher kommt. Ich lasse mich ein paar Meter zurück fallen und beginne Kugeln aus Säure zu werfen, damit bekomme ich den linken Elementar recht schnell weg. Auch der Rechte bricht unter dem kontinuierlichen Beschuss von Xana zusammen. Diese komischen Viecher bekommen nun unsere volle Aufmerksamkeit und plötzlich teilen die sich. Was nun los?

Aber ein paar Flammenschläge später stehen die auch nicht mehr. Wir warten auf die Ankunft des Elementarmagiers, aber der taucht nicht auf, nur Holt kommt irgend wann hechelnd an. Der war mal wieder eine große Hilfe. Finsternis!

Die Kleriker stoppen ihre Blutungen und wir bilden so etwas wie ein tief gestaffeltes Abwehrnetz. Aber als nach hundert Herzschlägen immer noch nichts passiert, wird uns klar, dass dieser Kampf siegreich zu Ende gegangen ist. Wir diskutieren kurz, ob wir doch nicht in die Offensive gehen wollen. Ich bin nach wie vor dagegen, da die ursprüngliche Aggression nach wie vor von der menschlichen Seite ausgegangen ist. Verdammte Kirche der Waukeen und ihr verantwortungsloses Verhalten. Wir ziehen uns schließlich wieder ins Basislager zurück. Xana und ich evakuieren weitere sechzehn Zivilisten von der Insel. So geht auch dieser ereignisreiche Tag zu Ende. Die Schiffe sind angeblich noch zwei Tage entfernt. Dolon gibt unserem Schiff bescheid, die Frist zu verlängern und noch ein paar Zivilisten im Notfall aufnehmen zu müssen.

13. Mirtul 737 TZ Das Jahr des Purpurnen Wurms Presbur

Endlich sind die Schiffe angekommen. Gestern wehrten wir in Nacht noch einen massiven Angriff von Wasserelementaren ab, die vom Himmel regneten. Zum Glück ging dieser Kampf auch recht einfach zu unseren Gunsten aus. Tymora hat uns mal wieder gelächelt und auch der Feindhammer war uns durchaus gewogen. Gegen Mittag brechen wir in einer viel zu lang gezogenen Linie auf. Dolon drängt massiv darauf, die Kräfte zu massieren, aber die Wege sind schmal und der Boden drum herum vom Dauerregen aufgeweicht, so dass wir zwangsläufig eine Linie bilden müssen. Kinder befinden sich zum Glück keine mehr auf der Insel, ebensowenig Alte und Verwundete oder Kranke, die sind schon alle von uns Evakuiert worden. Leider kann ich das einfach nicht so oft wie Xana, die in der Kunst einfach schon viel weiter vorangeschritten ist.

Wir sind vier Stunden unterwegs, um die etwa acht Meilen bis zur Küste zu schaffen, also schon später Nachmittag. An den Klippen sammeln sich die Menschen an der einzigen Stelle der Insel, wo sicher tief unten Ruderboote anlanden können. Es gibt einen sehr schmalen Pfad nach unten, wobei einige Stellen nur mit der Hilfe von Seilen überwunden werden können. Wir Wagemutigen übernehmen die Nachhut. Wenn dieser verdammte Regen nur endlich aufhören würde. Angeblich sollte man Überwurf Wasserdicht sein, stimmt aber nicht mehr. Inzwischen bin vollständig aufgeweicht und wünsche mir nichts sehnlicher, als ein trockenes Plätzchen an einem Kamin mit einem fröhlich vor sich hin brennenden Feuer.

Es ist früher Abend, als die letzten Zivilisten den Abstieg beginnen, diese Fuhre noch, und wir können von hier verschwinden. Auf einer Anhöhe in der Nähe tauchen drei der Oger Magi auf.
„Eure Stunde ist gekommen! Sterbliches Ungeziefer! Im Namen von Ogermach werde ich euch von dieser Insel tilgen!“
„Eure Stunde ist gekommen! Sterbliches Ungeziefer! Im Namen von Yang Si Bing werde ich euch von dieser Insel tilgen!“
„Eure Stunde ist gekommen! Sterbliches Ungeziefer! Im Namen von Imex und Alhydra werde ich euch von dieser Insel tilgen!“
„Wer so eine Ansage braucht, kann nichts drauf haben!“ versucht Dolon uns Mut zu machen.

Zwei Wolken schweben in großer Geschwindigkeit zu uns herab, dass sind wohl unsere ersten Gegner. Wir sprechen schnell noch einige Zauber, die uns stärken, da sind die beiden Sturmelementare auch schon da. Ich empfange sie gebührend mit einem Feuerball, Xana mit einem Hagel aus jede Menge Feuerstrahlen. „Möge der Feindhammer unsere Feinde zerschmettern!“ predigt Dolon und auch Ryan spricht noch einen Zauber „Glitzerstern flieg und sieg!“. Sieht irgendwie nicht sehr beeindruckend aus. Das erste Sturmelementar schießt einen Blitz durch Xana und Ryan, was beide ordentlich durchschüttelt, dann erschüttert gewaltiger Donner, der mich beinahe Taub werden lässt. Finsternis! Das hat jetzt ordentlich wehgetan. Der andere Sturmelementar prügelt böse auf Dolon ein, was diesen ziemlich verbeult. Das ist nicht gut. Xana feuert einem Hagel aus Strahlen auf den fiesen Elementar ab, der uns gerade so zugesetzt hat.

Wir müssen verhindern, dass der andere Sturmelementar das Gleiche macht, wie der gerade eben. Ich schwenke etwas aus, um einem potentiellen Blitz kein weiteres Ziel zu bieten und werfe eine maximierte Kugel nach dem Elementar, die präzise trifft. (Wieder eine zwanzig gewürfelt, aber Elementare sind ja leider gegen kritische Immun.) Dolon und Ryan lösen ihre Flammenschläge aus, was ordentlich Rumms macht. Aber leider steht der Sturmelementar noch. Ein Blitz schlägt mit einem verdammt lauten Knall da ein, wo ich gerade eben noch stand und der Donner lässt ein weiteres mal die Ohren klingeln. Zum Glück stehen alle noch, auch wenn Xana bedenklich wankt. „Brenne!“ brüllt sie und erledigt den Elementar. Das war jetzt verdammt knapp gewesen. Wir sind alle kurz vor dem Umkippen. „Möge Tymora uns lächeln!“ sagt Ryan und unsere Wunden schließen sich minimal. (7 Grad umgewandelt in Massen schwere Wunden heilen und 1 1 3 gewürfelt.)

Von ihrer Position aus mustern uns die drei Ogerbrüder gar finster, aber machen keine Anstallten näher zu kommen. Dolon zeigt Ryan, wie man das richtig macht und erzielt einen vergleichbaren Effekt. (Tägliche Kraft des Kriegspriester angewandt und eine 8 gewürfelt, was ebenfall 18 Punkte bei jeden SC geheilt hat) Ryan versucht es ein weiteres mal und hat wieder kaum Erfolg. Schließlich sind wir wieder alle Fit, aber die drei Elementaristen stellen sich nicht zum Kampf. Auch diesmal gehen wir nicht in die Offensive, sondern lassen sie ziehen. Als letzte verlassen wir das Schlachtfeld und finden uns wieder auf der Ritterbar wieder. Unsere Mission ist damit wohl erfüllt. Die Wagemutigen sind ein weiteres mal Siegreich aus einem Konflikt heraus gegangen. Aber ich spüre, dass der eigentliche Feind sich nicht auf dieser Insel befindet, sondern in den Tempel der Waukeen. Möge Tymora uns lächeln, denn wir werden jede Hilfe brauchen.

Gespielt am 23.08.2009
Spielleiter: Stefan
SC: Kaira 13 (Schurke 4/ Seher 1/ Unseen Seer 4/ Arkaner Trickser 4),
Xana 13 (Hexenmeisterin 6,  
Dolon 12 (Kleriker 8/Kriegspriester 4),
Holt 12 (Kämpfer 6/Barde5/Vigilant 1)
Ryan 13 (Kleriker 9, Schicksalswächter 4),
Erfahrungspunkte: Stufe 12 5275 Stufe 13 4585, 150 Xana, Ryan 150, Kaira 100, Dolon 200, Holt 200
Überwundene Gegner
2 Spawn of Tiamat
2 Feuerelementare
2 Feuerwerfer ?
1 Feuersturmelemntar ?
2 Erdelementare
2 Belebte Wurzelmonster ?
2 Sturmelementare ?
1 Oger Magi Elementarist
Beute
1 brennender Umhang
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