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Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P6 / Gen
17.04.2012
17.04.2012
2
946
 
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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17.04.2012 643
 
Dunkel. Dunkel. Dunkel. Es war dunkel. So sollte es auch bleiben. Nina wollte die Augen nicht öffnen, sie wusste sofort, wo sie sich befand. Jenseits der Augenlieder befanden sich weiße Wände, Menschen in weißen Kitteln, wahrscheinlich sogar vergitterte Fenster.  

Rückblick... Das grelle Scheinwerfer Licht erscheint Nina freundlich, vertraut, anziehend. Sehnsüchtig gibt sie sich dem Licht hin, schließt die Augen und vergisst alles um sich herum. Währenddessen wird ein Notarzt gerufen. Hektisch rennen die Leute auf der Bühne hin und her, der schwere rote Vorhang wird hinunter gelassen. Nina hat das Bewusstsein verloren. Der Notarzt schlägt ihr leicht auf die Wange. Das Mädchen öffnet die Augen und starrt geistesabwesend in die Scheinwerfer über ihr.
"Ich bin tot." flüstert sie.
Dann schließen sich ihre Augen wieder.

Nina wusste, dass sie die Augen öffnen musste. Das Leben ging weiter, sie war nicht tot. Die Scherbe, das Blut- alles war Teil ihrer Einbildung gewesen. Seufzend blinzelte sie und erspähte in der Tat weiße Wände um sich herum. dann vernahm sie ein schwaches Klopfen an der Tür, woraufhin eine große Frau mit einem langen dunkelbraunen Pferdeschwanz eintrat. Sie trug einen weißen Kittel, welcher nicht zugeknöpft war. Ein Stetoskop hing um ihren Hals, in der Hand hielt sie ein Notizbrett, auf welches sie nun stirnrunzelnd schaute.
"Nina..." begann sie. "Das wird ein hartes Stück Arbeit."
Dann begann sie Puls und Blutdruck zu messen und hörte Ninas Herz und Rücken ab.
"Okay, das ist soweit alles wieder in Ordnung. Wenn du wieder einigermaßen auf den Beinen bist, führen wir weitere Untersuchungen durch. "
"Was ist passiert?" stammelte Nina. Sie hatte schmerzlich begriffen, dass sie verrückt war und dass sie natürlich noch lebte. Aber was nach dem Auftritt geschehen war, wusste sie nicht.
"Du hattest einen Kreislaufzusammenbruch. Du hast dich so sehr in deine Rolle hineingesteigert, dass dein Puls und Blutdruck in die Höhe geschossen sind. Dein ganzer Körper stand so unter Stress, dass du schlicht und ergreifend zusammen gebrochen bist. Aber Nina... was mir mehr Sorgen macht... Ich habe mich mit deiner Mutter unterhalten. Sie sagte mir, dass du dich in letzter Zeit sehr verändert hast, die Rolle hätte dich krank gemacht. Oft tust du seltsame Dinge, redest wirres Zeug und fühlst dich verfolgt. Außerdem wurde in deiner Garderobe ein zerschlagener Spiegel gefunden. Der kröhnende Abschluss war dann deine Aussage, du seist tot. All das hat dich hierher gebracht. Dies ist kein normales Krankenhaus, sondern ein betreutes Wohnheim für psychische Extremfälle. Ich bin deine Betreuerin. Nenn mich einfach Michelle."
Die Frau reichte Nina die Hand, dann verließ sie das Zimmer. Nina musste erstmal alles verarbeiten. In ihrem Kopf fühlte sie einen dumpfen Schmerz. Mit einem Ruck schlug sie die weiße Decke zurück und setzte ihre nackten Füße auf den kalten Boden. Langsam, wie in Zeitlupe, erhob sie sich und ging zum Fenster. Dieses war nicht vergittert, wie sie erwartet hatte. Aus dem Fenster heraus schaute man in einen riesigen Park, welcher schon einige grüne Grashalme und vereinzelte Blüten an den Bäumen aufwieß. Ninas Aufmerksamkeit aber zog der Teich auf sich. Darauf schwammen majestätisch drei weiße und drei schwarze Schwäne. Ninas Herz begann schneller zu schlagen, wie in Trance kratzte sie sich immer wieder mit den Fingernägeln über ihren Unterarm.
Plötzlich erhob sich ein schwarzer Schwan aus dem Wasser und schlug drohend mit den Flügeln. Sofort reagierte einer der weißen und flatterte auf den Schwarzen zu. Dieser schnappte nun mit dem Schnabel nach dem Hals des weißen Schwans, welcher daraufhin zurück schnappte. Ein erbitterter Kampf brach aus. Die Flügel schlugen, die Schnäbel hackten wie wild aufeinander ein und die übrigen Schwäne begannen aufgeregt zu schnattern. So ging es eine ganze Weile, bis der schwarze Schwan den Kampf gewonnen hatte. Blut strömte am Hals des Gegners herunter. Dieser sank langsam in sich zusammen und ging schließlich im Teich unter.
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