Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

One For All - All For Love

von Miya
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos Porthos
16.04.2012
11.04.2013
47
57.191
2
Alle Kapitel
75 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.04.2012 1.110
 
weiter geht's und vielleicht traut sich übers we ja auch jemand zu reviewen, wie es bisher so ist, auch wenn gerade mal prolog und ein kap noch nicht sooo viel sind. ^_~


Kapitel 1

Frankreich, 14. Mai 1626

Es waren nun mehr fast zehn Jahre vergangen, seit D’Artagnan vor den Augen seiner kleinen Tochter erschossen wurde und doch hatte sich seit diesem ach so grausamen Tag kaum etwas im Zuhause des Kindes verändert. Der Hof ihrer verwitweten Mutter war dank der Hilfe einiger Freunde der Familie nach wie vor gut bewirtschaftet und auch im Haus selbst hatte sich nicht viel getan. Es stand immernoch alles an seinem Platz, wie an jenem Tag, als der Musketier mit dem blonden Mädchen gemeinsam nach Paris aufbrachen und von wo er nie zurückkehren sollte.
Selbst Danielle hatte sich kaum verändert. Sie hatte immernoch das ungestüme und aufbrausende Wesen ihres Vaters und hatte nur Dummheiten im Sinn. Auch die zierliche, leicht zerbrechlich wirkende Gestalt hatte sie noch. Ihre hüftlangen Engelslocken waren vom Wind zerzaust und das weiße Kleid, welches sie trug, hatte schon die ersten Schmutzflecken vom frisch gemähten Gras.
Doch an diesem Tag sollte sich für die junge Frau alles ändern. Wenn es nach ihrer Mutter gegangen wäre, dann hätte Danielle schon an ihrem vierzehnten Geburtstag heiraten sollen, doch immer wieder konnte sie sich davor drücken. Allen voran, weil sie den Mann, den sie heiraten sollte, nicht einmal leiden konnte. Er war fast 7 Jahre älter als Danielle, hatte einen dicken Bauch und stank, wie sie fand, abscheulich nach totem Fisch.
Jedoch sollte all ihre Gegenwehr nichts nutzen, als sie an ihrem 16. Geburtstag nun doch vermählt werden sollte.
„Dein Vater wäre heute sehr stolz auf dich, mein Kind.“, sprach die Mutter mit leicht kratziger Stimme zu ihrer Tochter. Schon seit Monaten plagte sich die ältere Frau mit einer schweren Erkältung, welche einfach nicht vergehen wollte.
„Vater hätte mich nie dazu gezwungen einen Mann zu heiraten, den ich nicht liebe.“, widersprach Danielle nur trotzig und warf ihr schmutziges Kleid achtlos auf den Boden, während ihre Mutter ihr die wilde Mähne bändigen wollte.
„Selten werden Hochzeiten nur aus Liebe gefeiert, Danielle.“, mahnte die Mutter jedoch nur und bürstete die blonden Locken sanft durch.
„Es ist ungerecht und nicht das, was ich Vater versprochen habe.“
„Tse.“, entfuhr es der Älteren nur. Sie wusste von dem Versprechen, welches ihre Tochter dem verstorbenen Ehemann in Paris gab. Einst würde sie den Mann finden und sich dafür rächen, dass er ihr den Vater genommen hatte und sie würde ein Musketier werden. Genau wie D’Artagnan es einst gewesen ist und sie würde seinem Namen alle Ehre machen.
„Du dummes, kleines Kind. Frauen werden im Korps der Musketiere nicht aufgenommen. Dort ist auch bei Gott nicht der richtige Platz für dich. Du gehörst zu einem Ehemann und an den Herd, wie jede anständige und wohlerzogene, junge Frau. Du schenkst deinem Mann Kinder und hast für sie zu sorgen.“
Sollte es das wirklich gewesen sein?
So, wie ihre Mutter es ihr soeben gesagt hatte?
Nein, das war es nicht, was Danielle im Sinn hatte und sie war zutiefst überzeugt, dass ihr Vater genauso empfinden würde, wäre er noch am Leben.
„Nein, Mutter. So ein Leben will ich nicht.“, kam es energisch über die Lippen der jungen Frau und sogleich sprang Danielle von ihrem Platz auf, dass ihre Haare nur so herumwirbelten und all die Mühe ihrer Mutter vergebens waren, den Blondschopf ihrer Tochter zu bändigen.
„Bitte versteh doch. Vater hat immer gesagt, dass ich Großes erreichen kann, wenn ich mich nur genug bemühe. Er wäre sicher traurig, wenn aus mir nur eine kleine Hausfrau werden würde. Meine Begabungen liegen nicht am Herd oder auf dem Feld.“
Da sprach ihre Tochter wahre Worte, was auch die Mutter einsehen musste. Danielle war nie sehr geschickt bei der Hausarbeit. Häufig ging etwas zu Bruch, weil sie zu stürmisch oder ungeduldig war und auf dem Feld sorgte sie auch nur für noch mehr Unordnung, anstatt für ordentlich bestellte Felder.
Sie würde ihre Tochter ziehen lassen müssen, das wusste sie, auch wenn sich ihr Herz zunehmend dagegen sträubte.
„Ich verspreche dir, dass ich auf mich aufpasse. Ich kann geschickt mit dem Degen umgehen und flink bin ich noch dazu.“
Schwer seufzend legte die Mutter die Haarbürste nieder und griff stattdessen zu einer Schere.
„Setz dich, mein Kind.“, bat sie und verwies mit ihrer sehnigen, linken Hand auf den leeren Stuhl direkt vor ihr.
„Als Mädchen werden sie dich gleich wieder fortschicken, aber als Jungen geben sie dir vielleicht die Möglichkeit dein Geschick unter Beweis zu stellen. Aber leicht wird es nicht, so zierlich, wie du bist.“
Ungläubig betrachtete Danielle ihre Mutter, bevor sie begriff, dass es der Älteren ernst war und sie endlich Platz nahm.
„Versprich mir nur, dass du dich nie verrätst. In keiner Sekunde darf man daran zweifeln, dass du ein Junge bist.“ Und mit diesen Worten fiel eine blonde Locke nach der anderen zu Boden, bis die Hüftlangen Haare nur noch leicht über die Schultern der Tochter fielen. Die Haare zugebunden mit einem Schwarzen Band, brachten Danielle ihrer Verkleidung nur langsam ein Stück näher. Auch Danielles Brüste mussten abgebunden werden, damit unter dem ausgewaschenen, beigefarbenem Hemd keine verräterischen Wölbungen zu sehen waren.
„Mama, was wirst du den Gästen sagen?“
„Ach, Liebes, lass das mal meine Sorge sein.“ Wie die Mutter das Verschwinden ihrer Tochter erklären sollte, dessen war sie sich nicht sicher, aber ihr würde schon etwas einfallen. Viel wichtiger war, dass sie, auch aus Liebe zu ihrem Mann, Danielle ziehen lassen musste.

Eine alte, abgetragene, schwarze Hose und ebenso pechschwarze Stiefel vollendeten das Äußere Danielles, während ihre Mutter in der Küche noch etwas Brot, Wurst und Käse in eine lederne Tasche einpackte.
„Der Weg nach Paris ist weit.“, sprach die Ältere lächelnd, als sie ihrer Tochter die Tasche reichte, welche sie sich um die Schultern legte. Schnellen Schrittes machte sich Danielle auf den Weg zum Stall, um ihr Pferd ‚Artemis’ zu satteln. Da hörte sie hinter sich Schritte.
„Du hast das hier vergessen, mein Kind.“
Die hellblauen Augen Danielles betrachteten für einen Moment ihre Mutter, bevor ihr Blick auf den Degen des Vaters fiel.
„Einen Degen zu kaufen wäre viel zu teuer und ich weiß, dass du schon früher gern damit geübt hast. D’Artagnan wäre sicher stolz.“
„Nein, Mutter. Ich bin stolz. Stolz, dass ich seinen Degen bei mir trage. So seid ihr beide immer bei mir.“ Mit einer letzten, innigen Umarmung verabschiedeten sich Mutter und Tochter und während Danielle in Richtung Nordosten davonritt, sah sie beim Verlassen des Hofes nur noch, wie von weitem die ersten Gäste für die nun nicht mehr stattfindende Hochzeit nahten.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast