It was you. It was always you.

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Allan A Dale Will Scarlett
15.04.2012
13.05.2012
7
15110
2
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Dieses Kapitel
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Das hier wird überwiegend jugendfrei verlaufen (mit harmlosen Szenen und weiteren Andeutungen) und ist hauptsächlich der Versuch einer realistischen Lovestory.
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I put a wish in, hoping you'd listen

Relax, it's only dreaming facts
Giving way to feelings
No one ever stays long
It's over when you wake up
So I knew that it was
In the picture of perfect world
We can be more than before

I said it was, I made it stronger

From the beginning
My head was spinning
The perfect start
A place to fit in
I found you.




1. Obsession

Will Scarlett starrte in das Feuer und sah zu, wie die Flammen das letzte Holz verschlangen. Glühende Funken in leuchtendem Orange und tiefem Rot stoben darüber hinweg. Knisternd, wie hungrige Schlangen, wanden sich die züngelnden Flammen um die Äste, gaben sich einer zärtlichen Umarmung hin, ehe sie verkohlten und nichts als Schwärze zurückließen.

Er saß an der Feuerstelle im Lager der Outlaws. Wie lange er schon in die hellen Flammen starrte, wusste er nicht. Seine Gedanken kamen ihm ebenso verloren vor, wie das rußgeschwärzte Holz. Desto sehr er sich auch bemühte, sie auf etwas anderes zu lenken, kehrten sie doch immer wieder zu ihrem Ursprung zurück, umkreisten seit Wochen diese eine Sache, die ihn freudig und verzweifelt zugleich stimmte.

Mit einem leisen Knacken und Knistern brach ein Ast unter der Last des Feuers ein. Als hätte ihn dieses Geräusch aus seiner Starre gerissen, hob Will den Kopf und ließ seinen Blick zu einem der Betten schweifen, auf dem ein junger Mann saß, der sich scheinbar gerade prächtig über den Witz seines Kameraden amüsierte.

Allan A Dale strich sich mit der Hand durchs Haar und grinste den verärgerten Much an, der wohl die Quelle von Allans Spott gewesen war, und der sich nun beleidigt von ihm abwandte. „Ey, Much, komm schon-“, sagte er, doch der angesprochene Outlaw blieb stur und stapfte mit Storchenartigen Schritten fort.

Allan hob den Kopf, als hätte er bemerkt, dass er beobachtet wurde, und fing Wills Blick auf. Er grinste den Schwarzhaarigen an und zuckte lässig mit den Schultern. Dieser erwiderte sein Grinsen halbherzig. Dann sah Allan wieder weg.

In diesen wenigen Sekunden, in denen sie sich angeblickt hatten, war Wills Herz stehen geblieben. Es hatte einfach vergessen, was seine Aufgabe war, hatte vergessen, dass es doch eigentlich in seiner jungen Brust schlagen sollte. So hatte es sich jedenfalls angefühlt.

Hastig wandte auch Will sein Gesicht ab, starrte wieder in die knisternden Flammen, die jegliche, verräterische Regung auf seinen Zügen verbargen.

Er wusste nicht mehr, wann diese Gefühle in ihm gekeimt waren. Mittlerweile schien es ihm fast so, als wären sie schon immer dort gewesen. Tief in seinem Inneren, schlummernd, und nur auf den Tag wartend, an dem sie mit aller Heftigkeit hervorbrechen konnten.

Er hatte mit niemandem darüber gesprochen. Wozu auch? Es war schier undenkbar, was er da empfand, irrational, verwerflich, unaussprechlich. Wahrscheinlich war er krank. Verrückt geworden von dem einsamen Leben, das sie hier im Wald führten.

Vielleicht fehlte ihm auch nur etwas; ihm, der so jung war und noch jünger seine Mutter verloren hatte. Er, der seine Familie verlassen musste, fernab von diesen als Ausgestoßener lebte. Vielleicht lag es daran, dass er sich so sehr nach Liebe und Geborgenheit sehnte.

Warum hatte er sich nicht in Djaq verlieben können? Er mochte sie. Sehr sogar. Er hatte sich gefreut, als sie sich damals der Bande angeschlossen hatte. Doch er sah in ihr mehr eine Schwester, liebte sie auf die Art, wie er auch seinen Bruder oder Vater liebte. Und ihr ging es wohl ähnlich. Warum dann er? Warum Allan? Er hatte sich diese Frage in den letzten Wochen immer wieder gestellt und doch keine vernünftige Antwort gefunden.

Wahrscheinlich hatte er all diese unterdrückten Bedürfnisse, seine Sehnsucht nach Liebe, unbewusst auf eine Person projiziert. Und dabei war die Tatsache, dass ihre Bande von Outlaws (fast) nur aus Männern bestand, gewiss nicht förderlich gewesen. Vielleicht besaß er ja diese … Neigungen, weil er nie viel mit Frauen zu tun gehabt hatte, weil seine Mutter starb, er mit Vater und Bruder aufwuchs. Doch eigentlich hatte er sich vor Allan noch zu keinem anderen Mann hingezogen gefühlt. Nein, im Grunde waren es immer Frauen gewesen, die er attraktiv gefunden hatte. Obwohl es ihm aufgrund seiner Jugend doch an Erfahrungen und somit praktischen Beweisen fehlte.

Unzufrieden mit sich und der ganzen unfairen, erdrückenden Last der Welt, warf Will noch ein weiteres Holzscheit in das Feuer und setzte sein sinnloses Starren fort – nur um sich selbst davon abzuhalten, Allan zu beobachten.

Er konnte den Drang ganze zehn Minuten erfolgreich bekämpfen, dann gab er ihm nach und hob erneut den Kopf. Doch zu seiner großen Enttäuschung saß Allan mittlerweile nicht mehr auf seinem Feldbett. Missmut machte sich in Will breit, hatte er doch hier an der Feuerstelle einen perfekten Beobachtungsposten gehabt.

„Ich fang jetzt mit dem Kochen an. Will, rück mal ein Stück!“ Much war neben ihm aufgetaucht, beladen mit einem großen Topf und etlichen Zutaten für eine herzhafte Suppe. Wortlos rückte Will ein Stück zur Seite, sodass der Andere an die Feuerstelle konnte.

Leise vor sich hin pfeifend begann Much mit der Zubereiten ihres Abendessens.
In der Zwischenzeit versuchte sich Will abzulenken; von seinen Gedanken, vor allem aber auch von Muchs nervig-fröhlichem Pfeifen.

Doch seine Bemühungen waren zur Hoffnungslosigkeit verdammt, als Allan wieder in sein Blickfeld kam und sich erneut auf seinem Bett niederließ, im Begriff einige ramponierte Waffen zu reparieren.

Abwesend blieben Wills Augen auf ihm ruhen und beobachteten die flinken Hände, wie sie ihre Arbeit verrichteten. Der Andere war ein geschickter Mann, klug; ein scharfer Verstand ruhte hinter den aufgeweckten Augen, in denen so oft der Schalk wohnte. Er war bei weitem kein solcher Freigeist wie Robin, nicht so waghalsig und aufopferungsbereit, doch ebenso mutig. Will selbst wäre Robin überall hin gefolgt, hätte jeden Plan, den ihr Anführer schmiedete, loyal ausgeführt. Allan war kritischer, oftmals ein wenig zynisch, und hatte permanent mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen. Will kannte ihn gut und wusste doch zugleich nichts über ihn. Was hatte Allan in seiner Vergangenheit erlebt, was durchmachen müssen? Jeder Mann wurde durch seine Entscheidungen geprägt, die er im Leben getroffen hatte – das sagte auch Robin immer. Welche hatte Allan treffen müssen?

„ESSEN – ist fertig!“ Muchs Stimme riss Will aus seinen Gedanken und unwillkürlich zuckte er zusammen, als wäre er dabei erwischt worden, wie er an etwas Verwerfliches dachte.

Bewegung kam in das Camp; alle sammelten sich um die Feuerstelle, Schalen und Becher wurden herumgereicht.

Als Will wieder aufsah, entdeckte er, dass Allan genau ihm gegenüber Platz genommen hatte. Eilig, hungrig begann dieser gerade die Suppe zu löffeln, verbrannte sich dabei offenbar die Zunge und fluchte laut.

Will musste sich ein Lächeln verkneifen. Stumm tauchte er seinen eigenen Löffel in die Schale auf seinem Schoß ein, setzte ihn an Lippen, pustete sacht gegen die Flüssigkeit und trank sie dann ganz vorsichtig.

„Siehst du, Allan! Nimm dir ein Beispiel an Will. Der ist in der Lage, eine Suppe zu essen“, feixte Robin gerade und klopfte Will mit der flachen Hand auf den Rücken, sodass er sich fast verschluckt hätte.

„Naah, kann sein“, meinte Allan mit einem Schulterzucken und wischte sich mit seinem Handrücken die Suppenreste vom Kinn.

Will wagte nicht, aufzublicken; tief über seine Suppenschale gebeugt, aß er weiter, um bloß nicht weiter aufzufallen. Er wollte auf keinen Fall den Unmut des anderen Mannes auf sich ziehen.

Doch schließlich hob er doch einmal rasch den Kopf und sah Allan mit leichter Sorge an. Der grinste ihm jedoch nur zu, bevor er sich die Schale nun an die Lippen setzte und trank. Will erwiderte das Grinsen zaghaft und richtete seine Aufmerksamkeit dann wieder auf sein eigenes Essen.

Der Andere war also nicht verärgert über Robins Scherze. Gott sei Dank.

Es war schon abartig, wie vorsichtig er Allan gegenüber geworden war. Er hatte panische Angst davor, irgendwie sein Missfallen zu erregen, ihn zu verstimmen. Gleichzeitig bereitete es ihm aber auch Bauchschmerzen, wenn er mit ihm alleine war oder sie von Robin zu zweit zur Wache eingeteilt wurden. In solchen Momenten wünschte er sich immer unsichtbar zu sein, sich einfach in Luft aufzulösen, um Allan in aller Ruhe beobachten zu können, ihm nahe zu sein, ohne ständig vor lauter Angst wie gelähmt zu verharren, weg zu schauen, sobald der Andere nur in seine Reichweite kam.

So nah und doch so fern … Er wusste nicht mehr, woher er diese Worte kannte, glaubte, sie einmal in einem Buch gelesen zu haben. Doch der Gedanke an Bücher, an eine Welt jenseits dieser Wälder, schien ebenso weit weg, wie der an die Sterne, die sich nun glitzernd und funkelnd am schwarzen Himmel über ihnen ausbreiteten.

Während die Anderen noch lachend und scherzend um das Feuer saßen, war Will aufgestanden und hatte sich auf den Weg zu seinem Schlafplatz gemacht.

„Ey, Will, was is’ los? Schon müde?”, hörte er Allans Stimme und die Worte bohrten sich wie kleine Giftranken in seinen Rücken.

„Jaah“, erwiderte er nur lahm, ohne sich umzudrehen. „Bin ziemlich müde.“

Die Anderen ließen ihn ziehen, widmeten sich wieder Robins bildreicher Erzählung von ihrem letzten, geglückten Überfall.

In Wahrheit verspürte er nicht den Hauch von Müdigkeit. Doch er musste weg von ihnen, weg vom Feuer, weg von dem Gelächter, weg von ihm. Er wollte schlafen, wollte es wirklich und wusste doch, dass an eine ruhige Nacht bereits seit Wochen nicht zu denken war. Entweder er lag wach auf seinem Feldbett oder wirre Träume plagten ihn. Und jedes Mal war es Allan, der sämtliche seiner Gedanken zu beherrschen schien. Er war zum Zentrum von Wills Welt geworden. Zum größten Schatz und gleichzeitig größten Geheimnis, das er besaß. Zu einer Besessenheit, die in ihm brannte wie ein Feuer und ihn gleichzeitig von Innen auffraß.

Noch lange hörte er die Stimmen der Anderen, lag wach auf seinem Bett und konnte nicht einschlafen. Als ihm schließlich doch die Augen zufielen, galt sein letzter Gedanke nur einem: Allan.


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Anmerkung: Die kursiven Texte/Zitate vor jedem Kapitel sind Lyrics. Credits erfolgen immer im Anschluss an das Kapitel.
Hier: Gossip, "Perfect World"
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