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Das Spagetti Desaster

GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
14.04.2012
14.04.2012
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Beitrag zur 3. Runde des Schreibzirkels. DIe 2. ist eigentlich schon fertig, aber noch nicht in einem Zustand, in dem ich sie herzeigen würde.
Diesmal waren die Schlagwörter: Urlaubsfoto, Schwefelsäure, Lügner, Spagetti, Krankenhaus

Wenn jemand nachprüfen will welche Worte ich verwendet habe: ich bin mir ziemlich sicher, dass Schwefelsäure und Krankenhaus nicht vorkommen.


Jetzt wünsche ich euch viel Spaß :)



Das Spagetti- Desaster ist eine meiner Lieblingserinnerungen.
Es wurde auch auf Urlaubsfotos festgehalten, auch wenn meine Mutter die nie zu Gesicht bekommen durfte.
Ich habe sie immer noch, gut versteckt unter Fotos von mir und meiner Schwester am Strand in dem einzigen Fotoalbum, das ich nach meinem Auszug behalten habe.
Natürlich müsste ich die Fotos nicht mehr verstecken, aber alte Angewohnheiten werde ich schwer los.
Das geht dir aber wohl auch so, oder?
Immerhin hatte ich die Fotos beinahe 11 Jahre lang sorgsam versteckt.
Und immer hervor geholt, wenn ich mal wieder von meiner Mutter und ihren perfekten Manieren, ihrem aufgesetzten Verhalten und ihren Lügen „aus Höflichkeit“ leid war.
Dementsprechend abgegriffen sehen die Fotos auch aus.

Aber vielleicht sollte ich dir einfach von dem Spagetti- Desaster erzählen anstatt dich noch mehr zu verwirren, auch wenn mir das nicht wirklich was ausmachen würde.

Also es waren Sommerferien und wir waren in einem Sommercamp.
Natürlich. Bis zu dem 9. Geburtstag meiner Schwester wäre meine Mutter nie mit uns weggefahren.
Wir waren ja ein unkalkulierbares Risiko und es kam überhaupt nicht in Frage, dass wir uns und sie blamieren würden.
Ich fand es damals schon gut.
Es war nicht das erste Jahr, dass ich in das Camp fuhr, in dem das Spagetti- Desaster Geschichte geschrieben hat, aber es war eines der wenigen Jahre in der ich in einer anderen Altersgruppe war, als meine Schwester.
Zwischen 3 und 6 war man bei den Kleinen.
Da machte man immer die langweiligen Dinge, malte mit Fingerfarbe und bastelte mit Knete und das Essen kochte eine Köchin, weil man noch zu klein war.
In dem Jahr war ich 7 meine Schwester erst fünf.
Ich war schon bei den Großen.
Wobei wir natürlich nicht die ganz großen waren.
In dem Camp gab es ganz viele Gruppen und es gab eine Gruppe mit den ganz, ganz großem , wie ich damals dachte, die 18 und älter waren.
Sie halfen in den anderen Gruppen, vor allem bei uns.
Wir waren die „kleinen großen“, die, die schon gefährliche Sachen machen durften, dabei aber dringend beaufsichtigt werden mussten. Die 7-10 jährigen halt.
Wir durften in der  Küche stehen und beim Kochen helfen, wir durften mit der Heißklebepistole arbeiten und wir durften in den Pool, solange wir ein Schwimmabzeichen hatten und jemand dabei war, der berechtigt war uns zu beaufsichtigen.  Die Kleinen durften nur in das Babybecken.


Verständlicherweise fühlten wir uns damals groß.
Allerdings fühlte ich mich auch ziemlich einsam.  Meine Schwester war nicht da und ich war nie so gut im Kontakte knüpfen und mich mit Leuten anfreunden.
Normalerweise hatte meine Schwester mich die ersten 2 oder 3 Tage mitgeschleppt und mir dann einen Freund ausgesucht, mit dem ich dann auch wirklich die fünf Wochen Camp verbringen musste um sie nicht zu kränken.
Da sie eigentlich die meisten Menschen ziemlich gut einschätzen konnte, haben wir uns auch immer gut verstanden und dann – auf Initiative des anderen vor allem- uns nach und nach mit den anderen Jungs angefreundet.
In dem Jahr war meine Schwester aber nicht bei mir und ich hatte auch am 3. Tag noch niemanden gefunden, mit dem ich mich wirklich gut verstand.
Sicher waren andere Jungen in meinem Zimmer und sicher hatte ich auch mit denen geredet, aber mehr als „Chris“ und „Gute Nacht“, „Guten Morgen“, „Kann ich die Milch haben“, „Ich habe keinen Hunger“, „lesen“ und „ein Buch“ hatte ich nicht gesagt.
Also stand ich zwischen den anderen und die unterhielten sich und ich schwieg.
Wir standen in der Küche, weil wir kochen sollten.
Nicht allein und auch nur Spagetti mit Tomatensoße, also nichts wahnsinnig kompliziertes, aber wenn man bedenkt, dass wir zwischen 7 und 10 Jahren alt waren, und die meisten noch nie in der Küche geholfen hatten, war das schon was besonders.
Ich hielt mich im Hintergrund.  Hatte weniger Lust darauf zu kochen, warum weiß ich nicht mehr und es  gab ja auch nicht genug Arbeit für 12 Leute.
Na ja, da wir die Soße ganz frisch machen sollte oder wollten, gab es doch genug Arbeit, aber mir hatte niemand gesagt, was ich machen sollte.

Einer der Betreuer stand plötzlich neben mir.
„Was ist denn mit dir? Was möchtest du machen?“
Ich zuckte mit den Schultern.
„Wollen wir beiden uns um die Nudeln kümmern, wenn die die anderen die Soße machen?“
Ich zuckte wieder mit den Schultern.
„Hey, John, komm rüber, dann machen wir zu dritt die Nudeln. Soße machen ist doch doof“
Ein Junge drehte  sich um und sprang von einem der Hocker rund um die Küchentheke.
Er lief auf uns zu.
Wahrscheinlich war er ungefähr so alt wie ich.
Er streckte mir die Hand entgegen. „Ich bin John. Hallo“
Ich war selbstverständlich verwirrt, er war 7 vielleicht 8 Jahre alt und ziemlich förmlich dafür.
Sicher, ich war auch so erzogen worden, aber ich neigte –immer übrigens- dazu, diese Manieren fallen zu lassen, sobald mir kein Ärger dafür drohte.
Also im Klartext, sobald ich aus dem Einflussbereich meiner Mutter draußen war.
Und im Sommercamp war das glücklicherweise der Fall.
Wer benahm sich im Sommercamp dermaßen förmlich?
Der Betreuer mischte sich ein.
„Johns Familie ist grade erst nach Deutschland gezogen. Er kennt hier noch niemanden. Vielleicht kannst du dich ein wenig um ihn kümmern?“, schlug er an mich gewandt vor.
Ob er das genauso gesagt hat, weiß ich natürlich nicht mehr. Ich war 7 Jahre alt, das ist inzwischen fast 20 Jahre her.
Aber er hatte definitiv erkannt, dass ich noch niemanden hatte und John war einer dieser Menschen, die sich um jeden kümmerten.
Wenn sich jemand um den anderen hätte kümmern müssen, dann wäre es sicher umgekehrt gewesen, aber das hätte ich mir nicht gefallen lassen und Johns Umzug bot die perfekte Ausrede.
Ich konnte ja schlecht widersprechen, wenn ich nicht total unfreundlich wirken wollte.
Ob du das glaubst oder nicht, damals habe ich es sicher nicht darauf angelegt und auch heute lege ich es nur bedingt darauf an unfreundlich zu wirken.
Wenn ich eine Person nicht mag zum Beispiel.
Aber jedenfalls, damals war ich froh, dass ich jetzt quasi jemanden gefunden hatte, der zumindest erst mal Zeit mit mir verbringen musste.
Jedenfalls stellte sich, als wir vor dem Kochtopf standen, heraus, dass keiner von uns Ahnung, wie man denn Spagetti kochte.
Jedenfalls las er auf der Packung und gab sie dann auch uns, damit wir mal schauen konnten, ob wir mehr herausfanden.
Und eigentlich hörte es sich auch nicht so schwer an.
Es hört sich immer noch nicht schwer an, aber wir haben es irgendwie geschafft es total zu ruinieren.
Aber ich greife vor.
Soweit waren wir noch nicht.
Wir setzten am Anfang erst mal einen großen Topf mit Wasser auf.
Das konnte ja gar nicht so verkehrt sein, da waren wir uns nämlich alle einig.
Zum Nudeln kochen braucht man Wasser.
Das stimmt auch, da kann man nichts gegen sagen.
Das war sicher nicht unser Fehler.
Also standen wir am Herd und setzen Wasser auf und der Betreuer, er hieß Leo, zumindest meine ich, dass er so hieß.
Aber es kann auch sein, dass ich mir das nur einbilde.
Wie gesagt, es ist schon mehr als 19 Jahre her.
Jedenfalls kam dann eine andere Betreuerin rein.
Ich glaube, sie war mit Leo zusammen, aber das weiß ich nicht mehr genau.

Jedenfalls holte sie eine Kamera raus und sie war ziemlich stolz auf die und dann hat sie von uns allen Fotos gemacht und die haben sich dann auch gleich entwickelt.
Damals fand ich das faszinierend, heute ist das eine veraltete Kamera und vielleicht war es das damals schon, das habe ich nie nachgeschaut.
Es war nur sehr praktisch und sie hatte die Kamera dabei, weil sie uns die Bilder gleich mitgeben wollte.
Sie fotographierte uns alle. Mehrfach, ich glaube, sie hatte in der Freizeit mehr als 10 Filme vollgeknipst.
Und jeden Freitag hat sie eine riesige Wäscheleine gespannt und alle Fotos aufgehängt, die sie noch hatte, die waren zuvor übergeblieben oder in der Woche entstanden.
Wir durften uns einfach Bilder aussuchen und sie mitnehmen.
Aber ich greife schon wieder vor, also wirklich, du solltest mich davon abhalten!
Gut, also sie machte Fotos.
Von mir und John.
Von mir, John und Leo.
Leo setzte uns selbstgebastelte Kochmützen auf.
Wir taten die Nudeln ins Wasser und Katja, so hieß sie glaube ich, erinnerte uns daran, dass Salz ins Wasser musste.
Bis dahin haben wir alles richtig gemacht, da bin ich mir sicher.
Auch davon haben wir Fotos.
Zwischendurch hat sie aber natürlich auch die Leute fotographiert, die die Soße machten.
Das war ja auch gut und sinnvoll.
Wir halfen zwischendurch auch mit.
Daran war vor allem John schuld, der sich einfach zwischen die Leute drängte, mich neben sich zog und das, obwohl er mich grade mal ein paar Minuten kannte und fragte, wo wir helfen konnten.
Leo wurde gezwungen allen Chefmützen zu basteln.
Er tat das, wenn ich mich richtig erinnere aber auch unglaublich gerne.
Ich war nie Betreuer.
Wir sind das letzte Mal in das Camp gefahren bevor meine Schwester 9 wurde.
Danach hat meine Mutter uns zu langweiligen Strandurlauben mitgeschleppt.
Langweilig deshalb, weil wir nicht im Sand spielen durften und nur manchmal ins Meer und am Buffet nicht so viel nehmen, dass wir satt wurden, sondern nur so viel wie man als durfte, wenn man als wohlerzogen und vornehm gelten wollte.
Ich hatte nie verstanden, warum man ein „All you can eat“ Buffet bucht, wenn man sowieso nur einmal nehmen durfte und der Teller dann auch nicht voll sein durfte.
Jedenfalls tat ich in den Urlauben dann selten was anderes als lesen.
Nicht besonders spannend, wenn man es mit den früheren Freizeiten vergleicht nicht war?
Aber ich bin schon wieder vom Thema abgekommen.
Halt mich doch mal auf!
Wo war ich?
Ach richtig.
Wir machten grade alle zusammen die Soßen und wir schafften es,  uns alle von oben bis unten einzusauen.
Was soll ich sagen, wir waren Kinder und zu dem Zeitpunkt war es lustig,
Katja hielt das alles auf Fotos fest.
Sie schien jeden Moment Fotos zu machen.


Die Soße war warm und roch nach gutem, frischen Essen.
Die Betreuer füllten die Soße in Schüssel um und wir stellten sie auf den Tisch.
Jeder holte sich einen Teller und Besteck.
Unsere Becher standen schon auf dem Tisch, natürlich alle mit Namensschildchen versehen, weil wir ja schon alle alt genug waren um zu lesen.
Erst als wir alle saßen, fiel uns auf, dass etwas fehlte.
Die Nudeln selber nämlich.
Hast du dich gewundert warum ich sie nicht mehr erwähnt habe?
Oder hast du gedacht, dass sich da schon jemand drum gekümmert hat?
Falsch.
Wir haben es alle vergessen.
Das ist doch eigentlich nicht so verwunderlich, oder?
Du musst bedenken, die Betreuer waren alle Freiwillige und Teenager. Sie haben einen großartigen Job gemacht, das ganz sicher, aber sie können auch nicht an alles denken.
Vielleicht hatten sie schon gekocht, aber sicher dabei keine Horde Kinder betreut.
Und sicher hatten wir einen richtigen Betreuer, aber der hat sich eigentlich nicht so sehr dafür interessiert.
Vielleicht ist er mal eingesprungen, wenn sich zu wenig Freiwillige gefunden haben, aber in den 5 Wochen habe ich ihn eigentlich nur bei den Versammlungen gesehen, in denen wir ermahnt wurden brav Briefe nach Hause zu schreiben, in denen wir einen Gottesdienst gefeiert haben und in denen Neue vorgestellt wurden, die jede Woche kommen konnten.
Ich bin froh, dass ich das nie mitmachen musste, in eine eingeschworene Gemeinschaft reingeschmissen werden, meine ich.
Ich tat mich auch so schwer genug Kontakte zu knüpfen.
Ich bin schon wieder vom Thema abgekommen, oder?

Also:  Wir hatten die Spagetti vergessen.
Ich weiß nicht, wie lange sie letztendlich auf dem Herd standen, aber sie waren matschig und klebten am Topf fest.
Und in der Mitte des Klumpens fanden sich noch einzelne harte Nudelstücke.
Trotzdem holte irgendein Betreuer einfach ein Messer und schnitt die Masse in Portionen.

Katja schoss immer noch laufend Fotos.
Irgendwann fragte ich mich wage, woher sie das ganze Papier und so hatte, aber darauf habe ich nie eine Antwort bekommen.
Ich habe mich nie getraut sie zu fragen und später, als ich die Möglichkeit hatte es im Internet rauszufinden, hat es mich nicht mehr interessiert.

John und ich wurden Freunde.
Es war eine lose Sommerfreundschaft, nichts, wovon ich dachte, dass es halten würde.
Sommerfreundschaften hielten nie.
Wir haben uns im Camp kennengelernt und dann… aus den Augen aus dem Sinn.
Mit 6 Jahren, als wir schon schreiben konnten, schickten wir uns gegenseitig Briefe.
Jeder schrieb vielleicht 2 Stück, dann ging einer verloren oder so.  Der andere wollte nicht schreiben, wenn er keinen Brief bekam und die Sache hatte sich erledigt.
Es gab keinen Anlass zu der Annahme, dass es bei John und mir anders sein sollte.
Ich fuhr eine Woche vor ihm nach Hause.
Eigentlich hatten seine Eltern ihn nur 4 Wochen im Camp lassen wollen, aber bei dem Umzug war etwas schief gelaufen und sie brauchten länger als erwartet.
Sie hatten ihm einen lagen Brief geschrieben und sich bestimmt 1000 mal entschuldigt.
Er hatte mir den Brief gezeigt, sonst wüsste ich das nicht.
Ich bekam eigentlich nie Post, auch wenn ich meiner Mutter immer schrieb und sie von meiner Schwester grüßte.
Ich legte auch die Bilder meiner Schwester bei.
Wahrscheinlich ist sie nur zu beschäftigt um mir zu antworten, redete ich mir immer ein, wenn alle anderen glücklich die Post von zu Hause lasen.

Jedenfalls blieb John eine Woche länger.
Ich saß die letzte Ferienwoche nur zuhause rum und lernte für die Schule.
Ich machte meine Hausaufgaben und erzählte meiner Schwester, dass sie keine Angst zu haben brauchte, dass niemand erwartete, dass sie schon irgendwas konnte.
Ein Brief von John kam, in dem er schrieb, dass er seine Adresse noch nicht wusste und er nochmal schreiben würde, wenn die Schule wieder  angefangen hätte und er endlich wüsste wo er wohnte.
Er schickte mir auch Fotos mit, vom Spagetti Desaster.
So hatten wir es genannt und auf den Fotos, auf denen man angeschnittene Teigklumpen sehen konnte, hatte das Katja auch draufgeschrieben.
Ich hatte selber schon welche ausgesucht, aber nicht so viele, weil ja jeder welche haben sollte.
Ein paar andere hatte John mir ausgesucht und mitgeschickt.
Ich fand das sehr nett.
Sicher, es war unnötig, weil ich ja nicht 3 fast gleiche Bilder brauche, aber damals ging es mir um die Geste und es war schön, dass jemand an mich dachte.


Dann war Montag und die Schule fing wieder an.
Ich kam schon in die 3. Klasse und meine Schwester wurde eingeschult.
Kannst du dir vorstellen, wie groß ich mir vorkam?
Meine Mutter hatte keine Zeit gehabt eine Schultüte zu basteln, aber damit hatte ich gerechnet.
Und wir waren ja auch noch zu klein um alleine zu Hause zu bleiben, deshalb durfte unser Opa kommen.
Damals hielt meine Mutter ihn noch für vernünftig.
Ich weihte ihn in meinen Plan ein und er half mir.
Er hatte auch schon meine Schultüte gebastelt, da aber noch auf bitte meiner Mutter, die gesagt hat, er solle einfach irgendwas besorgen, sie würde es nicht schaffen.
Beim 2. Mal hatte sie sogar das vergessen.
Aber das passierte natürlich nicht am Montag.
Ihre Einschulung war am Dienstag und die Tüte bastelten wir schon in den Ferien.
Und von der Einschulung will ich hier auch gar nichts schreiben. Das ist wieder eine eigene Geschichte.

Gehen wir zurück zu dem Montag.
Ich durfte alleine zur Schule laufen.
Vielleicht auch nicht und meine Mutter hatte es nur vergessen, aber sie ließ mich von da an den Weg sogar mit meiner Schwester alleine gehen, sodass ich es nie zu genau weiß. Bis heute nicht.
Also kam ich in der Schule an und setzte mich in unserem alten Klassenraum auf meinen alten Platzt.
Ein paar andere waren schon da, andere kamen noch, aber der Platz neben mir blieb leer.

Das hatte nicht mal was damit zu tun, dass ich unbeliebt war oder so, das war ich gar nicht, ich hatte sogar eigentlich ziemlich viele Freunde in meiner Klasse, es hatte damit zu tun, dass sich alle auf ihre alten Plätze setzten und mein Sitznachbar umgezogen war am Ende des letzten Schuljahres.

Mit ein paar Minuten Verspätung kam auch die Lehrerin rein, und sie hatte einen neuen Mitschüler dabei.
Ich glaube, sie hatte ihn schon am Ende des letzten Jahres angekündigt, aber wenn hatte ich dem damals nicht sonderlich viel Beachtung geschenkt.
Der neue Mitschüler hieß John.
Und er kam aus England.
Er hatte die Ferien in einem Sommercamp verbracht, weshalb er leider noch niemanden hatte kennen lernen können.
Wir würden ihn hoffentlich gut aufnehmen.
Das alles teilte uns die Lehrerin mit, bevor sie ihn auf den Platz neben mir schickte.

In der ersten Stunde hatten wir Deutsch. Wir sollten über unsere Ferien schreiben und den Aufsatz dann unserem Nachbarn geben.
Der sollte nach unserer Rechtschreibung schauen und dann würden wir ein paar Aufsätze vorlesen.
John kannte ich natürlich schon. Und wir schrieben beide über das Spagetti Desaster, auch wenn keiner von uns damals „Spagetti“ schreiben konnte, oder „Desaster“ und wir die Bilder natürlich nicht dabei hatten, sodass wir nicht abschreiben konnten.
Wir schrieben „Nudeln“ statt „Spagetti“ und „Unglück“ statt „Desaster“.
Wenn man etwas nicht hinkriegt muss man halt Alternativen finden, die mehr den eigenen Fähigkeiten entsprechen.
Unsere Geschichten waren sich logischerweise ziemlich ähnlich, wenn man bedenkt, dass wir ja von der selben Geschichte berichteten.
So lernte ich also meinen besten Freund kennen, was die Spagetti Desaster Geschichte definitiv zu einer meiner besten Erinnerungen macht.
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