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Hoffnung

von Roheryn
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
10.04.2012
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„Was machst du?“, ihre Stimme war noch immer schwach. Ihr Bruder betrachtete sie, er hatte mittlerweile Übung darin seine Sorge um sie aus seinem Gesicht zu verbannen.
 „Ich? Ich betrachte die Bilder aus unserem letzten gemeinsamen Urlaub… Du weißt noch? Die drei Tage die wir in dem kleinen Dorf an der Küste waren…“ Er sah sie an und lächelte, als er sah, wie ihre Augen wieder etwas von ihrem alten Glanz zurückbekamen. Kein fieberiger Glanz, sondern ein lebensfrohes Funkeln.
 „Sicher erinnere ich mich, auf der Hinfahrt hast du gedacht, wir würden niemals ankommen. Ich erinnere mich auch an die kleine Hütte, die wir uns gemietet hatten…“ Sie nahm die Hand ihres Bruders, ihrer Bewegung mangelte es zwar an Kraft, aber immerhin war sie koordiniert. Er nickte ermutigend. „Ich würde gerne noch einmal dorthin gehen, es war schön, so friedlich und ruhig. So ganz anders als hier… hier hört man immer das Piepsen von irgendwelchen Maschinen und du schnarchst ja auch nicht.“
 „Was soll das heißen, meine Liebe?“, fragte er sie, mehr spielerisch als alles andere, er wusste genau was sie meinte. Die Geräusche, die für sie in der Zeit, in der sie schon im Krankenhaus war, alltäglich geworden waren.
Sie entschied ihm darauf nichts zu erwidern.
 „Sobald es dir wieder gut genug geht, können wir zusehen, dass wir wieder an die Küste kommen, ich muss auch sagen, dass du mir an der Seeluft nicht so blass gewirkt hast als sonst.“ Hier gelang es ihm nicht seine Sorge zu verbergen und sie schwang gut hörbar mit.  Sie drückte seine Hand ein klein wenig fester.
 „Weißt du noch? Wir haben dort gemeinsam gekocht, alle drei Tage dasselbe… aber erst am dritten haben wir es geschafft, dass unsere Spagetti weder verkocht noch hart waren.“
 Er nickte schmunzelnd. „Wir scheinen beide nicht zu Köchen geboren zu sein… Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir nicht verhungert sind? Meinst du nicht auch?“ Damit entlockte er ihr ein kleines und rar gewordenes Lachen, etwas das für ihn mehr Wert hatte, als alle Reichtümer der Erde.
 „Lügner, du wärst der geborene Koch… nur ich nicht. Aber da hattest du mich nicht aus der Küche verscheucht, wie sonst immer, sondern mich die helfen lassen – oder wohl eher, mir erlaubt unser Essen zu verderben… Aber du versprichst mir, dass wir noch einmal in dieses kleine Haus gehen werden?“
 Er zögerte etwas, dann willigte er ein: „Sobald die Ärzte dich gehen lassen, werde ich dafür sorgen, dass wir noch einmal dorthin gehen können!“
 Sie sah auf ihre Uhr und schloss die Augen. „Ich nehme dich beim Wort, Brüderchen… aber ich fürchte du musst, oder du kommst wegen mir, schon wieder zu spät.“
 Er erhob sich widerwillig und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. „Ich komme wieder, sobald ich Feierabend habe, aber es kann heute spät werden.“
 „Dann geh nachher lieber nach Hause, du musst auch auf dich aufpassen, nicht nur ich auf mich. Außerdem, wenn es spät wird schlafe ich vermutlich eh schon.“ Sie löste ihren Griff um seine Hand und gab ihn frei.
 Auch nachdem ihr Bruder gegangen war, das Versprechen wieder an die Küste zu kommen schwebte noch immer im Raum. „Wir werden dorthin gehen können, Bruder! Ich vermag nicht zu versprechen, dass es bald ist, aber ich kann dir versprechen, dass ich eines Tages wieder gesund genug bin!“, murmelte sie. Sie wusste nicht, was sie dazu bewegt hatte, denn eigentlich war nicht sicher, wann und ob sie sich erholen würde, aber sie war sich sicher, es würde ihr gelingen.
 Es mochte zwar sein, dass es kaum Hoffnung für sie gab, aber sie hatte welche und hielt an dieser fest.


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Mein Beitrag zur dritten Runde des Schreibzirkels...
Die Worte waren:
Urlaubsfoto
Schwefelsäure
Lügner
Spagetti
Krankenhaus

wie immer mussten 3 der 5 verwendet werden... in dem Text oben fehlt nur die Schwefelsäure... die wollte sich einfach nicht mit dem Krankenhaus verbinden lassen...
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