We are the fallen - Love and pain

GeschichteDrama, Romanze / P18
09.04.2012
24.06.2012
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„Katie McGrath ist unglücklich verliebt. Ausgerechnet in ihren womanizenden Schauspielkollegen Bradley James, der auch aktuell wieder eine neue Freundin hat. Sie ist verzweifelt, weil ihre Gefühle von Jahr zu Jahr zunehmen, sie sich aber nicht traut es ihm zu sagen, da sie Angst hat damit ihre bestehende Freundschaft zu gefährden.
Ihr Freund Colin Morgan klärt Katie darüber auf, dass Bradley in Wahrheit noch immer auf der Suche ist, auf der Suche nach jener Einen, der er sich endlich vollends öffnen kann.
Beide, sowohl Colin als auch Katie, wissen nicht, dass Bradley nur eine einzige Frau liebt, diese Liebe jedoch verleugnet und sich ebenso wenig traut sie publik zu machen, wie seine Kollegin.
In der Nacht, als Katie Bradley ihre Gefühle endlich gestehen will führt eine Verkettung unglücklicher Umstände gepaart mit diversen Kurzschlussreaktionen dazu, dass Katie Schlimmes angetan wird. Als Bradley ihr zu Hilfe eilt ist es bereits zu spät. Dennoch bewahrt er sie davor einfach an dem Geschehenen zu zerbrechen und aufzugeben, ist bei ihr, als sie es am dringendsten braucht.
Doch hat ihre Liebe überhaupt noch eine Chance?
Oder wird Katie einfach fortlaufen? Vor ihrer Vergangenheit, dem was ihr angetan worden war – und vor ihrer großen Liebe Bradley?“


~~~oOo~~~

Eine Kurzgeschichte in vier Teilen zu meinem Lieblingsthema „The Adventures of Merlin“, der BBC-Serie, die derzeit in die fünfte Staffel geht (wird derzeit verfilmt^^). Dieses Mal geht es jedoch nicht um die Charaktere der Serie an sich, sondern um die Schauspieler, die diese verkörpern: Die schöne Katie McGrath (die wunderbare Morgana), Bradley James (his toned bodied majesty Arthur) und Colin Morgan (den linkischen, gewitzten Merlin). Die Story spielt also in der Realität – ist aber natürlich fiktiv, eben eine Fanfiction, obwohl es wunderwunderschön wäre, wenn Katie und Bradley im richtigen Leben ein Paar wären… *seufz*
Hier lebe ich komplett meine Vorlieben und… seltsamen Anwandlungen aus, seid also gewarnt. Es gibt eine ziemlich schlimme, brutale Szene, aber auch anrührende und hoffentlich unterhaltsame Momente. Sowie: LIEBE. Natürlich. Auch das hier ist eine Love-Story. Allerdings nicht schillernd bunt, wie man sie aus Märchen kennt, sondern schmerzhaft und teilweise sehr mühevoll, wie auch im richtigen Leben. (Allerdings auch sehr leidenschaftlich…)
Freunde von mir werden in dieser Story eine Verbeugung, ein wahres Niederknien meinerseits, vor dem wunderbaren Bradley James erkennen. *lol* Und meine Freude daran Sexszenen detailliert zu beschreiben. *lach*
Ich wünsche euch also viel Spaß und gute Unterhaltung bei dieser für mich schon etwas… ungewöhnlichen Geschichte. (Einmal ist immer das erste Mal…) Doch ich selbst bin nach vielem Hin und Her einigermaßen zufrieden. Ich erkenne mich genug darin wieder, meinen Stil, um es sein zu können. Ich mag besonders den Schluss. Da flossen die Worte einfach nur noch.^^

Bin sehr gespannt auf eure Meinung.
Hab mich das erste Mal auch an SEINE Sichtweise herangetraut. Das fällt mir noch sehr schwer. Doch ich hoffe, dass ihr es dennoch mögen werdet.

Bis dann!

Eure Mado


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~Drifting~

I saw you yesterday
I didn't know that it would be the last time
You said my name
You walked away
A moment's lost but never once forgotten

But one day,
I'll see you face to face
Then we'll say
Things we meant to say

It's too late for now but not always
We'll meet again and then we'll start from
These unfinished memories

I cannot change that day
Go back erase what happened
Ease the pain
There's none to blame
No steps to take and even though we may not understand

One day,
I'll see you face to face
Then we'll say
Things we meant to say

It's too late for now but not always
We'll meet again and then we'll start from
These unfinished memories

These unfinished memories



 Kennt ihr dieses Phänomen? Dass ihr etwas nur noch mehr besitzen wollt, haben
wollt, je unerreichbarer es für euch ist? Sich dessen bewusst zu sein, dieses
Zustands gewahr zu sein, ist kein Garant dafür, dass man nicht so empfindet,
lasst euch das gesagt sein. Es ist eine leidvolle Erfahrung und ich hätte
niemals gedacht, dass ich sie je machen würde. Und vor allem hatte ich nicht
erwartet, aus welcher Richtung diese Gefühle kamen, was sie auslöste - und
dass ich erst buchstäblich durch die Hölle gehen musste, um schließlich und
endlich das zu bekommen, was ich mir auf der ganzen Welt am sehnlichsten
wünschte.
 Manchmal ist die Welt ein sehr dunkler, kalter Ort voll von Schatten, die
Alpträumen entsprungen zu sein scheinen. Umso heller erscheint einem jedoch das
Licht der Sonne, wenn es dann erneut durch die Wolken bricht. Man ist beinahe
geblendet von ihrer Schönheit, ihrer Wärme, ihrem einfachen Dasein. Und man
weiß, im Grunde war sie dies immer schon: Da. Sie war niemals fort. Wir… ich
war nur zu blind um sie zu sehen.
 Die dunkelste, kälteste Stunde ist immer jene vor der Morgendämmerung. So
heißt es doch. Doch es war mir nicht möglich die Dunkelheit abzuschütteln und
hinter mir zu lassen. Eine lange Zeit nicht. Es sollte die längste Dämmerung
meines Lebens werden.

 Mein Name ist Katherine Elizabeth McGrath, doch man nennt mich einfach nur
Katie. Und in euren Augen war und bin ich wohl einer der glücklichsten Menschen
auf dieser Welt. Ihr habt ja keine Ahnung… Ich hatte ja keine Ahnung…
 
 Ja, ich hatte (und habe noch) wahrhaftig alles. Ich war bekannt, gefragt und
ich wurde geliebt. Ich bekam Engagements, ich drehte mit den tollsten Crews
Europas Filme und Serien, ich bekleidete Rollen in Werbespots und genoss viel
Aufmerksamkeit von den Medien und vor allem von den Männern um mich herum. Ich
konnte mich wahrhaftig nicht beklagen.
 Und ich weiß, dass es vermessen ist, dass ihr mich alle verachten müsst,
wenn ich euch sage, dass all dies nur Äußerlichkeiten sind, Luxus, der mir nun
kaum noch etwas bedeutete. Es war angenehm, es war wunderbar, es machte Freude.
Aber es erfüllte mich nicht. Nicht mehr.
Nicht mehr ausschließlich jedenfalls.

 Ich hatte geglaubt es würde reichen berühmt und beliebt zu sein, in der
Arbeit aufzugehen. Und das war es ja auch. Allemal. Ich war auch wahrhaftig
niemand, der nie zufrieden war und immer mehr wollte. Nein, um Himmels Willen,
versteht das bitte nicht falsch. Ich wusste, dass es mir gut ging. Und jeden Tag
war ich aufs Neue unendlich dankbar dafür, für all diese Wunder um mich herum
und die ich erleben durfte, die mir zuteilwurden.

 Eines dieser Wunder… geschah ganz, ganz leise, still und verborgen in mir
drinnen, in den tiefsten Tiefen meiner Seele, brannte sich dort ein und war
seither immer da, unerschütterlich und unabänderlich, schleichend und
unerwartet. Dieses eine Wunder erhellte meine Welt jeden Tag, bereicherte sie,
erfreute sie. Und erfüllte sie.
Doch eben jenes Wunder… schien für mich auch für immer unerreichbar. Eine
Erwiderung meiner neuerwachten, intensiven Gefühle würde es wohl niemals
geben.
Denn er…
Er sah mich einfach nicht.

 Ich ergriff meine Tasche, warf mir meine Strickjacke über die Schulter und
trat mit einem Lächeln zu den anderen nach draußen. Es war kalt an diesem
klaren, sonnigen Herbsttag. Es roch nach Winter, doch ich fror nicht.
Colin erwiderte mein Lächeln.
Er war immer der erste, der ein Lächeln zurückgab.
 „Nun dann… war es das für dieses Jahr.“, sagte ich leichthin, bewusst
bemüht meiner Stimme einen fröhlichen Tonfall zu verleihen. Mein Blick glitt
unwillkürlich hinüber zu Bradley. Wie meistens. Er lachte und redete leise mit
der Frau, die er im Arm hielt. Eine von mehreren, die ich in den fünf Jahren,
die wir uns nun kannten, bereits in seinen Armen hatte sehen dürfen.
Und jedes Mal... tat es ein wenig mehr weh.
 Colin trat an meine Seite, hakte sich bei mir unter und dirigierte mich den
Weg vom Hotel hinunter zur Hauptstraße.
 „Jep, und es war wieder ein großartiges Jahr. Ehrlich gesagt bin ich aber
auch ein wenig froh, dass es vorbei ist. Das Drehen selbst ist nur halb so
anstrengend wie die ganzen Cons und die Publicity.“ Er seufzte leise.
„Nicht, dass ich das nicht auch mögen würde oder nicht zu würdigen wüsste.
Wir haben schließlich die liebsten Fans der Welt.“
 Ich nickte leicht, lächelte unerschütterlich weiter, mir der Nähe Bradleys
und seiner neuen Freundin in meinem Rücken überdeutlich bewusst. Es war, als
würde mich seine Aura selbst dann berühren und umhüllen, wenn ich nicht
hinsah, wenn er nicht unmittelbar neben mir stand. Ich wusste immer, wenn er da
war. Auch wenn ich ihn nicht sah. Und ich konnte sogar seine Stimmung spüren.
Etwas, das mir erst seit einiger Zeit wirklich bewusst geworden war.
 Ein kalter Wind kam auf, wehte mir mein schwarzes, langes Haar nach vorn und
ins Gesicht. Gedankenverloren strich ich es zur Seite, spürte die Kälte kaum.
Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass wir uns nun fast ein halbes Jahr
nicht mehr sehen würden. Nun ja, vorstellen konnte ich es mir sehr wohl, denn
es war immerhin bereits das fünfte Mal, dass dies so war. Doch es fiel mir
jedes verdammte Mal schwerer es einfach hinzunehmen. Es hinzunehmen, dass ich
ihn nicht mehr sehen konnte. Sein strahlendes Lächeln, seine leuchtenden Augen,
sein wunderschönes Gesicht… Dass ich seinen Humor nicht mehr um mich haben
würde, tat mir schon jetzt mehr weh, als ich mir selbst gegenüber offen
zugeben mochte.

 Das war nicht immer so gewesen. In unserem ersten Jahr am Set dachte ich die
ganze Zeit einfach nur, ich hätte es mit einem zu groß geratenen Kleinkind zu
tun. Sogar Colin, der jüngste unter uns, benahm sich oft sehr viel erwachsener
als er. Obwohl Bradley auch einen zunehmend… schlechten Einfluss auf den guten
Colin ausübte und dieser sich ebenfalls mehr und mehr zu Albernheiten
hinreißen ließ.
 Doch ich stellte über die Jahre fest, dass nur diese Beiden es vermochten,
mich wahrhaftig vor Lachen weinen zu lassen, mich so sehr lachen zu lassen, dass
mir am Ende alles weh tat. In einer Welt, die durchaus auch knallhart,
unbarmherzig und schnelllebig sein konnte, war ihr Lachen wie Balsam für die
Seele.
 Bradleys Humor war unerschütterlich und steckte alle an. Auch die Crew, die
den jungen Arthur Pendragon bald ebenso liebgewonnen hatte wie Colin, der den
Merlin verkörperte. Colin mochte jeder. Und dies gleich von Anfang an. Bei
Bradley war das… ein eher schleichender, fortlaufend wachsender Prozess.
Zumindest was mich anging.
 Ich beobachtete ihn, wir verbrachten ja alle eine Menge Zeit auch abseits der
Dreharbeiten miteinander, und ich lernte ihn besser kennen, verstand den sehr
feinen, verborgenen Sinn für Ironie hinter vielen seiner Sprüche und spürte
instinktiv, dass er innerlich sehr viel öfter als er es je zugeben würde eher
unsicher war, dies jedoch niemandem zeigen wollte. Er kompensierte dies mit viel
Sport - und mit seiner ausnehmend extrovertierten, mitreißend unterhaltsamen
Gegenwart. Doch wer sich die Mühe machte genauer hinzusehen und vor allem auch
einmal genau zuzuhören, der entdeckte einen Bradley, den er sicher nicht jedem
zeigen mochte und der voller Überraschungen steckte, voll unerwarteter
Tiefsinnigkeit, Ehrlichkeit und Wärme.
 Er konnte, wenn er wollte, auch durchaus ernst und sehr hilfsbereit, höflich
und unglaublich freundlich sein. Er zögerte nicht, wenn es etwas gab, das er
für seine Freunde tun konnte. Und er war der erste, der diese vehement
verteidigte, wenn es um Streitigkeiten ging, der aber auch schlichtend eingriff,
wenn es nötig sein sollte.
Auf der anderen Seite konnte er jedoch auch sehr aufbrausend  und starrsinnig
sein und seine Wut war teilweise wirklich erschreckend. Gott sei Dank kam dies
jedoch nicht so häufig vor. Aber es machte ihn auch menschlicher,
sympathischer. Jeder hatte schließlich Schwächen.
 Ich mochte ihn so, wie er war. Er hatte ein gutes Herz.
Und er war immer da, wenn man ihn brauchte.
Nun ja, wenn man es ihm sagte jedenfalls. Ich tat dies tunlichst nicht. Er
sollte nicht merken was in mir vorging und schon gar nicht denken, ich sei auf
irgendjemandes Hilfe angewiesen. Ich kam sehr gut allein zurecht. Das war immer
schon so gewesen.
Doch jetzt…
 Oh ja, ich mochte Bradley James.
Und seit geraumer Zeit auch sehr viel mehr, als mir wirklich bewusst war…

 Meine Sonne… Mein Licht… Mein Leben…

 Es mochte also wahrhaftig viele Menschen geben, die auf mich zeigten und sich
zuflüsterten, dass ich alles besitzen würde, dass ich der glücklichste Mensch
der Welt sein musste, dass es mir an nichts fehlen würde und ich absolut
zufrieden sein sollte. Und sie hatten Recht. Sie hatten verdammt nochmal Recht!
Ich sollte mich auf das besinnen, was ich in meinem Leben bis dahin schon alles
erreicht und geschafft hatte  - und das ganz allein indem ich mich auf mich und
meinen Instinkt verließ. Ich sollte froh und glücklich sein. Und natürlich
war ich das auch. Oft. Ich zeigte nach außen, was ich sein sollte und auch war.
Oh, doch. Ich war glücklich…
 Wann immer er um mich war, wann immer ich mir sicher war, dass ich am
nächsten Morgen aufstand und ihn wiedersah, wann immer ich mir darüber klar
sein konnte, dass ich auch am nächsten Tag seine Stimme hören würde und sein
Lachen teilen konnte, dann war ich glücklich.
 All die Conventions, die wir gemeinsam besuchten, zum Beispiel. Sie waren
anstrengend. Aber es gab auch nichts Lustigeres als eine solche Convention an
der Seite von Bradley James zu verbringen. Oder die Kommentare für diverse
Serien-Episoden, die wir hin und wieder für Radioshows aufzeichneten. Gott, ich
hatte keine Ahnung gehabt, dass ich so albern sein und mich dabei so gut fühlen
konnte wie in jenen Momenten, in denen Brad und ich uns neckten und ärgerten.
Ich spürte einfach, dass alles in mir aufblühte, wenn er um mich war – und
das nicht erst seit gestern. Doch was ich wirklich empfand war mir erst
kürzlich mit leisem Schrecken klar geworden.

 In jenem einen, kurzen, äußerst gefährlichen Moment, den es bei einer
Außendreh-Szene gegeben hatte und bei welchem Bradley um ein Haar tödlich
verunglückt wäre. Gott… Nie wieder würde ich den Augenblick vergessen, als
er, eigentlich mittlerweile ein geübter Reiter, von seinem Pferd abgeworfen
worden war und dann eine steile Felsböschung hinab fiel. Es hatte entsetzlich
lange gedauert, bis er unten aufschlug. Und ich vergesse auch nie dieses…
schreckliche Geräusch, mit dem es geschah.
 Und da hatte ich gemerkt, dass ich nicht mehr hätte weiteratmen können, wenn
ihm in jenem Moment wirklich etwas Gravierenderes zugestoßen wäre, als nur ein
Paar harmlose Prellungen, eine Gehirnerschütterung und eine üble Verstauchung.
Hier war die Rüstung, eigentlich eine Last, tatsächlich einmal ein wenig
hilfreich gewesen und hatte einiges von der Wucht des Aufpralles gedämpft.
 Ich war eine der ersten gewesen, die bei ihm war.
Ich hatte auf einer weiten Grasebene gemeinsam mit dutzenden Komparsen und einer
Schaupielkollegin, die eine feindliche Königin verkörperte, zu Füßen des
Felsens gewartet. Die Crew war ebenfalls bei uns unten gewesen und gefilmt wurde
die Sicht nach oben, wo auf dem Grat die Reiter Arthurs erschienen. Und dann war
dieses Unglück geschehen, weil sein Pferd durchging. Und als er dort unten zu
Füßen des Felsens lag, aschfahl und bleich im beinahe grellen Morgenlicht, da
zog sich in mir alles zusammen. Ich war sofort bei ihm, stützte seinen Kopf und
wartete, bis die Crew da und ein Arzt gerufen worden war.
 Ich sprach leise auf Bradley ein, sagte ihm unwichtiges Zeug, während um uns
her betriebsame Geschäftigkeit ausbrach und nach den Sanitätern gerufen wurde,
versuchte ihm allein durch meine beruhigenden Worte und meine Gegenwart Mut zu
machen. Zu diesem Zeitpunkt war das Ausmaß seiner Verletzungen noch nicht
bekannt. Entsetzt spürte ich nur sein warmes Blut auf meiner Hand, welche
seinen Kopf hielt. Und ich hatte unendliche Angst, dass er mir wegsterben
könnte.
Seltsam. Man dreht so viele verrückte und auch gefährliche Szenen, Szenen
über tödliche Kämpfe, Vergiftungen, Mord und Intrigen. Dass es den Tod
durchaus auch im richtigen Leben geben konnte, auch hier am Set, verdrängte man
gern bei derartigen Produktionen. Sicherlich gab es sonst auch Stuntdoubles.
Diese waren hier aber nicht eingesetzt worden. Damit hatte ja niemand rechnen
können. Es war eine so einfache Szene gewesen…
Eigentlich.
 Und so saß ich da, hielt seinen Kopf, redete beruhigend auf ihn ein, obwohl
in mir alles verkrampft war, obwohl in mir alles die Luft anhielt und in banger,
innerer Stille abwartete. Ich strich ihm sein verschwitztes, blondes, in der
Sonne gleißendes Haar aus den Augen. Wunderschöne, intensiv blaue Augen, die
mich leicht verwirrt und mit verschwommenem Blick ansahen, noch gar nicht ganz
registriert hatten, was soeben geschehen war. Mit aller Macht versuchte ich
meine Angst um ihn niederzukämpfen, die das Blut an meinen Händen, sein Blut,
schwarz und dunkel im grellen Sonnenlicht, in mir auslöste. Ich zwang ein
Lächeln auf meine erstarrten Züge, zwang mich Zuversicht auszustrahlen.
Ich beugte mich vor, die Lippen an seinem Ohr, und flüsterte leise:
 „Halte durch, Bradley, komm schon! Du bist ein Kämpfer! Du schaffst das!
Ich weiß, dass du es schaffst… Bitte… Verlass mich nicht…“

 Arthur... Mein Bruder… Mein König… Mein Geliebter…

 Ich war mir im Nachhinein nicht sicher, ob er diese Worte überhaupt vernommen
hatte. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn dem nicht so war. Doch ich
konnte einfach nicht anders, als die Worte auszusprechen, die wohl schon lange
Zeit in mir gewesen waren, die ich jedoch nie bewusst wahrgenommen hatte. Ich
wollte nicht, dass er mich verließ. Nie. Und innerlich fing ich wieder an zu
beten. Etwas, das ich seit meiner Kindheit nicht mehr getan hatte.
 Und meine Gebete wurden erhört.
Wie gesagt, es ging ihm unter diesen Umständen sogar noch relativ gut – auch
wenn wir den Dreh natürlich abbrechen und an einem anderen Tag fortsetzen
mussten, damit er sich erholen konnte.

 Wir sprachen nie wieder über diese Szene.
Doch seit diesem Zeitpunkt war ich mir meiner widersprüchlichen Gefühle nun
endlich vollkommen sicher, konnte sie nicht länger verleugnen. Bradley war er.
Jener Eine. Der Eine, dem mein Herz gehörte. Verrückt, wenn man den Beginn
unserer Bekanntschaft bedachte. Aber so klar, wenn man ihren Verlauf
betrachtete.
 Er war das Licht. Mein Leben…
Und ich der Schatten.
Sein Schatten. Und ich würde immer über ihn wachen. Auch wenn dies Schmerz
für mich bedeutete. Schmerz, ihn mit einer anderen zu sehen. Schmerz, in seinem
Blick vielleicht niemals eine Erwiderung auf meine Gefühle zu finden. Aber ich
würde da sein. Wann immer er mich brauchen sollte. Zumindest nahm ich mir das
vor…

 Ich hatte damals gerade ein sehr interessantes Buch zur Artus-Sage gelesen.
„Der Weg nach Avalon“ von Joan Wolf. Und ich spürte mehr denn je einen
seltsamen Widerhall der Gefühle der Morgan aus dieser Geschichte in mir selbst,
welche ganz genauso dachte. Zeit ihres Lebens. Würde ich ebenfalls mein Leben
in seinem Schatten verbringen müssen? Im Schatten meiner Liebe? Würde mir das,
ebenso wie Morgan, denn genügen? Hatte ich ihre Stärke, um so etwas
durchzuhalten?
Die Antwort war klar und einfach:Nein.
 Ich war weder die hasserfüllte Morgana, noch die von Vernunft gesteuerte
Morgan, die nur zum Wohle anderer handelte. Ich war Katie, die verzweifelt
verliebte und von Sehnsucht geplagte Katie. Ich hatte keine Lust den Rest meines
Lebens hinter einer Liebe her zu trauern, die ich niemals haben konnte.
Vielleicht… war es besser zu vergessen. Mir jemand anderes zu suchen. Doch
dies hatte ich bereits häufiger in Erwägung gezogen und auch probiert zu tun
– und es hatte kein einziges Mal funktioniert. Ich empfand einfach nichts für
andere. Denn alle meine Gefühle, ob ich nun wollte oder nicht, lagen bei ihm.
Einzig bei ihm. Und er wusste es nicht einmal.
Verdammt...

 Und seit jenem Unfall… wie gesagt… war ich leider nicht mehr ganz so
glücklich. Ja, verurteilt mich nur. Ich hatte alles, ich brauchte nichts. Ich
war gesund, hatte Geld und einen wohlwollenden Agenten, der meinem Hintern
hinterher starrte, wenn ich einen Raum verließ. Ich wurde bewundert und
geliebt, ich hatte Spaß an meiner Rolle, der dunklen, bösen Morgana, konnte
all das vor der Kamera ausleben, was andere vielleicht tief in sich verbergen
mussten. Doch wann immer er einen Raum verließ, ging ein Teil von mir mit ihm.
Wann immer er mit Angel eine Szene hatte, verkrampfte sich unbewusst mein
gesamter Körper. Das war auch nicht immer so gewesen. Und jetzt, wo ich ihn mit
dieser Blondine im Arm fortgehen sah (Herrgott, er hatte wohl ein Faible für
kleine, zuckersüße, naive  Blondchen! Idiot!
), und beobachtete, wie er uns
lächelnd zuwinkte, uns einen schönen Winter und eine fröhliche Weihnachtszeit
wünschte, glaubte ich plötzlich, mein Herz müsse stehenbleiben, einfach
aufhören zu schlagen. Denn der Grund, warum es schlug war im Begriff mich zu
verlassen. (So viel dazu, dass ich in Erwägung gezogen hatte ihn zu
vergessen…
)

 Alberne…, dumme…, kindische Gedanken.
Es hatte Jahre lang ohne sie funktioniert. Warum, warum fühlte ich nun anders?
Warum konnte nicht alles so bleiben wie es war, warum stellte ich mir selbst ein
Bein und brachte mich und meine wohlgeübte Selbstbeherrschung zu Fall?
 Die Blondine grinste und winkte ebenfalls.
Ich lächelte falsch und mit versteinerter Miene zurück, meine Hand bewegte
sich beinahe mechanisch.
Himmel nochmal…! Sie war vielleicht hübsch, ja. Und ganz und gar blond…
Aber ich… war doch auch nicht hässlich… Oder? Doch neben dieser
strahlenden, blonden Perfektion fühlte ich mich plötzlich mehr denn je wie die
dunkle Morgana, die in den Schatten lebte und die keine andere Wahl hatte als zu
hassen – vor allem auch sich selbst…
 Er hatte mich nie so angesehen, wie diese Frau. Er hatte mich zumindest
niemals anders behandelt als alle anderen. Er sah in mir nur eine Freundin.
Sonst nichts. Und ich war es ja auch: Seine Freundin. Nicht weniger. Aber auch
nicht mehr.
Und jetzt… genügte mir dies nicht mehr.
Warum nur? Ich hatte das alles, all diese… dummen Gefühle in mir, doch nicht
nötig!
Oder etwa doch?

 Dumme Gans! Ihr dämliches Grinsen konnte sie sich sonst wohin stecken, wenn
es nach mir ging. Ich war mir hundertprozentig sicher, dass es auch ihrerseits
bloß eine Geste und definitiv nicht so gemeint war.
 Ach, wie sehr wünschte ich mir nun gerade jetzt eines jener wundervollen
Outfits herbei, die ich eigens für die Produktion genäht bekommen hatte. Es
waren so wunderschöne Kleider und sie alle waren aus feinsten Stoffen
gefertigt, hatten die schönsten Schnitte. Ich war in dieser Hinsicht wirklich
ein kleines Mädchen und quietschte beinahe vor Freude, wann immer man mir ein
neues Exemplar präsentierte, in dem ich drehen durfte. Gott, ich liebte diese
Kleider! In ihnen… war ich ein ganz anderer, selbstsicherer Mensch. Und ich
gebe unumwunden zu, dass ich die Blicke der Männer sehr mochte, die mir
bewundernd folgten, wenn ich sie trug.

 Auch seinen Blick hatte ich nicht vergessen. Den einzigen dieser Art, den ich
vielleicht je bei ihm sehen durfte.
Das hatte zwar von Kostüm zu Kostüm nachgelassen – wohl, weil es niemanden
mehr wirklich überraschte, dass ich darin gut aussah (Wobei ich mich selbst
jedes Mal im Spiegel bestaunte und SEHR WOHL überrascht war… War das wirklich
ich?
), aber jenen ersten Blick würde ich nie im Leben vergessen. Ich hatte das
weinrote, hauchdünne Kleid anprobiert, das ich in der ersten Episode zum
Bankett tragen würde. Es war schulterfrei, lang und fließend. Mein Haar hatte
man kunstvoll hochgesteckt. Ich kam mir wahrhaftig wie eine Prinzessin vor. Und
im Flur war mir dann Bradley begegnet. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt noch
nicht allzu lange. Unser Blickkontakt hielt weniger als eine Sekunde, dann
senkte ich hastig die Lider, mit einem Mal leicht kurzatmig und berührt von
dem, was ich glaubte in seinen tiefblauen, überrascht geweiteten Augen gesehen
zu haben. Auch er wandte beinahe hastig den Blick ab. Doch ich konnte es noch
sehen: Die Überraschung. Seine Bewunderung. Zwar hatte er krampfhaft so getan
gleichgültig zu wirken, aber als ich neugierig einen Blick zurückwarf, als wir
aneinander vorbeigegangen waren, da starrte er mir mit einem eindeutig
hungrigen, bewundernden Blick hinterher, die perfekten Lippen leicht geöffnet,
die Augen groß und dunkel. Ertappt und leicht errötend hatte er sich hastig
umgewandt und war weitergelaufen. Und ich fand es süß, dass auch seine Ohren
verdächtig rot wurden.
Doch jenen Blick würde ich niemals vergessen.
Es… überraschte mich.
 Sein Blick brannte wie Feuer, hatte das Blut in meinen Adern rascher fließen
lassen, es hatte in meinen Ohren gepocht, mein Herz schlug schneller und mein
Atem beschleunigte sich. Solch einen Blick hatte er mir danach niemals wieder
gezeigt. Nicht, dass mir das seinerzeit wirklich etwas ausgemacht hätte. Mir
war zu diesem Zeitpunkt nicht klar gewesen, was sich da in mir entwickelte. Noch
lange nicht.

 Was auch immer all das bedeuten oder nicht bedeuten mochte – in jenem einen
Augenblick, hier draußen im kalten Licht der Herbstsonne, bei diesem weiteren
Abschied, wünschte ich mir kindischer weise ein solches Kleid herbei, um ein
Mal, nur noch ein einziges Mal, mehr als einen flüchtigen Blick von ihm
einfordern zu können, mehr als nur einen beiläufigen Abschiedsgruß.
Oh, verdammt…

 Colin legte mir eine warme Hand auf die Schulter und ich merkte erst in diesem
Moment, dass ich noch immer wie versteinert dastand und lächelte, obwohl Brad
mit seinem Auto bereits losgefahren war.
 „Katie? Alles in Ordnung?“
Ich sammelte mich, schluckte hart und versuchte sein Lächeln zu erwidern. Es
wirkte wohl reichlich verunglückt, denn die Sorge in seinen dunkelblauen Augen
vertiefte sich noch.
 „Was ist los?“
„Wie bitte? Was soll... los sein? Alles bestens…“
Er nahm mir das nicht ab, und als ich meine Hand beinahe haltsuchend nach der
Tür meines kleinen Sportwagens ausstreckte trat er mir in den Weg und ergriff
sie.
 „Ich kenne dich doch, Katie. Ich bin dein Freund. Du kannst mir sagen, wenn
dich etwas bedrückt.“
 ‚Ja und du bist Bradleys siamesischer Zwilling, und wenn ich DIR meine
Gedanken mitteilen würde, wäre das ziemlich naiv von mir.‘
, dachte ich
voller Ironie.
Laut sagte ich: „Das weiß ich Colin. Danke. Ich bin nur… erschöpft.
Vielleicht… brauche ich einfach ein wenig Ruhe.“
 Er seufzte und nickte dann, ließ meine Hand widerstrebend los. „Ja, ich bin
auch erledigt. Diese Staffel hatte es in sich. Bin gespannt, was sie in der
nächsten mit uns vorhaben.“
 „Tja, viel Auswahl gibt es nicht mehr, jetzt, wo er bereits König ist.“,
hörte ich mich mit leicht frustrierter Stimme antworten. „Morgana oder
Mordred (oder beide gemeinsam) werden Arthur töten, oder auch nicht. Gwen wird
ihn verlassen, oder auch nicht. Merlin wird gegen Morgana und Mordred kämpfen,
oder auch nicht… Aber abseits davon… keine Ahnung.“
Colin blinzelte irritiert.
 „Du bist… aufgebracht.“, stellte er fest. „Warum?“
„Ach, Colin. Entschuldige bitte. Das war einfach nicht so gemeint. Es ist nur
so, dass ich manchmal die Entscheidungen der Produzenten nicht ganz
nachvollziehen kann.“
 Der schwarzhaarige junge Mann nickte. „Da gebe ich dir Recht, Katie. Aber
wir sollten uns langsam daran gewöhnt haben, nicht wahr?“ Er zwinkerte mir
lustig zu und ich konnte nicht umhin, das erste Mal seit heute Morgen wieder
ehrlich und wirklich befreit zu lächeln.
 „Du schaffst es doch immer mich wieder aufzubauen, Colin. Du wirst mir
fehlen. Ihr alle… Nun ja… ich wünsche dir eine schöne Weihnachtszeit mit
deiner Familie. Und wir sehen uns ja dann am ersten Januar, zu deiner
Geburtstagsfeier.“
Jener Geburtstagsfeier, auf welche ich mir sehr wohl noch überlegen würde zu
gehen. Wenn das so weiterging war es vielleicht besser Bradley nicht mehr so
schnell unter die Augen zu treten – zumindest nicht seiner neuen…
Sparflamme.
Himmel nochmal, war ich heute wieder sarkastisch… Ein schräges, leicht
gequältes Lächeln glitt über meine Züge. Wieso tat es nur so weh, auch nur
über ihn nachzudenken?

 Ich umarmte Colin spontan. Das tat ich auch nicht immer. Er drückte mich kurz
überrascht an sich. „Ich würde mich freuen, wenn du kommst.“, sagte er
leise und einfühlsam, als hätte er meine letzten Gedanken erraten.
 Eine Sekunde lang war ich versucht ihm nun doch alles zu sagen. Da ich jedoch
wusste, dass Colin und Brad sich auch während der Wintermonate häufig
besuchten, ließ ich es schließlich bleiben. Es würde für Colin nicht einfach
sein, eine solche Bürde mit mir gemeinsam zu tragen, wenn der Grund dieser
Gefühle direkt vor seiner Nase eine andere ausführte.
Selbiges galt natürlich auch für mich… Daher meine Überlegung, eher nicht
zu Colins Party zu gehen. Aber das war noch einige Wochen hin. Ich schob die
Entscheidung hierüber noch weit von mir.
 „Wirst du abgeholt?“, fragte ich und ignorierte damit die verborgene
Aufforderung zu reden, die in seinen letzten Worten steckten mochte.
 „Ja.“, er nickte. „Mein Agent kommt gleich und bringt mich zum
Flughafen.“
Ich schloss mein Auto auf und stieg ein.
 „Okay, also dann, Colin. Man sieht sich. Ich freue mich schon.“
Wir winkten.
 Doch ich war hin und hergerissen. Ich war erleichtert, dass es vorbei war für
dieses Jahr, doch. Ich würde meine Familie wiedersehen, mich um weitere
Filmprojekte kümmern. Wie jedes Jahr. Aber auf der anderen Seite…

 Und während ich ausparkte und langsam die Straße hinunterfuhr merkte ich
nicht einmal, dass ich stumme Tränen weinte, weil sich alles in mir vor
schmerzhafter Sehnsucht zusammenzog.

 Warum…
Warum nur…
Mein Licht… Mein Leben… Meine Liebe…


If I were the moon, I could catch your eye
I'm jealous of the moon
If I were the wind, I would make you fly
I'm jealous of that too

I wish I were the sun shining on your face
caressing like a lover
I would wrap you in a warm embrace
we'd be holdin' one another
I'm jealous of the sun

I don't wanna share you with nothing else
I gotta have you to myself  
I can't help it
I'm so in love
I just can't get you close enough

When the sun's on your skin
I can't hold it in
and I know it's a sin
but I'm jealous of the sun

I wish I were the rain runnin' down your neck
and drippin' from your fingers
Then I could be the drops rollin' off your back
I'd love to let it linger
I'm jealous of the rain

When it rains on your face
I almost can taste
your beauty, your grace
I'm jealous of the rain

When the wind's in your hair
the way it blows through the air
it seems so unfair

When the moon's in your eyes
you seem to light up the skies
and I realize

I'm even jealous of the moon


~~~oOo~~~
 
 Die folgenden Wochen bis zum Jahreswechsel waren so vollgestopft mit Terminen,
dass man meinen konnte, ich hätte keine Zeit über all dies nachzudenken. Doch
eher das Gegenteil war der Fall.
 Ich tat all das, was ich mir vorgenommen hatte, besuchte Meetings, nahm
Werbekampagnen wahr, hatte Verabredungen mit Fotografen und Modedesignern. Ich
drehte Werbespots und wurde zu Talkshows eingeladen. Ich wurde perfekt gestylt.
Meine Fassade war makellos. Doch darunter... brannte ein Feuer. Es loderte mit
jedem Tag der verging ein wenig heller und verzehrte mit seiner unerwarteten
Bosheit all das, was gut und heiter in mir war. Ganz einfach, weil es reine
Eifersucht war, die da in mir heranwuchs. Ein hässliches, wucherndes Geschwür,
dem kein Kraut gewachsen schien.
 Unsinn?
Nun ja, das mag stimmen, von einem gewissen Standpunkt aus und wenn man bedenkt,
was ich eingangs sagte, nämlich, dass es mir an rein gar nichts fehlen würde.
Doch die einfache Tatsache war: Auch ich war nur ein Mensch. Auch ich war nicht
gefeit vor den ureigensten Gefühlen und Ängsten eines solchen. Ich war längst
nicht so perfekt und makellos, wie sie alle meinen mochten - und wie erstaunt
war ich, wenn ich mein eigenes Konterfei in einer Zeitung oder auf einem
Werbeplakat entdeckte. War das wirklich ich? Und vor allem: Warum fiel nur mir
selbst auf, dass der Ausdruck in meinen Augen stumpf und verloren wirkte?
 
 Ich war und bin eine starke, eigenständige Person, worauf ich sehr stolz bin.
Das könnt ihr mir glauben. Im Leben wurde mir bisher nichts geschenkt und ich
hatte früh gelernt, für meine Überzeugungen einzustehen und sie auch
lautstark zu verteidigen, wenn es denn vonnöten war. Ich hatte "die nötigen
Ellenbogen", wie mein Vater oft sagte, um in einer Welt, so schnelllebig und
oberflächlich wie der unsrigen, zurechtzukommen. Normalerweise jedenfalls.

 Ich spürte jedoch seit einigen Monaten, dass mir der Boden schleichend und
langsam unter den Füßen weggezogen wurde. Und das Dumme war: Auch wenn ich mir
dessen durchaus bewusst war konnte ich nichts, rein gar nichts dagegen tun. Dass
ich nun ausgerechnet Herz und Seele an einen Mann verlor, der mich nicht
wahrnahm - nun, das war Pech. Wie vielen Menschen auf der Welt mag es ähnlich
ergehen – und sie leben trotzdem einfach weiter? Also tat es auch ich.
 Und Brad tat mir ja nicht absichtlich weh. Er konnte nicht einmal wissen, dass
jene lachende, selbstbewusste Kollegin, die neben ihm noch jedes Interview
bravourös und humorvoll meisterte, dass eben jene strahlende, perfekte Katie
auch ein Herz hatte, ein Herz voll banger Hoffnungen und Sehnsüchte. Ein Herz,
das sie verschenken wollte - und es getan hatte, ohne sich zu vergewissern, ob
der Empfänger es überhaupt haben wollte. Mein Herz... es driftete verloren in
einer See der Hoffnungen und Träume dahin. Es wartete darauf entdeckt zu
werden. Es wartete darauf, dass der Mann, den ich liebte, hinter meiner Fassade
meine Sehnsüchte, meine Verletzlichkeit bemerkte und mich vor mir selbst
bewahrte - mich wieder vervollständigte.

 Nun, da konnte ich wohl lange warten. Denn Bradley James, der Mann, dem ich
mein Herz gegeben hatte, wusste nicht einmal davon. Und er hatte eine andere,
eine neue Freundin. Wie sollte ich es ihm dann jemals sagen können? Wie konnte
ich erwarten, dass ihm jemals klar wurde, was ich empfand?

 Es lag an mir das zu ändern, wenn ich es denn wollte. Es lag an mir, ihm dies
bewusst zu machen. Doch ich hatte Angst vor den Konsequenzen, Angst damit das zu
zerstören, was uns in Freundschaft verband – ganz zu schweigen von seiner
neuen Beziehung, wenn sie denn eine solche war... Wie auch immer, ich hatte
nicht das Recht das zu zerstören, was Bradley und diese… Frau hatten. Und das
sah mir eigentlich gar nicht ähnlich. Denn wenn ich etwas wollte, dann kämpfte
ich für gewöhnlich darum. Doch hier… versagte der berüchtigte Mumm einer
Katie McGrath jämmerlich. Denn dies war meine verwundbarste Stelle. Meine
Achillesferse.

 Die Entfernung von allem, was mit der Merlin-Produktion zu tun hatte, sollte
mir eigentlich den Kopf freihalten, mich erden. Aber ich sehnte mich nur noch
mehr nach seinem Lächeln, nach seinem Humor, nach ihm... Jeder Blick, der mich
aus den Augen eines anderen Mannes traf, mich musterte, mich bewundernd
taxierte... Bei jedem dieser Blicke wünschte ich mir es wäre seiner.

 Kurz vor Weihnachten waren wir von der BBC zu einem Interview eingeladen
worden. Wir sollten über die vergangene und über die künftige Staffel der
Serie ein wenig plaudern. Doch lediglich Colin und ich hatten Zeit hinzugehen.
Angel war nicht einmal in England, sie besuchte Freunde in den USA. Und Bradley
ließ sich entschuldigen, weil er an einem Benefiz-Fußballturnier teilnahm.
 Ich war gespalten, was diese Neuigkeiten anbetraf. Auf der einen Seite war es
mir im Grunde gleich. Interviews hatten wir schon oft getrennt voneinander
geführt. Auf der anderen Seite hatte ich so sehr gehofft ihn auf diese Weise
noch vor Weihnachten und dem Jahreswechsel wiederzusehen.
Doch er würde nicht kommen.
 
 Auch an jenem Tag bei der BBC war ich eine halbe Stunde in der Maske gewesen
und alles lief perfekt und makellos. Colin und ich waren auch gut aufeinander
eingestellt: Es fiel uns nicht schwer einander verbal die Bälle zuzuspielen und
wunderbar mit dem Moderator zu harmonieren.
 Doch hinterher, und das traf mich schon sehr tief, denn ich hatte wirklich
geglaubt, dass nur ich es sehen könnte, hinterher bescheinigte mir Colin, dass
er sich Sorgen um mich machen würde. Unverblümt, geradeheraus und
grundehrlich. So wie er nun einmal war.
 
 Ich war eben dabei mein Taxi zu besteigen, eigentlich schon bei der
Verabschiedung, und dann kam er mir mit so etwas. Großartig. Als wenn ich so
kurz vor den Feiertagen nicht genug mit mir selbst zu tun hatte.
 Doch der einfühlsame, sensible Colin spürte etwas, das mir selbst völlig
abging in all dem inneren und äußeren Stress der mich seinerzeit ausmachte:
Der Zeitpunkt war gekommen, der Zeitpunkt war richtig. Wenn nicht jetzt, wann
sonst sollte ich mir von der Seele reden, was mich beschäftigte? Es war
Weihnachten, Himmel noch eins! Gerade jetzt sollte man vielleicht einmal ehrlich
zu sich selbst sein.
 Und so drückte ich meinen Rücken durch, drehte mich herum und erwiderte
seufzend seinen Blick. „Also schön, Colin… Ich… würde gern deine Meinung
zu einer Sache hören.“
 Er lächelte breit. Und es war, als würde mir schon jetzt eine kleine Last
von den Schultern genommen. Colin Morgan war vielleicht der vertrauenswürdigste
Mensch den ich kannte. Auch wenn er gut mit Bradley befreundet war, so glaubte
ich doch im Grunde fest daran, dass er seinem Freund niemals etwas von meinen
wahren Gefühlen preisgeben würde – es sei denn ich wollte dies so.
 Und so winkte ich dem Taxifahrer ohne mich zu fahren, und schloss mich Colin
an.
 
 Wir gingen in ein Café in einem der gemütlicheren, älteren Teile der
Londoner Innenstadt. Von hier aus hatte man einen wunderbaren Blick auf die
nebelverhangene Themse. In der Ferne nahm ich den imposanten, vertrauten Umriss
der Tower-Bridge wahr.
 Und hier, umgeben von Weihnachtsdekoration und dem einlullenden Gemurmel
anderer Gäste, in der Gegenwart des wohl einzig wirklichen Freundes, der dieser
Bezeichnung auch absolut würdig war, schüttete ich nun mein Herz aus. Und ganz
gleich was danach kam: Es tat so gut sich zu öffnen. Ich spürte sogar wie ich
weinte, als ich zum Ende kam.
 Rasch verbarg ich mein rotnasiges Gesicht hinter einer Weihnachtsserviette und
wischte meine Tränen fort.
 
 Und Colin, der wunderbare Colin mit dem strahlenden Lächeln, der wunderbare
Colin, der die ganze Zeit geduldig zugehört und geschwiegen hatte, er sagte
auch jetzt zunächst einmal gar nichts. Alles was er tat war meine Hand warm mit
seiner zu bedecken, sie leicht zu drücken und ermutigend zu lächeln.
 „Katie… es wäre gelogen wenn ich dir nun sagte, es würde mich
überraschen, was du mir gerade alles erzählt hast.“, durchbrach er unsere
nicht unbehagliche Stille schließlich leise.
Ich blinzelte. Waren denn meine Gefühle für jeden so offensichtlich? Ich bekam
es ein wenig mit der Angst zu tun und er ordnete meinen Gesichtsausdruck wohl
auch sofort richtig ein, denn erneut drückte er beruhigend meine zitternde
Hand.
 „Keine Angst. Ich bin mir sicher das er es nicht bemerkt hat.“
Ich blickte hinunter auf die Tischplatte und in meinen inzwischen kalten Kaffee,
teilweise erleichtert, teilweise jedoch widersinniger weise auch enttäuscht ob
seiner Eröffnung.
 „Ich kenne Brad sehr gut, da hast du Recht. Manchmal sieht er den Wald vor
lauter Bäumen einfach nicht in seiner Begeisterung… Ich kann dir aber eine
Sache auf den Kopf hin zusagen: Bradley ist ein Hitzkopf, ein Heißsporn. All
das, was ich nicht bin. Ich bewundere dies an ihm, doch zum Teil bin ich auch
froh, dass ich nicht sein Gemüt besitze. Es würde mich manchmal an den Rand
des Wahnsinns bringen, wenn ich solch ein Ego wie mein Freund besäße. Wir
ergänzen uns in dieser Hinsicht glaube ich ganz gut. Ich vermag es ihn hin und
wieder in seiner Begeisterung ein wenig zu zügeln, so wie er es wiederum immer
wieder schafft, mich zu motivieren, wenn ich antriebslos bin. Was ich auch weiß
und worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, dass die Frauen… mit denen er in
letzter Zeit etwas gehabt hat… Nun ja… wie soll ich es sagen…“
 Ich hing gebannt an seinen Lippen, saugte jedes Wort auf wie ein Schwamm das
Wasser, und er war sich dessen durchaus bewusst, wollte nichts Falsches sagen.
 „Ich würde sagen… er sucht. Das tut zwar jeder mehr oder weniger von uns.
Doch er tut es… hin und wieder… doch sehr exzessiv. Geradezu
selbstzerstörerisch. Hals über Kopf und gleich die volle Bandbreite der
Gefühle. Dabei ist er schon häufiger auf die Nase gefallen. Und ich durfte
dann sein geknicktes Ego wieder richten.“ Er lachte leise. „Brad ist ein
wunderbarer Mensch. Aber manchmal schätzt er sich selbst völlig falsch ein,
denkt ziemlich schlecht von sich. Man mag es nicht glauben, aber dieser
unerschütterliche, teilweise auch durchaus antrainierte Humor, den er jedem
zeigt, ist eine Art… Schutzmaßnahme, um nicht zu viel von sich und seiner
Seele preisgeben zu müssen.
 Früher oder später merken das die Frauen an seiner Seite. Er hat es bisher
noch nie geschafft – soweit ich das beurteilen kann – einer von ihnen seine
Seele zu offenbaren. Und letzten Endes kann eine Beziehung nur an so etwas
scheitern. Er hat sie noch nicht gefunden… jene Eine…, der er sich
vorbehaltlos und ohne Angst verletzt zu werden öffnen kann.“

 Ich rührte wie eine Besessene in meinem ohnehin bereits hoffnungslos kalten
Kaffee und wagte es kaum zu atmen.
 „I…ist das wahr?“, fragte ich zittrig und das gab so viel mehr von mir
und meinen wahren Gefühlen preis, als alle meine Worte zuvor. „Woher…
weißt du all das? Hat er dir das gesagt?“
 „Nun… wir reden wirklich über sehr viele Dinge. Doch einiges kann ich mir
auch zusammenreimen, weil ich ihn eben sehr gut kenne. Es ist umgekehrt ja nicht
anders.“
 Ich blickte ihn bewundernd an. „Ihr beide habt wirklich… eine einzigartige
Freundschaft.“ Leichte Wehmut klang in meinen Worten mit.
Er lächelte warm. „Wofür ich sehr dankbar bin, das kannst du mir
glauben.“
 „Also… scheint er… bislang jedenfalls… seine… große Liebe (ich
hatte Schwierigkeiten diese Worte überhaupt auszusprechen, selbst in Gegenwart
von Colin…
) noch nicht gefunden?“
 „Nun ja… bis jetzt.“, schränkte Colin schließlich ein. „Seine…
neue Freundin kenne ich noch gar nicht richtig. Ich kann das noch nicht so
beurteilen. Er redet auch kaum über sie – was merkwürdig ist. Das hat er
sonst immer getan.“
 
 Er räusperte sich unbehaglich und sah mir dann direkt in die Augen.
„Katie… ich bin ebenso dein Freund wie auch seiner. Aber könntest du bitte
ihm gegenüber nicht erwähnen, was ich…?“
 Ich nickte hastig und beeilte mich ihn zu beruhigen. „Natürlich. Quitt pro
quo, nicht wahr? Ich werde ihm nichts davon sagen, was du mir erzählt hast. Du
wirst ja auch von meinen Gefühlen niemandem etwas verraten, oder? Das ist doch
selbstverständlich… Nur… was soll ich denn nun tun?“ Ich breitete hilflos
meine Hände vor ihm aus.
 „Es gibt nur eines was du tun kannst, um völlige Gewissheit zu bekommen.
Und du weißt was das ist. Dazu brauchst du meinen Rat auch nicht, Katie. Ich
kenne dich. Du bist eine starke, entschlossene Frau. Und du weißt immer was zu tun ist. Auch jetzt, wo deine Gefühle so aufgewühlt sind.“
 „Aufgewühlt ist gar kein Ausdruck.“, seufzte ich und bestellte noch einen
Kaffee Latte. Draußen begann es bereits zu dunkeln und ein paar vereinzelte
Lichter tanzten auf den trägen Wellen der Themse.
 „Dass du überhaupt noch mit mir redest, nachdem ich dich dir von all dem
erzählt habe was in mir vorgeht. Von all den… dunklen Gefühlen, gegen die
ich machtlos bin. Mein Gott, Colin. Es ist so widerlich eifersüchtig zu sein.
Und ich bin es! Ich bin es so sehr! Ich bin… eifersüchtig auf jede andere
Frau, die er auch nur ansieht! Wann ist das passiert? Wann konnte ich mich
selbst nur so verlieren? Ich beneide selbst die Luft, die er atmet, den Regen
auf seinem Gesicht oder das Sonnenlicht, das…“ Ich brach ab und hob
erschrocken die Hand an die Lippen. Was zum Teufel war in mich gefahren?
 „Und genau deswegen mag ich dich so sehr, Katie.“, führte Colin mit einem
breiten Lächeln aus. „Genau deswegen. Weil du so grundehrlich bist und immer
sofort sagst, was du denkst und fühlst. Weil du deine eigenen Schwächen kennst
und sie dir gegenüber eingestehst, was der erste Schritt auf dem richtigen Weg
ist. Und weil niemand…, niemand den ich kenne so leidenschaftlich fühlen kann
wie du. Mit jedem Wort, das du sprichst, merke ich, wie sehr du ihn liebst.
Katie, befreie dich selbst, lass die Eifersucht dich nicht auffressen. Geh hin
zu ihm und sage ihm was du fühlst. Bevor…“
 „… es zu spät ist…“, flüsterte ich. Er nickte leicht.
 „Ja du hast Recht.“, sagte ich leise, während die Kellnerin mir meinen
Kaffee reichte. „Ich wusste schon bevor ich dich um Rat fragte, was ich tun
muss. Das einzige, was ich tun kann.“
 Ich blickte auf und sah in seine unendlich blauen Augen. Sie waren ein wenig
dunkler als die von Bradley. „Dennoch… es war wichtig für mich mit einem
Freund darüber zu reden, das hast du ganz richtig erkannt. Und ich danke dir.
Für alles. Dafür, dass du mich verstehst und mir zugehört hast. Dass du mir
Mut gemacht hast. Glaube mir, ich … wäre daran zerbrochen. Früher oder
später wäre ich daran zerbrochen. Ich musste all diese Dinge einfach hören,
verstehst du?“
 „Ich verstehe.“
Wir blickten uns über den Tisch hinweg an, lange.
 „Du bist ein wahrer Freund, Colin.“, sagte ich, ein fernes Echo ganz
ähnlicher Worte, die er bereits in einer Episode der Serie aus Bradleys Mund
vernommen hatte.

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 Colin Morgan hörte diese Worte oft. Und natürlich stimmten sie ihn froh und
glücklich. Denn ein jeder gab ihm gegenüber damit seine Wertschätzung zum
Ausdruck.
Doch wer fragte eigentlich nach seinen eigenen Gefühlen?
 Er musterte Katies hübsches, blasses Gesicht, das nun, im Kerzenschein,
weicher und weniger stressgeplagt aussah.

 Obwohl er gewusst hatte, was kam, obwohl ihm, wie er auch gesagt hatte,
durchaus klar gewesen war, dass all ihre Gefühle nur… ihm vorbehalten waren,
so tat es doch erstaunlich weh. Katie… war sehr viel mehr für ihn als eine
Freundin. Um ein Haar wäre ihm das vorhin auch herausgerutscht. Doch er hatte
sich gerade noch zurückhalten können.
 Er wollte, dass sie glücklich war. Sie so leiden zu sehen versetzte ihm einen
größeren Schmerz, als der, den er ohnehin in sich trug.
 Sie war so wunderschön, so herzensgut – indes unerreichbar für ihn. War es
das, was sie Brad gegenüber empfand? Warum war die Welt dann so ungerecht? Dass
ein jeder jemanden liebte, der ihn nicht widerliebte?
 Doch es sollte ihm genügen sie glücklich zu sehen. Er sah es ihr an, dass
sie bereits plante, überlegte, wie sie es Bradley sagen sollte. Und sein Herz
zog sich schmerzhaft zusammen bei dem Gedanken, wie viel er zerstören könnte,
würde er auch nur ein Wort darüber verlieren, wie er wirklich ihr gegenüber
empfand. Er wollte sie nicht als Freundin verlieren. Er würde nichts sagen. Und
darauf hoffen, dass eines Tages vielleicht jemand kam, der ihren Platz in seinem
Herzen einnehmen konnte.

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Songtexte by Eowyn "Unfinished memories"
und Shania Twain "Jealous"
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