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Hochzeit

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
07.04.2012
07.04.2012
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Okay, das ganze hier ist mein Ergebnis der ersten Runde des Schreibzirkels.
Die ist schon ne Ewigkeit beendet, und eigentlich bin ich auch schon eine Ewigkeit fertig, aber ich bin bis jetzt nicht zum Abtippen gekommen.
Jetzt ist es aber fertig.
Der Link zum Schreibzirkel: http://forum.fanfiktion.de/t/14212/1

Vielleicht ist das ganze auch noch ein Beitrag zum "Crazy Wedding" Projekt: http://forum.fanfiktion.de/t/12699/1



Wahrscheinlich gehört dieser OS irgendwie zu Konjunktiv, Auseinander und Tanzstunden, zumindest ist der Ich-Erzähler in allen Fällen der gleiche, nämlich Chris.



Die Schlagworte:Schnee, Wärme, Türklinke, Zeit, Kissen

Johns Hochzeit fand in Griechenland statt.
Sie fand aus heiterem Himmel statt.
Sie fand statt, als ich eigentlich keine Zeit hatte.
Das wären gute Gründe gewesen um nicht hinzugehen und ich gebe ehrlich zu, dass ich überlegt habe, diese Ausrede zu verwenden.
John ist mein bester Freund.
Ich saß im Flieger und wartete darauf zu landen.
Eigentlich tat ich das nicht. Nicht direkt.
Sicher wartete ich darauf anzukommen, weil das nun mal Sinn und Zweck eines Fluges ist, aber eigentlich genoss ich den Flug sehr.

Ich mag Fliegen.
Das stand direkt und "John ist mein bester Freund" auf der Pro-Liste.
Es wog das "Die Hochzeit fand in Griechenland statt" auf.
Und "Anja redet nur mit mir wenn ich hingehe und sorgt dafür, dass ich frei habe" wog selbstverständlich das "eigentlich habe ich keine Zeit" auf.
Also war ich im Flieger und wartete irgendwie auf die Landung und irgendwie auch nicht.

In Griechenland war es zu warm. Zumindest für meinen Geschmack, aber das bleibt ja jedem selber überlassen.
Ich mochte auf den Bus nicht und die Leute, die mit mir in dem kleinen Schrottding saßen liefen am Ende Gefahr von mir umgebracht zu werden.
Sie waren laut und nervig und unterhielten sich über Dinge, die keinen normalen Menschen interessieren konnten, zumindest hoffe ich, dass sie normale Menschen nicht interessieren.
Ich müsste sonst noch ein Stück mehr von meinem Glauben an das Gute im Menschen abgeben.

Mehr gibt es über die Fahrt nicht zu sagen.
Staubig, lang, nervig.

Die Ankunft war nicht besser, auch wenn ich nichts anderes erwartet hatte.
Viele Menschen, brütende Hitze, ein unglaublicher Lärm.
Und Chaos weil diese.... Schlauen Menschen es nicht mal schafften, ihr Gepäck wiederzufinden.
Ich kann nur sagen, dass es hilfreich ist sein Gepäck deutlich zu kennzeichnen oder nur mit Handgepäck zu reisen.
Oder sogar beides.

John hatte eine Liste aufgehängt.
"Zimmerverteilung" stand groß drüber.
Ich ahnte nichts allzu gutes.
Man muss nur die Größe seines Hotels (sehr klein) mit der Menschenmenge (sehr viele) verrechnen um darauf zu kommen, dass es nicht passen kann, dass auch nur 1/3 Einzelzimmer kriegt.

John weiß eigentlich, dass ich nicht schlafen kann, wenn jemand neben mir im Bett liegt.
Er nimmt darauf auch Rücksicht - manchmal.
Ich fürchtete aber damals (zu Recht!) dass es in dem Hochzeitschaos untergegangen sein würde.
Das wäre ungünstig.
Der beste Freund des Bräutigams kann nicht plötzlich in einer Kirche einschlafen (oder davor, wenn ich mich weigern könnte sie zu betreten) oder die Feier verpassen.
Und ohne Schlaf könnte das bei dieser Hitze passieren.
Tatsächlich stand auf der Liste mein Name nicht alleine.

Ich hatte beschlossen John zu suchen.
Er würde irgendwas machen müssen.
Ich stolperte in der Küche über ihn.
Na gut, ich stolperte nicht über ihn, ich fand ihn.
Er lag ja nicht auf dem Boden.
Im Gegenteil er stand in der Küche und versuchte irgendwas vorzubereiten.
Als er die Tür hörte, sah er auf.
„Gut, dass du kommst. Die Zwiebeln liegen da drüben und der Salat in der Spüle“
Dann wand er sich wieder ab.
Wenn er nicht grade mein bester Freund wäre, dann würde ich mich vermutlich umdrehen.
Oder ihn anschreien.
Andererseits würde er mich wohl nicht einfach nur rumkommandieren, wenn ich nichts sein bester Freund wäre.
Also war diese Überlegung sinnlos.

Ich fing einfach an die Zwiebeln zu schneiden.
„Welcher Idiot auch immer deine tolle Zimmerverteilung gemacht hat, ist ein Idiot.“, teilte ich ihm mit.
„Sehr aussagekräftig.“ Ich wusste, dass John grinste. „Was ist passiert? Bist du beleidigt, weil du nicht draufstehst?“
„Doppelzimmer.“
„Das glaubst du doch nicht. Du weißt, dass ich meinen besten Freund gerne wach bei meiner Hochzeit dabei hätte, oder? Ich zeige dir dein Zimmer später.“
Das Zimmer war nicht schlecht.
Ich schlief in dieser Nacht.
Nicht gut, aber ich schlief immerhin.
John weckte mich am nächsten Tag.
Es wäre schön gewesen, wenn er mich auf die einfache und friedliche Hotelart geweckt hätte.
Einfach nur ein Anruf und dann Ruhe.
Gut, ich wäre dann wahrscheinlich gar nicht erst aufgestanden, aber es wäre trotzdem nett gewesen.

Es gab mindestens 2 Gründe warum er es nicht tat.
1. Ich hatte den Dachboden bekommen, eigentlich war das kein Zimmer und er hatte deshalb keinen Telefonanschluss.
2. John kennt mich. Er hat fast 2 Jahre mit mir in einer Wohnung gelebt, er weiß, dass ein Wecker mich nicht weckt.

Er kam mit einem Waschlappen und lautem Gebrüll in mein Zimmer gestürzt.
Ein Nebeneffekt war, dass er alle Leute, die im Stockwerk unter mir  ihr Zimmer hatten, gleich nochmal mitweckte.
Ein anderer, dass er das Kissen nass machte. Das war ein wenig unangenehm.
Ich stand auf, was blieb mir auch anderes übrig.
Das Kissen fing an zu trockenen und ich zog mich an.
Wir standen in der Kirche und warteten auf die Braut.
Ich hatte versucht zu sagen, dass ich nicht mit in die Kirche gehen würde, ich glaubte ja nicht an Gott und hatte nicht wirklich Lust in die Kirche zu gehen.
Und ich fühle mich da auch nicht wohl, also in Kirchen. John hatte gesagt "Wenn du nicht an Gott glaubst, dann sollten dir Kirchen nichts ausmachen.  Und ich würde mich wirklich freuen, wenn du bei meiner Hochzeit der Trauzeuge wärst."
Das war mal wieder ein deutliches Argument mitzukommen.
Logischerweise hat er gewonnen.
Also stand ich ungeduldig in der Kirche und wartete nur darauf, dass die Braut endlich kam, damit wir anfangen könnten.
Je eher, desto schneller wäre ich wieder draußen.
John wartete genauso ungeduldig, aber sicher nicht, weil er so schnell wie möglich aus der >Kirche raus wollte, sondern weil er es nicht abwarten konnte, endlich verheiratet zu sein.
Ich ging zumindest davon aus, dass es so war.
Immerhin starrte er seit wir die Kirche betreten hatten nur die Türklinke an, als könnte er sie dadurch dazu bewegen, dass  sie sich schneller bewegen würde.
Das ist natürlich totaler Humbug, aber es freute mich trotzdem ziemlich.
Er hatte nicht nach IHR gefragt und konnte es nicht abwarten seine Freundin zu sehen.
Wenn das kein gutes Zeichen war, dann gibt es keine guten Zeichen.

Die Zeremonie war endlich vorbei.
Ob  das jetzt wirklich besser war, nun, darüber konnte man streiten, aber schlecht war es auf jedenfalls nicht.
Immerhin kamen wir aus der Kirche raus.
Und aus den Anzügen.
Mein Anzug passte mir nicht mal richtig, ich hatte ihn mir kurzfristig ausgeliehen.
Ich hatte nicht gedacht, dass ich einen brauchen würde und hatte keinen mitgenommen.
John war entsetzt gewesen und hatte augenblicklich einen für mich aufgetrieben.
Die Verwandtschaft seiner Frau, zu dem Zeitpunkt noch verlobten war nicht allzu klein und schon vollständig angereist.
Anscheinend mit deutlich zu vielen Anzügen, ich hatte bestimmt 10 anprobiert und mich dann für den entscheiden sollen, der mir am besten passte.  
Er passte nicht.
Die Arme waren zu kurz, die Schultern zu breit.
Er war besser als die anderen.

Nach der Zeremonie durfte ich ihn aber ausziehen.
Die Feier war anders.
Piratenmotto hatte John gesagt.
Ob meine Verkleidung gelten würde, wusste ich nicht.
Sie war minimalistisch.
Nicht, dass ich ohne Sachen rumlief, aber ich trug zum Beispiel schlicht und ergreifend eine Jeans.
Unpiratenmäßig.
Aber ein Piratenhemd.
Und das war es schon.
John wäre damit wahrscheinlich nicht allzu glücklich, aber er war selber schuld.
Was machte er auch eine Motto Feier?

Am Strand waren schon ziemlich viele Leute, die alle irgendwie schneller waren als ich.
Beim Umziehen meine ich.
Und kreativer auch. Sollte schon wehtun und mich in meinem Stolz kränken.
Tat es aber nicht.
Es berührte mich nicht mal.  

Es gab ein ziemlich gutes Essen.
Eigentlich.
John hatte nicht selber gekocht, aber das war nicht weiter wichtig.
Das Essen schmeckte gut, aber ich konnte es nicht genießen.
Das lag an meinen Tischnachbarn.
Sagt man das so? Ich meine nicht die Leute am Nachbartisch, sondern die Leute, die neben mir an meinem Tisch saßen.
Ich hätte mich nie an den Tisch gesetzt, wenn ich es mir hätte aussuchen dürfen.
Es war aber keine freie Platzwahl.

Johns Sitzordnung war richtig doof.
Er hatte mich neben irgendeine vollbusige Blondine gesetzt. Diese konnte zu allem Überfluss kein Deutsch und sprach englisch mit einem aufgesetzten Britischen Akzent, der einfach nur in den Ohren wehtat.
Und sie quatschte mich die ganze Zeit voll.
Ich wiederstand dem Verlangen sie zu schlagen oder umzubringen.
Letzteres hätte ich nicht gekonnt und ersteres… nun besonders gut konnte ich es nicht und sie war immer noch eine Frau und es würde höchstens Johns Hochzeit aufmischen oder ruinieren.
Das würde ihn wütend machen und dann würden wir streiten.
Ich streite nicht gerne mit John, wenn ich ihn nicht gleich weiter nerven kann.
Oder das Streitthema ernst ist.
Sie versuche auch mich zum Tanzen zu zwingen.
Versteht mich nicht falsch, ich tanze gerne, aber mit ihr wollte ich nicht tanzen.

Ich sagte nein und sie schleppte mich zu John.
Ich wäre ja so unhöflich und mit ihr zu tanzen wäre ja wirklich nicht zu viel verlangt, sagte sie und John sah mich flehend an.
Bitte tue mir den Gefallen, sonst muss ich nachher noch mit ihr tanzen, wollte er wahrscheinlich sagen.
Ich tat ihm den Gefallen.
Sie konnte nicht tanzen, sie folgte mir nicht, wollte führen.
Die Musik war auch nicht zum Tanzen geeignet.
Zumindest würde ich nicht freiwillig auf den Soundtrack von "Fluch der Karibik" tanzen.
Ich mag den Film und ich mag die Musik, aber darauf tanzen?
Nein danke.

Irgendwann später nahm mich Maria zur Seite.
Ich habe noch nicht erwähnt, wie Johns Frau heißt, das ist sie.
Maria.
Viel hatte ich nicht getrunken, wieder einmal Johns Schuld.
Er hatte es mich versprechen lassen.
Er ließ mich überhaupt ziemlich viel versprechen, nur um auf Nummer sicher zu gehen.
Nur ja also, ich war nun nüchtern und damit total aufnahmefähig trotz Uhrzeit und so.

Sie hat mir gedroht, von wegen, wenn ich die Hochzeit schlecht machen würde oder die Ehe würde ich es bereuen.
Mit ihrem riesigen Kapitänshut und dem Plastiksäbel wirkte das sogar ziemlich furchteinflößend.
Gut, vielleicht war ich doch nicht ganz so nüchtern, wenn auch nicht betrunken.

Ich weiß nicht warum Maria mir gedroht hat.
Ich weiß auch nicht, ob das irgendwas gebracht hat.

Tatsache ist:
Die Hochzeit fand in Griechenland statt.
Eigentlich hatte ich keine Zeit.
Sie fand aus heiterem Himmel statt.
Die Braut war unheimlich und merkwürdig.
Eigentlich mag ich keine Hochzeiten.
Ich musste in die Kirche.
Ich sollte mich verkleiden.

Ich mochte die Hochzeit irgendwie.
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