Rosenrot

von ametista
KurzgeschichteRomanze, Angst / P16
Deputy Jo Lupo Zane Donovan
06.04.2012
06.04.2012
1
2.446
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
06.04.2012 2.446
 
Mein Beitrag zum Projekt "Nightmare".
http://forum.fanfiktion.de/t/14351/1

Und mein zweiter Beitrag im Eureka-Fandom... ob überhaupt jemand ihn lesen wird? ^-^ Man hofft, man hofft. *lach* An alle Eureka-Fans da draußen - meldet euch!
Tja, der Oneshot ist ein bisschen... zweifelhaft geworden, fürchte ich. Ich hoffe stark, dass er nicht zu wirr ist, andererseits bin ich mal von meinen eigenen Träumen ausgegangen, und die haben, besonders Alpträume, oft die Angewohnheit, in Zeit und Ort zu springen und ein heilloses Durcheinander zu hinterlassen. :D

Wer alle Traumszenen den richtigen Folgen in der Serie zuordnen kann, kriegt einen Keks. *lach*
Wer einen besseren Titel weiß, kriegt zwei.



~~~


Rosenrot



Weißes Kleid und Café Diem und weißes Kleid und Café Diem und weißes Kleid und Café Diem und weißes Kleid und…

Sie stand im Café Diem.
Und trug ein weißes Sommerkleid.
Es war dunkel und leer – aber das stimmte nicht, es musste hell sein, früh am Vormittag, beinahe noch morgens, das Café voller Leute und drüben am Tisch…
Auch leer.
Niemand der dort saß und auf sie wartete, bei ihrer Ankunft aufstand, fast – aber nur fast – wie ein Gentleman.
Sie hatte ein mulmiges Gefühl, als sie auf den Tisch zuging, auf den Stuhl, auf dem sie hätte sitzen müssen.

„Josefina.“
Die vertraute Stimme hinter ihr kam so plötzlich, dass sie erschrocken herumfuhr. Und dann stand er da, in der Tür des Café Diem, und lächelte sie an. Lächelte sie ganz einfach an, und sie entspannte sich. Sie kannte das Lächeln. Es war vertraut und gab ihr ein Gefühl von Sicherheit.
„Tut mir leid, dass ich dich hab warten lassen.“
Er kam ein paar Schritte auf sie zugeschlendert.
Aber sein Lächeln… nicht mehr vertraut, vielmehr lauernd… Sie hatte plötzlich das Bedürfnis zurückzuweichen.
„Ich wurde bei GD aufgehalten, du weißt schon, der Kielfeld-Beschleuniger… unsere Supraleiter-Versuche…“
Sie starrte ihn an und hatte keine Ahnung, wovon er redete.
Er kam noch etwas näher.
„Du willst mir doch nicht sagen, dass du keine Ahnung davon hast? Wie kann man in einer Stadt voller Wissenschaftler nur so wenig Ahnung von Physik haben?“
Du bist dumm, Josefina. Dumm. Ahnungslos.
Sie wollte etwas sagen, aber sie wusste nicht, was, und er fuhr fort, physikalisches Zeug zu reden und sie fühlte sich immer dümmer… immer dümmer… sein Lächeln wurde immer breiter, immer fremder… sie wich rückwärts, schloss die Augen…

~~~


… Gitterstäbe.
Die Zelle in Carters Büro.

Überall war Unterwäsche aufgehängt worden, die leeren Kartons lagen überall im Büro verteilt, und die Unterwäsche war schwarz und zerfetzt. Etwas strich ihr über die Schulter, aber es war nur noch mehr Unterwäsche, und als sie sich erschrocken umdrehte, strichen die schwarzen, zerfetzten BHs und Slips über ihren Kopf und über ihre Arme…
Und auf der Pritsche an der Wand lag ein weiterer Karton.
Plötzlich hatte sie Angst, was in diesem Karton sein mochte. Sie wich zurück, schob die Unterwäsche beiseite und beeilte sich, zur Gittertür zu kommen – doch die war abgeschlossen.
Sie saß in der Zelle fest.
Zusammen mit einem raschelnden Geräusch.
Das Geräusch kam von dem Unterwäsche-Karton auf der Liege, und normalerweise hätte sie keine Angst davor, aber in diesem Moment ließ es sie erschaudern.

Das Rascheln wurde lauter, jetzt bewegte sich sogar der Karton.
Sie tastete nach ihrer Waffe, aber da war keine, nur ihr weißes Sommerkleid. Schon wieder streifte die Unterwäsche über ihre Haut. Sie fühlte sich kühl an… wie kalte, schwarze, weiche Finger, die nach ihr griffen…
Aber es war nur Unterwäsche und das war nur ein dummer, raschelnder Karton, der bestimmt rein gar nichts Beunruhigendes beinhaltete.
Langsam machte sie einen Schritt auf die Pritsche zu…
Heirate mich…
Wie erstarrt blieb sie stehen.
Heirate mich… heirate mich, Jo-Jo, heirate mich…
Ein leises Flüstern wirbelte um sie herum, kam mal von hier, mal von da. Wie ein kleiner Windzug schien es die Wäsche um sie herum aufzuwirbeln, sie wehte leicht umher, und immer noch flüsterte es, und flüsterte…
Jo-Jo… heirate… heirate… ja… wie wär’s mit ja… ja.. ja ja ja ja ja…
Sie schloss kurz die Augen und widerstand dem Drang, die Hände auf die Ohren zu pressen. In diesem Moment kam wieder ein Rascheln von dem Karton auf der Liege, welches sie abrupt die Augen aufreißen ließ. Der Karton rappelte hin und her, und die Unterwäsche wehte um ihren Kopf, als sie sich der Liege langsam näherte…
Heiratemichheiratemichheiratemichheiratemichheirate…

Der Karton klappte von selbst auf und sie fuhr hastig zurück.

Schwarz.
Ein schwarzes Schmucketui, und sie wusste, was darin war, und während sie es anstarrte, wurde das Kästchen größer. Es wuchs und wuchs, erhob sich in die Luft, schwebte langsam auf sie zu und dann öffnete es sich, und es sah beinahe aus, als sei ihm ein Mund gewachsen…
Sie und ich?! In welchem Universum?!
Die Worte schleuderten ihr entgegen und trafen sie wie eine Ohrfeige. Ein spöttisches Lachen kam aus dem Kästchen, während es auf sie zu schwebte… und immer näher schwebte, und näher…

Sie wich zurück, tastete hinter sich, fand die Gittertür…

~~~


Ganz plötzlich öffnete sich die Tür und sie stolperte rückwärts, wäre fast gefallen.
Es war immer noch dunkel.
Und kalt, mit einem Mal so kalt.
Sie war auf der Krankenstation bei GD.

Ihr Atem zeichnete kleine, weiße Wolken vor ihr in die Luft. Sie fröstelte.
Unter ihren Füßen begannen sich kleine Eiskristalle auszubreiten. Sie wanderten über den Boden, erreichten rasch die Wände und wuchsen daran hoch, an den Fenstern, an den medizinischen Geräten – sie konnte dabei zusehen, wie in kürzester Zeit alles einfror.
Hatte sie noch immer dieses verfluchte weiße Kleid an?
Auf ihren bloßen Armen stellten sich die Härchen auf…

Automatisch wanderte ihr Blick in den hinteren Bereich der Station.
Es war dunkel, sie konnte kaum etwas erkennen… nur die Umrisse der Liegen, und auf einer Liege den Umriss eines menschlichen Körpers…
Sie folgte ihrem ersten Impuls und lief los, hastig, beinahe wäre sie auf dem vereisten Boden ausgerutscht… doch je näher sie der Trage kam, desto langsamer, zögerlicher wurde sie…
Der König der Kälte…
Diesmal kam das Flüstern aus dem Eis, leise und kristallklar und frostig kalt.
Kälte… Kälte… Kälte…
Er lag auf der Liege, vollkommen unbeweglich.
Sie wusste, wie es damals ausgesehen hatte, aber dennoch erschrak sie bei dem Anblick. Bleich, er war so weiß wie eine Wand, aus seiner Nase und seinem Mundwinkel wuchsen Eiskristalle, fast sah er schon selbst aus wie ein Eiszapfen, so kalt und starr, wie er dalag.
Kältekältekältekältekälte…
In ihr kroch wieder die Angst hoch und lähme sie… aber sie wusste nicht genau, ob sie vor ihm Angst hatte… oder doch eher um ihn…

„Zane…?“
Ihre Stimme klang heiser, rau, etwas brüchig.

Ohne Vorwarnung saß er plötzlich aufrecht und schlug die Augen auf. Sie glühten gefährlich rot.

Schneller als sie zurückweichen konnte, stand er aufrecht neben der Liege.
„Was willst du von mir?!“, wollte er wutentbrannt wissen. Die Aggression sprang ihr aus seinen glühenden Augen förmlich entgegen. Jetzt war er nicht mehr steif und kalt, sondern im Gegenteil heiß und gefährlich.
„Was willst du?! Was guckst du mich so an?!“
Sie war wie gelähmt, konnte sich an nichts, aber auch gar nichts aus ihrer militärischen Ausbildung erinnern, als er auf sie zukam, die Hände geballt. Sie hatte keine Angst… sie hatte doch keine Angst vor ihm…
Doch, hast du.
Angst.
Wovor?
Vor ihm? Vor seiner einschüchternden Haltung, vor seinem gefährlichen Gesichtsausdruck?
Oder eher vor sich selbst?
Weglaufen. Ihm eine knallen. Auf ihn zugehen, ihn umarmen. Angst, Aggression, Verwirrung.

Übersprungshandlung.
Sie blieb stehen und schloss erneut die Augen.

~~~


„Willst du da den ganzen Tag so stehen bleiben? Augen zu, Welt aus, ja?“

Vor lauter Schreck über die Stimme in ihrem Rücken riss sie die Augen weit auf.
Er war verschwunden. Das Eis auch.
„Dreh dich bloß nicht zu mir um, wenn ich mit dir rede!“
Die Stimme klang wütender, als sie es je von ihr gehört hatte – wütend und verletzt. Langsam drehte sie sich um. Sie hatte ein schlechtes Gefühl dabei, hatte den Drang, lieber wegzulaufen, doch es war wie ein Zwang, sie konnte sich nicht dagegen wehren, und wandte sich immer weiter um…
„Na toll, ich fühle mich geehrt!“
Mit verschränkten Armen stand die Urheberin der Stimme da, sah sie an. Wütend, verletzt.

„Zoe… ich…“
Ihre Stimme klang immer noch kratzig und sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, was sie hatte sagen wollen. Sie schloss den Mund wieder.

„Du?“
Zoe musterte sie kühl. „Ja? Ich höre? Sollte das vielleicht ein ‚ich habe dir deinen Freund ausgespannt‘ werden? Das wär dann nämlich zur Abwechslung mal die Wahrheit.“
Sie trat einen Schritt näher und musterte sie voller Abscheu.
„Bist du zufrieden, Jo? Jetzt, wo du auf große Schwester machen und hinterher auf meinen Gefühlen rumtrampeln konntest?“
Noch einen Schritt näher.
„Du hast mir meinen Freund ausgespannt!“
Noch einen…
„Freund ausgespannt!“
Noch einen…
„Ausgespannt!“
Und wieder Angst. Wovor?
Vor Zoe? Vor ihrem wütenden Blick, dem verletzten Ausdruck in ihren Augen?
Vor dem Bruch in ihrer Beziehung?

Zoe wich vor ihr zurück
„Mach’s gut, Jo“, zischte sie verächtlich.

Vom Boden unter Zoes Füßen züngelten kleine Flammen hoch. Sie flackerten an ihren Unterschenkeln, dann an ihren Oberschenkeln…
Zoe, nicht!, wollte sie sagen, aber sie brachte kein Wort mehr hervor, und das Feuer breitete sich aus.
Das ganze Mädchen stand in Flammen.
Und sie konnte nichts tun, nur zusehen, sie versuchte sich zu bewegen, aber sie konnte nicht…

Das Feuer ergriff Zoes Haare – und endlich schaffte sie es, ihren Fuß zu bewegen.

~~~


Schon nach den ersten Schritten auf Zoe zu merkte sie, dass sie längst nicht mehr auf der Krankenstation stand.

Café Diem.
Von Zoe keine Spur.

„Schön dich zu sehen, Jo-Jo.“
Er stand erneut in der Tür. Diesmal lächelte er nicht.
In seiner Hand eine Rose. Die Rose. Rote Rose. Dunkelrot.
Ich bin über uns hinweg.
Das Flüstern streifte ihre Haare wie ein Luftzug. Diesmal war es nicht seine Stimme. Dieses Mal war es ihre.
Wir passen nicht zusammen.

Angst.
Wovor?
Sie wusste es nicht.

„Josefina…“
Sie starrte ihn an, unfähig sich zu bewegen. Er hatte die Rose in der linken Hand, und ein dunkelrotes Blütenblatt fiel zu Boden.
War es ein Blütenblatt?
Mehr Rot.
Tropfen. Rote Tropfen. Sie liefen über seine Hand und fielen zu Boden.
Selbst auf die Distanz sah sie, wie sich die Dornen in seine Hand bohrten, in sein Fleisch, wie dunkelrote Blutstropfen die Blätter und den Stiel benetzten.
Seine Lippen verzogen sich zu einem traurigen, wehmütigen Lächeln.
„Ich liebe dich, Jo“, flüsterte er.

Dann hob er die Hand und rammte sich den spitzen, harten Stiel der Rose zwischen die Rippen.

Sie merkte nicht, dass sie schrie.
Blut, so viel Blut, es quoll aus seiner Brust, als er langsam in den Knien einknickte und zu Boden sank, und aus dem Blut wurde ein Rinnsal, und ein roter See breitete sich um ihn aus, und er sank in sich zusammen und lag da in einer roten Blutlache.
Und sie schrie.
Und um sie herum flüsterte es.
Jo… Jo… Jo… Jo…
Seine Augen blickten starr an die Decke
Jo… Jo… Jo...
Sie schrie.
Jo… Jo…

~~~


„Jo!“

Abrupt fuhr sie hoch.
Schweißgebadet und schwer atmend saß sie im Bett und hatte keine Ahnung, wo sie war.
Erst nach einigen Sekunden spürte sie die Hand, die ihre Schulter gepackt hielt.

„Hey, alles okay… ganz ruhig!“

Langsam klärte sich ihr Blick. Die Lampe auf dem Nachttisch neben ihr brannte und tauchte das Zimmer in ein etwas schummeriges Licht, aber immerhin konnte sie alles erkennen.
Jo zitterte leicht.
Sie wandte den Kopf und blickte direkt in Jack Carters Gesicht. Er hielt sie immer noch an der Schulter fest und sah sie etwas besorgt an. „Alles okay?“, wollte er wissen.

Sie atmete tief ein und nickte, während sie versuchte, das Zittern unter Verschluss zu halten.
Allmählich kam sie wieder in der Wirklichkeit an.
Sie befand sich in Zoe Carters ehemaligem Zimmer, in Carters interaktivem Haus. Vor ein paar Tagen war sie vorübergehend bei ihm eingezogen, weil ihr eigenes Haus heruntergebrannt war. Genauer gesagt war es abgefackelt worden, von Zane Donovan.
Zane… Sie hielt sich davon ab, den Kopf zu schütteln, um die Bilder zu verscheuchen. In diesem Moment lag er ganz bestimmt nicht im Café Diem und verblutete, sondern schlief vielmehr tief und friedlich in seinem Bett. Er war auch weder eingefroren, noch hatte er rot glühende Augen, und schon gar nicht hatte er Selbstmord mithilfe einer Rose begangen.

Es war ein Traum gewesen. Nur ein Alptraum.

Carter zog die Hand von ihrer Schulter zurück und ließ sich auf die Bettkante sinken. „Wirklich alles klar bei dir?“, vergewisserte er sich und sah sie prüfend an.
Oh, wie peinlich… Jo fühlte sich auf einmal wie ein kleines, dummes Mädchen, das nachts aufwacht und weint, weil es schlecht geträumt hat… nur dass sie nie so ein Mädchen gewesen war – sie hatte ihre Probleme eigentlich schon immer alleine geregelt.
„Ja, alles gut“, erwiderte sie ein klein wenig unwirscher, als sie beabsichtigt hatte. „Ich hab nur… irgendwie einen Alptraum gehabt…“
„Muss ja ein richtiger Horror-Traum gewesen sein, so wie du geschrien hast“, stellte Carter in seiner üblichen direkten Art fest. Er zögerte kurz, dann fuhr er in seiner ebenso üblichen, bemüht vorsichtigen Art fort: „Willst du… drüber reden?“

Sie sah ihn an, und obwohl ihr die Sache immer noch irgendwie peinlich war, stieg auf einmal Dankbarkeit in ihr hoch. Carter musterte sie mit echter Besorgnis.

Ihr lag das Nein schon auf der Zunge.
„Es… ging wohl irgendwie um Zane“, gab sie stattdessen zu.
Carter zog die Augenbrauen hoch. Sie schwiegen einen Moment, dann legte er ihr die Hand auf den Arm. „Jo, falls du irgendwie reden willst… über irgendwas…“
Sie seufzte. „Danke, Carter“, meinte sie aufrichtig. „Aber ich glaube, im Moment will ich lieber versuchen, ob ich wieder einschlafen kann.“
Nach einem Moment nickte er, schmunzelte leicht. „Klingt nach einem vernünftigen Plan“, gab er zu und stand auf. „Schlaf gut… und hoffentlich besser als beim letzten Mal.“

Als Carter gegangen war, drehte sich Jo auf die Seite und zog die Bettdecke hoch.
Anstatt zu verblassen und langsam undeutlicher zu werden, wie es bei Träumen normalerweise der Fall war, geisterten die Traumbilder in ihrem Kopf umher. Sie hatte praktisch ihre ganze Geschichte mit Zane auf eine alptraummäßig beunruhigende Art und Weise noch einmal erlebt…
Das ist doch albern, sagte sie sich bestimmt.
Sie hatte mit Zane und ihrer Beziehung abgeschlossen, Punkt und Ende. Das war einmal gewesen und ließ sich so einfach sicher nicht wiederholen. Wie sie selbst ihm ja bereits gesagt hatte – sie hatte mit ihm und ihr abgeschlossen.
Sie waren einfach nicht füreinander bestimmt…

Erst anderthalb Stunden später schlief sie wieder ein.

Die Gefühle jedoch, die der Traum in ihr aufgewühlt hatte, blieben…
Review schreiben