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Beauty from Pain

von Acquayumu
GeschichteDrama, Angst / P12
Hao Asakura
05.04.2012
12.05.2012
3
6.808
 
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05.04.2012 1.953
 
"Ich schaffe das nicht, ich schaffe das nicht, ich schaffe das nicht..."
Ein Mantra das sich immer und immer wieder in meinem Kopf wiederholte.
Nein, ich schaffte nie etwas. Ich war zu dumm dafür, zu schlecht, ich konnte einfach nichts.
Dinge die ich mir immer vor Augen hielt, Dinge die andere mir immer vorwarfen. Dinge die ich mir selber immer Vorwarf.
Ich konnte noch nicht einmal einen Ball durch ein popeliges Loch befördern, die anderen Kinder lachten schon und verließen den Fußballplatz auf dem wir eben gespielt hatten.
Ich konnte nicht gut Fußball spielen und die Anderen waren froh wenn sie mich los waren. Geschweige denn, dass sie mich in ihrem Team haben wollten, sodass der Trainer schon immer dazu überging die entsprechenden Teams einzuteilen.
Warum wollte meine Mutter nochmal das ich bei einer Fußball AG mitmachte? Ich mochte dieses Spiel noch nichtmal sonderlich.
Außerdem war das doch eher was für meinen Bruder Sam.
"Ich schaffe das nicht." flüsterte ich, als ich wieder nicht traf, meine Augen starrten leer und ausdrucklos in die Ferne.
Ich war zu schwach dazu, zu nichts in der Lage.
"Und warum schaffst du das nicht?" drang plötzlich eine fremde Stimme an mein Ohr und als ich mich umdrehte, sah ich wie ein Junge mit brünetten langen Haaren, bronzener Haut, braunen Augen und mit einem beachen Poncho und roter Cow Boy-Hose bekleidet, das Feld betrat.
"Was in Gottes Namen hast du denn da an? Sind das da Legosteine an deinen Handschuhen und Schuhen?" ich hatte wirklich noch Niemanden gesehen der so seltsam gekleidet war wie der Junge da.
"Lego-was? Nein! Also, warum schaffst du das nicht?" verwirrt wurde ich angeguckt, anschließend harkte der seltsame Junge nochmal genauer nach, was seine Frage anging..
"Ich heiße Ray, und du?" versuchte ich vom Thema abzulenken. Ich mochte absolut nicht über meine Schwächen reden, reichte auch so das sie mich alle immer mobbten.
Ein selbstgefälliges Grinsen stahl sich auf das Gesicht des Jungen, ehe er mir antwortete: "Hao ist mein Name. Und jetzt zu meiner Antwort. Bekomme ich vielleicht heute noch eine?".
"Was für ein arroganter Gockel du bist. Und Hau? Hau drauf oder wie? Welche Mutter tut seinem Kind schon so einen Namen an und warum hast du dich kostümiert?" wollte ich wissen, in der Hoffnung das Gespräch endlich auf ein anderes Thema zu lenken.
Der Junge mit den langen Haaren musste herzlich lachen, was sich in meinen Ohren eher kalt und freudlos anhörte.
Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Wer immer dieser Hau auch war, er war gefährlich.
Ohne Vorwarnung schnappte sich der Junge den Ball, der bis vor kurzem vor meinen Füßen gelegen hatte, balancierte diesen auf seiner Fußspitze, was Dank der Legoklötze an seinen Füßen mehr als einfach war, und schoss diesen direkt durch das obere Loch der dünnen Stellwand.
"Ich heiße Hao, nicht Hau. Und mein KOSTÜM erfüllt schon seinen Sinn und Zweck." erklärte mir dieser HaO grinsent und sah mich dabei von der Seite an.
"Ist gut, Quadratlatsche. Aber mit den Schuhen hätt´ ich die Nummer auch gekonnt." trotzig verschränkte ich die Arme vor der Brust und sah meinen Gesprächspartner mit düsterer Miene an.
Hao schüttelte daraufhin nur den Kopf und begann damit sich die Schuhe abzustreifen, um das Selbe nochmal mit nackten Füßen zu machen.
Ich Meinerseits schnappte mir stattdessen Haos Schuhe und zog diese mir über. Gott waren diese Dinger schwer.
Als Hao wieder den Ball durchs oberste Loch der drei Löcher in der Stellwand befördert hatte, nahm dieser einfach meine Schuhe und zog diese an.
"Ey cool. Wir haben die gleiche Schuhgröße." lächelte ich, als ich Haos Schuhwerk endlich anhatte.
"Süße Schühchen." antwortete Hao und belächelte meine rosa Turnschuhe mit der weißen Sohle, den weißen Schnürsenkeln und dem Diddlmausausdruck.
"Und sie passen dir perfekt." grinste ich und holte den Ball, der sich immernoch hinter der Stellwand befand. Oder eher gesagt, ich wollte ihn holen.
Denn als ich einen Schritt nach vorne machen wollte, bekam ich den Fuß kaum vom Boden hoch.
"Alta. Wie kannst du mit den Dingern laufen? Ist ja ein Ding der Unmöglichkeit." schimpfte meine Wenigkeit, wärend ich versuchte einen Schritt vor den anderen zu setzen, damit ich überhaupt vom Fleck kam.
Hao musste herzlich lachen, als er mich davonwarscheln sah und stand auf um mir zu folgen.
"So wird das in zehn Jahren noch nichts. Ich glaube du brauchst ein gutes Training." Hao hielt mich an einem Arm fest, wärend ich den Ball endlich erreichte und mehr schlecht als recht aufhob.
"Training? Willst du mich vergraulen? Ich bin eh total unsportlich. Das gibt nichts und macht mir auch keinen sonderlich großen Spaß." der wollte mit mir hier doch nicht ein großläufiges Training starten, oder?
Hao lächelte nur zurückersüß und nahm mir den Ball wieder ab, den er dann wieder auf seinem Fuß balancierte.
Dann schoß er mir diesen zu und meinte:"Los! Wir trainieren jetzt!" und damit war es auch schon beschlossen.
In den nächsten Stunden brachte mir Hao die Techniken des Fußballs näher und ließ mich kräftig dabei schwitzen.
Natürlich hatte ich die Schuhe beim gesamten Training nicht ausgezogen, die mir die ganze Sache auch noch ziemlich erschwerten.
Aber hinterher konnte ich den Ball ohne Probleme ins oberste Loch befördern. Von wegen ich schaffe das nicht.
Wie auch nicht? Denn Jedesmal wenn ich vor einem Nervenzusammenbruch stand und entgültig aufgeben wollte, trieb mich Hao dazu an weiter zu machen.
Dieser seltsame Junge, der wie aus dem Nichts aufgetaucht war. Er hatte die seltsame Gabe mich wieder aufzubauen, ohne das irgentwelche Selbstzweifel entstanden oder ich das Vertrauen zu ihm verlor.
Dieser Junge hatte mit seiner Art die Dunkelheit aus meinem Herzen verbannt, die noch vor kurzem in mir herrschte.
Und plötzlich hatte mich ein Feuer gepackt, dass mich nicht mehr losließ. Mit dieser Motivation hatte ich mit Hao zusammen bis in die späten Abentstunden trainiert.
So konnte ich auch nicht nur den Ball in das Loch in der Stellwand befördern, nein ich konnte dribbeln, tricksen, Köppen und was man nicht alles beim Fußball machen konnte.
"So. Das dürfte für heute genug sein. Wir sehen uns morgen wieder, Ray!" ein beinahe selbstverliebtes Grinsen zierte sein Gesicht, als er diese Worte aussprach.
Hao saß lässig auf der Ersatzbank des Fußballplatzes, einen Fuß hatte er dabei auf die Bank gestellt und seinen Arm lässig auf seinem Knie platziert.
Erst jetzt musste ich feststellen das Hao wirklich verboten gut aussah. Selbst die globigen Omaohrringe mit dem Sternensymbol darauf sahen an ihm total gut aus.
Ich dagegen, mit meinen langen blonden Haaren, wovon ich nur paar Strähnen zusammengebunden hatte, den blauen Augen, der blassen Haut und der etwas molligen Statur sah echt ärmlich dagegen aus.
Zumal ich heute einen rosa Kaputzenpulli mit einem blauen Schmetterling darauf und eine verwaschene blaue Jeans trug, und die "süßen" Diddlschühchen, beziehungsweise jetzt Haos Klumpschuhe.
"Bis morgen, Hao" ich lächelte und winkte dem brünetthaarigen Jungen, der aufstand und das große Ausgangstor des Platzes anvisierte, noch zu, ehe dieser seinen Blick noch zurück warf und in einer Feuersäule verschwand.
"Bis Morgen, Raina Johnson." verklangen Haos letzte Worte, ehe von der Feuersäule nur noch eine Rauchschwade zu sehen war.
"W-Woher kennt die Schwuchtel meinen vollen Namen u-und ist der gerade im Feuer verschwunden?" stotterte ich vor mich hin. Also hatte sich meine Vermutung, dass Hao eventuel gefährlich sein könnte, doch bestätigt.
Hao war einer dieser zahlreichen wundersamen Wesen, die es auf mich abgesehen hatten. Ich wusste ja nicht, dass es Shikigamis und böse Geister waren. Nur eines wiusste ich, nur ich konnte sie sehen. Meine Familie nahmen sie zwar auch wahr, aber sahen sie nicht.
Statt eine Gefahr für mich darzustellen, hatte ich bei Hao eher das Gefühl, dass er mich beschützte.
Ich fühlte mich irgentwie gut, lebendig, befreiht von all meiner Angst, Schwäche und Unfähigkeit.
Ich war nicht mehr allein, Hao war jetzt bei mir.
Auch wenn ich diesen Jungen kaum kannte und nur wenige Stunden mit ihm verbracht hatte, so hatte ich das Gefühl, dass er etwas in mir verändert hatte.
Selbstsicher wie noch nie wanderte ich durch die mittlerweile dunklen Straßen, die mir sonst immer eine Heidenangst eingejagt hatten.
Als ich dann bei mir zu Hause ankam, brannte noch Licht. Was wohl hieß, dass meine Eltern noch auf mich warteten.
"Hallo Raina. Da bist du ja endlich... Was hast du denn da für Schuhe an?" wurde ich von meiner Mutter an der Türe begrüßt, die mich fragend ansah.
"Ups!" ich hatte ja noch Haos Schuhe an. Klar, dass die Dinger meiner Mutter sofort ins Auge gefallen sind.
"Sind das Legoschuhe? Warum lachst du denn so?" verwirrt wurde ich von meiner Mutter gemustert, die mich ins Haus ließ.
Ich war indessen in schallendes Gelächter ausgebrochen und war kaum noch zu beruhigen.
Gott! Was würden Haos Eltern wohl dazu sagen, wenn dieser dort mit rosa Diddleschuhen aufkreuzen würde.
"S-Sorry Mama, die gehören meinem neuen FREUND." gab ich ihr endlich zur Antwort, "Wird wohl ein bisschen schwul aussehen, wenn der mit meinen Latschen bei seinen Eltern aufkreuzt."
Jetzt musste meine Mutter auch lachen, die anschließend sagte: "Ich habe dir dein Abendessen warm gemacht. Ess das noch und dann gehts ab ins Bett. Dein Bruder schläft schon.".
Als ich mein Essen aß, erzählte ich meiner Mutter von meinem Tag heute und natürlich von Hao.
Die Feuersäule und das er meinen vollständigen Namen kannte, ließ ich mal weg, da ich meine Mutter nicht unnötig beunruhigen wollte.
Natürlich brachte ich sie auch in Gefahr, weil diese bösen Geisterwesen es auf mich abgesehen hatten.
Sie konnte sie zwar nicht sehen, aber es war schon mehrmals vorgekommen, dass meine Familie ebenfalls angegriffen wurde. Deswegen mussten wir von Zeit zu zeit immer wieder umziehen.
Nach dem Essen machte ich mich bettfertig. Das hieß Schlafanzug anziehen, Zähne putzen, Nacht sagen und ins Bett gehen.
Haos Schuhe standen vor meinem Bett und funkelten im schwachen Licht, das meine Zimmerlampe warf.
Ich lag im Bett und lächelte als diese Schuhe in mein Blickfeld kamen.
Ich schlief immer mit Licht, da ich im Dunkeln nicht einschlafen konnte. Doch heute löschte ich dieses das erste Mal wieder seit vielen Jahren, legte mich wieder hin und schob einen Arm aus meinem Bett.
Sanft berührten meine Finger Haos Schuhe und ich schlief darüber ein.

Mit langen gezielten Schritten steuerte Hao das große Lagerfeuer an, an dem nur noch Luchist und Opacho saßen. Die anderen Mitglieder seines Teams waren schon schlafen gegangen.
"Ich bin wieder da." begrüßte der Brünette seine beiden Freunde.
"Hallo Mei-..." weiter kam Opacho mit ihrer Begrüßung nicht, da sie sich krampfhaft den Mund zuhielt.
"Ist etwas, Opacho?" verwirrt sah Hao die kleine Afroamerikanerin an.
Luchist, ein Mann mit Hut und einem schwarzen Poncho mit hohem Schlagkragen, sah jetzt auch von seinem Buch auf und konnte sich nicht mehr halten vor Lachen.
"Was gibt es da bitte zu lachen?" der arme Hao war jetzt nur noch verwirrter als vorher und starrte ungläubig auf seine beiden Freunde.
"Ihr habt da wirklich hübsche Schuhe an, Meister Hao." komplimentierte Luchist mein Schuhwerk, das Hao immer noch trug.
"Oh Gott. Ich habe ja immer noch Rays Schuhe an. Hört auf zu lachen." bitterböse sah Hao seine beiden Anhänger an und streifte sich meine Schuhe von den Füßen.
Als die Beiden immer noch nicht aufhörten zu lachen, seuftzte dieser nur und meinte: "Ich glaube, bis Morgen kann ich Barfuß laufen."
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