Es sind nicht die Worte, die verletzen

KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
Much Robin
05.04.2012
05.04.2012
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Ich finde, Robin und Much könnten mehr Fanfics vertragen. :)
Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich die ganze Serie bräuchte mehr davon!
Aber die Beiden sind so toll zusammen, dass ich hiermit schon einmal meinen Beitrag dazu leiste.
Ich kann nur hoffen, es gefällt. x3

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Die Nacht regierte bereits seit einigen Stunden über den Sherwood Forest.
An den Wurzeln der Bäume, die schon vom starken Licht der Sonne kaum erreicht wurden, war es stockdüster. Im Schutze dieser lagen, auf einem überschaubaren Gebiet verteilt, ein Großteil der Outlaws und schliefen. Genau genommen alle bis auf Much, das hatte Robin nach einem schweifenden Blick über alle Bündel ausgemacht. Unruhe machte sich in ihm breit, er suchte das Gebiet rund um ihre Schlafstätte grob mit den Augen ab, konnte aber keine weitere Person ausfindig machen. Langsam setzte er sich in Bewegung, umrundete alle Bäume die um ihre erloschene Feuerstelle standen, wohl bedacht niemanden aus dem verdienten Schlaf zu reißen. Gerade Little John wollte er nicht wecken, von ihm hatte er die letzten Tage wahrlich oft genug eine verpasst bekommen. Doch auch nachdem er seinen Radius um fast das Doppelte vergrößert hatte, war seine Suche erfolglos. Seine Kehle zog sich zusammen, als er unterdrückte den Namen des Anderen zu schreien. Da hätte er auch gleich auf seinen schlummernden Gefährten herum springen können.Das konnte warten bis er sich sicher war, dass man ihnen Much unter der Nase weg gestohlen hatte.
Bis dahin versuchte er weiterhin sein Glück und steuerte im nächsten Moment einen großen Felsvorsprung an, auf dem sie den Mittag zuvor schon die Stunden totgeschlagen hatten.

Much war auch die Zeit nach der Rettung von Djaq komisch gewesen, selbst als längst wieder Ruhe und so etwas wie eine absurde Form der 'Normalität' eingekehrt war, hatte er nur schweigsam da gesessen, auf seinem Brot herum gekaut und in die Ferne gestarrt. Normalerweise war immer irgendwas, selbst wenn er sich nur wieder einmal mit Allan in die Wolle bekam. Doch an diesem Abend schien es, als müsste er pausenlos über etwas nachdenken. Robin hatte das Gefühl, gemieden zu werden und er konnte sich beinahe schon denken, um was es ging. Als er Guy of Gisborne in seiner Gewalt hatte, waren einige unschöne Worte in die Richtung seines treusten Gefährten gefallen. Worte, für die er sich nach wie vor nicht entschuldigt hatte, weil er nicht wusste, wie er die Sache angehen sollte. Er war nicht länger 'der Herr' der tun und sagen konnte was er wollte, diesem Posten hatte er sich bewusst selbst entzogen. Er schnaubte.
Auf den ersten Blick schien es, als sollte er auch an den Felsen kein Glück haben, doch im Laub unter dem Vorsprung sah er ihn letztendlich sitzen. Mit dem Rücken an das robuste Gestein gelehnt, hatte er die Beine angewinkelt und schien erneut nichts zu tun als in die Weltgeschichte zu starren.
Robin sprang von der leichten Anhöhe, machte dabei so viel Krach wie möglich, um den Anderen anschließend nicht zu Tode zu erschrecken. Es folgte keine Reaktion, so setzte er sich einfach neben ihn und folgte eine Zeit lang seinem Blick. Außer ein paar kahlen Baumstämmen und einer Menge schwarz, konnte er allerdings nicht erkennen.

„Und ich dachte gerade schon, du hättest auf die Seite des Sheriffs gewechselt.“
Sein Versuch zu scherzen, den er mit einem breiten Grinsen unterstrich, erstickte ihn fast als er Muchs Blick sah. Er konnte nicht genau sagen, was da alles in eben diesem lag, aber über Wut, Trauer, Enttäuschung und einem Anflug von Verachtung schwang wohl alles mit.
„Sollte ich wohl besser, wo doch der einzige Mann, dem ich je meine Treue geschworen habe, überhaupt keinen Wert auf meine Gesellschaft legt.“
Die Antwort kam versucht bissig, nahm gen Ende aber eher einen verzweifelten Unterton an. Die großen Augen, die im vorangegangenen Moment noch so viele negative Gefühle widerspiegelten, hatten nunmehr etwas von denen, eines ausgesetzten Hundes. Robin rieb sich angestrengt die Stirn.
„Much... Du weißt, dass ich das nicht so meinte.“
Viel weiter kam er nicht, denn Angesprochener hatte sich von ihm abgewandt und ließ ihn in einseitiger Gesellschaft seines leicht nach vorn gebeugten Rückens. Scheinbar fiel es ihm leichter, ihn nicht von Angesicht zu Angesicht mit Vorwürfen zu überhäufen.
„Ach ja? Und das ich 'auch nur ein einfacher Mann bin', wie alle anderen war sicher auch so daher gesagt. Dass ich verdammt nochmal, immer an deiner Seite war und deinen Arsch aus der Scheiße ziehen durfte, wenn du dich wieder einmal überschwänglich ins Getümmel geworfen hast, steht nicht zur Debatte. Vergessen wir doch alles!“

Robin fühlte sich von Sekunde zu Sekunde schlechter, während Much seiner Wut Luft machte. Sie hatten unbeschreiblich viel miteinander erlebt, Situationen über die er nachträglich nicht einmal mehr nachdenken wollte. Als sie damals für den König gekämpft hatten, hatte er ihn gerettet und gesund gepflegt, nachdem er schwer verwundet worden war. Much war immer da gewesen, soweit er sich auch nur zurück erinnern konnte und er hatte nie auch nur ein Murren von sich gegeben. Selbst seine leichte Form von Protest ging nicht einmal als Versuch durch, sich gegen einen seiner Plänen zu stellen. Ganz gleich, ob ihm bewusst war, dass sie sich damit ins Verderben stürzten.
Als Robin herausgefunden hatte, wer hinter diesem Komplott stand, war er außer sich gewesen. Irgendwas in ihm, hatte ihn zu Taten gezwungen, die völlig gegen seine Natur waren. Irgendwas in ihm hatte diese Worte hervorgebracht. Dass er Guy an diesem Baum gefesselt und mit allem beworfen hatte, das ihm in die Finger kam, bereute er keine Sekunde. Dass er seinen besten Freund verletzt und dann auch noch fortgejagt hatte, konnte er nicht rückgängig machen. Aber genau das war es, was ihn nun auffraß.
„Ich weiß, dass du bereits unsagbar viel für mich getan hast, es war falsch von mir, dich so zu behandeln, ich...“
Sein Blick fixierte den Rücken, mit welchem er sich nach wie vor unterhalten musste, er hob die Hand und rüttelte leicht an der Schulter des Anderen.
„Kannst du mich nicht wenigstens wieder ansehen, wenn ich schon versuche mich zu entschuldigen?“

Das Laub raschelte und im nächsten Moment, blickte ihn erneut dieses große, fast runde Paar Augen erwartungsvoll an. Robin konnte nicht anders, als über den Anblick zu schmunzeln, fing sich allerdings schnell wieder, damit das nicht auch noch als Argument gegen ihn angebracht wurde.
„Es tut mir schrecklich Leid, was ich gesagt habe war nicht richtig und es wird auch nicht mehr vorkommen, das verspreche ich dir.“
Vollkommen zufrieden schien Much auch nach wie vor nicht, dennoch wirkte es, als hätte sein Gesicht um einige Nuancen erhellt.
„Sag', dass ich kein einfacher Mann bin.“
„Du bist kein einfacher Mann...“
„Sag', dass du mich magst.“
„Much, du weißt doch, dass-“
„Sag' es!“
Irritiert zog Robin die Augenbrauen zusammen. Irgendwie kam es ihm so vor, als wären die Verhältnisse umgekehrt worden. Dennoch zuckte er nur leicht mit den Schultern und lächelte.
„Ich mag dich. Von all meinem Hab und Gut, bist du mir das Wichtigste Much, merk dir das doch einfach mal.“
Angesprochener lächelte ebenfalls und zog seine Mütze zurecht.
„Ich lasse mir das eben gerne immer mal wieder bestätigen.“

Als sie sich schweigend in die Arme schlossen, schien die Welt für diesen Moment wieder ein klein wenig besser. Robin spürte, wie sich die Hände des Anderen in seine Weste krallten.
„Bitte, sag' so was nie wieder.“
Er nickte wortlos und zog Much noch näher an sich.
Aufgebrachte Stimmen, die aus der Nähe nach ihnen riefen, riss Beide aus der Umklammerung, lachend raffte Robin sich auf und wedelte mit den Armen, um den anderen Outlaws zu zeigen, dass sie noch anwesend waren. In dieser Nacht wurde ihm ein weiteres Mal bewusst, dass er bessere Gefährten an seiner Seite hatte, als er es sich je hätte erträumen können.