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Der Abend danach

von Desii
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
05.04.2012
23.08.2012
12
15.755
 
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05.04.2012 1.550
 
So, Ihr Lieben, wir neigen uns dem Ende.
Ich hoffe, Ihr hattet mit meiner Geschichte genauso viel Spaß wie ich beim Schreiben! :-)

Bleibt uns jetzt nur noch die Hoffnung, dass RTL es sich doch noch anders überlegt und eine 4. Staffel (wenn schon nicht bald, dann hoffentlich irgendwann) dreht…

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In diesem Moment brach sich eine größere Welle ihren Weg an das Ufer. Das Geräusch des an Sand und Steine auftreffenden Wassers war lauter, als es das Gewässer zuvor gewesen war. Es schien so, als würde die Naturgewalt die Besonderheit des Moments noch unterstreichen wollen.

Doch das nahmen Leo und Brenner nur bedingt war. Leos Augen hatten sich binnen weniger Sekunden geweitet und fixierten den Ring, der in der Schatulle vor ihr lag.

In Bruchteilen von Sekunden schossen ihr unzählige Gedanken durch den Kopf. Was hatte das zu bedeuten? Was bezweckte Brenner mit diesem Ring? Er wollte doch nicht etwa…?!

„Nein, nein“, waren die beiden einzigen Worte, die Leo auf diese, sich in ihrem Kopf unsichtbar formende Frage heraus brachte.

Erschrocken schaute sie Brenner an, der sie ebenfalls erschreckt musterte. Eigentlich hatte sie diese Worte gar nicht laut aussprechen wollen, es war stattdessen intuitiv geschehen und dem Moment geschuldet.

„Nein?“. Brenner starrte sie an. Erkannte sie da etwa eine gewisse Traurigkeit in seinen Augen?

„Nein. Also, ich meine ja“. Mist, was redete sie da eigentlich? Sie musste sich einen Moment sammeln, schloss die Augen und atmete tief durch. „Gut, Leo“, sagte sie innerlich zu sich selber. „Bleib ruhig, dreh jetzt nicht durch, gib ihm die Gelegenheit, das zu sagen, was er sagen möchte“.

Sie wandte ihm ruhig und wesentlich gefasster ihr Gesicht zu. „Brenner“, sie nickte leicht in Richtung der Schatulle. „Was ist das?“

Der Kommissar fing an zu grinsen. Er hob die Schatulle näher zu seinem Gesicht, betrachte sie von allen Seiten, hielt nach sie vorne, dann wieder nach hinten und meinte nach einer längeren Pause: „Ein Ring?“

Auch wenn er versuchte, die Situation in gewohnter Brenner-Manier etwas aufzulockern, so hatte ihn Leos erschrockenes Gesicht doch selber verunsichert. War das wirklich eine gute Idee gewesen, ihr diesen Ring zu geben – jetzt schon?

Es würde ihm also nichts anderes übrig bleiben, als ihr die Bedeutung des Schmuckstücks zu erklären – und zwar möglichst schnell.

Leo wollte ihn gerade leicht in die Seite boxen und kam gerade noch dazu, ein „Ich sehe selber, dass das ein Ring ist“ herauszubringen, bevor ihr Partner sie unterbrach. Er legte seine linke Hand auf ihren Arm und schaute sie ruhig an: „Leo, bitte höre mir zu“.

Er machte einige Sekunden Pause und versuchte, sich in seinem Kopf die richtigen, die passenden Worte zurecht zu legen. „Bevor Du jetzt etwas Falsches denkst… wobei ich gar nicht so genau weiß, was Du eigentlich gedacht hast. Also, eigentlich kann ich es mir ja denken, aber…“

Meine Güte, was redete er da eigentlich? Leo musste ihn doch gerade für einen absoluten Trottel halten. Dabei hatte er über die Worte für diesen Moment doch schon seit längerer Zeit nachgedacht und sich alles genau überlegt.

Leo kam nicht umhin, leicht zu grinsen. Nur selten hatte sie Brenner in den vergangenen Jahren in Situationen erlebt, in denen er Probleme mit der passenden Wortfindung hatte. Eigentlich war er doch nie auf den Mund gefallen.

Brenner wagte einen zweiten Versuch: „So, nochmal. Also, Leo. Du wirst vielleicht im ersten Moment gerade gedacht haben, dass ich dir einen Heiratsantrag machen will. Ich weiß nicht, ob Du jetzt enttäuscht bist oder nicht, aber der Ring ist kein Verlobungsring“.

Unbemerkt von Brenner machte sich in Leo Erleichterung breit. Sie hätte nicht gewusst, was sie hätte antworten sollen, wenn ihr Partner ihr wirklich einen Antrag gemacht hätte. Das wäre definitiv und deutlich zu früh gewesen.

Sie nickte ihm leicht zu und signalisierte ihm damit, fortzufahren.

„Ich habe diesen Ring bereits vor einigen Wochen gekauft. Es war, wie soll ich das sagen, eher spontan, aber eigentlich doch nicht. Weißt Du, als ich bei Dir eingezogen bin, habe ich gemerkt, wie verbunden ich mich Dir fühle. Wie schön es ist, nicht nur den Arbeitstag, sondern auch den Morgen und den Abend mit Dir zu verbringen. Und als ich heute morgen zu Dir ins Bett gekommen bin – Du kannst mir das jetzt glauben oder nicht – da habe ich das nicht getan, um mit Dir zu schlafen, sondern um Dir nahe zu sein. Die Tür stand einen Spaltbreit auf und ich habe Dich dort liegen sehen. Du sahst so süß aus in dem Moment“. Er lächelte sie liebevoll an. Leo lächelte zurück.

„Naja, wie dem auch sei. Und in den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass Du mehr für mich bist als nur eine Kollegin. Dass Du die Frau bist, mit der ich zusammen sein will. Nicht nur jetzt, sondern für lange. Ich weiß, man hat nie eine Garantie, aber ich bin so fest davon überzeugt, dass das mit uns beiden klappen kann. Und dann bin ich vor einigen Wochen in der Innenstadt an diesem Juwelier vorbei gekommen. Ich weiß nicht wieso – Du weißt, dass ich mir eigentlich nichts aus Schmuck mache – aber da habe ich ins Schaufenster geschaut. Es war irgendwie, als hätte es so sein müssen. Und dann habe ich diesen Ring gesehen. Und dann habe ich an Dich gedacht.“ Er ließ eine längere Pause. „Und dann habe ich ihn gekauft. Um Dir zu zeigen, dass er mir diesmal wirklich ernst ist“.

Während dieser Worte hatte Brenner mehr auf den Ring in der Schatulle in seiner Hand als auf Leo geschaut. Erst nachdem er seine Ausführungen beendet hatte, schaute er Leo wieder bewusst und intensiv an. Sie lächelte, sagte aber nichts.

Brenner wusste nicht so richtig, was er jetzt machen sollte. Er hatte alles gesagt, was er zu sagen hatte. Warum antworte sie nicht? War der Ring vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt doch etwas übertrieben gewesen?

Leo sagte immer noch nichts. Innerlich musste sie grinsen. Es war so selten, dass sie Brenner so emotional erlebte. Wobei, wenn sie genauer nachdachte, hatte sie ihn so emotional eigentlich noch nie erlebt.

Brenner zögerte: „War das jetzt falsch, was ich gesagt habe?“. Er blickte Leo fragend an.

„Nein“, erwiderte sie. „Aber ich warte“. Innerlich hatte sie bereits ihren Entschluss gefasst.

„Ähm, worauf denn?“ Der Kommissar war mehr als irritiert.

„Na, dass Du ihn mir auch ansteckst“. Seine Partnerin lächelte ihn an – und jetzt war es deutlich zu sehen – mit einem glücklichen Strahlen auf dem Gesicht.

„Ach so, ja natürlich“. Innerlich hätte er sich ohrfeigen können. Wozu kaufte man auch einen Ring, wenn man ihn dann der Person nicht ansteckte?

Unbeholfen entfernte er den Ring aus der Schatulle. Die rote Verpackung warf er in der Nervosität einfach neben sich auf die Steine.

Mit der rechten Hand ergriff er Leos linke und streifte ihr den Ring über. Er zitterte leicht dabei. Aber auch Leo war von dem Moment hier in der Bucht des Rheinufers ergriffen. Nie hätte sie zu träumen gewagt, dass sie diesen Augenblick einmal so erleben würde. Sie merkte, dass sich in ihren Augen eine feuchte Spur sammelte. Gleichzeitig riss sie sich zusammen. Sie wollte Brenner, der ebenfalls sichtbar aufgeregt zu sein schien – auch wenn natürlich versuchte, das vor ihr zu verbergen – mit irgendwelchen Glückstränen ihrerseits nicht noch mehr durcheinander bringen.

Leo blickte den Ring auf ihrem linken Ringfinger an, dessen Diamant im Schein des Mondes funkelte und die gedämpften Lichter der Nacht leicht reflektierte. „Er ist wunderschön“, sagte sie gerührt. „Danke“.

Und dann beugte sie sich leicht zu Brenner vor, nahm sein Gesicht in beide Hände und gab ihm einen Kuss auf den Mund. Ein unglaubliches Glückgefühl durchströmte sie. Er lächelte sie danach an und umfasste ihre Hände: „Das heißt also ‚Ja‘? Auch wenn es kein ‚Ja‘ im klassischen Sinne ist?“.

Sie strahlte: „Ja. Das heißt ‚Ja‘“. Und wieder küssten sie sich, während der Rhein sich weiter seinen Weg bahnte und der Mond sich im Schein der seichten Wellen spiegelte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit lehnte Leo ihre Stirn gegen Brenners: „Ein Problem haben wir aber noch“, meinte sie grinsend und ein wenig atemlos.

„Welches denn?“ Brenner wusste in dem Moment nicht so recht, was sie meinte.

„Na, die Kollegen. Was soll ich denen denn erzählen, wenn sie mich fragen, warum ich plötzlich einen solchen Ring am Finger habe?“.

Brenner lachte, stand auf und zog sie mit beiden Händen noch: „Sag doch einfach, dass Du ihn von einem äußerst charmanten, gut aussehenden, wortgewandten, netten, jungen Herrn mit einer außerordentlich großen Portion an Bauchgefühl bekommen hast“. Schon während dieser Worte zog er Leo lachend mit sich mit.

„Hey“, boxte Leo ihn lachend in die Seite. „Dann wissen die aber doch direkt, wen ich meine.“

„Genau, das wissen sie dann“. Brenner war stehen geblieben und war ganz nah an Leos Gesicht. „Und sie sollen es auch wissen. Jeder kann es von mir aus wissen“. Und dann packte er sie bei den Hüften und wirbelte sie herum, um ihr abschließend einen zärtlichen Kuss auf den Mund zu geben.

„Ich will gar nicht wissen, wie Dr. Ritter darauf reagiert“, meinte Leo schmunzelnd.

Brenner grinste. „Du kennst ihn doch. Er wird uns bei der nächstbesten Gelegenheit in sein Büro zitieren“.  Noch eine ganze Zeitlang witzelten sie über die möglichen Reaktionen ihrer Kollegen und machten sich dann lachend Hand in Hand auf den Weg zurück zum Auto.

Jetzt hatte es begonnen: „Das Leben danach“…


- ENDE (und vielleicht: Fortsetzung folgt) -
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