Captain, oh Captain

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
04.04.2012
25.08.2013
24
40.342
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
04.04.2012 1.669
 
So und hier ist auch schon das zweite und etwas längere Kapitel. Ich hoffe, dass es euch hilft einen besserem Eindruck von der Geschichte zu bekommen.



Die Easy-Kompanie stand nach wie vor vom Appell aufgereiht und wartete auf Sobels Rückkehr. Sie waren einfach stehen geblieben, da Sobel keinen anderweitigen Befehl gegeben hatte. Richard „Dick“ Winters fand dies zwar ärgerlich, da sie somit eine halbe Stunde verschwendet hatten, die sie gut zur Ausbildung hätten nutzen könnten, aber was hatte er schon zu sagen. Schließlich war Captain Sobel sein Vorgesetzter, sodass es ihm nicht zustand dessen Entscheidungen in Frage zu stellen. Dick hoffte jedoch, dass der Neue sich schnell in die Gruppe würde einfügen können, da diese doch sehr homogen war und alleine deshalb ein gewisses Konfliktpotenzial aufwies. Nichts desto trotz waren alle sein Jungs, wie er sie in Gedanken nannte auf ihre Art gute Kerle.
Während Dick über seine Truppe nachdachte, kamen Sobel und der Neue ins Blickfeld. Dick konnte allerdings nicht viel erkennen, da er genau in die Sonne guckte.
„Meine Herren, darf ich Ihnen unseren Neuzugang Maggie Fox vorstellen?“, bellte Sobel nachdem er vor der Kompanie Stellung bezogen hatte. Den Jungs klappten kollektiv die Unterkiefer herunter. Da keiner von ihnen so begriffsstutzig war wie Sobel, erkannten sie sofort, dass es sich bei dem Neuzugang um eine junge Frau handelte.
‚Ohje, das kann ja heiter werden’, dachte Dick. Die Gute könnte potthässlich sein und eine Warze auf der Nase und sonst wo haben, sie wäre alleine aufgrund der Tatsache, dass sie die einzige Frau innerhalb des gesamten Regiments ist, für alle interessant und würde daher sicherlich einiges an Unruhe in die Truppe bringen.
‚Nunja, ich werde wohl verstärkt ein Auge auf sie haben müssen. Wer weiß, auf welche Gedanken die Jungs so kommen, insbesondere wenn der Captain mal wieder den Ausgang streicht. Sollte sie ihr Quartier in einem Raum mit den Jungs beziehen, bekomme ich sicherlich nie wieder ein Auge zu.’
Dick betrachtete die junge Frau nun etwas genauer. Sie war recht klein, so um die 1,60m. Sie war eher zierlich gebaut, obwohl Dick davon ausging, dass sie sehr athletisch war, da sie es sonst nie zur Army geschafft hätte. Als sie ihren Helm abnahm sah er, dass sie rot-blonde Haare und blaue Augen hatte. Auf ihrer Nase sammelten sich einige Sommersprossen. Dick schätzte sie auf etwa Mitte Zwanzig, sprich ungefähr auf sein Alter. Er war bereits sehr gespannt darauf zu erfahren, was eine junge und wie er zugeben musste sehr hübsche junge Frau zur US-Army und dann auch noch zu den Fallschirmjägern brachte.
„Fox, sie haben 2 Minuten ihre Sachen in Baracke Nummer 23 zu bringen und sich Sportkleidung anzuziehen. Danach laufen wir auf den Currahee! Das heißt, Männer, auch Sie haben 2 Minuten um sich umzuziehen und wieder hier anzutreten.“, bellte Sobel in seinem typischen unsympathischen Ton.
„Wir haben 2 Minuten Männer!“, sagte Dick und schob dann „und Lady“ hinterher. Es würde ihn sicherlich einige Zeit kosten, sich daran zu gewöhnen, dass seine Truppe nun gemischt-geschlechtlich war.
„Scheiße, habt ihr das auch gesehen?! Ich glaube, ich fantasiere… So ein heißer Feger in unserer Kompanie, da werden ja meine feuchtesten Träume wahr“, schwärmte Guarnere.
„Ich finde, sie sieht aus wie die Schwester von Winters“ sagte Buck.
„Hey, du musst mir meine Fantasien ja nicht ruinieren, ehe ich sie ernsthaft genießen kann, Buck! Also ehrlich, die Schwester von Winters… Nicht, dass ich wegen dir demnächst von Dick Winters fantasiere. Brrr.“ ließ Guarnere vernehmen.
„Ich meine ja nur, die feinen Gesichtszüge, rötliche Haare, blaue Augen, die schlanke Silouhette…“, rechtfertigte Buck sich. „Nicht, dass ich sie unattraktiv fände“, schob er mit einem Zwinkern hinterher.
„Hey Männer, die Zeit ist nahezu um und ich sehe keinen von euch in Sportbekleidung!“ schimpfte Dick mit seinen Jungs und verfluchte gleichzeitig den hübschen Neuzugang. Das, was sich hier abspielte war sicherlich erst der Anfang und wenn Sobel mitbekäme, dass Maggie den Ablauf innerhalb der Kompanie bereits durch ihre bloße Existenz störte, würden das alle zu spüren bekommen.

Währenddessen trat Maggie wieder heraus. Sie war froh, dass sie anscheinend alleine in einer der kleineren Baracken wohnte, die eigentlich für die ranghöheren Offiziere gedacht waren. Somit hatte sie ein wenig Zeit um die Gruppe kennenzulernen, ehe sie mit ihr auf engstem Raum und in teilweise kompromittierenden Situationen leben musste.
Captain Sobel war ihr auf Anhieb unsympathisch. Es war eindeutig seiner Musterung zu entnehmen, dass er der Ansicht war, Frauen gehörten an den Herd und an die Wiege aber keineswegs an ein MG. Dabei war Maggie nie eine typische Frau bzw. ein typisches Mädchen gewesen: Sie hatte sich um Handarbeit gedrückt und stattdessen lieber gelesen oder mit den Jungs aus der Nachbarschaft rumgebalgt. Typischen Mädchengesprächen konnte sie auch nichts abgewinnen, obwohl sie eine Mädchenschule besucht hatte. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie bereits im zarten Alter von 17 ihr Abitur absolviert hatte, was einen weiteren Skandal in ihrer Laufbahn darstellte. Danach begann sie an der Universität Bonn Jura zu studieren. Selbstverständlich war sie die einzige Frau in ihrem Semester.
Als die Hitlersche Regierung immer mehr Gesetze verabschiedete, die nicht mit Maggies Überzeugungen einhergingen, beschloss sie in die USA zu den Verwandten ihres Vaters zu ziehen und dort weiter zu studieren. Ihr Vater war Amerikaner und hatte ihre Mutter kennengelernt, als Maggies Großvater als Diplomat im deutschen Kaiserreich arbeitete. Maggies Mum war Krankenschwester und heiratete ihren Dad mit 18. Kurz darauf kam ihre Schwester Karen zur Welt. Sechs Jahre später gebar Helena Fox eine weitere Tochter, Maggie. Sie litt sehr darunter, dass Maggie sich nicht wie eine normale Frau benahm. Sie war rebellisch und wurde kurz vor ihrem Weggang in die USA sogar verhaftet, weil sie gegen die ihrer Ansicht nach „menschenverachtenden“ Gesetze Hitlers demonstriert hatte. Maggie wusste noch, wie sehr sie ihre Mutter damit beschämt hatte. Andererseits ging aus den Briefen ihrer Mutter eindeutig hervor, dass Maggie ihr doch fehlte.
Den Entschluss nach dem Studium im Alter von 22 zur Army zu gehen hatte Maggie gefasst, nachdem ihre Schwester verschwunden war. Maggie ahnte, dass ihr etwas zugestoßen sein musste, da sie mit einem Juden liiert gewesen war und sie deswegen bereits einige Konflikte mit der Gestapo hatte. Zudem war Maggie stets ein Dorn im Auge des Regimes gewesen, sodass die Vermutung nahelag, sie habe ihrer Schwester mit ihren Ansichten und ihrer aufmüpfigen Art „angesteckt“.  
Allerdings hatte Maggie sich in die Army einklagen müssen. Dabei hatte sie gedacht, die Army bräuchte jeden Mann und das nicht im wörtlichen Sinne. Aber nein, sie musste sich mehrfach anhören, sie sei als Frau zu schwach, zu emotional, zu konfliktbringend. Und dann hatte sie sich gerichtlich gegen diese Diskriminierung zur Wehr gesetzt und hatte tatsächlich einen New Yorker Richter gefunden, der die Army verpflichtete, sie aufzunehmen. Maggie nahm an, dass die Zuteilung zu den Fallschirmjägern die entsprechende Retourkutsche der Army war und war bereit alles über sich ergehen zu lassen, was da kommen möge. Und bei dem Anblick Sobels war ihr klar, dass einige Unannehmlichkeiten auf sie zukommen würden.

Inzwischen waren auch die Jungs herausgetreten. Maggie merkte, dass einige sie mehr andere sie weniger diskret musterten, als Sobel auch schon brüllte: Los Männer! Auf den Currahee, 3 Meilen rauf, 3 Meilen runter!“
‚War ja klar, dass der sich nicht die Mühe macht seine Anrede anzupassen. Scheiß Chauvie’ schoss es Maggie durch den Kopf während sie zwischen den anderen lostrabte. Dafür schien Lieutnant Winters ein recht taktvoller Kerl zu sein. Er war der einzige, der sie noch nicht wie eine Aussätzige inspiziert hatte. Zudem hatte er sie scheinbar bereits als Teil der Gruppe akzeptiert, da er seine Ansprache bereits auf sie zugeschnitten hatte. Maggie fand das sehr lieb von ihm und war sich sicher, dass sie gut mit ihrem unmittelbaren Vorgesetzten zurechtkommen würde.
Entgegen seinem Vorsatz konnte Dick sich jedoch nicht ganz so taktvoll verhallten wie er eigentlich wollte. Da er unmittelbar hinter Maggie lief, kam er nicht umher ihre doch sehr ansehnliche Rückseite zu bewundern. Sie hatte relativ lange, sehr muskulöse Beine, die entweder rasiert waren oder mit so hellen Härchen besetzt, dass man sie nicht sah. Die Beine gingen in einen scheinbar makellosen, wohlgeformten Apfel-Po über. Ihr Taille war schmal und ihre Schultern relativ breit im Verhältnis zur restlichen zierlichen Figur. Dick mutmaßte, dass sie viel schwamm, da auch ihre Oberarme sehr muskulös waren. Insgesamt war sie eindeutig athletisch. Dies bewies sie auch durch ihren runden Laufstil und die nach wie vor sehr ruhige Atmung.
Um sich von der jungen Dame vor ihm abzulenken, begann Winters schneller zu laufen. Dadurch angespornt wurde auch die Gruppe etwas schneller. Lipton stimmte ein Lied an und motivierte die Truppe so zusätzlich. Da Dick wissen wollte, wie Maggie darauf reagierte, ließ er sich zurückfallen. Erfreut stellte er fest, dass sie zunächst aufmerksam lauschte und bei der nächsten Wiederholung in den Gesang einstieg. Dies brachte ihr anerkennende Blicke einiger Kompaniemitglieder ein. Dick merkte, dass die Jungs scheinbar ebenfalls gewillt waren Maggie zu integrieren, was seine Arbeit hoffentlich etwas erleichtern würde.

Oben angekommen feuerte Dick seine Jungs und sein Mädel an schneller zu laufen und wurde Zeuge von Sobels erster abfälliger Bemerkung Maggie gegenüber.
„Na Fox, sie scheinen aber von der Geschmeidigkeit und der Schnelligkeit ihrer tierischen Namensvetter nichts zu haben. Wollen Sie nicht vielleicht doch wieder an den Herd? Ich bin sicher, ich kann vor ihrem Verlassen der Truppe auch noch einen passenden Ehemann in spe für sie finden!“ ätzte Sobel. Dick war entgegen seines sonst so ruhigen und beherrschten Wesens kurz davor zu platzen. Zu dem üblichen Pflichtgefühl seinen Kameraden gegenüber kam sein natürlicher Beschützerinstinkt, den die kleine Miss Fox eindeutig weckte. Diese erstaunte ihn jedoch mit ihrer Antwort.
„Sicher Sir, da wäre ich Ihnen sehr verbunden. Schließlich bin ich nur ein kleines naives Frauchen, das nicht mal in der Lage ist, sich einen passenden Mann zu suchen. Jedoch würde ich gerne mit meinem Training fortfahren, während sie die Kandidaten selektieren.“ Und schon war sie wieder auf dem Weg nach unten.
An Sobels Gesichtsausdruck konnte Dick ablesen, dass dieser Kommentar fiese Konsequenzen für Maggie haben würde.
Review schreiben