Déjà-vu

von ametista
KurzgeschichteRomanze / P12
Deputy Jo Lupo Zane Donovan
04.04.2012
04.04.2012
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04.04.2012 1.489
 
Tja... mein erster kleiner Ausflug ins Eureka-Fandom - exisiert sowas wie ein Fandom zu dieser Serie überhaupt? ^-^
Ich bin ja ein böser Hardchore-JoZane-Shipper, weil wegen sie gehört zu ihm und er gehört zu ihr und so... und nachdem die vierte Staffel für mich sehr unbefriedigend geendet hat (Hallelujah, es gibt 'ne fünfte!!! <3), habe ich durchaus Mitteilungsbedarf, was die beiden angeht.

Der Oneshot spielt zwischen Folge 4x08 (Akte Ex) und Folge 4x11 (Abgehoben), vielleicht irgendwann kurz bevor Zane und Fargo im Weltall verschollen gehen... oder so. ^-^
Die Anspielungen und das Déjà-vu dürften eigentlich zu verstehen sein, sofern man die dritte Staffel einigermaßen kennt.



~~~


DÉJÀ-VU



Zum ungefähr siebenhundertsten Mal sah er zu ihr.
Zum ungefähr siebenhundertsten Mal wandte er sich hastig ab, als ihr Blick in seine Richtung flackerte.
Und zum ungefähr siebenhundertsten Mal fragte er sich, ob sie tatsächlich zu ihm hinübergesehen hatte, oder ob ihr Blick ihn nur zufällig gestreift hatte, ohne dass sie ihn wirklich wahrnahm.

Sie saß an der Bar, zusammen mit Douglas Fargo, und schien sich eigentlich ganz gut zu amüsieren, dafür, dass ihre Miene noch nach Regenwetter ausgesehen hatte, als sie vor ein paar Stunden gekommen war. Dazwischen lagen inzwischen praktisch zahllose Karaoke-Songs, vorgetragen von mehr oder weniger unfähigen, aber karaokebegeisterten Gästen des „Café Diem“, zwei große Bier auf seiner Seite und anderthalb Tequila Sunrise bei ihr.
War es eigentlich bedenklich, dass er sie genau genug beobachtete, um zu wissen, was sie den Abend über getrunken hatte?
Fargo hatte auch getrunken, und natürlich war er resultierend bereits etwas angeheitert. Das überraschte nicht besonders, Fargo war nun wirklich nicht das, was man unter trinkfest verstand. Er war offenbar gerade dabei, einen Witz zu erzählen. Das konnte man daran festmachen, dass er selbst sich vor Lachen kaum halten konnte. Fargo war einer der Menschen, die ausgesprochen gern über ihre eigenen Witze lachten – manchmal nur, damit überhaupt einer lachte.
Sie allerdings schien ebenfalls amüsiert. Ob das wohl an dem allgemeinen Alkoholpegel lag, an genereller Höflichkeit oder ob der Witz wirklich gut gewesen war…?
Es gab da natürlich noch eine andere Option, aber die weigerte er sich standhaft, in Erwägung zu ziehen, auch wenn sie sich immer wieder unangenehm in seine Gedanken schlich. Nein, sie wollte sicher nichts von Fargo, Punkt und Ende.
Sagte er sich zumindest immer wieder.

Während er sich noch zwang, nicht schon wieder zu ihr hinüberzusehen, glitt seine Hand ganz automatisch in seine Hosentasche und tastete nach dem kleinen, runden Gegenstand, den er darin wusste.
Er hatte keine Ahnung, warum er den Ring immer noch mit sich herumtrug.
Im Grunde hatte er sowieso keine Ahnung, wieso er sich so aufführte. Was war nur mit ihm los? Bis vor einiger Zeit war alles so einfach gewesen – er hatte sie immer wieder provoziert, einfach weil es ihm Spaß gemacht hatte, sie auf die Palme zu bringen. Im Gegenzug hatte sie ihn immer wieder bei seinen kleinkriminellen Aktivitäten erwischt und für selbige bestraft, die eine oder andere Morddrohung gratis miteingeschlossen.
Und dann hatte sie plötzlich vor der Zelle gestanden, in der er gerade mal wieder saß, und verkündet, sie wolle ihn heiraten.
Natürlich musste sie dicht gewesen sein, entweder total zugesoffen oder dezent bekifft. Eine andere Möglichkeit konnte es gar nicht geben, dass sie auch nur über die Möglichkeit nachdachte, ihn zu heiraten. Allein der Gedanke war schon so absurd, dass er anfangs sicher gewesen war, es hätte bei GD mal wieder einen Unfall mit einer psychoaktiven Substanz gegeben und sie wäre kontaminiert worden.
Aber dann…
Er schüttelte leicht den Kopf und zog die Hand wieder zurück. Der Ring glitt in seine Tasche zurück; er schien mit einem Mal mit tonnenschwerem Gewicht auf seinen Oberschenkel zu drücken.

Seit diesem einen Moment, in welchem ernsthaft das Wort „heiraten“ zwischen ihnen gefallen war, hatte sich alles verändert.

Anfangs hatte er sein Bestes getan, die Sache zu ignorieren. Er spielte gern seine Spielchen mit ihr, aber das war es dann auch. Er provozierte sie, zog den Kürzeren und ihre gegenseitig gehegte Antipathie vertiefte sich ein kleines Stück. So war es immer gewesen.
Doch irgendwann war er nicht mehr umhin gekommen, es zu bemerken.
Zum einen hatte sie sich verändert. Nicht viel, nicht deutlich, und er hatte keine Ahnung, warum es ausgerechnet ihm aufgefallen war, dass sie sich anders verhielt. Nur ein kleines bisschen anders, in winzigen Details… Gesten, Reaktionen, Äußerungen…
Und zum anderen?
Er unterdrückte ein Seufzen und starrte in sein Glas. Es war fast leer, aber wenn er jetzt den letzten Schluck austrank, dann würde er früher oder später entweder zur Bar gehen und sich ein neues Bier holen müssen, oder einfach gehen. Beides wollte er im Moment noch hinauszögern. Und schon wieder huschte sein Blick in ihre Richtung…
Obwohl er inzwischen schon eine ganze Weile darüber nachdachte, sich immer wieder den Kopf darüber zerbrach, konnte er sich bisher keinen Reim darauf machen, warum sich auch das Klima zwischen ihr und ihm geändert hatte – und ganz besonders seine Gefühle ihr gegenüber.
Seit wann fühlte er sich so zu ihr hingezogen?

Sie lachte und warf ihre Haare zurück, was ihn bemerken ließ, dass er sie schon wieder ansah. Schnell wandte er den Blick wieder seinem fast leeren Glas zu.
Er wusste inzwischen, dass es sinnlos war, über den Ring nachzudenken, weil er sowieso zu keinem Ergebnis kommen würde, aber dennoch wanderten seine Gedanken immer wieder auf diese Szene zurück. Viel zu viele Fragen schwirrten durch seinen Kopf, zu denen er keine Antwort fand, fast als wären die erforderlichen Synapsen in seinem Hirn, die alles logisch zu verknüpfen vermochten, gewaltsam gekappt worden.
Warum hatte sie den Ring seiner Großmutter gehabt?
Weshalb hatte sich der Kuss mit ihr so seltsam vertraut angefühlt?
Wieso hatte er sie überhaupt geküsst?
Und was zum Henker hatte es mit diesem Heiratsantrag auf sich?
Sie selbst schien nicht das größte Bedürfnis zu haben, die Sache mit ihm zu klären – und zu allem Überfluss hatte sich auch noch Fargo offensichtlich zu ihrem persönlichen Bodyguard auserkoren. Zumindest in allen Dingen, die ihn betrafen. Das machte es schwierig für ihn, überhaupt noch mit ihr zu reden.
Vielleicht sollte er die Sache einfach sein lassen. Das dachte er nicht zum ersten und sicher auch nicht zum letzten Mal. Doch er wusste, dass er den Kuss, und ganz besonders das mit dem Ring, nicht auf sich beruhen lassen konnte. Er war Forscher. Neugier war ihm angeboren. Und in aller Regel fand er, wenn er etwas herausfinden wollte, auch einen Weg, es in Erfahrung zu bringen.
Nur war das bei einer Hightech-gesicherten, streng geheimen Militärdatenbank irgendwie deutlich leichter als bei Jo Lupo.

Sie trug ein rotes Kleid, das sanft an ihrem Körper herunterglitt und ihre Kurven zur Geltung brachte. Selbst wenn man nicht speziell auf sie achtete, konnte man eigentlich nicht anders, als von ihrer Ausstrahlung in den Bann gezogen werden.
Er blinzelte.
Jo im roten Kleid… Fargo am Klavier… ein Kuss…
Die verschwommene Ahnung einer Szene wie aus einem Traum und das nagende Gefühl eines Déjà-vus – auf einmal hatte er den Eindruck, schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen zu sein. Obwohl das natürlich Unsinn war. Weder kannte er das rote Kleid an ihr, zumindest nicht bewusst, noch hatte er sich jemals zuvor dafür interessiert, was sie trug, und an einen Karaokeabend im „Café Diem“, an dem sie mit Fargo… nein, nicht geflirtet – geredet hatte, konnte er sich auch nicht erinnern.
Meine Güte, was ist nur mit dir los, Zane Donovan?
Ja, das fragte er sich in letzter Zeit immer öfter.
Immerhin gab es da auch noch Zoe. Zwar war die Tochter des Sheriffs in letzter Zeit in seinen Gedanken immer mehr in den Hintergrund gerückt, doch es gab Phasen, in denen er deswegen ein schlechtes Gewissen hatte. Eigentlich hatten sie sich ja geeinigt, es langsam angehen zu lassen, jetzt wo Zoe zurück aufs College gegangen war… aber trotzdem… Entgegen dem, was manche Menschen vielleicht über ihn glauben mochten, war er durchaus treu. Und er mochte Zoe wirklich…

Nur war „mögen“ eben kein Vergleich zu dem Gefühlschaos, das Jo in letzter Zeit in ihm auslöste.

Und zum siebenhundertzweiten Mal ertappte er sich dabei, wie er zu ihr hinübersah.
Das brachte ihn doch nicht weiter.
Mit einem Zug leerte er sein Bier und kämpfte für einen Moment mit dem Impuls, zu ihr hinüberzugehen. Er wusste, dass er sie mehr als alles andere konfrontieren wollte, endlich Klarheit bekommen, über den Kuss, über den Ring… er wusste allerdings genauso gut, dass sie vermutlich abblocken würde, dass er ohnehin nichts aus ihr herausbekommen würde…
Aber er könnte sie vielleicht zum Tanzen auffordern… lieber nicht zum Singen, das könnte peinlich für ihn werden…

Und dann stand Zane doch nur auf, um das „Café Diem“ zu verlassen und der Frau, die in einer anderen Zeit, einer anderen Wirklichkeit einmal untrennbar zu ihm gehört hatte, einmal mehr den Rücken zu kehren.

Er merkte nicht, dass ihr Blick ihm noch einen Moment hinterher hing…
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