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Das Rudel macht den Frühling!

von Das Rudel
GeschichteHumor, Fantasy / P16 / Gen
Albus Dumbledore Harry Potter Hermine Granger Lucius Malfoy Minerva McGonagall Severus Snape
01.04.2012
30.04.2012
30
105.003
2
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Dieses Kapitel
8 Reviews
 
01.04.2012 6.120
 
Liebe Leserinnen und Leser, heute starten wir ein Experiment. Professor Snape wird heute moderieren, während ich mich dezent zurückhalten werde, einverstanden? Bitte, Professor, Ihr Einsatz!

*verschränkt die Hände hinterm Rücken und wartet* *versucht, nicht mit den Zähnen zu knirschen und sich zu beherrschen* *scheitert kläglich*

„Mister Snape! Das sind keine Erstklässler! Das sind geschätzte Leser, also hören Sie auf, Sie in Grund und Boden zu starren! Und mit diesem grimmigen Gesichtsausdruck…“
„…!“
„Ach, das war ein freundliches Lächeln? Zähnezeigen wäre der korrekte Ausdruck!“
„…!!“
„Ich verstecke mich solange hinter dem Bücherregal, bis Sie aufhören, mich ständig mit Ihrem Zauberstab zu bedrohen!“ *starrt selbst snapelike in die Runde* Jetzt holt mal eure Gedanken aus der Gosse – ich meine auch seinen Zauberstab, nicht das, was ihr schon wieder denkt!“
„…!!!
„So wird das nichts, heute moderiere ich noch einmal und morgen dann Sie, ok, Sir?“
„…!“

Na, super, jetzt ist er wieder eingeschnappt. Egal, hier hinter meinem Bücherregal bin ich ziemlich sicher. Also, Freunde. Wir möchten euch heute unseren Glasschmetterling vorstellen, und wie das mit Schmetterlingen so ist – ihr kennt das ja -, können die sich nicht kurz fassen. Von daher haben wir ihren Beitrag in zwei Teile getrennt – das heißt, ihr könnt den Karfreitag und den Ostersamstag mit ihr und Ginny und Draco verbringen. *flüstert* Und Snape lassen wir jetzt mal absolut außen vor, wenn der sich weiterhin so benimmt!

Snapes Lieblingsstory:

http://www.fanfiktion.de/s/4ef4a98d00001de0067007d0/1




Das Rudel – Das Rudel – Das Rudel – Das Rudel



Titel: Flieg mit mir
Rating: P16
Inhalt: Draco Malfoy ist arrogant und überheblich. Zumindest denkt Ginny das, als er gemeinsam mit ihr und Hermine sein letztes Jahr in Hogwarts beginnt, und schon bald geraten sie sich in die Haare. Aber schon bald kann sie den Slytherin nicht mehr aus ihren Gedanken verbannen...
Pairing: Draco Malfoy/Ginny Weasley

Flieg mit mir von Kuschelkueckchen

Teil 1

Ginny rammte ihrer besten Freundin Hermine den Ellbogen in die Seite. „Da ist er“, wisperte sie und deutete mit dem Kopf auf die andere Seite der Großen Halle, wo Draco Malfoy – so blass und blond wie immer, aber mit einem deutlich weniger überheblichen Gesichtsausdruck – am Slytherintisch Platz nahm.
Hermine folgte ihrem Blick und nickte langsam, bevor sie ein Schaudern unterdrückte, das Ginny nur zu gut verstand. Die Ereignisse auf Malfoy Manor waren zwar jetzt sechs Monate her, doch ein halbes Jahr war bei weitem keine lange Zeit, was traumatische Erlebnisse anging, das wusste die junge Frau aus eigener Erfahrung.
„Meinst du, du kommst klar?“, fragte sie und ihre Freundin nickte langsam, ein wenig unsicher. „Ich denke schon. Und wenn nicht, kann ich ihn ja noch immer verhexen!“
Ginny kicherte. „Guter Plan. Und wenn er uns auf die Nerven geht und sich wieder wie ein arrogantes Arschloch benimmt, auch.“
Zu Ginnys Überraschung ergab sich die Notwendigkeit, Draco Malfoy mit der Ganzkörperklammer zu belegen und ihn in einen Besenschrank zu stopfen, nicht sofort. Weder in den ersten Zaubertränkestunden bei Professor Slughorn, die Gryffindor und Slytherin gemeinsam über sich ergehen ließen, noch in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, noch bei zufälligen Begegnungen auf den Fluren oder am Eingang der Großen Halle – Ginny konnte ihren Unglauben gerade noch zurückhalten, wenn sie ihm ins Gesicht sah.
„Ich bin auch überrascht“, wisperte Hermine ihr schließlich zu, während sie sich auf den Weg zu Professor Flitwicks Klassenzimmer machten. Ginny nickte langsam, sie hatte zwar gedacht, dass sie ihr Gesicht besser unter Kontrolle hatte, aber Hermine kannte sie schon seit einer ganzen Weile und war unter ihren Freunden diejenige, die andere am besten lesen konnte. „Ich meine, ich hätte damit gerechnet, dass er wenigstens einen fiesen Kommentar über meine Haare machen würde, vielleicht sogar über das, was in den Osterferien passiert ist... aber nichts? Gar nichts?“
Ginny zuckte mit den Schultern. „Ehrlich? Mich hat es schon überrascht, dass er überhaupt nach Hogwarts zurückgekommen ist. Ich meine, er war im letzten Jahr kaum hier an der Schule, sondern mehr mit Todesseraktivitäten beschäftigt, aber ich hätte gedacht, dass er sich seinen UTZ lieber kauft, als sich noch einmal mit Idioten wie uns abzugeben!“
Hermine zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ist nicht mehr genug vom Malfoy-Vermögen übrig geblieben?“
„Vielleicht.“ Jegliche weitere Diskussion des Themas wurde von Professor Flitwick unterbrochen, der sie in sein Klassenzimmer scheuchte – ein höchst amüsanter Anblick – und seine nächste Stunde Zauberkunst begann.

In den folgenden Wochen stellte Ginny fest, dass es überraschend einfach war, Draco Malfoy zu ignorieren. Wenn sie gemeinsam Unterricht hatten, setzte sie sich ans andere Ende des Klassenzimmers. Wenn sie ihm in den Fluren begegnete, beschleunigte sie ihren Schritt. Wenn er in der Großen Halle auftauchte, wandte sie sich Hermine zu, die meist neben ihr saß. Schon begann sie zu glauben, dass sie das ganze Jahr so hinter sich bringen konnte, ohne über ihn nachzudenken, ohne ihn zu beachten, als er sich wieder energisch in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit schob.
Mit der Zusammenstellung der Mannschaften hatte die Quidditch-Saison begonnen und Ginny, die Kapitänin der Gryffindors war, hatte gleich nach der Auswahl eine ganze Reihe von Trainings angesetzt. Umso größer war die Überraschung, als sie an einem kühlen, windigen Donnerstagabend Anfang Oktober einem geballten Block aus grünen Umhängen gegenüberstanden, in denen die gesamte Quidditchmannschaft von Slytherin steckte, mit Draco Malfoy vorneweg.
„Malfoy.“ Ginny nahm ihren Besen von ihrer Schulter und bedachte den jungen Mann mit einem frostigen Blick. „Zu dämlich, um die Uhr zu lesen? Wir haben das Feld gebucht!“
„Dasselbe könnte ich dich fragen, Weasley. Aber das ist ja  kein Wunder – wahrscheinlich könnt ihr euch keine Uhr leisten!“
Ginny spürte, wie sich ihre Wut in ihrem inneren zu einem kleinen, feurigen Klumpen zusammenballte. „Lieber keine Uhr als kein Gewissen, Malfoy. Und jetzt verzieh dich von unserem Platz, bevor wir dich rauswerfen.“
Hermine hätte den gefährlich geduldigen Unterton in ihrer Stimme erkannt, doch der Slytherin schien die Warnung nicht zu bemerken. „Euer Platz, Weasley? Professor Slughorn hat unseren Trainingsplan unterzeichnet, also gilt er auch.“
„Das will ich sehen.“ Sie schnappte, das wusste sie, und trotzdem streckte sie fordernd die Hand aus, um ihrer Anordnung Nachdruck zu verleihen.
Malfoy musterte sie mit hochgezogenen Augenbrauen. „Und was ist mit eurem Plan? Ich meine, könnte ja sein, dass du nicht nur die Uhr nicht lesen kannst...“
Bevor sie es verhindern konnte, entkam Ginny ein kleines, wütendes Schnauben. „Schön. Deine Unterschrift für meine Unterschrift.“

Obwohl sie gesagt hatte, dass sie ihm ihren Trainingsplan zeigen würde, zögerte sie, als sie in die Tasche ihres Umhanges griff – Malfoy machte ebenfalls keine Anstalten, sich zu bewegen, und die Spannung zwischen ihnen steigerte sich. Es war wie bei einem Duell – wer zuerst zuckte, zuerst nachgab, hatte verloren, und keiner von ihnen wollte dem anderen gegenüber Schwäche zeigen. Unter keinen Umständen.
Schließlich, als Ginny meinte, dass der Druck zwischen ihnen nicht noch größer werden konnte, schnaubte Malfoy trocken. „Angst, Weasley?“
Ginny gab ein kleines, abfälliges Geräusch von sich, und noch bevor sie wusste, was sie tat, hatte sie ihm das Pergament vor die Nase gehalten, nur um einen Moment zu spät zu bemerken, dass sie damit ihren kleinen, unausgesprochenen Wettkampf verloren hatte. Innerlich fluchend sah sie zu, wie Malfoy mit quälender Arroganz seine eigene Genehmigung aus der Tasche seines Umhanges zog und sie ihr betont langsam überreichte. Dieses Arschloch!
Doch ihre Wut verflog, zumindest für einen Augenblick, als sie das Datum von Professor Slughorns Unterschrift auf dem Trainingsplan bemerkte. Zu spät! Grinsend wies sie Malfoy darauf hin. „Du magst vielleicht besser stillhalten können als ich, aber spielen könnt ihr deswegen trotzdem nicht. Professor McGonagall hat unsere Zeiten vor euren genehmigt, und Professor Slughorn muss ein tragischer Fehler unterlaufen sein.“
Es tat gut zu sehen, wie Malfoy seine Antwort hinunterschluckte, und fast noch besser fühlte es sich an zu beobachten, wie sieben in grüne Quidditchumhänge gekleidete Gestalten wutschnaubend zurück zum Schloss liefen.

Ginnys Gefühl der Zufriedenheit stellte sich als sehr kurzlebig heraus. Zwar hatte sie das Quidditchfeld gewonnen, aber dass es Malfoy so mühelos gelungen war, sie zu manipulieren, ärgerte sie noch Tage danach. Und was noch viel schlimmer war – so als ob ihre erste Begegnung einen Damm gebrochen hätte, konnte sie ihm nicht  mehr so aus dem Weg gehen wie zuvor. Jetzt beachtete er sie, warf ihr sarkastische Kommentare an den Kopf, versuchte, sie zu jeder Gelegenheit zu provozieren und Ginny wusste manchmal kaum mehr, wie sie sich beherrschen sollte. Die Löwin in ihr tobte und wollte sich verteidigen, und dass sie das nicht durfte aus Angst, Hauspunkte zu verlieren, machte alles nur noch schlimmer.
Was Ginny allerdings verwirrte, war, dass Malfoy Hermine in Ruhe ließ. Eigentlich hatte sie gedacht, dass er seine Gemeinheiten auch auf sie richten würde – mitgefangen, mitgehangen eben – aber nichts dergleichen geschah. Und Hermine weigerte sich standhaft, sich an den Konfrontationen mit Malfoy zu beteiligen, auch wenn sie gelegentlich gemeinsam mit Ginny über ihn lästerte.
Wenigstens in Harry und Ron fand sie Unterstützung, auch wenn die beiden nicht mehr auf Hogwarts waren, schrieben sie einander doch regelmäßig Briefe, in denen sie sich vorzüglich über Malfoys neuste Gemeinheiten und Beleidigungen auslassen konnte. Die wenigen Monate, die seit der Schlacht von Hogwarts vergangen waren, hatten nur wenig dazu beigetragen, die Abneigung der jungen Männer zu mindern, und Ron konnte Malfoy wahrscheinlich sogar noch weniger leiden als Ginny, wenn das überhaupt möglich war.
Harry hingegen zeigte sich bedachter, abwägender, was Ginny in manchen Momenten fast in den Wahnsinn trieb – aber so oft er sich auch darauf berief, dass die Malfoys sich von Voldemort abgewandt hatten, zumindest am Ende des Kampfes, es machte sie nur noch wütender. Wieso, hätte sie wahrscheinlich selbst nicht sagen können, wenn jemand sie gefragt hätte, doch eine schäumende Ginny Weasley war niemand, den man um rationale Erklärungen bat.
„Das ist so typisch Harry! Immer an das Gute glauben, alles abwägen, für andere sprechen...“, murmelte sie wütend vor sich hin, während sie vor ihrer Stunde in Verteidigung gegen die Dunklen Künste noch einmal seinen letzten Brief überflog.
„Ja, das ist typisch Harry“, entgegnete Hermine. „Und wenn du gerade nicht so wütend darüber wärst, dass er dir nicht zustimmt, würdest du ihn für diese liebenswerten Eigenschaften loben.“
„Liebenswerte Eigenschaften? An Potter?“ Es schien, dass sie zu laut gesprochen hatten, denn unbemerkt von ihnen beiden war Draco gemeinsam mit Gregory Goyle neben sie getreten. „Vielleicht, dass er sein Mittagessen nicht so widerlich in sich hineinstopft wie dein Bruder, Weasley... aber ansonsten fällt mir nichts ein, fürchte ich. Was denkst du, Gregory?“
Da Goyle auch in den letzten Monaten keine mentalen Ressourcen entdeckt hatte, die in den Jahren zuvor verborgen geblieben waren, zuckte er nur mit den Schultern, doch das schien alles zu sein, was Draco an Unterstützung brauchte. „Oh, ja, vielleicht auch noch, dass er gerne vom Besen fällt – hat Slytherin gelegentlich geholfen, würde ich sagen...“
„Malfoy!“ Ihre Stimme klang heiß vor Wut, doch er hob nur die Augenbrauen. „Was?“
„Harry und Ron haben dir das Leben gerettet!“
„Und?“ Er klang wenig beeindruckt, ganz im Gegensatz zu dem, was Ginny erwartet hätte. „Das bedeutet, ich sollte ihnen dankbar sein, aber nachdem du mir meine Moral schon abgesprochen hast, kann ich diesen Punkt ja getrost übergehen. Dass ich nicht die Wahrheit über sie sagen soll, hat noch niemand erwähnt.“
Für einen Moment, einen einzigen Augenblick nur, schüttelte die Löwin in ihr die Ketten ab und schlug mit ihren Pranken nach Draco Malfoy. „Fodio!“
Der Slytherin schrie auf und bedeckte sein Gesicht mit den Händen, versuchte verzweifelt, den stechenden Schmerz loszuwerden, und Ginny beobachtete mit einer wilden Zufriedenheit, wie seine Stirn und seine Wangen anschwollen.
„Miss Weasley.“ Die wütende Stimme riss ihren Blick von Malfoy los und richtete ihn auf Professor Dixon, den neuen Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste in diesem Jahr. Verdammt verdammt verdammt! „Was zum Teufel geht hier vor?“
Bevor sie antworten konnte – und sie hatte eigentlich nicht die Absicht, das zu tun – ließ Malfoy ein leises Wimmern hören. „Mr Malfoy, Krankenflügel.“ Dixon machte sich nicht einmal die Mühe, seinen wütenden Schlangenblick – denn er war zu seiner Zeit in Hogwarts ein Slytherin gewesen – von ihr abzuwenden. „Nun, ich höre.“
Ginny senkte ihren Blick – was sollte sie auch sagen? Dass es gut getan hatte, Malfoy einmal schreien zu hören? Das würde ihren Punkteabzug sicherlich verdoppeln. Dass es ihr leid tat? Erst, wenn Slughorn schlank wäre. Die Stille hing schwer über dem Korridor und Ginny war sich vage Hermines Nähe und der Gegenwart der anderen Schüler bewusst, während sie auf ihre Schuhspitzen starrte.
„Nun, da Miss Weasley heute ein ganzes Stück weniger gesprächig ist als sonst, wird sie wohl das Wochenende mit Mr Filch verbringen. Und... ja, fünfzig Punkte Abzug für Gryffindor werden ausreichend sein.“
„Fünfzig Punkte!“ Sie schrie die Worte fast, obwohl sie wusste, dass das ihre Situation nur noch schlimmer machen würde. „Er hat meine Familie beleidigt, Professor!“
„Und wenn Mr Malfoy alle Ihre Vorfahren aus den letzten zwei Jahrhunderten beleidigt hätte, ist das kein Grund, ihn zu verfluchen. Und jetzt halten Sie den Mund und gehen Sie in mein Klassenzimmer, bevor Ihr Haus noch mehr Punkte verliert.“

Ginny verbrachte die gesamte Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste und zwei sehr lange Tage mit Filch damit, Slytherins im Allgemeinen und Dixon und Malfoy im Besonderen zu verfluchen. Wenn die beiden keine solchen Arschlöcher wären, würde sie jetzt nicht hier sitzen und  das gesamte Pokalzimmer auf Hochglanz polieren – und das war noch eine der angenehmeren Aufgaben, die man ihr übertragen hatte. Und wirklich, nach all dieser Zeit, in der sie sich beherrscht hatte – wieso war es so schrecklich, wenn sie diesem arroganten Schnösel einmal gezeigt hatte, was sie von ihm hielt?
Hermine sah die Sache – natürlich – anders. „Wirklich, Ginny, ich finde es ja auch unfair, was Dixon mit dir gemacht hat, aber du hättest Malfoy nicht verfluchen dürfen. Egal, was er gesagt hat.“
„Sagst ausgerechnet du, Hermine.“ Ginny schnaubte. „Du hast ihn ja nur geohrfeigt.“
„Da war ich ja auch noch jung und unreif.“ Trotz Ginnys düsterer Stimmung entkam ihr ein Lachen, in das Hermine mit einfiel.
Trotzdem war Hermine nicht die richtige Gesprächspartnerin für Ginny, um ihrem Ärger über den Vorfall Luft zu machen, und so verpackte sie all ihre Wut und all ihren Zorn in einen langen Brief an Harry und griff nach der Karte des Rumtreibers, um ihn in die Eulerei zu bringen. Zwar dufte sie  eigentlich nicht mehr auf den Gängen sein, selbst als Siebtklässlerin nicht, doch mit der Karte machte sie sich wenig Sorgen darum, erwischt zu werden – auch ohne den Tarnumhang, den Harry für seine Auroreneinsätze verwendete.
„Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin“, murmelte sie, sobald sie das Portrait der Fetten Dame hinter sich gelassen hatte, und machte sich auf den Weg hinauf in den Turm. Alle paar Meter warf sie einen Blick auf die Karte, doch die Geister und Lehrer schienen sich in anderen Teilen des Schlosses aufzuhalten. Besonders Peeves und Dixon behielt sie genau im Blick, denn diesen beiden würde sie besonders ungern begegnen. Doch all ihre Nervosität war vergebens – sie erreichte die Eulerei ohne Zwischenfall und schickte ihren Brief mit einem Waldkauz der Schule auf den Weg, bevor sie sich auf den Rückweg in den Gryffindorturm machte, nun weniger vorsichtig und aufmerksam. Und genau das wurde ihr zum Verhängnis.

„Malfoy!“, rief sie überrascht, als sie einen Vorhang vor einem der vielen versteckten Durchgänge zur Seite schob und den Slytherin dahinter entdeckte. So überrascht war sie über ihre Entdeckung, dass sie das Stück Stoff fallen gelassen hätte und in die andere Richtung verschwunden wäre, hätte Malfoy sie nicht am Arm gepackt und zu sich gezogen. „Halt die Klappe“, zischte er in ihr Ohr, „oder willst du unbedingt erwischt werden, damit Slytherin auch Hauspunkte verliert?“
Obwohl der Plan von ihm kam, fand sie den Vorschlag für einen Moment ganz reizvoll, doch als sie an die Reaktion der anderen Gryffindors auf einen weiteren Punkteverlust dachte, krümmte sie sich innerlich zusammen. „Natürlich nicht, du Idiot“, entgegnete sie, und weil sie nicht die Initiative in diesem Gespräch verlieren wollte, fügte sie mit einem Zischen hinzu: „Was machst du hier, bei Merlin?“
Seine Reaktion überraschte sie – sie hatte mit Wut gerechnet, mit Geringschätzung, mit einer erneuten Gemeinheit, aber nicht damit, dass sein Gesichtsausdruck nachdenklich wurde. Und schon gar nicht mit seiner Antwort. „Ich suche nach Granger.“
„Nach Hermine?“ Wo sie nur Wimpernschläge zuvor noch überrascht gewesen war, schlug nun ihr Beschützerinstinkt durch. „Reicht es nicht, dass sie in deinem Wohnzimmer gefoltert worden ist? Willst du es ihr jetzt auch noch unter die Nase reiben!“, fauchte sie und riss sich von ihm los, denn seine Finger waren noch immer in ihren Arm gekrallt gewesen. Die Abscheu in Malfoys Augen ließ sie noch weiter zurücktaumeln.
„Ich wollte mich bei ihr entschuldigen. Und zwar genau dafür.“ Er klang eiskalt, genauso wie der Prinz von Slytherin, als den sie ihn sich immer vorgestellt hatte, und doch löste er dieses Mal keine Wut in ihr aus, sondern Scham. Und zwar mehr, als sie gefühlt hatte, nachdem er wegen ihrem Fluch in den Krankenflügel geschickt worden war.
„Ich...“, meinte sie hilflos, unsicher, was sie sagen sollte – und dann ergriff sie die erste Option, die sich ihr bat, auch wenn der Gryffindorteil in ihr sich dafür noch mehr schämte. Sie lief davon. Und zwar so schnell und so weit, wie sie konnte, an einen Ort, an den er ihr mit seinem Blick und mit seinen Worten nicht folgen konnte – ihren Schlafsaal. Sie wusste kaum, wie es ihr gelungen war, Hermines besorgte Fragen abzuwehren, bevor sie ihren Kopf unter ihrem Kissen vergrub auf der Suche nach der Sicherheit, die sie vermisste.

Draco Malfoy wollte sich entschuldigen – in den ersten, verzweifelten Momenten tat sie es ab als Lüge, als Gemeinheit, die er sich nur ausgedacht hatte, um Hermine weiter zu quälen und zu triezen, ihre alten Wunden wieder aufzureißen. Doch je länger sie im Bett lag und in die Dunkelheit starrte, desto weniger gelang es ihr, diesen Gedanken festzuhalten, daran zu glauben. Zuerst wunderte sie sich darüber – immerhin war Malfoy ein gemeiner Arsch, dem alles zuzutrauen war – doch dann begriff sie, was sie so irritierte. So unausstehlich er auch ihr gegenüber gewesen war, Hermine hatte er immer in Ruhe gelassen – wieso sollte er jetzt also plötzlich damit anfangen, sie verletzten zu wollen? Und mehr noch, wieso sollte er ausgerechnet dafür nachts auf gut Glück in Korridoren herumlungern? Jemand wie er hatte sicherlich besseres zu tun, es sei denn, die Angelegenheit wäre ihm wirklich wichtig.
Zugeben zu müssen, dass es Malfoy vielleicht wirklich wichtig war, sich bei Hermine zu entschuldigen, brachte Ginny fast dazu, sich zu krümmen, aber so sehr sie es auch versuchte – nachdem sie den Gedanken einmal gehabt hatte, schaffte sie es nicht mehr, ihn aus ihrem Kopf zu verbannen.
Und das brachte Ginny sofort zur nächsten Frage. Was sollte sie Hermine erzählen? Zumindest diese Überlegung war aber schnell zu Ende – ihre Freundin hatte das Recht, selbst zu entscheiden, so wenig Ginny in diesem Moment auch geneigt war, etwas zu tun, das man als Gefallen für Malfoy auslegen konnte.
Rückblickend betrachtet war das Gespräch mit ihrer Freundin nicht so schlimm ausgefallen, wie Ginny es sich in ihren schlimmsten Momenten erträumt hatte. Sie hatte Hermine erzählt, was geschehen war und was Malfoy gesagt hatte, und sie hatte genickt und beschlossen, dass sie sich gerne mit ihm treffen würde. Ihre Diskussion hatte sich danach darauf verlagert, zu überlegen, wie sie Malfoy benachrichtigen konnten, und schließlich entschlossen sie sich, ihm eine Eule zu schicken und ihn zu bitten, am nächsten Samstag hinunter an den See zu kommen.

An dem Morgen, an dem ihr Brief Malfoy vermutlich erreichen würde, beachtete Ginny ihr Frühstück kaum, so sehr war sie damit beschäftigt, zum Slytherintisch hinüberzustarren und ihn zu beobachten. Selbst Hermine wirkte gelassener als sie, doch ihr Verhalten verwunderte Ginny schon, seitdem sie über das Treffen gesprochen hatten. Sie wusste, welche Albträume Hermine durchmachte, wie oft sie nachts in ihr Kissen weinte, und wie schwer es ihr fiel, keinen Ron in der Nähe zu haben, der sie in den Arm nehmen und festhalten konnte, wenn das passierte. Wenn Ginny das bedachte, war es erstaunlich, wie gefasst ihre Freundin sich bei dem Gedanken an ein persönliches Gespräch mit Malfoy verhalten hatte. Ginny konnte nur hoffen, dass diese Ruhe auch noch bis nach der Entschuldigung anhalten würde.
Das Rauschen von hunderten Flügeln ließ sie aufblicken und suchend betrachtete sie die Eulen, versuchte, das Tier zu finden, an dessen Bein Hermine am Vorabend eine kleine Rolle an Pergament gebunden hatte. Sie entdeckte es erst, als es schon fast zur Landung am Slytherintisch ansetzte, während Malfoy überrascht aufsah. Seine Verblüffung nahm noch zu, als er den Brief las – eine ungewöhnlich emotionale Reaktion von ihm – und dann hob er den Kopf und blickte direkt zu ihnen hinüber, bevor er nickte. Ginny war sich nicht sicher, ob er damit sie oder Hermine oder vielleicht sogar sie beide gemeint hatte, doch sie erzählte ihrer Freundin flüsternd, was geschehen war, und Hermine nickte. „Gut. Dann wird er kommen.“
Die Woche verging schnell, und wenn Ginny auch bemerkte, dass Hermine mit jedem Tag, der verging, nervöser und nervöser wurde, tat sie doch so, als ob nichts besonderes passieren würde – ihr Versuch, Hermine darauf anzusprechen, war nicht besonders erfolgreich verlaufen. Wenn Ginny ehrlich zu sich selbst war, dann wusste sie, dass auch sie rastlos und unruhig war. Noch immer hatte sie Angst, dass Malfoy irgendetwas sagen oder tun würde, das Hermine verletzten könnte, aber sie unterdrückte das Gefühl so schnell, wie sie nur konnte. Wenigstens eine von uns sollte einen klaren Kopf behalten!
Dass das nicht Hermine sein würde, wurde ihr spätestens in dem Moment klar, als sie sich gemeinsam auf den Weg zum See hinunter machten, wo sie sich mit Draco treffen wollten. Die junge Frau schien selbst beim Gehen ihre Hände nicht still halten zu können, prüfte ständig, ob ihr Zauberstab noch da war, zog die Ärmel ihres Pullovers nach unten, strich die nicht vorhandenen Falten in ihrem Umhang glatt.
Ihr Benehmen reichte aus, um Ginny ebenfalls unruhig werden zu lassen, doch sie hielt sich mit ihren Kommentaren zurück, da diese allesamt sehr scharf und absolut nicht hilfreich gewesen wären. Wenn es in dieser Situation überhaupt hilfreiche Kommentare gab.
Der Novembertag war grau, windig und kalt, eine Tatsache, für die Ginny in diesem Moment sehr dankbar war – nur wenige andere Schüler hatten sich bei diesem Wetter nach draußen verirrt, was dafür sorgen würde, dass sie sich wenigstens mit einem kleinen bisschen an Privatsphäre unterhalten konnten.
Malfoy wartete bereits hinter einer Biegung des Uferpfades auf sie, die grauen Augen ausnahmsweise nicht voller Arroganz, sondern unruhig und fast ebenso nervös wie Hermine.

„Hallo.“
Ginny war so damit beschäftigt, diesen interessanten Wechsel in seiner Ausstrahlung zu betrachten, dass sie fast seinen Gruß verpasst hätte, während Hermine zwar prompt antwortete, aber alles andere ansah außer Malfoy. Die Stille zwischen ihnen war peinlicher als alles, das Ginny jemals erlebt hatte, und schließlich, als sie es nicht mehr aushielt, meinte sie unsicher: „Erm...“ Toll, erm. Das ist nicht einmal ein Wort! Und du wolltest deinen Kopf behalten!
Obwohl sie damit gerechnet hatte, dass Malfoys nächster Satz ungefähr demselben Gedankengang folgen würde wie die nervige, kleine Stimme in ihrem Inneren, schüttelte er nur den Kopf, so als ob er sich selbst daran erinnern müsste, dass er nicht alleine hier unter den kahlen Ästen der Bäume stand.
„Ja, ich...“ Er unterbrach sich, suchte nach Hermines Blick, die aber entschlossen ihre Fußspitzen betrachtete.
In Ginny wallte für einen Moment ein Gefühl auf, das sich im Bezug auf Malfoy so fremd anfühlte, dass sie es zuerst gar nicht identifizieren konnte – Mitleid. Sie hatte unterbewusst damit gerechnet, dass es ihr gefallen würde zu sehen, wie er sich wand, und dass es nicht so war, erschreckte sie fast ein wenig. Was war sie für eine Person, dass sie hoffte, dass sich jemand schlecht fühlen würde, auch – oder gerade – wenn sie es sich nicht einmal eingestand?
„Granger, ich...“ Malfoy brach ab, so als ob er bemerkt hätte, dass seine Worte Ginnys Gedanken störten, und schüttelte den Kopf. „Hermine, es tut mir leid. Ich wollte, ich hätte verhindern können, was dir auf Malfoy Manor passiert ist, und es tut mir jeden Tag leid, dass ich es nicht konnte. Ich... ich wollte euch doch helfen, und gleichzeitig hatte ich solche Angst um meine Familie, dass ich nicht wusste, was ich tun sollte... und dass Bellatrix...“ Er sprach nicht weiter, doch ob er das tat, weil er nicht konnte oder weil er die Tränen in Hermines Augen bemerkte, wusste Ginny beim besten Willen nicht zu sagen.
„Ich... ich weiß, Draco.“ Nun hatte sich Hermine doch durchgerungen, ihm ins Gesicht zu sehen, bevor sie schließlich nickte. „Ich weiß.“ Für einen Moment stand sie vor ihm, den Kopf hoch erhoben, bevor sie auf dem Absatz umdrehte und in Richtung des Schlosses zurücklief, so schnell ihre Beine sie tragen konnte.
Ginny hatte ihre Tränen gesehen und spürte für einen Augenblick zwei einander widersprechende Impulse – Hermine hinterherlaufen oder Malfoy eine reinhauen. Schließlich schaffte sie es, beide hinunterzuwürgen, und wandte sich wieder dem Slytherin zu. „Sieh dir an was du angerichtet hast! Und das nur, weil du ein egoistisches Arschloch bist, das ohne seine Entschuldigung nicht schlafen konnte!“
Malfoy, der bis zu ihren Worten Hermine hinterhergestarrt hatte, brauchte nur einen Herzschlag, um sich ihr zuzuwenden. „Was?“ Das eine Wort hätte fragend klingen können – hätte er es nicht mit all seiner Wut hervorgestoßen.

Ginny war so überrascht, dass sie einen halben Schritt zurück machte, um seinem ungewohnt scharfen Tonfall zu entgehen. In all ihren Wortwechseln war immer sie es gewesen, die vor Wut geschäumt hatte, und es war ein merkwürdiges Gefühl zu sehen, wie seine eigenen Emotionen in ihm hochstiegen, um ihren Angriff zu kontern. „In euren Augen können wir Slytherins auch nichts richtig machen, oder? Ein Mal, ein einziges, verdammtes Mal, versuche ich, über meinen Schatten zu springen und das Richtige zu tun – und dann ist sogar das falsch, weil du es dir so zurechtbiegst! Wir Slytherins sind nur dazu da, damit ihr über unsere Fehler lachen könnt, dort oben, in eurem verdammten kleinen Turm! Wir sind nicht wichtig genug, um echte Personen zu sein, wie eure Freunde – wir sind Pappaufsteller, die ihr anspucken könnt, damit ihr euch so viel besser und erhabener fühlt! Damit ihr einmal nicht nachdenken müsst, was andere fühlen, und trotzdem eure ach so tollen, hehren Prinzipien nicht verletzt!“
„Wenigstens habe ich nicht dabei zugesehen, wie Unschuldige gefoltert wurden! Hat dir wahrscheinlich Spaß gemacht, du Arschloch! Und als sie meinen Bruder umgebracht haben, hast du dir von deiner Mutter das Händchen halten lassen, weil du ja so arm und klein und unschuldig bist und so sehr gelitten hast!“
„Meinst du wirklich, ich habe in diesem Krieg nichts verloren? Wirklich?“
„Was? Sag mir, was du verloren hast! Dein Geld? Deine folternde Todessertante? Die Möglichkeit, mit dem Minister auf du und du zu stehen? Die Gelegenheit, Muggel zu foltern?“ Sie schnappte nach Luft, versuchte, ihre Atmung unter Kontrolle zu bekommen, während ihr die Tränen in die Augen stiegen. „Ich habe einen Bruder verloren, und zwei andere sind für den Rest ihres Lebens entstellt! Colin ist tot! Tonks ist tot! Remus ist tot! Ich werde sie nie wieder sehen! Und du vergleichst das damit, dass du dir nicht alle zwei Tage einen neuen Umhang kaufen kannst?“
Malfoy starrte sie an, mit einem Blick, den sie noch nie an ihm gesehen hatte – Schmerz? „Das ist nicht fair...“
Seine Stimme klang leise, fast zurückhaltend, doch Ginny nahm seine Worte nur zum Anlass, weiterzusprechen. „Natürlich ist das nicht fair! Warum muss meine Familie auseinanderfallen, während du dich von deiner Mutter tätscheln lässt? Ihr seid die Bösen hier! Ihr habt verloren! Wieso  zahlt ihr dann nicht für das, was ihr getan habt? Und wieso muss ich... wieso muss Fred...“
All ihrer Wut, all ihrem Zorn gelang es nicht, die Flut an Tränen aufzuhalten, die nun hervorbrach, und während sie schluchzte, wünschte sie sich nur, dass Malfoy verschwinden und den Schmerz mitnehmen würden. Es tat weh, so weh... und sie wusste nicht, was sie tun, was sie fühlen und wie sie ihm jemals wieder in die Augen sehen sollte.

In den nächsten Tagen wusste Ginny kaum, was sie sagte oder tat, so sehr war sie damit beschäftigt, Malfoy aus dem Weg zu gehen und ihn zu ignorieren. Das einzige, was ihr aus dieser Woche klar in Erinnerung blieb, war Hermine – Hermine, die ruhiger wirkte, Hermine, die weniger Albträume hatte, Hermine, die es sogar schaffte, Malfoy mit einem, zugegebenermaßen sehr schwachen, Lächeln sein Messer zu reichen, als es ihm im Zaubertränkeunterricht aus der Hand rutschte und sie zufälligerweise gerade an seinem Tisch vorbeiging. Wenn Ginny zwischen ihren konfusen, beschämten Gedankengängen einen Moment der Zeit dazu fand, bewunderte sie die Ironie, die der Situation innewohnte. Sie hatte Malfoy angebrüllt und ihm Dinge offenbart, die sie sich selbst nicht einmal eingestanden hatte, und das alles, weil sie wütend darüber war, dass er Hermine wehgetan hatte – und dabei hatten seine Worte nach den ersten Tränen ganz offensichtlich das Gegenteil erreicht.
Wenn es nach Ginny gegangen wäre, hätte sie Malfoy wahrscheinlich für den Rest des Schuljahres ignoriert, doch diese Möglichkeit ergab sich nicht – eine Woche nach ihrem Streit fand das erste Quidditch-Spiel der Saison, Gryffindor gegen Slytherin, statt. Zwar waren sie sich nicht mehr beim Training begegnet, doch nun mussten sie sich die Hand schütteln – und sie hatte das Gefühl, dass Malfoy während des gesamten Austausches ihren Blick suchte, tat ihm aber nicht den Gefallen, darauf zu reagieren. Ihm ins Gesicht zu sehen hätte wahrscheinlich nur dazu geführt, dass sie sich zu sehr schämte, um auf das Spiel zu achten, und sie wollte nicht, dass Gryffindor wegen ihr verlor.
Auch so war es schon schwer genug, den Bewegungen der anderen Spieler zu folgen, ihre Züge vorherzusehen, sobald sie nach Madam Hoochs Pfiff auf ihren Besen nach oben schossen. Noch nie war es Ginny so schwer gefallen, sich auf Quidditch zu konzentrieren, und sie war froh, dass Gryffindors neuer Sucher das Spiel schon nach wenigen Minuten beendete. Und noch dazu mit einem Sieg.

Die darauf folgenden Wochen vergingen ganz ähnlich wie jene zu Beginn des Schuljahres – Ginny und Malfoy ignorierten sich und wichen sich aus, so gut sie konnten, auch wenn sie manchmal von dieser Tatsache überrascht war. Sie hatte ihm so viel von sich verraten, mehr, als sie eigentlich selbst bewusst an sich wahrgenommen hatte, und nach allem, was Malfoy gesagt und getan hatte... sie schüttelte den Kopf. Er hätte sie verspotten und verletzen können mit den Dingen, die sie ihm in ihrer Wut an den Kopf geworfen hatte, und er hatte es nicht getan, es, soweit sie wusste, keiner Menschenseele gegenüber erwähnt. Das machte ihn zu einem besseren Menschen, als Ginny vermutet hatte, und eigentlich... eigentlich verdiente er eine Entschuldigung von ihr. Zumindest bestand ihr Gewissen darauf, auch wenn Ginny sich nicht sicher war, ob sie jemals danach handeln würde.
Erst jetzt begann sie zu verstehen, wie viel Mut eine solche Erklärung wie die, die Malfoy vor Hermine abgegeben hatte, brauchte, und wie schwer es war, seinen eigenen Stolz hinunterzuschlucken. Beides waren Dinge, die sie eigentlich besser können sollte als ein Slytherin, immerhin war sie eine Gryffindor, und trotzdem schob sie es immer weiter vor sich her, auf Malfoy zuzugehen und mit ihm zu sprechen, oder ihm zu schreiben. In jeder Stunde fand sie eine Ausrede, bei jeder Mahlzeit und bei jedem zufälligen Besuch in der Eulerei. In den Momenten, in denen sie nicht jeden Gedanken daran standhaft verdrängte, schämte Ginny sich vor sich selbst wegen ihres Verhaltens.
Auch der erste Schnee Anfang Dezember half ihr nicht dabei, ihre konfusen, manchmal widersprüchlichen Gefühle besser zu verstehen, aber er weckte in ihr den Drang, aus dem Schloss zu fliehen und den kalten Wind in ihren Haaren zu spüren. Die Stille und der leise Atem der anderen Mädchen in ihrem Schlafsaal halfen ihr nicht dabei, Ruhe zu finden, sondern die Geräusche drangen auf sie ein, bis sie sich vollkommen umzingelt fühlte und nur noch den Wunsch hatte, zu fliehen.
Leise schlüpfte sie aus dem Bett und suchte in ihrem Koffer nach der Karte des Rumtreibers, die sie seit der Nacht, in der sie Malfoy in den Korridoren begegnet war, nicht mehr benutzt hatte, bevor sie sich anzog und durch das Portraitloch hinaushuschte. Das Schloss wirkte ebenso still und verlassen wie die Winterlandschaft, in die sie hinaustrat, als sie die Eingangshalle hinter sich ließ. Die dünne Schneedecke, fast nur ein Flaum auf dem graubraunen Gras, schmolz unter ihren Schuhsohlen dahin, wenn sie auftrat, und kleine, leichte Flocken verfingen sich in ihrem Haar und landeten auf ihrem Winterumhang. Es war ruhig. Es war kalt. Es war still. Und Ginny meinte, dass ein kleines bisschen von diesem Gefühl auch auf sie übersprang.
Einem Impuls folgend zogen ihre Schritte sie immer näher und näher zum Quidditchfeld, die hohen Tribünen ragten wie Säulen vor ihr in der Dunkelheit auf und sie bog ab, lief hinüber zu dem kleinen Besenschuppen. Die Tür war abgeschlossen, natürlich, doch Ginny öffnete sie mit einem schnellen Alohomora und holte ihren Besen heraus. Sie machte sich nicht die Mühe, hinüber zum Feld zu laufen – sie stieg sofort auf, schoss hoch in die Luft und genoss die Kälte, die in ihre Wangen stach, und den Wind, der ihre Haare zerzauste. Die Dunkelheit störte sie nicht, während sie flog, sie wusste, wo die Tribünen und die Torringe waren, und hätte ihnen auch mit geschlossenen Augen ausweichen können. Sie war ruhig, sie war sicher, sie war frei, und für einen Moment schwiegen auch ihre rastlosen Gedanken.
„Weasley!“ Ginny erschrak so sehr, dass sie fast von ihrem Besen gefallen wäre, als sie die Stimme aus der Dunkelheit hörte. Eine bekannte Stimme... die Stimme von jemandem, den sie jetzt, in diesem Moment, ganz bestimmt nicht sehen wollte, wo sie ihn doch gerade erst mit Mühe aus ihrem Kopf vertrieben hatte. „Malfoy.“

Er steuerte seinen Besen lässig mit einer Hand und sah sie an, so als ob es das normalste auf der Welt wäre, weit nach Mitternacht anderen Schülern zwanzig Meter über dem Quidditchfeld zu begegnen. Für einen Moment herrschte Stille zwischen ihnen und nur der Wind pfiff in ihren Ohren, doch dann zuckte Malfoy mit den Schultern. „Ich hatte mich schon gewundert, wieso der Besenschuppen nicht abgeschlossen war.“
Er klang ruhig, beherrscht, und Ginny gab sich Mühe, ebenso zu wirken, auch wenn ihr die Röte in die Wangen schoss. „Ja, das war ich.“ Nicht die intelligenteste Antwort, zugegeben, aber besser als ihn aus großen, verängstigten Augen anzustarren.
Die Stille zwischen ihnen nahm zu, wurde intensiver und intensiver, bis Ginny es nicht mehr aushielt – und dann kam ihr der Gedanke, dass sie wahrscheinlich nie mehr Mut würde zusammenkratzen können als in diesem Moment. „Estutmirleid.“
Malfoy hob die Augenbrauen, und wieder wallte die Wut in ihr auf. Wollte er, dass sie es für ihn wiederholte... oder vielleicht hatte er ihre Worte wirklich nur nicht verstanden? Sie schluckte. „Es tut mir leid.“ Ein Moment der Stille, während sie in sein ausdrucksloses Gesicht blickte, und dann stürzte sie sich nach vorne mit all dem Gryffindormut, den sie aufbringen konnte. „Ich... ich wollte nicht so gemein zu dir sein. Ich meine, bevor ich mit dir gesprochen habe, habe ich selbst nicht verstanden, wieso ich dich so hasse, wieso ich jedes Mal, wenn ich dich sehe, so wütend werde... aber das ist keine Entschuldigung dafür, dass ich dich so behandelt habe. Und...“ Sie zögerte kurz, aber wenn sie schon dabei war, sich vor ihm in den Staub zu werfen, dann konnte sie auch gleich alles hinter sich bringen. „Es tut mir leid, dass ich dich verhext habe.“
Atemlos starrte sie ihn an, während er vor ihr die Stirn runzelte. „Hasst du mich noch immer?“
Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Frage, und so wusste sie nicht sofort, was sie darauf antworten sollte. „Ich... ich bin mir nicht sicher, ich...“ Nur mit Mühe konnte sie ihren rastlosen Mund dazu bringen, die Klappe zu halten, damit sie in sich hineinhorchen konnte. Erleichterung. Frieden. „Ich denke nicht.“
Die Stille war Ginny fast willkommen, als sie sich wieder zwischen ihnen breit machte – ein Gedanke, der sie fast lächeln ließ, so leicht fühlte sie sich. Irgendetwas hätte den monumentalen Wandel, der in den letzten Minuten zwischen ihnen stattgefunden hatte, anzeigen müssen, und doch waren sie noch dieselben Personen wie zuvor, sahen gleich aus, betrachteten sich aus denselben Augen, blinzelten sich dieselben Schneeflocken aus dem Gesicht.
Schließlich nickte Malfoy. „Gut.“
Sie wusste nicht, was sie mit diesem einen Wort anfangen sollte, das er ihr vor die Füße geworfen hatte, doch bevor sie Gelegenheit bekam, sich darauf einen Reim zu machen, schoss er in die Dunkelheit davon. Für einen Moment spürte sie den unerklärlichen Impuls, sich auf ihrem Besen nach vorne zu lehnen, um zu beschleunigen und hinter ihm herzujagen, doch er verging ebenso schnell, wie er gekommen war. Sattdessen lenkte sie ihren Flug zurück zu der kleinen Hütte, um ihren Besen abzustellen. Eine Dosis Malfoy war eindeutig genug für eine Nacht.
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