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Lunar Ragnarok

von iLLuSia
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Irvine Kinneas Quistis Trepe Riona Heartilly Selphie Tilmitt Squall Leonhart Xell Dincht
31.03.2012
31.03.2012
9
59.608
 
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31.03.2012 10.130
 
~~~~~~ Lunar Ragnarok ~~~~~~~


~ made by iLLuSia ~






Akt I: Alte und neue Feinde








Kapitel 1 ~ Im Schatten neuer Bedrohungen




Saiyuki saß auf einem umgefallenen Baumstamm, der seelenverlassen inmitten einer großen Wiese lag und herzhaft schlief. Wie er wohl aus dem Wald hierher gekommen sein mochte, wusste das kleine Mädchen nicht, doch wurde er öfter von ihr, sowie auch ihren Eltern und Freunden als Sitzbank verwendet, einer wunderschönen Sitzgelegenheit mit Ausblick auf die unberührte Natur um ihn herum, auf den Wald links von dieser Wiese, dem Hügel am Horizont, wo ihre letzten Grashalme, die man sehen konnte, in den Himmel ragten, das bescheiden unauffällige Haus im Rücken, das vor den riesigen schneebedeckten Bergen stand. Saiyuki, gerade mal so groß wie der Baumstamm dick, saß oben drauf und ließ ihre Beine baumeln, nachdenklich seufzend. Ihre langen schwarzen Haare flatterten im kühlen Wind eines Frühlingstages, sowie sich auch die Grashalme unter ihm krümmten. Die von Wolken bedeckte Sonne warf keinen einzigen Lichtstrahl nieder, die Ruhe, lediglich vom leisen Pfeifen des Windes unterbrochen, umschloss die ganze friedliche Szenerie. Das Pfeifen des Windes nur, und das Gebrüll aus dem Haus, welches hinter Saiyuki stand, machten dieses traumhaft friedliche Bild zunichte. Das Mädchen drehte den Kopf und murrte verärgert. In diesem Haus waren ihre Eltern geradezu lauthals am Streiten, wie des öfteren, wegen ihr, vor allen Dingen regte sich ihre Mutter am meisten auf. Ihre Schreie wehten, entgegen dem Wind, bis hin zu dem Wald, in dem sie sich brachen und ein kleines Echo sich den Weg durch die Ruhe zurück schnitt. Aufgefangen wurde es von dem ruhigeren Ton ihres Vaters, dessen Antwort den Klang des Gebrülls wie ein Schwamm abdämpfte.

„Daran bist nur du schuld!“, schrie das Haus erneut mit einer Frauenstimme. „Warum hast du ihr das Kämpfen beigebracht!?“

Etwas nervig war es schon diese Streitereien mitanhören zu müssen, so hellhörig, wie das Haus doch war, und so klein der Abstand zu dieser Bank, konnte man jedes einzelne Wort zu deutlich hören. Aber ihre Eltern kamen zum Glück nicht so oft zum streiten, nur heute eskalierte es mal, dafür umso schlimmer.

„Beruhig dich, Rinoa. Sie muss sich verteidigen können“, erklang die ruhige Stimme des Vaters. „Seit der Träne des Mondes ist die ganze Welt voll von Monstern. Sie muss sich doch zur Wehr setzen können! Außerdem wird sie eine Seed.“

„Squall, sie hat den Knirps BLU-TIG geschlagen! Sie hat ihm die Nase gebrochen! Er ist kein Monster, er ist ein blöder, kleiner, neunjähriger Knirps. Sie kann ihn doch nicht derart verprügeln! So weit ist sie bisher noch nie gegangen!“

„Ich weiß, ich rede mit ihr darüber.“

„Du hast mir ihr schon so oft reden wollen, und was hat es gebracht? Sie schlägt sich fast jeden Tag mit irgendwelchen älteren Kindern!“

„Hast du das nicht auch getan, als du in ihrem Alter warst? Du hast alle möglichen Jungs zusammengeschlagen, die deine Freundinnen blöd anmachten. Und deinem Vater hast du auch nie gehorcht. Erinnerst du dich, als du mir das erzählt hast?“

„Schieb die Schuld nicht auf mich! Ich hab’ meine Klassenkameraden nie geschlagen, sondern sie nur verscheucht, damit sie uns in Ruhe ließen. Das hast du dir zusammenfantasiert! Und die Jungs waren bei uns wirklich brutal. Trotzdem rechtfertigt das nicht Saiyukis Verhalten. Sie hat ihm ernsthaft weh getan und ihn ohnmächtig geprügelt. Sie wird immer gewalttätiger!“

„Sie setzt sich nur zur Wehr und verteidigt ihre Freunde, ist das nicht eher heldenhaft? Nun gut, sie hat zu doll zugeschlagen, aber dieser Knirps verdient das auch, der schlägt jeden Tag irgendwelche Jüngeren. Vielleicht war ihm das sogar eine Lektion.“

„Meine Güte, Squall. Wenn du nicht Co-Direktor wärst, würde sie von der Schule fliegen. Dann wäre solch eine Ausrede wie ‚Sie hat aus Versehen zu doll zugeschlagen’ nichtsbringend! Verstehst du das? Der Junge musste wegen ihr in den Krankenflügel!“

„Er wollte eine Schlägerei anzetteln und ein kleineres Mädchen grundlos verprügeln. Er ist eine Klasse über ihr, er hätte ihr wirklich weh tun können, und er wollte es bestimmt auch. Was hätte sie denn machen sollen, wenn Saiyuki nicht gewesen wäre? Bist du nicht stolz auf deine Tochter, dass sie, um anderen zu helfen, alles tut, auch wenn sie sogar Regeln brechen muss?“

„Saiyuki!“

Das Mädchen drehte sich erschrocken wieder nach vorne und blickte dem direkt vor ihr stehenden, kleinen, neunjährigen Jungen mit schwarzen Haaren, schiefen Nase und einem Pfalster darauf in sein rundliches Gesicht, welches beim sprechen total verzerrt, wutentbrannt glühte.

„Du hast Glück gehabt, dass dich heute ein Lehrer gerettet hat, sonst hätt’ ich aus dir Hackfleisch gemacht!“

„Du und Hackfleisch aus mir machen?“, rief Saiyuki hämisch. „Du lagst am Boden und ich lag auf dir drauf, und du sagst, ich hätte Glück gehabt?“

Der Junge hob drohend die Faust. „Das zahle ich dir jetzt heim! Ich und mein Bruder!“

Saiyuki blickte sich um. Neben diesem Jungen mit der schiefen Nase war ein zweiter Junge, mit genau denselben schwarzen Haaren, demselben Bauchumfang, nur älter, wie ein größeres Abbild von dem Jungen mit der schiefen Nase, nur ohne schiefe Nase. Es war sein Bruder, ein bekanntes Problemkind, der, wie sein kleineres Ich, ohne Ehre auf kleinere losging. Er machte lediglich einen sportlicheren Eindruck, da er Kickboxer war.

„Du hast meinen Bruder geschlagen? Dafür mach ich dich fertig!“, rief er.

Sofort sprang er auf Saiyuki zu, die problemlos auf dem Baumstamm zur Seite rollte und seinem Angriff entkam. Während er sich auf diesem Stamm lang legte, war sie schon auf den Beinen und, ohne groß nachzudenken, sprang sie auf ihn drauf und nagelte ihn fest, aber nur fast, denn nach einigem Winden gelang es ihm, Saiyuki abzuschütteln und runterzustoßen. Das Mädchen stürzte zu Boden, riss ihn hinterher, und sie kabbelten sich eine Weile im Gras weiter, bis Saiyuki schließlich die Oberhand gewann und den Großen erneut, dieses Mal auf dem Rasen, festnagelte, und sich der kleinere mit der schiefen Nase entschloss sie von seinem Bruder runterzuschubsen. In diesem Moment hörten sie die Tür zuknallen und als sie aufblickten, stand Squall vor ihnen, mit enttäuschtem Gesichtsausdruck. Saiyuki sprang sofort auf und rief, die Faust siegreich durch die Luft schwingend:

„Ha, ich hab’s den beiden gegeben und...“

Dann erblickte sie das wütende Gesicht ihrer Mutter neben ihm, und ließ sie ihre Hand mit einem „oh“ wieder sinken. Die beiden Jungs, der große sowie der kleine mit der schiefen Nase, rappelten sich sofort auf und schauten sich erschrocken an.

„Wenn sie herausfinden, dass wir angefangen haben, dann verhauen sie uns!“, rief der eine dem anderen flüsternd zu, packte ihn am Arm und lief mit ihm weg.

„Jetzt siehst du’s“, sagte Squall gelassen und deutete den zwei Knirpsen hinterher. „Warum denkst du sind die beiden hierher gekommen? Um eine Entschuldigung zu verlangen? Oder um sich zu rächen?“

Rinoa antwortete nicht. Gebannt starrte sie den hinter dem Hügel verschwindenden Jungen nach, und ging danach wortlos, aber grummelnd, zurück ins Haus. Squall setzte sich seufzend auf den Baumstamm und bat Saiyuki zu sich, die, immer noch verwirrt, aus seinem Gesicht eine Antwort herauszulesen versuchte.

„Saiyuki“, fing er an. „Du weißt sicher, worüber ich mit dir reden will?“

„Ja, Paps, du musst mir wegen Mama sagen, dass ich mich in der Schule nicht schlagen soll.“

„Wieso hast du dich eigentlich geschlagen?“

„Na, weil er meine Freundin Jelina blöd anmachte. Ich kann sie dann doch nicht im Stich lassen.“

Squall seufzte und blickte hinauf zu dem wolkenbedeckten Himmel. Wie schon so oft, als er Saiyuki erklären wollte, sich nicht mit anderen zu schlagen, fiel keine Hilfe für ihn runter, lediglich begann es von Zeit zu Zeit an zu regnen, so auch heute. Kleine Wassertropfen fielen leise aus den Wolken und platschten auf den Baumstamm, oder wurden durch den Wind umhergewirbelt. Saiyuki stand neben Squall auf dem Stamm und schaute ihn geduldig an. Sie kannte das Ritual, ihr Vater würde sie erst einmal wegen der Prügelei ausfragen, dann würde er ihr erklären, wieso man das nicht macht, und sie schließlich fragen, ob sie es verstanden hatte, und sie würde alles abnicken. Doch dieses Mal kam es anders:

„Du bist wie deine Mutter“, sagte Squall. „Auch sie hat sich früher geschlagen, teils mit Leuten aus der Klasse, teils mit älteren, und hat sie immer... wie sagt ihr das? Mächtig vermöbelt. Jetzt hält sie mir Vorträge. Du hast es für deine Freundin getan?“

„Ja, weil dieser Blödmann zu ihr gesagt hatte, dass er weggeätzt wird, wenn er sie anfasst, weil sie so dreckig ist und stinkt und...“

„Und dann?“

„Und dann, dann hab ich ihn geschubst und ihm gesagt: ‚Wenn du meine Freundin beleidigst, dann kriegst du von mir eins auf die Nase!’“ Saiyuki sprang vergnügt Fäuste ballend in die Luft. „Ha, und daraufhin meinte er, ich sei auch nicht besser, also hab ich ihm eine, batz, von rechts und batz, von links, dann in den Bauch, batz...“

„Du hast ihn also geschlagen, obwohl er dich gar nicht angegriffen hat?“

Verblüfft erstarrte das Mädchen in ihrer Luft zerhauenden Pose und blickte Squall fragend an. „Er hat mich doch angegriffen. Er hat mich mit Worten angegriffen.“

„Dann hättest du mit Worten zurückschlagen müssen.“

„Warum?“

„Weil man nicht einfach auf Schwächeren einprügelt. Sonst stellst du dich bloß auf seine Stufe und verprügelst kleinere bloß zum Spaß. Und die kleineren haben das gleiche Recht auf Frieden, wie alle anderen.“

„Und Jelina hat dasselbe Recht doch auch? Und wenn er ihr was anhaben will, muss ich ihr doch helfen!“

„Ja, aber du kannst nicht gleich mit Fäusten auf ihn los gehen.“

„Hast du nicht gesagt: bekämpfe den Gegner mit allem, was du hast?“

„Monster ja, weil sie dir weitaus gefährlicher sein können, als solch ein Klassenkamerad. Die Monster handeln nach Instinkten, sie wehren sich grundsätzlich vor dir oder wollen dich aufessen. Im Gegensatz dazu haben wir ein Gewissen und sind nicht wie Tiere, was uns so einzigartig macht, verstehst du? Solche Machtkämpfe, wer der Stärkere ist, gehören auch ins Tierreich. Dieser Knirps muss darüber auch noch viel lernen, aber irgendwann wird auch er erwachsen und es verstehen und akzeptieren. Und sein Bruder genauso.“

„Und wann wird er erwachsen?“

„Vermutlich wird das noch eine Weile dauern... Aber ich wäre sehr stolz auf dich, wenn du erwachsen wirst und ihm mit gutem Beispiel voran gehen würdest.“

Saiyuki sprang erfreut in die Höhe. „Mach ich, Paps. Ha, dann sag ich ihm morgen, dass er noch nicht erwachsen ist und keine Ahnung vom Recht hat.“

„Und wenn er dich oder deine Freundin beleidigt, sagst du einfach: ‚Hör auf von dir auf andere zu schließen’. Dann wird er bestimmt nicht wissen, was er sagen soll.“

„Ha! Der wird morgen was erleben, den schlage ich morgen mit seinen eigenen Waffen.“

Saiyuki sprang vom Stamm und tobte eine Weile im Regen übers Gras, dass innerhalb weniger Augenblicke ihre ganze Hose klitschnass war. Das schien sie allerdings nicht sonderlich zu stören. Squall saß derweilen weiterhin auf dem Stamm und beobachtete sie, wie sie hocherfreut bis hin zum Hügel rannte, mit ihren Fäusten die dortige Luft zerschlug und wieder zurück lief. Schließlich machte sich Squall nach ihrer Fragerei mit ihr auf, um etwas zu trainieren, und so übten sie die nächsten zwei Stunden zusammen draußen Boxkampf und bewaffneten Kampf, teils mit Stäben, Keulen oder Schwertern, teils durfte Saiyuki nach längerem betteln auch mal Squalls Gunblade benutzen. Nach den Stunden lagen beide mehr und weniger erschöpft im Rasen und unterhielten sich zwischen all den Angriffsmöglichkeiten auch mal über die Schule Saiyukis, und über die ganzen Freundinnen, die sie vor denen und anderen verteidigen muss. Schließlich leuchtete die Sonne zwischen den Wolken hindurch, doch nur um zu zeigen, dass sie jetzt untergeht, und dies war auch für Rinoa die Zeit aus dem Haus zu kommen und Saiyuki ins Bett zu bitten. Das Mädchen wollte erst gar nicht nach Hause schlafen, doch als Rinoa mit Ärger wegen ihrer Unartigkeit in der Schule drohte, und Squall, geistesabwesend und mit seinem Finger über die lange Narbe im Gesicht streichend, sie in keiner Weise unterstützen konnte, gab sie schließlich nach, ließ die beiden zurück und trottete nach Hause. Nun legte sich Rinoa an Saiyukis Stelle ins Graß und beobachtete zusammen mit Squall die wunderschön rot glühende Sonnenkugel langsam untergehen.

Als es allmählich dunkel wurde und die ersten Sterne am Himmel aufblinkten, stellte Rinoa seufzend fest, dass sie wohl den Anfang machen musste, wie immer, da Squall relativ desinteressiert war, wenn’s ums reden ging.

„Es tut mir leid“, ertönte es neben ihm kleinlaut. Verwundert drehte sich Squall zu seiner Frau und musterte sie. „Das vorhin tut mir leid“, fuhr sie fort. „Natürlich bin ich stolz aus unser kleines Mädchen, wenn sie sich für andere einsetzt. Und in dieser Welt, nun, vielleicht ist es im Endeffekt sogar besser für sie...“

Squall zuckte mit den Schultern und wandte sich für einige Minuten den Sternen zu, bevor Rinoa endlich weiter sprach:

„Sie darf einfach nicht so aggressiv reagieren wie heute. Das ging einfach zu weit. Und... so kenne ich sie eigentlich auch nicht. Sie wird zwar eine starke Kämpferin, das merkt man auch, doch ansonsten habe ich das Gefühl, dass sie ihre Kräfte einzusetzen weiß und sie nicht an Menschen verschwenden würde, wie diesem Knirps. Warum ist sie heute eigentlich so ausgerastet?“

„Der Junge, mit dem sie sich geprügelt hat, hat sie und ihre Freundin wohl vorher auch noch beleidigt und sie provoziert.“

„Hm. Na ja, dass ist aber keine Rechtfertigung, um ihn zu schlagen. Hast du ihr erklärt, wie man mit solchen Situationen umgeht?“

Squall nickte. Rinoa seufzte erneut und beobachtete minutenlang die Sterne, die, mittlerweile sehr zahlreich, am Himmel in ihrer vollen Pracht glänzten und ihr Funkeln zum besten gaben.

„Weißt du eigentlich“, fing sie langsam an, „dass heute unser neunter Jahrestag unseres ersten Kusses im Garden ist?“

Squall schielte neugierig zu Rinoa rüber.

„Hast du das etwa schon vergessen?“, fragte sie, ein wenig wütend und enttäuscht. „Unseren ersten Kuss?“

„Ich kann mich fast noch bildlich erinnern“, gestand Squall. „Es war auf der großen Party nach dem Fall Artemisias. Alle haben getanzt, auch wir beide, in diesem großen Saal des Gardens, ganz oben, wo wir später auch auf den Balkons waren... nur ich wusste nicht, dass heute unser Jahrestag ist.“

Rinoa lächelte und drehte sich zu ihm, die Hand um ihn schlingend. „Es ist mir auch erst vorhin aufgefallen, aber ist das nicht wunderschön? Ausgerechnet heute, schau, was für ein schöner Sternenhimmel! Es war lange nicht mehr so klar, als dass man so viele Sterne hätte sehen können. Und das Wetter... Squall, es wird wieder Sommer! So warm und frisch...“

Squall drehte sich ebenfalls zu Rinoa und blickte ihr tief in die Augen, dass sie nun, wie in Hypnose, gleichmäßiger, fast monoton, und viel ruhiger sprach. „Squall... neun Jahre sind wir schon zusammen, und die Zeit verging so schnell. Saiyuki hielt uns ziemlich auf Trab. Ich bin froh, dass wir sie haben...“

Sie kamen sich langsam ein wenig näher, Stück für Stück, bis sich ihre Lippen berührten. Ein flüsterndes „Squall...“ entkam Rinoas Mund noch, bevor sie in zärtliches Küssen verfielen und man gar nichts mehr erkennen konnte. Nach einigen Minuten erst blickte Squall langsam zu Saiyukis Fenster, dass an der ihnen zugewandten Seite lag, und in der er einen kleinen Schatten sah, und drückte sich leicht aus dem nassen Graß.

„Lass uns reingehen, Rinoa. Hier wird’s kalt.“





Saiyuki war am nächsten Morgen wie immer spät dran, als sie durch die Gänge von der großen Halle bis zur Übungshalle im dritten Stock sprintete, die Uhr neben dem Brunnen in der großen Halle zeigte ihr gerade mal drei Minuten bis zum Klingeln an. Mit verzogenem Gesicht sprang sie in einen leer stehenden Lift und schaute ungeduldig über die mit Knöpfen übersäte Steuerkonsole, einen davon drückend. Während sich die Türen langsam schlossen, überlegte sie sich schon eine Ausrede und ließ ihren Blick zu dem Plan des Aufzugs abschweifen, den sie schon auswendig kannte und sich trotzdem jeden Morgen ansah, einfach aus purer Langeweile:



EG: Große Halle, Krankenflügel, Quartiere für Anwärter, Hof, Parkgarage

1. Stock: Klassenräume der 1.-7. Schulstufe, Bibliothek, Krankenhaustrakt

2. Stock: Klassenräume der Abschlussklassen, Computerräume

3. Stock: Trainingshallen und Trainingsgelände

4. Stock: Quartiere, Mensa



Ab dem 5. Stock Zuritt nur für Seeds.

5. Stock: Vortragssaal, Kartenraum, Taktikraum, Serverraum

6. Stock: Verwaltungsbüro

7. Stock: Konferenzraum, Ministerbüro, Co-Direktor-Büro, Brücke



Als der gläserne Lift immer höher stieg, enthüllte sich allmählich ein wunderschöner Blick auf den Garden und seine gewaltigen Ausmaße. Das Mädchen drehte sich um und blickte an den großen Glaswänden vorbei über die gesamte Insel, die man von diesem Punkt aus wunderbar sehen konnte, mit all ihrer Flora und Fauna. In den letzten Jahren hatte sich hier im Garden einiges getan, überlegte sie, dieses kuppelartige Gebäude wurde intensivst verschönert und attraktiv gestaltet, Gärten waren dazugepflanzt, große Plätze gebaut und Kunstobjekte aufgestellt. Dazu wurde es täglich mit neuster Technik ausgestattet. Kein Wunder auch, es war eine hochrangige Seedausbildungsschule und zugleich ein Regierungs- und Armeestützpunkt, es brauchte also eine gewisse Dimension, um all die Aufgaben erfüllen zu können und zudem für die Schüler ein angenehmer Ort zum lernen und trainieren zu sein. Zu der Studienzeit ihrer Eltern war der Garden angeblich um vieles kleiner und fast komplett metallisch, jetzt reflektierten die gläsernen Wände das Sonnenlicht in jeden Winkel der Erde, welches den Seeds tagsüber als Orientierung diente.

Die Gänge im 3. Stock waren, als Saiyuki schließlich dort ankam, alle schon leer, bis auf die wenigen Seeds die zu ihrem Überlebenstraining mit Monstern gingen. So machte sie sich für den letzten Sprint auf und rannte quer durch die widerhallenden Gänge, bog um eine Ecke, schlitterte über den glatten Boden bis zu einer Tür mit der Aufschrift „Kampfsporthalle II mit Schülerwaffenarsenal – Zutritt nur unter Aufsicht eines Seeds“ und stürzte hindurch.

„Sie sind zu spät, Miss Leonhart!“, sagte ein großer, magerer Professor und drehte sich zu Saiyuki, die schwer atmend in der Übungshalle angekommen war. Er hatte eine schwarze Seeduniform, eine einzigartige Lehreruniform mit denselben Verzierungen und dem Schnitt der Admiralsuniform, allerdings im negativ seiner Farbe. Seine schwarzen, in alle Richtungen abstehenden Haare und seine spitze, nach unten geneigte Nase, passten perfekt zum Image, den diese Uniform ausdrücken sollte. „Genau zwei Minuten und zehn Sekunden“, gab er hinzu.

„Tut mir leid, Mr. Blair!“, entschuldigte sich Saiyuki und blickte an ihm vorbei in die gut erhellte Halle. Die umgezogenen Schüler standen schon in einem runden Haufen vor der Wand und trainierten mit allen möglichen Waffen, inmitten von ihnen Jelina, die Saiyuki zuwinkte. Gegenüber der Schülertraube waren Zielscheiben für Gewehre und Gummifiguren für den Nahkampf, die Halle selbst sah aus wie ein Minidschungel.

Der Professor ignorierte Saiyuki und wandte sich der restlichen Klasse zu, die schon in einer Reihe mit ihren Kampfuniformen standen.

„Heute nehmen wir eine besondere Nahkampfwaffe durch: Die Gunblade.“

Mr. Blair zog solch eine Gunblade vom Typ „Revolver“ aus seinem Halfter. Es war ein Schwert mit einem leicht gekrümmten Griff und einem Abzug eines Gewehrs. Gleich an dem Griff war die Kugeltrommel für sechs Kugeln, und anschließend die breite Klinge, welche die durch die große Glaswand einfallenden morgendlichen Sonnenstrahlen widerspiegelte. Alle Schüler, außer Saiyuki und ihrer Freundin Jelina, machten große Augen beim Anblick der beeindruckenden Waffe.

„Die Waffe ist ziemlich beliebt geworden. Ungefähr 20 Prozent aller Seeds haben Gunblades, bei den allermeisten sieht ihr rumgefuchtel damit nichts weiter als bemitleidenswert aus. Die Waffe ist in den richtigen Händen ein Todesurteil, sie zu führen allerdings ist eine besondere Herausforderung. Ihr werdet im nächsten Jahr mit vielen Waffen üben, da ihr euch in zwei Jahren vorerst für eine Waffe entscheiden müsst. Heute werdet ihr mit den Übungsgunblades kämpfen, damit ihr schon mal ein Gefühl für die Waffe bekommt und euch nicht als völlig unwissende Tölpel für eine derart besondere Waffe entscheidet.“

Ein Schwall aufgeregten Gelabers entkam dem Schülerhaufen, als dieser zu den Schränken mit den Übungswaffen schlenderte und Mr. Blair einen aufsperrte. Plötzlich entstand ein riesiges Gedrängel, weil jeder Schüler schnellstmöglich eine der Kinderübungsgunblades in die Finger bekommen wollte, um damit möglichst früh durch die Luft zu wirbeln. Mr. Blair ging währenddessen leise über die Prozentsätze in sich hineinnörgelnd zur Klimaanlage, stellte sie auf normale Temperatur und öffnete die riesigen Stahlschutzwände, um noch mehr Sonne hereinzulassen.

Als Saiyuki zu den Schränken trat, nahm sie der Lehrer am Arm und zog sie von den anderen weg. „Da sie zu spät gekommen sind, Miss Leonhart, werden sie heute nicht kämpfen, sondern Liegestütze machen. 100 Stück. Verstanden?“

„Aber... das ist doch unfair“, warf Saiyuki ein. „Die anderen müssen keine Liegestütze machen, und ich gleich hundert? Wir sind doch nicht in Körperfitness!“

„Ich weiß, wie gern sie kämpfen, aber wer zu spät kommt, wird bestraft!“, sagte Blair in einem harten Ton. „Und jetzt machen sie, dass sie anfangen, sonst werden sie heute keine einzige Waffe mehr berühren.“

Das Mädchen funkelte ihn böse an, dann ging sie grummelnd an den Rand des Feldes und fing langsam an im Gras an zu trainieren.

„Was fällt dem eigentlich ein?“, nörgelte sie. „Von wem wird der alte Mann so geschätzt, dass Paps ihn nicht rauswerfen kann? ... 5 Stück hab ich schon... Das wird Paps garantiert nicht freuen, wenn ich ihm erzähle, was Blair hier anstellt. Hoffentlich lässt er wenigstens Jelina mal in Ruhe. 10 Liegestütze .... man, müssen das so ... viele sein!“

„Wenn ihr nicht richtig arbeitet, habt ihr hier NICHTS VERLOREN!“, brüllte Mr. Blair die Köpfe der Halbwüchsigen hinweg, die, statt zu üben, eher mit ihren Gunblades spielten. Saiyuki wäre wieder eine der am meisten beschimpften, wenn sie nicht im Grase läge, deswegen wurde heute ihre Freundin Jelina extrem runtergemacht, obwohl sie die Gunbladekünste vergleichsweise gut beherrschte.

„Was zum Teufel führst du da mit der Waffe auf?!“, spuckte der Lehrer mit hochrotem Kopf. „Die hält man so und nicht andersrum! Du bist ein hoffnungsloser Fall!“

Das Mädchen kratzte seufzend ihre letzte Motivation zusammen, hob die Waffe an und wandte sich wieder ihrer Kampfpartnerin zu. Was Mr. Blair von ihr wollte, wusste sie nicht, sie war nämlich überhaupt kein hoffnungsloser Fall, im Gegenteil, sie war inzwischen sogar fast so gut wie Saiyuki, in der Verteidigung sogar besser, nur beim Angriff haperte es ein wenig. Sie hatten beide ähnliche Stile, kein Wunder auch, da sie oft nach der Schule zusammen in den Feldern hinter Saiyukis Haus trainierten und gelegentlich auch mal trainiert wurden. Ihre Mitschüler beneideten sie oft wegen ihrer Stärke, am meisten Saiyuki, die von der Unterstufe die Stärkste war. Aber Blair schätzte keine Schüler, die Talent hatten und kämpfen konnten, sie wurden nur noch mehr angeschrieen und runtergemacht. Sein ausgemergeltes Gesicht, sein magerer, aber durchtrainierter Körper und die dunklen Haare erschufen immer eine beängstigend kalte Aura. Außer Saiyuki wagte ihm keiner zu widersprechen, wenn er rumschrie, auch wenn es unfair war. Die meisten hassten ihn im Stillen. Genervt wich Jelina seinem Blick aus.

Saiyukis Arme fingen allmählich an weh zu tun. Obwohl sie heimlich einige Pausen gemacht hatte, als Blair nicht genau hingeguckt hatte, fühlte sie, wie sich das Gras allmählich in ihre Hände bohrte und wie ihr Körper immer schwerer und schwerer wurde. Und obwohl sie wusste, dass es ein gutes Training für sie war, zählte sie schleppend jede einzelne Liegestütze, zwischendurch grummelnd und fluchend. Es blieben weniger als dreißig, bald konnte sie zu den anderen zurück. Sie atmete tief durch und machte weiter.

Die Hälfte der ersten Stunde hatten sie gerade fast hinter sich, als ein kleiner siebzehnjähriger Seed-Neuling die Halle betrat. Er hatte kurzgeschorene schwarze Haare, einen sehr irritierten Blick, ein Gesicht voller Sommersprossen und am Kinn mehrere Pickel, als würde er sein Gesicht nicht komplett, sondern nur in der Mitte waschen. Schnurstracks lief er auf Mr. Blair zu, salutierte vor ihm und flüsterte ihm was ins Ohr. Blair unterbrach sein schreien, um zu lachen und sich mit dem Seed zu unterhalten, schließlich zeigte er auf Saiyuki, die ihre hundert Liegestütze beendet hatte und unbemerkt auf dem Rasen sitzend schon ein paar Minuten entspannte, bis er sie zu sich herüberwinkte.

„Was will er denn jetzt schon wieder?“, fragte sie sich leise, während sie erschöpft zu ihnen schlenderte und verblüfft die Gestiken des jungen Seeds verfolgte.

„Na also, Miss Leonhart“, sagte Blair mit ironischem Tonfall. „Da sie so stark sind, lasse ich sie jetzt in einem fairen Zweikampf trainieren. Dann werden wir sehen, was sie können.“

Er ging zu einem der Schränke und holte zwei echte Gunblades hervor, die er den beiden gab, und stellte sich grinsend zu den zurückweichenden Schülern. Saiyuki schaute ihm verwirrt hinterher, hatte das Schwert aber schon angenommen. Es war zwar stumpf geschliffen, allerdings in Originalgröße, wie Blair’s Klinge, und sicherlich konnte es auf feinste Weise Knochen brechen. Der Anfänger-Seed vor ihr nahm eine aggressive Kampfhaltung ein und grinste siegessicher, als ob er es gewohnt wäre gegen schwächere anzutreten.

„Ist das ein Witz?“, grummelte Saiyuki unhörbar. „Jetzt darf ich mit dem Loser auch noch kämpfen, aber nach den ganzen Liegestützen...“ Sie seufzte erschöpft. „Was soll ich denn jetzt machen?! Paps würde ihn mit einem Fingerschnippen wegfegen, aber ich... Das macht der doch absichtlich!“ Sie schüttelte noch mal ihre Arme und ermüdeten Muskeln, um sie auf den Kampf vorzubereiten, und ging anschließend in eine defensive Kampfposition. Ihr Herz fing an immer schneller zu schlagen, ihr Adrenalin wurde in Massen durch ihren Körper gepumpt, sie wusste, dass ein Fehler sie ihre Haut kosten könnte.

Blair zog eine Trillerpfeife aus seiner Hose und pfiff, um den Kampf zu beginnen, und sofort stürmte der Seed auf Saiyuki los. Viele der restlichen Schüler drehten sich schockiert um oder verdeckten die Augen, andere verzogen das Gesicht, als der Seed die ersten Schläge vollzog, nur Jelina blieb standhaft neben Blair stehen und feuerte sie an: „Saiyuki, das schaffst du!! Saiyuki!!!“. Blair guckte zu ihr runter und lachte kurz auf.

Das Mädchen parierte die ersten Angriffe des Seeds problemlos und konterte schließlich, indem sie ihn zurückpresste. Der Seed sprang verwundert zurück und holte mit seiner Gunblade aus. Saiyuki entkam seinem Angriff und schlug nach seinem Bein, dass er, über ihre Geschwindigkeit überrascht, nochmals zurücksprang, doch dieses Mal war es zu spät. Saiyuki hatte ihn mit der Waffe gestreift und ihm trotz stumpfer Klinge einen winzigen Riss in der Hose hinzugefügt. Der Seed taumelte kurz, atmete tief ein und fixierte Saiyuki, sein Grinsen war wie weggewischt. Er legte an Tempo zu und schlug von neuem wie verrückt auf das kleine Mädchen ein. Saiyuki nahm mit einem ängstlichen Seitenblick zu Jelina wieder eine Verteidigungsposition ein und parierte, doch dieses war jetzt viel schwerer, als vorhin. Der Seed legte sich jetzt ins Zeug und seine Angriffe wurden zunehmend gefährlicher. Jelina erstarrte geschockt. Sie wusste genau, was der Seed eingesetzt hatte, und verstand jetzt auch, dass er mit Saiyuki kaum vorsichtig umgehen wollte, im Gegenteil, er wollte eigentlich nur gewinnen. Schnell wandte sie sich an Blair und zog verzweifelt an seiner Hose.

„Mr. Blair, sie müssen den Kampf abbrechen, bitte, er wird ihr noch wehtun!“

Doch Blair grinste ebenfalls nur und verfolgte den Kampf weiter, ohne Jelina zu beachten. Der Seed ließ einen Kampfschrei los und griff in einem noch rasenderem Tempo zu, und das Blocken wurde immer schwerer, Saiyuki schlug sich aber dennoch tapfer und wehrte alles ab, wenn auch jedes Mal sehr knapp. Nach einiger Zeit begriff der Seed, dass er ihre Verteidigung nicht durchbrechen konnte, deshalb sammelte er sich kurz und entzündete einen Lichtblitz vor ihren Augen, um sie zu blenden. Dann schlug er gegen ihre Gunblade und riss sie damit aus ihren Händen, dass die Waffe über den Platz flog und dumpf auf dem Rasen aufschlug, dann schlug er präzise mit der flachen Seite seiner Gunblade von der Seite nach ihrem Kopf. Intuitiv, aber rechtzeitig hob Saiyuki ihre Hände, um ihn zu schützen, da sie immer noch geblendet war, als sie den Schlag abbekam, der sie gewaltvoll umschleuderte. Der Schmerz zuckte durch ihre Hände und durch ihren Kopf und sie ließ einen leisen Schmerzensschrei von sich, als sie zu Boden ging und das Bewusstsein verlor.

Als Saiyuki wieder aufwachte, war es, als wäre sie im Krankenflügel. Es war ruhig und grell, und ein Gesicht war über sie gebeugt, das Gesicht von Blair, der sie hämisch angrinste. Mit zugekniffenen Augen und der Hand davor, um die Sonne abzuschirmen, richtete sie sich langsam auf und sah in die Runde. Sie war nicht im Krankenflügel, das hielt Blair scheinbar nicht für nötig. Sie war immer noch in der Sporthalle, und alle Schüler standen im Kreis um sie herum und lächelten ein klein wenig, die meisten erleichtert.

„Ich sagte doch“, sprach Blair hämisch, „üben, üben, üben! Mehr kann ich zu diesem Kampf nicht sagen.“

Jelina gab Saiyuki die Hand und half ihr aufzustehen. Saiyukis linkes Bein tat ziemlich weh, sie musste wohl im Laufe des Kampfes umgeknickt sein, aber sie konnte noch gehen.

„Die Stunde ist vorbei, zieht euch um und macht dass ihr zur nächsten Unterrichtsstunde kommt!“, sagte Mr. Blair zu den Umstehenden. Damit ging er zum Schrank und sortierte die Gunblades, während alle anderen dem Befehl folgten und in den Umkleidekabinen verschwanden. Auch die beiden Mädchen machten sich davon und schlichen sich, ohne Worte des Abschieds, aus der Übungshalle und in die Kabinen.

„Bist du in Ordnung, Sai?“, fragte Jelina sorgenvoll, als sie sich auf die Bänke setzten. Saiyuki schwieg nur und rührte sich nicht, ohne sie anzublicken. Seufzend machte sich Jelina ans umziehen.

Als sie kurze Zeit später in ihren Alltagsklamotten zum Aufzug schlenderten, trafen sie auf ein paar junge Seeds, einige Freunde von Saiyukis Vater, die sogleich auf die Mädchen zusteuerten.

„Hey, Sai. Wie geht’s dir?“, fragte einer von ihnen.

Saiyuki blickte auf und nickte, ihre miese Laune verbergend. „Mir geht’s gut.“

„Wir wollen in die Große Halle des Gardens“, sprudelte es aus einem anderen heraus. „In das kleine Cafe dort in der Ecke. Soll dort ein neues Gericht geben, lecker Auflauf nach einer Spezialität aus Pandora.“ Er hatte die Angewohnheit gelegentlich das Pronomen auszulassen. „Wenn du jetzt ne Freistunde hast, können wir dich mitnehmen.“

„Aber klar, ich komme mit“, sagte Saiyuki, ließ Jelina neben dem Fahrstuhl stehen und gesellte sich zu den älteren Seeds.

„Saiyuki?“, fragte Jelina überrascht. „Du kannst doch nicht...“

„Und wenn schon“, antwortete Saiyuki gereizt. „Ich hab keinen Bock mehr auf diesen Mist!“

Mit diesen Worten folgte sie den Seeds und ließ Jelina alleine zurück.





Währenddessen ging Squall durch den langen Gang im siebten Stock auf sein Büro zu. Die wenigen hochrangigen Seeds, die ihm begegneten, meist aus organisatorischen oder überwachenden Positionen, grüßten ihn freundlich und fragten gelegentlich nach seiner Familie oder seinem Wohlbefinden. Squall grüßte immer freundlich zurück, redete sich allerdings aus längeren Gesprächen mit Hilfe seiner großen Menge Arbeit heraus, das schlimme daran war nur, das er damit nicht log. Als er schließlich die Klinke der großen Flügeltür zu seinem Büro berührte, blickte er kurz übers Türschild, bevor er eintrat:



Squall Leonhart, Stellvertetender Direktor

Tidus Garmound, Sekretär



Die Arbeit war mal wieder nur mittelmäßig sinnvoll und Squall vermisste plötzlich wieder die abenteuerliche Zeit als Seed, doch Rinoa war der Ansicht, dass er – vor allen Dingen mit einem Kind in der Obhut – doch lieber einen Job als Bürohengst ergreifen sollte, der ihm ermöglichte vom sicheren Schreibtisch aus anderen die Kämpfe zu organisieren, zumal er dazu auch die Möglichkeit hatte. Größtenteils hatte es sich auch so entwickelt und einige Ausnahmen bestätigten die Regel. Er ließ die Tür sanft zufallen und wandte sich seinem Sekretär zu, der den Kopf von einem Kalender hob.

„Morgen, Mister Leonhart“, sagte Tidus zu ihm. „Alle warten schon im Konferenzsaal 3. Außerdem müssen wir uns heute um die Angelegenheit mit der neuen Spezialeinheit kümmern.“

„Danke Tidus. Setzen Sie mal Kaffee auf und das Meeting mit der Spezialeinheit auf zehn Uhr.”, antwortete Squall, ohne mit der Wimper zu zucken. Er winkte Tidus ab und schritt durch eine weitere große Flügeltür in den links angrenzenden Raum, wo sich schon alle wichtigen Persönlichkeiten unter den Seeds eingefunden haben, unter anderem Irvine Kinneas, der mittlerweile Co-Direktor des Galbadia Garden geworden war, die Vertreter des fast fertiggestellten Esthar Garden Ward und Kiros und weitere Vertreter der Balambregierung und der neuen Esthar Weltraumstation Neo Ragnarok. Squall sah kurz zum Fenster raus in die weit entfernten Lichter von Esthar, dann ließ er sich am einen Ende des großen Tisches in seinen großen Lederstuhl fallen.

„Guten Morgen. Was gibt es heute wichtiges?“, fragte er mit einem freundlichen Lächeln.

Irvine Kinneas sammelte seine quer über den Tisch verteilten Akten zu einem Stapel und setzte sofort ein: „Es geht wieder mal um die instabile Galbadiaregierung. Dadurch dass sie an Macht eingebüßt hat und Timber wieder freigeben musste, ist die Bevölkerung noch immer leicht aufgebracht. Sie sind unzufrieden mit dem neuen Bündnis mit den anderen Staaten...“

Squall lehnte sich langsam über seine ausgebreiteten Informationen am Tisch. Das Gespräch dauerte fast anderthalb Stunden, und sie kamen zu dem Ergebnis, dass Galbadias Entscheidung sowieso von kurzer Dauer sein würde, wenn es Timber auch gut täte eine Weile unabhängig zu sein, wenn sie auch kurzzeitig am Lebensstatus wegen der fehlenden Wirtschaft Galbadias einbüßen würden. Und dass sie von Balamb aus an Galbadias Regierungsform eh nichts ändern konnten. Sie hatten mal wieder nicht viel sinnvolles geklärt, geschweige denn eins der vielen Probleme gelöst.

Irvine hatte lediglich die Einführung und die Schlussworte gesagt, insgesamt kümmerte ihn die Konferenz auch wenig – und war auch nicht sein Fachgebiet. Er arbeitete in Esthar im Entwicklerteam für städtische und militärische Sicherheitsoperationen. Er entwarf Waffen und Schutzmechanismen für die Stadt, welche zum Beispiel gegen die derzeit aufständischen Rebellen schützen sollten, und testete Gewehre. Anwesend musste er hier nur als Vertreter von Esthar sein, und natürlich auch zuhören – was er nicht tat, während er sich mit der Abgeordneten Balambs beschäftigte. Und direkt nach dem Meeting schaffte er es gerade mal mit Squall zwei Sätze zu wechseln, ehe er verschwand. Allerdings wurde auch Squall von den zuständigen für die Spezialeinheit weggezerrt, mit denen er eine weitere halbe Stunde über den Balambgarden diskutierte, ehe er sich hinter seinen großen Eichenschreibtisch plazierte und mit einem Auge über die letzten Verträge flog, unter die er seinen Namen setzten sollte. Schließlich nahm Squall gelangweilt einige Ordner und baute mit ihnen ein Haus, das er allerdings sofort wieder zerstörte, als sein Kommunikator knackte.

„Mr. Leonhart, ihr Freund ist da“, sagte eine elektronische Stimme.

„He Tidus, ich brauch Kaffee“, antwortete Squall.

„Kaffee ist in großen Mengen ungesund, Mr. Leonhart.“

„Vor Müdigkeit auf dem Tisch aufschlagen auch.“

Die Glastür öffnete sich und Tidus schob einen großen Typen in einer roten, mit Militärabzeichen der Balambregierung bestückten Kampfuniform und am Gürtel hängenden Kampfhandschuhen durch die Tür. Er selbst folgte mit einem Tablett voller Kaffeetassen, stellte alles auf dem Tisch ab und verzog sich wieder nach draußen. Der Seed schüttelte die blonden, abstehenden Haare aus seinem Gesicht und ließ seine Tätowierung über einer der Gesichtshälften zum Vorschein kommen, dann zeigte er mit einem breiten Grinsen auf sein Abzeichen. Er war Truppenführer der neuen Elitespezialeinheit „Red Seeds“.

„Respekt, Xell. Bist du also aufgestiegen?“, grinste Squall zurück und reichte ihm die Hand. „Setz dich doch. Wie geht’s denn so?“

„Kann nicht klagen. Und dir?“, antwortete Xell und schaute sich im Zimmer um. „Hast das Büro ja ein wenig umgestaltet. Echt nettes Zimmerchen.“

„Es ist akzeptabel, die Arbeit ist nur stinklangweilig. Freundin?“

„Läuft.“

Sie hatten die wenigen persönlichen Fragen und Antworten aufgrund ständiger Wiederholung jeweils auf ein oder zwei Worte gekürzt, doch sie klangen immer noch ehrlicher, als die vielen Standartfragen höherer Büroarbeiter.

„Sie regt sich furchtbar darüber auf, dass ich ständig in gefährliche Situationen gerate. Als hätte sie das nicht gewusst, als sie sich in mich verknallt hat.“ Xell warf sich lässig in einen Stuhl und goss sich selbst Kaffee ein, während er genüsslich weitererzählte. „Die Gardisten der Red Seeds sind natürlich Profis vom feinsten. Die haben letztens mit sechs Mann einen Aufstand in Galbadia zur Ruhe gebracht, ohne Waffeneinsatz. Echt hervorragende Kerle. Die haben jetzt einen neuen Trainer eingestellt und mich zum Truppenführer auserkoren. Hab schon meinen ersten Testauftrag hinter mir, im Wüstengefängnis, wo sie letztens gebaut haben. Wir mussten eigentlich nur die Monster verschrecken, damit sie nicht gestört werden. Ich hatte ein paar Neuzugänge, und die hab ich das regeln und dabei Trainieren lassen. Ich kann’s kaum erwarten, dass sie mich an die großen Dinger dranlassen. Was macht Rinoa eigentlich so? Hab sie ja schon lange nicht mehr gesehen.“

„Sie ist zu Hause und macht die ganze Hausarbeit, kümmert sich um Saiyuki und so. Für das Kind ist es ziemlich gut.“

Xell schlürfte geräuschvoll seinen Kaffee. „Wie geht es Sai eigentlich? Quistis hat mir bei Gelegenheit was erzählt, und es war nicht gerade eine Lobeshymne.“

„Geht so. Sie macht in letzter Zeit Ärger, schlägt sich mit anderen, hat aber immer irgendeinen Grund. Rinoa und ich haben uns deswegen gestern gestritten. Sie ist der Meinung, ich wäre Schuld, dass sie sich so schlägt, da ich ihr das Kämpfen beigebracht habe. Und Sai verteidigt halt immer ihre Freundin.“

Xell nickte verstehend. „Eine kleine, rebellische Heldin.“

„Sag mal, habt du und Siana heute nicht Zeit und Lust bei uns zu Kaffee und Kuchen vorbeizukommen?“, fragte Squall und steckte seine Nase in seine Kaffeetasse. „Wenn du heute keine Zeit hast, könnten wir es auch im Verlauf der nächsten Woche machen.“

„Hm, ich müsste sie mal fragen, ob sie Zeit hat, dann kommen wir natürlich beide, aber das müsste gehen. Ich bin heute jedenfalls frei“, meinte Xell strahlend. „Dann können wir über alte Zeiten reden... wie wir früher als Abenteurer durch die Gegend zogen und Hexen kaltmachten.“

Squall grinste. „Daran habe ich vorhin schon gedacht. Aber du bist ja Truppenführer, hast also noch Abenteuer. Du baust doch wohl keinen Mist?“

„Ich doch nicht, du kennst mich doch!“ Xell grinste breit. „Habe schon das Taktikzimmer 5 im sechsten Stock bezogen. In Timber ist gerade Chaos, so eine kleine Gilde versucht die Bevölkerung gegen die Regierung aufzuhetzen. Ich hoffe, ich darf das regeln“, sagte Xell mit etwas Euphorie in der Stimme.

„Hoffentlich hat Siana nichts dagegen, einige Aufträge können manchmal Tage oder Wochen dauern. Rinoa nervt manchmal schon, wenn ich über Nacht wegbleibe.“

„Oh ja, das hat sie auch“, nickte Xell. „Sie ist halt kein Seed. Jedes Mal ein Riesendrama.“

Squall lachte. Die beiden klönten noch eine Weile weiter, bis beiden wieder Termine bevorstanden, und verschoben den Rest auf den Nachmittag.





„He Squall“, rief eine Stimme über die Köpfe der tobenden Schüler in der Cafeteria. Sie alle, groß und klein, drängten sich zum Verkaufstisch, um mit neuem Mittagessen versorgt an den Tischen, Bänken oder Steinmauern auf dem Schulhof zu entspannen und sich vor dem folgenden Unterricht zu stärken.

„Ich weiß es schon, Quistis“, entgegnete Squall ohne sich von der Ummauerung eines kleinen Bäumchens zu rühren und den Blick von der großen Eingangspforte der Schule abzuwenden, aus der ständig irgendwelche Schüler strömten.

„Und gerade darüber will ich mit dir reden, Squall“, entgegnete Quistis scharf, Squall beäugend. Als von ihm keine Reaktion kam, setzte sie sich neben ihm auf die Mauer. „Saiyuki kann einfach nicht so weitermachen. Ganz zu schweigen davon, dass sie sich ständig mit irgendwem prügelt, kann sie doch nicht in ihrer Schulzeit einfach in eine Kneipe gehen! Mit Freunden des stellvertretenden Kommandanten! Die werden von mir auch noch was zu hören bekommen, aber Saiyukis Verhalten können ich und die anderen Lehrer nicht länger tolerieren. Sie ist acht, Squall! Und völlig disziplinlos. Hast du sie eigentlich schon mal gefragt, was sie sich dabei denkt?“

„Deshalb warte ich hier auf sie.“

Quistis zog verärgert Luft ein. „Squall, kannst du nicht etwas konkreteres von dir geben als solche kurzen Sätze? Ich will wissen, ob du schon mit ihr über ihr Verhalten gesprochen hast.“

Squall schlug lässig sein Bein über das andere. „Saiyuki ist doch nach der zweiten abgehauen? Da hat sie doch bei diesem einen Lehrer Unterricht, wie hieß er noch?“

„Edward Gunnet Blair.“

„Und der lässt sie Dinge machen, die andere nicht machen müssen, die sie gar nicht schaffen kann, nur um sie bloß zu stellen. Er schikaniert sie, als hätte er etwas gegen sie. Ich hab dir schon einmal gesagt, dass sie mit ihm nicht klarkommt.“

„Squall, wir haben nicht genug Lehrer, um sie einfach wem anders unterzuteilen, wie es ihr passt. Sie muss gewisse Regeln befolgen, auch wenn sie Probleme mit dem Lehrer hat. Ich weiß nicht, was jetzt mit ihr wäre, wenn du nicht Co-Direktor wärest, aber sie wäre bestimmt nicht mehr auf der Schule. Denk dran, wenn sie Regeln bricht und nicht bestraft wird, tun es ihre Klassenkameraden demnächst auch. Montag hat sie einen Nachsitztermin, Selphie muss da sowieso länger bleiben und etwas erledigen, da kann sie Saiyuki die Sachen von heute nachholen lassen.“

„Ich weiß“, entgegnete Squall. Quistis gab es grummelnd auf und drehte sich weg. Dann stand sie wortlos auf und ging, während Squall, immer noch regungslos, weiter die Tür anstarrte. Eine ganze Weile später, schon kurz vor Pausenende, kam Saiyuki langsam von der anderen Seite des Schulhofes angetrottet. Der Schulhof ging an dieser Stelle in die große Aula des Gardens über, in die nur die älteren Schüler in der Schulzeit vordringen durften, doch mittlerweile befand sich da niemand mehr. Auch der Schulhof leerte sich zusehends. Squall bemerkte Saiyuki erst, als sie der Eingangstür nahe war und rief sie zu sich rüber. Das Mädchen machte einen matten Eindruck von Lustlosigkeit, als sie bei ihm ankam.

„Paps? Warum bist du denn hier?“, fragte sie leise.

„Quistis hat mich eben wegen deines zu spät Kommens unterrichtet. Du hast am Montag einen Nachsitztermin bei Selphie.“

Saiyuki stöhnte. „Das war alles?“

„Ich will noch wissen, warum du heute in der Kneipe warst, obwohl du wusstest, dass du es nicht darfst.“

„Wegen Blair! Der hat es auf mich abgesehen, jeden Tag lässt er mich irgendwelche unmöglichen Sachen machen, die kein anderer machen muss. Das ist total unfair. Du hast selbst gesagt, dass jeder gleich behandelt werden muss! Und der lässt mich einfach nicht in Ruhe!“

„Saiyuki, du darfst nicht einfach die Schule schwänzen, wenn dir ein Lehrer nicht passt. Wenn Blair... Mr. Blair dich noch einmal unfair behandelt und die anderen aus deiner Klasse nicht, dann geh sofort ins Lehrerzimmer und hol mich, Quistis, Selphie oder sonst wen, die etwas zu sagen haben, und erzähl ihnen, was Blair dir angeordnet hat. Und dann werden wir ihn auch zur Rede stellen. Aber lauf nicht wieder weg oder schlag wen zusammen, verstanden? Sonst sieht es bloß aus, als wärst du im Unrecht, und nicht er.“

Sie seufzte. „Verstanden, Paps.“

„Geh jetzt lieber rein, gleich klingelt es.“

Saiyuki seufzte und setzte sich langsam wieder in Bewegung, Squall blieb dort weiterhin sitzen, wo er saß, und schaute ihr hinterher, bis sie hinter der Eingangstür verschwand. Dann stand auch er langsam auf und ging über die Aula zum Aufzug, der ihn bis in die oberste Etage fuhr, wo sein Büro schon auf ihn wartete. Ein paar Akten mussten noch geprüft werden, dann ging’s nach Hause auf ein Kaffeekränzchen mit Xell und seiner Freundin.

Saiyuki schlenderte derweilen die Treppe hoch bis zu ihrem Klassenraum. Das Schulgebäude war völlig still und keiner lief noch in den Fluren rum, alle saßen schon in ihren Klassenräumen und wurden unterrichtet, kein Wunder auch, es hatte gerade geklingelt. Als Saiyuki die Tür zu ihrer Klasse aufsperrte, tobten all die Schüler noch kreuz und quer durch den Raum, Papierflugzeuge und andere Gegenstände flogen und ein bebendes Schreien schloss alles zu einem großen ganzen zusammen, nämlich dem tobenden Chaos, einem Symptom, wofür es nur eine Erklärung gab: der Lehrer war zu spät. Saiyuki ging leise trottend vorbei an der Meute bis hin zu ihrem Platz und setzte sich wortlos. Ihre Mitschüler wurden schnell auf sie aufmerksam und versuchten sie in ihre Spiele mit Sprüchen wie „Saiyuki, zerhack mal den Bleistift von Ronnie!“ mit einzubeziehen, wie sie es immer taten, doch als sie nicht darauf ansprach, ließen sie von ihr ab und vergnügten sich die wenigen Minuten alleine, bis die Lehrerin aufkreuzte.

„Sai, was zum Teufel ist los mit dir?“, fragte Jelina im Flüsterton, während die alte Dame die Bücher auf ihr Pult legte und die Schüler begrüßte.

„Ach“, winkte sie ab. „Unwichtig.“

Die Lehrerin entschuldigte sich kurz und schon ging es mit Centräisch los, der Hauptsprache ihrer Welt. Saiyuki seufzte und bereitete sich mental auf die nächsten Stunden vor, rutschte tief in ihren Stuhl und setzte ihren Kopf müde auf den Händen ab. Sie hatte nicht im geringsten vor aufzupassen, geschweige denn mitzuarbeiten oder etwas zu sagen, was die Lehrerin sehr würdigte, da sie sonst, auch wenn sie immer richtig lag, nur am schreien war. Auf diese Weise würde es auch in der sechsten Stunde in Mathe weitergehen, sie würde, statt erklärungsdurstig an der Tafel, still hinter ihrem Pult sitzen, und ebenso in der darauffolgenden Biologiestunde, auch wenn es eine reichhaltigere Biologie wird, als man sie sonst woher kennt, da statt Menschen vielmehr Monster und ihre Funktion sowie ihr Lebensraum besprochen werden, und natürlich wie man sie am besten tötet. Kritisch wird nur ihre letzte Stunde, ihre Geschichtsstunde, da diese von einer recht langsamen alten Lehrerin unterrichtet wird, die viel erzählt und Jahreszahlen aufsagt, sie aber nie in irgendeinen Zusammenhang bringt, und die immer in jeder Stunde jeden mindestens einmal fragt. Saiyuki wusste, sie würde noch einschlafen, bevor sie durch das klingeln gerettet mit allen anderen Schülern nach draußen stürmen kann, wo sie alle, von der frischen Luft übermannt, aufwachen und freudestrahlend auf dem Weg nach Hause ihren Resttag und das Wochenende planen werden.





„Xell und Siana kommen heute“, sagte Squall auf dem Weg quer durchs Haus zu seinem Arbeitszimmer. Er war gerade von einer Besprechung im Garden zurück gekehrt und schmiss seinen Zettelhaufen, den er immer davontrug, achtlos auf seinen Tisch. Rinoa kam mit einem Roman in der Hand aus dem Wohnzimmer.

„Wann?“, fragte sie, den Blick nicht von ihrem Buch abwendend.

„Gleich“, antwortete Squall knapp.

„Nun...“ Rinoa klappte seufzend das Buch zu und schaute ihn vorwurfsvoll an. „Fein. Soll ich dein Essen für sie warm machen?“

Squall seufzte ebenfalls, als er gerade an ihr vorbei musste, um von seinen Akten davonzurennen, und inne hielt, nahm sie in den Arm und küsste sie flüchtig. „Tut mir leid. Die Besprechung hat heute ungemein lange gedauert, und ich konnte nicht weg.“

„Du hättest anrufen können“, grummelte Rinoa. „Und mich vor unserem Besuch warnen können.“

„Tut mir echt leid. Diese Kerle von dieser Raumstation haben heute so viel gefaselt, es ging einfach nicht. Xell und Siana hatten heute sowieso früher frei, also brauchst du ihnen nichts zum Essen zu machen. Um vier sind sie hier.“

„Um vier? Na, dann hast du ja noch zehn Minuten!“

Squall nickte und verkroch sich in der Küche. Rinoa deckte derweilen den Tisch ein wenig, sprich sie stellte eine Kerze und einige Kekse hin, doch schließlich ließ sie alles stehen, als sie das schöne, sonnige Wetter sah.

„Squall, wir machen das Kränzchen draußen, was hältst du davon?“

Und ohne auf eine Antwort zu warten, die sie auch nie erhalten hätte, verschwand sie schon durch die Terrassentür. Einige Minuten verstrichen, schließlich klingelte es, und Squall und Rinoa kamen zur Begrüßung und öffneten die Tür.

„Xell, mal wieder extrem pünktlich, hm?“, grinste Squall und gab ihm die Hand. „Hi Siana schön, dass auch du kommen konntest.“

„Es ist auch schön euch zu sehen, Squall. Und Rinoa, du siehst ja bezaubernd aus!“ Xell trat durch die Tür und sah sich in der Wohnung um. Rinoa hob verwundert die Augenbrauen, obwohl ihr das Kompliment gefiel. Sie hatte sich allerdings nicht schick gemacht und sah aus, wie immer.

„Ihr habt hier wohl umdekoriert? Sehr nett. War lange nicht mehr hier.“

„Geradewegs durch zur Terrasse, Xell“, deutete Rinoa nach hinten. „Ich dachte das Kränzchen draußen zu machen, bei diesem schönen Wetter... Hallo Siana!“

„Hi Rinoa, hi Squall! Joa, das Wetter ist echt klasse.“ Siana strahlte mal wieder über das ganze Gesicht.

„Irvine kommt nachher noch“, gab Xell kund. „Er meint, er müsste uns etwas wichtiges erzählen. Ich denke, es geht um die Raumstation, er hat aber nichts näheres gesagt.“

„Geht doch schon mal in den Garten“, sagte Rinoa. „Ich bringe euch dann ein paar Kleinigkeiten.“

„Ich helfe dir“, bot sich Siana an.

Die beiden Frauen verschwanden in der Küche, während Squall und Xell sich langsam auf den Weg zur Terrasse begaben. Das Wetter war wahrhaftig wunderbar, die Sonne strahlte in ihrer vollen Pracht, es war nicht zu heiß, sondern warm und gemütlich, und nicht ein Windchen wehte. Der riesige Garten sah frisch gemäht aus, umrandet mit einem vielleicht bis zu den Hüften großen braunen Zaun, mit einem Tisch mit Sonnenschirm und einigen Gartenstühlen in der Mitte und einer kleinen Strandhütte am Rand. Squall und Xell setzten sich nebeneinander auf die Gartenstühle.

„Also Xell, wie läuft’s?“

„So sachte vor sich hin. Die Regierung hat mir vorhin gesagt, dass sie noch etwas Papierkram zu erledigen hätten, und ich danach die richtigen Aufträge bekommen würde, die interessanter sind, als die Sache im Wüstengefängnis. Er meinte, das würde schneller gehen, als sonst, da sie meine Qualitäten sehr schätzen.“ Xell grinste eingebildet. „Und letztens hat mich Irvine angerufen, er braucht mich für ein ‚Projekt’.“

„Er arbeitet doch an der Raumstation im Weltall, oder?“

„Arbeitet mit, aber hier vom Boden aus. Er durfte bisher ein paar mal ins All fliegen, aber die ganze Geschichte ist Top Secret. Nicht einmal mir hat er was erzählt.“

„Kein Wunder“, grinste Squall. „Du hättest es Siana erzählt, und sie es gleich in ganz Balamb.“

„Ich hätte es ihr nicht erzählt, ich kenne sie ja.“ Xell verschränkte halb beleidigt die Arme.

Squall lachte. „Wie lange seid ihr jetzt eigentlich zusammen?“

„Etwas über ein Jahr.“

„Anderthalb“, sagte Siana laut. Sie und Rinoa kamen gerade mit einem Tablett Kaffee und Kuchen aus dem Haus. „Ihr Männer könnt euch so etwas nie merken!“

Rinoa lachte und stellte die Sachen ab. „So sind Männer eben. Bedient euch.“ Dann setzte sie sich neben Squall, und Siana neben Xell.

So saßen die vier in der Sonne und unterhielten sich. Xell erzählte über seine Aufträge als Truppenführer, während sie sich darüber beschwerte, dass er noch seltener zu Hause war, obwohl sie ihre Arbeit im kleinen Balamber Chemielabor extra gekürzt hatte.

Im Laufe des Nachmittags ging das Gespräch dann auf Squall und Rinoa über, die erneut, wie schon Hunderte Male, mit anhören mussten, einer ihrer Freunde jemandem über die Kussszene zwischen ihnen im Balambgarden vorschwärmte – diesmal war es Xell.

„Ich kann mir das noch bildlich vorstellen“, gestand Xell. „Wir hatten gerade Artemisia besiegt, als sie mit einem GF verschmelzen und uns komplett auslöschen wollte. Der letzte entscheidende Kampf auf diesem fliegenden Schloss. Das war gar nicht einfach, aber wir haben es ihr gegeben! Und dann die große Feier im Balambgarden im großen Saal. Und da haben sie sich endlich geküsst. Ihr hattet so viele Hürden und habt sie alle gemeistert.“

Rinoas und Squalls Geschichte war wirklich mit die eindrucksvollste, und da sie beide an der Weltrettung mitbeteiligt waren, kannte sie auch ausnahmslos jeder Seed auf der Welt. Genauso gab es Geschichten über ihre Heirat kurz danach, eine eindrucksvoller, als die andere. Schon nach kurzer Zeit waren die beiden aus dem Garden ausgezogen und hatten diese Hütte gefunden, einer Farm in der Nähe von einem Dorf aus weiteren drei solchen bestehend, in der sie schon, abgelegen von der stressigen Außenwelt, neun Jahre verbracht hatten. Rinoa hatte sich dann auch sofort ihrem Erzieherleben gewidmet, als Saiyuki kurze Zeit später auf der Bildfläche erschien. Squall hatte währenddessen einige Führungsbereiche im Garden übernommen, und nachdem Cid abgetreten war, hatte Quistis das Direktorat besetzt und Squall zu ihrem Co-Direktor gemacht. Seitdem arbeitete er dort in seinem Büro im siebten Stock und passte nebenbei auf seine im Garden zur Schule gehende Tochter auf.

So unterhielten sie sich eine Weile darüber und noch viele andere Themen, bis schließlich eine Wolke vor die Sonne kroch und den Garten in den Schatten stellte. Rinoa und Siana machten sich daran die Sachen, den Kaffee und die Kekse, wieder hineinzubringen und plauderten und witzelten in der Küche weiter, während Squall mit Xell zur Hausvorderseite ging, sich dort auf der Veranda auf eine Bank setzte und in politische Gesprächsthemen überging. Xell erzählte ihm über das neue Regierungssystem, welches in Esthar, Timber, Galbadia mit Deling City, Winhill und den wenigen Häuser in Tears Point durchgesetzt werden soll und dass die mit Aufständen kämpfenden Staaten Galbadia und Timber dank diesem System wieder zur Ruhe kommen sollen, da ihre Industrie instabiler wird, vor allen Dingen in Timber, das von Galbadia abhängig ist. Zudem plante Esthar neue Satelliten ins All zu schicken, eine ganz neue Technologie, die erst vor wenigen Wochen erfunden wurde, mit denen man die Welt und auch die umliegenden Planeten von der Erde aus abtasten kann. Angeblich forscht ein ganz junger Wissenschaftler an den Satelliten, ein talentierter Knabe mit dem reichsten physikalischem Wissen und größtem Talent seit Odyne, der vor 15 Jahren als größter Wissenschaftler aller Zeiten galt. Das neue Genie hatte nach seinem Studium in Esthars forteschrittenster Universität, an die er mit einem Stipendium gekommen war, wohl an dem aktuellen Luft- und Universumabwehrsystem namens LunarCry D-XVI mitgefeilt, mit denen seit kurzem die neusten Raumfähren ausgestattet sind. Sie sollen dann auch Meteoriten, die von Monsterzellen bewohnt sind, abschießen können, ohne dass sich die Keime danach noch ausbreiten. Schließlich, kurz vor sechs, tauchte Irvine in seinem üblichen langen, gelben Mantel auf, ein wenig außer Atem, was er sich aber kaum anmerken ließ.

„Hi Leute. Endlich sehen wir uns mal zu einem gemütlichen Treffen, ich muss erst in fünf Minuten wieder weg.“

„Hey Irvine“, grinste Xell, stand auf und gab ihm die Hand. „Man, du bist ja wieder voll im Streß!“

„Hallo, Irvine, schön, dass du kommst“, sagte Squall und gab ihm ebenfalls die Hand. „Du wolltest uns also was sehr wichtiges sagen?“

„Wichtig mal so dahingestellt, wenn ihr es genau wissen wollt, müsst ihr morgen in die Zeitung schauen.“

„Raus mit der Sprache, worum geht’s?“, fragte Xell ungeduldig.

„Um Neo Ragnarok. Ihr wisst schon, die Raumstation, von der die Mondaktivitäten beobachtet werden. Sie wird noch weiter aufgebaut und verfügt demnächst über einen stärkeren Antrieb, dass wir sie für kompliziertere Einsätze benutzen können. Sie hat mittlerweile eine Querschnittsfläche von sechzehn Kilometern, das soll aber noch im Laufe dieses Monats auf 17,8 ansteigen.“

„Nicht schlecht.“ Xell hob beeindruckt die Augenbrauen.

„Und sie wird demnächst über das neue LunarCry Abwehrsytem D-XVI, und vermutlich in 6 Monaten sogar mit dem passenden Angriffssystem aufgerüstet. Esthar will das Projekt noch nicht genehmigen und unterstützen, uns fehlen also die Gelder, das kommt aber noch.“ Irvine setzte sich mit auf die Bank und lehnte sich grinsend zurück, als ob er jetzt zu Hause wäre. „Aber das ist noch nicht alles. Neo Ragnaroks Landebahnen werden wieder erweitert, damit nicht mehr nur kleine Schiffe darauf landen können, sondern auch...“

„Ragnarok?“, fragte Squall vorsichtig.

Xell blickte ihn ungläubig an, dann Irvine, der immer mehr grinste. „Ohne Mist? Ach du Riesenchocobo...“

Irvine grinste. „Ziemlich cool, was? Ich frage mich bloß, was sie damit vorhaben...“

Squall  hob ebenfalls unglaubwürdig seine Augenbrauen. Das riesige, drachenähnliche Schiff, welches er vor neun Jahren in verzweifelter Rettungsaktion von Rinoa mitten im All aufgetaucht war und sie vor dem sicheren Erstickungstot bewahrt hatte, und mit dem er danach umhergeflogen war, und dass er Esthar zurückgeschenkt hatte, da er es selbst nicht mehr brauchte, sollte wieder starten! Die Piloten aus Esthar hatten dieses Schiff vor neun Jahren, nach Artimesias Tod, ein wenig aufgerüstet und sind damit zum Mond geflogen, ein erheblicher Fehler, da der Mond von Monsterhorden und unerklärlichen Phänomenen besiedelt war, die Ragnarok attackierten und schwer beschädigten, so meinte zumindest die Estharregierung. Gemunkelt wurde sogar, dass die Besatzung auf irgendeine Weise vom Mond kontrolliert wurde. Glücklicherweise konnten sie das Schiff in einem nicht vollkommen zerstörten Zustand wiederbringen. Seit diesen Jahren lag Ragnarok nun im Lunar Gate III im Esthar Garden und wurde von allen möglichen Wissenschaftlern repariert und optimiert.

„Auf dem Schiff ist die modernste Technologie vom Tears Point Science Facility installiert, es ist jetzt fast doppelt so schwer und mit neusten Programmen ausgestattet, die teils von Odyne selbst programmiert wurden. Es soll in einer Woche starten, aber so, wie ich die Estharwissenschaftler kenne, verspäten sie sich. Dann soll es weitere Untersuchungen am Mond vornehmen. Schaut doch morgen in die Zeitung, da steht wahrscheinlich alles.“

„In Zeitungen übertreiben sie immer“, stellte Squall fest.

„Aber die Tatsache allein, dass Ragnarok startet...“ Xell fasste sich an den Kopf.

„Xell“, sagte Irvine im festen Ton. „Ich hab dir letztens ein Fax geschickt, dass ich dich für ein Secret Projekt brauche, erinnerst du dich?“

Xell nickte.

„Fein. Es geht nämlich um Ragnarok, aber es aber nicht so geheim, wie es sich anhört. Du und du, Squall, ihr sollt aber beide Ragnarok nächste Woche ‚inspizieren’, was soviel heißt, dass ihr ihre neu eingebaute Technologie bestaunt. Alles klar?“

„Inspizieren, huh?“, wiederholte Squall. „Als ob Kämpfer dazu in der Lage wären.“

„Es soll auch kampftauglich für Seedeinsätze sein. Kommt ihr?“

„Natürlich kommen wir!“, rief Xell euphorisch.

Irvine grinste von Ohr zu Ohr. Dann stand er auf. „Ich muss jetzt auch schon wieder los, also macht es gut. Ich melde mich.“

Damit stand er auf und verzog sich ebenso schnell, wie er aufgetaucht war. Gerade dann kamen Rinoa und Siana aus der Küche.

„Ihr habt Irvine verpasst“, erklärte Xell. „Der Typ ist immer noch so auf Draht wie in den ganzen letzten zwei Jahren. ‚Endlich sehen wir uns mal zu einem gemütlichen Treffen, ich muss erst in fünf Minuten wieder weg’“, äffte er ihn nach.

„Nun“, sagte Siana, auf die Uhr blickend, „wir müssen aber auch langsam los. Ich muss noch was für die Arbeit beenden.“

Die Gastgeber nickten freundlich, sie verabschiedeten sich, und Siana und Xell machten sich davon.

„Weißt du, dass Ragnarok wieder startet“, fragte Squall und schaute neugierig zu Rinoa, während ihre Freunde im Auto verschwanden.

Sie legte ihm die Arme um den Hals und schaute ihn mit erotischem Blick an. „Ach echt?“

„Hey, Mam’, Pap’, ich bin zurück“, ertönte es von unten. Die beiden schlossen leicht seufzend die Augen. „Hallo Saiyuki, geh schon mal rein, das Essen ist fertig. Wie war die Schule?“





Nachdem sich Squall endlich durchgerungen hatte nach dem Abendessen noch eine Projektplanung für den Balambgarden zu prüfen und abzusegnen, ging er in sein Arbeitszimmer. Dort angekommen sah er den üblichen Stapel Akten, den er hätte vor Wochen sortieren und verstauen sollen, auf dem Schreibtisch neben seinem Laptop stehen. Das Zimmer selbst lag in einem matten Licht, nur der Tisch, der im Lichtkegel der darüber hängenden Lampe stand, war erhellt, die mit alten Büchern, Akten und Magazinen gefüllten Regale lagen im Schatten. Von seinem Schreibtisch aus konnte Squall durch das Fenster die in der Dämmerung ruhenden Lichter der Hafenstadt Balamb sehen und sogar die große Baustelle am westlichen Stadtrand erkennen, welche, noch leicht von der Sonne bestrahlt, die Ausweitung Balambs erahnen ließ. Man plante dort einen riesigen Wolkenkratzer zu errichten, von dem aus man die Wirtschaft Balambs ankurbeln wollte.

Schließlich seufzte Squall laut und wandte sich seinem Laptop zu, auf dem das Seedzeichen erschien. „Software lädt“, stand da. Er lehnte sich zurück und horchte in die Stille hinein. Bis auf das leise rattern seines Laptops war nichts zu hören, Rinoa hatte Saiyuki ins Bett gebracht, und sie schlief vermutlich sogar schon, während Rinoa wahrscheinlich lesend auf Squall im Bett wartete. Sein Blick fiel auf das kleine, rote Lämpchen des Anrufbeantworters, das ungeduldig blinkte, als ob es ihm schon die ganze Zeit etwas zu sagen hätte. Squall betätigte einen der Knöpfe und eine elektronische Frauenstimme begann zu sprechen:



„Sie haben drei neue Nachrichten. Erste Nachricht: Balamb Garden, Administration, 20:10 Uhr.

Tut mir leid dass ich sie um diese Uhrzeit noch stören muss, Mr. Leonhart, aber es ist wichtig. Es gab erneut drei Rebellenangriffe, zwei in Galbadia und einen in Balamb mit enormen Sachschäden und wieder einigen Opfern. In Balamb waren es zwei Minister des Bürgermeisters und deren Security. Am Montag gibt’s deswegen eine Sondersitzung.“



Squall hob die Augenbrauen, als die Nachricht beendet war, doch ehe er sich darum Gedanken machen konnte, fing schon die nächste an:



„Zweite Nachricht: Esthar Garden, Lunar Gate 3, 20:23 Uhr.

Mr. Leonhart, ich wollte nur fragen ob es nun morgen klappt. Sir Kinneas lobt sie in hohen Tönen und wir freuen uns auf jemanden, der mit Ragnarok geflogen ist. Ich hoffe, es gefällt ihnen bei uns. Gute Reise morgen.“



„Dritte Nachricht: Unbekannter Anrufer, nicht lokalisierbar, 20:47 Uhr.

Hallo ..... da jemand? Ich muss .... Problem ..... Saiyuki ist in ...... befürchte ..... Artemisia ........... vom Memorarium ……. Verbindung abgebrochen.

Sie haben keine neuen Nachrichten.“



Squall starrte mit leerem Blick auf den Anrufbeantworter, der seine rauschende Warnung über Artemisia zuende gebracht hatte, der Hexe, die sie vor 9 Jahren vernichtet hatten. Er wüsste zu gerne, wer diese Warnung abgeschickt hatte, aber er konnte die Stimme nicht identifizieren. Hauptsächlich sorgte ihn allerdings, dass dieser jemand Saiyuki erwähnt hatte.

Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Rinoa in der Tür erschien. Sie hatte ihr Nachthemd an und lehnte sich gegen den Türrahmen. „Willst du jetzt noch arbeiten? Das kannst du doch noch morgen machen.“

Er sah sie an, ohne zu antworten. Es dauerte keine Sekunde, bis sie ihm an den Augen ablaß, woran er dachte, und ihr verführerischer Gesichtsausdruck verschwand.

„Squall? Was ist los?“
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