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Sweet Little Times

von -Daiya-
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12
31.03.2012
31.03.2012
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Sweet Little Times



Levy POV

Elf Jahre ist’s her, Gajeel. Es ist das letzte Jahr, in dem ich auf die warte. Du hast es mir versprochen, dass du nach zehn Jahren wiederkommst. Doch es ist wirklich unerträglich auf etwas zu warten, das nicht kommt. Und es soll der letzte Tag sein. Es soll die letzte Stunde, die letzte Minute, die letzte Sekunde sein. Gajeel, kommst du?

Es war ein kühler Abend, als ich noch am Bahnhof stand und auf ihn wartete.
Um mich etwas aufzuwärmen kuschelte ich mich fester an den Teddybären, den er mir vor elf Jahren gegeben hatte. Es war das Zeichen dafür, dass er wieder kommen würde, aber er hielt sein Versprechen nicht und trotzdem wartete ich weiter. Jeden Geburtstag von ihm, von mir, jedes Weihnachten und jedes Ostern wartete ich auf ihn einen ganzen Tag lang am Bahnhof, der Ort, an dem ich mich von ihm verabschiedete, von Gajeel, meiner ersten großen Liebe.
Ich erinnerte mich gut an den aggressiven Jungen aus der Grundschule, der nur brav zu mir gewesen war. Jeden Tag fragte ich mich immer noch, wie ich mich in ihn verliebt hatte? Außerdem, wie kam es überhaupt dazu, solch überirdische Gefühle für jemanden zu empfinden und das im zarten Grundschulalter? Bis er mir den sachten Kuss auf die Wange legte, damals auf dem Bahnhof, als wir uns verabschieden mussten, hatte ich keine Ahnung, ob ich jemals Glück spüren würde. Für mich bedeutete diese kleine Liebesgeschichte jede Menge Schmerz und Liebeskummer. Gajeel hatte einen jüngeren Schüler brutal zugerichtet, weshalb seine Eltern gezwungen waren, mit ihm wegzuziehen. Keiner hatte mehr Vertrauen in ihm - nur Angst. Jeder außer mir. Ich war die Ausnahme. Ich mochte diesen Jungen, der mir die Meinung geigte. Ich mochte diese Jungen, der mir zeigte, wer ich überhaupt bin und wie ich zudem geworden bin, was ich jetzt bin. Ich mochte diesen Jungen, der mich beschützte und den ich beschützte, als er von seinem Vater verprügelt wurde. Ich hatte mich um seine Prellungen gekümmert. Das war nach Gajeels Suspendierung und wenige Tage vor dem Umzug. Das war die Zeit, in der Gajeel das süßeste Wesen auf Erden sein konnte… in seinem friedlichen Schlaf und nur ich hatte als Engel über ihn gewacht. Und immer noch stehe ich am Bahnhof und wache über ihn - so hoffte ich.
Einige Stunden stand ich schon auf dem Platz fest. Geweigert mich hinzusetzten, geweigert zu essen und zu trinken. Es war wie eine Standstrafe in historischen Konzentrationslagern. Nur der Teddy spendete mir Trost. Ihm fehlte ein Ohr, das von Gajeels Vater in dessen Wutausbruch abgerissen wurde. Der Teddy war das einzige, dass Gajeel bei sich trug, als er für eine Nacht vor die Tür gesetzt wurde. Ich hatte Gajeel gefunden in der Nacht. Meine Mutter hatte ich auf ihn aufmerksam gemacht und sie überzeugt, dass wir Freunde waren, Gajeel und ich. Obwohl Gajeel sich schon ein Fieber eingefangen hatte, fühlte er sich dennoch irgendwie wohl. Den Teddy… den hatte er dicht bei ihm, weshalb er dicht bei mir ist. Dicht an unseren Herzen.
Ich seufzte. Ich stand genau an dem Punkt, an dem mir Gajeel seine Lippen auf die Wange drückte.
Bei kleinen Kindern sieht das süß aus, aber wie wäre das, wenn wir uns wiedersehen? Gäbe es einen richtigen Kuss? Eine romantische und leidenschaftliche Umarmung? Oder ein Entschädigungsgeschenk in Form von Hochzeit? Okay - das ist übertrieben. Natürlich hatte ich schon so oft die Hoffnung aufgegeben und wenn mich die Leute am Bahnhof immer so seltsam anstarrten, weil ich einen Teddybär in der Hand hielt, jagte es eiskalt meinen Rücken runter. Auch wenn Gajeel sagte, er käme erst nach zehn Jahren, wenn er alt genug ist, stand ich jedes Jahr am Bahnhof als Zeichen dafür, ihn nicht vergessen zu haben. Ich war auch immer glücklich darüber, ihm das in einem Brief, einer Mail, SMS oder gar in einem Telefonat zu erzählen. Gajeel weiß also, was ich jeden Geburstag von ihm, von mir, jedes Weihnachten und jedes Ostern mache. Am Bahnhof stehen. Er könnte einfach kommen, oder?
Es ertönte eine kleine Durchsage, die besagt, dass in Kürze ein Zug kommen würde. Der Zug, der in Gajeels Richtung fährt, aber es muss der andere Zug sein, der aus Gajeels Richtung kommt.
Gibt es Hoffnung, dass er drin ist?
Man hört ruckartig das Windgeräusch des eintreffenden Zuges. Die Tür öffneten sich und ich faltete die Hände um den Bären zusammen, um zu beten.
Obwohl ich in diesem Moment voller entflammter Hoffnung sein sollten, jagten mir die unterschiedlichsten Dinge durch den Kopf. Es war des einen Glücks und des anderen Quals. Für mich war es zusätzliche Verwirrung und Belastung.
Die Türen öffneten sich und es kamen Menschen heraus. Darauf folgten wenige Menschen, die hinein gingen.
Keine Spur von Gajeel. Warum auch? Sollte er zu sich selbst fahren wollen? Aber wäre es nicht einfach eine Chance, mit dem Zug zu fahren und dem Herzen zu folgen? Würde ich es nicht bereuen, diese vielen Kilometer zu fahren? Bereuen, diese Stunden nicht weiter auf ein Wiedersehen zu hoffen?
Es waren nur noch wenige Sekunden, bis sich die Türen schlossen.
Ich dachte nach, ich dachte wirklich nach. Mein Gehirn pumpte Gedanken auf Hochtouren. Es schmerzte nahezu so stark nachzudenken. Doch ich musste nachdenken, ich musste wirklich nachdenken, ob es sich lohnt. So sehr mich mein Herz auch zu Gajeel zieht, es ist unerreichbar. Elf Jahre? Elf Jahre sind geschehen und ich hatte mich verändert, genauso wie er sich wohl verändert hatte. Ein süßes zartes Kindheitsband hat dort nichts mehr zu suchen. Auch wenn wir in Kontakt blieben… seit meinem Geburtstag letzten Jahres hat er alle Kommunikationsmöglichkeiten abgekapselt. Nun ist es mein Geburtstag… ist also ein Jahr her… Und ich stand immer noch am Bahnhof, unschlüssig, was zu tun ist. Genau genommen stand ich die ganzen Jahre doch nur dort, um auf ein Zeichen zu warten, endlich in den nächsten Zug einzusteigen. Schwarzfahrer oder nicht. Gajeel zählt, nicht ich. Doch all die Jahre waren auch so hart. Wie soll ich bitteschön weiter hoffen und kleinen Mädchenträumen nachgehen? Auch ich hab meine Ziele beschlossen - auch wenn mit Hilfe von Gajeel. Doch ich weiß nun, was ich will, aber ob ich Gajeel wirklich haben will, weiß ich nicht.
Ich drückte mich fester an den Teddybären.
Loslassen? Endlich? Wann? Wie oft hatte ich es schon versucht? Endlich ein Schlussstrich? So schmerzhaft und hart? Nur wegen meiner Unschlüssigkeit?
Schmerzvoll kniff ich die Augen zusammen und drückte einen Kuss auf die Nase des Teddybärens.
So kam es dazu, dass der Teddy, das einzige persönliche Andenken an Gajeel, mit dem Zug zu ihm fährt und nicht ich, wie ich es all die Jahre gehofft haben.
Ich fühlte mich leer und kraftlos, als würde mich der Boden nur noch stärker an ihn heranziehen. Ich müsste dem Gefühl nachgeben und mich hinlegen. Ich spürte buchstäblich, wie mir die Augen heraus fallen, hätte ich nicht sofort der Müdigkeit nachgegeben.
Und ich tat es, ich legte mich etwas hin.

Ich glaubte, ich träume viele verrückte Sachen und schließlich wurde ich durch ein heftiges Rütteln geweckt.
Es fühlte sich so an, als wäre mir kurz jemand in die Seite gesprungen.
Damit riss ich die Augen auf und erkannte außer dem klaren Sternenhimmel die stinkende Alkholfahne auf mein Gesicht zufliegen. Es raubte mir widerlicherweise den Atem und die ungepflegten Kerle passten gar nichts ins Bild der schönen Nacht. Aber Moment mal! Es ist Nacht und kleine Mädchen die nachts draußen herumrennen sollte gerade das nicht tun. Könnte gefährlich werden und es ist gefährlich. Die wenige nackte Haut die ich zeigte, wurden von groben Finger umspielt, sodass es weh tat. Es wurde gedrückt und gerieben. Es war wirklich grob wie Tiere. Als hätten sie ein Fell über den Fingerkuppen. Nun, es machte mir Angst in so einer Situation aufzuwachen. Eh… Hilfe?
“Finger weg von meinem Mädchen!” Es kam wie gerufen.
Nur diese vertraute Stimme ließ mich aufjauchzen und in Sekundenschnelle landete ich neben der Bank, auf der ich geschlafen hatte und eine Katze war von mir heruntergesprungen. Eine von der Dunkelheit aber von Sternen beleuchtete Person hob die Katze von Boden auf, der das gar nicht gefiel und sich wehrend dem Träger das Gesicht zerkratzte. Die Katze flüchtete und ich schaute mich hektisch um.
Es gab keine betrunkenen Kerle weit und breit die mich antatschten. Es war also doch nur ein Traum? Diese Katze war folglich in meine Seite gesprungen und hat mich betastet? Das erklärt das hautechte Gefühl. Nur diese Stimme hallte immer noch in meinen Gedankengängen wider. Diese Stimme hatte etwas von Licht, das selbst in der vollkommensten Dunkelheit leuchtet, auch wenn man es nicht sieht.
“Hat sich wohl nicht verändert… Katzen hassen mich nach wie vor”, sprach eine dunkle Stimme zu mir.
Mit leuchtenden Augen horchte ich auf.
Diese Stimme kam mir aus diesen etlichen Telefonaten so bekannt vor, aber kann das sein, kann das wirklich sein? Ist es wahr? Passiert so etwas in der Realität?
“Ach so, das ist deiner”, wisperte er und hörte sich unwohl an, da seine Worte bisher noch keine Erwiderung erhalten hatten.
Da sah ich nur eine kurze Bewegung und schnappte zu, als etwas mittelgroßes in meine Arme flog. Und ich packte reflexartig meine Finger in den Stoff und bemerkte wie von der Kanone getroffen, dass es der Teddybär ist, den ich noch in den Zug gesetzt habe. Es muss ihn also jemand gefunden haben. Und dieser jemand ist… !
“Der Teddy wird wohl immer zu dir zurück kommen. Schließlich hab ich ihn dir geschenkt”, fuhrt er fort.
Nicht wahr. Nicht wahr? Nicht wahr?!
Als ich mich endlich gefangen hatte und den Mund aufreißen wollte, um reagieren zu könne, fiel man mir schon wieder ins Wort.
“Alles Gute zum Geburtstag!”
Und dann wurde nicht ich umarmt, sondern zu ihm gezogen, worauf sich meine Arme automatisch um ihn schlangen. Seine starken Arme nahmen mich ebenfalls in ihn auf, als hätte er mich an die Ewigkeit verloren. So wie wir uns jetzt umarmten, dass war nicht einfach Umarmen, es war mehr. Es war ein Feuerwerk der Gefühle unter dem der Teddy zerdrückt wurde. Doch so stark dieser Teddy zerdrückt wurde, unsere Umarmung war fester und viel leidenschaftlicher. Auch wenn alles um uns ruhig war, befanden wir uns auf einer lebendigen Insel, auf der gerade ein Vulkan ausbrach, die Wellen hoch in die Luft schlugen und vielleicht irgendwo ein neuer Berg entstand. Vielleicht. Aber Gefühle bewegen Berge. Das wir uns nach all den Zeit endlich wieder in die Arme schließen konnten, war wohl das himmlischste Geschenk auf Erden. Wenn der Engel seinen Schützling wieder hat. Wenn ich Gajeel wieder habe.

“Und was ist mein Geschenk?”, lächelte Levy auf charmante Art und Weise.
“Hier.” Gajeel streckt ihr seine Hände entgegen. “In einer von diesem Händen befindet sich dein Geschenk.”
Levy musste nicht lange gucken und sah, wie die eine Hand geöffneter war und trotzdem versuchte, sich selbst fest zu umgreifen. Also tippte sie auf die linke Seite.
Gajeel öffnete die Hand um zum Vorschein kam ein silberner Haarpin mit einer edelvollen Schleife darauf. Bevor Levys Augen zu funkeln begannen, schnappte Gajeels Hand wieder zu und er wisperte ihr ins Ohr, an einer sehr empfindlichen Stelle, die ihr einen Schauer bereitete:
“Du hast verloren.”
Dann steckt er sich den Haarpin ins eigene Haar.
“Jetzt bin ich das perfekte Geschenk”, vollendete er kunstvoll seine Taten.
“Hä…?” Levy verstand nicht wirklich.
“Die Haarnadel gibt’s aber umsonst dazu.”
“Moment mal… was heißt hier, du bist mein Geschenk?”
“Ach ja, ich zieh jetzt zu dir. Du musst dich gut um mich kümmern, mir essen machen und aufpassen, dass die Klos sauber sind. Stell dir vor, ich bin extra wegen dir hergekommen und habe 10 Jahre auf dich gewartet!”
“11 Jahre…”, piepste sie.
“O-jama shimasu*!!”

Ende/ End/ Fin

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*Wörtlich: Ich belästige Sie/dich!
___________________________________Autorenwort (^_^)v


Yooo~
Ich bin aus meinem Winterschlaf langsam erwacht und bereite mich auf mein Comeback vor ^_^’ Also für die, die mich und meine FF kennen… ich schreibe möglichst bald weiter :-> Und dieser Oneshot dient mehr oder weniger dazu, ins Schreiben wieder reinzukommen. Mir hat eigentlich nur jemand erzählt, dass er mal einen Teddy in einen Zug getan hat… naja, witzig, mir ist etwas dazu eingefallen :o
Sind diesmal übrigens nur 2 ½ Seiten ;)

Bussi :*
 
 
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