No Peace in an Unholy Land

KurzgeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Robin Sir Guy of Gisborne
30.03.2012
30.03.2012
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„I hate you.“
„That’s good. Love me or hate me – but do it with passion.”




The Holy Land, Acre

Es war Nacht. Dunkelheit und Ruhe hatte sich über das Lager gelegt, wie ein samtener Teppich. Er schlief in seinem Zelt. Sachte Atemzüge hoben und senkten in regelmäßigen Abständen seinen Brustkorb.

Die plötzlichen, hektischen Schreie, die Schritte und das Klirren der Schwerter ließen ihn aufwachen. Er griff nach seinem Schwert, rannte aus dem Zelt, musste den König schützen; nur das zählte jetzt.

Aus dem Augenwinkel nahm er einen Schatten wahr.

Dann, ohne Vorwarnung, traf ihn die Klinge, durchbohrte ihn förmlich, ließ ihn vor Schmerz aufschreien. Er brach auf dem sandigen Untergrund zusammen. Der Lärm um ihn herum schwoll an; als würde ein Sturm über ihm toben.

Er sah nur noch die Umrisse des Mannes, die sich von ihm entfernten. Doch er wusste, wo der Fremde hinwollte.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtete er sich auf, schleppte sich zum Zelt des Königs – dort im Inneren der verhüllten Sarazene – das Schwert erhoben – über dem schlafenden König – eine bedrohliche Silhouette in der Finsternis.

Mit letzter Kraft schmiss er sich dem fremden Angreifer entgegen, rettete das Leben seines Königs. Es folgte ein kurzer Kampf. Er war dem Sarazenen weit unterlegen, schaffte es jedoch, ihn zu verwunden. Ein kleiner Schnitt am Unterarm. Eine Tätowierung kam zum Vorschein, blitzte einmal im Mondlicht auf.

Dann hörte er hinter sich Schritte, Verstärkung nahte. Der Angreifer floh, ließ ihn zurück, verwundet – überließ ihn seinem Schicksal.

Er sah noch einmal die eigentümliche Tätowierung vor seinem inneren Auge, dann brach er zusammen.

---

England, Sherwood Forest

Robin Hood wusste nicht, wie lange er nun schon auf Gisbornes Unterarm starrte. Es musste eine Ewigkeit sein. Immer wieder fixierte er die dunkle Tätowierung sowie die kleine Schnittwunde darin. Immer wieder blitzten in seinen Gedanken die Erinnerung an diese eine Nacht in Akkon auf. Der maskierte Sarazene. Der Kampf. Der Angriff auf den König – Der Angriff auf Robin selbst.

Gisborne war ihm gegenüber an einen Baum gefesselt, noch immer bewusstlos. Sie waren allein im Lager der Outlaws. Robin hatte Much fortgeschickt, ihm irgendeine Gemeinheit an den Kopf geworfen. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern. Alles andere schien aus seinem Denken verbannt, so besessen war er von der Erkenntnis, die nun in seinen Verstand gesickert war und sich in seinem Körper wie schleichendes Gift auszubreiten schien.

Es war Gisborne gewesen. Gisborne, der im Heiligen Land den König hatte töten wollen. Gisborne, der Robin verwundet, ihn mit dem Schwert durchbohrt und dann liegen gelassen hatte.

Der Outlaw spürte, wie der Hass ihn zu ersticken drohte.

Ein leises Stöhnen riss ihn aus seinen Gedanken. Gisborne kam allmählich zu sich. Einen Moment lang wusste er scheinbar nicht, wo er sich befand, dann erkannte er Robin und seine Augen verengten sich zeitgleich zu Schlitzen. Der darauf folgende Fluch wurde jedoch von dem Knebel im Mund erstickt.

Robins Stirn lag in Falten, die Augenbrauen zusammen gezogen. Er näherte sich Gisborne langsam, musste sich beherrschen, nicht das Schwert zu ziehen.

„Ich weiß, dass du es warst, der den König im Heiligen Land töten wollte“, sagte der Outlaw, kam gleich zur Sache. „Deine Tätowierung. Ich hab dich erkannt. War das der Plan des Sheriffs?“ Er war kurz vor dem anderen Mann stehen geblieben, riss ihm nun unsanft den Knebel aus dem Mund und spürte, wie Gisborne gierig die Luft einsog. Doch der Mann schwieg.

„Was ist? Willst du dich nicht verteidigen? Dicht rechtfertigen?“, Robin wurde immer lauter, während er sprach. „Wusstest du, dass ich es war, den du fast getötet hättest?“ Nun schrie er den Anderen förmlich an.

Gisborne jedoch schien amüsiert zu sein. Ein selbstgefälliges, überhebliches Grinsen lag auf seinen Lippen, während er Hood in aller Ruhe betrachtete. Ein undefinierbarer Ausdruck flackerte in seinen Augen.

Robin bebte vor Zorn. Ohne es zu merken, hielt er mittlerweile sein Schwert in der Hand, umklammerte es so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten.

Einen Augenblick lang sah es so aus, als würde er Gisborne erstechen wollen, dann schnitt er jedoch nur dessen Fesseln durch.

„Ich sag’s ja immer wieder, Hood. Du könntest nie-“, setzte Gisborne an, indem er die Seilenden zu Boden fallen ließ und sich die Handgelenke rieb. Doch weiter kam er nicht, denn schon traf ihn Robins Faust mit erstaunlicher Schwungkraft und warf ihn zu Boden.
Noch ehe er sich wieder aufrichten konnte, hatte sich Hood förmlich auf ihn gestürzt, verpasste ihm einige harte Tritte mit dem Fuß. Gisborne bekam das Bein des Anderen zu fassen, riss ihn zu Boden. Robin strauchelte, fiel hin und rollte einen kleinen Abhang hinunter. Gisborne folgte ihm, nutzte den Moment der Verwunderung, schlug zu. Doch Hood war äußerst zäh, hatte sich schnell von dem Schlag erholt und ging nun ebenfalls wieder auf den verhassten Mann los.

Der Waldboden erzitterte von ihrem Kampf. Laub raschelte unter ihren Füßen. Das Schwingen ihrer Fäuste, die Treffer und ihr erschöpftes Keuchen erfüllte die Luft.

Robin brachte Gisborne zu Fall, zögerte nicht lange, warf sich auf ihn und fixierte ihn am Boden. Er hob die Hände und schlug auf den Mann unter ihm ein; jeder Treffer eine Genugtuung. Gisborne stieß keuchend einen Schwall Luft aus. Schließlich bekam er jedoch Hoods Hände zu fassen und hielt sie in der Luft, mitten im Schlag fest.

„Hör auf! Schluss. Es reicht“, brachte Gisborne zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Er spürte das Gewicht von Hood, der noch immer auf ihm saß. Dieser schien einen Moment zu zögern, kämpfte, versuchte seine Hände freizubekommen. Dann gab er jedoch auf, atmete stockend und ließ es zu, dass Guy seine Handgelenke umklammert hielt.

Beide schwiegen. Nur der rasselnde Atem war zu hören.

Dann begann Gisborne zu sprechen. „Ich wusste es nicht.“ Seine Stimme war ein dunkles Flüstern, seine Worte kaum zu verstehen. „Ich wusste nicht, dass du es warst, den ich verletzt hatte.“

„Was-?“, stieß Robin aus, den Blick ungläubig auf den anderen Mann gerichtet.

„Es war Nacht … düster … ein ziemliches Chaos“, fuhr Gisborne fort, ohne Hood aus den Augen zu lassen. Er spürte, wie der Jüngere über ihm die Arme sinken ließ, hielt dennoch weiterhin zur Vorsicht dessen Handgelenke fest. „Ich habe das nicht gewollt.“

Hood schien zu perplex um etwas erwidern zu können. Zum ersten Mal erkannte Gisborne so etwas wie Unsicherheit in den sonst so selbstsicheren und stolzen Gesichtszügen des Outlaws.

Für Robin ergab das, was der Andere zu ihm sagte, keinen Sinn.

„Warum-“, setzte er an, brach dann jedoch ab und vermied den Blickkontakt. Was ging hier vor sich?

Gisborne schien weniger irritiert zu sein. Völlig ruhig blieb er liegen, beobachtete Robin, der wie ein scheues Reh wirkte, jetzt wo seine Augen so unsicher hin und her wanderten.

Ganz langsam gab Guy die Handgelenke des anderen Mannes frei. Hoods Lippe blutete, seine Schläfe war dunkelrot und seine Kleidung schmutzig. Er selbst atmete schwer, vor allem mit dem Gewicht des anderen Mannes auf sich, spürte eine Schwellung an seiner eigenen Schläfe und zahlreiche Prellungen am Körper, doch er wagte es nicht, sich zu bewegen.

Allmählich schien Robin aus seiner Schockstarre zu erwachen. Seine Augen flackerten zu Gisborne, beinahe so, als hätte er vergessen, dass dieser noch da war und in welcher Lage sie sich beide befanden.

„Du hast mich verwundet liegen gelassen“, die Worte des Outlaws waren ruhig, beherrscht, seine Augen schrien jedoch eine stumme Anklage.

„Hör zu …“, begann Gisborne, der sich nun leicht aufsetzte.

Doch Robin schien diese Bewegung falsch zu verstehen, wertete sie als potentielle Gefahr, als drohenden Angriff. Er riss erneut die Arme hoch, ballte die Hände zu Fäusten- Kurz bevor sie Gibsornes Gesicht trafen, bekam dieser Hoods Hände zu fassen, hielt sie erneut fest.

„Ich sagte, hör zu!“, rief er mit lauter Stimme, doch Hood schien ihm nicht zuhören zu wollen. Also nahm er seine Kraft zusammen und schob den Anderen von sich runter, sodass Robin rücklings im Laub landete. Gisborne zögerte nicht lange und noch ehe der Outlaw wieder aufstehen konnte, war es nun Guy, der den anderen Mann dort unten festhielt, indem er dessen Arme rechts und links vom Körper auf den Boden drückte.
„Lass los“, fuhr ihn Robin wütend an, stemmte sich mit aller Kraft gegen ihn, doch Gisborne war der Stärkere – er war es schon immer gewesen.

„Beruhig dich endlich. Du bist nicht du selbst“, meinte Guy nur nüchtern. Er hörte Robins Keuchen, als er versuchte sich aus dem Griff zu wenden und schloss einige Atemzüge lang die Augen.

Nach einer Weile ließ Hoods Widerstand nach, brach schließlich ganz und er blieb reglos liegen.

„Willst du nun das zu Ende bringen, was du in Akkon verpasst hast“, zischte Robin leise, die Augen zornig funkelnd, der Blick rebellisch wie eh und je. Selbst wenn man ihm physisch überlegen war, wollte er wohl einfach nicht nachgeben.

„Ich- Nein!“, erwiderte Gisborne ebenso zornig. „Warum bist du nur so ein Sturkopf?“
Robin schwieg. Auch Gisborne schien nicht er selbst zu sein. Diese ganze Situation hier war eigenartig, ungewohnt.

Dann schien neue Willenskraft in Hood zu fahren. Er wand sich unter Gisbornes Griff, kämpfte gegen dessen unbarmherzige Hände an, beugte den Rücken durch
.
Guy seufzte leise. „Du lässt mir keine Wahl …“ Und mit einem kräftigen Schlag verlor Robin das Bewusstsein.
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