Beauty in the Beast

von Doudou
KurzgeschichteHumor, Parodie / P12
Emppu Vuorinen
29.03.2012
29.03.2012
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Disclaimer: Alle Personen in dieser Geschichte gehören ausschließlich sich selbst, alle Lyrics ihren jeweiligen Besitzern, diese Geschichte ist nie passiert, sondern mein verrücktes, an akutem Schlafmangel leidendes Ich hat sie von vorn bis hinten ganz allein verbrochen! Naja fast, ein wenig Inspiration hatte es aus der Erinnerung an dieses Video hier:
http://www.youtube.com/watch?v=sLs7xoX_vX4&list=PL02D3A40B24B93958&index=4&feature=plpp_video
Die enthaltenen Lyrics stammen aus 'Anteroom of Death' von Tarja Turunen...
Vorsicht vor Schlangensätzen und schlechtem Humor! Ist absolut nicht ernstzunehmen!
Die Geschichte wurde original auf Englisch verfasst, aber da es aus mir unerfindlichen Gründen verboten ist, englische Geschichten auf ff.de online zu stellen, musste ich sie wohl übersetzen – kann also sein, das sie an manchen Stellen seltsame denglische Wörter enthält!^^
Wie auch immer, es soll witzig sein, aber in Wirklichkeit ist es fies, ist es krank, ist es so dermaßen OOC und Tuomas wird mich killen, wenn er jemals Wind davon bekommt! XD
Bitte versucht nicht, das zu Hause nach zu machen, außer ihr wollt von den netten Männern in Weiß mitgenommen werden, die immer die tollen Jacken dabei haben, in denen man sich selbst umarmt! XP
Ja, wird Zeit das ich mich dünne mache und meinen Router neustarte, bevor er meine IP-Adresse herausfindet! Viel Spaß! (Oder auch nicht, je nach dem...) *rennt weg und kichert irre*

--

„Wir sehen uns!“, mit einem letzten Winken waren Marco, Jukka und Emppu verschwunden. Tuomas sah ihren Autos noch einen Augenblick hinterher von seinem Platz auf den Stufen vor seiner Haustür. Ein zufriedenes Lächeln zierte sein Gesicht.
Seufzend drehte er sich um und schloss die Tür hinter sich, begann im Flur herumzustreichen. Er war ein wenig verloren, wusste nicht ganz, was er nun mit sich anfangen sollte, nachdem die andern Jungs fort waren.
Er hob eine leere Bierflasche hier, ein Fitzel Papier dort und ein zerplatztes Komdom dazwischen auf. Überreste der Sauforgie, welche irgendwie in einem Wettkampf endete, wer das Haus überzeugender in ein Winter-Wunderland verwandeln konnte. Emppu und er hatten jedes bisschen weißes Papier in Sichtweite zerrupft (ganz egal, woher es stammte), um Schneeflocken zu kreieren, die sie dann gleichmäßig über das Wohnzimmer, die Küche und den Flur verteilt hatten, in denen die Party stattfand.
Schließlich war der Biervorrat im Kühlschrank in der Küche, die Sofas auf denen man sich so richtig besaufen konnte im Wohnzimmer und der Flur das einzige, was diese beiden Räume miteinander verband – warum also sich um den Rest des Hauses kümmern?
Das war der vermutlich intelligenteste Gedanke den die vier diese Nacht hatten und Tuomas war unglaublich dankbar dafür – vor allem, weil Marco irgendwann den Feuerlöscher gefunden und das halbe Wohnzimmer mit Löschschaum bedeckt hatte, aus welchem Jukka dann versuchte Schneemänner zu bauen.
Leider hielten Karotten nicht an den schwächlichen Schaummännern, also waren sie auf die Idee gekommen, ein paar Kondome aufzublasen und sie den erbärmlichen Kreaturen ins Schaumgesicht zu stecken – einige von diesen Nasen hatten sogar schlechte Eddingskizzen von übergroßen, grünen Popeln darauf. Es war wirklich erstaunlich, wie kreativ und gleichzeitig so völlig hirnfrei besoffene Finnen werden konnten... Alexi  „Wildchild“ Laiho wäre so stolz auf sie gewesen, wenn er das gesehen hätte!
Nach zehn Minuten des Auf- und Ablaufens und benommenem Kopfschüttelns angesichts dieser Sauerei, die noch immer aufgeräumt werden wollte, war schließlich klar, dass die anderen nicht nochmal zurückkommen würden, weil sie irgendwas vergessen hatten. (Einmal hatte Marco doch tatsächlich seinen Ehering bei Emppu vergessen, weil er ihn dort kurzentschlossen als Flaschenöffner benutzt hatte. Das wurde ihm aber erst klar, als er nach Haus kam und seine Frau ihn auf das Fehlen des Selbigen ansprach – der folgende Streit war ziemlich hässlich).
Das Kopfschütteln hörte auf und langsam breitete sich ein selbstverliebtes Grinsen auf dem Gesicht des Keyboarders aus – Die Luft war rein!
Mit einem nahezu unheimlichen Entzücken in seinem sonst so melancholischen Gesicht drehte er dem Schweinestall den Rücken zu, der mal sein Wohnzimmer gewesen war und hüpfte geradezu ausgelassen die Treppen in den ersten Stock hinauf. Vor seinem Arbeitszimmer kam er schlitternd zum Stehen. Zeit für eine ernsthafte Songwriting-Session!
Er trat in sein Arbeitszimmer, welches vollgepackt war mit mehreren Keyboards, Gitarren, einem alten Piano und einem riesigen Schreibtisch – Letzterer war aber fast nicht zu erkennen unter den Bergen an losem Papier, die sich irgendwie immer innerhalb von wenigen Stunden anhäuften, sobald er daran arbeitete.
Er war nicht gerade in der Laune, den ganzen Mist jetzt zu ordnen (ein Teil von ihm wünschte inständig, er wäre mit Emppu letzte Nacht hier herauf gekommen, anstatt all die repräsentativen, aber nie gelesenen Bücher in seinem Wohnzimmer zu zerschreddern).
Mit zwei schnellen Wischbewegungen an den Stellen, an denen sein Laptop und Drucker vergraben sein müssten, schaffte er sich genug Platz um seine Mission fortführen zu können.
Kurz darauf zappelte sein rechter Fuß ungeduldig vor sich hin während Windows sich Zeit ließ mit dem hochfahren. Ein paar der Papiere und Zettel die er eben erst von der Tischoverfläche gefegt hatte wurden kurzerhand noch tiefer in die Schatten unter dem Schreibtisch getreten. Dort schlossen sie sich Staubwolken und zahllosen anderen Zetteln an, die dort schon seit ungeahnten Zeiten ihr Dasein fristeten (und auch so aussahen! Nicht das Tuomas sich die Mühe gemacht hätte, sie anzuschauen... seine Putzfrau würde sich schon früh genug darum kümmern, wenn er erst mal wieder auf Tour war).
Der zappelnde Fuß wurde von etwas unfreundlicheren Hieben der Finger auf das Touchpad des Laptops abgelöst – das dumme Ding wollte einfach nicht das Emailprogramm öffnen!
„Ja, geht doch, du Mistding!“, rief er aus, als der lahmende Laptop sich endlich seinen Wünschen beugte.

Neue Email.

Aber das hatte er schon gewusst. Seit gestern schon, um genau zu sein. Dummerweise war Jukka zu früh dran gewesen und so hatte Tuomas keine Chance gehabt, sich 'richtig einzustimmen' – wie er es nannte – und eine vernünftige Antwort zu verfassen.
Zitternd vor Erwartung öffnete er die Mail, warf einen flüchtigen Blick darauf und klickte augenblicklich auf den 'Drucken'-Button. Er schloss die Mail sofort wieder, ohne auch nur zu versuchen einen Satz daraus zu lesen. Stattdessen sprang er auf und rannte zum Schrank in seinem Schlafzimmer.
Er öffnete die Türen, ließ sich davor auf die Knie fallen und begann sich durch den Inhalt zu wühlen. Alles was er nicht brauchte häufte er neben sich in einem unordentlichen Haufen auf dem Boden an. Bald schon streiften seine Finger über ein Papppacket. Mit einer geradezu religiösen Ehrfurcht hob er es aus dem Schrank. Ein stolzes Lächeln umspielte seine Lippen, während er das Packet vorsichtig auf seinen Händen, einer zeremoniellen Prozession nicht unähnlich, in den nächsten Raum trug – dem Badezimmer.
Mit einem unheimlichen Funkeln in den Augen platzierte er sein Heiligtum auf dem Stuhl neben dem Waschbecken. Dann wandte er sich zu seiner Badewanne um, vor der er sich ein weiteres Mal auf die Knie begab und mit den Fingern an einer bestimmten Fuge kratzte. Augenblicke später gab eine Fliese nach und eine weiteres kleines Versteck von Nightwish's keyboarder und Mastermind tat sich auf. Aus der Öffnung zog er eine blanke, rote Tasche hervor, welche prompt einen Platz auf dem Regalbrett über seinem Waschbecken bekam.
Als nächstes begann Tuomas sich auszuziehen. Achtlos ließ er seine Alltagskleindung und sein Lieblingsshirt auf den Boden fallen, bis er nur noch in Boxern dastand.
Er drehte sich erneut dem Packet zu, ließ sich davor elegant auf ein Knie fallen und öffnete die Verpackung ganz sachte. Er hielt den Atem an, als sich der Inhalt der Welt präsentierte. Schönes, schönes Gelb strahlte ihn an und er strich liebevoll über den Stoff in der Kiste. Dann umschlossen seine Finger das Gewebe und er stand langsam auf, zog den Stoff mit sich bis er ihn in seiner Gänze bewundern konnte.
Es war ein Kleid. Ein schönes, gelbes Frauenkleid. Er grinste.
Plötzlich konnte er nicht länger warten und zog sich den Stoff hektisch über den Kopf, wand sich, bis es passend war. Er schaute hinüber zu seinem großen Wandspiegel hinter der Türe, drehte sich ein paar Male davor und zupfte das Kleid zurecht. Seine Hände glitten nach oben auf seine Brust und er schaute sein Profil im Spiegel böse an. Schnell lehnte er sich noch einmal zu dem noch offenen Packet herunter und entnahm zwei seltsam geformte, elastische Objekte daraus und stopfte sie in das Kleid, drückte und quetschte sie, bis sie in der richtigen Position waren. Tuomas grinste sein Spiegelbild zufireden an und fummelte betont erotisch an seinen Fake-Brüsten.
Aber viel zu schnell wurde der triumphierende Blick wieder von seinem Gesicht gewischt. Seine Hände hatten den Weg ihn seine Mähne gefunden – viel zu verfilzt und lockig!
Er schmollte ein bisschen, schnappte sich seine Haarbürste vom Regalbrett und bürstete seine langen, dunklen Haare ruppig durch, bis alle Knoten der vergangenen Nacht gelöst waren. Er legte die Bürste zurück aufs Regal und zog den Reißverschluss der roten Tasche auf, die direkt daneben stand. Nach etwas Wühlerei zog er ein Glätteisen hervor und machte sich an die Arbeit. Einige Minuten später war aus den Jack-der-Pirat-Locken ein glatter Vorhang fließender Dunkelheit geworden. Der Keyboarder packte sich sein rotes Täschchen und entleerte es kopfüber über dem Waschbecken:
Make-Up. Echtes Make-Up! Nicht bloß irgendein Kajal...
Vor sich himsummend (ein paar Oktaven über seiner natürlichen Tonlage) fuhr er fort seinem Outfit den letzten Schliff zu verpassen. Mit ein paar letzten Wirbeln und Luftküssen für den Spiegel verließ Beauty das Bad und hüpfte hinüber zum Arbeitszimmer – Jetzt war er richtig eingestimmt, seine Mail zu lesen und eine Antwort zu erdenken!
Er schürtzte die Lippen, schnappte seinem Drucker die frischegedruckte Mail weg und tauchte gedanklich in die Worte ein, die dort prangten:

„Two-faced drama rebellion,
Are you the Joker, King or Queen?
Place your cards as they're coming
Came to win,
Lost everything
Gambling rider pull the strings
Pull them tighter..."

Es ging noch eine Weile so weiter. Beauty lief in seinem gelben Kleid in dem bisschen freien Raum auf und ab, den sein Arbeitszimmer zu bieten hatte. Sein Verstand raste während er versuchte ein Gefühl für die Worte und ihre Bedeutung zu bekommen.
Plötzlich stutzte er, wirbelte herum zu einem seiner Keyboards. Ein paar ausgewählte Knöpfe wurden zielstrebig gedrückt, dann begann er eine kurze Folge von Tönen zu spielen, nur um es gleich zu wiederholen und etwas anders zu spielen. Ab und zu las er noch einmal durch die Lyrics, hüpfte aufgeregt auf der Stelle oder schrieb ein paar Noten auf einem weiteren, frischen Blatt Papier nieder.
So ging das für Stunden – Tage sogar – unterbrochen nur um sich mit einem Glas Rotwein zu verwöhnen (das stand einer noblen Dame schließlich besser, als Bier!) oder um ein paar Stunden dringend erforderlichen Schlafs zu bekommen.
Aber dies war einfache Arbeit. Schließlich hatte er schon ein paar Lyrics und musste nur noch ein Gefühl für sie bekommen. Und darin war er inzwischen sehr erfahren. Als er das erste mal solch einen Auftrag gemacht hatte, musste er noch beides machen und hatte nur ein paar kurze Sätze, die ihm in etwa sagten, worüber der Song handeln sollte. Natürlich war es auch unheimlich von Vorteil, dass er die Sängerin, für die dieser Song bestimmt war, so gut kannte! Und die Leute wunderten sich, warum Tarjas Songs dazu neigten nach Nightwish zu klingen!
Auch wenn er meist nur die Harmonien für den Gesangspart, die Keys und die Gitarrenriffs komponierte und die Band um Tarja den Rest alleine austüfteln musste, war sein Einfluss doch sehr deutlich in einigen Teilen – das sagten sogar die Kritiker.
Natürlich wusste niemand, wie genau das zu Stande kam...
Als er das erste Mal die Idee hierzu hatte (er war sturzbesoffen und war zufällig über einen Aufruf an Songwriter gestolpert, der dazu anhielt doch ein paar Werke für eine ganz bestimmte Sängerin zu kreieren) dachte er noch es wäre unglaublich lustig, wenn er ihr irgendeinen Song schicken würde – unter einem Pseudonym natürlich – und sofern der dann angenommen würde (was er tatsächlich wurde) könnte er zu ihr gehen und ihr das ganze unter Nase reiben! Wie genial wäre das denn?!
Also hatte er ein paar Vorschläge unter dem Pseudonym Laurent Hoyos, dem einsiedlerischen Songwriter aus Suriname, Südamerika an Tarja geschickt.
Dummerweise war er zu dem Zeitpunkt, als der erste Song tatsächlich veröffenlicht wurde, wieder viel zu nüchtern, um seinem verrückten Plan tatsächlich durchzuziehen. Und davon ab hatte ihm der Schreibprozess so viel abverlangt und er hatte sich so sehr 'darauf einstimmen' müssen das er den Gedanken, seine eigene Arbeit absichtlich öffentlich in den Schmutz zu ziehen plötzlich irgendwie gar nicht mehr so toll fand.
Als kurz darauf die nächsten dieser Aufträge eingegangen waren, war er nicht im Stande diese neue Herausforderung zu ignorieren und die ganze Sache war noch mehr außer Kontrolle geraten, hatte ein Eigenleben entwickelt, welches er liebevoll 'Beauty' nannte.
Inzwischen genoss er es sogar auf eine kranke, masochistische Weise. Es war nett mit Tarjas Stimme arbeiten zu können, ohne sich mit den Launen der Frau selbst oder gar ihrem scheußlichen Ehegatten auseinander setzten zu müssen! Die waren jetzt anderer Leute Problem! Er konnte das wahnsinngie Gekicher nicht unterdrücken, das bei diesem Gedanken immer hochkam.
Und so ganz nebenbei bemerkt war die Bezahlung auch nicht schlecht...
Er musste bloß weiterhin den zurückgezogenen Genie-Songwriter spielen und die allzu regelmäßigen Anfragen nach einem persönlichen Treffen abschlagen. Und vielleicht, wenn sein Alter-Ego eines Tages so sehr in Tarjas Band integriert war, würde er doch noch die Chance bekommen es ihr auf die Nase zu binden – ganz privat natürlich, da diese Rache schon süß genug war.
Breit grinsend sandte er seine Antwort mit der abgeschlossenen Arbeit nach seinem zwei-Tage-Komponiermarathon per Mail ab. Danach begann er mit der mühsamen Aufgabe, sich aus seinem Gelb-die-Schönheit-Kostüm und der dazugehörigen Denkweise zu schälen.
Schlussendlich trat Pirate-the-Beast wieder in sein Wohnzimmer, bereit auf einem seiner Sofas zu faulenzen, Zigaretten zu rauchen, Bier zu trinken und irgendeinen schlechten Horrorfilm oder sonstigen Quatsch anzuschauen – nur um geschockt inne zu halten bei dem Anblick, der sich ihm bot:
Deformierte Überreste von Schaummännern mit verschrumpelten Komdonnasen hockten in stinkenden, ausgetrockneten Pützen aus verfaulten Karotten und überall wo er hinsah klebten Papierschnipsel und Bierflaschen!
Er hatte vergessen, aufzuräumen...


Ein paar Monate später...

Fünf ungeduldige Mitglieder einer wohlbekannten, finnischen Metalband hockten im Backstagebereich irgendeines MTV-Studios und warteten, das sie mit ihrem Interview an der Reihe waren.
Und als ob der Fakt, dass man sie schon seit fast einer Stunde warten ließ, noch nicht genug war, schien das Schicksal sich heute wirklich entschlossen zu haben sie anzupissen, da das momentane Opfer der hirnlosen Moderatorin niemand Geringeres war, als Tarja Turunen Herself! Die Anwesenheit eines nicht sehr subtilen TV-Bildschirms in besagtem Backstagebereich, in dem Nightwish gezwungen war zu warten, welcher ihnen eine ziemlich laute Lifeübetragung des aktuell laufenden Interviews präsentierte, war auch nicht eben förderlich für die allgemeine Stimmung.
Man kann sich die Gesichter der vier finnischen Männer bildlich vorstellen (Anette versuchte ihr bestes einen neutralen Gesichtsausdruck zu machen und so zu tun, als gäbe es nichts Ungewöhnliches).
Marco ermordete so viele virtuelle Feinde auf möglichst grausame Art auf seinem Gameboy und trug dabei ein abscheulich spöttisches Grinsen in seinem sonst so freundlichen Gesicht.
Jukka dagegen machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter und schien einen plötzlichen Drang danach zu haben, aus seinem Stuhl Kleinholz zu machen, indem er mit den Fingern auf sicherlich schmerzhafte Weise darauf herumtrommelte.
Emppu machte die ganze Zeit ein mürrisches Gesicht, was allein schon ziemlich bedenklich war, wenn man bedachte, dass er es sonst kaum eine Minute aushielt, ohne zu Lachen, zu Grinsen oder wenigstens zu Lächeln.
Jeder der drei warf gelengtliche Blicke auf ihren Keyboarder und Maestro, welcher die zweifelhafte Ehre hatte, denjenigen Stuhl erwischt zu haben, der dem TV am nächsten war.
Und Tuomas hatte entsprechend einen Ausdruck im Gesicht, der jedem einen langsamen, qualvollen Tod garantierte, der in sein Blickfeld – Nein, warte!
Tuomas starrte im Augenblick mit ungeteilter Aufmerksamkeit auf den Bildschirm...

Hirnlose Moderatorin: „Also Tarja, du hast ja aktuell eine Menge Songwriter und Komponisten zur Hand – hast du jemals darüber nachgedacht, dich für einen von ihnen fest zu entscheiden?“
Tarja erwidert: „Momentan genieße ich die Freiheit und Vielfalt, die mit so vielen einhergeht. Aber wir haben diesen einen wirklich guten Typen. Er kommt aus Suriname, soweit wir wissen, aber bisher haben wir ihn noch nicht persönlich getroffen...“
Tarja schmunzelt amüsiert bei diesem Satz.

Tuomas derweil grinste plötzlich geistesgestört vor sich hin, was ihm einige verwirrte und besorgte Blicke seiner Bandkollegen einbrachte.

Tarja fährt fort: „Aber er ist ein Genie, wirklich, und er hat die Musik und teilweise auch die Texte einiger unserer besten Songs geschrieben! Sein Name ist Laurent Hoyos – wenn ich mich entscheiden müsste, dann für ihn!“

… Tuomas verlor seine Fassung...

Er lachte so laut, dass es sogar durch die Tür hindurch im Studio zu hören war. Innerhalb von Sekunden war er von seinem Stuhl gefallen, hielt sich die Seiten in einer verzweifelten Selbstumarmung und lachte so schallend, das ein stetiger Tränenstrom an seinem Gesicht herunter rann.
Er bemerkte nicht, wie seine Bandkollegen aufsprangen und verzweifelt versuchten, ihn irgendwie zu beruhigen und dass das Interview unterbrochen worden war und die Leute aus dem Studio durch die schweren Türen in den Backstagebereich gekommen waren – allen voran Tarja Turunen, dicht gefolgt von ihrem Ehemann.
Es brauchte gute zehn Minuten bis er sich auch nur annähernd beruhigte – und das auch eher, weil ihm der Sauerstoff ausging – und selbst dann kicherte er noch irre vor sich hin und murmelte zusammenhanglose Dinge zwischen seinem Gekeuche.
Es war Marco, der schließlich die ersten mehr oder weniger verständlichen Worte aus ihm heraus bekam, nachdem er laut zu wissen verlangte, „Was zum Teufel kaputt“ bei Tuomas sei und „Was verdammt nochmal“ er so ausnahmslos witzig fand.
Für eine Sekunde grinste Tuomas ihn idiotisch von seinem Platz auf dem Boden an und holte tief Luft. Dann sagte der Songwriter das erste, was ihm in den Sinn kam, nachdem er seine zweite Persönlichkeit unbarmherzig niedergekämpft hatte.
„Schaummänner mit... Kondomnasen... eingeschneit!“, würgte er zwischen geisteskrankem Gegackere heraus.
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