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Severus Snape und der Stein der Weisen

von sasa ray
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Albus Dumbledore Charity Burbage Harry Potter Minerva McGonagall Severus Snape
26.03.2012
31.07.2012
18
54.707
30
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
26.03.2012 3.070
 
Bei einem Teil dieses Kapitels habe ich mir von der rudeleigenen Schreibwerkstatt helfen lassen. Vielen Dank nochmal (irm63, Tastentanz, Kakyuu, Noir13, garunga, attack09)!
Ihr wisst schon: tollstes Rudel der Welt:  http://www.das-rudel-heult.de/index.php?sid=



In der Winkelgasse — Alte Bekannte



Am Vormittag des letzten Julitages 1991, brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Severus Snape schwitzte in seiner schwarzen Robe und ärgerte sich, daß er diese Kältezauber nicht besser beherrschte. Albernes Zauberstabgefuchtel — aber ungemein praktisch. Er würde im neuen Schuljahr doch zu Filius gehen und sich das nochmal zeigen lassen. Irgendeine Ausrede würde ihm schon einfallen, die ihm ermöglichte, sein Gesicht zu wahren.
Immer, wenn er einen Kältezauber anwandte, funktionierte es entweder gar nicht, oder zu gut und er hatte nach kurzer Zeit schon Raureif an den Ärmeln. Sehr lästig, das Ganze.
Komisch, er war ein sehr fähiger Zauberer, aber diese ganz einfachen Dinge, die man schon im zweiten oder dritten Jahr lernte, die misslangen ihm oft.
Auf die Idee, einfach weniger anzuziehen, kam er nicht.

In London war es noch wesentlich wärmer als im schottischen Hochland und Snape verfluchte Dumbedores nette Aufgaben. Sollte er doch selber diesen Hohlkopf von Quirinius Quirrell einsammeln.
Das nächste Mal, so schwor Snape sich, wie immer bei solchen Gelegenheiten, würde er Nein sagen. Ganz bestimmt.

Mies gelaunt war er vor dem Tropfenden Kessel angekommen, diesem winzigem, schmuddelig wirkenden Pub zwischen einer großen Buchhandlung auf der einen, und einem Plattenladen auf der anderen Seite.
Er seufzte und tat sich ungeheuer leid. Träge umherblickend, wollte er eben den Tropfenden Kessel betreten, da blieb sein Blick an der Auslage der Buchhandlung hängen.
Ein großes, neongelbes Schild pries eine Neuerscheinung an.
Snape trat näher.
Ein recht hoher Stapel Bücher, auf deren Cover ein Knochengerüst mit einer Sense und einem langen, schwarzen Umhang zu sehen war.
"Terry Pratchett - Alles Sense", konnte man lesen. Ehrfürchtig, wie Severus Snape jedes Buch in die Hand nahm, nahm er auch dieses in die Hand.
Es war nicht die Qualität, die er von seinen magischen Fachbüchern gewohnt war. Dicke Folianten mit echtem Pergament und ledernen Einbänden. Handgebunden.
Nein, es war billiges, säurehaltiges Papier, das in seinen Kerkern schnell fleckig werden würde. Der Leim der Bindung würde sich auflösen, aber irgendetwie zog es ihn magisch an.

Er drehte das Buch um. Zehn Pfund sollte es kosten.
Jahrelang hatte er nichts mehr in einem Muggelladen gekauft, oder mit Muggelgeld bezahlt und einen Moment lang rang er mit sich, das Buch einfach unter seinem Umhang verschwinden zu lassen.
Dann besann er sich eines Besseren, verwandelte einen Knut in eine Zehnpfundnote und ging mit unbewegter Miene in den Laden. Er musste nicht mal ein Wort sagen. Er legte das Buch auf die Theke, die Pfundnote. Die Verkäuferin, die rote Haare hatte und Sommersprossen, lächelte ihn an und reichte ihm, ebenso wortlos das Buch und einen kleinen Zettel, nachdem sie etwas in einen komischen Kasten getippt hatte, in dem dann auch der Geldschein verschwand.
Nur einen Augenblick später stand Snape wieder auf der Londoner Straße, verstaute das Buch in seiner Robentasche und betrat nun endlich den tropfenden Kessel.

Abgestandene, muffige Luft. Ein leises Summen von Gesprächen.
In einer Ecke saßen ein paar ältere Frauen und tranken Sherry aus kleinen Gläsern. Eine von ihnen, Lady Zenyatta, die Inhaberin eines kleinen Unterwäschehandels in der Nokturngasse, rauchte eine lange Pfeife. Sie schenkte Snape ein kurzes Lächeln und nickte ihm zu. Snape erwiderte den Gruß, setzte sich dann aber, nach kurzem Zögern zu Tom, dem Wirt, an die Theke.

"Das Übliche, Snape?", fragte Tom und griff schon nach einem Glas.
"Heute nicht, Tom, ich möchte nur jemanden abholen. Ist Quirinius Quirrell schon eingetroffen?"
"Ich hab 'ne Kneipe und keine Bahnhofshalle", maulte Tom und verteilte jetzt weiter den Schmutz mit einem zerfetzten Lappen auf der Theke.
Beinahe hätte Snape geschmunzelt, aber nur beinahe.
Nicht, daß er den berühmten Pub nicht öfter aufsuchen würde. Es war immerhin eine der populärsten Verbindungen zwischen magischer und nichtmagischer Welt und auf jeden Fall der bequemste Weg in die Winkelgasse.
Aber er hatte noch nie irgendetwas getrunken, dort. Nicht ein einziges Mal. Und jedesmal fragte Tom: "Das Übliche, Snape?"
Und eigentlich jedesmal antwortete Snape: "Danke, nein. Nur aufwärmen."

"Ist Quirrell jetzt schon da, oder nicht?", fragte er heute ungehalten.
"Ich plaudere nicht über meine Gäste", entgegnete Tom verschnupft, "Diskretion, mein Lieber, Diskretion!"
Snape schnaubte missbilligend — ausgerechnet Tom, die größte Quatschtante der nördlichen Hemisphäre. Das war ja wohl ein Witz.

Die Hexe mit dem Unterwäscheladen kam Severus unerwartet zur Hilfe.
"Der pennt noch", krähte sie durch den ganzen Raum und lachte keckernd. Ihre Saufkumpaninnen fielen in das Gelächter ein und Snape beschloss, daß Diskretion manchmal doch nicht das schlechteste war. Jedenfalls verzichtete er dankend auf die schmutzigen Details.

"Gut denn", sagte er leise zu Tom, "dann werde ich noch einige Besorgungen machen und wenn ich in einer Stunde wieder herkomme, dann ist dieser Quirrell fertig zur Abreise, oder ich fluch' dir den ganzen Laden zusammen."
Tom spuckte abfällig aus, aber Snape nahm befriedigt ein leicht nervöses Zucken um das linke Auge des alten Wirtes zur Kenntnis.
Mit einem sardonischen Lächeln verließ er den Laden in Richtung Winkelgasse.



Seine ersten Schritte führten ihn in die Apotheke. Hier stank es fürchterlich nach einer Mischung aus faulen Eiern und verrottetem Kohl, doch Severus wartete noch immer auf das schon vor Wochen bestellte Wasser aus dem Lethefluss. Das konnte doch eigentlich gar nicht so schwierig sein.
Aber auch diesmal bedauerte der alte, kurzsichtige Apotheker, die Bestellungen aus dem Nahen Osten träfen nur sporadisch ein.
Da wunderten sich die Leute, daß immer mehr Zauberer in der Nokturngasse einkauften.
Snape hätte wetten können, daß er den Kram dort schon längst in Händen halten würde.

Immerhin war Drachenleber und Wolfswurz wieder zu haben, das war ja schon mal was. Auch wenn er an beiden Zutaten keinen akuten Mangel litt, ließ er sich von beidem etwas, direkt nach Hogwarts schicken.
"Was kostet die Drachenleber überhaupt?", fragte Severus sicherheitshalber.
"Siebzehn Sickel die Unze", sagte der Apotheker leise und beiläufig.
Severus blieb kurz die Luft weg. Das war ja wirklich Wucher. Er versuchte sich den Schrecken nicht anmerken zu lassen.
Die müssen verrückt sein, dachte er und versuchte sich nicht Albus Reaktion auszumalen, wenn er die Rechnung kriegen würde.

Erst als Severus wieder auf der sonnenbeschienenen und sehr belebten Straße stand, fiel ihm ein, daß sich der Lethefluss in Griechenland befand und er überlegte ernsthaft, ob Griechenland im Nahen Osten lag. Er schüttelte den Kopf über sich selber. Belustigt.
Und lief weiter, vielleicht doch kurz in die Nokturngasse ...

Vor einem Besenladen drückten sich ein paar Jungs die Nasen platt. In der Auslage war der neue Nimbus Zweitausend zu bewundern. Der schnellste Besen überhaupt.
Mit Mühe hielt Severus sich davon ab, sich zwischen die Halbstarken zu drängeln, um einen genaueren Blick zu riskieren.
Vermutlich war das Ding eh viel zu teuer. Und er brauchte auch keinen neuen Besen. Sein alter C42 war noch einwandfrei. Gut, er hätte besser gepflegt sein können. Aber egal. Hauptsache, er funktionierte.
Severus musste immer ein wenig an sich halten, wenn er Filius, den er für einen einigermaßen intelligenten Menschen hielt, stundenlang am Reisig seines Flugbesens herummachen sah. Eine Art Ersatzbefriedigung vielleicht.

Vor Eeylops Eulenkaufhaus stutzte Snape ein weiteres Mal. In einem Einzelkäfig hockte eine ausgesprochen schöne Schneeeule. Tief schlafend mit dem Kopf unter einem Flügel.
Wunderschön!
Aber auch teuer und unnötig.
Nicht, daß er es sich nicht hätte leisten können. So ein Tier wäre ja auch nicht die schlechteste Gesellschaft. Die Frage wäre nur, ob sie bei ihm im Kerker hätte wohnen wollen ...
Tief in Gedanken hätte er beinahe den schlanken, blonden Mann in der sehr teuren, cremefarbenen Robe angerempelt, der da vor Madam Malkins Anzüge für alle Gelegenheiten herumstand.
Ihm gefror das Blut in den Adern als er den Mann erkannte.



Severus Snape sah leider keine Chance, sich einfach unbemerkt in Luft aufzulösen, denn der andere Mann hatte ihn offensichtlich schon erkannt. Das war nicht das Schlimmste.
Mit Verärgerung hätte er leben können, mit einer groben Beschimpfung, einer Zurechtweisung.
Aber nein, der Blonde, der Snape nur zu vertraut war, lächelte einnehmend. Er schien ehrlich erfreut zu sein.
"Severus, was für eine Freude, dich zu sehen! Ich kann es kaum glauben! Wie ist es dir ergangen, mein Guter?"

Severus schüttelte sich innerlich. Ausgerechnet Lucius Malfoy.
Der Lucius Malfoy, der immer nett zu ihm gewesen war und höflich. Der ihn nie hatte spüren lassen, daß er eigentlich nicht dem malfoyschem Niveau entsprach.
Der ihn eingeladen hatte zu allen familiären Anlässen des weitverzweigten Malfoy-Clans und der nie erbost war, daß Snape keiner dieser Einladungen jemals gefolgt war.
Und der Lucius Malfoy, der auch ein Todesser war, ein Anhänger des Dunklen Lords. So wie er selbst.

Er nickte steif.
"Lucius", grüßte er leise und hoffte, daß Lucius keine Zeit haben würde. Seine Hoffnung erwies sich schnell als unbegründet.
"Das trifft sich aber ausgesprochen gut. Mein Draco bekommt gerade seine Schuluniform. Ich habe also ein Weile Zeit, warum setzen wir uns nicht einen Moment zu Fortescues und plaudern ein wenig?"
Alles, bloß das nicht, dachte Snape und sagte: "Meinetwegen."
"Wie die Zeit vergeht, wie die Zeit vergeht", monologisierte Lucius unerbittlich vor sich hin, fasste Snape am Arm und zog ihn Richtung der lustigen Tischchen und der filigranen Stühle, die sich aus dem Eissalon hinaus auf die Straße ergossen.

Severus folgte wie ein Kalb zur Schlachtbank.

Wenig später schon saßen sie nicht allzu exponiert im Schatten, an einem der Tische und mit einem guten Blick auf das geschäftige Treiben der Winkelgasse. Lucius genehmigte sich einen Prosecco, neumodisches Zeug.
Snape hatte ein großes Glas Wasser vor sich stehen. Lucius schüttelte den Kopf.
"Du hast dich gar nicht verändert. Immer noch vernünftig und besonnen."
Und so wie Lucius diese beiden Adjektive betonte, klang es nicht nach einem Kompliment.

Severus schnaubte unwillig und Lucius lenkte gleich ein.
"Schon gut, schon gut, das war nicht abwertend gemeint. Wirklich nicht."
Dann lehnte er sich zurück und betrachtete Severus eingehend.
"Beinahe zehn Jahre", sann er nach, "mein Draco wird nach den Ferien Hogwarts besuchen. Ich kann es kaum glauben ... wenn ich so zurückblicke ..."
Severus war alarmiert. Er wollte nicht zurückblicken. Ein wenig verzweifelt nippte er an seinem Wasser und wich Lucius' Blick aus.

"Jaja", fuhr Lucius unbarmherzig fort, "was hatten wir für Ideen und Pläne! Gut, jetzt ist natürlich alles anders, wenn man Kinder hat und Verantwortung ..."
"Hast du noch mehr Kinder?"
"Nein, nur Draco, offiziell."
Er grinste süffisant. Severus nickte ergeben und nahm einen weiteren Schluck Wasser.
"Du wirst doch ein Auge auf meinen Draco haben? Er ist außerordentlich talentiert und er hat bestimmt auch Interesse an der Giftmischerei."
Severus zuckte zusammen und Lucius lachte.
"Nichts für Ungut, du erinnerst dich ja wie unbegabt ich in diesem Fach war."
Nein, natürlich erinnerte Severus sich nicht. Der Blonde war sechs Jahre älter als er selbst. Ihre gemeinsame Schulzeit war ausgesprochen kurz gewesen.

Sie trafen sich wieder als treue Gefolgsleute des Dunklen Lords, wobei Lucius aufgrund seiner guten Kontakte, seines Geldes und so weiter, immer ein wenig höher gestellt war als Snape.
Die niederen Aufgaben im Kreise der Todesser waren den niederen Chargen vorbehalten geblieben. Der innere Zirkel machte sich die Finger nicht schmutzig und eben Snapes Talent als Giftmischer hatte ihm ermöglicht, selbst in diesem inneren Zirkel geduldet zu werden.

"Nun", Lucius schaute ins Nirgendwo, "wenn man sich heute so umsieht", und er fixierte eine Horde lärmender Kinder die in Begleitung von zwei Erwachsenen in Muggelkleidung den Eissalon stürmten, "dann weiß man nicht, wo das noch alles enden soll."
Er beobachtete Snape genau. Dessen Miene jedoch war unbewegt. Lucius fuhr fort.
"Wenn es so weitergeht, dann sind wir bald nichts mehr wert im eigenen Land. Der Minister ist zu lax. Muggelgeborene überschwemmen die wichtigen Ämter und nehmen den altehrwürdigen Zaubererfamilien die Arbeitsplätze weg. Das ist doch nicht gerecht."
Snape lächelte fein. Lucius hatte nicht ganz unrecht.
Aus seiner Sicht.
Also aus Lucius' Sicht, um genau zu sein. Es ging um die Verteiung von Ressourcen und da war sich jeder selbst der nächste.

Die Reinblüter hatten Macht. Und die anderen wollten was vom Kuchen abhaben. Sonst nichts. Es ging nicht um Moral oder Gerechtigkeit. Es ging um Einfluss und Geld. Wie immer.

Snape nickte bedächtig. Er sah eine Möglichkeit.
"Um dieses Problem zu lösen ist ein stärkerer Mann von Nöten als Cornelius Fudge es ist", sagte er, "Und ein solcher Mann ist wohl nicht in Sicht."
Lucius lächelte vielsagend.
"Nein, ein solcher Mann ist nicht in Sicht. Deshalb ist es mir auch wichtig, daß Draco einen vorzüglichen Schulabschluss macht."

Aha, Lucius plante also langfristig. Nun gut.
"Den Zaubereiminister in der eigenen Familie zu haben wäre nätürlich ähnlich einträglich wie ein Dukatenesel."
Lucius lachte laut auf.
"Ich sehe schon, wir verstehen einander — lukrativ wie ein paar Niffler ..."
"Oder wie der Stein der Weisen!"
"Ahh", Lucius' Gesichtsausdruck nahm etwas Träumerisches an, "der Stein der Weisen. Das wäre noch was. Wenn ich ein solches Artefakt erwerben könnte, wirst du mir dann das Lebenselixier brauen? Das ist doch bestimmt ungeheuer kompliziert."

Snape verdrehte die Augen. Daß aber auch niemand Ahnung vom Zaubertrank brauen hatte! Schlimm!
Das war der Grund, warum alles immer schlechter wurde. Niemand hatte mehr Ahnung. Niemand wusste mehr was. Niemand interessierte sich mehr.

Bald schon verabschiedeten sich die beiden Männer, nicht bevor Lucius eine seiner unvermeidlichen Einladungen ausgesprochen hatte, die in Snape wieder einmal die Erkenntnis festigte, daß "gut gemeint" sehr selten auch "gut gemacht" war.
Er bedankte sich artig und Lucius bemerkte bedauernd: "Du wirst nicht kommen, nicht wahr?"
Snape war erstaunt.
Lucius sollte doch froh sein.
Wenn er nicht kam.



Als Snape zurückkehrte in den Tropfenden Kessel, erkannte er seinen neuen Kollegen sofort. Er saß verschüchtert allein an einem der Tische, mit einem merkwürdigem Turban auf dem Kopf und guckte verschreckt aus der Wäsche. Neben ihm stand ein alter, schäbiger Koffer.

Tom, der Wirt schrubbte noch immer missmutig auf seiner Theke herum.
"Jaja, ich weiß, nur aufwärmen", sagte er sofort als Snape eintrat und ihn mit seinem berühmten Ich-töte-Erstklässler-Blick bedachte.
Bitte. Geht doch.
Quirrell schien erleichtert, Snape zu sehen.

Gut, das würde ihm schon noch vergehen. Da war Severus ganz zuversichtlich.
"P-P-Professor Snape", würgte er sogleich hervor, was wohl einen Gruß darstellen sollte.
Severus stöhnte innerlich. Wieder so eine Pfeife, die ihm den begehrtesten aller begehrten Posten vor der Nase wegschnappte.
Und dann auch noch stotterte. Das konnte ja heiter werden. Jetzt musste Severus im Lehrerzimmer nicht nur darauf achten, Filius' Quiekstimme nicht nachzuäffen, jetzt kam auch noch ein Stotterer hinzu.
Glänzend.
"Sehr erfreut, können wir dann?", brachte er betont akzentuiert hervor und deutete eine steife Verbeugung an.

"Ich m-m-muss noch mein Buch abholen", protestierte Quirrell atemlos.
Severus holte tief Luft.
"Flourish & Blotts?", fragte Severus so desinteressiert wie möglich.
Quirrell nickte eifrig.
Entschlossen wandte sich Snape dem Ausgang zu und genoss jetzt schon, daß der wesentlich kleinere, schmächtige Mann Mühe hatte, ihm zu folgen.

Ein erster Eindruck? Snape versuchte seine Eifersucht in den Hintergrund zu drängen. Analytisch zu denken und nicht gefühlsbetont und kam doch immer wieder zum selben Ergebnis.
Erbärmlich.
Quirrell war erbärmlich!



Bei Flourish und Blotts angekommen, schnaufte Quirrell ein wenig und Schweißperlen standen ihm auf der Stirn wie Snape befriedigt zur Kenntnis nahm.
Quirrell ging sofort zur Kasse, vor der sich eine beträchtliche Schlange gebildet hatte. Scheinbar nahmen alle möglichen Leute die Gelegenheit wahr, heute für's neue Schuljahr ihrer Kinder einzukaufen.

Severus ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, ein wenig zu stöbern. Mindestens einmal im Monat kam er in den traditionsreichen Buchladen und besah sich die Neuigkeiten in Punkto Zaubertränke. Aber auch andere wissenschaftliche Bereiche hatten es ihm angetan. Alte Runen. Arithmantik.
Ganz besonders aber ein kleiner Tisch ganz im dunklen hintersten Eck des Ladens.
Exotica stand auf einem kleinen bronzenen Schildchen an der Tischkante. Und darauf lagen immer einzelne Exemplare ausgewählter Muggelliteratur.

Gut, niemand wusste, wer diese Bücher auswählte, geschweige denn nach welchen Kriterien.
Severus hatte schon ein Buch über theoretische Physik erstanden, einiges an Belletristik und unter anderem auch ein Buch über Ufos, welches sich als ziemlich schwachsinnig entpuppte. Das war aber auch der einzige Fehlkauf gewesen.

Heute kam Severus das Cover des neuen Buches bekannt vor. Alles Sense, das Buch, das er schon in diesem Muggelbuchladen gekauft hatte. Er nahm es mit einem Lächeln zur Kenntnis.
"Sie w-w-wollen so etwas doch nicht etwa kaufen?"
Snape wirbelte herum und Quirrell zuckte zusammen, blieb aber stehen, obwohl es so aussah als koste ihn das einige Überwindung.

Snape feixte.
"Nein", ölte er, "sicherlich nicht. Haben Sie Ihr Buch?"
Quirrell nickte.
"Dann nach Ihnen", und Snape feixte abermals.
Er folgte dem merkwürdigen neuen Lehrer, der fahrig voranschritt, aus der Buchhandlung heraus.
Diese verhuschte Erscheinung!
Dieser lächerliche Turban.

Und als sie so auf die belebte Straße traten, fasste Severus sich erschrocken an seinen linken Unterarm.
Sein Dunkles Mal schmerzte.
Kurz nur, aber es nahm ihm einen Moment die Luft zum Atmen.
Snape war erschrocken.
Nein, er war entsetzt. Aber so unvermittelt der scharfe, gleißende Schmerz gekommen war, so schnell war er wieder verschwunden und einen Moment später glaubte Snape, seine Sinne hätten ihm einen Streich gespielt.
Gewaltsam hielt er sich davon ab, den Ärmel seiner Robe hochzukrempeln und nachzusehen, oder weiter auf seinem Unterarm herumzureiben.
Seine Miene war unbewegt und mit Quirinius Qirrell, Seit an Seit, apparierte er nach Hogwarts.




A/N

Ja, die gute Zenyatta! Die hat im richtigen Leben keinen Unterwäscheladen in der Nokturngasse, sondern eine eigene Homepage { http://www.zenyatta.com/ } und sie ist dieses Jahr Mutter geworden. Sie ist auch eine Großcousine zu meinem Pferd (sie haben mit Sadler's Wells denselben Großvater) — allerdings enden die Gemeinsamkeiten schon nach dieser weitläufigen Verwandschaft ...
Schade eigentlich. Zenyatta hat richtig Geld verdient. Mein Seppelchen frisst mir einfach nur so die Haare vom Kopf, ohne die geringste materielle Gegenleistung. Ich hoffe, er tut das noch lang!
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