Arresto Momentum

von Keiraleth
GeschichteFantasy / P12
23.03.2012
16.08.2012
51
232523
56
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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Autor: Keiraleth
Titel:  Arresto Momentum
Untertitel: Sag’s nicht laut, mein Schatz
Charaktere:  Hermione Granger, Harry Potter, Ron Weasley, Figuren der „Herr der Ringe“ - Filme  
Altersfreigabe:  FSK 12

Klappentext:
Es ist die letzte Schlacht im Kampf gegen Lord Voldemort und sie scheinen zu gewinnen. Doch da holt er sein As aus seinem Ärmel und vollbringt etwas, womit lediglich Albus Dumbledore gerechnet hat. Er erschüttert das Gleichgewicht der Zeit und verändert sie bis auf den Grund. Alles ist anders. Alles ist falsch.
Und sie verlieren.
Der einzige Weg diese Dinge rückgängig zu machen, liegt in einem Zeitumkehrer, ein Unikat, unerprobt und undurchschaubar.
Harry, Ron und Hermione geben ihr bisheriges Leben auf für eine Reise deren Ziel und deren Ausgang sie nicht kennen, auf die sie jedoch ihre gesamten Hoffnungen setzen.
Eine Reise durch die Zeit.

Hinweis: Dies ist der erste Teil einer Crossover-Saga, die sich die „Timeturner-Saga“ nennt. In sich gesehen, gibt es aber natürlich in jedem Teil einen Anfang und ein Ende.

Anmerkungen: In diesem Fanfiction-Crossover gehe ich davon aus, dass die Handlung des siebten Harry Potter Bandes nie geschehen ist. Auch die Geschichte der Horkruxe ist kein Teil dieser Story. Trotzdem hoffe ich, dass es euch Spaß machen wird diese Geschichte zu lesen, wie es mir auch selbst Spaß gemacht hat sie zu schreiben.
Überdies orientierte ich mich an den Filmen der „Herr der Ringe“-Triologie und NICHT an den Büchern. Ich kenne die Bücher, liebe sie und habe sie mehrmals gelesen, aber das ändert nichts an dieser Entscheidung.

Disclaimer:  Ich besitze keine Rechte an der "Harry Potter"-Reihe oder dem „Der Herr der Ringe“ und verdiene mit dieser FF auch kein Geld. Die "Harry Potter"- Serie ist J.K.Rowlings geistiges Eigentum, „Der Herr der Ringe“ ist J.R.R. Tolkiens geistiges Eigentum und die Idee zu dieser FF und die Handlung aus Sicht des Trios sind mein geistiges Eigentum.
Ihr werdet feststellen, dass es Gesprächsanteile gibt, die euch bekannt vorkommen werden – nun dann werdet ihr auch verstehen, dass diese Sequenzen Eigentum von New Line Cinema sind – soweit man das so sagen kann. Ich habe sie jedoch modifiziert und dies wäre dann MEIN Anteil.

Zu guter Letzt: VIEL SPAß BEIM LESEN! Ich würde mich über Rückmeldungen sehr freuen, ist es doch das, wovon FF-Autoren leben.




Arresto Momentum


::Sag’s nicht Laut, mein Schatz::





Arresto Momentum: [lat. arresto = anhalten, momentum = Bewegung] Zauber, um die Bewegung zu verlangsamen



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°°Mysterious Thing, time. Powerful and when meddled with, dangerous.°°
(Albus Dumbledore – Harry Potter and the Prisoner of Azkaban)

°°Halte immer an der Gegenwart fest. Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit. °°
(Johann Wolfgang von Goethe)

°°Du hast einmal zu uns gesagt, dass noch Zeit sei zum Umkehren, wenn wir wollten. Wir hatten Zeit, stimmt’s?°°
(Hermione Granger – Harry Potter und der Halbblutprinz)

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“The world is changed. I feel it in the water. I feel it in the earth. I smell it in the air. Much that once was is lost, for none now live who remember it.”

The Lord Of The Rings, The Fellowship Of The Ring



Prolog
Das As im Ärmel



“Ginny! Habt ihr Ginny gesehen? Sie musste doch ... habt ihr sie gesehen? GINNY! GINNY!“ Rons besorgte und von Adrenalin geschwängerte Stimme, veranlasste Hermione sich hastig umzudrehen. Sie stieß fast mit ihrem besten Freund zusammen und packte ihn erschöpft am Ärmel seines kastanienbraunen Pullovers.  
„Merlin, wir haben dich gesucht, wo warst du?“, fragte sie erleichtert und wischte sich mit dem Handrücken Russ aus dem Gesicht, der Gefahr lief von Tränen der Freude bedeckt zu werden. Ihre Hand zitterte. „Harry ist losgerannt als wir bemerkt haben, dass du nicht mehr bei uns bist. Ich wollte ihm hinterher, aber der Gang ist zusammengebrochen und überall war Staub und ich …wir haben uns solche-“
„Hermione, Fred hat gesagt, dass sie Ginny bei der Evakuierung verloren haben!“ Hermiones Frage lag ihr gerade auf der Zunge, doch Ron machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ja, Fred. Er kam mit dem Orden und wurde dazu beordert nach den Schülern zu sehen, nur leider ging das irgendwie völlig schief. Überhaupt, alle Ausgänge sind belagert, die Hufflepuffs sind in Hogsmeade abgefangen worden, es fehlen immer noch etliche, alle anderen sind zurück ins Schloss geflüchtet … Wo ist sie, verdammt noch mal?“ Er riss sich aus Hermiones sanftem Griff los und drehte sich im Kreis als hoffte er, dass Ginny hinter der nächsten Korridorecke erscheinen würde. Sein Gesicht war von Besorgnis gezeichnet und über seinem rechten Auge trug er eine bereits getrocknete Platzwunde, sein rotes Haar stand nach allen Seiten ab. Geschrei, Getrampel und Explosionen waren in der Ferne und auch in näherer Umgebung zu vernehmen, doch in diesem Teil des Schlosses erschien es bisweilen ruhig.
„Sie wird-“ Hermione schluckte. Sie mochte sich nicht vorstellen, welchen Verlust Ginnys Tod darstellen würde und sprach sich selbst Mut zu. „Ginny ist klug. Sie wird es schaffen. Es herrscht sowieso überall Chaos, sie wird sich zurückgezogen haben …“
„Eben nicht! Du kennst Ginny, sie will am Gefecht teilnehmen und glaub mir, die Todesser würden sie nur zu gern töten.“
„Sie würden uns alle gerne töten und wir leben noch, oder?“ Sie wusste, dass ihr Argument schwach war, dass es nicht ihren sonstigen logischen und stringenten Aussagen entsprach, aber sie wusste auch, dass Ron jetzt Trost brauchte und dass er sich davon beruhigen lassen würde. Logik war hier nicht angebracht. Logik würde besagen, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit bestand, dass Ginevra Weasley in Gefangenschaft geraten oder noch weit schlimmer, bereits gestorben war oder verletzt und ohne Hilfe unter Trümmern lag. Logik kam der Wahrheit am nächsten. Und die tat weh.
„Wo ist Harry lang gelaufen?“ Jetzt klang seine Stimme rau und Ron wirkte müde. Sie waren müde, der Kampf zog sich nun schon Stunden dahin, ohne Pause, ohne Erbarmen.
Morgens in aller Frühe war Voldemorts gesamte Armee vor den Toren des Schlosses erschienen, in Gewahrsam ihren gefangen genommenen Verteidigungslehrer, der ihnen Zutritt verschaffen hatte. Er musste lange gelitten haben, bevor er nachgegeben und die Schule ihrem möglichen Niedergang überlassen hatte. Und lange Zeit sah es aus als hätten sie keinerlei Chancen. Die Notfallpläne für eine Belagerung versagten, der Kontakt zur Außenwelt brach ab und die Evakuierung der Schüler endete im Chaos. Es gab bereits jetzt viele Tote. Doch dann war der Orden erschienen mit einer so hohen Mannzahl, dass sie jeden verblüfften, nicht nur die Gegenseite. Frankreich hatte sich endlich entschlossen in den Krieg gegen Voldemort zu treten, Auroren waren schnellstmöglich angereist. Und nun war die Schlacht übers ganze Schloss verteilt, mitten drin Schüler, teils Kinder, und Harry Potter, der Voldemorts eigentliches Ziel blieb …
Hermione schüttelte bei diesem Gedanken den Kopf und setzte zur Antwort an: „Er wollte in Richtung der einäugigen Hexe, wohin alle Gryffindors geschickt wurden … Er dachte, du wärst den anderen hinterher …Du bist doch-“ Ihre Stimme erstarb in einem ohrenbetäubenden Lärm und plötzlich erfasste sie eine Druckwelle, die sie nach hinten riss, Steine aus den Wänden schlug und sie gegen eine Mauer schleuderte.
Hermione wurde erst weiß, dann schwarz vor Augen. Ihr Kopf explodierte.
„HERMIONE!“ Sie vernahm ein heftiges Husten zu ihrer Linken und öffnete schmerzvoll die Augen. Staub und Schutt wirbelte durch die Luft, so viel, dass sie nichts erkennen konnte. Das Bild verschwamm immer wieder, dann nahm sie die Silhouette von Ron war, der sich ihr auf Vieren näherte und nach ihrem Arm griff. Das Bild war gekippt. Nur langsam wurde ihr bewusst, dass sie auf dem Boden lag. Er packte sie am Arm und schüttelte ihn.
„Hermione, geht’s dir gut?“ Blut lief ihm den Arm hinab, er hielt ihn seltsam verkrampft …
„Ich – ich weiß nicht …“, wisperte sie und bemerkte einen unappetitlicher Geschmack, der ihren Mund erfüllte, salzig, metallisch …
„Du blutest. Am Kopf. Beweg dich nicht, ich hol’ Hilfe.“ Ron versuchte aufzustehen, ächzte und lehnt sich an die Wand, die hinter ihm lag.
„Nein, ich komme mit“, murmelte sie schwach und startete einen Versuch sich aufzurichten. Ihr wurde schwindelig und übel, ein stechender Schmerz zog durch ihre Stirn, aber ansonsten ging es. „Ich glaub, es ist nicht so schlimm …“ Vorsichtig hob sie ihre Hand und näherte sie der Stelle, an der sie die von Ron beschriebene Platzwunde vermutete, doch er hielt sie zurück.
„Fass das lieber nicht an! Nicht, dass es dreckig wird.“
„Ron, hier ist überall Staub und Dreck in der Luft! Schmutziger kann es nicht werden …“, widersprach sie in einem bissigen Ton und fühlte sich sofort schuldig. Ron konnte nichts dafür, er sorgte sich nur … „Tut mir Leid“, flüsterte sie schnell. „Ich wollte nicht-“
„Schon okay. Du hast Recht.“
„Nein, ich wollte wirklich nicht-“
„Komm.“ Er reichte ihr seine unverletzte Hand und unterbrach sie entschieden. Er wirkte nicht wütend, es war ihm egal, sie brauchte sich nicht zu entschuldigen. Erleichtert ließ sie sich vom Boden helfen und fasste sich erneut an den Kopf. Vermutlich war das eine Gehirnerschütterung, die Symptome deuteten zumindest darauf hin. Auf zittrigen Beinen tastete sie nach ihrem Stab in ihrer Hosentasche; er war zum Glück noch ganz, ein Bruch wäre eine Katastrophe gewesen.
„Alles okay?“, fragte Ron. Sein Gesicht war schmerzverzerrt, sein Arm musste mindestens genauso stechen wie ihr Kopf. Sie nickte und hustete, der Staub reizte ihre Lungen.
Immer noch war niemand zu sehen, auch jetzt wo die vielen Partikel in der Luft sich langsam wieder legten. „Das war ein abgelenkter Fluch“, schlussfolgerte sie heiser. „Vermutlich ein Todesfluch oder etwas ähnlich Machtvolles.“
„Was machen wir jetzt?“ Ron schien unentschieden und der Zwang zur Entscheidung quälte ihn, es gab so viele Möglichkeiten für sie. Sie konnten nach Ginny und Harry suchen, sie konnten versuchen einen sicheren Flecken zu finden, damit sie sich nicht noch schlimmer verletzten, oder sie konnten den Kampf aufsuchen, der irgendwo in diesem Schloss wütete …
„Wir gehen in Dumbledores Büro“, entschied Hermione zu ihrer eigenen Verwunderung. „Ich habe das Gefühl, wir können von dort aus mehr verrichten.“
Ron überlegte einen Moment und nickte dann zustimmend. Er schien froh, dass ihm jemand die Wahl abnahm. „Vielleicht finden wir auch Jemanden unterwegs …“, murmelte er, Hoffnung schwang in seiner Stimme mit.

Es schien, dass sie sich dem Getümmel näherten, als sie schnell und doch aufmerksam die Korridore durchquerten. Im dritten Stock liefen sie einer Gruppe maskierter Todesser über den Weg, die sie in die Mangel nahmen, doch mit einem gekonnten Ablenkungsmanöver von Seiten Hermiones und einigen Abwehrflüchen befreiten sie sich aus der beklemmenden Situation und ließen die drei bewusstlos hinter sich. An der Treppe beobachteten sie Dolohov, der auf der Suche nach einem Gegner die Stufen herabstürzte, doch zu ihrer Erleichterung eine andere Abzweigung einschlug, nachdem er einen seiner Mitstreiter entdeckte. Nach einigen Sekunden der Beobachtungen betraten sie den von allen Seiten sichtbaren und somit schutzlos offenen Bereich des Treppenhauses des Schlosses.
Sie gingen schnell und schafften es ohne bemerkbare Aufmerksamkeit auf die Stufen, doch als sie die Mitte der Treppe erreichten, setzte sie sich in Bewegung und Hermione stolperte überrascht.
„Schnell, sie dreht sich!“, rief Ron und nahm gleich mehrere Stufen auf einmal, Hermione folgte ihm erschöpft nach einem Moment der Überraschung. Am Ende der Treppe nahm er Schwung, stieß sich vom oberen Absatz und landete schwankend im richtigen Gang. Hermione zögerte eine Sekunde zu lange und die Chance war vertan. „Spring!“, schrie Ron und gestikulierte, sein rechter Arm schien mittlerweile geschwollen.
„Ich kann nicht“, schüttelte sie den Kopf, während sich die Treppe immer weiter von ihm entfernte; ihre Hand klammerte sich an das Gelände, als könne dieses sie vor ihrer Entscheidung schützen. „Verdammt, ich fang dich! Versprochen.“
„Es ist zu weit, das schaffe ich nicht. Wir - wir treffen uns vor dem Büro!“, rief sie zurück und umgriff ihren Stab stärker, der in ihrer anderen Hand lag. „Sei vorsichtig, Ron!“
Die Treppe schloss sich nahtlos an einen Absatz und blieb mit einem Ruck stehen. Einen kurzen Moment blickten sie sich noch über die Entfernung in die Augen, Ron wirkte fassungslos und geängstigt zugleich und sie wusste, dass aus ihrem Ausdruck das Gleiche sprach, dann richtete Hermione ihren Blick nach vorne und trat mit klopfenden Herzen in den von der Abendsonne erfüllten Gang, der vor ihr lag. Er schien menschenleer und doch erfüllte sie eine Vorahnung, dass ihr hier Gefahr drohte.
Die Mauern waren geschwärzt und teils von Sprenglöchern übersäht, Zeugen dafür, dass hier bereits ein Kampf stattgefunden hatte. Ansonsten tiefe Stille.
Ihr Herz klopfte heftig und in ihren Ohren verräterisch laut.
Bleib ruhig, beschwor sie sich selbst und machte ein paar zögerliche Schritte. Der Klang ihrer Schuhe erfüllte augenblicklich den Gang und ließ sie noch vorsichtiger auftreten.
Langsam, Schritt für Schritt, kam sie voran, während sie ihren Stab unablässig hin und her schwang. Ihre Augen wanderten rastlos über jeden Schatten, hinter jede Figur, die noch erhalten war. Als sie eine Vertiefung in der Mauer erreichte, stolperte sie fast zurück vor Schreck. Mehrere Paar Augen blickten ihr entgegen und drei erhobene Stäbe zielten auf sie. Sofort wurden sie gesenkt.
„Hermione“, flüsterte Neville. Er schien unversehrt, während Luna neben ihm ein blaues Veilchen zierte und ein offenbar jüngerer Schüler seinen Arm in einer improvisierten Schlinge hielt. „Komm her, bevor dich jemand sieht!“
Sie schüttelte entschlossen den Kopf. „Habt ihr Harry oder Ginny gesehen?“ Ein Funke der Hoffnung beschlich sie, wurde aber von den traurigen Gesichtern ihrer Freunde enttäuscht.
„Nein, du bist die Erste, die uns begegnet“, sagte Luna sanft, ihr aschblondes Haar war verdreckt und ein rotes Rinnsal zog sich an ihrem Vorderkopf hinab. „Außer einer kleinen Gruppe von jungen Todessern.“ Dem kleinen Jungen neben ihr standen die Tränen in den Augen.
Ein unerwarteter Laut veranlasste Hermione zu ihnen in Deckung zu springen. Wachsam lugte sie um die Wand herum, doch nichts war zu sehen. Der Kleine wimmerte.
„Ruhig, keine Sorge, da ist niemand“, flüsterte Hermione und hoffte innig, dass es die Wahrheit war. Eine weitere Gruppe von Voldemorts Männern konnte sie jetzt wenig gebrauchen.
„Willst du wirklich-“, warf Neville noch einmal zweifelnd ein.
„Ich muss, ich hab Ron versprochen ihn bei Dumbledores Büro zu treffen!“, antwortete sie entschieden.
„Aber da oben wimmelt es von Todessern! Wenn sie dich sehen-“
„Passt auf euch auf“, murmelte sie und überging seinen Einwand, dann trat sie wieder aus dem Versteck, der Gang war nach wie vor leer.
Sie erreichte das Ende des Ganges schneller als erwartet, doch an der Ecke drosselte sie erneut ihr Tempo. Stimmen wehten zu ihr herab, am oberen Ende der kleinen Treppe stand ein kleines Grüppchen Todesser, offenbar ein Wachposten.
„Die Auroren drängen uns zurück!“, verkündete ein offenbar erst kürzlich hinzugetretener Zauberer. „Das sind mehr als wir erwartet haben.“
„Frankreich wird noch sehen, was sie davon haben“, spie ein anderer aus.
So leise wie möglich, zog Hermione ihren Kopf wieder zurück und atmete rasselnd aus. Ihr Herz schlug nun noch schneller, auch wenn sie nicht gedacht hätte, dass das ging. Sie lehnte sich so dicht wie möglich an die Wand und ging noch einmal ihre Optionen durch. Entweder konnte sie zurück gehen und hoffen, dass die Treppe günstig stand, sodass sie zurück zum Ausgangspunkt kehren und einen neuen Weg finden konnte oder sie versuchte sich an der Gruppe in den gegenüberliegenden Korridor vorbei zu schleichen. Die Treppe hier, die den kürzesten Weg darstellte, war schließlich versperrt; gegen acht ausgewachsene Zauberer hatte sie keine Chance.
Sie stöhnte innerlich auf, keine Möglichkeit fand ihr Gefallen. Noch einmal lugte sie um die Ecke. Die Todesser hatten sich keinen Deut gerührt, blickten nun aber gemeinsam einen anderen Korridor hinab, offenbar hatte etwas ihre Aufmerksamkeit erlangt.
Einen Moment zögerte sie, dann zählte sie bis drei.
Schnell und doch so leise wie möglich durchquerte sie den Gang und hielt den Atem an.
„Hier lang!“ Ein Schrei durchbrach die Stille, weit entfernt und doch laut genug, und ließ Hermione kurz vor der Mauer vor Angst erstarren, doch – zu spät. Die gesamte Aufmerksamkeit war nun auf sie gerichtet, schallte es schließlich aus ihrer Richtung.
„Hey! Stehen bleiben!“
Ohne eine Sekunde länger zu zögern, verfiel sie in einen Sprint und sprang um die Ecke, ein grüner Fluch barst hinter ihr an der Mauer. So schnell sie konnte lief sie den Korridor hinab, nichts ahnend, was sie am anderen Ende erwarten mochte, während Flüche an ihr vorbei flogen und die Todesser die Jagd auf sie eröffnet hatten. Mehrmals duckte sie sich gerade noch, ein gelber Fluch streifte ihren Arm und riss eine weite Wunde auf, die sie schmerzvoll aufschreien ließ. Mehreren Ecken und einen Geheimgang später schien sie die Männer jedoch abgehängt zu haben, ihre Stimmen verflüchtigten sich.
Schwer atmend und mit stechendem Kopf verschwand sie hinter einer Ritterrüstung in einen engen Tunnel und versuchte ihre Orientierung wiederzuerlangen. Zum Glück hatte sie ihre Flucht ihrem Ziel näher gebracht und nicht fort. Am Ende des Tunnels schob sie einen vor ihr postierten, fleckigen, dunkelblauen Wandteppich beiseite und starrte direkt auf den mannshohen goldenen Adler, der den Eingang zum Büro des Direktors markierte. Entgegen Nevilles Prognose erschien der Gang ruhig. Sie erinnerte sich, was der Todesser erwähnt hatte, die Auroren besaßen gerade die Übermacht, Voldemort war zurückgedrängt worden. Zumindest das lief positiv für sie.
„Hier!“ Entsetzt wirbelte Hermione herum und blickte auf die Stabspitze einer ihrer Verfolger, der sich offenbar im Dunkeln von hinten herangeschlichen hatte. „Ich hab’ sie!“, rief er laut genug, um in den nächsten Korridoren gehört zu werden. Den Mann zierte eine Narbe quer über seinem Gesicht, schwarze Bartstoppeln verdeckten sie teilweise, seine Augen blickten triumphierend. „Stab fallen lassen und umdrehen, Kleine.“
Ein roter Lichtblitz erschien jedoch, bevor Hermione eine Regung vollziehen konnte, und der Todesser brach zusammen und eröffnete freie Sicht auf eine weitere Person.
„Harry!“, schrie sie überglücklich auf und fiel ihm um den Hals.
„Shht! Sonst hören sie uns noch.“ Er war unversehrt, nur Staub und Russ zogen sich über seine gesamte Kleidung, seine Brille hing ihm etwas schief von der Nase. „Wir hatten wohl denselben Einfall.“
„Ron sollte eigentlich auch hier sein …“, fing Hermione an und löste sich wieder von ihm.
„Ron? Hast du ihn gefunden?“
„Ja, und wieder verloren. Wir haben uns im Treppenhaus unbeabsichtigter Weise getrennt. Aber wir hatten abgemacht, dass er zu Dumbledores Büro kommt.“ Sie blickte besorgt wieder in den Korridor, in dem sich immer noch niemand zeigte.
„Er stößt schon noch zu uns.“ Harry blickte über ihre Schulter und zog sie dann zurück.
„Hoffentlich.“ Ihre Stimme zitterte.
Einen Moment betrachtete er sie, dann sagte er erschrocken: „Du blutest ja!“
„Nein, das ist schon okay, es ist nur eine Platzwunde und mein Arm wird das auch überleben.“ Sie schwieg und ihre Augen wanderten wieder zurück auf den Gang.
„Kennst du das Passwort?“, fragte sie dann. Ihre Gedanken rasten und versuchten sie von der drohenden Angst um Ron abzubringen, in dem sie sich mit ihrem Vorhaben beschäftigten.
„Ich glaube schon, wenn Dumbledore es nicht geändert hat.“
„Da ist er!“, fiel sie ihm erleichtert ins Wort, trat vor den Wandteppich und bedeutete Ron zu ihnen zu kommen. Glücklich verfiel dieser in einen kurzen Spurt und erreichte sie innerhalb Sekunden.
„Harry! Dann hat sie dich ja gefunden!“, begrüßte er seinen besten Freund.
„Wohl eher andersherum“, grinste dieser und wies auf Rons verletzten Arm. „Was ist passiert?“
„Wir sind von einer Explosion erfasst worden, das ist halb so schlimm“, erklärte er und seine Augen wanderten von Hermione zu Harry. „Dich hat es aber wieder erwischt“, bemerkte er dann zu ihr, sein Blick streifte über ihre Wunde am Oberarm, die ihr einer der Todesser zugefügt hatte und die nun, als sie sich wieder ihrer erinnerte, schmerzhaft zu pulsieren begann. Tapfer zuckte sie die Achseln. „Harry kam ja rechtzeitig.“
Er nickte und erwiderte: „Gut. Wie sieht der Plan aus?“
Hermione strich sich eine krause Strähne ihres braunen Haares aus der Stirn und befeuchtete ihre Lippen. Harrys und Rons Blicke waren beide fragend auf sie gerichtet.
„Wir versuchen zum Schulleiter zu kommen. Womöglich erfahren wir dann etwas Wichtiges, etwas Entscheidendes über die Schlacht, oder kriegen eine Aufgabe zugeteilt, immerhin sind wir volljährig und stehen kurz vor unserem Abschluss und Hogwarts braucht mehr Leute. Möglicherweise ist das Büro aber bereits belagert und in diesem Fall müssen wir zusehen wie wir wieder fortkommen, ohne bemerkt zu werden. Ich weiß noch nicht … ich weiß noch nicht, wie wir das anstellen, aber …Ich hab so ein Gefühl, dass Dumbledore da ist. Die Todesser, die mir begegnet sind, haben erwähnt, dass Voldemort sich auf dem Rückzug befindet. Es wäre aller Wahrscheinlichkeit nach nicht so, wenn er die Räumlichkeiten des Direktors eingenommen hätte“, endete sie und biss sich auf die Unterlippe. Sie hoffte, dass ihre Berechnungen stimmten, sonst würde sie sich und ihre Freunde in eine gefährliche Lage hinein manövrieren. Harry hatte die Arme verschränkt und nickte nach einiger Bedenkzeit zustimmend.
„Ich dachte mir dasselbe“, sagte er langsam. „Außerdem wollte ich Dumbledores Meinung hierzu erfahren“, fügte er dann zögernd hinzu, als ahnte er Hermiones Reaktion. Diese hob wütend die Augenbrauen und verschränkte ebenfalls die Arme.
„Welche Meinung? Wozu?“, fragte Ron verwirrt.
„Ob dies der Kampf ist“, antwortete Harry und wich dem Blick seiner besten Freundin aus.
„Der Kampf?“ Ron sah verständnislos zu Hermione, die sich zwang ruhig zu bleiben.
„Harry denkt, dass er sich heute Voldemort stellen muss. Aber das wäre reinste Dummheit!“ Entschieden hob sie einen Zeigefinger und wies auf den Korridor. „Er lauert da draußen auf dich, er möchte, dass du so blöd bist und ihm in die Falle läufst. Das alles hier ist für dich konstruiert.“
Harry schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Du verstehst nicht, Hermione, früher oder später kommt es dazu.“
„Ja, aber nicht heute!“ Keiner sagte mehr ein Wort, bis Ron sich räusperte und murmelte: „Was ist jetzt? Machen wir es? Vielleicht bevor der nächste Todesser um die Ecke kommt und uns umzubringen beschließt …“
Sie nickten alle einstimmig und wandten sich wieder dem Wandteppich zu, den Ron bereits die gesamte Zeit aufgezogen hielt.
„Die Luft ist rein“, wisperte Harry und er war der Erste, der aus ihrem Versteck hervorkam noch bevor jemand etwas einwenden konnte. Vor dem steinernen Adler blieb er wachsam stehen und nannte das Passwort, zu leise, um für Ron und Hermione vernehmbar zu sein. Zunächst blieb es ruhig.
Dann ertönte ein Scharren und der Adler setzte sich in Bewegung und drehte sich gemächlich von ihnen fort. Der Absatz einer Stufe kam zum Vorschein und schnell folgten weitere. Harry winkte sie hastig zu sich heran und nun durchquerten auch sie den Korridor und traten an seine Seite.
Mit einem letzten Blick zurück liefen sie die Stufen zum Büro des Schulleiters hinauf und blieben vor der eichenen, verschlossenen Tür stehen. Der Adler hinter ihnen kehrte an seine Ursprungsposition zurück und hinterließ keine Beweise ihrer Ankunft.
Ron zuckte die Achseln und hob die Faust um anzuklopfen, doch Harry hielt ihn zurück.
„Was denn? Wir müssen anklopfen, sonst öffnet sich die Tür nicht!“
„Er hat Recht, Harry. Das Büro ist mit Absicht so konzipiert, dass Schüler und Lehrer als Zeichen des Respekts soviel Höflichkeit an den Tag legen müssen, dass-“
„Ist gut, Hermione“, unterbrach er sie unwirsch und bedeutet Ron sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, gleichzeitig hob er seinen Stab in Angriffsstellung an. Hermione tat es ihm nach und überging seine Unfreundlichkeit; sie wusste, dass er wegen ihrer Auseinandersetzung Minuten zuvor nicht gut auf sie zu sprechen war und deshalb wollte sie seinem Ärger keinen neuen Zündstoff bieten. Ein Streit war das Letzte, was sie gerade gebrauchen konnten.
Als Rons entschiedene Schläge auf dem Holz ertönten, hielten sie alle drei den Atem an. Die Tür schwang ohne Vorwarnung auf und eröffnete den Blick auf ein verlassenes Büro. So schien es zumindest, bis der alte, weißbärtige Zauberer und zwei weitere Lehrer aus einem Nebenzimmer traten. Minerva McGonnagalls Umhang hing ihr schief von den Schultern, ihre Augen wirkten rastlos und sie schien entschlossen auf dem Weg nach draußen, zurück an die Front. Nebst zu ihr stand Professor Snape, in schwarz gekleidet wie gewöhnlich, aber ungewohnt angespannt. Auch Dumbledore schien bereits in der Schlacht in Aktion getreten zu sein, sein Arm war bandagiert, doch in der anderen Hand hielt er seinen Stab wachsam erhoben.
„Professor!“, stieß Harry hervor und sie alle drei ließen ihre Stäbe sinken.
„Potter, Weasley, Granger!“ McGonnagall sah erleichtert und doch wütend von einem zum anderen. „Ich habe Sie gesucht, wo zum Teufel haben Sie gesteckt? Wir haben ein sicheren Raum für die Schüler gefunden, aber Sie waren wie immer einer der Wenigen, die noch fehlten.“
„Tja, jetzt sind wir hier“, erwiderte Ron mit einem schiefen Grinsen, verzog aber dann seinen Mund als Harry ihn unabsichtlich an seinem verletzten Arm berührte und in das Büro trat. Dann erinnerte sich der rothaarige Zauberer seiner Schwester. „Ist Ginny unter den Schülern, die in Sicherheit sind?“
„Ich kann das glücklicherweise bestätigen, auch wenn sie uns ebenfalls kurze Zeit abhanden gekommen ist“, beruhigte ihn die ältere Hexe und schenkte ihm einen kurzen aufmunternden Blick.
„Professor, ich bin Neville und Luna und einem jüngeren Schüler im vierten Stock begegnet. Sie brauchen dringend Hilfe“, warf Hermione an ihre Hauslehrerin gerichtet ein und folgte Harry wie auch Ron in den Raum.
„Es gibt viele die Hilfe benötigen, Miss Granger“, bemerkte Professor Snape trocken und wies fast unmerklich aus dem Fenster.
Ein Schatten zog über ihr Gesicht, als sie die Ländereien erblickte. Auf den Gründen des Schlosses tobte ein unerbittlicher Kampf, unheimlich in Szene gesetzt von der abendlichen Sonne. Viele Gestalten lagen regungslos am Boden, doch es schien als würden die schwarzen Zauberer unter ihnen in Richtung Wald gedrängt.
„Gewinnen wir?“, fragte Ron hoffnungsvoll und trat näher an das Fenster.
„Das wäre ein wenig optimistisch formuliert, Mr. Weasley, aber wir sind guter Dinge“, antwortete der Schulleiter und nickte McGonnagall zu, die den Raum hastig verließ. Doch eine seltsame Trübnis schwang in seiner Stimme mit, die Hermione aufhorchen ließ, und Harry fragte unvermittelt: „Es gibt einen Haken?“
„Ich denke nicht, dass es von Vorteil wäre diese Schüler davon in Kenntnis zu setzen, Direktor“, sagte Snape trocken und blickte Harry entschieden einschüchternd an. Dieser ließ sich jedoch kaum davon beeindrucken.
Dumbledore atmete laut aus und nickte langsam. „Severus, ich fürchte, es ist unsere einzige Wahl. Wir haben keine anderen Optionen. Tatsächlich lässt mich ihr Auftauchen etwas hoffen.“
„Was ist los?“, fragte Hermione belegt und Panik stieg in ihrem Magen auf. Wenn der Schulleiter in solch einer Angst schwebte, dann verhieß dies nichts Gutes. Auch Rons Augen spiegelten nun Furcht wieder.
„Direktor …“, versuchte Snape es nochmals entrüstet, doch Dumbledore legte ihm nur kurz eine Hand auf den Arm und wandte sich dem nun erstarrten Trio zu.
„Ich bin froh, dass ihr den Weg hierher gefunden habt. Setzt euch bitte.“ Er wies zu den Stühlen vor seinem Schreibtisch und legte den Kopf leicht zur Seite, als würde er seine Entscheidung, welche sie auch sein mochte, ein letztes Mal überdenken.
Ron öffnete empört den Mund. „Uns setzen? Wir sollen uns setzen, während draußen ein Krieg tobt?“
„Mr. Weasley, ich kann Ihre Entrüstung gut nachvollziehen, aber ich verspreche Ihnen, dass  Sie es nicht bereuen werden sich gesetzt zu haben.“ Langsam gingen sie alle drei zu den Stühlen aus Mahagoni und roten Samt und ließen sich verwirrt darauf nieder, die Augen auf den Schulleiter gerichtet, der ihnen zum Schreibtisch gefolgt war. Snape hielt sich weiterhin im Hintergrund. Hermione warf ihm einen kurzen Blick zu und erkannte mit Schrecken, dass er aussah, als hätte ihn eine Todesnachricht erreicht. Entweder hielt er Dumbledores Beweggründe für weit unzureichend oder etwas Gefährliches bahnte seinen Weg. Oder beides. Schnell richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Direktor zu, Hermione wollte ihren schnellen Herzschlag beruhigen, doch auch sein Gesichtsausdruck besänftigte ihren Puls nicht.
Professor Dumbledore ließ sich ebenfalls nieder und legte seine Finger zu Kuppen zusammen. Draußen barst etwas und ließ einen ungeheuren Lärm aufkommen, der jedoch wieder verklang und Dumbledore entschlossen aufseufzen ließ und seinen Blick zurück auf die jungen Magier lenkte.
„Es scheint, dass wir Voldemort mithilfe der französischen Auroren zurückdrängen können. Es wäre ein gutes Zeichen, hätte ich nicht soeben eine Hiobsbotschaft empfangen, die unseren bisherigen Sieg zerstören könnte.“ Er fuhr sich kurz über die Stirn und blickte dann zum Zenit des Raumes hinauf, in Gedanken versunken. „Miss Granger, ich gehe Recht in der Annahme, dass Professor McGonnagall Sie in den rechten Umgang mit der Zeit unterwiesen hat?“
Überrumpelt schluckte Hermione und antwortete: „Ja, Sir, in der dritten Klasse.“
Er nickte und blickte zurück zu Snape. „Du siehst, es steht gar nicht so schlecht um uns.“ Snape schürzte die Lippen und erwiderte wütend: „Diese drei Gryffindors haben keinerlei Erfahrung, nicht die Geringste! Geschweige denn Ahnung.“
„Du tust ihnen Unrecht, Severus, Erfahrung und Ahnung hat keiner auf diesem Gebiet.“
„Was ist los? Über was für eine Hiobsbotschaft reden wir und was hat Hermione damit zu tun?“ Harry schien nun ungeduldig und seine Augen schossen von einem zum anderen.
Dumbledore wandte seine Aufmerksamkeit wieder den Schülern zu und begann: „Lord Voldemort hat ein As im Ärmel, das ich geahnt aber nicht ernsthaft genug in Erwägung gezogen habe. Ich dachte eigentlich, dass selbst er Ehrfurcht vor dieser Form von Magie, vor dieser unkontrollierbaren Form von Macht zeigen würde. Ich habe mich geirrt. Professor Snape musste seine Tarnung fallen lassen, um hierher zu kommen und mir noch rechtzeitig Bescheid zu geben, und ich fürchte, unsere Zeit ist knapp bemessen, deshalb werde ich kaum alles in Einzelheiten schildern können. Nur so weit: Voldemort hat sich auf dem Gebiet der schwarzen Magie weitergebildet, ist tiefer eingedrungen in diese rätselhafte Materie, ist unzählige Bücher und Werke durchgegangen mit einem ganz bestimmten Ziel. Er hat einen Zauber herausgesucht, so mächtig und so gefährlich, dass er die Grundfesten unserer Zeit erschüttern wird.“
„Moment, was soll das heißen?“, hob Ron überfordert die Hand. „Die Grundfesten unserer Zeit? Will er reisen?“
„Nicht ganz, Mr. Weasley. Es handelt sich hierbei, um eine Form der Magie, die unser jetziges Geschehen beeinflusst, indem es bestimmte Dinge ungeschehen macht.“
Hermione blickte auf. „Sie meinen unseren Sieg. Er bereitet sich darauf vor unseren Sieg, der zwar noch nicht ist, aber bald sein könnte, aus der Geschichte zu löschen. Er möchte die Gegebenheit ändern.“
„Das geht so einfach?“, widersprach Harry.
„So einfach nicht. Kein Mensch kann sagen, was dieser Zauber für Konsequenzen bereit halten wird. Ihr müsst wissen, dass eine Änderung des Geschehens hier, in der Gegenwart, viele, tausende Änderungen des Geschehens in der Vergangenheit, ja selbst in der Zukunft, die schließlich jeder von uns für sich plant und die einem stringenten Verlauf folgt, mit sich zieht. Falls der Zauber schon mal angewandt wurde, so wissen wir es nicht, können es nicht wissen, weil sich niemand erinnern kann, weil alles, auch unsere Erinnerungen, geändert wurden.“
„Aber, aber das wäre … eine Katastrophe“, stotterte Ron.
„Was Sie nicht sagen, Weasley“, zischte Snape und trat endlich zu ihnen an den Tisch. „Überdies wäre es nicht eine Katastrophe, sondern tausende!“
„Danke, Severus“, unterbrach ihn der Schulleiter. „Somit kann selbst Voldemort nicht sagen, welches Chaos, welchen Untergang er uns womöglich bringt. Stellt euch vor Grindelwald steht plötzlich ebenfalls vor dem Schloss und fordert seinen Tribut. Oder noch schlimmer, Hogwarts verschwindet, weil es nie gebaut wurde …“
„Oder wir verschwinden“, wisperte Hermione.
„Millionen Menschen könnten verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Tatsächlich werden sie es.“
Ron sprang von seinem Stuhl und starrte Dumbledore entgeistert an. „Was soll das heißen, sie werden es? Können wir nichts machen?“ Hermione wusste ganz genau, was ihrem Freund in dieser Sekunde durch den Kopf ging, weil sie der gleiche Gedanke ängstigte. Er dachte an seine Familie, seine Freunde, sein Leben …
„Nein, nichts.“ Des Schulleiters entschiedene Worte ließ sie alle verstummen. Hermione wusste nicht mehr, was sie denken sollte. Die Vorstellung allein war so unglaublich, dass sie unwirklich schien. „Zumindest bis dahin.“
Der Schulleiter stand von seinem Platz auf und schritt zum großen Fenster hinter seinem Stuhl. „Dieses Büro, diese wenigen Quadratmeter sind geschützt. Das Problem ist, dass der Gegenzauber, den ich hierauf gelegt habe, nur von kurzer Dauer ist, er fordert viel zu viel Kraft, Magie, um ihn lange aufrecht zu halten, ihn auf alles auszudehnen ist vollkommen unmöglich.“
„Was ist dann sein Zweck? Was bringen uns die wenigen Minuten mehr, die wir besitzen?“ Harry hatte sich über den Schreibtisch gebeugt, hielt seinen Kopf auf seine Hände gestützt.
„Sie verhindern, dass wir unseren Plan vergessen“, schlussfolgerte Hermione. „Aber welchen? Und wie schützen wir uns davor, ihn nicht dann zu verlieren?“
„Der Zauber ist eine Welle, eine magische Welle, die alles und jeden erreicht und umspülen muss. Erst wenn jedes Wellenbruchstück wieder zusammentrifft, ist er vollführt. Das bedeutet, dass ein Verweilen, egal an welchem Ort zum Zeitpunkt des Zaubers früher oder später zur Änderung führt, der Erinnerungen, des Geschehens, von allem ….“ Dumbledore blickte zu Hermione und diese nickte, als ihr die Lösung wie Schuppen vor die Augen fiel.
„Das bedeutet, wir dürfen nicht zum Zeitpunkt des Geschehens anwesend sein.“ Sie schluckte. „Wir brauchen einen Zeitumkehrer“, sprach Harry ihren Gedanken aus.
„Selbst mit ihm zögern wir das Vergessen nur heraus. Am Ende landen wir immer in der Gegenwart, wenn wir es nicht schaffen Voldemorts Plan vorher zu vernichten, und somit bringt uns auch dieser nicht weiter“, gab sie ihren Einwand kund.
„Das genau ist der Punkt, Miss Granger. Ein gewöhnlicher Zeitumkehrer nutzt uns wenig, denn wie wahrscheinlich ist es, dass jemand Voldemort davon abhalten kann den Zauber zu sprechen?“
Dumbledore schritt zu einer seiner Vitrinen, doch bevor er ankam, bevor er noch etwas hinzufügen konnte, fing die Erde mit einer solchen Kraft an zu beben, dass es sie von den Stühlen riss und draußen vor dem Fenster wurde es blendend weiß hell. Und dann war es innerhalb von Sekunden vorbei.
„Was war das? War es das?“ Rons Stimme war von Panik gezeichnet und sie alle richteten sich vom Boden auf.
„Wir müssen davon ausgehen, dass es das war“, antwortete Dumbledore, der sich an eines seiner Regale geklammert hatte und nun mit weit geöffneten Augen in die veränderte Welt vor seinem Bürofenster blickte. Die französischen Auroren waren fort als hätte es sie nie gegeben. Voldemort war dabei zu siegen.

Nachdem er einen Schrank hinter seiner Vitrine mit Fläschchen geöffnet hatte, zog er ein hölzernes Kästchen hervor und kam mit hastigen Schritten zum Tisch des Trios zurück. Auch Snape, der zu Hermiones Rechten stand, beobachtete sein Tun nun mit Neugier und, ja, zweifelnder Hoffnung
„Dies ist ein Unikat, das einzige Exemplar aus dem Ministerium, das es bisher gegeben hat. Es ist für diesen Moment gebaut worden, für den Fall, dass ein Schwarzmagier unsere Geschichte zu verändern versucht.“
Er öffnete die Schatulle und zog einen vollkommen gewöhnlich aussehenden Zeitumkehrer hervor. Hermione hätte ihn mit ihrem eigenen verwechseln können.
„Leider wissen wir verschwindend wenig über ihn. Ja, wir können nicht einmal sagen, ob er funktioniert.“ Er betrachtete die Sanduhr inmitten der zwei goldenen Ringe, die sie verband, nachdenklich und reichte es an Hermione weiter.
„Wie sieht die Theorie aus?“, fragte Harry. Er schien entschlossen das einzig Mögliche zu tun, unabhängig davon, was es sein würde. Auch sein Blick war auf den Zeitumkehrer geheftet. Mit Faszination, aber auch Skepsis, betrachtete sie das Wunderwerk in ihren Fingern.
„Mit einem Zauber wird er aktiviert. Dann sollte ein Geräusch ertönen, als klirrendes Glas wird es umschrieben. Immer wenn dies erklingt, kündigt sich eine Reise an, deshalb solltet ihr Acht darauf geben, ihr müsst zusammenbleiben. Es ist ein Zeitumkehrer, auf dem Grundstein des gesamten Wissens über diese wurde er gebaut und doch widerspricht er allem, was sie gelernt haben, Miss Granger.“
„Was bedeutet das?“, fragte sie verwirrt und gab ihn an Ron weiter.
„Ihr könnt nicht bestimmen, wann ihr reist. Ihr könnt nicht entscheiden wohin, ja, selbst der Ort ist entgegen gewöhnlichen Zeitumkehrern nicht fest vorgeschrieben, ihr könntet überall landen. Aber ihr werdet zurückkommen, zumindest Minuten nach Voldemorts Zauber, sodass er euch nicht trifft, denn dieser Zeitumkehrer reist nicht nur in die Vergangenheit.“
„Was macht er dann?“
„Wie gesagt, er ist für diesen Fall konstruiert. Sein Inneres erfasst die Veränderungen, es weiß wohin er muss.“ Dumbledore verstummte.
„Wohin muss er?“ Harrys, Rons und Hermiones Stimmen erklangen im Chor.
„Er muss in die Zeit, an den Ort, an dem ihr eure Aufgabe erfüllen müsst. Ihr müsst das Veränderte rückgängig machen. Eure Aufgabe ist es das Gleichgewicht wiederherzustellen. Und dabei vertraut ihr auf euer Gefühl, denn nichts auf der Welt wird euch sagen können, was ihr tun sollt. Das ist alles, was wir wissen.“ Er wandte sich wieder dem großen Fenster zu. „Ich weiß, was ich von euch verlange.“
Als er sich wieder umwandte, war er überrascht zu sehen, dass Harry, Ron und Hermione bereits aufgestanden waren und sich den Zeitumkehrer wie eine Kette überzogen. Vorsichtig, ja fast ehrfürchtig, hielt Hermione ihn in ihrer Hand. Es war von Anfang an klar gewesen, dass sie es tun würden. Wie Dumbledore bereits zu Beginn gesagt hatte, sie hatten keine andere Option. Also mussten sie auf diese setzen, unbeachtet dessen, wie vage, wie ungenau und wie gefährlich sie sein mochte.
Harry, Ron und Hermione standen da und sahen ihren Schulleiter auffordernd an. Die Angst, was sie erwarten mochte, stand in ihren Blicken, auch wenn es noch weit zu früh war, alles Gehörte zu verarbeiten, auch wenn sie nicht wussten, was sie eigentlich taten. Und gleichzeitig war da aber auch Entschlossenheit. Mut.
„Also gut“, sagte er und hob seinen Stab. Er wisperte etwas und wenige Sekunden später hielt er einen dunkelbraunen, geflickten Rucksack in der Hand. Diesen reichte er Ron, der ihn entschlossen annahm, seine Finger krallten sich in die Riemen.
„Hierin findet ihr Dinge, die ihr vielleicht brauchen könntet“, sagte Dumbledore müde. „Ich wünsche euch alles Glück und alle Kraft der Welt.“
Snape hielt sich im Hintergrund, hatte sich nicht von seinem Standpunkt am Tisch des Schulleiters gerührt, betrachtete jedoch alles mit skeptischen und doch ergebenen Blick. Sie konnten nichts mehr an ihrem Plan ändern. Es war zu spät. In wenigen Minuten würde auch der Schutzzauber in diesem Raum zusammenbrechen.
Dumbledore hielt seinen Stab nun auf den Zeitumkehrer gerichtet und seine Augen blickten fast zweifelnd über die Halbmondbrille hinweg. Hermiones Magen drehte sich um, doch sie rührte sich nicht. Angst kroch in ihr auf, ließ sie schneller atmen, doch sie zwang sich nichts davon erkennbar zu machen.
Dann flüsterte Dumbledore einen lateinischen Satz, den sie nicht ganz vernehmen konnten, und berührte die Sanduhr des Konstrukts. Sofort ertönte das erwartete Geräusch, ein Klirren, dumpf, in weiter Ferne und doch eindringlich. Das Zeichen. Der Beweis, dass Voldemort den Zauber wirklich angewandt hatte, dass der Zeitumkehrer seine Arbeit aufnahm.
„Vergisst nicht, dass auch wir uns an nichts mehr erinnern werden, wenn ihr zurückkommt. Ihr seid auf euch gestellt. Aber ich bin mir sicher, dass ihr alles versuchen werdet, was in eurer Macht steht. Ich hätte diese Aufgabe niemand Anderem anvertraut.“
Seine Stimme wurde immer weiter von dem gläsernen Geräusch übertönt, das an Lautstärke zunahm wie ein Countdown, bis seine Stimme nur noch als ein leises Flüstern aus weiter Ferne zu vernehmen war. Hermione blickte in die Augen ihrer Freunde.
„Vergesst nie, weshalb ihr fort gegangen seid.“ Es war das Letzte, was sie von ihm hörten.

Und dann setzten sich die zwei goldenen Ringe in Bewegung, die Farben um sie herum verschwammen, wurden trüb bis nicht mehr zu erkennen war und ein Gefühl von Schwerelosigkeit überfiel sie.
Hermiones Hand, die sie um Rons geschlossen hatte, griff fester zu.
Es gab kein Zurück.