Alternative Factor: BROKEN LINK (#1)

GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Anakin Skywalker / Darth Vader Asajj Ventress Obi-Wan Kenobi Padmé Naberrie Amidala Qui-Gon Jinn Sheev Palpatine / Darth Sidious
21.03.2012
05.06.2012
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DIESE GESCHICHTE GEHÖRTE ZU DEN FANFIKTION.DE-EMPFEHLUNGEN IM  OKTOBER 2012.


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a) Diese Geschichte werden einige Leser vielleicht noch von ihrer früheren Veröffentlichung kennen. Ich hatte sie ursprünglich aufgegeben. Zum einen aber werd ich bis heute immer wieder mal danach gefragt, zum anderen liegt mir die Story nun mal sehr am Herzen. Meinem zurückgekehrten Enthusiasmus für eins meiner liebsten Fandoms ist es zu verdanken, dass sie nunmehr ihr Comeback feiert. Eine unmenschliche Stressphase im Beruf und gleichzeitig viele offene Fanfic-Projekte haben mich bis jetzt davon abgehalten, doch die Story hat zum Glück für monatelange Veröffentlichungen Kapitel vorrätig. Bis diese mir irgendwann ausgehen, muss ich dann nicht nur einige andere Projekte abgeschlossen haben, ich brauche auch eine endgültige Lösung für die Fortsetzung von 'Alternative factor'. Mit anderen Worten: Ich setze mir selbst gerade mächtig Druck und hoffe, dass das hilft...

'Alternative factor' ist ein Großprojekt, das zum jetzigen Stand bereits 150 Word-Seiten umfasst (Bookman Old Style 8). Nur damit niemand sagt, ich hätte euch nicht gewarnt :P.

Falls jemand noch die alte Version kennt: Die ersten Kapitel können so bleiben, wie sie sind, aber die einzelnen Charaktere und Storystränge wurden irgendwann viel zu viele, um sie zu bewältigen. Ich werde die Story nun also gemeinsam mit meinem alten Schreiberling-Kollegen phazonshark überarbeiten. Falls sich noch jemand als Typo-Radiergummi anbieten möchte, wäre ich darum auch sehr froh.

Wo diese Story sich nun hin entwickelt, ist noch offen. Entweder wird es ein sehr langes Epos, das sich womöglich bis zur OT hinein rankt, oder die Storyline wird an irgendeinem Punkt unterbrochen und zur OT wieder aufgenommen. Das wird auch mit Hilfe von entsprechender Nachfrage noch entschieden.

Das EU wird in Grundkenntnissen und Charakteren wie Quinlan Vos, Khaleen und Asajj Ventress mit einbezogen, die Canon-Grundlage an sich ist aber die Filmwelt.

b) Nachfolgeteile dieser Trilogie:
- Teil 2




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Serie: Star Wars: Alternative Factor
Titel: BROKEN LINK (#1)
Titelbild
Titelbild für die gesamte Serie
Trailer - danke an kayleninwars für dieses kleine Meisterwerk!
Trailer für die gesamte Serie
Autoren: Storm{X}Padmé/phazonshark
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören George Lucas, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*
Universum: Filmuniversum, teilweise EU
Zeitlinie: beginnt während Episode III
Paarung: Padmé/Anakin, weitere folgen
Zensur: R (Gewalt, Erotik)
Zusammenfassung: Im Duell auf Mustafar besiegt Vader Obi-Wan und lässt ihn zum Sterben zurück, um sein Leben als Sith zu beginnen. Für Obi-Wan und Padmé als Begründer einer Widerstandsbewegung beginnt ein verzweifelter Kampf. Um Freiheit, Liebe, Freundschaft, vor allem aber um das letzte schwache Licht der Hoffnung.
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken, Telepathie, elektronische Stimmübertragung oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D
Danke an: Jene, die an dieser Story bisher schon sehr fleißig mitgearbeitet haben, nämlich phazonshark und Sol Deande. Ich hoffe, ich kann unseren ursprünglichen Bemühungen wieder aufnehmen…






Star Wars: Alternative Factor
BROKEN LINK
(#1)




1
Things we lost in the fire



“Das ist das Ende für Euch, mein Meister.“
Siegessicher erhob Anakin ein letztes Mal sein Lichtschwert, als die tödliche Lavaströmung unter seinen Füßen ihn erneut direkt in Obi-Wans Reichweite trieb. In seinen Fechtkreis, jene unsichtbare Linie beim Schwertkampf, in der sein ehemaliger Meister ihn seit Jahren unterrichtete.
Lange war er immer wieder von ihm besiegt worden… Nicht heute. Bis jetzt mochten sie sich ebenbürtig gewesen sein in diesem endlosen, erbitterten Duell auf diesem albtraumhaften Planeten, wo Anakin seinen ersten Auftrag als Sidious’ Schüler vollendet hatte… Aber Anakin hatte die bessere Ausdauer- und die dunkle Seite, die ihm half.
Kaum war er in der richtigen Position, attackierte er Obi-Wan, entschlossen, das hier zu einem Ende zu bringen. Es würde enden, so oder so… Die Hitze und die giftigen Dämpfe der unmittelbaren Nähe der Lava hatten sie beide geschwächt. Einer von ihnen würde in Kürze kapitulieren müssen… Und es würde nicht Anakin sein.
Zu spät erkannte er, dass seine Selbstsicherheit ihn blendete. Seine schnellen Reflexe, seine Fähigkeit, die unmittelbare Zukunft zu sehen, konnten ihn nicht mehr retten, als er Obi-Wans grellblau leuchtende Lichtschwertklinge auf sich zukommen sah.
Aber sie halfen ihm, zu reagieren. Während noch der rasende Schmerz durch seinen rechten Am schoss, als seine Prothese oberhalb der Schweißstelle abgetrennt wurde, schnellte sein linker nach vorne und stieß mit einer heftigen, telekinetischen Bewegung zu.

Anakin konnte noch die Fassungslosigkeit auf Obi-Wans Gesicht sehen, als dieser von der schwimmenden Plattform nach hinten geschleudert wurde, gegen die Felswand, die neben dem Ufer aufragte, wo er hart aufschlug und liegen blieb. Ausgerechnet Obi-Wan, der seine Fähigkeiten am besten von allen kennen sollte, hatte ihn im entscheidenden Augenblick unterschätzt.

Mit einem grellenden Schmerzschrei fiel Anakin auf die Knie. Sein Präkognition hatte in Sekundenbruchteilen reagiert und seinen Meister in einem Moment angegriffen, als er es am wenigsten erwartet hatte, in einem Reflex, der einmal mehr bewiesen hatte, dass Anakin der mächtigste Macht-Nutzer seiner Zeit war…
Aber sein Körper war immer noch menschlich. Und der meldete ihm jetzt in jeder einzelnen Zelle, was er ihm gerade abverlangt hatte, vor allem an der Stelle, wo sich vor Sekunden noch das befunden hatte, was zusammen mit seinem Lichtschwert in den Lavafluten versunken war… wo er selbst auch gleich landen würde, wenn er nicht sofort handelte. Mit zusammengebissenen Zähnen nahm Anakin seine letzte Kraft zusammen und sprang mittels eines weiten Macht-Satzes zum Ufer hin, weit oberhalb der Stelle, wo sein alter Meister mit blutüberströmtem Gesicht lag, nicht ganz bei Besinnung aber auch nicht völlig ohne, unfähig, sich vor der sengenden Hitze direkt neben dem Lavastrom in Sicherheit zu bringen.
Anakin schenkte ihm vorerst keinen zweiten Blick sondern ließ sich erschöpft auf den unebenen Vorsprung fallen, betrachtete wütend seinen neuen Armstumpf.
„Das war nicht nett. Hörst du mich? Ich sagte, das war nicht nett! Musstest du unbedingt den Helden spielen?“ Er nahm die Macht zu Hilfe, um die Schmerzen für den Moment einfach auszublenden und die kleineren Verletzungen erstzuversorgen, welche die Auseinandersetzung sonst noch hinterlassen hatte.
Erst als seine Beine nicht mehr zitterten, stemmte er sich hoch, wappnete sich so gut wie möglich gegen die unmenschlichen Temperaturen, die ihn erwarten würden und begab sich zu der Stelle, wo er Obi-Wan zurückgelassen hatte.
Zeit für ein letztes klärendes Gespräch.

Seine Ahnung war richtig gewesen. Er hatte Obi-Wan sogar noch härter erwischt als gedacht. Der Aufprall hatte eine schwere Kopfverletzung hinterlassen, aus der unaufhaltsam Blut sickerte. Als Obi-Wan, geweckt durch einen unsanften Tritt in seine Rippen, seine Orientierung wiederfand, blieb es bei einem Versuch, auf die Beine zu kommen. Ein weiterer unsanfter Stoß in den Solarplexus reichte, um ihn wieder zu Boden gehen zu lassen.

Warum? Hättest du nicht einfach gehen können?“, schrie Anakin, immer noch unkontrolliert zornig. Er empfand nicht den Hauch von Mitleid für seinen alten Meister, nur noch Hass. Auf alles, was Obi-Wan getan hatte, und vor allem darauf, dass er ihn, Anakin, überhaupt so weit gebracht hatte, sich gegen ihn stellen zu müssen. Darauf, dass das alles war, was von ihrer einstigen Freundschaft übrig geblieben war.
Dieser Hass blendete ihn, aber nicht so weit, dass er die drohende Gefahr direkt hinter sich nicht gefühlt, über den Lärm der Lava-Stürme das Zischen eines Lichtschwerts überhört hätte. Noch bevor Obi-Wans Lichtschwertklinge, telekinetisch gelenkt, auch nur in seine Nähe kommen konnte, sprang er beiseite, griff mit Hilfe der der Macht nach der Waffe und schleuderte sie von sich, in die kochend träge Masse hinein, wo auch schon sein eigenes Schwert verloren gegangen war. Egal. Er würde bald ein neues haben, in einer… angemesseneren Farbe.
„Erbärmlicher Versuch, alter Freund… Wirklich erbärmlich. Anscheinend willst du es nicht anders.“
Anakin trat ein paar Schritte zurück, flüchtete in die angenehmere Atmosphäre in sicherer Entfernung zur Lava und streckte seinen Armstumpf trotz der beißenden Schmerzen in Richtung der Felsen oberhalb von Obi-Wan.
„Hast du ernsthaft gedacht, du könntest mich besiegen, indem du mich entwaffnest? Es ist erschreckend, wie wenig du über die dunkle Seite weißt, alter Freund. Sieh genau hin, welche Macht sie einem verleiht.“ Jetzt war es nicht mehr länger nur die Verachtung, die Anakin Kraft gab, als er seinen Arm herunterriss und einen riesigen Felsbrocken auf Obi-Wans hilflosen Körper fallen ließ. Es war die Genugtuung, seinem alten Lehrmeister wehzutun. Sich für alles zu revanchieren, was dieser ihm in den letzten Jahren, Monaten, Tagen angetan hatte.
Die Genugtuung übertünchte auch die letzten Reste von früherer Zuneigung mit der Erleichterung, diesen Teil seines Lebens endgültig hinter sich gelassen zu haben. Gleich würde es vorbei sein. Sie waren quitt.





Das zufriedene Lächeln seines ehemaligen Padawans war das letzte, das Obi-Wan erblickte, bevor ein massiger dunkler Schatten auf seinen halb gelähmten Leib prallte. Seine Beine konnten den Schmerz nicht mehr weiterleiten, als unzählige Knochen zertrümmert wurden, wohl aber seine Leiste, die linke Seite, wo ein Teil des Gerölls zu liegen kam. Der letzte verlorene Kampf an diesem Tag war der gegen die Besinnungslosigkeit.
Der Wahnsinn in Anakins Augen ließ einen letzten, besorgten Gedanken in seinem Geist aufleuchten.
Padmé.





„Soviel dazu.“ Befriedigt musterte Anakin das, was von Obi-Wans zerschmetterter Gestalt noch zu sehen war. Die mentale Meister/Schüler-Verbindung zwischen ihnen, die in den letzten Jahren zwar schwächer geworden aber nie ganz verschwunden war, pulsierte leiser, viel schwächer als vorhin noch in seiner Seele, verstummte aber immer noch nicht. Unglaublich- sein alter Meister schien tatsächlich noch zu leben. Nun, sicher nicht mehr lange. Aber es konnte nicht schaden, auf Nummer sicher zu gehen. Sidious würde keine Ruhe geben, bis alle seine Erzfeinde ausgelöscht sein würden. Auch und gerade Obi-Wan.
Anakin streckte erneut seine Hand nach oben, um seinen Feind endgültig zu begraben, als ihn eine dünne Stimme rief, von demselben Vorsprung, wo er eben noch gekauert hatte.

„Anakin… Bitte… Nein…“

„Padmé.“ Befremdet, mit neu schwelendem Ärger, hob er den Kopf.

Völlig außer Atem und verschwitzt kniete seine Gemahlin am Abgrund, weinend, mit einer Hand auf die Rundung ihres Bauches gepresst. Sie war zurückgekommen, von selbst, obwohl sie verletzt war, obwohl sie panische Angst vor ihm hatte… Aber nicht etwa wegen ihm sondern wegen Obi-Wan.
Wegen Obi-Wan.
Sie flehte um sein Leben.





Padmé entging nicht, wie sich Anakins verbliebene Hand zur Faust ballte, dass der Zorn zurückkam, den er ihr vorhin schon entgegengebracht hatte, als Obi-Wan so unerwartet aufgetaucht war. Sie machte alles nur noch schlimmer… „Anakin… Nein. Bitte… Lass uns fortgehen… Du hast doch erreicht, was du wolltest. Ich liebe dich, Anakin… Bitte… Wenn du noch irgendetwas für mich tun willst…“ Ihre Worte klangen so leer, so sinnlos... Sie erreichte ihn nicht mehr. Es war zwecklos.
Schluchzend gab sie der Schwäche in ihrem Körper nach, fiel zur Seite und rollte sich auf dem Boden zusammen. Sie wollte nichts mehr hören und sehen. Alles war vorbei. Sie wollte nur noch tot sein.





Ich liebe dich.
Wenn du noch irgendetwas für mich tun willst…


Das konnte sie ihm nicht weismachen, das konnte er ihr nicht mehr glauben, nachdem sie ihn verraten hatte, aber eigentlich spielte das keine Rolle mehr, da hatte sie Recht. Es war höchste Zeit, zu gehen.

Außerdem war es sowieso nur noch eine Frage von Minuten, bevor Obi-Wans Verletzungen ihn umbringen würden oder er an den giftigen Dämpfen über dem Ufer ersticken würde.

Ohne einen weiteren Blick auf seinen früheren Meister schwang sich Anakin zurück auf den Vorsprung, kniete sich neben Padmé und griff nach ihrem Gesicht, zwang sie, ihn anzusehen. „Wenn du schon so leidenschaftlich für deinen Freund kämpfst, will ich nicht unmenschlich sein. Du solltest nur wissen, dass er jetzt um einiges langsamer und schmerzvoller sterben wird als durch meine Hand.“
Nicht weniger sanft, als er das früher getan hatte hob er seine Gemahlin auf, über seine gesunde Schulter und machte sich auf den Weg zurück zu seinem Schiff. Oder zu ihrem. Vermutlich war ihres die bessere Wahl.
„Aber keine Sorge, ich werde nicht zulassen, dass dich dasselbe Schicksal ereilt. Du hast Glück, dass ich gute Beziehungen zum Imperator habe. Ich werde für deine politische und persönliche Immunität sorgen.“





Anakins Stimme klang so zuckersüß, als ob er ihr gerade einen Heiratsantrag gemacht hätte.
Aber Padmé, die, obwohl nur halb bei Bewusstsein, ihn nur zu genau noch hören konnte, wusste, was hinter seinen großzügigen Worten stand. Die einzige Aussage, die er ihr wirklich vermitteln wollte.
Ich lasse dich nur aus Gnade leben. Du bist jetzt in meiner Gewalt.

Als die Schwärze vor ihren Augen sie Sekunden später endgültig einfing, war es nichts als eine Erleichterung.





„Ihr habt nach mir gerufen?“ C-3PO bemühte sich so sehr, sich Anakin so schnell wie möglich zu nähern, dass seine steifen Schritte ihn fast stolpern ließen. Er war froh, nach dem langen, schweigsamen Flug zurück nach Coruscant etwas zu tun zu bekommen, und er sollte besser keinen Fehler machen, wenn er ganz bleiben wollte. Er konnte der Miene seines Erbauers nur zu gut seine schlechte Laune entnehmen, die er nicht noch verschlechtern wollte. Er hatte auf Mustafar miterleben müssen, was passierte, wenn Anakin schlechte Laune bekam.

„Du wirst dich einer Speicherlöschung unterziehen“, erklärte sein Schöpfer tonlos, ohne das entsetzte ‚Was?' des Droiden zu beachten. „Danach wirst du in meinem persönlichen Palast hier auf Coruscant eingesetzt. Es ist an der Zeit, dass du zu deinem rechtmäßigen Besitzer zurückkehrst.“

„Natürlich, Meister Anakin“, beeilte sich C-3PO zu versichern. „Aber wenn ich mir die Frage erlauben dürfte, habe ich etwas falsch gemacht? Warum…?“





„Bring ihn weg“, fuhr Anakin einen Kampfdroiden an, der geduldig und glücklicherweise nicht halb so redselig wie sein Protokolldroide neben der Krankenliege wartete. „Veranlasse alles.
Und lass den Astromech zu meinem neuen Schiff bringen. Deaktivier ihn, bis ich ihn das nächste Mal brauche.“

Damit war R2 gemeint, der ebenso unverständlich wie C-3PO reagierte, mit einem protestierenden kurzen Piepsen, sich dann aber seinem Schicksal kommentarloser als sein Freund fügte, dem Kampfdroiden stillschweigend folgte. Etwas anderes blieb ihm auch nicht übrig, da ihm ein Sicherheitsbolzen eingebaut worden war, der jede eigenwillige Handlung im Keim erstickte.

Anakin ließ sich genervt wieder auf der Repulsorbahre nach hinten sinken. Wie lange sollte das denn noch dauern? Seit er von Mustafar wiedergekommen war, wartete er im imperialen Med-Zentrum darauf, dass man ihm eine neue Prothese anpassen würde, während sich ein paar Spezialisten ein paar Räume weiter um Padmé kümmerten. In beiden Fällen schien bisher nicht wirklich viel passiert zu sein, jedenfalls saß er nun schon fast einen vollen Tag lang ohne Benachrichtigung bezüglicher etwaiger Fortschritte in einem leeren Zimmer herum.
Er hatte die Zeit genutzt, um sich auszuruhen, seine anderen Verletzungen mit Hilfe der Macht zu beseitigen.

Um Padmé hatte er sich auf dem Weg zurück nach Coruscant bereits gekümmert. Obwohl ihr Körper wieder gesund zu sein schien, war sie nicht wieder aufgewacht. Es war, als wollte sie nicht mehr aufwachen…

Unsinn. Anakin schüttelte entschieden den Kopf. Nicht eine Frau, die sogar der Übermacht des Imperiums hatte trotzen wollen, mit ihrem bemitleidenswerten Versuch, eine Rebellion ins Leben zu rufen. Padmé würde nicht so einfach aufgeben. Für dieses Problem würde er sich eine Lösung einfallen lassen müssen, und zwar bald.

Sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht haben würde, musste Padmé verschwinden. Am besten war sie sicher auf Naboo aufgehoben. Ja, das war doch eine gute Lösung. Er würde sie nach Hause schicken. Dort konnte sie ein Leben in Stille und Zurückgezogenheit führen, fernab von den Sorgen der galaktischen Politik… Und später… Wenn sie irgendwann wieder vernünftig geworden war… Was mochte dann aus ihnen beiden werden? Hatte ihre Beziehung überhaupt noch irgendeine Chance, nach allem, was sie einander angetan hatten?

Liebe, was für ein seltsames Konzept… Was später einmal sein würde, würde sich ergeben. Anakin hatte im Moment wirklich andere Sorgen als darüber nachzudenken, was aus seinen Teenager-Träumen geworden war.
Außerdem gab es da ja noch das Kind, das genauso machtsensitiv wie er selbst sein würde, das von Anfang an in die richtigen Bahnen gelenkt werden würde. Und dann… Wenn Palpatine es am wenigsten erwartete…
Aber dieser Tag lag noch in weiter Ferne. Ein mildes, immer noch ein wenig erschöpftes Lächeln stahl sich über Anakins Lippen. Doch, alles in allem war die Jedi-Säuberung sehr gut für alle Beteiligten verlaufen…

„Lord Vader.“

„Meister…“ Zu spät hatte er den undurchdringlichen schwarzen Nebel von Sidious’ Präsenz in seinem Geist in der Nähe gefühlt. Die Schmerzmittel hatten seine Sinne betäubt. Umso schneller bemühte er sich, aufzustehen und jenen Kniefall nachzuholen, den ein Sith-Meister von seinem Schüler zur Begrüßung erwartete.
„Euer Auftrag wurde zu Eurer Zufriedenheit ausgeführt.“ Anakin hatte den Satz noch nicht richtig beendet, als sich eine unsichtbare Hand um seine Kehle schloss, als wäre er ein von der Macht völlig unberührter, hilfloser Sklave, als hätte er nicht vor Stunden noch einen der legendärsten Jedi-Meister des Ordens beseitigt. Er hatte nicht einmal mehr Zeit für ein überraschtes Röcheln, bevor seine Luftröhre zugedrückt wurde, solange, bis es bedenklich vor seinen Augen zu flimmern begann.
Da er genau wusste, dass ein Zusammenbruch seinen neuen Meister nur noch mehr erzürnt hätte, genau wie auch nur der kleinste Versuch, gegen diese offensichtliche Bestrafung zu kämpfen, wehrte er sich mit aller Kraft gegen die Ohnmacht. Selbst unter Zuhilfenahme der Macht, die er, gequält von diesem eiskalten Würgegriff, nur vage fassen konnte, fiel es ihm zusehends schwerer, auch nur seine untergebene Haltung beizubehalten. Seine linke Hand legte sich krampfhaft an seinen Hals, als das Brennen darin schier unerträglich wurde.

„Maßt Euch nicht an, zu entscheiden, was 'zu meiner Zufriedenheit' bedeutet, mein junger Schüler." Sidious verstärkte seinen Übergriff noch, sodass Anakin Blut in seiner Luftröhre fühlen konnte, ihm ein Stöhnen entwichen wäre, hätte er Atem dafür gehabt… Dann ließ er ihn los, verschränkte seine Arme in seiner Robe und beobachtete ohne jegliche Regung, wie Anakin um seine Fassung rang.
„Vergesst über Euren persönlichen Angelegenheiten nie wieder meine Befehle, Lord Vader. Und gewöhnt Euch besser schnell daran, dass ich jede Lektion nur einmal erteile.“

Mühsam ein Husten unterdrückend zwang sich Anakin, trotz dem wütenden Ziehen in seinen Stimmbändern sofort zu antworten. Er klang, als habe er drei Tage am Stück geschrien. „Ja, Meister. Verzeiht. Ich hätte die Droidenarmee deaktivieren sollen, wie es Euer Befehl war. Es wird nicht wieder vorkommen.“

„In diesem speziellen Fall sicher nicht mehr, nein.“ Die Strenge in Sidious’ Stimme verwandelte sich in Amüsement. Unter seiner tief ins Gesicht gezogenen Kapuze konnte Anakin ein sadistisches Grinsen sehen, das sein vernarbtes Gesicht noch unheimlicher, noch abstrakter wirken ließ. „Senatorin Amidala befindet sich in Gewahrsam. Ich möchte nicht, dass Ihr in naher Zukunft in Kontakt mit ihr tretet. Sollte ich einen Versuch in diese Richtung bemerken, werde ich über ihre endgültige Eliminierung nachdenken müssen. Offiziell glaubt man, die Senatorin ist bei einem Bombenattentat auf ihr Apartment in 500 Republica getötet worden. Für den Moment ist das auch der Status, den sie in Eurem Denken einnehmen sollte. Das ist für beide Seiten die beste Lösung.“

Wut wallte in Anakin hoch, über diese Bevormundung, die verächtliche Behandlung, wie einfach hier über seinen Kopf hinweg entschieden wurde…
Dann jedoch traf ihn eine Erkenntnis, die viel grausamer war als Sidious’ Züchtigung. Kälte, diesmal nicht in seinem Hals sondern in seinem Brustkorb saß, wie ein ungeschützter Atemzug in der Wüste von Hoth. Dort, wo einmal sein Herz gewesen war, eine zaghafte, mentale Verbindung zu einem Menschen, den er liebte, sogar jetzt noch, auch wenn er erfolgreich versucht hatte, das zu verdrängen… Da war jetzt nur noch Leere.
Es war nichts mehr da. Was zwischen ihnen gewesen war, war verloren gegangen. Es gab nichts, das sie verband.
Außer dem Baby.
„Wie Ihr wünscht, Meister. Ich ersuche allerdings um Senatorin Amidalas Entlassung, sobald unser Kind geboren wurde. Bis dahin wird sie von selbst eingesehen haben, dass sie sich zurückziehen muss.“

„Sollte Eure Gemahlin in naher Zukunft zu solcher Vernunft finden – und ich bin nicht so optimistisch – werde ich persönlich Immunität über sie verhängen. Im Moment gibt sie allerdings wenig Anlass zur Hoffnung, wie ich zu meinem Bedauern bemerken muss.
Was Euer Erbe betrifft- Senatorin Amidala hat ihr Kind verloren, Lord Vader. Das Baby hat Eure fehlende Selbstkontrolle auf Mustafar bedauerlicherweise nicht überlebt.“ Jedes von Sidious‘ Worte, so gespielt mitfühlend es ausgesprochen wurde, triefte vor Genugtuung. Das, womit er Anakin einst geködert hatte, das einzige, was seinem Schüler noch wichtiger gewesen war als seine Berufung als Macht-Nutzer, gab es nicht mehr. Nun konnte er sich Anakins ungeteilter Aufmerksamkeit sicher sein.

Nein!”
Unter dem Druck einer plötzlichen Welle aus telekinetischer Energie zerbrachen die Fenster des Raums, wurden stabile Durastahl-Oberflächen von Schränken und Tischen eingedellt. Mit schrillem Klirren zerbrachen Ampullen, Spritzen, Scanner, nicht den kleinsten Gegenstand gab es, der Anakins hilflosem Zorn entkommen konnte, an dem er nicht versuchte, dieses alles zerfressende Ätzen aus Schuld und Trauer in seinem Geist auszulassen… erfolglos.
Padmé hatte er gehen lassen können. Das Kind hingegen war ein Teil von ihm gewesen. Dieses schwarze Loch in seiner Brust sollte wohl das einzige sein, was von seinem Herz übrig geblieben war.

Sidious trat nicht einmal zurück, er genoss mit geschlossenen Augen, ohne auch nur für eine Sekunde sein Lächeln zu verlieren, die Gefühle der Dunkelheit, welche die Seele seines Schülers in einem nie gekannten Ausmaß durchflossen, sogar noch stärker als auf Mustafar. Die von nun an das einzige sein würden, was ihm Kraft gab.
Selbst als Anakin, zerrissen und geschüttelt von seinem Schmerz, am Boden kniete und nicht mehr wusste, wie er weiteratmen sollte… Als sein Meister sich zu ihm beugte, ihn mit seinen dürren Fingern in einer schwachen Geste des Trostes an der Schulter nahm... Selbst da umspielte noch dieses trockene Grinsen seine dünnen Lippen. Der Ausdruck der Freude darüber, dass Anakin nun von sich aus, ohne Zwang oder auch nur Druck die dunkle Seite gewählt hatte. Weil ihm gar nichts anderes mehr übrig blieb.
„Die letzten Reste Eures alten Lebens sind zerstört, Lord Vader. Seht dies als ein Geschenk an. Es liegt viel Arbeit vor uns. Es ist Zeit, Ordnung in dieser Galaxie zu schaffen.“
Vielleicht hatte er das Kind selbst getötet
Das würde er nicht wagen. Niemals… Das Risiko konnte er nicht eingehen, wenn er seinen Schüler an seiner Seite behalten wollte…

Mit Tränen der Wut in den Augen starrte Anakin in die kalten Augen seines Meisters, versuchte vergeblich, die Emotionen darin zu deuten. Es gelang ihm genauso wenig wie der Versuch, ihn mit der Macht zu durchschauen. Er konnte nur noch aufgeben und sich hingeben, wenn er nicht auch sein eigenes Leben noch verspielen wollte, das sein Meister in Sekunden beenden konnte, wie er gerade eindrucksvoll bewiesen hatte.

„Erhebt Euch, Lord Vader.“
Sidious trat zurück, ohne einen Versuch, ihm auf die Beine zu helfen. Er ließ keinen Zweifel daran, dass diese kurze Berührung alles gewesen war, das Anakin von ihm an Unterstützung erwarten konnte. „Während Ihr Euch von Eurer letzten Mission erholt, werdet Ihr ein neues Lichtschwert konstruieren, da Ihr Euer letztes auf so… ungeschickte Art verloren habt. Außerdem könnt Ihr die Einrichtung Eurer Hauptresidenz hier auf Coruscant in Auftrag geben. Ich erwarte von Euch, dass Ihr Euch in der Hauptstadt stets repräsentativ in Eurer Rolle an meiner Seite zeigt. Ein eigener Wohnsitz ist dazu unabdinglich und sollte genauso Euren Hang zur Macht und Kontrolle widerspiegeln, als auch den Status der Macht und des Wohlstands des Imperiums. Kümmert Euch darum.
Sobald Eure Genesung abgeschlossen ist, wendet Ihr Euch Euren militärischen Aufgaben zu.“
Schon hielt Sidious auf die Tür zu, strich dabei das zerborstene Inventar auf dem Boden ungeduldig mit der Macht aus dem Weg. Er blieb nur noch einmal stehen, als er keine Antwort von seinem Schüler erhielt. „Habt Ihr ein Problem mit meinen Anweisungen, Lord Vader?“

Sekundenlang lang schwieg sein Schüler weiter, sah dem Sith-Lord genauso hasserfüllt nach wie er noch vor kurzem Obi-Wan gemustert hatte. Sein alter Meister und sein neuer Meister. Kenobi hatte nicht gewusst, wie ähnlich er seinem Lieblingsfeind Palpatine in gewisser Hinsicht gewesen war.
Noch nie war er so versucht gewesen, diese abscheuliche Kreatur zu töten, wie er das jemanden noch vor gar nicht allzu langer Zeit versprochen hatte… Schon allein, um diesen Hass in sich zu betäuben, und um zu versuchen, alles wieder gutzumachen…
Er tat es nicht. Er stemmte sich mit seiner gesunden Hand hoch und senkte demütig den Kopf. „Nein, Meister.“

„Gut.“ Damit schloss sich die Tür hinter Sidious’ gebeugter, auf den ersten Blick so schwach wirkender Gestalt.

Statt ihm kam ein Med-Droide mit verschiedener Operationsausrüstung herein. Auch Vaders neuer künstlicher Arm war dabei. „Lord Vader… Legt Euch bitte hin, damit wir mit der Prozedur beginnen können.“

Vader ignorierte ihn. Sein Blick war noch auf den Ausgang gerichtet. Seine linke Hand war so hart zur Faust geballt, dass Blut aus seiner Handfläche tropfte.
Irgendwann, Meister.
Irgendwann.





‚Padawan.’

‚Nein.’

‚Es ist Zeit, aufzuwachen.’

‚Ich höre Euch gar nicht. Ihr seid tot. Und ich ebenso.’

‚Du hast eine sehr seltsame Vorstellung der lebendigen Macht, Padawan. Du bist nicht tot. Verlasse diesen Zustand jetzt- bevor es zu spät ist.’

‚Dann soll es zu spät sein.’

‚So einfach kannst du es dir nicht machen, Obi-Wan.’

‚Wen kümmert das noch?’

‚Selbst wenn es niemanden gäbe, musst du weitermachen. Geh jetzt.’

‚Ich habe Angst.’

‚Auch darum musst du zurück. Du hast noch viel vor dir, Padawan. Und ich… Ich bin immer bei dir.’





„Seid Ihr wach? Könnt Ihr mich hören?“
Die Stimme… Er kannte diese Stimme. Als er sie einzuordnen versuchte, sich bemühte, seine Augen aufzuschlagen, etwas zu sagen, sich zu erinnern, bestand das einzige Ergebnis in rasenden Kopfschmerzen.
Nun gut, dann lieber alles nach der Reihe, angefangen vom Zuordnen…

Die Stimme- es musste Senator Organa sein. Dunkel erinnerte er sich daran, diesen sonoren Klang mit der auffallend gewählten Betonung erst vor kurzem vernommen zu haben.

Wann war das gewesen? Die letzte wache Erinnerung formte sich in nicht mehr als verschwommenen Fetzen vor seinem inneren Auge. Rot glühendes Licht, durchbrochen von blauen Säbeln, beißender, stinkender Rauch, unerträgliches Brennen auf seiner Haut… Mustafar… Anakin.
Der Schmerz hinter seiner Stirn wurde von einem viel intensiveren in seiner Seele abgelöst. Langsamer jetzt schlug Obi-Wan erneut die Augen auf.

Tatsächlich, es war Bail, der neben ihm saß.
Hinter dem Senator von Alderaan stand ein Mitglied einer Obi-Wan unbekannten Spezies mit einem mundlosen weißlichen Gesicht, mehrere Med-Droiden und eine sehr besorgt aussehende Padmé.
Padmé. Sie lebte...

Reflexartig wollte sich Obi-Wan aufrichten, aber schon die kleinste Bewegung verursachte Schmerzen im ganzen Körper. Kurzzeitig wollte ihm wieder schwarz vor Augen werden. Er zwang sich, tief durchzuatmen, was seine Lunge mit weiterem Brennen und einem fremdartigen, tiefen Atemton belohnte. Nach einer bewussten Konzentration auf den Schmerz, der Übung, ihn loszulassen, ihn auszuatmen, wie man das schon als junger Padawan beigebracht bekam, nahm die Umgebung wieder klare Konturen an.

Als er das nächste Mal aufsah, saß auch Padmé neben ihm. Sie weinte. „Der Macht sei Dank. Auf diesen Moment haben wir seit Wochen gewartet. Bis jetzt konnten wir nicht sicher sein, dass er überhaupt jemals kommt.
Aber jetzt habt Ihr es überstanden. Ihr werdet leben, Obi-Wan. Zum Glück. Ich wüsste nicht, ob wir ohne Euch hätten weitermachen können.“

Es brauchte drei Anläufe, bis Obi-Wan endlich die einfachen Worte „Was ist passiert?“ hervorstoßen konnte. Seine frühere Stimme war von einem Transmitter in seinem Kehlkopf ersetzt worden, der jede Silbe eine Oktave tiefer klingen ließ. Atmen schmerzte, von seiner Luftröhre bis tief hinunter in seinen Brustkorb. Er brauchte weder lange Erklärungen noch eine Untersuchung mit der Macht, um zu begreifen, dass die Luft auf Mustafar seine Lunge nachhaltig beschädigt haben musste.

„Für Erzählungen ist später Zeit.“ Bail legte Obi-Wan kurz eine Hand auf den Arm. „Im Moment sind wir nur alle froh, dass Ihr lebt, Meister Kenobi. Versucht Euch auszuruhen. Wir sind in Sicherheit vor dem Imperium, auf einem Planeten namens Polis Massa.
Ich bin nicht sicher, dass ich noch da bin, wenn Ihr das nächste Mal aufwacht. Ich muss zurück nach Coruscant. Aber wir bleiben immer in Verbindung. Die Rebellion hat meine volle Unterstützung in ihren Plänen.“
Bails Hand begann heftig zu zittern, schnell zog er sie weg und stand auf. „Ich… Entschuldigt mich.“ Überhastet stürzte er aus dem Raum.

Als Obi-Wan diesmal versuchte, seinen Arm zu bewegen klappte es. Jede Muskelanstrengung ließ helle Sterne der Erschöpfung vor seinen Augen tanzen. Er wusste, dass er bald wieder bewusstlos werden würde. Aber er musste es der Senatorin zumindest sagen. Er musste es wissen…
Als er Padmés Hand nahm, zuckte sie zusammen. Ihr Blick war leer, gebrochen. „Es tut mir leid.“

„Wir alle haben Schuld, Obi-Wan.“ Padmé strich sich abwesend über die Augen. Sie sah fremd, verändert aus, in einem einfachen, weißen Hemd und mit offenen Haaren, völlig ungeschminkt. Sie war sehr dünn im Gesicht geworden. Der Schwangerschaftsbauch war verschwunden, dabei war es dafür auf Mustafar eigentlich noch lange nicht die richtige Zeit gewesen...
Als die junge Frau Obi-Wans kritischen Blick auf ihren Körper bemerkte, zwang sie sich zu einem Lächeln. „Nicht alles ist verloren. Sie sind da, Obi-Wan.“

Sie?“ Allein dieses kleine Wort zu betonen, stellte eine so große Belastung für seine neue Lunge dar, dass sich ein Hustenanfall melden wollte, den Obi-Wan nur mit aller Mühe unterdrücken konnte. Husten wäre jetzt eine sehr schlechte Idee gewesen. Die Schleier in seinem Kopf verdichteten sich. Müdigkeit erfasste ihn.

„Luke und Leia.“ Tränen liefen über Padmés Wangen. In ihren dunklen Augen leuchtete die jugendliche Freude einer liebenden Mutter. „Ich habe Zwillinge bekommen. Um Monate zu früh, aber zum Glück ist die medizinische Versorgung hier so weit entwickelt, dass die beiden gerettet werden konnten.
Schlaft jetzt, Obi-Wan. Ich werde wieder bei Euch sein, wenn Ihr aufwacht.“

So viele Fragen lagen ihm noch auf der Zunge, soviel gab es, das er wissen musste… Aber die völlige Übermüdung siegte, und nur Padmés einfache Worte...

Nicht alles ist verloren.

Nur diese schwache Aussicht auf eine mögliche Zukunft in seiner Erinnerung gaben Obi-Wan einen Grund, wieder aufzuwachen. Keine paar Sekunden später war er wieder in jenen traumlosen Zustand tiefer Bewusstlosigkeit gefallen, der für seine behutsame Regenerierung notwendig war.





„Vielleicht hättest du es ihm gleich sagen sollen.“ Als Padmé das Krankenzimmer verließ, hatte sich Bail bereits gefangen. Die übliche steife Advokatenmaske beherrschte spätestens wieder seine Gesichtszüge, als er sich zu ihr umdrehte, sich von der weiten Fensterfront abwandte, durch welche man einen großzügigen Ausblick die trostlose, graue Berglandschaft von Polis Massa hatte. Doch das Licht der Neonstrahler an den Decken konnte nicht verbergen, wie blass er unter seinem Kinnbart geworden war.

„Was sagen?“ fragte sie ruppig. „Solange wir nichts Genaues wissen, gibt es nichts, was ich ihm sagen muss. Sein Zustand ist kritisch genug.“

„Und er wird sich auch nicht bessern, wenn du ihm verschweigst, dass er vermutlich nie wieder gehen kann. Streich das ‚vermutlich’.“ Bail verschränkte skeptisch die Arme. „Du weißt, was die Ärzte gesagt haben.“

„Obi-Wan braucht keine Ärzte, um zu wissen, dass er schwer verletzt ist. Vermutlich weiß er es schon viel besser, als wir es uns vorstellen können. Was die Medizin nicht vermag, kann vielleicht die Macht. Hoffen wir das Beste.
Entschuldige mich. Ich muss Dormé ablösen.“

Padmés Dienerin passte schon den ganzen Tag auf die Kinder auf, seit die Polis Massa-Ärzte mitgeteilt hatten, dass ihr größter Sorgenpatient bald aufwachen würde und Padmé an seinem Bett gewartet hatte. Sie hatte sich ein paar Stunden Ruhe verdient.

„Ich will nur nicht, dass dir noch einmal so wehgetan wird.“ Bail stellte sich ihr in den Weg, legte ihr mit einem Hauch seiner früheren Energie beide Hände auf die Schultern. „Mach dir nicht zu viele Hoffnungen.
Was haben wir denn schon? Eine Gruppe Senatoren, die gegen Palpatine ist und einen verdammt schwer angeschlagenen Jedi-Meister, der vermutlich jeden Glauben an den Orden und die Macht verloren hat. Nicht einmal Meister Yoda hatte Hoffnung, dass wir in naher Zukunft irgendetwas ausrichten können. Er hat sich nicht umsonst nach Dagobah zurückgezogen, Padmé. Er weiß, dass uns vorerst die Hände gebunden sind.“

„Heißt das, du hast bereits aufgegeben?“, stieß Padmés wütend hervor. „Du willst dich fügen, einfach so?“

„Ich kann mich erinnern, dass du vor noch gar nicht allzu langer Zeit genauso gedacht hast“, gab Bail nicht minder aufgebracht zurück. „Wenn ich dich nicht aus Palpatines Griff befreit hätte, wärst du jetzt tot.“ Seine Fingerspitzen glitten für einen winzigen Moment über die lange Narbe an ihrem Hals, die sie beinahe das Leben gekostet hatte. Nur eine der vielen Zeichnungen, die sie davongetragen hatte, bevor er sie befreit hatte. „Er hätte nicht einmal versuchen müssen, dich zu exekutieren. Das hättest du ihm selbst abgenommen. Habe ich Recht?“

„Das verstehst du nicht.“ Schon wieder liefen ihr Tränen über die Wangen, und sie hasste sich dafür, machte sich aber nicht einmal mehr die Mühe, sie zu verstecken, sie wegzuwischen. Früher war sie nie so schwach gewesen. Seit Mustafar war es ihr, als ob ihr mentaler Schutzschild etwa so stabil wie Schmetterlingsflügel war. „Du weißt nicht, wie das ist, wenn man eine mentale Verbindung zu jemandem hat, und da ist plötzlich nur noch Leere. Ich kann nicht einmal sagen, was passiert ist. Ich weiß nicht, ob Anakin sich selbst von mir getrennt hat oder ob Palpatine dahinter steckt. Ich weiß nur, dass ich ihn von einer Sekunde auf die andere nicht länger spüren konnte. Da war nichts mehr. Ich habe mich noch nie im Leben so allein gefühlt. Ich habe alles falsch gemacht.“

„Und jetzt glaubst du, wenn du Obi-Wan hilfst, macht das wieder gut, was du bei Anakin versäumt hast.“ Die Ohrfeige kam sicher nicht unerwartet für Bail, aber sie tat ihm merklich weh, und zwar nicht körperlich.
„Tut mir leid.“ Schnell trat er zurück, über sich selbst den Kopf schüttelnd. „Ich weiß nicht, was gerade in mich gefahren ist. Ich habe kein Recht, dir Vorwürfe zu machen.“

„Nein, mir tut es leid.“ Padmé ließ sich zitternd auf einen Stuhl im Besucherraum sinken, ihre Hände krampfhaft in ihrem Schoß verschränkt, bevor sie womöglich noch einmal ausgerechnet eine der wenigen Personen angreifen konnte, die ihr jetzt noch als Beistand geblieben waren. „Du hast ja Recht. Erst, als wir Obi-Wan gefunden haben, habe ich meinen Mut wiedergefunden. Er ist alles, was wir jetzt noch haben. Auch wenn Meister Yoda das anders sieht. Wir können nicht einfach hinnehmen, was passiert ist. Wir haben eine Verantwortung dieser Galaxie gegenüber. Wir waren schon viel zu lange blind.“

„Und genau deswegen dürfen wir jetzt nichts überstürzen.“ Ihr alter Freund kniete sich vor sie hin und nahm ihre kalten Hände in seine. „Das macht alles nur noch schlimmer. Du hast auch eine Verantwortung, Padmé, und zwar deinen Kindern gegenüber. Sie sind jetzt unsere Hoffnung. Wir sind alle für dich da, und besonders ich… Aber die wichtigste Bezugsperson für sie bleibst du- und Obi-Wan.
Du bist doch stark, Padmé. Du kannst etwas bewirken. Ihr beide. Ihr könnt alles anders machen. Ihr könnt helfen, diese Katastrophe ungeschehen zu machen.
Aber für den Moment bleibt uns nichts übrig, als das Imperium mit allen Konsequenzen zu akzeptieren.“

„Das kann ich nicht“, flüsterte sie erstickt. „Wir müssen doch etwas tun! Wir müssen die anderen mobilisieren. Wir müssen…“ Sie brach ab, weil der Schmerz, die Schuld, auch die Wut in Bails Blick ihr klar machte, dass er genauso fühlte wie sie. Er war nur vernünftiger als sie. Immer schon gewesen. „Wir sind völlig hilflos, nicht wahr?“

„Nein, sind wir nicht.“ Bail zog sie sanft an sich heran und nahm sie fest in den Arm, als sie einmal mehr schluchzend zusammenbrach. „Was wir tun können, haben wir schon begonnen.
Ich muss heute noch abreisen. Ich kann nicht länger warten. Aber ich bin jederzeit für dich da, hörst du? Ich lasse dich nicht allein.
Und du bleibst hier, kommst wieder zu Kräften, hilfst Obi-Wan und passt auf deine Kinder auf. Ich weiß, dass du das kannst. Du bist doch mein Mädchen.“

Ihr heftiges Keuchen erstickte ihre Stimme zu sehr, um zu antworten, aber ihr stumpfes Nicken an seiner Schulter reichte, um ihm zu vermitteln, dass sie verstanden hatte.
Für ein paar Minuten hielten sie sich einfach aneinander fest und boten sich gegenseitig den einzigen Trost, den es im Moment für die letzten Ritter der Demokratie gab.
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