Wenn die Welt still zu stehen scheint

von Zidana
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Castiel Lucifer
18.03.2012
09.11.2013
24
34.064
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18.03.2012 1.194
 



Wenn die Welt still zu stehen scheint


„First Moment - aus etwas heraustreten“

Kapitel 1
Hinter mir das Chaos


Während der Blonde den Fuß anhob, um über die Türschwelle aus der Kneipe herauszutreten, schien hinter ihm gerade das Chaos auszubrechen.

Alle oder zum mindestens ein Großteil der Kneipenbesucher hatten ihren Spaß gehabt, hatten getrunken, Alkohol – ja sehr viel Alkohol – und einige auch etwas gegessen. Das Lachen drang aus allen Ecken, der Geruch von Alkohol erfüllte die Luft, die so oder so schon unter Sauerstoffmangel litt und der Qualm von Zigaretten – möglicherweise auch zwischen durch der Dampf aus E-Zigarette – ließ den Raum etwas neblig erscheinen. Das Licht war gedämpft und versetzte den ganzen Raum in eine abendliche Stimmung die gerade zum Trinken einlud. Ab und an flackerte auch rotes, blaues und grünes Licht durch die Fenster, die von samtig roten Vorhängen umgeben waren.

Die hauptsächlichen Gäste waren Männer, aber hier und da hatte sich auch eine Frau angefunden, meist nur Spärlich bekleidet, mit hochgesteckten Haaren und mindestens 3 Tonnen Make-up im Gesicht – wahrscheinlich hart wie Stein, da hätte man nur die Stirn auf die Tischplatte donnern müssen und alles wäre abgebröckelt.

Er hatte sich für keine einzige dieser billigen Tussis interessiert, er wollte bloß  etwas Ruhe, zu Flucht im Alkohol finden, bloß weg von alle dem, in eine andere Welt und da hatten Frauen ausnahmsweise nichts verloren, denn genau diese Geschöpfe, die viel bezaubernder ohne den ganzen Schmierkram im Gesicht aussahen, waren Schuld an seinem neusten Streit mit seinem Vater.

Er hatte auf einer Party etwas zu viel getrunken -  na gut wenn er es sich eingestand, dann war es mehr als nur etwas zu viel – und war an ein ihm bis dahin unbekanntes Mädchen geraten. Anna war ihr Name gewesen, wenn er sich nicht irrte.

Sie war hübsch, das Make-Up, welches leider auch sie getragen hatte, hatte sie dezent gehalten, ihre Haare waren rot und auch jetzt wusste er noch nicht, ob es echt war oder nicht, außerdem war da ihr bezauberndes Lächeln, welches sie ihm geschenkt hatte, als er ihr mit seinem Bier zu geprostet hatte.

Es war der Moment in dem er wusste, dass sie an diesem Abend im Bett landen würden, da war etwas in ihrem Blick gewesen.

Und er hatte Recht behalten, sie war mit zu ihm nach Hause gekommen und hatten eine wirklich heiße Nacht gehabt, die er wohl niemals vergessen würde, aber das Problem war ja erst am nächsten Morgen aufgetaucht.

Lächelnd war er aufgewacht, hatte sie neben sich gespürt, warm und weich, ein Lächeln hatte sich auf sein Gesicht gestohlen. Sie war wirklich bezaubernd, aber es war ihm jetzt schon klar, dass aus ihnen nichts Festes werden würde, das hatte er ab dem ersten Wort, was sie mit ihm gewechselt hatte, gewusst. Sie war noch nicht so weit, dass sie etwas Festes wollte, sie wollte bloß ihren Spaß und den hatten sie gehabt.

Trotzdem wollte er ihr einen schönen Morgen bereiten, also stand er auf, schlich leise, ohne sie aufzuwecken, nach unten in die Küche, kochte Tee und Kaffee, steckte ein paar Brötchen zum Aufbacken  in den Backofen und stellte den Aufschnitt von Wurst über Käse bis hin zu Marmelade auf den Tisch.

Vorher hatte er sich vergewissert, dass es nach10 Uhr morgens war, denn dann war sein Vater definitiv schon weck, wie jeden Samstag etwas für das wohl der Allgemeinheit tun – was auch immer das war.

Als er die Treppe dann wieder nach oben schlich, war Anna schon wach denn sie rief nach ihm: „Luci?“

Er lächelte wieder, als er das Zimmer betrat und sie aufrecht ich im Bett saß. Aufmerksam betrachtete sie ihn, wie er da nur in seinen Shorts stand, seinen Augen auf sie gerichtet, wie sie die Decke bis unters Kinn gezogen hatte und ihn scheu anlächelte.

„Gute morgen.“, flüsterte er in die Stille.

Seine Stimme und dieses Lächeln, waren das, was sie an ihm so sympathisch fand. Die Stimme weich, ehrlich und ein Ton von „Ich-leb- mein-Leben-so-wie-es-mir-passt-und-das-wird-auch-keiner-so-schnell-ändern“, aber trotzdem war da dieses sanfte in seinem Gesicht und natürlich die Augen, die auf gewisse Art und Weise so verletzlich und gleichzeitig so amüsiert wirkten.

Gerade wollte sie etwas erwidern, da stand hinter Lucifer im Türrahmen ein etwas älterer Mann, der nicht sehr glücklich wirkte und fing an, herum zu keifen.

„Wer ist das denn?!“

„Was machte diese nackte Tussi da in deinem Bett!?“

„Hast du schon wieder was getrunken!“

„Was wenn du die geschwängert hast!?“

„Ich hab dir gesagt ich will so was nicht mehr sehen!“

„Schaff mir diesen Abschaum aus dem Haus!“

Und weitere durchaus beleidigende Dinge brüllte der Mann -  ja genau das war Lucifers Vater gewesen – aber Lucifer drehte sich nicht um. Sein Gesichtsausdruck sah durch aus neutral aus, nur die Ader, die an seiner Schläfe pochte, zeigte, dass er auf 180 gewesen war.

Das einzige was ihm in dem Moment aber übrig geblieben war, war Anna so schnell wie möglich hier heraus zu schaffen, damit sie nicht noch in Tränen ausbrach oder ähnliches.

Irgendwie hatte er sie bekleidet da heraus gebracht, es tatsächlich noch geschafft mit ihr gemütlich bei einem Bäcker zu frühstücken und sich dann immer noch freundlich von ihr verabschiedet. Bevor sie dann allerdings gegangen war, musste sie ihm überflüssigerweise noch sagen, dass aus ihnen so oder so nichts geworden wäre.

Ein weiterer Grund für Lucifer sich tatsächlich einmal zu betrinken. Vielleicht sollte er es wieder einmal übertreiben und dann so richtig- So, dass er im Krankenhaus landete, so, dass sein Vater sich endlich mal Sorgen wegen etwas richtigem machen musste! Nicht wieder wegen so einem kleinen Scheiß! Wie kam er überhaupt dazu, dieses Mädchen von einem Engel Abschaum zu nennen!?

Lucifer hatte es nicht verstanden, hatte es noch nie wirklich verstanden, wenn sein Vater ihn angeschrien hatte, aber mittlerweile war es ihm egal. Sein Vater bevorzugte eben seinen Bruder Michael.

Michael der gehorsame.

Lucifer, der , der immer Chaos verbreitete.

Und ja so war es tatsächlich, wie man in genau dem Moment sehen konnte, als er die Kneipe wieder verließ.

Er hatte es wieder einmal nicht geschafft Hacke dicht zu sein, er hatte schnell die Lust am Trinken verloren, weil er wusste, dass es nichts änderte und beschlossen wieder zu gehen.

Den Fuß schon draußen vor der Tür, ging hinter ihm an einem Tisch die Flamme der Kerze auf einen der Vorhänge über, der Barkeeper fegte im Taumeln sämtliche teuren Schnäpse vom Regal, die eine Tussi schlug nem Kerl ins Gesicht, ein anderer Kippte mit zu viel Alkohol im Blut um und irgendwo drei Meilen hinter ihm ertönte die Feuerwehr oder war es doch eher ein Krankenwage?

Nein es stimmte tatsächlich, egal wo er hinging, hinter ihm herrschte Chaos und Verwüstung.

Aber genau in diesem Moment, jetzt, wo er aus der Kneipe heraus getreten war, wo die frische Luft ihn erreichte und wie eine Peitsche ins Gesicht schlug, konnte er darüber nur lachen. Er genoss es.
Morgen, wenn er wieder in der Schule sitzen würde, dann sah es wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus, aber jetzt, war es genau das, was er brauchte. Chaos und Verwüstung.
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