Ich komme klar

von KyaStern
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Elizabeth Hawke Toby Johnson
15.03.2012
15.03.2012
1
2687
3
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Titel: Ich komme klar
Arbeitstitel: Verliebt
Kapitel: 1/1
Autor: KyaStern

Kommentar: Es gibt viel zu wenig Geschichten zu Total Genial. So ganz kann ich das nicht
                       nachvollziehen. Also mach ich mich selbst dran und schreibe. Eigentlich
                       wollte ich diese Geschichte gar nicht hochladen, aber ich habe sie mir (dank
                       eines lieben Kommis, das ich bekommen habe) noch einmal durchgelesen
                       und noch ziemlich überarbeitet. Jetzt gefällt sie mir eigentlich ganz gut.
                       Deswegen eine  Bitte an alle Leser:
                       Sagt mir, was ich an meinem Schreibstil verbessern kann! Oder einfach
                       alles. Von Komma-, Grammatik- oder Rechtschreibfehlern bis zu
                       unverständlich Passagen. Selbst wenn ihr es nicht schafft, bis zum Ende
                       zu lesen, könnt ihr mir schreiben, ab welchen Punkt ihr es nicht weiter
                       ausgehalten habt und welches Wort das Fass zum Überlaufen brachte. Ich
                       lese auch gerne und ich kenne das Problem.
                       Bevor der Monolog noch länger wird, noch einen herzlichen Dank an Rose Black.
                       Du hast mich wirklich animiert weiter zu machen!


„..." reden
‚...' denken

Viel Spaß!
---

Was du liebst, lass frei.
Kommt es zu dir zurück, gehört es dir.
Wenn nicht, hat es dir nie gehört…


---

Elizabeth wusste, dass sie ihn damit in eine unfaire Situation brachte. Doch der Moment
erschien ihr so richtig oder vielleicht war sie nur zu betäubt um logische Entscheidungen
zu treffen. Von Jack, von der Höhe, von dem Sturz…

Sie hatte keine Ahnung, wie viele Male Toby sie gerettet hatte ohne eine Gegenleistung zu
erwarten. Gar eine zu erwähnen… Elizabeth wusste langsam nicht mehr, ob das seine
normale, bescheidene Reaktion war oder ob er immer noch nichts mit ihr zu tun haben
wollte.

Die Frage ließ ihr keine Ruhe. Sie war ihm so unheimlich dankbar, wusste es aber nicht
auszudrücken ohne dass er es als Bedrohung empfand.

Die Sache mit Jack hatte ihr den Boden unter den Füßen weggerissen. Das all zu bekannte
Gefühl von Ohnmacht hatte sie gepackt und sie im Gegensatz zum Koala nicht wieder
losgelassen.

Es war doch sowieso egal, was sie tat. Das Gefühl der Kontrolle und Sicherheit war
verschwunden. Mehr konnte doch nicht passieren.

„Für mich gab es nie einen anderen… als dich.“

Elizabeth schaute Toby in die Augen. Sie gab ihm keine Zeit um zu reagieren und zog ihn an
sich. Und dann küssten sie sich. Einmal und endlich nach all der Zeit küssten sie sich.

Es war schon zu spät, als sie merkte, dass nur sie ihn küsste, und er versuchte Abstand
zwischen sie beide zu bringen. Ja, er hatte die Augen geschlossen, doch er hatte nicht
erwidert.

Er lehnte sich ein Stück aus ihrer Umarmung zurück.

Sie konnte den inneren Konflikt in seinen Augen sehen. Eine kalte Abfuhr entsprach nicht
seinem Wesen. Sie hatte ihn nicht auch in das Gefühl der Ohnmacht reißen wollen…

„Also… Wie auch immer… Ich…“, fing er an und drehte sich hilfesuchend zu seinen
Freunden.

Eine Ausrede suchend…

„Ich muss jetzt gehen.“

Er drehte sich noch einmal zu ihr. Die Arme sanken ihr nach unten. Sie schienen ihr auf
einmal so überflüssig und baumelten halb angewinkelt an ihren Seiten.

Zurückweisungen taten weh.

Hätte sie nichts gemacht, dann wäre alles in Ordnung. Es war es nicht mal wert
gewesen…

Toby küsste Elizabeth leicht auf die Wange.

Sie konnte das stumme Entschuldige in seinen Augen lesen und musste lächeln. Der letzte,
der Schuld trug, war er.

„Wir sehen uns nachher.“

Sie nickte leicht. Wann nachher sein sollte, wusste sie nicht, aber sie wollte es ihm nicht
noch schwerer machen.

Er musterte sie noch einmal, zog spielerisch flirtend seine Augenbraue hoch, um dann zu
Grinsen und sich erst rückwärtsgehend von ihr zu entfernen.

Das brachte sie zum Schmunzeln. Ihre Mundwinkel zogen sich leicht nach oben und sie
schaute ihm stumm hinterher.

Er umarmte seine Freunde. Drehte sich noch einmal zu ihr um.

Sie lächelte noch einmal für ihn. Aufmunternd und bestätigend. Elizabeth nickte scheinbar
unsichtbar mit dem Kopf und sprach still für sich:„Na, geh schon. Ich komm klar.“

Sascha und Russ zogen ihn weg vom Strand. Den beiden war die ganze Situation
sicherlich zu subreal.
Einen Augenblick stand sie noch an den Fleck, wo man sie zurückgelassen hatte.

---

‚Ich komm klar! Ich komm klar!’, wiederholte sie immer wieder in ihren Gedanken.

Noch ein paar Mal und sie schaffte das vielleicht sogar. Elizabeth war eine sture
Persönlichkeit mit einer gehörigen Portion Stolz. Sie konnte sich auch gegen sich selbst
durchsetzten.

In einiger Entfernung konnte man noch immer die Geräusche der Hubschrauber und
Feuerwehrfahrzeuge hören. Auch die Medien wären bestimmt versammelt. Doch der Lärm
war nur nebensächlich. Der Wind trieb ihn größtenteils in die andere Richtung.

Zurück zur Brücke konnte sie trotzdem nicht, ohne passende Ausrede, und sie fühlte sich
nicht danach, ihre Mutter anzurufen.

‚Ich komme klar. Mir geht es gut.’

Sie ging ein Stück am Wasser lang, ließ die leichte Nachtbrise auf sich wirken, bevor sie
sich in den Sand setzte.

Die Wellen, die auf den Strand gespült wurden, endeten nur wenige Zentimeter vor ihren
Zehen.

Sie zog die Knie an und starrte gedankenverloren aufs Meer. Oder sollte sie sagen, seit
langer Zeit ohne jeglichen Geistesblitz? Ihr Kopf war leer.

Zu leer. Das konnte nicht gut gehen. Elizabeth konnte nicht, an nichts denken. Das war
schon so, bevor sie ein Genie war.

Wenn sie es nicht bewusst tat, dann tat sie es unbewusst, und so strömten die Ereignisse
des Tages wieder auf sie ein.

Der Morgen in ihrem Labor kam ihr so weit entfernt vor. Wie leicht sie Jack manipuliert
hatte…

‚Dämlich!’, schimpfte sie sich selbst gedanklich.

Sie hatte zugelassen, dass ihre Gefühlswelt Überhand nahm. Sie konnte Jack noch nicht
einmal die gesamte Schuld zuschreiben. Das hatte sie ganz alleine zu verantworten.

Jack hatte es nur zu nutzen gewusst.

Und ja! Es war nicht unangenehm gewesen. Kein Junge hatte ihr je Beachtung geschenkt –
am allerwenigsten der, von dem sie es wollte – und seit dem MFE machte der männliche
Anteil der Schule einen noch größeren Bogen um sie als zuvor.

Es war so leicht gewesen sich einzureden, dass Jack sie mochte. Sie verstand, sie
anhimmelte und vielleicht so gar begehrte. Sich für sie interessiert. Nur für Elizabeth…

Das war schmeichelhaft und verlockend. Sehr verlockend, wenn man nur aus den
Augenwinkeln mit ansehen konnte, wie Toby mit einer anderen Händchen hielt.

Was passiert war, konnte sie nicht ändern.

Jack hatte sie ausgetrickst und sie war zu vertrauensselig gewesen, um es zu merken.
Fakt.

Vertrauen machte dumm. Und Elizabeth war nicht dumm. Normalerweise…

Vielleicht ein bisschen besessen...

…krankhaft eifersüchtig,…

…größenwahnsinnig und extrem ehrgeizig,…

…hysterisch und egoistisch…

Aber sie hatte auch ihre guten Eigenschaften.

Hatte sie! Denn sie kam klar.

‚Ich komme klar…’

Und auf jeden Fall war Jack nicht unschuldig! Weit gefehlt. Sie hatte wohl ‚nachtragend’ bei
ihrer Selbstanalyse vergessen. Doch das machte nichts.

Jack Bailey würde es büßen, sie jemals so behandelt zu haben. Wenn Demeris schon ihre
Wut zu spüren bekommen hatte, dann sollte Jack sich auf ein vielfaches davon gefasst
machen…

Was eigentlich mit ihm passiert war, hatte Elizabeth nicht weiter mitbekommen. Toby hatte
ihn wohl gestoppt. Sonst sähe die ganze Situation bestimmt anders aus. Es war ihr ehrlich
gesagt auch egal, solange sie ihn später zu Hackfleisch verarbeiten konnte.

Wo sich der Kreis wieder schloss: Toby

Elizabeth ließ sich ungeachtet ihrer Kleidung nach hinten in den Sand fallen. Der Himmel
war klar. Sie konnte sogar einige Sternbilder erkennen.

Toby Johnson war Ausgangspunkt und Schnittpunkt und Mittelpunkt von allem.

Wenigstens in Elizabeths Galaxie. Ohne ihn wäre sie kein Genie, ohne ihn hätte sie sich
nicht auf Jack eingelassen und manch andere kindische Aktion gemacht. Und ohne ihn
wäre sie heute wohl eine Patientin im Leichenschauhaus.

Abgekratzt von dem Asphalt der Brücke. Oder an einem unbekannten Virus verstorben.
Oder von einem T-Rex gefressen und danach von den Medien zerfetzt worden…

Bei all dem genialen Mist, den sie beide verzapft hatten – sie mehr als er, aber das konnte
man übersehen -, so war Toby immer da gewesen, wenn es drauf ankam.

Wenn sie nicht mehr klar kam…

‚Es geht nicht ohne ihn’, dachte sie und betrachtete weiterhin den Sternenhimmel. Den
großen Wagen und Polarstern konnte sie eindeutig identifizieren. Auch das w-förmige
Sternenbild der Kassiopeia.

Sie konnte sich auf Toby verlassen. Mochte er noch so sauer sein, er würde kommen und
sie retten, wenn es keiner mehr tat. Wenn Verity oder Garth nicht mehr herbeieilten und
jeder andere sie ihr den Rücken zukehrte und allein ließ um zu Grunde zu gehen.

Elizabeth brauchte Toby. Sie hatte seit dem Kindergarten für ihn geschwärmt und richtig
verliebt war sie in ihn seit der High School. Aber erst seit er sie wirklich wahrgenommen
hatte, war sie sich sicher, dass sie ihn liebte.

Da hätte Jack nie ausgereicht und das hätte sie sich auch irgendwann eingestehen
müssen.

Elizabeth brauchte Toby, aber Toby war nicht auf Elizabeth angewiesen.

‚Er kommt klar. Mit und ohne mich.’

Sie schloss die Augen und blendete den Sternenhimmel und die Umgebung aus. Nur der
Wind blies leicht über sie hinweg. Sie versuchte sich zu erinnern.

‚Hat er je eine positive Eigenschaft an mir gesehen?’

‚Krank’, ‚nicht ganz dicht’ und ‚verrückt’ waren keine schönen Adjektive…

Hatte er nicht mal gesagt, sie sähe gut aus?

Elizabeth schluckte einmal. Auf gutes Aussehen wollte sie sich nicht reduzieren lassen
und außerdem war das keine Charaktereigenschaft.

Die Erinnerung war auch nicht gerade angenehm. Er hatte das gesagt, als er ihr eine der
schlimmsten Zurückweisungen erteilt hatte, die sie je von ihm zu hören bekam. Böse hatte
er sie betitelt. Das hatte die Demütigung, die sie von Mr. Tesslar erhalten hatte, nur noch
gesteigert…

Ruckartig schlug sie die Augen auf und setzte sich wieder aufrecht hin. Das Meer kam
immer dichter an ihre Füße heran, aber es interessierte sie nicht. Sie fühlte, dass sie kurz
vor einer Erkenntnis stand. Kein Geistesblitz, nein… Eher so als läge es einem auf der
Zunge und man bräuchte nur noch einen Schritt und würde es alles begreifen.

Aber es war kein angenehmes Thema und sie dachte nicht gerne über ihre Fehler nach.

‚Meine Fehler…’, dachte sie und dann folgte ein Gedanke auf den anderen.

‚Wenn es nicht an Nikki oder Dina oder Bianca liegt, sondern an mir?’

Ihre Hände begannen zu zittern. Sie versuchte es krampfhaft zu unterdrücken. Doch es
wollte nicht abklingen.

Elizabeth krallte ihre Hände in den Stoff ihres Rockes.

Dann kam der Durchbruch. Viele der Situationen ergaben jetzt einen Sinn, wenn man sie
von einem anderen Blickwinkel aus betrachtete.

‚Habe ich ihm je meine positiven Seiten gezeigt?’

Es war wie eine rhetorische Frage an sich selbst. Sie wusste die Antwort schon, bevor
sie sie stellte. Sie war ja nicht dumm, doch war sie gleichzeitig entsetzt von ihrer
eingeschränkten Sichtweise.

‚Wann habe ich das letzte mal jemanden eine gute Seite an mir gezeigt ohne
Hintergedanken?’

Vor dem Unfall mit dem MFE und nicht einmal da besonders oft. Sie war so mit sich selbst
beschäftigt gewesen. So damit beschäftigt gewesen sich einzureden, dass sie klar käme,
dass sie nicht mehr gesehen hatte:

‚Ich komme überhaupt nicht mehr klar.’

Elizabeth verpasste sich eine mentale Ohrfeige für ihre äußerst geniale Selbsttäuschung.

---

Elizabeth hatte ihr Zeitgefühl komplett verloren. Es könnten erst wenige Minuten vergangen
sein, seit Toby gegangen war, oder auch schon die halbe Nacht. Sie wusste es nicht mehr.

Sie spürte es nicht mehr.

Das Eingeständnis, dass sie Fehler gemacht hatte – dass sie nicht unfehlbar war -, hatte
ihr Weltbild auf den Kopf gestellt.

Ihre wunderschön zurechtgebastelte Lebenseinstellung hatte sie gerade eben selbst
zerstört und dieses eine Paradigma hatte alle Theorien und Modelle zu Nichte gemacht.

Elizabeth wollte am Liebsten einfach im Sand sitzen bleiben und in Selbstmitleid versinken.
Doch auch dafür war sie zu stur. Eine kleine Stimme in ihrem Inneren flüsterte:‚Du musst
alleine klar kommen. Wenn du nicht aufstehst, hilft dir keiner.’

Ihre Galaxie würde verschwinden, wenn sie nicht selbstständig etwas tat und einen
Ausweg fand, weil der Mittelpunkt sich irgendwann in dieser Nacht mit entschuldigendem
Blick und Lächeln verabschiedet hatte. Das musste sie alleine tun. Toby hatte sie heute
schon genug Ärger bereitet.

Es war an der Zeit, an andere zu denken.

Er war in einer festen Beziehung. Und er war nicht wie Jack. Es war an der Zeit, ihn
gehen zu lassen.

Vielleicht war es besser diese Entscheidung bewusst zu treffen.

Nikki war ein hübsches Mädchen. Nicht die hellste, aber gutmütig und fleißig. Er brauchte
ein bisschen Normalität in seinem Leben und Nikki konnte ihm das bieten. Sie passten gut
zusammen.

Elizabeth hatte das nur aus Eifersucht nicht wahrhaben wollen.

Und nun beschloss sie, den beiden ihren Segen zu geben. Sie würde sie nicht mehr
belästigen oder andersartig manipulieren, dass nahm sie sich vor.

Elizabeth wischte sich die Tränen, die ihr ungefragt angefangen hatten über die Wangen
zu laufen, aus dem Gesicht. Es war sinnlos, es folgten weitere.

Ja, sie würde ihn gehen lassen. Als Wiedergutmachung und als Danke an ihn. Das würde
er akzeptieren können.

Denn du kannst nicht haben, was dir nie gehörte.

Vielleicht würde auch sie das irgendwann akzeptieren können und in der Zukunft dann
irgendwann klar kommen.

Sie würde niemanden mehr behindern und sich somit möglicherweise auch etwas Gutes
tun.

Unter dem Sternenhimmel und dem Sternbild der Kassiopeia traf sie diesen Entschluss. In
der Nacht, nur umgeben von den Wellen und ihren Gedanken.

Und das war das erste Mal in einer langen Zeit, dass Elizabeth Hawke sich erlaubte zu
weinen. Es würde wohl auch das letzte Mal bleiben.

---

„Wir sehen uns nachher“

---
Fin?
Review schreiben