Bloody Love- Ein Biss-chen wie Sterben

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Harry Potter
15.03.2012
27.04.2015
42
200131
20
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Dieses Kapitel
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Mahlzeit … Wie ich sehe, lese doch schon einige die neue Story. Und weil ich ja ein ganz, ganz Lieber bin, folgt ausnahmsweise auch schon Kapitel 2. Denn normalerweise wollte ich es wie bei „Phönix“ handhaben und immer am Freitag im zweiwöchigen Rhythmus posten. So bleibt meiner Betaleserin und mir ein wenig Vorlauf und euch das angespannte Kribbeln der Vorfreude. Doch das soll nicht heißen, dass es nicht ab und zu ein kleines Schmankl in Form eines Extracaps gibt. Das hängt immer davon ab, wie ich Zeit habe und mit dem Schreiben voran komme. (Kleiner Tipp … ich arbeite derzeit an Cap 27 )



So nun genug gequatscht und viel Spaß



Mister Figgs



PS: Was eure Frage angeht, ob Albus für den Absturz verantwortlich ist. So sage ich es euch einmal so. Dumbledore mag ein großartiger, mächtiger Zauberer sein. Doch er ist kein Gott und für das Wetter zuständig. Außerdem wird er in meiner Geschichte so bleiben, wie es auch JKR versucht hat, ihn uns zu vermitteln. Albus ist ein alter Mann, der viel erlebt hat, mit einem großen Herzen gesegnet ist und eigentlich nur das Beste für Harry will … ein ruhiges Leben.







Kapitel 2






„Oh ha, die jungen Leute von heute vertragen auch nichts mehr. Das war früher anders. Und dann immer nur an das andere Geschlecht denken ..."



Carlisle musste schmunzeln, als er daran dachte, dass seine Jugend schon mehrere Jahrhunderte zurück lag und er trotz seines Vaters eigentlich genauso gewesen war. Obwohl vertragen hatte er damals schon eine Menge und der Alkohol in seiner Jugend war so rein, wie der den man heute zu trinken bekam. Mit einem Lächeln rückte das Familienoberhaupt der Familie Cullen das letzte Sofa wieder an seinen Platz. Die Hochzeit seines Sohnes Edward war wirklich ein gelungenes Fest geworden und alle Gäste hatten sich prächtig amüsiert, wie man es von solch einer Feier und bei den finanziellen Möglichkeiten eines Dr. Cullen auch erwarten konnte. Und dennoch war die Hochzeit etwas Besonderes gewesen, wenn man bedachte, wer geheiratet hatte.



Carlisle konnte sich im Moment gar nicht daran erinnern, ob er schon einmal was davon gehört hatte, dass ein Mensch, ein Sterblicher, wenn man so wollte, den Bund mit einem Vampir eingegangen war. Ungewöhnlich, ohne Frage, und mit Sicherheit auch nicht leicht, wenn man bedachte, wie zerbrechlich Isabella Swan, nein, sie hieß ja jetzt Cullen,  im Moment noch war. Auch widerstrebte es Carlisle, der als Arzt schließlich einst einen Eid zum Schutze des Lebens abgelegt hatte, innerlich immer noch, dass seine Schwiegertochter freiwillig ihr Leben aufgab, um mit Edward glücklich sein zu können.



Doch man konnte sie nicht zwingen und er hatte ihr dummerweise auch noch sein Wort gegeben, dass er sie verwandeln würde, wäre sein Sohn nicht in der Lage dazu. Aber bis dahin blieb ja noch Zeit. Bella und Edward würden jetzt erst einmal ihre Flitterwochen genießen und das an einem Ort, den selbst Carlisle ein wenig vermisste.



Es war Esme´s Insel, ihr kleines Refugium mitten im Ozean. Und eben jene Esme, seine Frau, seine Gefährtin in all den Jahrzehnten, die der blonde Vampir über alles liebte, schien zu spüren, dass er gerade an sie dachte und war hinter ihn getreten. Sie küsste sanft den Hals des eigentlich sehr jung aussehenden Arztes und schaute über dessen Schulter hinweg aus dem Fenster. Carlisle ergriff ihre Hand und drückte sie sanft. Dann folgte er ihrem Blick und entdeckte zwischen den Bäumen des Waldes, der ihr modern anmutendes Haus umgab, zwei weitere seiner Kinder.



Es waren Emmett und Rosalie, die das jung vermählte Paar zum Flughafen gebracht hatten und nun zurück kamen, um ihren Eltern, genauer, ihren Adoptiveltern, beim Aufräumen zu helfen. Dass die beiden nichts mehr tun mussten, wussten sie noch nicht. Die Aufräumarbeiten waren schon längst erledigt, was ohne Zweifel durch die Mithilfe von Carlisles letztem Kind, ihrer Tochter Alice, zustande gekommen war. Sie hatte wie verrückt die Zimmer gewienert und all die Dekoration, welche sie selbst für Hochzeit ihres Bruder entworfen hatte, wieder entfernt.



Allerdings empfanden Carlisle und auch Esme alles andere als Freude über den Eifer ihrer Tochter. Zumindest was das Aufräumen anging, wussten doch beide, dass dieses Verhalten für Alice viel mehr eine Ablenkung sein sollte. Verbissen hatte sich das hübsche, zierlich gebaute Vampirmädchen in die Arbeit gestürzt, um das, was ihr Herz am meisten belastete, zu vergessen. Doch wie sollte es weiter gehen? Was kam nun, da Edward und Bella verheiratet und außer Lande waren. Carlisle seufzte und sein Gesicht wurde von Traurigkeit übermannt. Esme drückte nun seine Hand und sagte: „Es wird schon. Die Zeit heilt alle Wunden und auch Alice wird irgendwann wieder lächeln."





„Ich weiß Esme. Aber es ist so schwer. Unsere kleine Prinzessin hat noch nicht mit ihm abgeschlossen und ich befürchte, sie gibt sich die Schuld an seinem Tod", erwiderte Carlisle und sein Blick wanderte unwillkürlich erst zur Decke und in die Richtung, in der das Zimmer seiner Tochter lag. Dann schaute er zum Kamin, der das Zentrum des Wohnzimmers bildete und über welchem ein riesiges Familienportrait hing. Auf ihm konnte man alle Mitglieder erkennen, die Carlisle und Esme zu ihrer Familie zählten. Sie beide in der Mitte, Emmett und Rosalie rechts von ihnen, Edward hockte etwas vor ihnen und links neben Carlisle stand Alice und schließlich Jasper.



Dr. Cullens Kinn zuckte, als er das Gesicht seines dritten Pflegesohnes betrachtete und wenn er weinen könnte, würde er es tun. Denn Jasper, der für einen Sterblichen wie ein jugendlicher, blonder Gott der Schönheit wirken würde, war von ihnen gegangen. Er war im Kampf gefallen und dies war nicht einmal zwei Monate her. Wie konnten sie alle  damals ahnen, dass Victoria, eine Vampirfrau, welche die Cullens für den Tod ihres Gefährten James verantwortlich machte, doch mehr neugeborene Vampire erschaffen hatte und sie sogar vor Alice verstecken konnte?



Victoria musste wirklichen einen unbändigen Hass in ihrer Seele gehabt haben, dass sie zu solchen Mittel griff, um Bella zu töten. Und die Übermacht war trotz der Hilfe von Jacob Blacks Werwolfrudel, zu groß gewesen. Außerdem ging alles viel zu schnell und eine Gruppe von fünfzehn Neugeborenen hatte Jasper von ihnen getrennt und ihn dann brutal getötet. Zwar hieß es immer, man könne einen Vampir nicht töten, doch das stimmt so nicht ganz. Man konnte es, indem man ihn zerreißt und seine Körperteile verbrennt. Und genau dies hatte Victoria getan. Heimlich, heimtückisch, wie sie nun einmal war.



Für Alice war die Zeit in diesem Moment stehen geblieben und eine Welt zusammengebrochen. Jasper, den sie über so viele Dekaden nicht von ihrer Seite gelassen hatte, ihn hatte sie geliebt. Carlisle wusste, dass sie sich für Jaspers Tod verantwortlich fühlte und dass es ein langer Weg werden würde, dieses Gefühl der Schuld zu verarbeiten. Erschwerend für seinen kleinen Engel kam noch hinzu, dass jede besondere Fähigkeit, die ein Vampir haben kann, von seinen Gefühlen genährt wird.



Und bei Alice hat der Verlust und die Schuld dazu geführt, dass ihre Gabe in die Zukunft zu sehen, zum Erliegen gekommen war. Alice konnte sich einfach nicht mehr konzentrieren oder ihre Gedanken auf etwas Bestimmtes richten. Und auch wenn Carlisle niemals daran gedacht hatte, die besonderen Fähigkeiten seiner Kinder auszunutzen, so war es doch schon sehr beruhigend gewesen, dass Alice sie im Falle einer Gefahr vorwarnen konnte. Doch Carlisles Erfahrung der Jahrhunderte sagte ihm, dass die Zeit alle Wunden irgendwann heilen kann und dass die Sonne auch für Alice wieder strahlen würde. Obwohl sie dann aussehen würde wie ein überdimensionaler Diamant.



„Sie sind fest im Flugzeug verschnürt und auf dem Weg, Dad. Glaub mir Bella wird Augen machen, wenn sie endlich da sind. Obwohl, wir hätten vielleicht mehr Sonnencrem einpacken sollen."



Emmett  ließ sich auf das Sofa fallen und grinste den Mann an, der ihn einst gerettet oder besser gesagt verwandelt hatte. Rosalie setzte sich auf seinen Schoss und während ihr Freund sie umarmte, schaute das Mädchen, welches in Schönheit kaum noch zu übertreffen war, zu ihren Eltern.



„Das ist schön zu hören, Emmett. Ich denke, die beiden haben ein paar schöne Wochen verdient und vielleicht schafft es Edward, das eigentlich Unvermeidbare noch eine Weile zu verzögern ..." Bevor Carlisle jedoch weitersprechen konnte, klingelte sein Mobiltelefon und er ging zur Kommode, um es zu holen.



„Ja, Cullen", sagte er mit an Musik erinnernder Stimme und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er den Anrufer erkannte. „Ah Charlie, wie geht's? Kater überstanden? Bella und Edward sind gut gestartet und ich habe die letzten Gäste heute Morgen aus dem Haus gelei… – Was? Oh mein Gott ... Sag das noch mal ..."





Carlisles Gesicht war im nächsten Moment wie versteinert und mit einem „Ich bin auf dem Weg", legte er auf und griff nach seiner Tasche, die immer neben dem Telefon bereit stand. Kurz darauf war er auch schon verschwunden und ließ drei überrascht dreinblickende Vampire im Wohnzimmer zurück.





„Was ist los Schatz?", wollte Esme noch fragen, doch ihr Mann war schon aus der Tür und der Motor des Mercedes heulte auf. Verwirrt schaute sie zu Rosalie und Emmett, doch auch die beiden konnten nur mit dem Kopf schütteln. Allerdings erstarrte Emmett kurz darauf, stand blitzschnell auf, setzte Rosalie auf dem Boden ab und schien konzentriert in eine bestimmte Richtung zu lauschen. Auch verzog er die Nase dabei etwas und sagte dann: „Feuer. Es brennt und Sirenengeheul. Es muss etwas Schlimmes passiert sein."



Auf diese Aussage hin ließen auch die anderen beiden Vampire ihren übernatürlichen Sinnen freien Lauf und jeder stellte so seine Vermutung an, was geschehen war. Einzig die Tatsache, dass Emmett noch etwas anderes gerochen hatte, nämlich jede Menge Blut, verhinderte, dass die drei sich auf den Weg machten, um Näheres heraus zu bekommen. Der Geruch von menschlichem Blut war für sie wie ein Rauschmittel, auch wenn keiner von ihnen in den letzten Jahrzehnten welches getrunken hatte. Die Cullens sahen sich als Vegetarier, was bedeutete, dass sie kein menschliches Blut tranken. Doch der Drang war nun mal ein Urinstinkt und der Vorfall an Bellas Geburtstag vor einem Jahr war allen eine Warnung gewesen.



So blieb den dreien nur eines übrig, nämlich zu warten. Dass sie dies aber solange, ja fast zwei volle Tage tun mussten, damit hatten sie nicht gerechnet. Wenigstens erfuhren die Vampire über den Fernseher, was geschehen war und mit entsetzten Gesichtern betrachtete man die Bilder vom Drama, welches sich keine zehn Meilen von ihnen abspielte. Immer wieder hielten die Reporter die Kameras auf die immer noch brennenden Überreste der Passagiermaschine. Man sprach von über hundert toten Menschen und unzähligen Verletzten.



Der Anblick allein jagte Esme einen Schauer über den Rücken und sie musste sich setzen. Ihr ging es trotz ihrer Erfahrung und der Tatsache, dass sie schon mehrere Kriege und Tote gesehen hatte, immer noch sehr nahe, wenn andere Menschen starben. Besonders wenn man den Verlust von Jasper bedachte. Was der Frau von Dr. Cullen dann aber den Rest gab, war der erstickte Schrei von Alice, als sie vom Absturz erfuhr. Esme wusste, dass es ihre Tochter mitnahm, dass sie es nicht voraus gesehen hatte. Rosalie reagierte als erste und mit dem Versprechen, sie würde sich um ihre kleine Schwester kümmern, ging sie zu Alice hoch ins Zimmer.



Emmett wusste nicht so recht, was er tun konnte. Daher verschwand er einfach aus dem Haus und lenkte sich mit Holzhacken ab. Eigentlich etwas, was doch sehr widersprüchlich schien, war Feuer doch eines der Dinge, das seine Existenz vernichten konnte. Allerdings dachte Emmett nicht wirklich darüber nach. Ihm genügte die körperliche Ertüchtigung und so kam er zwei Stunden später sichtlich entspannt wieder ins Haus zurück und rief seiner Mutter zu: „Esme, es kommt jemand. Ich höre einen Wagen und es ist nicht der von Carlisle."





Sofort waren alle vier Familienmitglieder im Wohnzimmer versammelt und dann klingelte es auch schon an der Tür. Esme ging hinaus, um die Tür zu öffnen und das nächste, was ihre Kinder hörten, war das entsetzte Keuchen ihrer Mutter und die Stimme von Bellas Vater, Chief Swan.



„Komm, Esme, wir bringen ihn erst einmal rein. Carlisle ist völlig erschöpft und es brauchte sogar meinen Stern, um ihn hier her zu bringen."



„Ihren Stern, Chief?", hörte man Esme verwundert fragen und Charlie schien kurz zu lächeln: „Jepp. Unser lieber Carlisle denkt scheinbar, er sei Supermann. Es war schon erschreckend, wie er sich um all die Verletzten gekümmert hat. Nicht eine Pause hat er sich gegönnt und ist dann schließlich über dem letzen Patienten zusammen gebrochen..."



Man konnte ein überraschtes Keuchen aus dem Wohnzimmer hören und als sich Charlie umdrehte, kamen die drei verbliebenen Kinder der Cullens in den Flur und stürzten sich auf ihren mehr als nur schwachen Vater.



„Dad, was ist los?“, fragte Emmett, der wohl Stärkste hier im Raum, während er seinen Vater stützte und ihn ins Wohnzimmer geleitete.



„Nichts", kam es schwach von Carlisle.



Er lächelte beruhigend in die Runde, doch besonders Emmett spürte, dass der Vampir alles andere als innerlich ausgeglichen war. Irgendwas war passiert. Etwas, dass sogar für Carlisle ungewohnt war. Doch um dem einzigen Sterblichen im Raum keinen Anhaltspunkt zu geben, widersprach er Charlie auch nicht, als dieser jedes weitere Wort des Arztes unterband.



„Ja ja, das versuchte er uns im Krankenhaus auch weiß zu machen. Doch er braucht Ruhe und so habe ich ein Machtwort gesprochen und ihm eine Zwangspause verpasst. Daher der Spruch mit dem Stern." Dann wandte er sich ohne Umschweife an den Doc und sagte: „Ruh dich aus, Carlisle, allen denen du geholfen hast, geht es schon besser. Und der Junge ist auch schon auf dem Weg der Besserung. Dr. Richards überwacht ihn und seine Werte sind stabil. Nun, so stabil, wie man es bei seinen Verletzungen sein kann."



Mit diesen Worten musste sich der Chief einer Menge fragender Blicke stellen und er zog es vor, wieder an seine Arbeit zu gehen. Es stürzte nicht jeden Tag ein Flugzeug in dieser Gegend ab und somit gab es noch eine Menge zu tun, was die Aufklärung für Forks und seiner Bewohner bedurfte. Auch brauchten die offiziellen Beamten der Bundesbehörden einen Ansprechpartner und so machte sich Charlie wieder auf den Weg. Zurück blieben die Cullens, wobei alle Blicke auf Carlisle ruhten und sie aus einer Mischung bestanden, die einerseits Neugier und andererseits Unverständnis beinhalteten.



„Carlisle, was ist passiert?", fragte Rosalie und betrachtete den Mann, welchen sie stets als ihren Vater ansah, mit sorgenvollem Gesicht. Etwas, dass man bei der Schönheit nur sehr selten sah.



Bevor Carlisle aber antworten konnte, begann er stoßartig zu husten und dann spuckte er etwas auf den Tisch. Er spuckte Blut. Entsetzt sprangen die anderen auf und betrachteten den roten Fleck auf dem Tisch. So etwas hatten sie noch nie gesehen. Und damit war nicht das Blut an sich gemeint, sondern, dass ein Vampir sein eigenes spuckt. Und dass es nicht der Lebenssaft eines anderen Menschen war, erkannte man sofort, denn das Rot der Flüssigkeit war eher ein Braun, so wie bei geronnenem, altem Blut.



„Ich wei- weiß es nicht, Rose", sagte Carlisle schließlich und riss seine Familie damit aus der Starre. Esme legte ihren Arm um ihren Mann und versuchte ihm zu helfen. „Ich weiß nicht, was passiert ist. Doch der Schmerz war enorm. Es war, als würde mich ein Blitz treffen und mir als erstes meine Zähne rausreißen."



„Deine Zähne?", fragte Emmett plötzlich skeptisch und in einer für ihn ungewohnten Art und Weise.



Das Carlisle plötzlich auch noch seinen Blick senkte, ließ bei allen die Alarmglocken schrillen. War das ganze Blut im Krankenhaus und bei der Absturzstelle zu viel für Carlisle gewesen? War es möglich, dass er trotz jahrhunderter langer Erfahrung, plötzlich nach menschlichem Blut gelüstete?



Carlisle schien die Gedanken der anderen lesen zu können und trotzdessen, dass er sich extrem schwach fühlte, hob er abwehrend seine Hand und sagte rasch: „Nein, es ist nicht so, wie du denkst. Ich wollte nicht sein Blut. Ich wollte ihn ... ihn retten, Emmett."



„Ihn retten, Carlisle? Einen fremden Jungen? Wie? … Oh mein Gott ..." Esme war sichtlich schockiert und griff sich an die Brust. Allerdings machte ihr der Zustand ihres Gefährten mehr Sorgen, als das, was er tun wollte und so fragte sie als nächstes: „Was ist passiert?"



Carlisle brauchte noch einen Moment und schaute jedem seiner Kinder in die Augen, dann räusperte er sich und begann zu erzählen.



„Es war wirklich schlimm, was ich, nein, wir alle im Krankenhaus erleben mussten. Der Strom der eintreffenden Verletzten wollte und wollte nicht aufhören. Wir haben überall behandelt und Wunden versorgt. Die Notaufnahme ist für solch eine Katastrophe nicht geschaffen. Achtzig schwer verletzte Passagiere, von denen sieben mir unter den Händen weggestorben sind ...", Carlisle musste kurz aufhören und starrte schuldig in den Raum, „der Rest mit schweren Verbrennungen und Brüchen ... es war wirklich schlimm. Und ich rede hier nur von denen, die wir ins Krankenhaus bekommen haben. Ein Großteil der Menschen hat den Absturz nicht einmal überlebt und das Einzige, was ein wenig Trost spendet, ist die Tatsache, dass diejenigen, welche in den Flammen gestorben sind, nicht lange gelitten haben ..."



„Aber was ist nun mit dem Jungen?", fragte Alice und bekam einen etwas tadelnden Blick ihrer Mutter zu sehen. Esme hatte immer noch ihren Arm um Carlisle gelegt und wollte, dass sich ihr Gefährte erst einmal wieder beruhigte. Sie spürte, dass es den Vampir sehr mitnahm, dass er nicht mehr tun konnte. Carlisle hingegen sah es eher als Lichtblick, dass sein kleiner Engel etwas wissen wollte und sich nicht unbeteiligt verkroch.



„Der Junge? Ach ja. Nun, Alice, er war mein letzter Patient, bevor ich zusammengebrochen bin. Obwohl das so eine Sache ist, die ich unbedingt noch untersuchen muss. Harry, wenn ich sein Röcheln richtig verstanden habe, war der mit Abstand am schlimmsten zugerichtete Passagier der Maschine. Sein ganzer Körper hatte schwerste Verbrennungen, zwei gebrochene Arme und ein zertrümmertes Becken. Es ist ein Wunder, dass er überhaupt noch geatmet hat und ich habe drei Stunden operiert, um seine Knochen zu richten. Doch was mir mehr zu schaffen machte, waren die Verbrennungen. Ohne intakte Haut erstickt er irgendwann und so war es dann auch, kurz nachdem ich die letzte Narbe vernäht hatte. Harry lag im Sterben."



„Oh nein", entfuhr es Esme und Carlisle nahm ihre Hand.



„Doch Schatz, es war zu spät, der Junge begann zu ersticken. Wir konnten nichts tun. Forks ist für so etwas nichts ausgerüstet. Wir haben hier keine Hautspender auf Lager. Und, wie schon gesagt, war ein Großteil seiner eigenen Haut so verbrannt, dass sie uns nichts nutzte. Und weil ich eine Entscheidung fällen musste und wir eh schon durch den Platzmangel in der Klink in der Pathologie operieren mussten, bat ich schließlich schweren Herzens Dr. Richards und auch die Schwestern, sich um die anderen Patienten zu kümmern, während ich solange bei dem Jungen blieb, bis er eingeschlafen war."



„Aber er ist nicht gestorben, stimmt´s? Und du hast ihn auch nicht verwandelt, Carlisle?", fragte Rosalie und ihr Ziehvater nickte.



„Nein, ist er nicht, Rose. Es dauerte nämlich keine drei Minuten, da bäumte sich Harry voller Schmerzen auf und das, obwohl er so voller Medikamente gepumpt war, dass dies niemals hätten passieren dürfen. Die Schmerzen, die er durchlitt, mussten wohl das Schlimmste gewesen sein, was sich ein Mensch vorstellen kann. Glaub mir, nicht mal eine Verwandlung wäre an das herangekommen. Nichtsdestotrotz war Harry aber bei Bewusstsein. Sein Blick ging durch den Raum und schließlich trafen sich unsere Augen. Rose, ich habe noch nie ein solch intensives Grün gesehen und mit der Kraft eines Ertrinkenden nahm der Junge meine Hand und flehte mich an, ihm zu helfen. Er wiederholte immer wieder, er dürfte nicht sterben. Und dass er ihn doch besiegen müsste."



„Besiegen? Wen? Den Tod?", fragte Emmett und schaute Carlisle verwundert an.



Dieser schüttelte jedoch nur den Kopf und sagte: „Keine Ahnung, wen oder was er besiegen muss, Sohn. Er sagte immer nur wieder diese Worte und er flehte. Und dieses Flehen berührte mich und so traf ich die Entscheidung, dass ich Harry verwandeln würde. Er hätte die nächsten Stunden mit Sicherheit nicht überlebt. Ich war sogar schon über ihn gebeugt und wollte gerade mein Gift in seine Halsschlagarterie pumpen, da ging von seinen Körper ein gewaltiger Blitz aus und ich wurde weggeschleudert. Das ist das Letzte, woran ich mich erinnere..."



Die Cullens schauten den blonden Mann mit weiten Augen an und Alice fragte ungläubig: „Weggeschleudert?“



Carlisle nickte und meinte, dass es sich angefühlt habe, als wäre sein Körper an eine Stromleitung gekommen. Und er meinte dabei keinen Klingeldraht. Kurz darauf passierte etwas, das keiner der Vampire bisher erlebt hatte. Carlisle machte Anstalten aufzustehen und sagte mit erschöpfter Stimme: „Ich muss jetzt schlafen. Ich bin hundemüde."



Völlig überrascht über diese Aussage, starrten sie den Vampir nur an und erst als Carlisle leicht stolperte, riss dies Emmett aus seiner Starre und er half seinem Dad. Vampire brauchten eigentlich keinen Schlaf und auch sonst erschöpfte sie nichts. Dementsprechend besorgt schauten Alice, Rosalie und Esme, als die beiden Männer in Richtung Schlafgemach verschwanden. Den drei Frauen wurde klar, dass etwas im Raum lag und dass sie in den kommenden Tagen noch einiges herausfinden mussten.
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