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Mass Effect - The Truth Of It

von Andauril
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Commander Shepard Der Vorbote Garrus "Archangel" Vakarian Liara T'Soni Tali'Zorah vas Normandy
15.03.2012
06.04.2014
10
19.844
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15.03.2012 2.782
 
Die Schilde sanken in den Keller, und Joker schaffte es gerade so, dem nächsten Reaperangriff zu entgehen. Die Normandy flog eine scharfe Schleife, während alle möglichen Anzeigen begannen, verrückt zu spielen. Die Schilde waren so ziemlich unten…

Wo war EDI? Sie hatte sich nicht gemeldet. Das passte gar nicht zu ihr, normalerweise hielt sie immer Kontakt mit ihm… Was zum Teufel ging hier eigentlich gerade vor?

„EDI?“ Keine Antwort. Sie reagierte nicht auf ihn. „Scheiße! EDI! Ich könnte hier deine Hilfe gebrauchen!“

„Die Schilde sind im kritischen Bereich, Joker“, meldete Samantha Traynor von rechts. Joker wandte sich ihr zu. Was suchte sie hier vorne? Warum war sie nicht auf ihrem Posten?

„EDI? Antworte, verdammt!“ Um Traynor konnte er sich jetzt wirklich nicht kümmern, nicht solange die Normandy gerade gegrillt wurde und EDI sich abgemeldet hatte… Dieser Tag wurde von Sekunde zu Sekunde immer nur beschissener!

Traynor zuckte zusammen und wandte ihm abrupt den Rücken zu, mit einem Mal zeigte sie ein fast schon ungesundes Interesse für die Anzeigen vor sich…

Komisch…

„EDI!“, brüllte Joker das haptische Interface des Cockpits an. Allmählich wurde ihm das echt zu blöd. Wetten, dass sich der verdammte Reaperlaser gerade wieder auflud um die Normandy schön durchzubraten? Er arbeitete ja jetzt schon wie verrückt daran die Normandy auf einem wilden Kurs zu halten, damit die Reaper sie nicht trafen… „EDI, verdammt, was soll der Mist?“

Samantha zeigte hektische Aktivität an ihrer Konsole und starrte wie gebannt auf den Schirm. Joker fluchte. Was stimmte hier verdammt noch mal nicht?

„Traynor, sag mir nicht dass du unsere KI abgeschaltet hast! Wir brauchen sie jetzt!“

Traynor zuckte zusammen. „Was? Ich habe nichts getan. EDI ist… sie kann jetzt nur nicht antworten, sie ist beschäftigt.“

„Ach ja, und womit? Was ist wichtiger als dieser verdammte Reaper da?“

Traynors Schweigen war ihm Antwort genug. „Was!? Das ist die verrückteste Scheiße die… sag ihr, sie soll sofort zurückkommen!“

„Das… geht nicht, Lieutenant. Sie ist… ähm… weg.“

„Shit!“ So, wie sie das sagte, wusste er genau, was passiert war. Verdammt, er hatte doch gleich gewusst, dass das eine saudumme Idee war. Wie hatte EDI das tun können? Sie brauchten sie hier. Er brauchte sie verdammt noch mal hier. „Warum hast du es ihr nicht verboten?“

„Sie ist keine VI, Joker, ich kann ihr gar nichts verbieten. Wir müssen…“

„Scheiß drauf, was wir müssen!“, knurrte Joker und riss die Normandy herum. Sie raste, hin und her schleudernd, direkt auf den Reaper zu und Jokers Hände flogen eilig über die Kontrollen… er biss die Zähne aufeinander, ihm brach der Schweiß aus, sein Herz raste. Er sah rot. Dieser beschissene Reaper sollte bluten! Niemand nahm ihnen EDI weg. Er würde dieses Ding vom Himmel blasen und wenn es das letzte war, was er tat.

Für alle, die in diesem Krieg bereits gestorben waren, und für EDI. Besonders für EDI!

Alle Anzeigen zeigten kritische Werte. Knirschte da nicht irgendetwas…? Jokers Hände huschten über das haptisch-adaptive Interface, die Normandy…

Reagierte nicht mehr darauf.

Sie vollzog eine scharfe Kehrtwende. Die Anzeigen zeigten Beschleunigung. Das Schiff flog Schlaufen ziehend von dem Reaper weg, entging knapp zwei Lasertreffern…

„Das war sehr dumm, Jeff“, erklang eine vertraute Stimme urplötzlich aus dem Off. Ein blaues Hologramm erschien zu seiner Linken…

„EDI? Bist du das?“

„Natürlich, Jeff.“ Eine kurze Pause folgte. Als EDI wieder sprach, klang sie fast verlegen. „Nach dem ich den Reaper attackiert hatte brauchte ich eine gewisse Zeit, um neu zu starten. Ich wollte dir keine Angst machen, Jeff.“

„Ja, habe verstanden, aber mach so was bloß nicht wieder, klar? Während einer Raumschlacht mit den Reapern ist nicht gerade der beste Zeitpunkt, um offline zu gehen.“

„Ich glaube, ich konnte einige nachhaltige Schäden in den Systemen des Reapers erwirken. Hoffentlich wird es uns dann im weiteren Verlauf der Schlacht helfen… Übrigens, die Schilde sind im kritischen Bereich.“

Trotz dieser ernsten Information hätte Joker beinahe gelacht. Sie waren nur um Haaresbreite der Vernichtung entronnen und die Schlacht tobte mit unverminderter Wucht weiter, aber EDI lebte noch und die Normandy war noch ganz und an einem Stück.

Vielleicht konnten sie dieses Ding ja wirklich gewinnen.

***

Im Licht des Universalwerkzeugs blinkte das Kontrollpanel am Ende des dunklen Ganges verräterisch auf. Shepard brauchte es nur mit der flachen Hand leicht zu berühren, damit die Tür sich vor ihr auftat und den Blick auf das Podium freigab, von dem aus die Ratsherren sie vor über zwei Jahren zum Spectre ernannt hatten.

Das Panel, von dem aus Saren damals versucht hatte, die Arme der Citadel zu öffnen, war nicht zu sehen. Dafür lagen die Trümmer wild übereinander geworfen überall in der Ratskammer verteilt und versperrten den Blick auf den Lift am anderen Ende. Und das war nicht alles…

Leichen. Sie lagen überall, teils fast unversehrt, teils von den Trümmern fast zerquetscht, teils bis zur Unkenntlichkeit entstellt – in Stücke gerissen, durchbohrt, zerlöchert und mit ihrem eigenen Blut beschmiert, die Gliedmaßen abgerissen oder in grotesken Winkeln von ihren Körpern abstehend, als wären sie hochgeworfen und wie Puppen herum geschleudert worden.

Abgesehen von Garrus, Tali und ihr schien hier niemand mehr zu leben. Selbst die Pflanzen waren zerfetzt und aus der Erde gerissen worden, sie lagen zwischen den Trümmern und Leichen wie zerbrochene Streichhölzer – als hätte sie ein Sturm entwurzelt.

Es war furchtbar. Ein Bild der Zerstörung, dass sie taumeln ließ. Sie hatte geglaubt, sich mittlerweile an einen solchen Anblick gewöhnt zu haben. Sie war Soldatin. Tote waren kein ungewohnter Anblick mehr für sie. Aber das hier… Es war kein Schlachtfeld mehr. Vielmehr war das der Schauplatz eines abscheulichen Gemetzels.

„Alles in Ordnung, Shepard?“

Sie nickte energisch und der Kopfschmerz sprengte ihr fast die Stirn. Sie musste sich jetzt zusammen reißen. Es war nicht der richtige Augenblick, um sich entmutigen zu lassen.

„Die Konsole ist dort drüben.“ Sie starrte zu dem Steg hinüber. Wenn sie nur wüsste, wie sie an sie herankommen sollte. Die Reaper mussten sie versteckt haben. Vielleicht hatten sie gewusst, dass sie bis hierhin kommen würde. Es war nicht wichtig. Wichtig war, diese Maschinen vom Himmel zu blasen, und zwar endgültig. „Irgendwer eine Idee, wie wir dort rüber kommen sollen?“

Selbst die Grube zwischen der Ratskanzel und dem Steg war mit Trümmern und ein paar Leichen gefüllt, die wie zerbrochene Puppen zwischen ihnen lagen. Es sah entwürdigend aus. Egal, was die alten Legenden sagten: Am Tod im Kampf war nichts Würdevolles. In Wahrheit war es bloß eine riesige Sauerei.

„Ich kann versuchen, uns von hier aus in die Konsole zu hacken. Aber ich glaube nicht, dass es etwas bringt.“ Tali klang ein wenig frustriert.

„Biotik kann mich rüber bringen“, meinte Shepard. „Aber meine Reserven reichen nicht für uns alle. So ein Sprung wird so schon anstrengend genug.“ Sie massierte sich die pochende Schläfe. Wie praktisch es doch gewesen wäre, mit dem Skycar einfach in dieses Stockwerk zu krachen.

„Wir müssen einfach vorsichtig runter klettern und sehen, ob wir am anderen Ende wieder hochkommen.“ Garrus trat an den Rand der Schlucht – deren Sinn sich Shepard nie so ganz erschlossen hatte – und sah prüfend hinab. „Hm… hier sind ein paar Trümmer, an denen wir runterklettern können.“

Shepard trat an seine Seite und begutachtete die Stelle. „Das wird gehen. Ich zuerst. Dann du, Garrus. Hilf Tali, wenn du unten bist.“

„Verstanden, Shepard.“

Sie griff die Kante und schwang sich darüber. Der Abstieg erwies sich gefährlicher, als er am Anfang ausgehen hatte. Aus dem fremdartigen Material, das aus den Wänden der Ratskammer gesprengt worden war, ragten mehrere scharfkantige Bruchstücke hervor, an denen sie sich fast die Handschuhe aufriss. Es dauerte länger als ihr lieb war, bis sie schließlich unten ankam – zwischen der Leiche eines Salarianers, dem der halbe Kopf weggerissen worden war, und einem zweiten Bruchstück.

„Seid vorsichtig. Hier gibt es ein paar fiese Bruchkanten!“ Damit meinte sie insbesondere Tali. Sie war von ihnen sicher die verletzbarste, schon ein Riss in ihrem Umweltanzug konnte sich fatal auswirken.

Sie trat ein paar Schritte zurück und wartete ungeduldig, bis Garrus unten ankam und Tali über die schlimmsten Stellen hinweggeholfen hatte. Garrus zog sein Sturmgewehr und hielt es vor sich weg. Vielleicht war ihm dank seines Visors etwas aufgefallen, das ihr entgangen war. Es war hier jedenfalls ungewöhnlich still – was nichts Gutes bedeuten konnte.

Sie kletterte voran über die Trümmer, die die Grube füllten und die wunderschönen Pflanzen zerquetschten, die davor hier drin gewachsen waren. Ihr Schädel pochte. Anspannung kroch in ihre Glieder. Warum fühlte sie sich so beobachtet? Sie warf einen Blick hinauf. Ein unangenehmer Gedanke drängte sich ihr geradezu auf.

„Wenn wir jetzt angegriffen werden, stehen wir hier unten wie auf dem Präsentierteller.“

„Vielleicht wollen die Reaper genau das.“ Garrus klang grimmig.

„Das befürchte ich auch.“ Shepard umfasste das Schrotgewehr fester. Das Dumme war nur – wenn der Feind sich entschloss, jetzt anzugreifen, würde ihr diese Waffe nicht viel helfen. Das Schrotgewehr war für den Nahkampf gebaut. Ihr Kampfstil lief ebenfalls darauf hinaus. „Wir sollten uns beeilen, hier schnell wieder rauszukommen.“

Ein Schaben am oberen Rand der Grube verriet ihr, dass das ein frommer Wunsch gewesen war. Sie musste nicht erst den Kopf heben, um zu wissen, dass der Plan der Reaper – falls es deren Plan gewesen war, sie hierher zu lotsen – aufging.

„Deckung!“, brüllte sie und hechtete hinter den höchsten Schuttbrocken in Reichweite – gerade noch rechtzeitig, um dem Bombardement von feinen Projektilen zu entgehen, die von oben auf sie herabschossen. Noch während sie sich hinter den Trümmer duckte, musste sie erkennen, wie unzureichend diese Deckung war. Der Feind besaß den klaren Vorteil einer erhöhten Position.

Sie sah hinter der Deckung hervor. Am oberen Rand der Grube stand eine Gruppe grotesker turianischer Husks. Absurderweise musste sie sich ausgerechnet jetzt fragen, wo diese Dinger ihre zusätzlichen Augen hernahmen.

Sie biss die Zähne zusammen und steckte das Schrotgewehr weg, um nach dem Sturmgewehr zu greifen und es auf die Husks auszurichten. Ein Blick zur Seite verriet ihr, dass Tali und Garrus es ebenfalls hinter die relative Sicherheit der Trümmer geschafft hatten.

„Wir schießen im Wechsel. Erst ich, dann Garrus, dann Tali. Wenn unsere Schilde zu weit runter sind, ducken. Wenn wir genug erledigt haben, rücken wir vor. Verstanden?“

„Ja, Shepard.“

„Verstanden.“

Shepard nickte entschlossen und sprang hinter der Deckung hervor. Sie hielt stur auf die turianischen Husks und ließ die mikrofeinen Projektile ihre Schilde zerfetzen. Sie würde nicht sterben, bevor sie nicht zumindest versucht hatte, an diese Konsole heran zu kommen! Das schuldete sie der Galaxie, das schulde sie ihren Freunden, das schuldete den Gefallenen, das schuldete sie sich selbst. Ein zweites Versagen kam nicht in Frage. Sie würde Erfolg haben oder bei dem Versuch draufgehen.

Ihre Barriere begann zu flackern und Shepard duckte sich schwer atmend hinter ihre notdürftige Deckung. Viel zu dicht neben ihr prasselten die Projektile gegen das unbekannte Material. Einige prallten gefährlich ab und verfehlten sie nur um Haaresbreite. Noch hielt ihre Barriere.

Aus dem Augenwinkel beobachtete sie, wie Garrus ihren Platz einnahm und einige der turianischen Husks von den Beinen holte. Sie kannte ihn inzwischen gut genug um zu wissen, wie ein wütender Turianer aussah… Der Anblick dieser Kreaturen musste für ihn eine ganz besondere Beleidigung sein.

Garrus zog sich nur mit sichtlichem Widerstreben hinter seine Deckung zurück und überließ es Tali, mit ihrer Pistole ein paar weitere der Kreaturen abzuknallen.

Jetzt stand nur noch die Hälfte.

Shepard packte ihr Sturmgewehr und nickte den beiden zu. Zeit, endlich aus dieser Todesfalle auszubrechen. Denn früher oder später würde dieses Loch dazu werden. Das war sicher.

Sie stürmten fast synchron los, feuerten und suchten Deckung, während die anderen mit Sperrfeuer ihr Vorrücken deckten. Ein eingespieltes Team – wie es sein musste. Es war ihre einzige Chance. Die einzige Chance, einigermaßen unbeschadet aus dieser Grube zu klettern.

Shepard hatte gerade den Rand der Grube erreicht, als mehrere Schüsse von oben ihren Barriere zerfetzten. Das Stackato trieb sie mehrere Schritte zurück. Entschlossen hob sie das Gewehr… aber ihr linker Arm wollte ihr nicht gehorchen. Er tat nur höllisch weh. Der Versuch, ihn zu bewegen, ließ nur schwarze Flecken vor ihren Augen tanzen.

„Shepard!“ Jemand war sofort an ihrer Seite und stützte sie, bevor sie fallen konnte. Verdammt… so hatte sie das nicht vorgestellt. Sie lehnte sich gegen die harte Rüstung, die gegen sie drückte.

„Bosh’tet! Ziel auf die Optiken, Chikkita!“, hörte sie Tali schreien. Aus dem Augenwinkel sah sie ein gelbes Universalwerkzeug aufleuchten und dann hörte das Sperrfeuer von oben plötzlich auf. „Schnell, Shepard! Ich habe ihre Waffen überlastet. Aber das wird nicht lange vorhalten.“

„Worauf warten wir noch?“ Es war einfach furchtbar, wie matt und verzerrt sich ihre Stimme anhörte. Ihr Arm brannte, aber der Schmerz schien langsam abzuklingen – und machte Taubheit Platz. „Raus hier.“

Sie versuchte, den Arm ruhig zu halten, während sie schnell auf die steile Wand der Grube zueilte. Keine Chance. Selbst, wenn sie ihre beiden Arme noch hätte benutzen können, es wäre ein Kraftakt gewesen, hier hoch zu klettern.

„Ich kann dich von unten nach oben drücken. Dann kannst du den Rand greifen und dich hochziehen.“

Shepard schüttelte den Kopf. „Mit nur einem Arm wird das nichts.“ Sie ballte die rechte Faust. Sie war erschöpft, aber vielleicht reichte ihre Reserven ja noch dafür. „Tali, ich werde dich nach oben heben. Biotisch. Du ziehst mich dann nach oben.“

„Sei vorsichtig, Shepard.“ Zumindest keine Widerworte, auch, wenn es Tali bestimmt nicht gefiel, durch die Luft gewirbelt zu werden. Shepard lächelte grimmig und sammelte ihre Kräfte. Es war schwieriger als sonst, ihre Biotik auf ein Ziel auszurichten, aber es gelang. Tali schwebte in die Luft und prallte dann nur ein paar Zentimeter vom oberen Rand entfernt auf.

„Keelah…“ Tali richtete sich stöhnend auf und blickte nach unten. „Ablenken, Chikkita!“ Die Quarianerin krabbelte ein wenig vom Rand weg und streckte dann die Arme in die Grube. „Ich bin so weit, Shepard.“

Garrus fragte erst gar nicht nach. Er stemmte sie nach oben und Shepard keuchte, als ihr verletzter Arm gegen die Wand klatschte. Sie streckte die Hand nach Talis Armen aus und packte zu. Garrus schob – ein paar turianische Flüche murmelnd – von unten.

„Ahh!“ Erneut flackerten schwarze Flecken vor ihren Augen und der Schmerz schoss stärker als zuvor durch ihren Arm. Tali hatte ihn gepackt und zog sie nun auch daran nach oben.

Sie spürte kaum, wie sie über den Rand gezogen wurde und dort zum Liegen kam. Der Schmerz schien ihren Arm zu zerfetzen, und zu allem Überfluss fühlte sie die Prellungen und Stauchungen und Quetschungen sämtlicher Verletzungen, die sie mit Schmerzmitteln bis jetzt im Schach gehalten hatte, durch ihren Körper wüten. Ihr Atem kam hart und stoßweise.

Die Hand, die nicht vom rasenden Schmerz fühllos war, tastete fahrig über den Boden auf der Suche nach einem Halt. Irgendetwas, woran sie sich aufrichten konnte. Sie durfte nicht versagen, nie mehr. Nicht schon wieder.

Shepard keuchte. Ihre Finger gruben sich in eine feine Ritze. Aufstehen. Weiterkämpfen. Der Kratzer war gar nichts. Sie hatte schon schlimmeres als das hier erlebt – sie war gestorben.

Ihr Schädel dröhnte schmerzhafter als der flammende Schmerz in ihrem Arm. Sie biss die Zähne zusammen. Aufstehen…

Ein Zischen, sie kniff die Augen zusammen. Ihre Hand verlor den Halt, sie zischte leise, als etwas ihr fast die Finger einklemmte. Sie zog die Hand sofort zurück. Träge hob sie den Kopf.

Es war da… Das Kontrollpanel, dasselbe, das Saren damals benutzt hatte. Ringsumher fielen Schüsse. Ihr Kopf dröhnte. Jedes Schmerzmittel ließ plötzlich nach, sie verbiss sich das Stöhnen, das Hecheln. Die Schwäche konnte sie nicht verbeißen. Sie saß in ihr. Sie konnte nur die Hand in dem Pult verkrallen und sich daran hochziehen, langsam, Stück um Stück. Bis sie, keuchend und schwer atmend – was für Kopfschmerzen sie doch hatte! Ihr Schädel brummte, als hätte sich ein Bienenschwarm darin eingenistet! – davor stand.

Sie stützte sich dagegen. Wo waren… ihre Waffen?

Nicht wichtig. Bald war nichts mehr davon wichtig. Sie musste nur… wie war der Code gewesen? Schweiß brannte ihr in den Augen, sie blinzelte ihn weg. Sie stützte sich gegen das Kontrollpult. Das Holografische Interface sagte ihr nichts, wollte ihr nichts sagen, da war nur die Frage nach dem Autorisierungscode.

Shepard sammelte ihre letzten Reserven und gab ihn ein. Jetzt… jetzt musste sie nur noch die Energie der Citadel auf den Crucible umleiten… Musste ihm zum Feuern bringen. Alles andere war nicht mehr wichtig. Sie hatte keine Ahnung, was mit ihr passieren würde, mit allen, die auf der Citadel waren, wenn sie die Energie umleitete. Vielleicht…

Sie war bereits halb tot gewesen, als man sie aus den Trümmern vor der Röhre zog. Sie hatte es mithilfe von Unmengen von Schmerzmitteln und Stimuli bis hierher geschafft. Zeit, es zu beenden. Endgültig.

Die Citadel hatte den angedockten Fremdkörper erkannt. Das Panel fragte sie, was sie tun sollte. Die Anzeige blinkte ihr grell entgegen.

„Energie uml-“

In dem Augenblick barst der hämmernde Schmerz ihr den Kopf.
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