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Mass Effect - The Truth Of It

von Andauril
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Commander Shepard Der Vorbote Garrus "Archangel" Vakarian Liara T'Soni Tali'Zorah vas Normandy
15.03.2012
06.04.2014
10
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15.03.2012 1.657
 
Seine Hand traf den Husk mit der gesamten Wucht seines vor dunkler Energie knisternden Körpers, und mit der Wut und dem Hass, die sich im Laufe von Jahrtausenden in ihm aufgestaut hatte. Der fragile Körper der Kreatur hielt dem nicht stand und wurde zerfetzt. Zwei weitere rückten vor, doch die knisternde Wut war noch lange nicht verraucht und ihre zerfetzten Leichname leisteten dem ersten Husk bald Gesellschaft.

Mit gefletschten Zähnen ließ er das Sturmgewehr Salven feiner Projektile speien, die die näherkommenden Husks zerrissen, durchsiebten und herumwirbelten, so dass sie gegen jene fielen, die ihnen folgten. Der Schrei, der aus seiner Kehle kam, schien aus grauer Vorzeit zu kommen und im heute wieder zu hallen. Wenn die seelenlosen Kreaturen, die noch immer gegen die Barrikaden anrannten, Furcht empfinden konnten, so taten sie es jetzt – jedenfalls erschien es ihm beinahe so, da die Husks langsam zurückwichen.

Allmählich begannen die Reihen des Feindes sich zu lichten. Fürs erste. Das war nur eine Verschnaufpause, die nicht lange währen würde. Wenn die Reaper neue Bodentruppen absetzten, würden die Kämpfe von neuem beginnen.

Er ließ den Blick über die Soldaten schweifen. Primitive. Aber sie hatten gut gekämpft. Es kam ihm fast absurd vor, dass Spezies, die zu seiner Zeit Fliegen gefressen und in Höhlen gehaust hatten, heute den Überlichtflug beherrschten und jetzt denselben Feind bekämpfen mussten wie er selbst vor über 50.000 Jahren.

Sie waren nicht mehr… primitiv. Eigentlich schwer vorstellbar. Und jetzt folgten sie ihm, fast so bereitwillig und voller Elan wie Commander Shepard, dieser Menschenfrau, die für diese Spezies wohl so etwas wie ein Symbol für den Kampf gegen die Reaper geworden war. Sie folgten ihm, weil er der letzte war, der einzige Überlebende seiner Art, weil er die Reaper schon einmal bekämpft hatte. Als würde das tatsächlich irgendetwas ändern.

Das tat es nicht. Aber wenn es ihnen half, gut zu kämpfen, würde er ihnen die Illusion nicht nehmen. Das Schicksal dieser Soldaten, der Galaxis, lag nicht mehr in seiner Hand. Das hier war ohnehin nicht die Galaxis, für die er einst gekämpft hatte. Aber den Tod hatte dieser Zyklus nicht verdient, ebenso wenig wie sein eigener und jene vor seinem.

„Verstärkt die Barrikaden! Los!“

„Shepard wird es schaffen. Solange halten wir hier durch.“

Die Stimme gehörte der Asari, Liara T’Soni. In diesem Augenblick kam sie auf ihn zu, offenbar aus einem der Häuser, in dem sich der Rest der Bodentruppen in diesem Teil der Erde verschanzt hatte. Einen Arm trug sie noch immer in der Schlinge.

„Vielleicht.“ Shepard war fähig, aber die Reaper konnten sie dennoch mühelos vernichten. Die Kampfkraft eines Soldaten, wie beachtlich seine Fähigkeiten auch waren, machte sich winzig neben der eines Reapers aus.

„Du warst nicht dabei, als alles begann, Javik. Shepard hat die Reaper bereits zweimal aufgehalten.“
„Und?“

„Die Menschen haben ein Sprichwort: Aller guten Dinge sind drei.“

„Wir werden hier standhalten und mehr können wir nicht tun, T’Soni.“

Die Asari presste die Lippen aufeinander. „Ich weiß. Ich wünschte nur, ich wäre jetzt da oben… Ich hätte mitgehen sollen.“

„Was hätte es gebracht?“

„Darum geht es mir gar nicht mehr. Ich will einfach… Ich fühle mich so, als hätte ich sie im Stich gelassen. Und ich hasse es, mich so zu fühlen.“ Die Asari bewegte den unverletzten Arm. „Für meine Biotiken brauche ich keine zwei Arme, Javik. Ich hätte mitgehen können.“

„Du wärst eine Last für den Commander gewesen. Du hättest ihn behindert und aufgehalten und es hätte Milliarden das Leben gekostet.“

T’Sonis Gesicht verhärtete sich. „Das ist wirklich enorm bestärkend für mein Selbstvertrauen.“ Ihre Stimme hatte an Schärfe gewonnen. Sie schien mehrmals tief durchatmen zu müssen, ehe sie sich wieder weit genug gefasst hatte. „Werden wir uns halten?“

„Das hängt davon ab, wie lange der Commander braucht. Der Feind hat unbegrenzte Ressourcen.“

„Wir haben Shepard. Das muss genügen.“ Aber die Asari klang nicht so überzeugt, wie sie klingen müsste. Javik fragte sich unweigerlich, was die Asari ihm verschwieg.

Es konnte nichts Gutes sein.

***

„Scheiße verdammt! EDI… bitte sag mir nicht, dass es das ist, wonach es aussieht!“ In Jokers Stimme klang Panik an.

„Kinetische Schilde bei siebenundzwanzig Prozent, Jeff… Korrigiere, fünfundzwanzig Prozent.“

„Das ist nicht gut! Komm schon, Baby, lass mich jetzt nicht im Stich!“ Jokers Hände bewegten sich hektisch über die haptisch-adaptiven Kontrollen. „Ich hasse diese Scheiße!“

Samantha konnte sich nicht erinnern, den Piloten jemals so hektisch und der Panik nahe gesehen zu haben. Es war ja auch kein Wunder, die Schlacht tobte um sie herum in einem Ausmaß, dass sie sich noch vor einem halben Jahr nicht hätte vorstellen können. Diese Reaper waren riesig, selbst die kleineren unter ihnen.

„Reaper befindet sich auf Kurs… Wahrscheinlichstes Ziel: Citadel“, meldete EDIs Stimme.
„Tja, das schmälert Shepards Chancen. Sobald die Arme der Citadel sich öffnen ist sie Asche!“ Joker stieß einen Fluch aus. „Haben wir noch Saft für die Thanix-Kanone, EDI?“

„Einen Augenblick bitte… analysiere… ja. Ich rate allerdings von dieser Idee ab, Jeff. Die Erfolgschancen liegen in diesem konkreten Fall bei unter null Komma eins Prozent.“

Samantha biss sich auf die Lippen. Eigentlich war es vollkommen verrückt und die Gefahr eines Fehlschlags lag ungeheuer hoch, aber… war das denn ein Grund, es nicht einmal zu versuchen? Wenn sie versagten, würden sie ohnehin nicht mehr viel Zeit haben, sich darüber den Kopf zu zerbrechen und es konnte funktionieren…

„EDI? Ich habe einen Vorschlag. Ich würde gerne deine Meinung hören.“

„Natürlich, Specialist Traynor.“ EDIs Stimme kam wie aus dem sprichwörtlichen Off, aber daran hatte sie sich mittlerweile gewöhnt.

„Ein Virus. Wir könnten versuchen, einen Virus in diesen Reaper einzuschleusen.“ Samantha atmete tief durch. „Ich glaube nicht, dass der Virus dem Reaper gefährlich werden kann, aber er lenkt ihn vielleicht lange genug ab, damit wir ihn von der Citadel wegbekommen und Shepard Luft verschaffen können.“

„Ein interessanter Vorschlag. Ein gewöhnlicher Virus wäre dafür aber ungeeignet.“

„Ich dachte auch nicht an einen gewöhnlichen Virus, EDI…“

„Ich verstehe. Das Risiko ist akzeptabel im Vergleich zu Jokers Vorschlag. Ich dürfte den Reaper lange genug ablenken können.“

„Du wirst es tatsächlich versuchen? Ich hätte nicht erwartet… es ist ziemlich gefährlich.“

„Ein direkter Angriff auf den Reaper mit der Normandy ist nicht akzeptabel. Für solche Vorhaben wurde ich installiert, Specialist Traynor.“

„Oh… dann… viel Glück?“

Lange Zeit kam keine Antwort von EDI, dann… „Es ist möglich, dass ich bei dem Versuch von den Reapern vernichtet werde.“

„EDI, ich will dich sicher nicht…“

„Das Risiko wurde kalkuliert. Ich war mir bereits von Beginn dieses Krieges an bewusst, dass ein Sieg in gewissen Fällen auch mein Opfer benötigen wird. Ich werde jetzt gleich mit dem Upload beginnen.“

Samantha schluckte. Es war verrückt, aber sie hatte diese KI wirklich gerne. EDI war bereits hier gewesen, als sie auf die Normandy kam, es war in gewisser Weise so, als wäre die KI die Stimme des Schiffs. Der Gedanke, dass diese Stimme bald vielleicht für immer verstummen würde, war so… so… es fühlte sich nicht richtig an.

Vielleicht hatte EDI ihre Altruismuslektionen zu ernst genommen.

„Aber versuch bitte bei Möglichkeit nicht vernichtet zu werden.“

„Selbstverständlich, Specialist Traynor… Ich wäre dir dankbar, wenn du Jeff gegenüber nichts davon erwähnst.“

„Okay…“ Joker würde wahrscheinlich ausrasten, wenn er von EDIs – und ihrem – Plan erfuhr. Als ob er einer unabhängigen KI tatsächlich verbieten könnte, einen Cyberangriff auf den Reaper zu starten. Aber er würde trotzdem ausrasten. „Ich werde die Anzeigen im Auge behalten. Und viel Glück, EDI.“

„Vielen Dank… Upload jetzt gestartet.“ EDI verstummte.

Samantha schlich beinahe nach vorne ins Cockpit, wo Joker noch immer hektisch an den haptisch-adaptiven Kontrollen herum hantierte. Er hatte bereits begonnen zu schwitzen – Schweiß trat auf seine Stirn und klebte an seiner Oberlippe, in seinem stoppeligen Bart.

Samantha zwang sich dazu, auf die Kontrollen zu achten. Das war ihr Platz. Sie wollte nirgendwo anders sein. Sie hoffte nur, dass ihr Plan auch aufging und dass sie EDI nicht in vollkommenes Selbstmordkommando geschickt hatte.

„Was zum…? Spinnt der Reaper?“

Samantha warf einen Blick auf die Anzeigen. Es sah tatsächlich so aus, als wäre der Reaper von irgendetwas mitten in seinem Flug zur Citadel aufgehalten worden. Er hing jetzt bewegungslos im All vor ihnen.

„EDI? Kannst du mir sagen, was da abgeht…?“

Samantha biss sich auf die Lippen. Sie würde nicht sagen, dass das EDIs Werk war. Sie hatte es EDI zugesagt, auch, wenn es ihr Leid tat, dass Joker nichts erfahren sollte. Hoffentlich konnte EDI den Reaper lange genug in dieser Position halten. Sie wagte es fast nicht zu hoffen.

„Heilige Scheiße! Na gut, wenn er sich so schön anbietet… geben wir ihm Saures. Ich hoffe, das ist in deinem Sinne, Commander!“

Die Befehlskette auf der Normandy schien wie immer reibungslos zu funktionieren, weil die Thanix-Kanone nur ein paar Sekunden nach Jokers Befehl zu feuern begann. Mehrere Schüsse trafen den noch immer bewegungslosen Reaper, Samantha konnte sehen wie die Treffer auf dem Bildschirm aufleuchteten.

„Die Schwachstelle! Zielt auf die verdammte… Oh Fuck!“

Samantha brauchte nicht erst nachzufragen, was Joker zum Fluchen brachte – sie sah es selbst auf dem Bildschirm. Der Reaper bewegte sich wieder… Sie spürte, wie ihr das Herz stehen blieb. Es sah so aus, nehme dieses gigantische Raumschiff sie gerade ins Visier!

„EDI!“, hörte sie Joker schreien. „Antworte! Scheiße verdammt, jetzt ist nicht die Zeit… Shit!“

Der Reaper feuerte sein Hauptgeschütz ab… und die Zeit schien sich wie ein zäher Kaugummi zu strecken. Jokers Hände bewegten sich in Zeitlupe über die haptisch-adaptiven Kontrollen, die Normandy bewegte sich, scheinbar unendlich langsam, trotzdem spürte Samantha wie sie das Gleichgewicht verlor und gegen den Kopilotensitz fiel.

Sie hielt sich daran fest, während Joker mit der Normandy wilde Schleifen flog, um dem Laser jedes Mal knapp zu entgehen. Sie wollte nicht wissen, wie lange er das durchhalten konnte. Und EDI hatte sich nicht wieder zurück gemeldet.

Das Schiff fühlte sich anders an, ohne dass sie es an irgendetwas hätte festmachen können. Samantha konnte nur hoffen und beten, dass EDIs Opfer nicht umsonst gewesen war.

Und erneut leuchtete der Reaperlaser auf…
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