[Laputa]Tödliche Eleganz: Der Krieg um Laputa

von Cairiel
GeschichteAbenteuer / P16
12.03.2012
12.03.2012
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Eine Übersetzung aus dem Englischen.
Die gleichnamige Originalgeschichte wurde von featherwinglove geschrieben und ist unter folgendem Link zu finden:
http://www.fanfiction.net/s/7149891/1/


[Warnung] Diese Fanfiktion von Das Schloss im Himmel basiert auf der japanischen Originalversion von Studio Ghibli. Die englische bzw. deutsche Version wurde nicht direkt übersetzt und unterscheidet sich somit an einigen Stellen massiv in der Synchronisierung.


Chapter 1

708 Jahre zuvor …


„Lucy“, erklang eine männliche Stimme direkt hinter ihr, „was bedrückt dich, mein Herz?“
Das wunderschöne rosarote Abendkleid der Königin reichte ihr bis an die Knöchel ihrer zierlichen Füße, als sie aus dem Fenster des Turmes hinunter in den Hof des Schlosses. Dahinter lag das gewaltige Handwerkszentrum Jenwas und weit darüber hinaus, im Norden, befand sich das Farmland von Gondoa.
Der König legte ihr sanft die Hände auf die Schulter und seine mit Juwelen besetzte, wenn auch kleine Krone berührte unmerklich ihren geflochtenen Haarschmuck.
„So sprich doch mit mir.“

Sie wandte sich zu ihm um, um ihn anzusehen. „Ich denke nicht, dass es richtig ist, Krieg gegen Vendoa zu führen“, bekannte sie schließlich offen mit ihrer leisen Sopranstimme. Doch die Augen der Königin verrieten ihre Nervosität, als sie den Blick abwandte und scheinbar interessiert den Ellbogen ihres Mannes betrachteten. „Wie mir meine Diplomaten berichteten, werden die Leute dort nicht unterdrückt. Vielmehr beruht ihr sündhaftes Dasein auf ihre eigenen Entscheidungen. Und wer sind wir, dass wir sie dafür bestrafen könnten?“

Es war nicht so, dass der königliche Palast durch das Land Vendoa im Süden in großer Gefahr war. Und selbst wenn ein Angreifer durch die Reihen der hartgesottenen Männer Jenwas käme, würden sie sich Angesicht zu Angesicht mit vielen Tausend Roboterwächtern finden.
Die sieben Meter hohen Giganten mochten harmlos aussehen, aber tief im Inneren ihres stählernen Panzers befand sich ein Netzwerk aus kuuseki-stabilisierten Schmelzreaktoren und ihre ausdruckslosen Gesichter verbargen sieben mächtigen Laser, die dahinter montiert waren.
Vier drehbar verankerte Gliedmaßen mit austauschbaren Gelenken machte es einfach, die Roboterwächter zu benutzen – und gleichzeitig fast unmöglich, sie zu zerstören.

Lucy, die sanftmütige Königin, drehte sich wieder zum Fenster um, nicht wissend, wie sehr ihr Gemahl es liebte, genau wie jetzt ihre dunklen Haare zu streicheln. Sie beobachtete einen der Großen Wächter, wie er einen hungrigen Schwarm Tauben fütterte. Lange Rillen zogen sich über die eisernen Schultern des Roboters, weggeätzt von den Hinterlassenschaften der Tiere, denen er schon hunderte von Jahren ausgesetzt sein musste. Dennoch fütterte er die Vögel jeden Morgen, so als würde er es gar nicht bemerken. Und wie jeden Morgen lächelte die Königin über die friedliche Szenerie.
„Lucy“, unterbrach der König sie sanft, „du weißt um ihre fürchterlichen Charakterzüge und wie sie Krankheiten unter den Menschen verbreiten. Wie grausam muss ein Herz sein, damit es so schreckliche Dinge zulässt, wie es bei ihnen der Fall ist? Wie müssen sich die Mütter fühlen, deren Söhne andere Männer ehelichen und ihre Töchter kinderlos verbleiben?“
„Schlimmer noch, habe ich erfahren“, hauchte Lucy. „Es gibt enkellose Großmütter in Vendoa, denn ihre Töchter finden Männer, die ihnen Kinder schenken. Doch statt sie groß zu ziehen wie liebevolle Eltern, stecken sie sie in Waisenhäuser. Lange Blöcke mit dunklen Korridoren, wo die Kleinen zu zwölft oder mehr noch in einem Zimmer leben müssen. Sie leben so ausschweifend, dass sie selbst die Namen ihrer Söhne und Töchter vergessen.“ Die Königin drehte sich erneut zu ihrem Mann herum. Die Tränen in ihren Augen waren echt. „Dort ist es, wohin wir gehen müssen, mit unseren Lehrern und Weißheiten, damit wir diesen Kindern zeigen, dass es immer noch Liebe in dieser grausamen Welt gibt. Dass es bessere Wege gibt, um sein Leben zu leben.“ Sie umschlang die Schultern des Königs und küsste sein Ohr, bevor sie hinein flüsterte: „Wir müssen ihnen zeigen, dass der laputanische Lebensweg ein besserer ist als der vendoanische. Wir müssen ihnen ein neues Vorbild sein, mein liebster Romu, nicht sie vernichten.“

Romu, der König Laputas, umarmte seine Frau und Königin zärtlich. „Wir sind schon viel zu weit gegangen, meine Liebe. Vendoa hat seine Grenzen für unsere Kaufleute und Diplomaten geschlossen. Es gibt kein Zurück mehr.“
„Aber die Vendoaner dürfen immer noch nach Jenwa kommen, um mit uns Handel zu treiben“, erwiderte Lucy sanft. „Sie können immer noch sehen, wie wir leben. Außerdem finden meine Diplomaten sicherlich einen Weg nach Vendoa. Es gibt sogar noch zwei Konsulate in Kutsui, die noch nicht von der vendoanischen Behörde verschlossen wurden. Selbst wenn sie sündigen, wünschen sich die Betreiber dieser Häuserblocks für Kinder sicher auch eine bessere Zukunft für sie.“
Romu wich aus der Umarmung zurück und sah ernst in ihre Augen. „Aber der Prämierminister, der den vendoanischen König zwang, auf seine Macht zu verzichten und ihn nun nur noch als Marionette benutzt, würde niemals auf seine Herrschaft verzichten, meine Liebste. Lieber würde er ganz Vendoa dem Erdboden gleich machen, als etwas von seiner Macht einzubüßen.“
„Ich weiß es nicht. Ich habe ihn vier Jahre lang nicht gesehen. Vier Jahre sind eine lange Zeit, um einen Menschen zu verändern“, gab die Königin zu. „Dennoch sollten wir ihn Vendoa lieber selbst zugrunde richten lassen“, sie schüttelte bekümmert den Kopf, „als es selbst zu tun.“

„Aber was ist, wenn die Vendoaner plötzlich Einfluss auf unsere Leute haben?“, fragte Romu. „Was passiert, wenn die Menschen in Jenwa so werden wie sie?“
„Jeder, der das tut, wird nicht länger ein Teil Laputas sein. So war es schon immer und wird es auch immer sein. Einige sind bereits gegangen, so traurig es ist. Aber wir könnten ihre Kinder …“
„NEIN!“, rief er aus und packte sie an den Schultern. „Wir können nicht zulassen, dass sich diese schrecklichen Geisteskrankheiten unter unseren Untertanen verbreiten!“
„Wir wissen nicht, ob diese falschen Gedanken auch in anderen Geistern als den vendoanischen wachsen und gedeihen könnten. Und selbst wenn es passieren sollte, dass die Kinder sie unter unseren Untertanen verbreiten, könnten wir sie immer noch zurückschicken.“
Der König schnaubte. „Besser ist es, wir bleiben gleich auf Abstand, damit sie gar nicht erst auf den Gedanken kommen, es zu versuchen“, entgegnete er grummelnd und verließ eiligen Schrittes den Raum. Hinter ihm fiel die Tür krachend ins Schloss.

Die Königin weinte leise, vielleicht eine Minute lang, bevor sie den Stein, der um ihren Hals an einer Kette hing, in die Hände nahm und ihn betrachtete. Das Emblem Laputas spiegelte das Sonnenlicht wider, das durch das Fenster fiel. Sie ließ es wieder los und fragte leise in den Raum hinein: „Hat er überhaupt bemerkt, dass der Baum des Nachts weint?“

Sie startete knapp eine halbe Stunde später in ihren Arbeitstag, indem sie sich um einen schier unendlichen Stapel mit Beschwerden von den Jenwenern über Arbeitsmangel und über den eingeschränkten Handel mit den Vendoanern kümmerte. Sie spürte die Ärgernis ihrer Untertanen. Es juckte einige Leute geradezu in den Fingern, endlich Krieg gegen die Herrschenden ihres südlichen Nachbarlandes zu führen, um dem ein Ende zu bereiten. Andere wünschten sich, dass Laputa ihnen schlichtweg die Freiheit erlaubte, zu tun und zu lassen, was sie wollten. Am königlichen Hof kam es häufig zu wilden Streitigkeiten zwischen Laputaner, die die Vendoaner hassten, und solchen, die lediglich das hassten, was die Vendoaner nachts taten.
Nur einmal, zum ersten Mal in dieser Woche, bekam Lucy es mit einem Fall zu tun, in der zwei gondoanische Schäfer darüber stritten, wem die sieben Schafe gehörten, die in den Wäldern gefunden worden waren. Sie entschied, dass die Tiere im königlichen Garten verbleiben sollten, wo es ihnen von den Großen Wächtern versorgt prächtig ergehen würde. Die Schäfer waren nicht wütend über ihren Entschluss, bemerkten aber vorsichtig, dass sie von ihrer Königin in letzter Zeit viel zu wenig zu Gesicht bekämen, da Lucy zu sehr in die Sache mit Vendoa verwickelt sei.

Die Schafe mochten die Königin scheinbar sehr, erschraken sich aber gewaltig angesichts der Roboterwächter, deren Anblick sie in den Weiten der gondoanischen Weiden nicht gewohnt waren. Die Wächter schienen vom ablehnenden Verhalten der Schafe irritiert, akzeptierten es aber und blieben ihnen fern. Lucy entschied, dass es Zeit für eine kurze Pause war, und setzte sich zu den immer noch nervösen Schafen ins Gras, um für sie ein Lied zu singen.

Vergrab’ deine Wurzeln in der Erde
Lass uns leben mit dem Wind
Schlafe im Winter mit den Samen
Und erwache im Frühling mit den Vögeln

Die Königin erhob sich und schritt zurück auf den Palasthof. Sofort war eine Dienerin zur Stelle, die bemerkt hatte, dass Lucys königliche Robe von ihrem Besuch bei den Schafen beschmutzt worden war. Die Königin unterdrückte ein Seufzen und versicherte der übereifrigen Untergebenen, dass sie sich sogleich umziehen würde.
Einen Moment lang hob sie ihren Blick zum Himmel empor. Für einen Augenblick dachte Lucy daran, wie gewaltig die Mauern des Schlosses für jemanden wirken mussten, der nicht darin aufgewachsen war. Von außen wirkten sie wie undurchlässiger Stein, doch im Inneren ließen sie das Sonnenlicht hindurch wie reinstes Glas.
Urplötzlich brach sie schluchzend vor dem großen Baum in der Mitte des Hofes zusammen. Ihre kunstvolle Frisur löste sich und ihr Haar fiel in das smaragdgrüne Moos. „Warum? Warum haben wir es gewagt, deine süßen Früchte zu kosten?“, weinte sie verzweifelt. „Nun können wir Gut von Böse unterscheiden, und doch haben wir vergessen, auf deine Stimme zu hören. Niemals wieder können wir frei sein von diesem schrecklichen Zwang.“

Der Baum sagte nichts, weder zu der untergehenden Sonne, die ihn in ihr goldenes Licht tauchte, noch zu der Königin, die verzweifelt schluchzend an einer seiner großen Wurzeln saß.







Schlussbemerkung des Autors

[Anmerkung von Cairiel: Hier werden einige wichtige Zusammenhänge zwischen dieser Fanfiktion und dem Film geklärt, wobei es sich wie am Anfang erwähnt um die japanische Version des Filmes handelt.]

Aus dem Film (Originalfassung):
42. – 43. Minute, Muska spricht: „Ihr gefürchtetes Imperium beherrschte einst die Welt! … Lucita Toelle Uru Laputa. Uru bedeutet in der Sprache Laputas Herrscher, Toelle bedeutet wahr: Königin Lucita: rechtmäßige Erbin des Throns von Laputa.“ ("Their dreaded empire once ruled the earth! ... Lucita Toelle Uru Laputa. Uru means ruler in Laputan, Toelle means true: Queen Lucita: rightful heir to the Laputan throne.")

1:43: „Ich habe ebenfalls einen geheimen Namen aus alter Zeit, Lucita: Romuska Palo Uru Laputa. Wir stammen aus derselben königlichen Familie, die unten auf der Erde entzwei gerissen worden war.“ ("I, too have an ancient, secret name, Lucita: Romuska Palo Uru Laputa. We are descended from the same royal family that split in two down on earth.")

1:45: „Pass auf, was du sagst. Du befindest dich in der Anwesenheit des Königs von Laputa.“ ("Watch your words. You're in the presence of Laputa's king.")

Der Text des Liedes wird von Sheetas Wörtern von 1:53 untermalt und hat offensichtlich keinen Zusammenhang mit dem Schlusslied, das ich noch nicht übersetzt habe.
Die Namen der in meiner Geschichte verwendeten Charaktere entsprechen denen ihrer Nachkommen aus dem Film, aber ich habe andere Teile für ihre Rufnahmen verwendet. So entspricht „Sheeta“ in meiner Geschichte „Lucy“ und anstatt „Muska“ habe ich „Romu“ benutzt. Vielleicht trägt Cory (wie er in der japanischen Fassung heißt) [Anmerkung von Cairiel: Einer der Piratentruppe] Romus Krone ganz am Ende des Films (2:00).



Bemerkung für die Gesamtgeschichte:

[Anmerkung von Cairiel: Ab jetzt habe ich es nur noch sinngemäß übersetzt, da ich keine Lust hatte, diese ewig lange Schlussbemerkung perfekt zu übersetzten. Vor allem, weil sie sowieso nur die wenigsten interessieren dürfte. ;) Das Original findet ihr ja unter dem Link ganz am Anfang der Geschichte.]

Die japanische Originalversion von Das Schloss im Himmel unterscheidet sich teilweise sehr stark von der englischen/deutschen Version des Filmes. Grund hierfür ist die stark abweichende Synchronisation. Es ist aber nicht notwendig, die Originalversion des Filmes gesehen zu haben, um diese Fanfiktions zu verstehen. Dies ist nur als kleiner Hinweis gedacht, damit ihr euch nicht wundert, wenn meine Fanfiktion stellenweise nicht haargenau auf den (englischen) Film zurückzuführen ist.
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