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Negaducks misslungene Nacht

von Vorovell
GeschichteAllgemein / P16
Darkwing Duck / Eddie Erpel Fiesoduck Kiki Erpel
12.03.2012
12.03.2012
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Es war mitten in der Nacht, doch aus der versifften Disco „Record Death“ dröhnte immer noch durchgehend schnelle Technomusik. Vor dem Eingang lag bereits ein Haufen Betrunkener, die von den mit Steroide vollgepumpten Türstehern immer mal wieder nach draußen befördert wurden.
Das war keine gute Gegend. Jedenfalls nicht gut im eigentlichen Sinne. Dieser Schuppen lag in der dunkelsten, dreckigsten und gefährlichsten Ecke von St. Canard. Egal wohin das Auge blickte, überall fand man ausschließlich Kriminelle und Huren. Kein Polizist dieser Welt würde freiwillig dort einfach so hineinplatzen. Und auch Darkwing Duck hielt sich an solchen Stellen auch mehr zurück als normal. Zur Freude aller Beteiligten.
Im Inneren blitzten hunderte verschiedene Lichter. Der Qualm stand dick und es war keine Seltenheit, dass man in so manchen Ecken und Räumen diverse Leute beim spontanen Sex beobachten konnte. Der Boden war voller Glassplitter. Erst diese Nacht kam es wieder zu sieben Schlägereien. Ein großgewachsener Mann bekam einen massiven Holzstuhl auf den Kopf und fiel ungünstig auf eine Metallstange der Tanzkäfige. Als sich der Kerl nicht mehr bewegte, wurde er hinter dem Gebäude in den offenen Müllcontainer geworfen.

Jeder schien sich hier ausleben zu wollen, bis auf eine Person. Weit hinten auf einer der zerfetzten Sitzecken saß eine Gestalt mit rotem Filzhut. Negaduck. Es war als hätte er sich eine imaginäre Mauer gebaut die jeder zu sehen schien. Denn niemand traute sich in seine Nähe und hielt gute 20 Meter Abstand von dem cholerischen Superschurken. Auf dem Tisch neben der fast geleerten Flasche Wodka ruhten zwei schwarze Stiefel. Der rote Hut vollends über das maskierte Gesicht des Erpels gezogen. Es war für Negaduck selber kaum zu glauben, doch an diesem Ort gelang es ihm abzuschalten. Wave war nicht wirklich seine Musik und ihm wäre ein Bisschen Blackmatel wirklich lieber gewesen, aber das machte im Moment keinen Unterschied. Diese laute Beschallung übertönte wunderbar all den Dreck der sich tagtäglich in seinem Kopf abspielte und ihn immer wieder zum ausrasten brachte. Ihn dazu bewegte die Stadt zu verwüsten, Gebäude zu sprengen… wahllos Passanten zu töten und sie so manches Mal mit großem Genuss in mundgerechte Stücke zu schneiden.
Unweigerlich wanderten die kalten, eisblauen Augen rüber zu seiner treuen Kettensäge, die gegen das stinkende Polster angelehnt war.

Eine spärlich bekleidete Kellnerin begab sich zu dem gefährlichsten Kriminellen der Stadt. Mit deutlich zitternden Händen und Angstschweiß auf dem stark geschminkten Gesicht trat sie an Negaduck heran. Ohne ein Wort zu sagen hob dieser leicht den Kopf, sodass er mit dem rechten Auge den Neuankömmling mustern konnte. Er kannte diese Person nicht. Hatte noch nie ein Wort mit ihr gewechselt. Sie noch nie in seinem Leben gesehen. Doch er hasste sie jetzt schon auf ungewöhnlich abnorme Art und Weise.
Die Kellnerin, eine sehr schmale, blonde Ente, stellte eine Flasche Rum auf den dreckigen Tisch und verschwandt wieder so schnell es ging. Diese Aktion entlockte dem Superschurken nur ein leises Knurren. Sogleich packte eine behandschuhte Hand den Flaschenhals des neu angekommenen Getränkes. Doch gerade als sein Schnabel die runde Öffnung berührte, brach der Erpel ab.
Sein Handy vibrierte in seiner Hosentasche. Eine SMS? Wer zur Hölle schrieb ihm denn bitte mitten in der Nacht eine SMS, während er total entnervt Wavemusik hören musste? War die Person krank?
Allerdings doch neugierig auf die Antwort dieses Rätsels schaute der kurzgewachsene Mann auf sein Handy und stellte fest, dass es sich um seine Tochter handelte, die wissen wollte wann er zuhause sein würde.
Ja, er hatte sie aus dem Negaversum mitgenommen. Die kleine Miss Perfect sollte nicht länger bei den ‚glorreichen‘ Freundlichen Vier hocken. Diese Versager setzten (Nega)Gosalyn nur Flausen in den Kopf. Wie den Menschen helfen wollen oder die Welt retten müssen…
Er war zwar nicht ihr leiblicher Vater, aber sie war immer noch seine Tochter und somit sollte sie ursprünglich mal sein Imperium des Schreckens erben. Doch diese undankbare kleine Pestbeule verstand das einfach nicht. Lief konsequent in ihrem kleinen, rosa Kleid durch die Weltgeschichte und eiferte seinem größten Widersacher, Darkwing Duck, nach.
Mit dem barschen Text „Das geht dich einen Scheißdreck an!“ schickte Negaduck eine SMS zurück an das kleine Prinzeschen. Mit Glück würde sie wieder heulend auf ihrem Bett sitzen. Dieser Gedanke zauberte unweigerlich ein Grinsen auf den breiten Schnabel ihres Erziehungsberechtigen.
Seufzend erhobt sich Negaduck und stellte die Flasche zurück auf den Tisch. Eigentlich… hatte er heute auch mehr als genug intus. Sein kleines Alkoholproblem wurde zwar über die Jahre immer deutlicher, aber deswegen musste er es nicht unnötig übertreiben. Besonders weil er noch Motorrad fahren musste.

Eigentlich kam er zu diesem versifften Schuppen nur aus Frust. Wie jedes Mal.
Darkwing hatte ihm wieder die Tour vermasselt…
Es war so, dass sich im Laufe des letzten halben Jahres eine kleine Gruppe zusammenfand die etwas gegen ihn hatte. Eine Art aufgebrachter, organisierter Mopp von genervten Leuten die ihre Angehörigen durch ihn verloren hatten. Die reinste Muppet Show in seinen Augen.
Und ausgerechnet in dieser Nacht hatten sie vor den großen Lord Negaduck zu stellen. Hatten sich lange darauf vorbereitet und dabei eine Falle gebaut. Doch zu ihrem Pech war der bösartige Erpel schon seit seiner Jugend an so etwas gewöhnt. Es fiel ihm nicht schwer eine Falle zu durchschauen. Besonders wenn sie so unüberlegt war wie diese.
Es hatte ihn lächerliche 36 Minuten gekostet alle Beteiligten zusammenzupferchen. Sie zurückzudrängen in eine Lagerhalle, die sich als ihr Unterschlupf herausstellte. Und genauso leicht war es für den kampferprobten Superschurken seine Gegner zu überwältigen und zu knebeln. So hatte er genug Zeit noch mal schnell in die Stadt zu verschwinden, in eines seiner unzähligen Waffenlagern, welches in der Nähe lag. In aller Seelenruhe verteilte Negaduck massenweise Dynamit in der großen Halle und verdrahtete dieses mit einem Fernzünder. Außerdem platzierte der er überall in der Halle volle Benzinkanister auf dem Boden. Das war zwar etwas übertrieben, aber die ganze Stadt sollte sehen was mit Leuten passierte die sich mit der unumstößlichen Nummer 1 anlegten.
Mit einem großen und zufriedenen Grinsen registrierte die kurze Ente die Tränen auf den Wangen seiner Opfer, bevor er das Gebäude verließ und sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite in einer sicheren Seitenstraße versteckte.
Doch es war wie jedes Mal. Gerade als der Bösewicht hysterisch lachend auf den Knopf des Zünders drücken wollte, tauchte sein gutes Ich auf. Und wieder packte Negs die blanke Wut. Vergaß dabei total seine Opfer die ungeduldig auf ihr Ende warteten. So zog der Erpel in Gelb eine Waffe aus dem Holster, welcher an seinem linken Bein festgezurrt verharrte und schoss mehrmals auf die blaue Rauchwolke.
Dieses Durcheinander nutzt der Superheld und trat die Fernbedienung aus Negaducks Hand, sodass sein Gehilfe Launchpad diese ohne Probleme fangen konnte.
Negs musste sehr schnell handeln. Er wusste, dass das Magazin in seiner Pistole verschossen war und er hatte keine Zeit nachzuladen. Also ließ sich der Superschurke auf einen Nahkampf ein, indem er binnen weniger Augenblick Darkwing in den Magen trat.
Dummerweise waren beide sehr bewandert im Gebiet der Kampfkünste. Es war ein langes Hin und Her zwischen den Mächten des Guten und des Bösen. Doch selbst als Negaduck ein großes Feldmesser zückte und somit die Chancengleichheit torpedierte, gelang es ihm nicht sein Ebenbild zu besiegen.
Die Flucht war die einzige Wahl. So hatte er es weder geschafft diesen Möchtegernverein zu beseitigen, noch Darkwing Duck zu erledigen.

Mit den Händen in den Taschen der schwarzen Hose vergraben begab sich der Baron des Verbrechens nach draußen.
Die Luft war um einiges frischer als in dem Gebäude. Und er fand es widerlich. Vermisste die verpestete Atmosphäre des Negaversums. Ohne unnötiges Grünzeug um ihn herum. Unerträgliche, hässliche Blumen die seine Nase reizten.
Doch es würde nicht mehr lange dauern, bis auch dieses Universum ihm gehören würde. Und das würde geschehen, wenn er Darkwing ein für alle Male beseitigt hat.

Ohne auch nur den Ansatz von Angst streifte der Superschurke die dunkle Straße entlang. Überall waren Schüsse zu hören, schreiende Frauen und Kinder. Die Fenster fast aller Gebäude waren eingeschlagen. Und genau aus diesem Grund hatte Negs sein Motorrad, mit dem er vor wenigen Stunden fliehen musste, weiter weg geparkt und versteckte es unter einer großen Decke, die der Erpel neben einem Mülleimer fand.
Wäre ja noch schöner wenn seine Karre beschädigt oder geklaut werden würde.
Jedoch bevor der Bösewicht in die nächste Gasse einbiegen konnte…
„Ich bin der Schrecken der die Nacht durch flattert!“
„Nicht schon wieder…“
„Ich bin der Sprung auf deiner Lesebrille!“
„Tz…“
„Ich bin Darkwiiiiiiiing Duck!“
„Oh, Darkwing Duck… Wie beängstigend das doch wieder ist…“
„Ich bin hier um dich endgültig hinter Gitter zu bringen, Negaduck!“
„Das versuch erst mal!“
Mit diesen Worten rannte der Superschurke zur Seite und kletterte in Windeseile eine baufällige Feuerleiter hinauf. Darkwing folgt ihm sofort, jedoch immer mit einem wachsamen Auge. Nicht nur, dass Negs in dieser Gegend so etwas wie Heimvorteil hatte, es wimmelte auch überall von Kriminellen die ihm gerne an die Federn gehen würden.
Auf dem Dach angekommen sah der Held wie sein Gegner versuchte zu einem anderen Gebäude über ein langes, dickes Kabel zu balancieren. Für einen Sprung waren die anderen möglichen Flächen zu weit weg.
Darkwing folgte seinem Widersacher über das Kabel und hoffte sehr, dass es das Gewicht von beiden Erpeln tragen würde. Doch plötzlich blieb Negaduck stehen und drehte sich um. Beide pendelten nun 30 Meter über dem Abgrund und Negs schien nachdenklich.
„Darky…“
„Was?“
„Wir beide sind so unterschiedlich… Auch wenn wir rein physisch absolut identisch sind…“
„Worauf willst du hinaus?“
„Darkwing, es gibt noch einen Unterschied zwischen uns beiden, der dir eventuell bisher noch verschlossen blieb.“
„Und der wäre?“
„Ich hänge nicht so sehr am Leben wie du.“
In diesem Moment zog Negaduck sein Messer und durchtrennte mit einem einzigen Hieb das Kabel unter seinen Füßen.
Der Superheld griff noch schnell das Ende des absackenden Kabels, während Negs hinabstürzte. Doch ohne es vorher geplant zu haben, landete der Schurke in Gelb auf einem großen Haufen Müllsäcken, die seinen Sturz abfingen. Auf dem Rücken liegend konnte der Superschurke beobachten wie sein Feind es schaffte mit dem gewonnen Schwung in einem der zerschlagenen Fenster zu landen.
Schnell stand der selbsternannte Lord auf und rannte zu seinem Motorrad, von dem er eilig die schmutze Decke zog, sich hinauf schwang und die Zündung startete. Oben blickte sein Widersacher durch das eben gestürmte Fenster und schien zu fluchen. Doch das störte den Bösewicht nicht. Mit einer gekonnten Drehung verschwand er in die Dunkelheit. Das zweite Mal in dieser Nacht.

Wie demütigend…
Seine Stimmung war nun wirklich absolut im Keller.
Mit schlechter Laune fuhr der berüchtigtste Verbrecher der Stadt zurück zu seinem Unterschlupf. Natürlich mit vielen Umwegen, um ganz sicher zu sein, dass sein nervender Doppelgänger ihm nicht wieder folgte.
Auf einem verlassenen Industriegelände kam der Troublemaker zum stehen. Schnell zog dessen Besitzer eine kleine Fernbedienung aus seiner Jackentasche und öffnete somit eines der vielen, großen Garagentore. Um so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu lenken, fuhr Negaduck so schnell wie möglich in die verlassene Halle und schloss den Eingang wieder per Knopfdruck.
Er stellte die schwere Maschine ab und schaute hinauf. Die Hälfte der Halle hatte eine weitere, offene Etage aus Metall. Dort befanden sich ein Fernseher, ein kleiner Essensvorrat, diverse Waffen, ein kaputtes Sofa und zwei Betten.
Müde ging der Superschurke die eiserne Treppe hinauf und schaute sich um. Ein kleines Licht brannte neben eines der Betten. Mit schweren Schritten bewegte sich der kurzgewachsene Mann auf die Lichtquelle zu. Auf dem Bett lag seine Tochter. Immer noch in diesem furchtbaren, rosa Kleid.
Er setzte sich auf die Bettkante und schaute auf das Gesicht der kleinen Ente. Ihr abgegriffenes Handy lag aufgeklappt neben ihr.
Und ihre Wangen waren… nass. Ja, sie hatte tatsächlich wegen ihm geweint.
Sofort musste der Verbrecher und Mörder breit grinsen. Dann ging heute wenigstens nicht unbedingt alles daneben.
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