Einsam wie die Nachtigal

von blackReed
GeschichteAllgemein / P16
11.03.2012
25.04.2012
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11.03.2012 1.111
 
Eine kleine Story die einfach aufgeschrieben werden musste.
Viel Spaß.

blackReed

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„Mama, wo ist Papa?“

Ich sah sie mit großen Augen an. Wir waren im Speisezimmer und ich mit meinen 4 Jahren überragte gerade so den Tisch.  
„Ich will zu Papa!“ Sie hatte Tränen in den Augen.
„Mein Schatz,“  sagte Mama langsam, „ du musst jetzt sehr stark sein. Der Papa kommt nicht wieder. Er ist in den Himmel zu den Engeln geflogen.

„Hat er mich nicht mehr lieb?“ Mir kam das komisch vor. Ich war schon immer seine kleine Prinzessin gewesen.
Warum sollte er mich jetzt nicht mehr mögen?

„Der Papa hat dich noch immer ganz doll lieb, aber er musste gehen.“
„Aber…“
„Gilliette von Lahnstein, es ist halt so. Ich kann es dir nicht erklären. Du bist noch zu jung! Geh zu deinen Geschwistern und spiel mit ihnen. Ich muss mich noch mit ein paar Kollegen von deinem Papa treffen.“

Jetzt war ich sauer. Zu jung! Ha, ich war doch schon 4 ½  Jahre alt.
Immer wurde ich so behandelt.

„Gillieeeeette!“ Ich drehte mich um und sah meinen ältesten Bruder Hagen.
Ich mochte ihn nicht sehr. Er spielte sich immer auf, als sei er der Chef.
Auch verpetzte er uns andere immer, dass ließen sich aber meine anderen Brüder nicht gefallen und spielten ihm jedes mal Streiche.
Mit der Zeit mochte er uns dann gar nicht mehr.
Jetzt sah ich sein fieses Grinsen auf dem Gesicht, welches er immer machte, wenn er uns verpetzt hatte.
„Gilli, ich habevorhin gehört, wie Mama zu einem Mann gesagt hat, dass du es gut bei ihnen haben wirst.
Also ich glaube Mama und Papa sind dich jetzt auch endlich leid und geben dich zu dieser Familie!“
Ich war entsetzt.
Hatte vielleicht Mama mich jetzt nicht mehr lieb?
Ich wollte Hagen nicht glauben. Ich wollte bei meiner Familie hier im Schloss bleiben!
Deshalb schrie ich ihn an:
„Das stimmt nicht du Lügner, und der Papa hat das auch nie gesagt, denn die Mama hat mir vorhin erzählt, dass der Papa jetzt oben bei den Engeln ist!“

Hagen wurde kalk weiß. Damit hatte er nicht gerechnet. Er drehte sich um und rannte weg.

Ich wollte ihm immer noch nicht glauben und rannte zurück in das Speisezimmer.

Dort saß Mama mit einem Mann, rundlich mit dunklen, kurzen Haaren, und einer Frau, dünn mit blonden Haaren, die ihr bis zur Schulter reichten, und sprachen mit einander.
Ich erschrak und gab einen kleinen Schrei von mir, denn ich hatte nicht damit gerechnet das Hagen vielleicht recht haben könnte.
Die Frau drehte sich um, stand auf und ging auf mich zu.
Ich blieb regungslos stehen und rührte mich nicht.

Ich war schon oft Geschäftspartnern von Papa begegnet und er hatte uns immer gesagt, dass wir uns anständig benehmen und Haltung bewahren sollten.
Die Frau kniete sich vor mir nieder und sprach zu mir.
„Hallo kleine Gilliette, darf ich dich Gilli nennen?“
Ich nickte nur, denn  ich war immer noch erschrocken.
„Kleine Gilli wir gehen jetzt nach Hause, möchtest du mit kommen?“ „Kommen meine Geschwister auch mit? Und die Mama?“
„Ja, natürlich. Aber sie kommen erst in ein paar Tagen. Deine Sachen sind schon im Auto.“
Aufeinmal standen alle auf und gingen zum Eingangsportal.
Ich ging hinter ihnen her. Ich war drauf gespannt was mich erwarten würde, aber es war schon merkwürdig, dass ich ausgerechnet jetzt zu wen anderes gehen sollte.
Da aber Mama mit ihnen geredet hatte, würde es sicher sehr schön werden und sie alle würden ja eh bald nach kommen.

Wir kamen in die Eingangshalle und ich sah die Treppe hinauf, denn ich hoffte, dass sich meine Geschwister von mir verabschieden würden.

Doch es kam keiner.  
Das Schloss hüllte sich in eine Unheimliche Stille.
Meine Mutter nahm mich in die Arme und flüsterte mir ins Ohr.
„Gräfin Gilliette von Lahnstein. Wir werden dich immer lieben. Vergiss das nie!“

Sie hatte wieder Tränen in den Augen und ich verstand es schon wieder nicht. Die Frau lächelte und sagte:
„Komm kleine Gilli. Wir müssen jetzt los.“

Ich ging bis zu der großen Eingangstür und berührte die weiße Säule, die rechts neben der Tür stand und drehte mich noch einmal um.
Es war noch immer keiner gekommen um mich zu verabschieden.
Nicht einmal unser Butler kam.
Nur meine Mutter stand mit weinendem Gesicht auf der Treppe.

Dieses Ritual mit der Säule vollzog ich jedes mal wenn ich für längere Zeit aus dem Schloss ging.
Es war für mich ein Zeichen, dass ich immer mit allen verbunden blieb, auch wenn ich nicht bei ihnen war.

Die Frau riss mich aus meinen Gedanken. Sie kam auf mich zu.
Ich nahm ihre ausgestreckte Hand und ging mit ihr die Stufen hinunter.
Ich winkte Mama zu, auch wenn ich nicht wusste ob sie es sah und rief „Bis bald.“

Wir stiegen in ein schwarzes Auto ein und ich war sehr neugierig. Wir fuhren los und es verging einige Zeit.

Doch plötzlich änderte sich die Stimmung schleichend. Die Frau lächelte nicht mehr.
Sie fuhr nur noch so vor sich hin.
Der Mann der die ganze Zeit nicht viel geredet hatte drehte sich zu mir um und schaute mich finster an.

„Nun hör mir mal gut zu du kleine Gör.

Wir sind ab nun deine Eltern und du tust gefälligst immer das was man dir sagt!

Du heißt von nun an Linda Seller.

Du wirst deine Familie hier vergessen, sonst geht es dir schlecht.

Ist das klar?“

Ich musste schlucken.

„IST  DAS KLAR?“

Ich zuckte zusammen bei seinem Schrei und sagte:
„Ja….. Aber werden Mama und Papa trotzdem kommen? Mama hat gesagt, dass Papa bei den Engeln ist, aber er wird sicher vorbei kommen wenn er fertig ist… .“
Meine Stimme zitterte und ich hatte große Angst.

„ Dein Vater ist tot du Gör und deine Mutter oder sonst wen den du kennst wird nicht kommen. Schlag dir jetzt diese Familie aus dem Kopf.
Wir sind jetzt alles was du noch hast! Er drehte sich wieder um und die Frau schwieg immer noch.

Wir fuhren weiter und hielten endlich in einem kleinen Dorf.  
Der Mann und die Frau stiegen aus.
„Los jetzt. Steig endlich aus!“

Aber ich wollte nicht.
Schnell schnallte ich mich ab und wollte die Türen verriegeln, dass hatten meine Geschwister und ich immer zum Spaß gemacht und der Fahrer wurde dann immer  wütend.

„Das lässt du schön bleiben Fräulein!“
Er riss schnell die Tür auf und zerrte mich am Arm hinaus.
Ich schrie vor Schmerz.

Er zerrte mich in das Haus und die Frau schloss hinter ihm die Tür.


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Das wär's fürs erste.
Ich hoffe ich habe euch ein bisschen neugierig gemacht.
*smile*
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