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Verloren

von Quinzis
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst / P16 / Gen
Bellatrix Lestrange Fenrir Greyback Gregory Goyle Harry Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Rodolphus Lestrange
11.03.2012
28.12.2014
5
8.847
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11.03.2012 2.118
 
1. In der Hölle


Langsam öffnete Lord Voldemort seine Augen. Sein Kopf brummte und es war ungewöhnlich heiß.
Was war passiert?
Er blinzelte durch seine Augenlider und schloss sie sogleich wieder. Er war geblendet von einer rot glühenden Hitze und hob schützend seine Hände vors Gesicht.
Wo war er?
Schließlich zwang er sich dazu, erneut die Augen zu öffnen und setzte sich mühsam auf. Der Anblick, der sich ihm bot, war überwältigend. - und erschreckend zugleich!

Er befand sich auf einem Boden aus schwarzem, massivem Fels, welcher sich eigenartig warm anfühlte. Wenige Meter neben ihm klaffte ein gewaltiger Riss im Boden, aus dem schier unerträgliche Hitze und Licht austraten. Über ihm war nichts als eine alles verschlingende Schwärze.
Voldemorts Blick wanderte weiter umher, doch alles was er sah, war eine dunkle, nicht enden zu wollende Landschaft aus Fels und Stein und immer wieder auftretende Risse und Spalten.

Noch während er die Umgebung erfasste, ratterten die Gedanken in seinem Kopf und mit einem Schlag waren sämtliche Erinnerungen wieder da:
Potter hatte ihn getötet. Und er, der große, unbesiegbare Lord Voldemort, war gefallen! Getötet vom eigenen Zauber. Welch eine Schmach. Welch eine Schande.
Damit wurde auch sein derzeitiger Aufenthaltsort bewusst. Er musste in der Hölle sein, oder was auch immer einem nach dem Tod bevorstand. Und anscheinend war genau das eingetreten, was er sein Leben lang zu verhindern versucht hatte.
Grauen erfasste ihn, als ihm das bewusst wurde. Seine größte Angst war wahr geworden.
Doch wie konnte das sein? Seine Ziele waren stets edel gewesen und er hatte sogar sein Leben schlussendlich gegeben, um sie sie zu verwirklichen! Sein Ziel war immer das Wohle der Zaubererwelt gewesen, er wollte das schmutzige Blut der Muggel von dem wertvollen der reinblütigen Magier und Hexen trennen. So viele Mühen hatte er auf sich genommen und womit wurde er dafür belohnt? Mit dem Tod und einem Aufenthalt in der Hölle...

Mit einem Mal wurde dem Dunklen Lord bewusst, dass er noch immer verloren auf dem Boden saß. Er stemmte seine Hände in den Boden und stöhnte auf, während er aufstand. All seine Glieder schmerzten, als hätte jemand unzählige, schwarz-magische Flüche an ihm ausprobiert. Insbesondere  seine Brust durchfuhr ihn ein stechender, alles überlagernder Schmerz. Aufkeuchend tastete er mit seinen langen, weißen Fingern zu der pochender Stelle und fühlte sein eigenes, geschwollenes Fleisch. Ahnungslos sah er sich herunter und erst jetzt bemerkte er, dass er einen schlichten, schwarzen Umhang trug. Zögerlich, was ihn auch immer erwarten würde, zog der Lord den Stoff auseinander und... - erstarrte!

Ein schwarzes Brandmal offenbarte sich ihm an der Stelle, an dem ihn sein eigener Todesfluch getroffen hatte. Die Haut war versengt worden und das Fleisch war zwischen einzelnen losen Sehnen blutig und roh zu sehen.
Selbst ihm wurde bei diesem Anblick leicht übel und so bedeckte er die Wunde rasch wieder mit seinem Umhang, damit er sie nicht mehr sehen musste.
Nachdem er noch einige Male tief durchgeatmet hatte, ging er schließlich in die weite, karge Landschaft hinaus. Anfangs zitterten ihm noch die Beine vor Schwäche und Schmerz und auch die Hitze machte ihm zu schaffen. Doch mit jedem Meter erlangte er mehr Stärke und seine Kraft kehrte allmählich in seinen Körper zurück.

Am glühend roten Horizont tauchten mit der Zeit Berge auf. Je näher er diesen kam, desto deutlicher wurde, dass auch diese aus schwarzem Gestein bestanden und sich perfekt in die dunkle Landschaft einfügten.
Die Zeit verging und Lord Voldemort ging weiter, Schritt für Schritt. Eigentlich hätte es mittlerweile längst dämmern müssen, doch die eigenartige Beleuchtung änderte sich nicht und der Himmel blieb weiterhin pechschwarz.
Nach einiger Zeit blieb er stehen und hielt sich die stechende Brust. Er war es nicht gewohnt so weit zu laufen und brauchte eine Pause. Normalerweise - so seltsam es auch immer für ihn klingen mochte - als er noch gelebt hatte, übernahmen seine treuen Freunde die Aufgaben für ihn. Ob seine Todesser wohl nach seinem Tod weiter seine Ziele verfolgten? Bellatrix würde das tun, da war er sich sicher. Doch bereits im nächsten Augenblick wurde ihm klar, dass auch sie, sogar noch vor ihm, nicht stark genug gewesen war, dem Tod zu trotzen.

Umso weiter der Dunkle Lord ging, desto steiniger und felsiger wurde der Weg. Immer öfters musste er pausieren und die Berge in der Ferne waren sein einziger Anhaltspunkt, welche ihn weiter gehen ließen.

Aber plötzlich ließ ihn eine Bewegung innehalten. Was war das? Waren hier etwa noch andere Personen? Hieß das, er war nicht allein? Automatisch tastete er, um sich verteidigen zu können, unter seinem Umhang nach seinem Zauberstab, doch er konnte ihn nicht finden!
Während er mit den Augen die Umgebung absuchte, wurde ihm bewusst, warum der Elderstab nicht bei ihm war. Harry Potter hatte ihn. Und er, war unbewaffnet!
Zornig stieß er einen unmenschlichen Schrei aus und es hallte von den Bergen in seinen eigenen Ohren wieder. Er, der mächtigste schwarz-magische Zauberer, Lord Voldemort, war verdammt, als lächerlicher Muggel sein Dasein zu fristen! Das konnte doch nicht wahr sein!

„Mein Lord.“, ertönte auf einmal eine ehrfürchtige Stimme, „Seid Ihr das?“
Der Angesprochene fuhr herum und abermals fuhr seine Hand zu seinem Zauberstab, doch er war und blieb verschwunden. Plötzlich tauchte hinter einem Felsen ein dunkelhaariger, gedrungener Mann auf. Ein Teil seiner Schädeldecke fehlte und man konnte bereits die Windungen des Gehirns erahnen. Auch ein Auge war nicht mehr das, was es einmal gewesen war: Rot und geschwollen blickte es leer in die Gegend. Dennoch erkannte Voldemort den Mann sofort.
„Rosier?“
„Herr, ich warte schon so lange. Ich wusste Ihr würdet mich nicht für immer in der Hölle lassen.“, fiel der Todesser auf die Knie und senkte untergeben den Blick.

Voldemort erinnerte sich sehr wohl an Evan Rosier, einem treuen Todesser, der nach seinem ersten Sturz weiter gekämpft und damit sein Leben verloren hatte. Getötet von dem Auror und Ordenskämpfer Alastor Mad-Eye Moody, welcher mittlerweile aber diesen Mord mit seinem eigenen Leben bezahlt hatte. Ein kurzes, böses Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er selbst hatte es getan und es war eine Genugtuung gewesen. Hatten die vom Phönixorden wirklich gedacht, dass er sich von einem einfachen Vielsafttrank aufhalten lassen würde?

„Gib  mir deinen Zauberstab, Rosier!“, befahl der Dunkle Lord gebieterisch und streckte verlangend seine Hand aus. Dass er den Todesser getroffen hatte, änderte seine Lage komplett. Er war nicht länger auf sich allein gestellt, sondern hatte einen Untergebenen, der sich hier offenbar auskennen musste und ihm mit Sicherheit noch von Nutzen sein konnte, doch zuerst musste er sich um Wichtigeres kümmern.

„Aber Herr... Ich besitze keinen Zauberstab mehr, weshalb fragt Ihr? Was ist mit Eurem Eigenen?“
„Schweig!“, donnerte Voldemort und im Kopf wendete er schon den Cruciatus-Fluch auf den Mann vor ihm an, auch wenn dieser nichts für die missliche Lage konnte. Kein Zauberstab? Sofort sah die Situation wieder schlechter aus.
„Wie habt Ihr mich hier eigentlich gefunden?“, fragte Rosier schließlich vorsichtig. Nach all dieser Zeit wusste er, dass dieser Ort für die armen, verlorenen Seelen bestimmt war, die das Leben auf der Erde verlassen hatte, „Ihr seid doch nicht etwa auch... tot..?“
Doch Voldemort schwieg. Er gab keine Antwort, doch keine Antwort war auch eine Antwort und Rosier schluckte: Der Dunkle Lord war gefallen? Das konnte doch nicht möglich sein!

„Wer ist noch hier, Rosier?“
„Ich weiß es nicht, mein Lord.“, stammelte der Angesprochene und blickte nervös umher, „ich war beinahe die ganze Zeit über hier am Fuße des Berges und habe mich in den Höhlen herum getrieben. Glaubt mir, Herr, es ist sogar besser, keinem zu begegnen, denn hier traut niemand niemanden.“
Der Dunkle Lord kniff seine Augen zu schlangenartigen Schlitzen zusammen. Was sollte das bedeuten? Er speicherte alle Informationen in seinem Kopf ab um später darauf zurück zu kommen, denn jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um länger darüber nachzudenken.

„Woher bekomme ich einen Zauberstab?“, fragte er stattdessen, doch auch dieses Mal wusste Evan Rosier keine Antwort.
„So etwas gibt es hier nicht.“, sagte er niedergeschlagen und Voldemort wurde zornig:
„Lügner!“, schrie er und aus einem der Risse im Boden schoss eine riesige Lavafontäne, sodass der dunkelhaarige Mann zurück weichen musste. Anscheinend hatte der Dunkle Lord auch ohne Zauberstab noch genug Macht seine Zauberkräfte wirkungsvoll einzusetzen. Und mit einem Mal wusste Rosier, dass er ihm wieder folgen würde. Er hatte ihm den Glauben gegeben, in ferner Zukunft gerettet zu werden und jetzt war der Lord endlich gekommen und wenn auch nicht für den Grund, den er sich erhofft hatte, aber nun war es Zeit, neue Hoffnung zu schöpfen.

„Ich habe Geschichten gehört, mein Lord...“, sagte Rosier beschwichtigend, „aber man weiß nicht, ob er uns nur in die Irre führen will.“
Voldemort zog ungeduldig eine Augenbraue nach oben: „Wovon sprichst du?“
„Man spricht davon, dass nördlich der Berge im Totenwald ein Wesen existiert, das gegen einen gewaltigen Preis einen Wunsch erfüllen soll. Doch der Weg dorthin ist weit und beschwerlich und viele Gefahren lauern im Verborgenen.“
Der Dunkle Lord stieß ein unmenschliches Lachen aus: „Gefahren? Bei Salazar, was soll einem nach dem Tod noch Schlimmeres erwarten?“ Und plötzlich durchflutete ihn die Erkenntnis: Mit dem Tod war er seine schlimmste Angst losgeworden; den Tod. Er konnte nicht mehr sterben, denn das hatte er jetzt schon hinter sich.
„Aber ER ist noch immer da.“, verkündete Rosier unheilvoll, „und wer auch immer ihm in die Quere kommt, dem wird Schreckliches widerfahren... Genaues weiß niemand, nur, dass es schlimmer als der Tod ist.“
Er? Wen meinte er damit? Eine Lächerliche Vorstellung, dass irgendjemand mächtig genug war, die Hölle zu beherrschen und doch... äußerst reizvoll...

„Lass uns gehen!“, befahl Lord Voldemort und Rosier folgte ihm zögerlich. War es eine gute Idee, seinen sicheren Ort zu verlassen?

Die beiden umrundeten den Felsen hinter dem Rosier sich versteckt hatte und folgten dem steinigen Weg hinauf in die Berge. Immer steiler und beschwerlicher wurde es und bald mussten sie sogar hintereinander gehen, damit sie nicht abstürzten. Selbst die Spalten im Boden wurden weniger und somit zog auch die Dunkelheit einher. Dadurch mussten sie sich wieder langsamer fortbewegen und mit den nackten Füßen nach einem sicheren Stand tasten.

„Mein Herr“, keuchte Rosier nach einiger Zeit, als sie schon weit nach oben gekommen waren, „Bitte. Können wir hier nicht eine Weile bleiben?“
Voldemort, der voraus gegangen war, drehte sich zu dem stehengebliebenen Rosier um und schaute ihn abschätzig an: „Zeigst du jetzt etwa schon Schwäche? Was ist ein Zauberer schon ohne Zauberstab? Wir müssen schnellstmöglich in den Totenwald! Doch nun gut, lass uns neue Kraft schöpfen.“ Auch der Dunkle Lord war mittlerweile erschöpft und seine Kräfte am Ende, doch die Aussicht auf einen Zauberstab hatte ihn angetrieben weiter zu gehen und nicht aufzugeben. Dennoch schmerzte seine Brust und seine Beine fühlten sich bereits taub an, und so war auch er froh, eine Pause einlegen zu können.

Sie setzten sich auf den Boden und Voldemort lehnte sich mit den Rücken an eine Felswand. Erst jetzt bemerkte er das Loch im Fels und sah den Eingang zu einer kleinen Höhle.
„Gehen wir besser dort hinein, bevor wir hier draußen schutzlos den Mächten des Bösen ausgeliefert sind.“, sagte Rosier, welcher wohl seinem Blick gefolgt war.
Etwas widerwillig, dem folgen zu müssen, was sein Untergebener gesagt hatte, kletterte der Lord in die Felsspalte und wunderte sich über die Sorge seines Anhängers. Denn bisher war er noch nichts, was ihm in irgendeiner Art und Weise gefährlich werden konnte, begegnet und außer dass seine Brust fürchterlich verstümmelt war und es hier schrecklich heiß war, konnte man seinen ersten Tag in der Hölle nicht als wirklich unangenehm bezeichnen. Es war sogar in Albanien, als er auf der Suche nach einer Möglichkeit zurückzukehren gewesen war, weit aus schrecklicher gewesen.

Evan Rosier hatte in der Zwischenzeit gegenüber von Voldemort Platz genommen und sobald er lag, war er auch schon eingeschlafen. Auch der Dunkle Lord lehnte sich zurück, doch trotz all seiner Erschöpfung war an Schlaf nicht zu denken. Er war von den Ereignissen des Tages innerlich noch immer aufgewühlt und Rosier hatte sich insgesamt als weniger nützlich erwiesen, als er anfangs noch angenommen hatte. Auch wenn er schon lange tot war, kannte er sich hier noch immer nicht wirklich aus und verkroch sich lieber in seiner Höhle anstatt das zu ändern.
Seine anderen Todesser wären die Sache mit Sicherheit anders angegangen. Nun ja, Lucius vermutlich nicht, aber Yaxley oder Bella schon, das wusste er.
Resignierend schloss er die Augen und suchte in seinem Kopf nach einer Lösung, doch es wollte ihm keine einfallen. So wie es im Moment aussah, musste er sich tatsächlich auf die vagen Vermutungen von einem ermordeten Todesser verlassen.
Und noch während seine Gedanken rotierten, wurde er langsam immer müder und müder und schließlich tauchte er ab in einen tiefen, traumlosen Schlaf, nicht wissend, was ihn noch erwarten würde...
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