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The Play-Acting Captain

KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Beka Valentine Dylan Hunt Telemachus Rhade Trance Gemini
11.03.2012
11.03.2012
3
3.151
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11.03.2012 1.051
 
Autor: Susanne Christie
Fandom: Andromeda    
Disclaimer: Sämtliche Rechte und finanziellen Gewinne an den von mir in dieser Geschichte benutzten Charakteren liegen bei deren Erfindern und Copyrightinhabern. Die Rechte an der Storyidee beanspruche ich selbst.


The Play-Acting Captain


Der sich abmühende Künstler, der seit eineinhalb Stunden vergeblich versuchte, irgendwo auf diesem Fantasieplaneten als Maler Anerkennung zu finden, stürzte zu Boden, als der Leibwächter des Königs ihn mit der Lanze grob in die Seite stieß.
Er fiel auf die Knie und keuchte vor Schmerz. Verzweifelt presste er seine Hand gegen die Rippen an der Stelle, wo ihn die Lanze getroffen hatte. Glücklicherweise war es nur der stumpfe Stiel und nicht das Ende mit der Klinge gewesen.
"Ich habe Dich etwas gefragt!" wurde er von dem Leibwächter angeherrscht. "Ich will wissen, warum Du hier im Schlosspark herumschleichst!"
"Ich wollte mich nur....... umsehen." Die Stimme des Gemarterten klang gepresst und hilflos.
"Du wolltest ins Schloss einbrechen", sagte der Leibwächter grob. "Gestehe!"
"Nein! Nein, wirklich nicht!"
Ein weiterer Lanzenhieb traf den armen Teufel, der jetzt einen Schmerzensschrei ausstieß und vollends zusammenbrach.
"Was ist hier los?" ertönte da eine Stimme von der Seite her, und ein wohlbeleibter Mann mit einem eisgrauen Bart und den sympathischsten kleinen Augen, die man sich vorstellen konnte, kam heran. "Wieso werden vor meinem Schloss Leute gefoltert?"
Der Leibwächter fiel vor dem König auf die Knie. "Verehrter König Melchior! Ich bitte vortragen zu dürfen, dass es sich bei diesem Individuum um einen nichtsnutzigen Künstler handelt, einen Maler, der in den Schlosspark eingedrungen ist. Ich vermute, um Ihr geliebtes Kunstwerk zu stehlen."
"Ist das so?" donnerte der König, der sich inzwischen vor dem auf dem Boden kauernden Mann aufgebaut hatte. "Wolltest Du mein Kunstwerk stehlen?"
"Nein......nein!", stammelte der Mann, der jetzt versuchte, sich aufzurichten, was nicht so einfach war wegen der Schmerzen in seinen Rippen. Seine Stimme klang gepresst. "Ich wollte das Bild nicht stehlen."
"Aber Du weißt, dass ich im Besitz dieses besagten Gemäldes bin?"
"Ja."
"König Melchior, ich töte ihn für Euch!" ereiferte sich der Leibwächter.
"Ruhe!" Der König hob gebieterisch die Hand. "Du wirst nichts dergleichen tun."
"Dann werfen wir ihn in den Kerker."
Melchior wedelte mit der Hand. "Schweig!"
Er fasste den gestürzten Künstler unter die Arme und zog ihn vorsichtig hoch. Der Mann, der schulterlange, blonde Haare besaß, unterdrückte leise Schmerzenslaute.
"Ein apartes Antlitz", stellte der König wohlwollend fest, als er Künstler vor ihm stand und er ihm studierend ins Gesicht blickte. "Wie ist Dein Name?"
"Levi."
"Gut, Levi. Wenn Du mir reinen Wein einschenkst darüber, weshalb Du zu dieser vorgerückten Stunde in mein Grundstück eingedrungen bist, werde ich Dich von Folter und Tod verschonen und mir statt dessen ansehen, wie gut Du wirklich malen kannst."
"Aber mein König......!" begann der Leibwächter.
Melchior hob den Zeigefinger. "Pscht! Kein Wort, oder ich suche mir einen anderen Leibwächter."
Der Leibwächter verbeugte sich. "Sehr wohl, mein König."
Melchior ging um den gutaussehenden, schlanken, blondhaarigen Mann herum, wobei er ihn von oben bis unten musterte. Levi registrierte es mit ängstlichem Blick.
"Nun sage mir, Künstler Levi: Was hast Du wirklich in meinem Schlossgarten gewollt?"
"Ich wollte", begann Levi, verstummte dann aber verlegen. Anscheinend wurde ihm jetzt erst bewusst, dass er mit dem König persönlich sprach. "Ich....... ich wollte mir das Bild ansehen."
"Also doch stehlen!" rief der Leibwächter.
Melchior bedachte ihn mit einem Blick, der ihn auf der Stelle verstummen ließ.
"Nein!" sagte Levi, jetzt nachdrücklicher. Er musste schon überzeugend sein, sonst ließ ihn der König tatsächlich noch foltern. "Ich wollte das Bild nicht stehlen! Nur ansehen, wirklich! Ich habe gehört, dass es von einer überaus talentierten Künstlerhand geschaffen worden sein soll, und ich wollte....... "
Levis Augen leuchteten vor Begeisterung. "Ich wollte mir genau ansehen, wie es gemacht wurde, damit ich ein ebensolches Werk schaffen könnte."
Der Leibwächter brach in höhnisches Gelächter aus, doch der König brachte in abermals mit einem Blick zum Verstummen.
"So so. Du wolltest das Bild also gewissermaßen....... studieren?" fragte der König.
Levi nickte. "Ja. So dass ich selbst ein Bild von solcher Qualität malen könnte, um es zu verkaufen."
Melchior bedachte ihn mit einem väterlichen Blick des Mitleids. "Wie wäre es statt dessen mit einem anständigen Beruf. Einem Beruf, in dem Du auf einfachere Weise Geld verdienen könntest."
Levi schüttelte den Kopf. "Ich will malen. Das wollte ich schon immer. Und ich bin gut darin. Leider nicht so gut, dass ich recht davon leben könnte."
"Ja ja", seufzte der König. "Das ewige Dilemma. Der am Hungertuch nagende Künstler, der partout nichts anderes machen will."
Melchior überlegte. "Weil Du ein liebenswürdiger junger Mann zu sein scheinst, gebe ich Dir eine Chance. Ich lasse Dich das Bild studieren. Dann malst Du mir ein weiteres."
Levis große, traurige Augen leuchteten auf. "Das würden Sie für mich tun?"
"Jawohl. Weil ich ein großzügiger Mensch bin." Der König lächelte gewinnend aus seinem gepflegten Bartgestrüpp. "Und weil mein Schloß so viele Räume mit leeren Wänden hat, die geradezu nach Bildern schreien."
"Danke! Vielen Dank!"
Levi fiel vor dem König nieder, aber Melchior zog ihn sanft am Arm hoch. "Nicht doch, mein Junge! Huldige mir lieber mit einem schönen Gemälde."

+++++++

Und Levi, der sich abmühende Künstler, enttäuschte den König nicht.
Eine Woche später bekam der König das schönste abstrakte Gemälde, das auf diesem Planeten je gemalt worden war.
Der liebenswürdige Levi bekam ein edles Seidenhemd, wo er zuvor nur grobes Leinen getragen hatte zu seiner schwarzen Strumpfhose, und kräftig zu essen.
Der König proklamierte, dass Levi für immer als sein persönlicher Künstler bei ihm auf dem Schloß wohnen bleiben würde.
So kam es, dass Levi nach vielen Irrungen und Wirrungen am Ende nicht länger ein am Hungertuch nagender Künstler und der König mächtig stolz auf die überall anerkannten Kunstwerke war, die Levi in den folgenden Jahren für ihn schuf.
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