[SKYRIM] Nacht

von carnival
GeschichteRomanze, Horror / P16
09.03.2012
04.07.2012
5
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FALKENRING


In der Nacht,
wo keine Sterne blinken,
wo keines Auswegs
Hoffnungsstrahlenwinken,
Schrick nicht zurück,
wenn deine Reihe kommt!
Der Becher kreist,
und jeder muß trinken.
- Omar Khayyam


Jorunn spielte dicht am Waldesrand. Der alten Raisa behagte dies nicht, doch anstatt das Mädchen zu ermahnen ging sie nach hause, um ihre müden Knochen am Feuer aufzuwärmen.
Jorunn lebte mit ihrem Vater Aksel am Rande von Falkenring, sie waren alles andere als reich, ihr Haus war gerade eben mehr als eine bessere Baracke und Jorunns Mutter Inga war vor einigen Jahren erblindet, sodass Aksel den Lebensunterhalt alleine bestreiten musste.
Das tat er als Diener im Hause des Jarl für einen mickrigen Lohn. So auch heute. Inga fühlte sich bereits den ganzen Tag unwohl, und so hatte sie ihrer Tochter gestattet draußen zu spielen - obwohl es eigentlich Jorunns Aufgabe gewesen wäre, die Stube zu fegen und anschließend Gemüse zu putzen und schneiden. Das, so fand Inga, konnte nun auch noch ein Weilchen warten.
Jorunn baute aus Steinen und abgebrochenen Zweigen eine Art Damm, ihre Schuhe und der Saum ihres Kleides waren bereits klatschnass. Aber wie es für Kinder so üblich war, scherte auch Jorunn sich nicht wirklich darum. Sie schleppte immer mehr Steine heran, doch diese waren zu klein, um den Bach nennenswert einzudämmen, er floss einfach links und rechts an dem Hindernis vorbei. Jorunn biss sich auf die Unterlippe und stampfte frustriert mit dem Fuß auf, sodass das Wasser spritzte.
So wurde das nichts.
Mit gerümpfter Nase blickte sie gen Wald. Die Bäume hoben sich dunkel gegen den hellen Himmel ab, nur vereinzelte Lichtstrahlen drangen durch die dichten Kronen auf den Boden. Und vor allem gab es dort größere Steine und jede Menge Holz zu finden. Angestrengt überlegte sie. Eigentlich hatte ihr Vater verboten in den Wald zu gehen, aber es war gerade niemand da und so würde es auch nicht auffallen, wenn sie kurz - wirklich ganz kurz nur - am Rand schauen ging, ob sie dort Sachen für ihren Damm fand.
Sie schaute sich noch einmal um, ob sie wirklich nicht beobachtet wurde. Tatsächlich aber sah sie in die falsche Richtung, denn aus dem Wald heraus wurde sie bereits seit geraumer Weile belauert.
Jorunn stieg aus dem Bach und lief mit wippenden Zöpfen und federnden Schritten auf den Waldrand zu. Sie fand schon nach wenigen Augenblicken, was sie suchte. Im Schatten der Bäume sammelte sie eilig abgebrochene Äste auf, dabei kicherte sie glucksend, als sie sich vorstellte, wie ihr Damm ganz Falkenring unter Wasser setzte. Als sie schließlich genug Zweige in den Armen hielt, waren ihre Wangen gerötet vor Aufregung.
Das würde ein feiner Damm werden.
„He Mädchen!“
Jorunn fuhr herum, einige Zweige fielen von dem Stapel in ihrem Arm. In dem dichten Unterholz begann es zu rascheln.
„He Mädchen!“, wieder diese Stimme aus den Büschen.
Jorunns Herz klopfte schneller. „Wer ist denn da?“, fragte sie tapfer, obwohl alles in ihr danach schrie einfach davonzulaufen.
„Komm doch ein bisschen näher, Kleine!“
Jorunn schüttelte den Kopf. „Nein!“, sagte sie entschlossen. „Das geht nicht! Mein Vater hat es verboten!“
Die Stimme schwieg. „Dein Vater ist ein guter Mann!“, lobte sie schließlich und fügte dann tadelnd hinzu: „Und trotzdem stehst du hier, als wärest du ein ungezogenes Gör!“
Jorunn durchfuhr ein siedendheißer Schreck. „Du… du wirst mich doch nicht verraten, oder?“, fragte sie ängstlich. Ihr Vater würde sehr wütend werden, aber noch schlimmer wäre seine Enttäuschung darüber, dass Jorunn ihm nicht gehorcht hatte.
Die Stimme lachte. Es war ein lustiges Lachen und klang fast wie das Meckern einer Ziege. „Ach wo! Ich bin ja froh, dass du da bist! Weißt du, ich stecke hier ein wenig fest! Vielleicht kommst du her und ziehst mich hier heraus? Das wäre sehr lieb von dir!“
Jorunn rührte sich nicht. Ihr war immer noch unwohl.
„Ich kann dir helfen, deinen Damm weiter zu bauen!“, schlug die Stimme vor. „Als Dankeschön! Das wird ein Spaß!“
Sie wandte den Kopf zum Bachlauf, der glitzernd in der Sonne dalag. Wieder sah sie das Bild von einer riesigen Überschwemmung. Sie kicherte und ihre Augen leuchteten.
„In Ordnung!“, rief sie. Sie legte die Äste beiseite und ging auf das Unterholz zu. Dort war nichts zu sehen und das war schon ein bisschen unheimlich. Aber wenn dort wirklich jemand ihre Hilfe brauchte… und das Angebot beim Bauen behilflich zu sein, war zu verlockend.
„Wo bist du denn?“, sie bog einige Zweige auseinander.
„Noch ein paar Schritte… so ist’s gut!“, antwortete die Stimme. „Schon bist du da!“
Jorunn verzog das Gesicht. „Wo bist du denn? Ich sehe dich nicht!“
Wieder lachte die Stimme. „Das macht nichts. Ich sehe dich!“
Jorunn konnte nicht einmal einen Schrei ausstoßen, als das Wesen sie packte. Nur einige Vögel stoben aufgeschreckt aus den Bäumen. Jorunns Äste blieben auf dem Waldboden liegen und der Bach hatte alsbald ihren Damm fortgespült.
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