Ende und Anfang

von Reila H
KurzgeschichteDrama / P12
Ren Tsuruga
08.03.2012
08.03.2012
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Es regnete.
Dicke Wolken verdeckten den dunkelblauen Nachthimmel.
Der Regen prallte an den beleuchteten Fenstern der Häuser ab und lies dicke Wassertropfen zurück.
Drinnen lachten, weinten und freuten sich Frauen, Männer und Kinder oder sie schliefen während der angeschaltete Fernseher ihre Gesichter in bunten Farben beleuchtete.
Die Straßen waren leer nur vereinzelt sah man Leute, die zu dieser Zeit noch schnell nach Hause liefen und versuchten nicht nass zu werden.
Niemand wollte bei diesem Wetter draußen sein.

Der Park, der sonst immer voll von Menschen war, war leer.
Der Ort an dem sonst junge Pärchen spazieren gingen, wo Leute mit ihrem Hund spazieren gingen oder die Leute einfach nur hin gingen um die Natur zu genießen, war wie leer gefegt.
Auf den Wegen bildeten sich kleine Pfützen, die immer mehr an Größe zunahmen.
Immer wieder war das Geräusch zuhören, wenn wider ein Wassertropfen den Weg in die Pfütze gefunden hatte.
Plitsch Platsch, Plitsch Platsch
immer wider, eine immer wiederkehrende Musik im sonst stillen Park.
Selbst die Vögel hatten aufgehört zu singen und ruhten ihre Stimmen für den nächsten Tag.
Die Bäume standen dunkel und steif, wie die Bewacher einer anderen Welt, da und fragten sich was der Mann, der so alleine auf einer Parkband saß hier wollte.
Der Mann war groß und saß niedergeschlagen auf der Parkband, und das schon seit Stunden.
Schon seit dem frühen Vormittag hatte er sich nicht von Fleck bewegt.
Seine schwarze Hose und sein weißes T-shirt mit Drachenmotiv klebten ihm an seinem nassen und durch trainierten Körper.
Seine dichten, blonden, Haare fielen ihm pitschnass ins Gesicht und verbargen seine sonst lebhaften braunen Augen.
Aber jetzt waren sie leblos, trüb und schienen nirgendwo hin zu sehen.

Kuon war einfach weggelaufen, weg von dem was er sich nicht eingestehen wollte.
Wie in Trance war er in den Park gegangen und hatte sich auf die Bank gesetzt, auf der er normalerweise nur mit ihr gewesen war.
Sie hatten diesen Ort geliebt immer wenn sie alleine sein wollten waren sie hierher gekommen.
Immer wieder.
Nur am Rande hatte Kuon wahrgenommen, dass es dunkler wurde und immer weniger Menschen im Park spazieren gingen.
Er hatte nicht wahrgenommen wie es angefangen hatte zu regnen.
Nur, dass er auf einmal nass gewesen war.
Er hatte leicht und traurig gelächelt.
Der Himmel war genauso traurig wie er, aber der Himmel konnte weinen, er nicht.
Er konnte es nicht.
Er wollte schreien, weinen, aufspringen, aber er konnte nicht.
Sein Körper und sein Geist waren wie gelähmt.
Immer wieder durchlebte er den heutigen Tag noch einmal.
Immer wieder sah er sie, als sie über die Ampel lief, zu ihm.
Immer wieder sah er wie das Auto näher kam.
Immer wieder sah er sich selbst, der sich nicht bewegte und nur das Auto anstarrte das immer näher kam.
Und dann, der Aufprall.
Ihr überraschtes Gesicht, die lauten Rufe der Menschen.
Sein eignes lautes Aufschreien, als er verstand was passiert war.
Wie er zu ihr geeilt war, ihre Hand gehalten hatte.
Aber es war zu spät.
Ihre Hand war kalt gewesen. Kalt. Wie ein Eiswürfel. Wie…tot.
Er war erstarrt. Nicht glaubend was passiert war.
Hatte immer wieder ihren Namen gerufen.
Aber sie würde ihn nie wieder hören.
Nie wieder auf sein Rufen hören.
Und ihn nie wieder rufen.
Er erinnerte sich daran wie schön sein Name in ihrem Mund geklungen hatte.
Wie etwas wertvolles was man nicht verlieren durfte.

Sie war gestorben. Tot. Für immer. Für immer weg.
Und er war einfach weggelaufen ohne noch darauf zu warten, dass der Krankenwagen kommen würde und ihm nur das sagen würde was er schon wusste.
Dabei war doch gerade alles so schön gewesen.

Alles war gut gewesen.
Er hatte ihr von seiner Vergangenheit erzählt, aber sie hatte sich damals nicht ängstlich und angewidert von ihm abgewendet wie er es befürchtet hatte. Nein.
Sie hatte seinen Schmerz verstanden. Hatte ihn umarmt als ihm die Tränen gekommen waren.
Und war seitdem immer für ihn da gewesen.
Egal ob er es wollte oder nicht. Immer wenn es ihm schlecht gegangen war, war sie da gewesen.
Und dann hatte er ihr seine Gefühle verraten. Fürchtend, dass sie sich jetzt von ihm abwenden würde.
Aber auch das war nicht geschehen. Sie war dageblieben hatte seine Gefühle sogar erwidert.
Schließlich hatte er ihr einen Heiratsantrag gemacht.
Sie hatte ihn damals freudig und stürmisch umarmt und unter Freudestränen geantwortet:
„Ja ich will“
Er war damals glücklich gewesen, der glücklichste Mann der Welt.
Zwei Jahre später hatten sie geheiratet. Zwei Monate später war sie schwanger gewesen.
Und sie waren in dieser Zeit die glücklichsten Menschen auf erden gewesen.
Egal was in der Vergangenheit passiert war. Jetzt waren sie glücklich.
Aber jetzt war das alles vorbei. Zerstört. In einem Moment.
Sie hätte in einer oder zwei Wochen ihr Kind bekommen.
Was es wohl gewesen wäre? Junge oder Mädchen?
Sie hatten schon ein Kinderzimmer eingerichtet und Anziehsachen gekauft.
Aber das war alles umsonst gewesen.
Kuon war für 3 ½ Jahre der glücklichste Mensch auf erden gesesen, aber das Schicksal hatte es noch nie gut mit ihm genommen.

Und jetzt saß er hier alleine, durchnässt und immer wieder sich selbst Vorwürfe machend.
Wenn er doch nur reagiert hätte, als er das Auto gesehen hatte.
Warum war er bloß erstarrt und hatte nicht seine Frau und sein Kind vor dem Tod bewahrt?
Warum?
Warum?
In solche Gedanken vertieft bemerkte er erst mal die Gestallt nicht die sich ihm näherte.
Erst als er spürte wie der Regen plötzlich aufhörte, sah er auf.
In das Gesicht seines Managers und Freundes Yashiro.
Der schaute ihn gleichzeitig wütend und mitleidig an.
Er wusste das es bestimmt nicht leicht für seinen Schützling war, einfach so seine Frau zu verlieren.
Aber er hatte ihn min. Hundertmal angerufen um ihm etwas Wichtiges zusagen.
„Was willst du?“, fragte Kuon nun, die Leere in seinem Blick erschreckte Yashiro.
„Dir etwas Wichtiges sagen, aber du gehst ja nicht an dein Handy“
Kuon schaute immer noch mit leeren Augen zu seinem Freund auf.
„Mein Handy habe ich ausgeschaltet.“
Er hatte es ausgeschaltet als Yashiro das zweite mal versucht hatte ihn anzurufen.
„Das habe ich auch bemerkt“, gab dieser zurück.
Daraufhin schwiegen sie wieder eine Weile.
„Hör mir einfach mal zu, bitte.“, begann Yashiro ein erneutes Gespräch.
„Ich habe ja keine andere Wahl“
„Doch hast du, du hast leider die Fähigkeit so zu tun als würdest du zuhören. Aber eigentlich ganz wo anders zu sein.“
„Schon gut ich höre dir zu“
„Also das Auto dass Kyoko erwischt hat gehört einem Yamato Takeshima. Sein 15-jähriger Sohn hat ihm die Autoschlüssel aus der Tasche geklaut und wollte damit eine Spritztour machen. Du weist ja wie die geendet hat. Der Sohn liegt mit starken Verletzungen im Krankenhaus. Ist aber außer Lebensgefahr. Gegen den Vater wird Anklage erhoben.“
„mhm. Das bringt sie auch nicht zurück“, gab Kuon von sich, es war ihm egal wer den Unfall verursacht hatte, es änderte nichts mehr.
„Halt die Klappe und hör zu. Kyoko war fast sofort tot und hat wahrscheinlich nicht viele Schmerzen gehabt.“
Kuon seufzte. Wenigstens etwas Gutes. Wenn man an der ganzen überhaupt etwas Gutes sehen konnte.
Yashiro lächelte seinen Schützling leicht von der Seite an. Er hatte noch eine erfreuliche Nachricht. Sozusagen `das Glück im Unglück`.
„Ach noch was“, sagte er fast beiläufig, „Wie willst du eigentlich dein Kind nennen?“
Kuon erstarrte und kuckte seinen Freund erstaunt von der Seite an.
Was sollte das?
Yashiro lächelte. Endlich mal eine Gefühlsregung die nichts mit Trauer zutun hatte.
„Der Krankenwagen war so schnell da, dass dein Kind noch gerettet werden konnte.
Es braucht zwar noch Hilfe beim Atmen, aber es wird es überleben.“
Kuon schaute seinen Betreuer immer noch überrascht und ungläubig an.
Dann sprang er auf einmal auf und lief so schnell wie seine Beine ihn tragen konnten zum Krankenhaus.
Er wollte, dass was sein Freund ihm gesagt hatte erst glauben wenn er es mit eigenen Augen gesehen hatte.
In seiner Dunkelheit hatte er ein kleines Licht gefunden, dass immer heller und größer wurde je näher er dem Krankenhaus kam.
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